Corona, Selbstaufgabe und die Sehnsucht nach Glauben

Das Eigentliche, was mich schier verzweifeln lässt, sind die gesellschaftlichen Eruptionen und Verwerfungen, die Corona zutage bringt.

Es ist nicht die Frage nach der Wirksamkeit der Impfung oder ihrer Nützlichkeit. Es ist die Bereitschaft so vieler, sich unterzuordnen, eines vermeintlich hehren Zieles wegen, der Wille zur unbedingten Unterwerfung, zur absoluten Gefolgschaft. Mir geht es dabei, das will ich klarstellen, nicht um die Fantasien derer, die an die Implantation eines Gen-Chips via Impfspritze glauben oder um ähnliche Kandidaten, die den einen Ismus gegen einen anderen eingetauscht haben. Mir geht es um die Tatsache, dass so viele Menschen verzweifelt an dem einseitigen Deutungsmuster eines Narrativs festhalten, obgleich sich die Repräsentanten dieses absolutierten Deutungsmusters, aber auch das Deutungsmuster inhaltlich selbst als eine einzig große Fehleinschätzung entpuppten.

Ich erinnere mich noch an die Zeiten der beginnenden Pandemie, in denen zu wenig Mundschutze vorhanden waren und die Bevölkerung, in dem Glauben an ein rasches Ende, diese in Eigenregie eifrig nähte. Es war die Zeit, in der man sogar noch Karneval feiern durfte und die Politiker – allen voran Jens Spahn – von keiner großen Gefahr durch Corona ausgingen. Damals flogen auch noch regelmäßig Passagierflugzeuge aus dem Iran in Frankfurt ein, obgleich man von einer Seuche namens Corona wusste, die im Mullah-Staat heftig wütete. Viel wurde nicht getan, stattdessen verharmlost und beschönigt. Dann, im März 2020, der heftige Schwenk. Nun war Corona, so viel stand fest, eine gefährliche Seuche. Es galt das Credo „flatten the curve“. Die Verbreitung der Infektion sollte möglichst langsam vonstattengehen – die Infektions-Kurve also flach gehalten werden. So die Theorie. Es folgte ein weiterer Schwenk auf den R-Wert, dann schließlich jener auf die Inzidenz und ganz allmählich kam das, was man noch am Ehesten als ein Abdriften in die biologisch-medizinische Sphäre bezeichnen kann – still, aber behände. Mit diesem Abdriften in einen für die Allgemeinheit neuen Kosmos ging gleichzeitig auch die Einführung eines ziemlich fachlich klingenden Vokabulars einher, das sich zusehends schnell ins Alltagsleben schlich. Denn schon Wittgenstein wusste ja, dass man über alles, was man nicht sprechen kann, schweigen soll. Für den Corona-Kosmos hatten wir rasch die richtigen Wörter, einen funkelnden semantischen Horizont. Gott sei Dank.

R-Wert und Inzidenz waren uns durch die allgegenwärtige Medien-Präsenz so schnell vertraut wie der morgendliche Gang zum Bäcker und gehörten, weil sie ja wichtig sind, zu den Nachrichten wie der Wetterbericht. Was immer mehr in den Hintergrund rückte, war, dass die Corona-Pandemie in Deutschland mit einer Verkettung von Fehlentscheidungen begann. Wie gesagt: Mundschutze musste man sich damals noch selbst nähen, auch Desinfektionsmittel war, soweit ich erinnere, nicht ausreichend vorhanden. Doch statt den politischen Entscheidungsträgern eine gewisse Unfähigkeit zu attestieren und sie folgerichtig aus ihren entscheidenden Positionen zu entfernen, hörte ich immer wieder entschuldigende Worte – und zwar seitens vieler potentieller Wähler. Was mich damals schon wunderte, war dieser erste Hauch von Gläubigkeit, den einige Menschen anklingen ließen. Sie fragten erst gar nicht danach, wie denn ein so gut vernetztes und auch nachrichtendienstlich bestens aufgestelltes Land wie die Bundesrepublik keine Erkenntnisse über eine drohende Seuchengefahr hatte im Vorfeld ermitteln können. Dieses Absorbieren des Gegebenen war für mich ein erster Hinweis darauf, dass Menschen in Zeiten einer heraufziehenden Krise, in Zeiten des Ungewissen, an starken Führern mehr gelegen ist als an deren tatsächlicher Kompetenz, eine Krise adäquat bewältigen zu können.

Daran änderte sich auch im weiteren Verlauf der Pandemie nichts – als wir von Lockdown zu Lockdown hechteten, eine Taktik, die wissenschaftlich mehr als umstritten ist (vgl. hierzu die Studie von John Ioannidis, Standford). Nun: Ganz gleich, wie man zu den Maßnahmen stehen mag, hat mich von Anfang an doch sehr verwundert, mit welcher Gleichgültigkeit die einen ihre Freiheitsrechte aufgeben, andere sogar ein immer härteres Vorgehen des Staates verteidigen und schlimmstenfalls ein Mehr davon fordern. Mich interessierte insbesondere die Motivation hinter einer solchen Forderung.

Wollen wir diese Motivation ermitteln, so denke ich, dass wir den neuen Gesundheitsbegriff analysieren müssen, dem die staatlichen Interventionen zugrundliegen. Dieser wird in erster Linie bestimmt durch ein biologistisches Bild des Menschen, der nach diesem entweder krank mit dem Virus oder gesund ohne den Virus ist. Der Gesundheitsbegriff ist weder moralisch, noch sozial-psychologisch inspiriert und betrachtet den Menschen lediglich als potentiellen Träger eines Virus. Etwas böswillig könnte man ihn, den neu konnotierten Gesundheitsbegriff, als kapitalistisches Gewächs bezeichnen, das amoralisch auf den Gesamtorganismus Gesellschaft blickt, ohne dessen einzelne Organe wertzuschätzen. Um die Funktionalität des Gesamtsystems zu gewährleisten, werden einschneidende Maßnahmen ohne Wenn und Aber gerechtfertigt, da sie per Definition unerlässlich sind.

Es geht damit um einen rein verkürzten und quantifizierenden Gesundheitsbegriff, der lediglich in biologisch gesund und ungesund unterteilt. Diese Dualität „biologisch ungesund – gesund“ muss man verstehen, denn nur unter ihrem ideologischen Dach lassen sich viele erlassene Maßnahmen der Regierung vereinbaren sowie das akzeptierte Deutungsmuster nachvollziehen.

Nun haben jene Menschen, die den Maßnahmenkatalog der Bundesregierung – und damit auch die Bundesregierung – verteidigen, nicht nur diesen dualistischen Gesundheitsbegriff verinnerlicht, sondern auch die Sprache, in der sich das Phänomen-Corona vollzieht. Sie haben sich für diesen einfacheren Weg entschieden. Dies mag viele Gründe haben. Nun erreicht das genrell gültgige Deutungsmuster mit der Impfung allerdings eine neue Dimension.

Denn die Impfung galt und gilt noch immer als der Königsweg, der uns heraus aus der Pandemie führt. Nun steht aber seit einiger Zeit fest, dass auch die Impfung nicht so lange wirksam ist wie gedacht, dass sie an der Übertragung der Corona-Viren von Mensch zu Mensch so gut wie nichts ändert, sondern bestenfalls und immerhin den Verlauf der Krankheit mildert. Kurzum: Die von der Politik so gepriesene Bio-Technik weist erste Schwächen auf. Statt spätestens jetzt nochmal den Sachverhalt in Ruhe zu reflektieren und vielleicht auch einzuräumen, dass die Impfung nicht das hielt, was sie – sensu Politik – versprach, wurde ein neuer Sündenbock ausgemacht: die Impfgegner. Das verblüffte mich zusehends immer mehr.

Denn genau betrachtet ist die Impfquote in Deutschland gar nicht mal so niedrig, sondern liegt mit bis zu 75 Prozent deutlich im vorderen Mittelfeld. Wenngleich auch die Impfquote der hohen Inzidenzrate keinen Abbruch tat – genauso wenig wie die unbedingte Gläubigkeit vieler Menschen an den Impfstoff. Stattdessen wurde und wird die gesellschaftliche Spaltung immer weiter vorangetrieben, teils flankiert von aufpeitschenden Medien, und ich frage mich: Wie kann man eine solche unbedingte Gläubigkeit entwickeln?

Die Antwort liegt, denke ich, darin, dass der Glaube an die Gültigkeit eines wahr empfundenen Deutungsmusters sich als Kult verselbstständigt hat. Der Sachverhalt hat sich als „Glaube“ sozusagen entkernt von seinem eigentlichen Sinn und existiert qua Selbstzweck. Denn mittlerweile ist der „Glaube an die Sache“ wichtiger geworden als die tatsächlichen Fakten. Dieser Glaube vereint nicht nur sinnstiftende Elemente, der Glaube als solches vermag auch Hoffnung zu geben. Außerdem eint Glaube, indem er viele Menschen, die glauben, zusammenführt und gemeinsames Erleben schafft. Ebenso ist es bei jenen, die unreflektiert an das Narrativ der Spaltung glauben. Denn, um es mit Volker Pispers zu sagen: Wenn du weißt, wer das Böse ist, hat der Tag Struktur.

Doch wenn also der Glaube ans gültige „Deutungsmuster der Spaltung“ (geimpft – nicht geimpft) so ungewöhnlich stark ist, dann wird auch klar, warum die Gläubigen ihren Glauben so verteidigen. Ihnen geht es nicht um inhaltliche Richtigkeit, ihnen geht es auch nicht um Diskurs: Ihnen geht es um die Bewahrung ihres Glaubens selbst und die mit ihm verbundene sinnlich-unmittelbare Erfahrung. Denn würden die Säulen des Glaubens ins Wanken geraten, würde ihre Selbstaufgabe im wahrsten Sinne des Wortes offenkundig werden. Der Sturz ins psychologische Nichts wäre grenzenlos, da sie ihrem Selbstbetrug gewahr würden.

Wer das Selbst als solches aufgibt, muss sich in die Hände vermeintlicher Führer begeben und zahlt dafür den Preis des „reflektierenden Seins“. Er entfernt sich sozusagen immer mehr von seinem Selbst, spürt diese Distanzierung irgendwie, aber kann sie nicht genau benennen. Aufgrund einer starken Verdrängung lässt er also sein Selbstgefühl nicht zu, das ihm sagen würde, dass er falsch liegt oder ihn zumindest zur Reflektion anhält. Er entgeht quasi der Enttäuschung und kompensiert seine Ich-Schwäche stattdessen mit der Fixierung auf eine andere gesellschaftliche Gruppe, hier: die Ungeimpften.

Gleichzeitig entgeht er der Katharsis, Teil eines Systems zu sein, das seine Versprechen nicht einlöste und das strukturell nie im humanistischen Sinne auf ihn ausgerichtet war. Würde er sich dessen tatsächlich bewusst, so zöge diese Erkenntnis eine schwere Sinnkrise nach sich. Um eben dieser Sinnkrise auszuweichen, sucht sich der Gläubige (hier die Impfung) als Ersatz, huldigt ihr, egal, was kommen mag, als sinnstiftendem Teil der vermeintlichen Erlösung und Heilung.

In dem unbedingten Glauben an Heilung mag auch der phylogenetische Wunsch begründet liegen, dem Mysterium Tod zu entfliehen – dem letzten großen Mysterium, das der Mensch trotz der vollzogenen religiösen Entwurzelung nach der Aufklärung und der Technokratisierung des Lebens  nicht aufzulösen vermag. Und vielleicht kann eine Technokratie ja eben diese scheinbare Religiosität bieten, indem man sich ihr hingibt und als ihr Jünger wiedergeboren wird. Doch dies ist ein Irrglaube, kennt die Biotechnologisierung doch keine moralischen Kategorien, auch die Verheißung von Erlösung ist dieser fremd, der Einzelne nur „gut“, wenn er letztlich gesund und als Humankapital verwertbar, wenn er funktional nutzbar ist. Schnell sind wir dann bei einem Präferenz-Utilitarismus eines Peter Singer.

Doch auch die Gläubigen versuchen moralisch zu argumentieren: So zum Beispiel, dass es unmoralisch sei, sich nicht impfen zu lassen. Dies ist ein Scheinargument, denn eine Impfung ist weder moralisch, noch unmoralisch. Sie ist eine Entscheidung für das „Ich“ durch das „Ich“. Eine Entscheidung für die körperliche Unversehrtheit oder eben dagegen – und zwar ganz im Privaten. Fest steht: Wenn wir den Glauben an die im Menschen angelegte Menschenwürde ernst nehmen, das ist meine feste Überzeugung, so müssen wir ihm diese Entscheidung ganz persönlich überlassen.  

Doch die Allgegenwart des Phänomens Corona bietet, wenn wir so wollen, ihren Jüngern auch einen sekundären Krankheitsgewinn – und das schon als gesunder Gläubiger. Denn endlich kann man sich voll und ganz auf ein Thema konzentrieren, wird damit zwar permanent konfrontiert, hört aber dafür von so vielen anderen Themen nichts mehr – außer vielleicht vom nächsten großen Narrativ: der Klimakrise.

Was ist also zu tun? Nun: Wir sollten Fragen stellen. Fragen, die ergründen, wie es dazu kommen konnte, dass eines der best-organisierten und technokratisierten Länder wie Deutschland ein tragisches, aber dennoch überschaubares Mehr an Corona-Patienten auf den Intensivstationen kaum noch handeln kann. Fragen nach den Architekten eines solchen auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Krankenhaus-Systems. Einer dieser Architekten ist zweifellos Karl Lauterbach, er ist allerdings nur einer von vielen. Denn als Gesundheitsökonom trat er für Fallpauschalen und 2019 noch für massive Krankenhausschließungen ein.

Corona füllt, indem es für viele Menschen zu einem quasi-religiösen Kult wird, das religiöse Vakuum, das die Aufklärung und der postindustrielle Wandel mit sich brachten. Dieses geschieht jedoch nicht mit positiver Bestärkung, sondern mittels suppressiver Maßnahmen und Angst. Das ist auf Dauer, so viel ist sicher, alles andere als gesund.  

Eine lustige Lach- und Sachgeschichte über Akkus, E-Autos und Peter Lustig

Als kleiner Junge spielte ich früher sehr gerne mit meiner Modelleisenbahn, einer schwarzen Dampflok, die zu einem Märklin-Set mit blauem Trafo gehörte. Drehte ich den roten Zeiger des Trafos nach links, fuhr die Lok schneller. Ganz einfach. Und dass die Schnelligkeit des Spielzeugs irgendwie mit dem zu tun haben müsse, was da aus der Steckdose kommt, war mir schon als Pimpf klar. Heute spielen weit weniger Menschen mit Modelleisenbahnen, glaube ich. Jedenfalls liegen sie längst nicht mehr im Trend, wurden womöglich von Spielekonsolen und, wie man heutzutage sagt, hippen Sportarten abgelöst. Nur die Elektrizität ist noch immer trendy. Viele wollen Elektro-Autos, wenn auch nur wenige von ihnen sich eins leisten können. Wenige von denen, die sich eins leisten können und kaufen wollen, machen sich jedoch bewusst, dass der Strom dafür, wie bei der Modelleisenbahn damals auch, noch immer aus der Streckdose kommt, und irgendwo anders produziert werden muss. Er wartet ja nicht schon vorher in der Steckdose darauf, dass er endlich weiterfließen darf. Dafür müsste er nämlich gespeichert werden, und dafür braucht man einen Akku – was so wohl auch schon der gute Peter Lustig erklärt hätte, hätte man ihn dazu befragt und hätte es E-Autos schon zu seinen Zeiten gegeben. Gott hab ihn selig. Anders als die Steckdose daheim, besitzen die leisen E-Autos sehr wohl Akkus, auch wenn die Art, wie die Edelmetalle für die mit ihnen angefüllten mobilen Speicher abgebaut werden, umweltzerstörend ist.

Zu den Ingredienzien der Akkus zählt unter anderem Lithium, das zwar ein Leichtmetall, aber nicht gerade leicht, beispielsweise in Rüsselsheim oder Sindelfingen, zu finden ist, sondern viel weiter weg, in einem großen Salzsee in Bolivien beispielsweise. Von dort aus muss es über den Pazifik zu uns verschifft werden, mit Schiffen, die nicht elektronisch, sondern mit Schweröl angetrieben werden, damit man die Akkus dann mit einem dieselbetriebenen LKW in die Akku-Fabrik bringen kann. Und weil sich immer mehr Leute denken, dass sei eine hervorragende Idee, mit einem leisen E-Auto rumzufahren, dessen Akku-Innereien aus Bolivien, dem Kongo und aus anderen fernen Ländern stammen, steigen auch die Preise für die Rohstoffe, den Strom und damit auch für die E-Autos. Wo wir gerade beim Thema steigende Preise sind: Da es ja die Regierung für einen ziemlich grandiosen Einfall hält, die benzinbetriebenen PKW, die in Rüsselsheim und Köln, wie man mir sagte, noch immer gebaut werden, den Garauszumachen, steigen nun auch die Benzinpreise. Steigen nun höher, kann man da nur sagen, denn steigen tun sie schon lange. Auch wenn das die olivgrünen Grünen – denn wirklich grün sind die Grünen ja nicht, sonst hätten sie damals im Jahr 1998, nicht für den Kriegseinsatz im Kosovo votiert, wo doch jedes Kind weiß, dass Krieg weder gut für Menschen, noch für die Umwelt ist – richtig klasse finden, ist das für die meisten Menschen, die keinen Chauffeur haben und nicht von Steuergeldern leben, nicht sehr toll.

Anders als die Abgeordneten des Bundestages, die sich der Rundum-Finanzierung ihrer wirtschaftlichen Vollversorgung gewiss sein können, hat dieses Privileg der materiellen Sicherheit das Gros der Bevölkerung nicht. „Aber die wurden doch gewählt – die Grünen“, höre ich die systemtreuen Auguren raunen. Doch bei sechzehn Prozent Wählerstimmen von einem erteilten Regierungsauftrag auszugehen, halte ich für verfehlt. Weder die grünen Parteiakteure in persona noch das Parteiprogramm spiegelt die Mehrheitsinteressen der Bevölkerung wider. Als Klientel-Partei richten sich die Grünen mit ihrem Maßnahmen-Katalog vielmehr nach der Lebenswirklichkeit einer besserverdienenden, größtenteils akademischen Kaste aus, die sich mittels CO2-Steuer und teils staatlich gepushter Rohstoffpreise von ihrem schlechten Gewissen loskaufen möchte, mehrmals im Jahr in Urlaub zu fliegen und manchmal vielleicht doch noch den Range Rover aus der Garage „rauszulassen“. Im 15. Jahrhundert hatten wir das Thema freikaufen von Sünden ja schonmal. Ablasshandel hieß das in jenen Zeiten.

Aber nochmal zurück ins Hier und Heute. Denn heute stehen die Grünen nun mal da, wo sie stehen: an der Schwelle in den parlamentarischen Öko-Olymp und das als ehemals Strickpullis und Turnschuhe tragende Oppositions-Protestbewegung der 1980er. Die Metamorphose zur Mainstream-Partei mit Mit-Regierungsverantwortung wäre damit dann endgültig vollzogen.

Angesichts dieses quasi-epochalen Ereignisses in der Grünen-Geschichte ist es nur logisch, dass gerade solche profillosen Persönlichkeiten – mögen sie nun Baerbock oder Harbeck heißen – als Kanzler-Kröner in der ersten Reihe stehen. Denn erst ihr Pragmatismus, ihr unbedingter Wille zur machtpolitischen Einflussnahme, kombiniert mit dem wortlosen Versprechen, die grundlegenden Machtstrukturen im Land weitestgehend unberührt zu lassen, ließ sie auf die Pole-Position aufrücken. Und zwar – um den Buchtitel von Mit-Herausgeberin Baerbock zu zitieren – jetzt. Leider.

An den echten Bedürfnissen der Menschen weiter vorbeiregieren wird man – da werde ich nun selber zum in moll gestimmten Auguren – sowieso. Auch wenn sich jetzt selbst die Mainstream-Parteien wie CDU und SPD als Öko-Heilsbringer aufspielen, so mag man ihnen allen die Master-Fragen stellen: Warum nicht früher? Wo waren sie, eure Konzepte, all die Jahre? Was hat euch denn so lange davon abgehalten, etwas zu unternehmen? Aber Systeme neigen ja bekanntlich dazu, sich zu erhalten. Genauso wie die alten Machteliten, die uns jetzt Glauben machen wollen, plötzlich sei Umweltschutz neu und nur über die Ausbeutung der Unter- und Mittelschicht finanzierbar.

Leider haben diese Paradoxie des parlamentarischen Systems, das von den Systemmedien weitwestgehend flankiert und gestützt wird, nur wenige verstanden. Viele hingegen neigen zur Verdrängung, und vergessen dabei, wer sie in Sachen Öko-Diktatur erst dorthin gebracht hat, wo sie gerade stehen. Sie üben sich im Konformismus, gehen klaglos tanken, auch wenn der Sprit pro Liter an der zwei Euro-Marke kratzt.

Worin der in vielen Menschen angelegte Konformismus gründet, mag ich nur vermuten. Vielleicht in einem entwurzelten Verständnis dessen, was Demokratie wirklich bedeutet und was es heißt, für sie einzutreten. Vielleicht aber auch in der Bequemlichkeit, sich lieber ins Private zurückzuziehen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Vielleicht liegt die Passivität auch daran, und das halte ich für die wahrscheinlichste aller diesen Prozess bestimmenden Variablen, dass Menschen sich gerne an scheinbar starken anderen Menschen orientieren und sich schlimmstenfalls sogar mit ihnen identifizieren, ob sie nun Scholz, Schröder oder Merkel heißen. Die Psychoanalyse nennt sowas Ähnliches die Identifikation mit dem Aggressor.

Worin auch immer der Hang der Mehrheit zum Konformismus und deren Wille zur Leugnung gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten begründet liegt: Eine Rechtfertigung für ihr Handeln bietet ihr dessen Analyse allein nicht.

Statt uns von oben herab regieren zu lassen, sollten wir verstehen, dass uns dieses System aus Berufspolitikern über kurz oder lang genauso ausbeutet wie den Salzsee in Bolivien. Da sind die Namen seiner Rerpäsentanten nur Schall und Rauch.  Dieses System ist weder menschen-, noch umweltfreundlich. Alles andere ist Täuschung.

Was wohl Peter Lustig über die E-Autos gesagt hätte? Bestimmt hätte er da wieder seinen altbekannten finalen Appell auf den Lippen, der da lautet: Abschalten!

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