Die neuen Rundfunkgebühren – ein „Service“, den keiner braucht

Wenn nun bald schon die Rundfunkgebühren endgültig für alle zu einer Art Pflichtsteuer erhoben werden, und zwar unabhängig davon, ob derjenige, der da zahlt,einen Fernseher respektive ein Radio hat oder nicht, ist das für mich schon blanker Hohn. Worin liegt eine solche Pflichtabgabe denn bitteschön begründet?

Es hat schon etwas von umgekehrtem Sozialismus – also quasi von einer Plutokratie – wenn sich die obsoleten Senderbosse anmaßen, der breiten Masse einen solchen Betrag aufzuerlegen. Gerade, weil der zunehmende Bedeutungsverlust der öffentlich-rechtlichen Sender offenkundig ist. Ich meine: Der mit Heile-Welt-Pathos geschwängerte Musikanten-Stadl-Irrsin und die actiongeladenen Serien-Monster der Marken „Der Alte“ und „Rosamunde Pilcher“ finden in meinem persönlichen TV-Zeitplan jedenfalls keinen Platz. Warum auch? Neunzig Prozent des öffentlich-rechtlichen Programms sind ohnehin an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten. Ich erinnere an solch tolle Formate wie „Lafer! Lichter! Lecker!“, wo ein komplexitärer Sternekoch mit einer kahlköpfigen Kölner Pseudo-Frohnatur Witze reisst, die keiner hören will. Wenn man füher von öffentlich-rechtlicher Seite den Informationswert als Alleinstellungsmerkmal anführte, ist es heute gerade noch ein flaches Programm-Potpourri für ältere Herrschaften, mit dem man sich hervortut. Information und coole Serien – dafür gibt’s schon längst die Privaten. So taumeln die „Großen Zwei“ und leiden – kaum verwunderlich – unter rückläufigen Quoten. Anstatt ihre Programm-Konzepte endlich mal auf ein jüngeres Publikum zuzuschneiden, bleibt es langweilig, monoton, beliebig – bis auf wenige Ausnahmen wie die Heute-Show vielleicht. Witzig nur, dass die bald ehemalige GEZ nun auch noch „Beitragsservice“ heißen soll, dass im Jahr 2011 allein 7,5 Milliarden Euro über die staatlich-organisierte Geldeintreibe-Mafia erschlichen wurden und dass davon dann erstklassige Fernehunterhaltung wie das „Adventsfest der 100 000 Lichter“ bezahlt wird. Und was noch viel spaßiger ist: Aus dem großen Gebühren-Wunschpunsch nähren sich dann diejenigen, die einem wirklichen Programm-Relaunch im Wege stehen und ihr eigenes Süppchen kochen wollen: Neun Intendanten, zehn Fernseh-Programmdirektoren, dreizehn Fernseh-Chefredakteure und viele andere – allein bei „Das Erste“. Da muss man schon überlegen, ob man nicht dem Appell eines alten TV-Urgesteins nachkommen soll, das damals, in grauer Vorzeit, mit seiner Sendung dem ach so wichtigen öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag wirklich noch nachkam: Peter Lustig. Dieser zeigte dem althergebrachten Kinderprogramm seinen „Löwenzahn“, schuf was Neues, und forderte seine jungen Zuschauer zum „Abschalten!“ auf – nach seiner Sendung natürlich. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, seinem prophetischem Credo wieder nachzukommen…

TV aus der Retro-Konserve

Ich frage mich wirklich manchmal, in welchem Licht wir später auf unsere heutige Zeit blicken werden, auf das Hier und Jetzt. Medial scheinen wir uns jedenfalls ausnahmslos im Rückblende-Modus zu befinden – zumindest in den zahlreichen Retro-Shows, die gefühlt an jedem Arbeit über die Mattscheibe – pardon – den Flachbildschirm flimmern. Da wird in schwärmerischem Pathos von irgendwelchen D-Promis über pseudo-nostalgische Gefühle gefaselt, die besagte Personen mit Musik-Hit X oder Ereignis Y verbinden, nichtssagend, beliebig. Es ist gerade dieser permanente Wunsch nach Rückbesinnung, der in der Illusion des „Früher war doch alles besser“-Wahns gipfelt, der mich ein wenig nachdenklich werden lässt. Haben wir das nötig, uns ununterbrochen umzudrehen und über unsere Schultern zu gucken? Ist das Ganze nicht ein wenig verklärend? Oder drückt die Verklärung der Vergangenheit nicht vielleicht sogar aus, wie überdrüssig die Menschen der Gegenwart geworden sind? Während es früher die großen, aufwendig inszenierten Unterhaltungs-Shows waren, die die Zuschauer aus der Realität in einen weichgespülten Unterhaltungs-Kosmos beamten, scheint für eine Realitätsflucht heutzutage weniger auszureichen, was die Produzenten solcher Shows sehr freuen dürfte. Immerhin wird so ein Maximum an Quote mit minimalem Einsatz erreicht – ökonomische Effizienz nennt man das wohl. Olli Geissen und Co. dürften uns wohl noch weiter erhalten bleiben, und das nicht zuletzt auch deshalb, weil wir die kleine Entführung ins Reich der romantischen Jugend oder des Erwachsenwerdens so lieben. Wirklich neuartige Sende-Konzepte mit echtem Gegenwarts-Bezug bleiben dabei vorerst auf der Strecke, leider…