Sie sprechen nicht unsere Sprache, aber sie wissen, wer sie sind. Wenig wirkt im politischen Raum unserer Tage so verstörend schön wie die stille Kraft ethnischer Selbstgewissheit in einer Gesellschaft, die ihr eigenes Spiegelbild nur noch unter Vorbehalt betrachtet. Während sich das saturierte Deutschland in Selbstkritik ergießt, seine Traditionen dem Zeitgeist opfert und im letzten Zweifel am eigenen Daseinsrecht zerschellt, formieren sich inmitten seiner Städte Lebenswelten, die vor allem eines kennen: Herkunft. Stolz. Geschlossenheit. Die Migranten betreiben Identitätspolitik – nicht auf Podien, nicht in Leitsätzen, sondern durch Dasein. Durch Sprache. Durch Wahlverhalten. Durch die Unmissverständlichkeit eines „Wir“.
Die politische Linke hat diesen Tribalismus erkannt. Und sie hat ihn nicht bekämpft – sie hat ihn adoptiert. In einer Welt, in der die autochthone Mitte zusehends verwaist, erscheinen migrantische Kollektive als rettende Klientel. Sie bringen Wählerstimmen, kulturelle Vitalität, moralische Immunität – und vor allem: klare Zugehörigkeit. Die Linke, einst Anwältin des Allgemeinen, ist zur Kuratorin des Besonderen geworden. Und das mit bewundernswerter Konsequenz.
Diese paradoxe Verwandlung – dass die Linke, die sich traditionell gegen ethnisches Denken wendet, es nun selbst betreibt, solange es sich nicht auf das Eigene bezieht – ist die Kernaussage dieses Textes. Denn während die Rechte sich dem Eigenen verschreibt und dafür gesellschaftlich exkommuniziert wird, inszeniert sich die Linke als Schutzmacht der Anderen – und betreibt dabei genau jene identitäre Politik, die sie der Rechten als Ungeheuerlichkeit vorwirft. Es ist keine bloße Umkehrung – kein vice versa im eigentlichen Sinn. Denn während die Rechte das Eigene verteidigt, bestärkt die Linke das Andere – aber sie tut es nicht als spiegelbildliches Gegenüber, sondern in asymmetrischer Abwertung des Eigenen zugunsten des Fremden. Die politische Linke betreibt keine gerechte Differenzpolitik – sie betreibt eine parteiliche Bevorzugung. Was sie der Rechten als Ethnozentrismus vorwirft, lebt sie selbst – nur aufseiten des Nicht-Deutschen.
„Identität ist nicht das, was uns von anderen trennt, sondern das, was uns mit uns selbst verbindet“, schreibt Alain de Benoist. Und genau das ist es, was unter der Oberfläche unserer Zeit geschieht: eine stille, oft unbewusste Rückkehr zur Herkunft – nicht rational erzwungen, sondern instinktiv getragen. Auch und gerade bei der Linken, unserem politischen Gegner.
In einer Gesellschaft, die das Deutsche marginalisiert und zugleich das Nicht-Deutsche idealisiert, beginnt sich ein tiefer Riss zu zeigen. Der universalistische Bürger ist müde geworden – das kulturelle Selbst drängt zurück ins Bewusstsein. Was lange als Gefahr galt – Herkunft, Prägung, kollektive Erinnerung – wird wieder zum Zentrum. Nicht im Geist der Abgrenzung, sondern im Sinn der Selbstgewissheit.
Im Jahr 2024 lag der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Ortsteil Neukölln bei über 58 %. Noch 2008 lag dieser Anteil unter 30 %. Parallel dazu ist der Anteil an ausländischen Staatsbürgern im gesamten Bezirk auf knapp 29 % gestiegen. Die soziale Zusammensetzung hat sich in kurzer Zeit tiefgreifend verändert – nicht als Folge organischer Integration, sondern als Ausdruck einer wachsenden kulturellen Abspaltung.
Diese Entwicklung wäre nicht problematisch, würde sie nicht von realen sozialen und sicherheitspolitischen Spannungen begleitet. Neukölln gilt seit Jahren als Schwerpunkt arabischstämmiger Clankriminalität. Familien wie die Remmos oder Abou-Chakers verfügen nach Erkenntnissen der Berliner Polizei über ein weitverzweigtes Netzwerk illegaler Aktivitäten – von Drogen- und Waffenhandel bis hin zu Geldwäsche, Raub, Schutzgelderpressung und Gewalt gegen Sicherheitsbehörden. 2023 wurden berlinweit 1.063 Straftaten mit Clanbezug erfasst – der Großteil davon konzentriert sich auf Neukölln.
Symbolhaft steht hierfür die sogenannte Remmo-Villa in Alt-Buckow: 2018 vom Staat beschlagnahmt, als Signal an die Öffentlichkeit, später jedoch größtenteils an die Eigentümer zurückgegeben. Der Rechtsstaat hat sich sichtbar zurückgezogen – nicht aus Feigheit, sondern aus struktureller Überforderung.
Zugleich verschiebt sich die öffentliche Sprache. Wenn in Berliner Freibädern Straftaten vermehrt auftreten, richtet sich die Prävention oft nicht an die Täter, sondern an die potenziellen Opfer – mit Appellen zur Rücksichtnahme und Deeskalation.
All das ist keine bloße Überforderung urbaner Politik. Es ist Ausdruck einer politisch-ideologischen Entscheidung: das Fremde als schützenswert, das Eigene als überwindungswürdig zu definieren. Neukölln ist nicht die Ausnahme – es ist das Muster.
Alain Finkielkraut formuliert es glasklar: „Der Westen predigt Individualismus, aber das migrantische Bewusstsein ist kollektivistisch.“ Es lebt in der Familie, im Viertel, im Gotteshaus. Es ist keine Theorie – es ist Lebenspraxis.
Diese Lebenspraxis ähnelt frappierend dem, was konservative Theoretiker wie Frank Krämer als „mentale Fundamente“ bezeichnen. Krämer schreibt: „Der Krieger zeichnet sich durch Ehre und Disziplin aus … er ist in der Lage, seine Impulse zu kontrollieren.“ Und weiter: „Man kann es am besten mit einem Wort beschreiben: Wahrhaftigkeit. […] Es geht um das Umsetzen von Überzeugungen, und darum, überzeugt zu sein, dass es das Richtige ist – auch und vor allem selbst dann, wenn eine vermeintliche Mehrheit anderer Meinung ist.“
In migrantischen Milieus finden sich genau diese Tugenden: Loyalität, Stolz, Widerständigkeit. Der postmoderne Westen mag sie aus seinem Wertekanon gestrichen haben – aber sie existieren. Und die Linke? Sie hofiert sie, als seien sie demokratische Errungenschaften.
Das migrantische Selbstbewusstsein steht oft jenseits des Zeitgeistes – und die Linke, blind vor Angst vor dem Eigenen, macht sich zur Patin dieser Selbstgewissheit.
Zugleich erweist sich diese Entwicklung auch aus psychodynamischer Perspektive als aufschlussreich, wie etwa die Reaktion auf die Silvesterereignisse von Köln 2015 oder die Freibad-Debatte im Sommer 2025 zeigt: In beiden Fällen wurden die Täter aus migrantischen Milieus entweder nicht benannt oder deren Verhalten relativiert – stattdessen verlagerte sich der Fokus vieler Medien und politischer Akteure reflexhaft auf mögliche rechte Reaktionen oder eine angebliche gesellschaftliche Debatte. Besonders deutlich wurde dies in der Plakataktion deutscher Städte, in der potenzielle Opfer zur Rücksichtnahme und Deeskalation aufgerufen wurden – eine Täter-Opfer-Umkehr, die den moralischen Selbstentlastungsmechanismus der Linken exemplarisch sichtbar macht. Statt die Täter aus migrantischen Milieus offen zu benennen, verschob sich der Fokus vieler Medien und politischer Akteure reflexhaft auf die Angst vor rechter Instrumentalisierung. Die eigentliche Gewalt wurde psychologisch umgedeutet, um das linke Selbstbild als moralisch überlegene Schutzmacht des vermeintlich Schwächeren zu bewahren. Die Linke braucht für ihr Selbstverständnis, für ihre Politik und für ihre moralische Selbstvergewisserung ein strukturelles Opfer – eine Projektionsfläche des Leids, auf das sie sich als Retterin, als moralische Instanz, als personifiziertes Über-Ich setzen kann. Diese Rolle nehmen heute, je nach politischer Lage, wechselweise die Migranten, die LGBTQ-Bewegung oder die Opfer des sogenannten strukturellen Rassismus ein. Es handelt sich um eine Form von ideologischer Overprotection, wie man sie aus der entwicklungspsychologischen Literatur kennt – eine Überfürsorge, die nicht emanzipiert, sondern bindet, die nicht frei macht, sondern abhängig.
Das linke Selbstbild braucht dieses Opfer. Es ist der geheime Gral ihrer politischen Liturgie. Ohne Opfer keine Rechtfertigung. Ohne systemisches Unrecht keine Erlösung. Es ist ein Opferritus, der sich durch alle Ebenen zieht: sozial, sexuell, ethnisch. Die Linke muss Ungerechtigkeit finden, um sich als Gerechtigkeitsinstanz aufbauen zu können. Und das erklärt auch, warum sie so beharrlich jede Form von Gleichheit, von Integration, von Selbstverantwortung zurückweist: Sie gefährdet das Fundament ihrer moralischen Architektur.
Eng verbunden damit ist auch der zivilisationsbedingte Bruch im westlichen Verhältnis zur Aggression. Unsere Gesellschaft hat gelernt, Aggression zu pathologisieren – sie als Triebrest, als moralische Schwäche, als regressives Verhalten zu betrachten. Doch in der Realität des Multikulturalismus, in der Konfrontation mit ethnisch geschlossenen Gruppen, die über ein starkes Kraft- und Ehreempfinden verfügen, sind wir dieser Körperlichkeit, diesem Vitalismus oft hilflos ausgesetzt. Wir benötigen – so paradox es klingt – ein neues positives Verhältnis zur Aggression. Gemeint ist damit eine Rückbesinnung auf jene Form der Entschlossenheit, Standhaftigkeit und körperlichen Präsenz, die nicht destruktiv, sondern gestaltend wirkt – eine Aggression, die nicht zerstört, sondern schützt, die nicht wütet, sondern aufrichtet. Damit ist nicht rohe Gewalt gemeint, sondern eine Rückbindung an das Sinnlich-Unmittelbare – ein Begriff, den u. a. Arnold Gehlen in seinen anthropologischen Studien als Grundlage menschlicher Orientierung bezeichnet hat und den auch Martin Heidegger als „Weltzuwendung“ im Modus des Daseins beschreibt. Diese sinnliche Unmittelbarkeit meint nicht Triebhaftigkeit, sondern ein leiblich fundiertes In-der-Welt-Sein, das dem Menschen Standfestigkeit und Resonanzfähigkeit verleiht.: Standfestigkeit, Mut, körperliche Präsenz.
Wie der Philosoph Peter Sloterdijk schreibt: „Zivilisation ohne Mut degeneriert zur bürokratischen Weichheit.“ Und Ernst Jünger wusste: „Der Mut ist das letzte, was uns niemand nehmen kann.“ Ein gesunder Bezug zur Aggression ist kein Widerspruch zur Kultur – er ist ihre Voraussetzung. Jean Raspails Roman Das Heerlager der Heiligen führt diese Thematik literarisch vor Augen: Die einheimische Bevölkerung Europas scheitert an ihrer moralisch entwaffneten, aggressionslosen Haltung gegenüber einer entschlossenen und körperlich fordernden Invasion. Die Katastrophe vollzieht sich nicht durch Übermacht, sondern durch die völlige Unfähigkeit, den eigenen Raum zu behaupten. Er verleiht Form, Haltung, Stil. Und er erlaubt dem Einzelnen, sich zu behaupten, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Begegnung – mit der Wirklichkeit des Anderen.
Die Rechten erkennen dies mit dem theoretischen Konzept des Ethnopluralismus an, doch die Mehrheit der Bürger zögert noch immer, die Basis zur kollektiven Abgrenzung zum Anderen anzuerkennen und das entscheidende Wort zu sprechen: Volk. Völkisch. Heimat. Pathos. In Zeiten, in denen jede kollektive Form verdächtig ist, mutet dies wie ein Sakrileg an. Doch gerade hier liegt der Schlüssel zur eigenen geistigen Rückeroberung.
Es ist Zeit, offen zu sagen: Die Neue Rechte muss das völkische Element wieder in ihre identitätspolitischen Vorstellungen einführen. In jedem amerikanischen Kriegsfilm weht selbstverständlich die Flagge. Patriotismus ist dort kein Makel, sondern ein Ausdruck kollektiver Selbstgewissheit. Das Völkische ist dort nichts Anrüchiges, sondern gelebte Zivilreligion. Auch wir Deutschen müssen den Mut zurückgewinnen, zu einem solchen selbstverständlichen, positiven Bekenntnis zum Eigenen zurückzukehren. Nicht als Rückfall, sondern als Rückbindung. Nicht als Blutphantasie, sondern als kulturelle Mythisierung. Ernst Jünger schrieb: „Der Mythos ist der Anfang jeder Identität.“ Und was ist das Volk anderes als ein lebendiger Mythos, aus dem Bindung und Haltung, Opferbereitschaft und Zukunftswillen entspringen?
Völkisches Denken – so wie es die Neue Rechte und ich es verstehen – ist kein Echo des Nationalsozialismus, sondern seine Antithese: nicht totalitär, sondern tragend; nicht ideologisch, sondern seelisch. Es hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit kultureller Selbstvergewisserung. Mit völkisch ist hier die Rückbesinnung auf das kollektive geistige und kulturelle Erbe gemeint – auf jene stillschweigenden, uns als Volk innewohnenden Muster, auf das Urvertrauen in unsere Gruppe. Es geht nicht um Folklore, Lagerfeuer oder Zeltlagerromantik, sondern um die leise Kraft, die uns über Generationen trägt. Es meint das Eigenartige des Eigenen, das Pathos des Bleibens, die Ergriffenheit vom Schicksal der Gemeinschaft. nicht totalitär, sondern tragend; nicht ideologisch, sondern seelisch. Aus ihr formt sich ein Idealbild: Heimat, Dienst, Unterscheidbarkeit. Frank Krämer spricht von „innerer Ordnung“. Ohne sie, sagt er, „bleibt jede Rebellion bedeutungslos“.
Der Bruch zur alten Rechten liegt genau hier. Wo einst Biologie regierte, herrscht nun Kultur. Wo einst Rasse war, ist nun Herkunft. Wo einst Ausschluss war, ist heute Gestalt. Das Volk ist nicht mehr Blut, sondern Gestimmtheit – eine Schicksalsgemeinschaft, die sich nicht aus messbaren Merkmalen speist, sondern aus Erinnerung, Sprache, Opfer, Stil.
Für die Rechte ist es daher notwendig, jenseits aller gesetztechnischen Definitionen und juristischen Staatsbürgerschaftskonstrukte, einen ethnischen Volksbegriff grundsätzlich wieder zur Sprache zu bringen. Nicht, um andere Völker zu schmähen, sondern um das Eigene zu wahren. Es geht um den Schutz einer kulturellen Form, um das Bewusstsein einer gewachsenen Einheit – um jenes stille Gefühl von Zugehörigkeit, das kein Pass der Welt ersetzen kann.
Völkisches Denken ist somit die Grundbedingung, um dem Ethnomasochismus entgegenzutreten, den wir über Jahrzehnte durch transatlantische Sozialisierung und die Einflüsse der Frankfurter Schule aufgesogen haben. Völkisch – das ist nicht altmodisch, nicht vorgestrig, nicht gefährlich. Es ist das Gegenteil: die Rückbesinnung auf Jahrhunderte und Jahrtausende alte Bilder, auf Mythen, die in uns angelegt und mit uns gewachsen sind. Völkisches Denken ist nicht der Ruf nach Unterjochung des Anderen – es ist dessen Anerkennung. Denn wer das Eigene achtet, lernt auch, das Andere zu respektieren. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Selbstgewissheit. Es ist nicht verknüpft mit Expansionsfantasien, sondern mit Rückbindung an das Eigene – als geistige Voraussetzung für eine offene, tragfähige Gesellschaft.
Denn nur wer sich seiner Herkunft bewusst ist, kann Verantwortung für das Kommende übernehmen. Nur wer sich mit seinem Volk identifiziert, wird bereit sein, über das bloße Ich hinauszuwachsen und Gemeinsinn zu entwickeln. Die Linke erkennt dies im Anderen an – doch sie verweigert es dem Eigenen. Und genau das ist ihre Blindstelle.
Die Rechte hingegen muss den Mut finden, das Völkische nicht als Altlast zu begreifen, sondern als schöpferisches Prinzip, das Orientierung gibt in Zeiten der Auflösung. Nicht Uniformität ist das Ziel, sondern Gestalt. Nicht Ausgrenzung, sondern Formbewusstsein. Nicht Rückwärtsgewandtheit, sondern Verwurzelung.
Die Linke verteidigt Herkunft – aber nur, wenn sie fremd ist. Die Rechte muss lernen, Herkunft zu verteidigen, wenn sie die eigene ist. Nicht mit Überheblichkeit, sondern mit Ernst. Nicht mit Aggression, sondern mit Würde. Nicht mit Zorn, sondern mit Pathos.
Der demografische Kipppunkt – ethnische Neuwähler und die Wiederentdeckung des Völkischen
Ein tiefgreifender Wandel zeichnet sich am Horizont ab – nicht plötzlich, nicht mit Paukenschlag, sondern still, statistisch, unwiderruflich. Die demografische Struktur Deutschlands kippt – von einer autochthonen Mehrheit hin zu einer mosaikhaften Gesellschaft, in der Herkunft, Loyalität und kulturelle Verankerung nicht mehr selbstverständlich sind. Was lange als Randphänomen galt, wird zum Zentrum der politischen Realität.
Berechnungen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass der Anteil junger Deutscher – also jener unter 20 Jahren ohne Migrationshintergrund – bis 2050 auf unter 13 % der Gesamtbevölkerung sinken wird (Destatis 2022). Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung Deutschlands bis zum Jahrhundertende auf unter 60 Millionen schrumpfen (UN-Projektion, Visual Capitalist 2023). Die Geburtenrate liegt seit Jahrzehnten unter dem Bestandserhaltungsniveau, und es sind zunehmend die Kinder nicht-deutscher Herkunft, die den Nachwuchs des Landes stellen. Was einst als kultureller Pluralismus gefeiert wurde, wird so zur demografischen Schieflage.
Damit entsteht ein neuer politischer Faktor: der ethnische Neuwähler. Seine Interessen sind nicht identisch mit jenen der Mehrheitsgesellschaft von gestern. Er wählt nicht universalistisch, sondern gruppenbezogen. Er sucht Repräsentanz, Einfluss, Schutz – und er findet sie zunehmend bei linken Parteien, die bereitwillig die Rolle der ethnischen Fürsprecher übernehmen. Diese Entwicklung verschiebt nicht nur Wahlergebnisse, sondern auch den normativen Rahmen der Gesellschaft. Denn je größer der Anteil migrantisch geprägter Milieus, desto stärker der Anreiz für Parteien, ihre Programme an ethnisch kodierte Bedürfnisse anzupassen – Sprachförderung, Antidiskriminierungsrichtlinien, kulturelle Ausnahmezonen, migrationsfreundliche Integrationspolitik.
Dem entgegnet man oft mit einem wirtschaftlichen Argument: Migration werde gebraucht, um das Rentensystem zu stabilisieren. Doch auch diese Hoffnung trägt nur bedingt. Zwar wurden 2024 über 172.000 Arbeitsvisa ausgestellt (Auswärtiges Amt 2025), und die Zahl der Blue-Card-Inhaber verdoppelte sich seit 2018 auf über 110.000 (Mediendienst Integration 2024), doch diese Fachkräfte stellen eine Minderheit dar. Die Realität zeigt ein anderes Bild: Rund 15 % aller Ausländer in Deutschland sind arbeitslos (BA/IAB 2023), doppelt so viele wie bei Deutschen. Etwa 50 % der Bürgergeldempfänger sind ausländische Staatsbürger (WELT 2024), bei Geflüchtetengruppen wie Syrern oder Ukrainern liegt der Anteil sogar bei über 60 % (BA-Statistik 2024).
Die Mehrheit der Migranten arbeitet im Helfersektor. Nur ein Bruchteil erreicht hochqualifizierte Positionen – von den langfristigen Belastungen durch Sprachbarrieren, kulturelle Entfremdung und gescheiterte Integration ganz zu schweigen. Migration kann das Rentensystem kurzfristig entlasten – langfristig ersetzt sie aber nicht die eigene demografische Reproduktion. Was fehlt, ist nicht Masse, sondern Bindung. Nicht Quantität, sondern Kontinuität.
Für die autochthone Bevölkerung aber bedeutet all dies: Verlust an Deutungshoheit, politischer Stimme und symbolischer Repräsentanz. Der Liberalismus mag den Einzelnen anrufen – die Realität aber formiert sich kollektiv. Und inmitten dieser tektonischen Verschiebung taucht ein Gedanke auf, der lange verdammt war, aber nun wieder zu leuchten beginnt: das Völkische – nicht als biologistische Regression, sondern als rettender Impuls kultureller Selbstvergewisserung.
Denn was tun Völker, die spüren, dass sie zahlenmäßig erodieren? Was bleibt einer Kultur, deren Kinder keine eigenen Feste, keine eigenen Helden, keine eigene Geschichte mehr kennen? Sie erinnert sich. Sie greift zurück – nicht aus Reaktion, sondern aus Not. Sie erzählt sich neu, mythisch, geformt aus Bildern, Liedern, Worten. Der völkische Gedanke wird so zum Gegenbild der entleerten Demokratie: nicht quantitativ, sondern qualitätsbewusst; nicht exklusiv, sondern gestaltend; nicht nostalgisch, sondern existenziell.
Völkisches Denken in diesem Sinn ist keine Ideologie – es ist ein Akt kulturellen Selbsterhalts im Angesicht einer geschichtlichen Erschütterung. Und je näher der demografische Kipppunkt rückt, desto dringlicher wird dieser Impuls. Nicht, um zu schließen, sondern um sich zu behaupten. Nicht gegen den Anderen – sondern für das Eigene.
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