Ein kritischer Essay zur Preisverleihung in Aachen
Am 29. Mai 2025 wurde Ursula von der Leyen in Aachen mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet – jenem Preis, der einst für „hervorragende Verdienste um die europäische Einigung“ vergeben wurde. Die Zeremonie war glänzend inszeniert, mit prunkvoller Rhetorik und medialem Applaus. Und doch liegt ein Schatten über dieser Verleihung. Denn mit dieser Auszeichnung wird nicht Europa geehrt, sondern eine politische Richtung, die das Europa der Völker, Kulturen und Heimatgefühle zusehends auslöscht – und es ersetzt durch ein Projekt bürokratischer Normierung, geopolitischer Abhängigkeit und moralischer Selbstüberschätzung.
Biografie einer Aufsteigerin im Windschatten der Macht
Ursula Gertrud von der Leyen, geboren 1958 in Ixelles bei Brüssel, ist Tochter des CDU-Politikers und langjährigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Ernst Albrecht. Schon ihr Geburtsort – im Herzen der europäischen Institutionen – symbolisiert, was sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere zieht: Nähe zur Macht, Nähe zu den Zentren globalistischer Planung, aber große Distanz zum Alltagsleben der europäischen Bürger.
Sie wuchs behütet im Umfeld der politischen Elite auf, studierte in Göttingen, Münster, London und Hannover – Wirtschaft, dann Medizin –, arbeitete zwischenzeitlich in den USA, lernte dort die angelsächsische Sicht auf Politik und Gesellschaft kennen und schätzen. Ihre politische Karriere in Deutschland verlief rasch: Ministerin für Familie, dann Arbeit, schließlich Verteidigung – überall mit glänzender Fassade, oft jedoch mit handfesten Skandalen und inhaltlicher Leere.
Ihr tiefstes Markenzeichen aber bleibt: geschickte Positionierung. Wo andere kämpfen mussten, wurde sie geschoben. Ihre Ernennung zur EU-Kommissionspräsidentin im Jahr 2019 war kein Ausdruck demokratischer Wahl, sondern das Ergebnis eines Hinterzimmerringens in Brüssel – ohne Wahlkampagne, ohne Spitzenkandidatur, ohne Wählerauftrag. Es war ein politisches Signal an die transatlantischen Netzwerke, nicht an die europäischen Völker.
Die Transatlantikerin an Europas Spitze
Von der Leyens Nähe zu transatlantischen Interessen ist kein Geheimnis. Als regelmäßige Teilnehmerin an Veranstaltungen wie der Münchner Sicherheitskonferenz oder dem World Economic Forum in Davos, als Förderin militärischer Aufrüstung im Rahmen der NATO, als entschiedene Befürworterin harter Sanktionen gegen Russland, repräsentiert sie eine europäische Außenpolitik, die kaum eigene Konturen hat – sondern sich nahtlos in die strategischen Interessen Washingtons einfügt.
Auch im Digitalbereich folgte sie stets einer Linie der Kontrolle und Überwachung – sei es mit ihren Vorstößen zur Netzsperrung in ihrer Zeit als Familienministerin, was ihr den Spitznamen „Zensursula“ einbrachte, oder mit den neuen EU-Verordnungen zur Plattformregulierung, die viele als Einfallstor für Zensur und Meinungskontrolle sehen.
Sie spricht oft von „Souveränität Europas“, doch in der Praxis meint das: mehr Macht für Brüssel, weniger Einfluss für die Mitgliedstaaten – und bedingungsloser Schulterschluss mit US-geführten Strukturen. Ihre Europapolitik ist nicht der Ausdruck einer eigenständigen Zivilisation, sondern die Adaption eines weltumspannenden Regelwerks ohne kulturelle Verankerung.
Der Preis für die Beliebigkeit
Die offizielle Begründung für den Karlspreis liest sich wie das Skript einer EU-Kampagne: Von der Leyen habe „in der Pandemie Verantwortung übernommen“, „mit dem Green Deal die Welt inspiriert“, „die Ukraine unterstützt“, „Europa geeint“.
Doch wer wird da geeint? Eine Bevölkerung, die sich in wachsendem Maß fremdbestimmt fühlt? Regionen, die ihre Selbstverwaltung verlieren? Junge Menschen, deren kulturelle Wurzeln in der Gleichheitsideologie verwischen?
Europa wird unter Ursula von der Leyens Regie zu einem technokratischen Konstrukt – vollgepackt mit Regulierung, moralischer Rhetorik und geopolitischem Eifer. Doch das, was Europa wirklich ausmacht – seine Geschichte, seine organische Vielfalt, seine Völker und Kulturen –, bleibt außen vor.
Der Green Deal etwa mag auf dem Papier zukunftsweisend erscheinen. Doch er ist nicht das Ergebnis eines europäischen Umweltbewusstseins, sondern eines von außen importierten Systems globaler Lenkung und wirtschaftlicher Umverteilung. Die Ukraine-Politik wirkt weniger wie eine Verteidigung europäischer Interessen, sondern wie ein Stellvertreterkonflikt mit hohem moralischem Einsatz – geführt auf Kosten der strategischen Autonomie Europas. Und die Flüchtlingspolitik unter ihrer Ägide? Ein Offenbarungseid an Willenlosigkeit, Beliebigkeit und institutioneller Abgehobenheit
Preisverleihung als politisches Bekenntnis
Der Karlspreis hätte ein Ort sein können, an dem man sich ehrlich fragt, was Europa im Innersten zusammenhält. Doch stattdessen wurde er zum Bekenntnis zu einer bestimmten Klasse von Politikern – internationalistisch, technokratisch, oft vom Leben der Menschen weit entfernt. Der Preis für Ursula von der Leyen ist kein Lob der europäischen Idee, sondern eine Auszeichnung für deren Umdeutung.
Ein Europa, das sich selbst nicht mehr spürt, braucht keine weiteren Funktionäre. Es braucht Menschen, die Europa nicht nur managen, sondern lieben. Die verstehen, dass Geschichte, Sprache, Kultur und Herkunft nicht zu überwindende Hindernisse sind, sondern die Quellen unseres Zusammenhalts.
Schlussgedanken
Ursula von der Leyen hat sicherlich viel erreicht – im Sinne einer Karriere. Aber was hat sie für Europa erreicht? Was bleibt von ihrem Wirken, außer PR-Kampagnen, EU-Verordnungen und symbolischen Gesten? Der Karlspreis 2025 könnte als jener Moment in die Geschichte eingehen, an dem deutlich wurde, wie weit sich das offizielle Europa von den Herzen seiner Menschen entfernt hat.
