Zwischen Anspruch und Anpassung

Ein kritischer Kommentar zum Sieben-Punkte-Plan der AfD

Es begann leise – mit einer gewissen sprachlichen Vorsicht, mit dem Zögern vor Begriffen, die man noch vor wenigen Jahren mit Selbstbewusstsein verwendete. Remigration etwa: ein Wort, das lange als Signatur einer rechten Souveränitätspolitik galt – heute aber aus dem neuen Sieben-Punkte-Plan der AfD verschwunden ist. Ebenso fehlt jede klare Bezugnahme auf die deutsche Leitkultur, jenes geistige Fundament, das gerade für viele konservativ-patriotische Wähler ein unverzichtbares Bekenntnis darstellte.

Natürlich: Parteistrategien ändern sich. Wahlkämpfe erfordern kluge Schwerpunktsetzungen. Und die AfD steht an der Schwelle zu einem möglichen politischen Durchbruch in Ostdeutschland. In Sachsen, Brandenburg und Thüringen ist sie stärkste Kraft – der Gedanke an Regierungsverantwortung ist real. Doch genau hier beginnt das Dilemma: Wie viel inhaltliches Profil darf eine Partei aufgeben, um als regierungsfähig zu gelten – ohne sich innerlich zu entkernen?

Denn Begriffe wie Remigration und Leitkultur sind keine rein symbolischen Vokabeln. Sie sind Ausdruck eines weltanschaulichen Anspruchs. Sie stehen für eine Politik, die nicht nur Probleme verwalten, sondern Ursachen benennen will. Für viele in der Bewegung – ob in der Jungen Alternative, im Vorfeld oder unter den Wählern – war gerade diese klare Sprache ein Grund, sich mit der AfD zu identifizieren. Wenn nun genau diese Signale wegfallen, entsteht Verunsicherung: Ist das noch dieselbe Partei?

Diese Entwicklung hatte sich bereits angedeutet – etwa im bekannten Gespräch zwischen Maximilian Krah, Ellen Kositza und Götz Kubitschek. Dort wurde deutlich: Zwischen Teilen der Parteiführung und dem metapolitischen Vorfeld wächst eine Distanz. Der Wunsch nach strategischer Mäßigung steht der Forderung nach inhaltlicher Klarheit gegenüber. Die einen denken in Koalitionen, die anderen in Begriffen.

Und doch: Es wäre eine große Chance gewesen, den Begriff Remigration aus seiner Verzerrung zu befreien und offensiv positiv zu füllen – als humane Rückführungsperspektive, als ordnungspolitisches Konzept, als legitimen Ausdruck des Rechts auf kulturelle Selbstbehauptung. Man hätte aufzeigen können, dass Remigration nicht Ausgrenzung, sondern Ordnung bedeutet. Dass Leitkultur keine Herabwürdigung des Anderen ist, sondern ein Angebot der Integration ins Eigene.

Dass man diese Chance nicht genutzt hat, ist schade. Es sendet ein Signal – nicht an die Medien, sondern an die eigene Basis. Besonders an jene jungen Menschen, die sich in der Partei und in ihrem geistigen Umfeld engagieren, weil sie nicht nur Veränderung wollen, sondern Richtung. Wer ihnen das Gefühl gibt, dass Prinzipien taktisch verhandelbar sind, riskiert langfristig ihre Entfremdung.

Gleichzeitig ist klar: Die AfD steht vor historischen Aufgaben. Der Druck ist groß, der politische Gegner übermächtig. Umso mehr braucht es jetzt – neben Strategie – auch geistige Standfestigkeit. Denn der Erfolg der AfD beruhte nie allein auf Zahlen oder Taktik, sondern auf dem Mut, Dinge zu benennen, die sonst niemand auszusprechen wagte.

Dies muss kein Bruch sein. Es kann ein Weckruf sein. Die Partei bleibt der wichtigste politische Ausdruck einer patriotischen Wende in Deutschland. Aber sie darf nicht vergessen, wem sie diesen Aufstieg verdankt: einer Bewegung, die tief verankert ist im Vorfeld, in der Kultur, in der Jugend – in jenen Menschen, für die Politik mehr ist als der nächste Wahltermin.

Wer sich treu bleibt, wird anschlussfähig – nicht umgekehrt.

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