Angela Merkel auf der Wies’n

Das grenzt schon an Ironie des Schicksals: Nachdem Philipp Rösler mit seiner Ankündigung, der Austritt Griechenlands aus der Eurozone sei immerhin denkbar, ein liberales Heilversprechen zur Überwindung der Fünf- Prozent-Hürde in Berlin machte, schließt sich ihm jetzt auch noch Herr Seehofer von der CSU an. Gut – vielleicht lässt auch der Beginn des Oktoberfestes mit all seinen gesellschaftspolitischen Verfpflichtungen die Zunge des bayerischen Landesoberhauptes a Bissl lockrer werden. Auch die Kanzlerin würde sich ja eventuell bei einem Besuch des Bier-Events auf der Theresienwiese zu unverkrampften Äußerungen hinreißen lassen, um in diesen Zeiten die lang ersehnte politische Kante gegenüber dem (immer noch) ungezügelten Casino-Kapitalismus zu zeigen.

Selbst Josef Ackermann räumte ein: Man (die Banken) müsse wieder seinen „genuinen Aufgaben als Diener der Realwirtschaft nachkommen“. Wieder ein Heilsversprechen? Immerhin lässt diese Aussage des Schweizers hoffen. Also Frau Merkel, ich schließe mich den Forderungen von Hans-Ulrich Jörges (Stern-Ausgabe No. 38) an. Sprengen Sie sich endlich frei von den Ketten der Finanzmärkte und beginnen Sie damit, die Bankenaufsicht zu stärken, Hedgefonds zu kontrollieren, Finanzderivate genehmigungspflichtig zu machen bzw. ganz zu verbieten, Kreditversicherungen zu Spekulationszwecken unmöglich zu machen und schließlich das Abwälzen des Kreditrisikos der Banken durch Verbriefungen radikal einzudämmen.

Der Masspreis knackt mit rund 9,20 € in diesem Jahr die 9-Euro-Marke – aber Frau Merkel: Wenn Sie Hopfen und Malz zu mehr Risikobereitschaft gegenüber den Bankern veranlasst, finde ich, dann ist das eine durchaus lohnende Investition. Für Europa, den Euro und für uns: Prost!

Merkel die gefährlichste Frau Europas?

Wie sich die Dinge doch gleichen. Oskar Lafontaine bezeichnet Merkel in einem Interview als gefährlichste Frau Europas. Noch im Jahr 1998 war er es, den die britische „Sun“ als den gefährlichsten Mann Europas betitelt hatte. Nun kritisiert er Mekels Unfähigkeit in Sachen Finanzverständnis und fordert unablässig die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Gut – über deren Implementierung ist man sich, neuesten Medienberichten zufolge, zumindest im deutsch-französischen ‚Bussi-Bussi“-Verhältnis Merkel-Sarkozy einig. Aber was tun mit dem griechischen Schuldenhaushalt? Auch darauf gibt Lafontaine eine unmissverständliche und klare Antwort: Millitärausgaben streichen, einen mehr oder minder freiwilligen Finanzobolus der 200 reichsten griechischen Familienclans einforden, grundsätzliche Abkopplung der Krisenländer vom Finanzmarkt und direkte Kreditvergabe durch öffentlich-rechtliche Banken. Lafontaine: „Würden die Reichen Europas die Hälfte ihres Vermögens abgeben, wären die Schulden deutlich reduziert und die Reichen wären immer noch reich.“

Frankreich denkt derzeit übrigens über die Einführung einer Reichensteuer nach. – Lieber Herr Lafontaine, recht bzw. links so.

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