Aiwanger am Pranger

In den heutigen Zeiten tut Ablenkung gut. Da schafft die Beschäftigung mit einem ohnehin unliebsam gewordenen Vize der „Freien Wähler“, dem man sowieso noch nie so richtig über den Weg getraut hat, den Polit-Eliten genau die mediale Projektionsfläche, die es braucht, um eigene Fehlbarkeiten und Versäumnisse zu kaschieren. Ach, wie entlastend und erleichternd eine brachiale Bierzeltrede im schönen Landshut doch sein kann, wenn man ungeniert vor der Stammwählerschaft des politischen Gegners lospoltert und seinen aufgesetzten Gefühlen mal freien Lauf lassen kann. „Luja sog i!“

Und auch der geneigte, noch immer an die Altparteien glaubende Wahlfetischist, der den öffentlich rechtlichen Medien und den Regierungserklärungen huldigt, als seien sie heilige Artefakte einer verloren gegangenen Zeit, freut sich. Bietet ihm der „Goverment Gossip“ über den Aiwanger’schen Lapsus doch endlich mal was anderes, als die Horror-Meldungen über Energieengpässe, teure Erdwärmepumpen, E-Autos oder den Ukraine-Krieg. Das Aiwanger-Flugblatt flatterte so mir nichts, dir nichts hinein in eine kafkaesk anmutende Polit-Landschaft der sogenannten Zeitenwende, und schaffte es durch allerlei mediale Helferlein, zu einer Art thematischem Perpetuum Mobile zu werden. Zugegeben kommt das Gekritzel von zwei Lausbuben unmöglich geschmacklos daher. Aber aus eben solchem Gekritzel eine politische Kaskade zu inszenieren, wie das König Söder der Erste und seine bundespolitischen Diener tun, gleicht schon ein wenig dem zwanghaften Versuch, das politische Sommerloch mit aller bayerischer Hemdsärmeligkeit zu stopfen.

In Zeiten der deutlich steigenden AfD-Werte kommt es den Polit-Darstellern und ihren Schergen wahrscheinlich sogar recht, eine sommerliche Exkursion „Zurück in die Aiwanger’sche Vergangenheit“, zu unternehmen. Einerseits weil ja sowieso Sommerpause ist, andererseits, weil sie so wieder einmal von der allgegenwärtigen Gefahr eines „Adolphus Renati“ faseln können. Die systemgesteuerten Medien stimmen ebenso in dieses infantil-gestrickte Denkmuster ein, genau so platt, genau so kindisch.

Erneut beweist sich die sogenannte Polit-Elite als mahnender erhobener Zeigefinger, als Architekt einer moralinen, aber eigentlich stets amoralischen Agenda, die sich selbst überhöht, nur um andere kleiner zu machen. Aber genau das ist ja der Plan. Eine Entschuldigung des Beschuldigten reicht nicht aus, erst seine Demontage „aus dem System“ verschafft der Gemeinschaft die vermeintliche Erlösung und den politischen Akteuren die Gewissheit, auf der vermeintlich guten Seite zu stehen.

Noch einmal: Das Flugblatt selbst ist geschmacklos, dumm und albern. Aber die thematische Überspitzung, mit der es allgegenwärtig in den Fokus rückt, sagt mehr über jene Regisseure aus, die es zum Zentrum eines sogenannten Diskussionskorridors machen, als über seine jugendlichen Verfasser. Eine Scheindebatte, so unnötig wie der Habeck’sche Heizungshammer, im luftleeren Raum. Wir haben wirklich andere Sorgen in Deutschland.

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