Es ist ein Symbol für die aufgedunsene europäische Polit-Dekadenz – diese selbstgerechte und zuweilen moralin-geschwängerte reactio der Kartellparteien auf den Trump’schen Wahlsieg. Da wird gegen jedes der von ihm am ersten Amtstag erlassenen 78 Dekrete gewettert – ganz besonders seitens der verdutzt dreinschauenden System-Schreiberlinge, die sich mehr oder minder noch immer verwundert die Augen reiben. Schon Trumps Leitmotiv – sein Marketing-Clou „America First“ – war ihnen fremd und in weiten Teilen suspekt. Aus ihrem journalistischen Elfenbeinturm heraus predigten sie lieber die Segnungen des wurzellosen Internationalismus, verklärten Völkerwanderungen zu Fluchtbewegungen, prangerten den Verlust der Heimat nur dort an, wo die vermeintlich flüchtenden Menschen von ihm „getroffen“ wurden. Andererseits jedoch galt ihnen das sozial-historische Konzept „Heimat“ für autochthone Deutsche als obsolet – oder als ein in Auflösung begriffener theoretischer Topos. Immer wieder huldigten sie dem ehemals linken Narrativ der „Willkommenskultur“, diesem neurotischen Euphemismus, ohne jedoch die eigene Kultur in ihren Grundzügen nur inhaliert zu haben, vielleicht aus Angst, sie könnten daran Gefallen finden.
In ihren platten, dumpfen und oft arroganten Kommentaren deuteten sie die Welt all jenen, die weder die Muße noch die Zeit dazu hatten, sich auf eine investigative Reise zu den kulturellen Ursprüngen zu begeben und nutzten diese teils selbstverschuldete Unfähigkeit, Adorno würde sie „Unmündigkeit“ nennen, schamlos aus. Nun sehen sich all jene Propagandisten endgültig mit der Tatsache konfrontiert, dass die Weltmacht USA eine erneute Trump-Ara einläutet.
Zwar ist auch Trump Teil des Establishments, das ihn groß werden ließ, stellt keine echte System-Opposition dar, da er zutiefst mit selbigem verwoben ist. Gleichzeitig jedoch verkörpert Trump einen republikanischen Konservatismus, wie wir ihn von Reagan kannten, steht für eine rhetorische Simplizität, die verständlich, weil redundant und uniform ist. Ihn als wirklich Rechten zu bezeichnen, das wäre nicht treffend. Und auch wenn man ihn aus verständlichen Gründen nicht „mag“, weil er weit weniger „smart“ wie der dauergrinsende Obama daherkommt, sollten und dürfen wir ihn nicht an seinen persönlichen, privaten Schwächen und Verfehlungen messen, sondern sollten das an der Art festmachen, wie er die komplexen Herausforderungen inhaltlich bewerkstelligt, die ihn erwarten. Das setzte allerdings eine ergebnisoffene Herangehensweise von journalistischer und politischer Seite voraus, was in deutschem Interesse und fraglos ein lohnendes Unterfangen wäre.
Ein anmaßender Haltungsjournalismus ist hier ebenso fehl am Platze wie politische Voreingenommenheit. Betrachten wir nämlich die Entwicklungen auf internationalem Parkett, so lässt sich eines nicht leugnen: Das Zutrauen der Wähler in ein starkes, rückgebundenes, national gefestigtes Gesellschaftsmodell, das den Gegenpol zu einem ungebremsten Globalismus bildet. Meloni in Italien, Kickl in Österreich, Wilders in den Niederlanden – nun Trump in den USA – das alles sind Signa eines sich vollziehenden politischen Wandels, genauso wie die Zugewinne der AfD auf bundesdeutscher Ebene.
Dass die Kehrtwende zum Konservatismus auch Früchte tragen kann, lässt sich am – zugegebenermaßen nicht ganz repräsentativen – Beispiel Argentiniens aufzeigen, wo Javier Milei die Hyperinflation eingedämmt, das Land innenpolitisch stabilisiert und Stück für Stück zurück in die wirtschaftliche Prosperität geführt hat.
Die konservative Wende – insbesondere in Westeuropa – ist allerdings deutlich mehr als ein sich verändernder pragmatischer politischer Rahmen, vielmehr ein Zeichen des philosophisch-ethischen Richtungswechsels. In Zeiten fehlender referenzieller Konstanten und allgegenwärtiger Transformationsprozesse bilden sich der Konservatismus und die neue Rechte als Gegenpole zu einem undifferenzierten, hypermoralinen, technokratischen und universalistischen Weltmodell aus, in dem der Einzelne in seiner Befindlichkeit und Subjektivität aufgehen soll, während die Werte von Heimat, dem Eigenen und dem überlieferten Wertekosmos mit Füßen getreten werden. In jenen unsicheren Zeiten, in denen vermeintlich Schutzsuchende sich vielfach in Täter verwandeln und ein umweltpolitisches Narrativ aus kapitalistischen Gründen zu massiven Teurungsraten und somit zu Umverteilungsprozessen führt, ist jener Konservatismus eventuell ein probates Gegenmittel.
Der undifferenzierte Dogmatismus der politischen Linken ist mittlerweile jedoch soweit vorgedrungen ins gesellschaftliche Gefüge, so verwoben mit dessen Matrix, dass ein Richtungswechsel gar einem Kampf gegen Windmühlen ähnelt – der allerdings aus diesem Grunde nur vehementer geführt werden muss.
Und vielleicht muss er auch deswegen erst recht mit aller Härte geführt werden, weil der gesellschaftliche Zeitgeist jenem Trugbild aufsaß, dass die politische Linke die Antworten auf die großen Fragen der Zeit böte. Während man jedoch vergaß und verdrängte, dass sich jenes, was sich als „links“ verkaufte, eigentlich in vielerlei Hinsicht ein Etikettenschwindel war und ist. Als Alice Weidel vor Kurzem darauf hinwies, dass der Nationalsozialismus eher links als rechts geprägt war, sorgte diese Standortbestimmung, die an den politischen Fakultäten dieses Landes eigentlich „Common Sense“ ist, beim Mainstream für große Empörung. Allein aus dem Unvermögen der Linken, sich der historischen Realität zu stellen. Die sozialistische Gesinnung Hitlers und seiner Gesellen erschloss sich dabei eigentlich schon in der Verwendung des Begriffs „Sozialismus“, doch auch in vielen anderen Nuancen, wie der steuerlichen Entlastung der kleinen Bürger und der enormen steuerlichen Belastung der Bourgeoisie. Aber vor allem in Hitlers Faible für Planwirtschaft und der staatlichen Durchdringung aller wirtschaftlichen Teilbereiche durch das NS-Regime. Hitler war obendrein ein großer Bewunderer Stalins, wie der jüdische Publizist Sebastian Haffner, der sich in zig Büchern mit dem Diktator auseinandersetzt, beschreibt. Insofern ist Weidels Analyse richtig – wenn das auch auf vermeintlich „links“ sozialisierte Menschen erschreckend und verstörend wirken mag.
All das zeigt: Die vermeintliche Trennschärfe, mit der sich die politische Linke vehement vom tendenziellen Faschismus reinwusch, ist illusorisch, ist Wunschdenken. Vielmehr wiesen linke Strömungen – den Nationalsozialismus einschlossen – von je her einen unbedingten Willen zur gesellschaftlichen Gleichschaltung, zur Durchdringung und zur ideologischen Verklärung auf, eben deshalb, weil die politische Linke ihren Apologeten nichts anzubieten hatte als das Feindbild einer im Kern unveränderbaren Klassengesellschaft, die weder auf Religiosität, noch auf tradierten Werten beruht. Ein dunkles, trauriges Gesellschaftsbild ist dieses. Der Politikwissenschaftler Jacopo Custodi hat jüngst in einem fast schon verzweifelten Artikel darauf hingewiesen, dass die gesellschaftliche Linke die „Nationalität“ und die Liebe zum Nationalstaat nicht der rechten Hegemonie überlassen darf. Welche Ironie das von einem Vertreter der „No Nations“-Ideologie zu hören. Letzlich bleibt die Frage dessen, was rechte Politik ihrem Wesen nach ist, offen, oder soll an dieser Stelle nur oberflächlich beantwortet werden. Eine einfache, aber treffliche Definition liefert Dr. Maximilian Krah. Frei formuliert ist für ihn rechte Politik, Politik in Übereinstimmung mit der Realität des Ichs (vgl. Krah 2024, Politik von rechts. Ein Manifest.).
Nun geht es hier jedoch nicht um eine Standortbestimmung, noch um eine Begriffsdiskussion. Viel wichtiger als alles andere ist es, Deutschland politisch zu rehabilitieren und einen inhaltlichen Gesundungsprozess einzuleiten, der die Lügen des vermeintlich linken – eigentlich sozialistischen – Zeitgeists entlarvt. Während die linken Realitätsverweigerer an einer Massenpsychose leiden, die nicht mal die verheerenden islamistischen Anschläge zu kurieren vermögen, steht die gesellschaftliche Rechte endgültig für einen philosophischen Pragmatismus, der das menschliche Sein (sensu Heidegger) in der gesellschaftlichen Realität verwurzelt sieht. Darin liegt die eigentliche Stärke der konservativen Natur, die sich elementar von einem „Wir machen die Welt, so wie sie uns gefällt“-Denken, von einem „No Nation no Borders“-Wahn, unterscheidet.
Die Entlarvung der sozialistischen Begriffsschablonen – wie z. B. Green Steel, Co2-Steuer, bunte Gesellschaft – ist ein erster Schritt für neue alternative gesellschaftliche Optionen. Doch der Kampf um den Begriff ersetzt den Kampf um die Köpfe keineswegs. Dieser Kampf um die Köpfe muss sich mittlerweile neuen Herausforderungen stellen. Denn immer weniger Menschen möchten sich inhaltlich tiefgründig mit Themen beschäftigen – vielleicht können sie es auch nicht mehr. Die Generation der heute Zwanzig- bis Dreißigjährigen fischt sich ihre „Informationen“ aus einem Konvolut medialer Newsmeldungen. Man könnte es auch auf die einfache Formel bringen „Sie liest nicht mehr“ und was sie liest, hat den Charakter eines „Reels“ bei Instagram. Eben deshalb lassen sie sich vom sozialistischen Einheitsgeist so leicht instrumentalisieren, wittern an allen Ecken einen vermeintlichen Faschismus, ohne überhaupt definieren zu können, was Faschismus ist und ohne den Elefanten im Raum wahrzunehmen – die massenhafte, ungebremste Einwanderung. Die sozialistische Psychose entfaltet bei ihnen und in ihren Naturen Wirkung. Der nationale Devotismus ist ihnen ins Mark gefahren und nun Teil ihrer Matrix, vielleicht auch deshalb, weil jenes, was das Nationale meint, für sie stets eine Selbstverständlichkeit war.
Sie leben die Vorzüge der Privatheit, des Eigenen, des Friedens – waren und sind oftmals weit weg von den wahren gesellschaftlichen Realitäten, den Kiezen, kennen das frühere Gesicht Deutschlands nicht. Das sozialistische Narrativ ist folglich für sie ein theoretisches, erstrebenswertes Konstrukt, das weit weg von ihrer eigenen Lebenswirklichkeit liegt – vielleicht eine Form juveniler pseudo-Revolution. Der Ethno-Masochismus, die Selbstgeißelung, die in ihrem Denken und Handeln dominieren, sind das Ergebnis eines wahnhaft entnationalisierten Erziehungsprozesses, der von Verweichlichung, materieller Sicherheit und fehlender politischer Bildung bestimmt ist. Wenn heute von der Erstarkung der gesellschaftlichen Rechten die Rede ist, meint dies weit öfter das Erstarken des konservativen Wertekanons. Eben weil das politische Establishment seit mehr als zwei Jahrzehnten nach links rückte und im Kern sozialistische Umtriebe aufwies. Die Besetzung der konservativen Positionen durch die Rechte war folglich eine Kausalität, die die etablierten Parteien zu verantworten haben, indem sie ihre Positionen aufgaben.
Für die gesellschaftliche deutsche Rechte ergibt sich aus der sich in Europa vollziehenden konservativen Wende in Verbindung mit dem Wahlsieg Trumps eine verantwortungsvolle Aufgabe und ein Dilemma gleichermaßen. Einerseits schießt das linke Establishment – damit meine ich auch die CDU – aus allen Rohren, um das Feindbild „rechts“ zu beleben. Andererseits sind weite Teile der Bevölkerung politisch so infantilisiert, dass es kurzfristig schwer sein wird, mit ihnen Mehrheiten zu beschaffen. Diese bräuchte es aber, um die Interessen des sozialen Lebensraums „Deutschland“ und des Wirtschaftsstandorts Deutschland nachhaltig gegenüber einem erstarkenden Amerika zu vertreten. Musk hat recht: Vieles wäre leichter, wenn wir wieder stolz auf unser großartiges Land wären. Doch allein das ist dem Zeitgeist ja schon verdächtig. Trump kann so viel Selbsthass und Selbstentfremdung im wahrsten Sinne des Wortes nur recht sein.
