Es war kein Ausbruch, kein kalkulierter Skandal. Björn Höckes Rede im Thüringer Landtag war leise im Ton – und doch scharf in der Aussage. In einer Debatte über den Nahostkonflikt sagte er jenen Satz, der in der politischen Landschaft Deutschlands wie ein Fremdkörper wirkt:
„Ich habe keinen israelischen und keinen iranischen Standpunkt – ich habe einen deutschen Standpunkt zu formulieren.“
In diesem einen Satz verdichtet sich eine Forderung, die weit über den aktuellen Konflikt hinausgeht. Es geht um Deutschland – um seine Rolle, seine Interessen, seine Würde. Höcke formuliert nichts weniger als eine Absage an eine Politik, die sich moralisch überhöht, dabei aber ihre eigene Substanz preisgibt.
Zwischen Bündnistreue und Selbstverleugnung
Was Höcke infrage stellt, ist nicht Solidarität mit Israel oder das Nachdenken über Sicherheit im Nahen Osten. Was er infrage stellt, ist die Unmündigkeit der deutschen Außenpolitik – ihre Hörigkeit, ihre reflexhafte Bündnistreue, ihre Unfähigkeit, das Eigene zum Maßstab zu machen.
In Zeiten, in denen politische Statements zu Israel in Berlin fast ritualisiert wirken, wirkte Höckes Satz wie ein Tabubruch – und gleichzeitig wie eine Selbstverständlichkeit, die lange verschüttet war.
Ein Ringen um das Eigene
Höckes Auftritt war kein populistisches Wüten, sondern ein nach innen gerichteter Weckruf. Er forderte nicht das Gegenteil dessen, was derzeit geschieht – er forderte das Dritte: eine deutsche Außenpolitik, die sich nicht an Schuld, nicht an Hegemonie, sondern an Realismus und nationalem Interesse orientiert.
Das ist kein Rückfall in Nationalismus – es ist das Bemühen um Normalität. Wer immer nur fremde Maßstäbe anlegt, kann das Eigene nicht erkennen. Höcke ruft dazu auf, diesen Blick wiederzugewinnen.
Ein Satz, der bleibt
Sein Satz hallt nach, weil er mehr ist als ein Standpunkt. Er ist ein Prüfstein: für politische Selbstachtung, für Ernsthaftigkeit, für Unabhängigkeit. Höcke spricht nicht für Israel, nicht für Iran – er spricht für ein Land, das sich selbst wiederfinden will.
