Kanzler Merz im Oval Office – Erinnerungslücke und das devote diplomatische Schauspiel

Ein Bild geht um die Welt: Friedrich Merz, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, steht im Oval Office an der Seite von Donald J. Trump. Die Presse überschlägt sich in Lob. Man spricht von einem „diplomatischen Meisterstück“, von „strategischer Staatskunst“, von einer „neuen konservativen Ära der transatlantischen Vernunft“. Was viele für einen Triumph halten, ist in Wahrheit eine peinliche Farce – und eine tief entlarvende Szene in der Tragikomödie der Berliner Republik.

Denn Merz überreichte dem US-Präsidenten – so berichten verschiedene Medien – die Geburtsurkunde von Trumps Großvater, Friedrich Trump, geboren im pfälzischen Kallstadt. Eine Geste mit vermeintlicher Tiefe, inszeniert als Zeichen historischer Verbundenheit und persönlicher Achtung. Was Merz dabei offenbar nicht wusste oder bewusst ignorierte: Diese symbolische Urkunde hatte Donald Trump bereits erhalten – Jahre zuvor, überreicht von Kai Diekmann, dem ehemaligen BILD-Chef und CDU-nahen Medienstratege. Ein PR-Stunt, damals viel beachtet, heute anscheinend vergessen.

Die Folge: Der Kanzler überreicht einem US-Präsidenten ein symbolträchtiges Dokument, das längst überreicht wurde – und verkauft diesen Akt als originellen Staatsgestus. Ob aus Unwissenheit, Nachlässigkeit oder Opportunismus: Es offenbart das politische Kurzzeitgedächtnis eines Systems, das auf bloße Wirkung statt Substanz setzt.

Und es offenbart noch mehr: die doppelte moralische Buchführung unserer politischen Öffentlichkeit. Denn hätte ein AfD-Politiker Trumps deutsche Abstammung thematisiert, gar mit Urkunde bekräftigt, wäre das mediale Urteil vernichtend gewesen. Man hätte geschrien: „völkische Symbolpolitik“, „ethnisch motivierte Außenpolitik“, „Blut-und-Boden-Romantik“. Der Vorwurf: Die Ethnie werde zum politischen Kriterium erhoben. Doch wenn es ein CDU-Kanzler tut – oder vielmehr: wenn er eine symbolische Geste wiederaufwärmt, die bereits im politmedialen Raum kursiert –, dann ist es plötzlich eine freundliche Reminiszenz an gemeinsame Wurzeln. Dann wird nicht geschrien, sondern geschwelgt.

Diese Doppelmoral entlarvt sich selbst: Es geht nicht darum, ob über Herkunft gesprochen wird. Es geht nur darum, wer es tut. Ethnie als Bezugspunkt ist erlaubt – solange sie folgenlos bleibt, solange sie von den „richtigen Leuten“ erwähnt wird, solange sie nicht politisch aufgeladen wird mit Forderungen nach kultureller Selbstbehauptung oder gar Remigration. Dann ist es plötzlich nur Folklore, ein bisschen Provinz-Charm, ein Schmunzeln über den deutschen Opa im fernen Kallstadt.

Währenddessen saß Merz vor amerikanischen Kameras und erklärte, die „Remigrationswende“ greife in Deutschland. Eine Aussage, die – freundlich formuliert – dreist ist. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Von einem staatlichen Umdenken in Sachen Migration kann keine Rede sein. Abschiebungen finden nur in symbolischen Einzelfällen statt, die Asylverfahren bleiben träge, die Rückführung Hunderttausender Ausreisepflichtiger wird systematisch blockiert – nicht zuletzt durch Merz’ eigene Regierung, die sich lieber mit Kooperationsabkommen zur „Fachkräftegewinnung“ schmückt, als tatsächliche Rückführungen zu organisieren. Merz lügt – ins Gesicht des US-Publikums, und auch vor seinem Gastgeber.

Dass er im selben Atemzug auch noch die Erhöhung der deutschen Rüstungsausgaben auf fünf Prozent des BIP ankündigt, rundet das Bild ab: Ein Kanzler, der die militärischen Wünsche Washingtons erfüllt, während er seinem Volk vorgaukelt, bei der Migrationsfrage handle die Bundesregierung nun entschlossen. Dabei funktioniert der deutsche Staat – wie schon so oft – vor allem dort, wo es nicht um die Interessen des eigenen Volkes geht.

Was bleibt, ist ein Bild der politischen Schieflage: Ein Kanzler mit einer alten Urkunde in der Hand, als wäre sie neu. Eine Lüge über eine „Remigrationswende“, die nicht existiert. Und ein symbolischer Kniefall vor der westlichen Vormacht, finanziert mit Milliarden deutscher Steuergelder. Das alles verkauft als Staatskunst.

Nein – das war kein diplomatisches Meisterstück. Es war die Fortsetzung des politischen Selbstbetrugs mit anderen Mitteln. Und eine Mahnung: Wer das Eigene vergisst, hat keine Souveränität mehr – nur noch eine Rolle.

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