Ist das hier alles noch gesund?

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

Der Begriff „Gesundheit“ ist, wenn es auch auf den ersten Blick so scheinen mag, alles andere als leicht zu definieren. Gesund, das ist das Gegenteil von krank. So weit, so oberflächlich. Aber genau diese Oberflächlichkeit kennzeichnet das Niveau, auf dem gegenwärtig die gesellschaftliche Diskussion über das, was gesund ist und eben nicht, geführt wird. Denn dieses simplifizierende Narrativ geht von einem stets biologistischen Weltbild aus, reduziert den Menschen auf einen potentiellen Empfänger und Übeträger eines Virus, das wie aus dem Nichts über ihn hereinbricht.

In diesem Weltbild ist kein Platz für Besonderheiten, für menschliche Eigenarten, es unterteilt die Menge lediglich in A und B, in gesund und krank, quantifiziert, statt die menschlichen Qualitäten bei der Risikobewertung mit einzubeziehen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer.

Denn obgleich an allen Ecken, ob in der Pflege, beim Physiotherapeuten, beim Yoga oder beim börsennotierten Global Player, von einem ganzheitlichen Ansatz gesprochen wird, scheint eben darauf bei Corona keinerlei Wert gelegt zu werden. An einen ganzheitlichen, konzeptionell abgestimmten und gleichwohl maßvollen Ansatz ist hier jedenfalls nicht zu denken. Stattdessen scheint das Virus, allein das Virus, so sehr ins Fadenkreuz der Bundesregierung und dem ihr anhängenden Mediziner-Virologen-Appendix geraten zu sein, dass schlicht und einfach nicht über den Tellerrand geschaut und jedes maßvolle Handeln vergessen bzw. bewusst vermieden wird.

Vergessen wird leider auch, dass das Konzept Gesundheit mehr ist als eine Etikettierung, als das Labeln in gesund und krank. Und ja: Auch das Labeln selbst kann schon krank machen. Zum Beispiel wenn Schülerinnen und Schüler inmitten des Klassenraumes von nicht-medizinischem Personal getestet werden, und im Falle eines positiven Testes Spott und Häme ausgesetzt sind. Ist das ein gesundheitsförderndes Verhalten? Werden hier nicht gruppendynamische Prozesse in Gang gesetzt, die Mobbing und Ausgrenzung Tür und Tor öffnen? Eigentlich müsste sich da jeder Pädagoge an seinem Berufsethos gepackt fühlen, doch der große Protest bleibt größtenteils aus. Das ist bedenklich.

Auch wäre einmal zu überlegen, ob wir den von Politik und Medien propagierten Gesundheitsbegriff für wirklich gesund erachten sollten. Denn Gesundheit ist nicht zu vergleichen mit einer „Wenn dann“-Funktion in Excel, sie lässt sich nicht fassen, ist einfach da oder eben nicht, dann fühlen wir uns krank. Gunnar Kaiser, den ich sehr schätze, vergleicht sie mit einem Vogel, den man nicht fassen kann und da gebe ich ihm recht. Denn wer Gesundheit zu jedem Preis einfassen möchte, der läuft Gefahr, Ungesundes dafür zu tun. Dennoch erleben wir in Deutschland spätestens seit Corona diese Taktik, bei der staatlich verordnete Maßnahmen als „gut“ und akzeptabel deklariert werden, ohne die Risiken zu beachten, welche genau diese Maßnahmen mit sich bringen.

Gesundheit ist ein Konzept, das, so wissen wir es spätestens seit Aaron Antonovsky und seiner Idee von der Salutogenese, schon beim gesunden Menschen ansetzt und eben ganzheitlich zu sehen ist, das heißt auf allen Ebenen. Doch davon will unsere Regierung nichts hören. Leider. Sie will nichts davon hören, dass sich eine 93-jährige Frau im Krankenhaus wie im Gefängnis fühlt, nachdem sie Corona-positiv getestet wurde, aber top fit ist. Sie will nichts davon hören, dass man früher symptomfreie Patienten mal gesund nannte. Sie will nichts davon hören, dass es krank macht, seine Kinder und Enkel und Eltern nicht zu sehen. Nicht zu ihnen ins Krankenhaus zu können. Was glauben Sie, wieviele Selbstständige und Gastronomen in letzter Zeit daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen? Wie viele es vielleicht schon getan haben? Was denken Sie, was das alles hier, die Fixierung auf R- und Inzidenzwerte und Co, so alles mit uns und unserer Welt macht?

Es ist eine Reduzierung des Menschseins selbst. Ein erbärmliches Herunterbrechen auf einen Nenner, ein Kürzen bis es nicht mehr geht.

Ich frage Sie: Ist all das maßvoll? Ist dies wirklich gesundheitsfördernd? Oder ist es eher ein Klima der Kälte und der Suppression, das uns hier entgegenschlägt, das den Virus zum neuen Fetisch und goldenen Kalb zugleich erklärt und längst Maß und Ziel aus den Augen verloren hat? Man könnte sicherlich daran denken.

Das zugrundeliegende Gesundheits-Konzept, das hier erst mittels Polizei und sonstigen Behörden etabliert werden muss, hat jedenfalls mit Ganzheitlichkeit nichts zu tun. Es ist nicht warm, nicht empathisch und nicht menschlich. Es verliert den Menschen stattdessen aus dem Blick, weil seine Initiatoren auf ihn herabschauen, statt ihn anzuschauen. Es reduziert ihn auf einen potentiellen Virusträger, einen Gefährder, der eher unverantwortlich als verantwortungsvoll handelt. Gleichzeitig entmündigt es ihn, behandelt ihn wie ein Kind, das den Anordnungen, Regeln und Gesetzen, die im Eilverfahren und weitestgehend unreflektiert (siehe Ostersamstag-Dilemma der Kanzlerin) durchgewunken werden, Folge leisten muss.

Ginge es stattdessen um echte Gesundheit und wäre der Regierung wirklich daran gelegen, würde sich dies sicherlich anders widerspiegeln. Ich weiß nicht wie, aber anders. Es liefen vielleicht Ratgeber-Sendungen im Internet, es wäre ein Klima des „Das wird schon“, ein motivierendes Anfeuern zum Durchhalten. Stattdessen klingt das allerorts lesbare „Bleiben Sie gesund“, da fast schon wie eine Drohung. Es klingt jedenfalls nicht wirklich freundlich.

Würden die Regierenden Gesundheit als ein vielschichtiges, als ein multifaktorielles Konzept betrachten und verstehen, dann müssten auch die Fragen nach den Kollateralschäden, nach den Nebenwirkungen aller invasiven Taktiken gestellt werden. Es ginge nicht nur um Machtpoker, bei dem die Systemrepräsentanten auf der Bühne der Bundespressekonferenz immer noch so arrogant und selbstgefällig sind wie eh und je.

Merken Sie auch wie ich, dass es plötzlich auf der Welt kein anderes Thema mehr als die „Große Grippe“ zu geben scheint? Doch eigentlich gibt es da noch so viel mehr. Wussten Sie, dass die USA zwei Zerstörer ins Schwarze Meer verlegt haben, an die Grenzen Russlands? Auch der Bau der neuen Seidenstraße geht ungebremst voran. Berichtet wird davon im Moment eher nur „rudimentär“. Stattdessen mediales Zahlengewusel, das uns als Zuschauer stumm und betäubt im Theater des Wahnsinns zurückbleiben lässt. Jeden Tag.

Kann das gesund sein? Darf Politik das, was sie hier macht, maßlos, entrückt von der Realität? Ist all das ethisch und moralisch überhaupt vertretbar? Wohl kaum! Gerade dann nicht, wenn man sich an den Corona-Zahlen selbst orientiert. Stand 11. April 2021 starben in Deutschland 78.402 Menschen an oder mit Corona. Und ja, genau betrachtet muss man jene Fälle, die mit der kleinen aber wichtigen Präposition „mit“ gekennzeichnet sind, unbedingt abziehen. Denn eine klare, evidenzbasierte Zahlenbasis ist auch die Basis jeder Naturwissenschaft, die ja wiederum daraus die richtigen Schlüsse ableiten muss. Aber selbst wenn wir die Menschen, die „mit“ Corona verstarben in unsere Rechnung inkludieren, entsprechen das 0,09 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Übrigens starben im Jahr 2019 rund 231.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Zigaretten und Alkohol gibt es, soweit ich weiß, immer noch zu kaufen …

Aber schauen wir uns – um eine noch repräsentativere Basis zu erhalten – die weltweiten Corona-Zahlen an (ebenfalls Stand 11. April 20021): 2,92 Mio. Todesfälle, das entspricht einem prozentualen Anteil an der Weltbevölkerung von 0,04 Prozent.

Was zeigt uns das? Dass Corona eine Krankheit ist, vor der man sich schützen sollte. Das zeigt aber auch, dass weder der mediale Overkill, der uns seit über einem Jahr zudröhnt, noch ein Dauerlockdown gerechtfertigt sind. Gerechtfertigt sind auch nicht die massiven Grundrechtbeschneidungen, die man uns mit dem Etikett „Wir müssen zusammenhalten“ verkauft, während wir vom Staat entmündigt und gesellschaftspolitisch gespalten werden.

Alles ist im Leben eine Frage der Risikobewertung. Vieles kann passieren, potentiell. Jedes Opfer ist eines zu viel. Das gilt für Corona-Tote genauso wie für die Menschen , die im Straßenverkehr, in der U-Bahn oder bei einem Terroranschlag zu Tode kommen.

Doch es muss auch klar sein: Eine Gesellschaft, die mit invasiven Maßnahmen so gegängelt wird, obgleich diese Maßnahmen in keinem Verhältnis mehr zu dem durch sie potentiell vermiedenen Risiko stehen, wird strukturell toxisch. In ihr gährt es und es wird ungemütlich. Denn wenn um Existenzen zu schützen Existenzen gefährdet werden, Menschen gar Jobs verlieren oder aus Angst nicht mehr zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, dann bekommen die sogenannten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit einen faden Beigeschmack. Dann wird es gefährlich, denn es könnte zu irreparablen Verwerfungen kommen, im Zuge derer sich unsere Gesellschaft langfristig nachteilig verändert und selbst amputiert.

Quellen und Literatur:

aerzteblatt.de, https://www.aerzteblatt.de/archiv/209251/Aaron-Antonovsky-Vater-der-Salutogenese, abgerufen am 11.04.2021

Kaiser, Gunnar, Die Verborgenheit der Gesundheit, https://www.youtube.com/watch?v=koRaX25fOqw, abgerufen am 11.04.2021

Liste von Staaten und Territorien der Welt, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_und_Territorien_nach_Einwohnerzahl, abgerufen am 11.04.2021

Todesursachen in Deutschland, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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