Corona, Selbstaufgabe und die Sehnsucht nach Glauben

Das Eigentliche, was mich schier verzweifeln lässt, sind die gesellschaftlichen Eruptionen und Verwerfungen, die Corona zutage bringt.

Es ist nicht die Frage nach der Wirksamkeit der Impfung oder ihrer Nützlichkeit. Es ist die Bereitschaft so vieler, sich unterzuordnen, eines vermeintlich hehren Zieles wegen, der Wille zur unbedingten Unterwerfung, zur absoluten Gefolgschaft. Mir geht es dabei, das will ich klarstellen, nicht um die Fantasien derer, die an die Implantation eines Gen-Chips via Impfspritze glauben oder um ähnliche Kandidaten, die den einen Ismus gegen einen anderen eingetauscht haben. Mir geht es um die Tatsache, dass so viele Menschen verzweifelt an dem einseitigen Deutungsmuster eines Narrativs festhalten, obgleich sich die Repräsentanten dieses absolutierten Deutungsmusters, aber auch das Deutungsmuster inhaltlich selbst als eine einzig große Fehleinschätzung entpuppten.

Ich erinnere mich noch an die Zeiten der beginnenden Pandemie, in denen zu wenig Mundschutze vorhanden waren und die Bevölkerung, in dem Glauben an ein rasches Ende, diese in Eigenregie eifrig nähte. Es war die Zeit, in der man sogar noch Karneval feiern durfte und die Politiker – allen voran Jens Spahn – von keiner großen Gefahr durch Corona ausgingen. Damals flogen auch noch regelmäßig Passagierflugzeuge aus dem Iran in Frankfurt ein, obgleich man von einer Seuche namens Corona wusste, die im Mullah-Staat heftig wütete. Viel wurde nicht getan, stattdessen verharmlost und beschönigt. Dann, im März 2020, der heftige Schwenk. Nun war Corona, so viel stand fest, eine gefährliche Seuche. Es galt das Credo „flatten the curve“. Die Verbreitung der Infektion sollte möglichst langsam vonstattengehen – die Infektions-Kurve also flach gehalten werden. So die Theorie. Es folgte ein weiterer Schwenk auf den R-Wert, dann schließlich jener auf die Inzidenz und ganz allmählich kam das, was man noch am Ehesten als ein Abdriften in die biologisch-medizinische Sphäre bezeichnen kann – still, aber behände. Mit diesem Abdriften in einen für die Allgemeinheit neuen Kosmos ging gleichzeitig auch die Einführung eines ziemlich fachlich klingenden Vokabulars einher, das sich zusehends schnell ins Alltagsleben schlich. Denn schon Wittgenstein wusste ja, dass man über alles, was man nicht sprechen kann, schweigen soll. Für den Corona-Kosmos hatten wir rasch die richtigen Wörter, einen funkelnden semantischen Horizont. Gott sei Dank.

R-Wert und Inzidenz waren uns durch die allgegenwärtige Medien-Präsenz so schnell vertraut wie der morgendliche Gang zum Bäcker und gehörten, weil sie ja wichtig sind, zu den Nachrichten wie der Wetterbericht. Was immer mehr in den Hintergrund rückte, war, dass die Corona-Pandemie in Deutschland mit einer Verkettung von Fehlentscheidungen begann. Wie gesagt: Mundschutze musste man sich damals noch selbst nähen, auch Desinfektionsmittel war, soweit ich erinnere, nicht ausreichend vorhanden. Doch statt den politischen Entscheidungsträgern eine gewisse Unfähigkeit zu attestieren und sie folgerichtig aus ihren entscheidenden Positionen zu entfernen, hörte ich immer wieder entschuldigende Worte – und zwar seitens vieler potentieller Wähler. Was mich damals schon wunderte, war dieser erste Hauch von Gläubigkeit, den einige Menschen anklingen ließen. Sie fragten erst gar nicht danach, wie denn ein so gut vernetztes und auch nachrichtendienstlich bestens aufgestelltes Land wie die Bundesrepublik keine Erkenntnisse über eine drohende Seuchengefahr hatte im Vorfeld ermitteln können. Dieses Absorbieren des Gegebenen war für mich ein erster Hinweis darauf, dass Menschen in Zeiten einer heraufziehenden Krise, in Zeiten des Ungewissen, an starken Führern mehr gelegen ist als an deren tatsächlicher Kompetenz, eine Krise adäquat bewältigen zu können.

Daran änderte sich auch im weiteren Verlauf der Pandemie nichts – als wir von Lockdown zu Lockdown hechteten, eine Taktik, die wissenschaftlich mehr als umstritten ist (vgl. hierzu die Studie von John Ioannidis, Standford). Nun: Ganz gleich, wie man zu den Maßnahmen stehen mag, hat mich von Anfang an doch sehr verwundert, mit welcher Gleichgültigkeit die einen ihre Freiheitsrechte aufgeben, andere sogar ein immer härteres Vorgehen des Staates verteidigen und schlimmstenfalls ein Mehr davon fordern. Mich interessierte insbesondere die Motivation hinter einer solchen Forderung.

Wollen wir diese Motivation ermitteln, so denke ich, dass wir den neuen Gesundheitsbegriff analysieren müssen, dem die staatlichen Interventionen zugrundliegen. Dieser wird in erster Linie bestimmt durch ein biologistisches Bild des Menschen, der nach diesem entweder krank mit dem Virus oder gesund ohne den Virus ist. Der Gesundheitsbegriff ist weder moralisch, noch sozial-psychologisch inspiriert und betrachtet den Menschen lediglich als potentiellen Träger eines Virus. Etwas böswillig könnte man ihn, den neu konnotierten Gesundheitsbegriff, als kapitalistisches Gewächs bezeichnen, das amoralisch auf den Gesamtorganismus Gesellschaft blickt, ohne dessen einzelne Organe wertzuschätzen. Um die Funktionalität des Gesamtsystems zu gewährleisten, werden einschneidende Maßnahmen ohne Wenn und Aber gerechtfertigt, da sie per Definition unerlässlich sind.

Es geht damit um einen rein verkürzten und quantifizierenden Gesundheitsbegriff, der lediglich in biologisch gesund und ungesund unterteilt. Diese Dualität „biologisch ungesund – gesund“ muss man verstehen, denn nur unter ihrem ideologischen Dach lassen sich viele erlassene Maßnahmen der Regierung vereinbaren sowie das akzeptierte Deutungsmuster nachvollziehen.

Nun haben jene Menschen, die den Maßnahmenkatalog der Bundesregierung – und damit auch die Bundesregierung – verteidigen, nicht nur diesen dualistischen Gesundheitsbegriff verinnerlicht, sondern auch die Sprache, in der sich das Phänomen-Corona vollzieht. Sie haben sich für diesen einfacheren Weg entschieden. Dies mag viele Gründe haben. Nun erreicht das genrell gültgige Deutungsmuster mit der Impfung allerdings eine neue Dimension.

Denn die Impfung galt und gilt noch immer als der Königsweg, der uns heraus aus der Pandemie führt. Nun steht aber seit einiger Zeit fest, dass auch die Impfung nicht so lange wirksam ist wie gedacht, dass sie an der Übertragung der Corona-Viren von Mensch zu Mensch so gut wie nichts ändert, sondern bestenfalls und immerhin den Verlauf der Krankheit mildert. Kurzum: Die von der Politik so gepriesene Bio-Technik weist erste Schwächen auf. Statt spätestens jetzt nochmal den Sachverhalt in Ruhe zu reflektieren und vielleicht auch einzuräumen, dass die Impfung nicht das hielt, was sie – sensu Politik – versprach, wurde ein neuer Sündenbock ausgemacht: die Impfgegner. Das verblüffte mich zusehends immer mehr.

Denn genau betrachtet ist die Impfquote in Deutschland gar nicht mal so niedrig, sondern liegt mit bis zu 75 Prozent deutlich im vorderen Mittelfeld. Wenngleich auch die Impfquote der hohen Inzidenzrate keinen Abbruch tat – genauso wenig wie die unbedingte Gläubigkeit vieler Menschen an den Impfstoff. Stattdessen wurde und wird die gesellschaftliche Spaltung immer weiter vorangetrieben, teils flankiert von aufpeitschenden Medien, und ich frage mich: Wie kann man eine solche unbedingte Gläubigkeit entwickeln?

Die Antwort liegt, denke ich, darin, dass der Glaube an die Gültigkeit eines wahr empfundenen Deutungsmusters sich als Kult verselbstständigt hat. Der Sachverhalt hat sich als „Glaube“ sozusagen entkernt von seinem eigentlichen Sinn und existiert qua Selbstzweck. Denn mittlerweile ist der „Glaube an die Sache“ wichtiger geworden als die tatsächlichen Fakten. Dieser Glaube vereint nicht nur sinnstiftende Elemente, der Glaube als solches vermag auch Hoffnung zu geben. Außerdem eint Glaube, indem er viele Menschen, die glauben, zusammenführt und gemeinsames Erleben schafft. Ebenso ist es bei jenen, die unreflektiert an das Narrativ der Spaltung glauben. Denn, um es mit Volker Pispers zu sagen: Wenn du weißt, wer das Böse ist, hat der Tag Struktur.

Doch wenn also der Glaube ans gültige „Deutungsmuster der Spaltung“ (geimpft – nicht geimpft) so ungewöhnlich stark ist, dann wird auch klar, warum die Gläubigen ihren Glauben so verteidigen. Ihnen geht es nicht um inhaltliche Richtigkeit, ihnen geht es auch nicht um Diskurs: Ihnen geht es um die Bewahrung ihres Glaubens selbst und die mit ihm verbundene sinnlich-unmittelbare Erfahrung. Denn würden die Säulen des Glaubens ins Wanken geraten, würde ihre Selbstaufgabe im wahrsten Sinne des Wortes offenkundig werden. Der Sturz ins psychologische Nichts wäre grenzenlos, da sie ihrem Selbstbetrug gewahr würden.

Wer das Selbst als solches aufgibt, muss sich in die Hände vermeintlicher Führer begeben und zahlt dafür den Preis des „reflektierenden Seins“. Er entfernt sich sozusagen immer mehr von seinem Selbst, spürt diese Distanzierung irgendwie, aber kann sie nicht genau benennen. Aufgrund einer starken Verdrängung lässt er also sein Selbstgefühl nicht zu, das ihm sagen würde, dass er falsch liegt oder ihn zumindest zur Reflektion anhält. Er entgeht quasi der Enttäuschung und kompensiert seine Ich-Schwäche stattdessen mit der Fixierung auf eine andere gesellschaftliche Gruppe, hier: die Ungeimpften.

Gleichzeitig entgeht er der Katharsis, Teil eines Systems zu sein, das seine Versprechen nicht einlöste und das strukturell nie im humanistischen Sinne auf ihn ausgerichtet war. Würde er sich dessen tatsächlich bewusst, so zöge diese Erkenntnis eine schwere Sinnkrise nach sich. Um eben dieser Sinnkrise auszuweichen, sucht sich der Gläubige (hier die Impfung) als Ersatz, huldigt ihr, egal, was kommen mag, als sinnstiftendem Teil der vermeintlichen Erlösung und Heilung.

In dem unbedingten Glauben an Heilung mag auch der phylogenetische Wunsch begründet liegen, dem Mysterium Tod zu entfliehen – dem letzten großen Mysterium, das der Mensch trotz der vollzogenen religiösen Entwurzelung nach der Aufklärung und der Technokratisierung des Lebens  nicht aufzulösen vermag. Und vielleicht kann eine Technokratie ja eben diese scheinbare Religiosität bieten, indem man sich ihr hingibt und als ihr Jünger wiedergeboren wird. Doch dies ist ein Irrglaube, kennt die Biotechnologisierung doch keine moralischen Kategorien, auch die Verheißung von Erlösung ist dieser fremd, der Einzelne nur „gut“, wenn er letztlich gesund und als Humankapital verwertbar, wenn er funktional nutzbar ist. Schnell sind wir dann bei einem Präferenz-Utilitarismus eines Peter Singer.

Doch auch die Gläubigen versuchen moralisch zu argumentieren: So zum Beispiel, dass es unmoralisch sei, sich nicht impfen zu lassen. Dies ist ein Scheinargument, denn eine Impfung ist weder moralisch, noch unmoralisch. Sie ist eine Entscheidung für das „Ich“ durch das „Ich“. Eine Entscheidung für die körperliche Unversehrtheit oder eben dagegen – und zwar ganz im Privaten. Fest steht: Wenn wir den Glauben an die im Menschen angelegte Menschenwürde ernst nehmen, das ist meine feste Überzeugung, so müssen wir ihm diese Entscheidung ganz persönlich überlassen.  

Doch die Allgegenwart des Phänomens Corona bietet, wenn wir so wollen, ihren Jüngern auch einen sekundären Krankheitsgewinn – und das schon als gesunder Gläubiger. Denn endlich kann man sich voll und ganz auf ein Thema konzentrieren, wird damit zwar permanent konfrontiert, hört aber dafür von so vielen anderen Themen nichts mehr – außer vielleicht vom nächsten großen Narrativ: der Klimakrise.

Was ist also zu tun? Nun: Wir sollten Fragen stellen. Fragen, die ergründen, wie es dazu kommen konnte, dass eines der best-organisierten und technokratisierten Länder wie Deutschland ein tragisches, aber dennoch überschaubares Mehr an Corona-Patienten auf den Intensivstationen kaum noch handeln kann. Fragen nach den Architekten eines solchen auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Krankenhaus-Systems. Einer dieser Architekten ist zweifellos Karl Lauterbach, er ist allerdings nur einer von vielen. Denn als Gesundheitsökonom trat er für Fallpauschalen und 2019 noch für massive Krankenhausschließungen ein.

Corona füllt, indem es für viele Menschen zu einem quasi-religiösen Kult wird, das religiöse Vakuum, das die Aufklärung und der postindustrielle Wandel mit sich brachten. Dieses geschieht jedoch nicht mit positiver Bestärkung, sondern mittels suppressiver Maßnahmen und Angst. Das ist auf Dauer, so viel ist sicher, alles andere als gesund.  

Corona: Angst essen Seele auf

Ansteckend scheint in der Corona-Krise vor allem eines zu sein: Die Panik, die aus ihr resultiert und weite Teile des öffentlichen Lebens lahmlegt. Ich habe in einem vorangegangenen Artikel schon einmal meine Bedenken zum Lockdown geäußert und diese sind – leider – nicht weniger geworden, könnte aus dem Lockdown doch schlimmstenfalls ein Shutdown werden, dessen wirtschaftspolitischen Eruptionen weit schlimmer sind als die medizinische Brisanz, die Corona mit sich bringt. Ein rationaler Blick in die Statistik würde genügen, um zu sehen, dass Corona in Sachen Mortalitätsrate nicht ansatzweise an die der Grippewelle von 2017/2018 heranreicht, die ganze 25.000 tausend Deutsche das Leben kostete. 25.000 ist eine große Zahl, bei Corona sind es zum gegenwärtigen Zeitpunkt gerade mal 133 Todesfälle in Deutschland (Stand 24. März). Das wird zwar  von einzelnen Virologen immer wieder gesagt, aber findet kein Gehör, denn die Medien ergötzen sich lieber an dem berauschenden Gefühl der Panikmache, setzen die zahlreichen Menschen mit Atemschutzmasken gekonnt in Szene und flankieren die Aussagen der Politik mit weiteren dramatischen Bildern.

Dieses virale Erfolgsrezept geht auf, denn die Ratio ist in diesen Tagen außer Kraft gesetzt und einer Betroffenheits-Emotionalität gewichen, die in Ihrer subjektiven Panik keine Grenzen kennt – ungeachtet von Bildungsstand und gesellschaftlichem Status. Räumliche Grenzen hingegen haben  die Regierungen als Mittel der Wahl wiederentdeckt – und machen den Schengen-Raum dicht, senken die schon marode gewordenen Schlagbäume, die man glaubte, nie mehr brauchen zu müssen. Ein multi-nationaler Flickenteppich ist die Folge, der an die Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts erinnert – mit dem im Übrigen gleichen Gefahrenpotential.

Die große Masse sehnt sich derweil nach Ausgangssperren, einem Anker in jenen Zeiten, in denen sich das Netflix-Abo dann endlich auszahlt und die Gartenarbeit bei strahlender Sonne erledigt werden kann. Das hätte ich mir nie vorstellen können, wie schnell sich Menschen delegieren und steuern lassen und doch erinnert der gegenwärtige Status-Quo an ein gigantisches Milgram-Experiment, dessen Setting global angelegt und dessen Auswirkungen vielen nicht bewusst sind. Stattdessen werden die allmorgendlichen Zahlen des Robert Koch Instituts, das noch im Januar dieses Jahres behauptete, es bestünde keinerlei Grund zur Corona-Panik, zum neuen Mantra erhoben. Auch das Versagen dieser einst so renommierten Institution ist im Common Sense längst verblichen – vergeben und vergessen – genauso wie das Versagen des Gesundheitsministers, der die Bürger – ganz nach dem Kölschen-Credo „et kütt wie et kütt“ – vor vier Wochen noch bereitwillig im Karneval Küsschen verteilen ließ.

Genau dieselben Bürger inhalieren jetzt förmlich  das neue Dope namens „Desinfektionsmittel“ und haben ihre Profilbilder bei Facebook mit den obligatorischen „Ich bleibe zu Hause“-Dingens versehen. Das neue Narrativ, es steht fest: Greta has gone, es lebe Corona!

Unwillkürlich schießen mir tausend Dinge durch den Kopf. Chomsky mit seinem Propaganda-Modell, Adornos Studien zum autoritären Charakter, Lippmann und seine Gedanken über die Steuerbarkeit des Menschen – haben sie alle Recht behalten? Scheint so.   

Denn in vermeintlich schlimmen Zeiten sehnen sich die Menschen wohl nach einer starken Hand, überlege ich, während ich durch menschenleere Straßen fahre. Die Jagd nach Corona ist eröffnet und geht mit einer Isolation einher, die noch vor 14 Tagen niemand für möglich gehalten hätte, indem eine restriktive Politik jenes zum Sündenfall erklärt, was das Leben lebenswert macht: die Sozialität selbst, die uns definiert und unserer Persönlichkeit via Interaktion Ausdruck verleiht. Alles vergessen wegen 133 Todesfällen. Kann das sein? Ja, es kann – und es wird vom Volk ertragen, zumindest noch  – weil ein Virus keine Adresse hat, nicht fassbar ist, jeden treffen kann und noch dazu: Weil ja niemand schuld hat. Oder?

Corona ist ein Symptom. Und genau das macht es für die Herrschenden so interessant. Habe ich meinen Alu-Hut auf? Nein. Denn wann immer die Panik regiert, werden die Spielräume der Legislative und Exekutive erweitert – natürlich mit dem Schein-Argument, das Volk vor sich selbst schützen zu müssen, welch Orwell‘scher Neusprech.

Aber wir schreiben nicht „1984“, sondern das Jahr 2020 – und es geht noch schlimmer als sich das Herr Orwell wohl je erträumt hätte. Militär patrouilliert im Mutterland der „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ auf den Straßen, in Dänemark werden Gesetze zur Zwangsimpfung verabschiedet, die Telekom übermittelt Bewegungsprofile an das RKI, in Geschäften wird kaum noch Bargeld angenommen und Flüchtlinge in Deutschland  sowieso nicht mehr aufgenommen. Alles nur deshalb, weil die Regierung uns vor uns schützen möchte. Noch einmal: 133 Todesfälle made by Corona (oder auch nicht, denn das weiß man nicht so genau), gegen 25.000 Grippe-Todesfälle 2017/2018. Die 25.000 interessierten damals niemanden.

Was wie die Agenda der Bilderberg-Konferenz klingt, ist jetzt bittere Realität, ungeachtet juristischer Tatbestände, ungeachtet aller gesellschaftlichen Konsequenzen, ungeachtet aller zivilisatorischen Errungenschaften. Da stört es auch niemanden, wenn Frau Merkel mit betroffener Miene sagt, sie wisse nicht, wann die Grenzen zu unseren Nachbarn wieder geöffnet würden – und in ihrer neusten Ansprache die in Artikel 9 des Grundgesetzes verankerte Versammlungsfreiheit aufhebelt.

Aber ist ja alles nur für kurze Zeit, heißt es. Ist ja noch alles gut. Wenig Beachtung findet ebenso, dass AKK in ihrer Pressekonferenz vom 19. März als Allererstes betont, dass die laufenden Mandate der Truppe (siehe ab Minute 5) sichergestellt und zur Sicherung der Lufthoheit die Alarmrotten in Bereitschaft gehalten werden. Das alles sind die üblichen Routinen in einem Krisenmodus wie dem jetzigen, zugegeben, doch verdeutlichen sie, wie sehr der Weltfrieden in diesen Tagen gefährdet ist. Da passt auch ein riesiges NATO-Militär-Manöver hervorragend ins Bild: Zwar wurde „Defender Euro 2020“, das für März angesetzt war, wegen Corona vorerst auf Eis gelegt, aber: „Mit wenigen Ausnahmen sind die Marschbewegungen der ersten Kontingente auf den Verlegerouten in Deutschland bisher abgeschlossen. Die meisten Truppenteile haben ihre Zielstandorte erreicht.“ Welcher Zufall, der sich da gerade jetzt an der NATO-Ostflanke abspielt.

Das alles steht in keinem Verhältnis mehr und stellt die Weichen für eine multi-globale Krise ungeahnten Ausmaßes – deren Ursachen keine menschlichen Urheber sind, vermeintlich nur im  Virus begründet liegen. Gibt es eine einfachere und effektivere Möglichkeit, den Status Quo zu festigen, den Bürger zu entmündigen und noch dazu in seinen Freiheiten zu beschneiden? Never ever.

Und jeder, der dies nur ansatzweise sagt, gilt als „Abtrünniger“, als Corona-Leugner, der ich nicht sein möchte. Aber ich will mich auch nicht zum Teil dieser gewollten Panik machen, ich will nicht meinen Enkeln sagen müssen, dass ich damals in jenen Tagen, die Bargeldabschaffung und das Erstarken des Militärs nicht habe kommen sehen, während ich auf Facebook ein weiteres Solidaritäts-Meme postete.

Panik setzt Vernunft außer Kraft. Das war schon immer so – dieser Mechanismus wird von den Herrschenden bewusst eingesetzt. Und nein: Davon will ich – bei aller Vorsicht dem Virus gegenüber – kein Teil werden und erinnere unermüdlich daran, dass das Virus erst in unserer postkapitalistischen Gesellschaft einen dankbaren Nährboden fand.

Sollte also in den Krankenhäusern der virale Super-Gau ausbrechen, wäre das meiner Meinung nach das Ergebnis der über Jahre vollzogenen monetären Kürzungen in den Sozialsystemen sowie der Privatisierung im Gesundheitssektor, durch die elementare Bereiche wie die Betreuung, Planung und Koordination von Krankenhäusern überhaupt erst in die Hände von gewinnorientierten Krankenhausbetreibern gelegt wurden. Diese Fehlentwicklung in Verbindung mit einem menschenverachtenden Casino-Kapitalismus, der die Ärmsten der Armen zum Opfer von westlicher Profitgier macht, wäre ohne unsere Politik-Darsteller nie möglich gewesen. Wie das Konzept „Kapitalismus“ funktioniert, werden wir auch in den nächsten Wochen und Monaten beobachtet können, wenn zum Beispiel Menschen wie Donald Rumsfeld, Ex-US-Verteidigungsminister und bis 1988 Aufsichtsratsvorsitzender von Gilead-Sciences (Aktienanteile 20 bis 25 Millionen Dollar) ihren niedersten Instinkten folgen. Das hat für Rumsfeld schon damals bei Tamiflu, einem Mittel gegen die Vogelgrippe, einer Krankheit, die es nie so richtig gab, geklappt, ungeachtet der zahlreichen Nebenwirkungen des Mittelchens. Zig Gerichtsprozesse laufen bis heute. Doch Rumsfeld ist es nicht alleine, es ist eine ganze Armada von Pharma-Lobbyisten, die auch vor der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht haltmacht. Diese wird ganz nebenbei von Oligarchen, pardon: Philanthropen, wie Mister Bill Gates, sozusagen als spezielleres Steuer-Spar-Modell via Stiftungen finanziert. „Was gesund ist, bestimmt Bill Gates“, titelt Deutschlandfunk Kultur schon im Juli 2018 und moniert den zunehmenden Einfluss von externen Geldgebern auf die WHO.

Die Vernetzung von Politik und Finanzelite haben – weltweit! – die Zockereien von Blackstone und Co stillschweigend durchgewinkt und befeuerten von jeher – und ganz ohne Corona – alte Feindbilder – Stichwort Russland – ob Steinmeier  oder Maas. Darin sind sie alle gleich. Das ist die eigentliche Lehre, die wir aus der Krise, so wir sie denn überwunden haben, ziehen sollten: Dieses System der Finanzdiktatur kennt keine Gnade, wenn es um Menschenleben und Machterhalt geht. Da zählen nicht die Menschen, die am Ende des Monats keine  50 Euro mehr übrig haben. Was hingegen zählt, ist die Erhöhung der Rüstungsausgaben, auch in der Corona-Krise – sie steigen unermüdlich weiter und sollen bald 20 Prozent des Bundehaushalts knacken (!).

Alles hängt mit allem zusammen.  Überfüllte Krankenhäuser mit einer neoliberalen Sparpolitik, machterhaltende Interessen mit dem Virus. Das sollten wir nie vergessen, das ist auch nicht unmenschlich oder zeugt von fehlender Empathie, im Gegenteil: Das zeugt von gesundem Menschenverstand – nur mit diesem werden wir am Ende überleben.

Erst kürzlich kommentierte einer meiner Follower auf ein regierungskritisches Meme bezüglich der Corona-Krise, dass jetzt nicht die Zeit sei, das System zu kritisieren. Darauf kann ich nur antworten: Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir?

      
Quellen:

Weiterführende Quellen:

  • Angst essen Seele auf, deutsches Melodram von Rainer Werner Fassbinder (1974)
  • Theodor W. Adorno: Studien zum autoritären Charakter (hrsg. von Ludwig von Friedeburg). Suhrkamp Taschenbuch 1973.
  • Edward S. Herman, Noam Chomsky: Manufacturing Consent. Neudruck Auflage. Pantheon Books, New York 2002
  • Walter Lippmann: Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und wie sie manipuliert wird. Frankfurt/Main 2018
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