Das Internet, kein freier Raum!

Betrachten wir die Struktur der digitalisierten Arbeitswelt, so wird offenkundig, dass mit der Aufteilung des kommerziellen Internets quasi imperialistische Züge einhergehen. Nur jenen Unternehmen, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügen, wird somit ein Machtpotential zugebilligt, das eine Gewinnmaximierung im Sinne der kapitalistischen Doktrin überhaupt in nennenswertem Maße erlaubt. Nun mag man mir vorwerfen, dass es eben einer solchen betriebswirtschaftlichen Budgetierung auch in der realen Wirtschaftswelt bedarf. Das ist richtig und falsch gleichzeitig. Denn wenn auch in der analogen Wirtschaftswelt eine monetäre Durchschlagskraft über gute Start- und Entwicklungspotentiale einer Unternehmung entscheiden, so bilden sich, von Standortpotentialen und Zielgruppenakkumulationen bestimmt, immerhin ein unternehmerischer Mittelstand heraus.

Entscheidend für die Dienstleistungen der digitalen Welt ist im Unterschied dazu von Anfang bis Ende ein ideales Budget zur Positionierung der Dienstleistung selbst. Über Positionierung und Ranking entscheidet allerdings nicht der Markt, und mit ihm die entsprechende Nachfrage, sondern ein ganzes Netzwerk privater Marketing-Multiplikatoren namens Google, Facebook und Co. Wenn wir also den Status quo des Internets beschreiben wollten, so kämen wir keinesfalls umhin, diesen als monopolistischen Kapitalismus in seiner absoluten Reinkultur zu benennen, dessen primäres Ziel die Optimierung einer Position zum „Gefunden werden“ ist. Gefunden zu werden, nachdem der potentielle Käufer seine Anfrage eingetippt und schließlich mittels Return durch den digitalen Äther gejagt hat, wird zur einzig wahren Doktrin der postkapitalistischen Gesellschaft erhoben.

Denn das „Gefunden werden“ wird zum zentralen Moment in einem tendenziell gesättigten Markt, in dem Aufmerksamkeit erkauft und Kundenengagement teuer bezahlt werden muss. Monetarisierung heißt hier das Zauberwort, also die Kapitalisierung einer eigentlich artifiziell kreierten Dienstleistung, die sich vom Wunsch des Kunden nährt, Kapital zu erwirtschaften und Gewinn zu machen.

Gleichzeitig hat sich neben der Bespielung der Marketing-Kanäle auch die Struktur der digitalen Dienstleistung geändert. Denn schaut man sich die Internet-Giganten an, so fällt eines auf: Sie produzieren nichts, sie profitieren nur von dem, was bereits produziert wurde. Ob Facebook, Google oder Uber, ob Expedia oder Partnersuche: Allesamt sind es Plattformen, die eine vermittelnde Rolle zwischen digitaler und analoger Welt einnehmen und dabei für ihren Erfolg nichts weiter tun, als lediglich die Technologie, die es dafür braucht, zur Verfügung zu stellen. Ja, auch dafür braucht es helle Köpfe. Doch wo Tecc-Know-how einzig zur Verfeinerung eines Algorithmus benötigt wird, besteht doch die Gefahr, dass das Produkt, das vermittelt wird, an Bedeutung verliert, eben weil jene, die es verkaufen, keinen Bezug zu ihm haben.

Ergo: Das Internet ist längst ein zutiefst hierarchisch strukturierter Raum. Auch wenn die liberalen Freiheitsfantasien der Piraten Partei uns einst etwas anderes glauben machen wollten, so müssen wir erkennen, dass, neben all seinen Vorteilen, seine Nachteile in einer radikalen Monopolisierung liegen. Nur derjenige hat Bestand, der sich dem digitalen Marktradikalismus beugt, der seine Website ständig optimiert, seine Budgets in Echtzeit anpasst und sich gegenüber seinem Mitbewerber dennoch den einen USP bewahrt, der sein Unternehmen einzigartig macht.

Diejenigen, die von der Entfremdung vom Endprodukt profitieren, sind abstrakte Plattform-Giganten, denen an einem gesunden Mittelstand so viel liegt wie am Sack Reis, der in China umfällt.

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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