Dunja Hayali gilt als eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens. 1974 im westfälischen Datteln geboren, Tochter irakisch-katholischer Eltern, die in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen, studierte sie Publizistik und Sport in Münster, volontierte beim WDR und stieg beim ZDF schnell zur Moderatorin auf. Heute wird sie mit Preisen überhäuft, trägt das Bundesverdienstkreuz und gilt als moralisches Aushängeschild des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ihre Herkunft aus einer Migrantenfamilie wird dabei stets mitinszeniert – als ob sie aus diesem biografischen Umstand eine besondere moralische Legitimation schöpfen könnte, wenn sie über Migration spricht. In Wahrheit ersetzt Biografie hier das Argument, persönliche Geschichte das Faktum, Lebenslauf die journalistische Sorgfalt.
Hayali sieht sich auf der richtigen Seite der Geschichte, auf der richtigen moralischen Seite der Gesellschaft. Diese Selbstinszenierung ist zentral: Sie spricht nicht als Reporterin, sondern als Stimme der Tugend. Immer wieder zeigt sich das in ihren Auftritten, besonders im Umgang mit AfD-Politikern. Ihre Interviews sind von einer spürbaren Anspannung geprägt, von dem Gestus, dem vermeintlich Dunklen standhalten zu müssen. Es ist kein offenes Gespräch, sondern ein Verhör, kein journalistisches Erkunden, sondern ein Tribunal. Damit bestätigt sie sich und ihrem Publikum, dass sie im Besitz der moralischen Hoheit ist. Das ZDF verkauft sie dabei als jugendliches Gesicht, als frische, moderne Stimme inmitten eines alternden Apparats. Doch hinter diesem Image steckt eine altbekannte Haltung: systemtreu, ideologisch auf Linie, im Innersten verkrustet.
Besonders deutlich wurde diese Haltung nach dem Mord an Charly Kirk. Hayali verurteilte zwar das Feiern seines Todes – das gebietet der Anstand. Doch fast im selben Atemzug erklärte sie, Kirk habe „oftmals abscheuliche, rassistische, sexistische und menschenfeindliche Aussagen“ getätigt. Keine Quellen, keine Belege, kein Kontext. Nur ein pauschales Urteil, ein Etikett, hingeklebt wie ein Warnschild. Damit setzte sie eine Deutung in die Welt, die inhaltlich nicht trägt. Denn Kirk war ein konservativer Aktivist, ein Provokateur, ohne Zweifel. Aber er war kein Rassist. Er sprach von Grenzsicherung, von nationaler Identität, von der Verteidigung westlicher Werte. Das mag für linksliberale Ohren anstößig sein, es ist aber keine Herabwürdigung von Menschen aufgrund biologischer Merkmale. Der Vorwurf des Rassismus ist nicht nur unbelegt, er ist schlicht falsch.
Philosophisch betrachtet ist diese Haltung Ausdruck einer Denkfigur, die den Menschen nicht mehr als Person sieht, sondern als Symbol. Hannah Arendt warnte vor der Verwaltung von Menschen in Kategorien, die jede Individualität auslöscht. Genau das geschieht hier: Kirk erscheint nicht mehr als Mensch, sondern als Chiffre, als „der Rassist“. Damit verliert er den Anspruch auf Empathie. Die Wahrheit wäre schlicht gewesen: Ein Mensch wurde ermordet, und dieser Mord ist ohne Einschränkung zu verurteilen. Doch Hayali kann nicht bei der Wahrheit stehenbleiben. Sie muss urteilen, sie muss etikettieren, sie muss das Opfer moralisch diskreditieren. Nietzsche hätte darin die Herdenmentalität erkannt, die jedes Ereignis sofort in das Raster von Schuld und Tugend zwingt. Heidegger hätte von der Verfallenheit an das Gerede gesprochen: die Flucht in moralische Floskeln, anstatt bei der nackten Realität zu verweilen.
Dass der Mord an Kirk nicht nur die deutsche Debatte, sondern auch die amerikanische Öffentlichkeit erschütterte, zeigte sich an einem weiteren Vorfall. Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington, sprach in einem Podcast über Charlie Kirk und bezeichnete ihn offen als „rechtsradikal“. Damit stellte er den konservativen Aktivisten nicht als politischen Gegner, sondern als Extremisten dar. Richard Grenell, ehemaliger US-Botschafter in Berlin, reagierte empört. Er warf Theveßen vor, ein „linksradikaler Aktivist“ zu sein, der politische Gegner diffamiere und delegitimiere. Grenell forderte sogar, Theveßen das US-Visum zu entziehen – ein symbolischer Schritt, der zeigen sollte, dass die moralische Überheblichkeit deutscher Journalisten in den USA nicht unwidersprochen bleibt. Dieser Streit berührte unmittelbar die Nachwehen des Kirk-Mordes, weil er offenbar machte, wie tief die Gräben zwischen konservativen Amerikanern und deutschen Medienmachern geworden sind. Grenells Intervention war ein Angriff auf die moralische Selbstgewissheit des ZDF-Apparats – und sie zeigte, dass die journalistische Pose längst nicht mehr nur Kritik, sondern Gegenkritik provoziert, und zwar auf höchster diplomatischer Ebene.
In ähnlicher Weise funktionierte Hayalis bekannte Dokumentation über Gewalt, in der sie die rhetorische Figur des „Messerstechers Uwe“ einführte. Damit wollte sie zeigen, dass nicht nur Migranten Gewalttaten verüben, sondern auch Deutsche. Natürlich ist das richtig. Aber die Suggestion, es handele sich um eine gleichmäßige Verteilung, ist irreführend. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist seit Jahren eine massive Überrepräsentation junger männlicher Zuwanderer bei Gewalt- und Sexualdelikten aus. 2023 waren 15,6 Prozent aller Tatverdächtigen Zuwanderer, bei einem Bevölkerungsanteil von nur 2,5 Prozent. Diese Zahlen hätten den Kern der Reportage bilden müssen. Doch stattdessen wurde die Realität weichgespült, Opferperspektiven wurden ausgespart, und ein künstliches Gleichgewicht zwischen „Ali“ und „Uwe“ hergestellt. So wurde die Dokumentation zu einem Placebo für das Publikum, ein Beruhigungsmittel in Fernsehform.
Noch deutlicher zeigte sich Hayalis Haltung, als sie erklärte, die Ängste vieler Deutscher vor Migrantengewalt seien im Wesentlichen eine Einbildung, das Produkt medialer Verzerrung. Diese Aussage grenzt an Verhöhnung. Waren die Opfer von Kandel, Freiburg, Würzburg nur Einbildungen? Waren ihre Eltern bloß hysterische Phantasten? Blut ist keine Einbildung. Gräber sind keine Projektionen. Hier zeigt sich die ganze Kälte eines Journalismus, der die Wahrnehmung der Menschen korrigieren will, anstatt sie ernst zu nehmen.
Dazu kommt das altbekannte Narrativ vom Fachkräftemangel. Auch Hayali greift es auf, als sei es die rettende Formel: Migration sei nötig, um die Wirtschaft zu stützen. Wer diese Sicht infrage stellt, gilt sofort als herzlos oder als nationalistischer Populist. Doch die nüchternen Zahlen widerlegen das Narrativ. Nur ein Bruchteil der Schutzsuchenden verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung, in den MINT-Berufen liegt ihr Anteil im einstelligen Bereich. Das Fachkräfteargument ist keine Realität, sondern eine Illusion. Es ist eine ideologische Beschwörung, die aus einem Wunsch eine Pflicht macht.
Hayali ist dabei nicht allein. Sie ist Teil eines Apparats, eines Chors von Stimmen, die denselben Ton anschlagen. Neben ihr eben jener Elmar Theveßen, der Amerika nicht so erklärt, wie es ist, sondern so, wie es ins deutsche Weltbild passt: Trump als Dämon, Konservative als Gefahr, die Linke als Hüterin der Demokratie. Theveßen und Hayali – zwei Stimmen, ein Klang, zwei Gesichter eines Systems, das keine Vielfalt kennt, sondern eine monotone Front.
Man muss Hayali sehen, um das größere Drama zu verstehen: ein Land, das seine Identität verloren hat und stattdessen Schuld predigt. Öffentlich-rechtliche Journalisten wie sie inszenieren sich als Priester dieser Schuldreligion. Wer Sicherheit will, gilt als hysterisch. Wer Zahlen nennt, ist ein Hetzer. Wer Empathie für ein Mordopfer wie Kirk einfordert, wird zum Komplizen des Bösen erklärt. Das Volk wird so umerzogen, nicht durch Gewalt, sondern durch Suggestion. Worte, die Wirklichkeit verschieben, bis die Menschen an ihrem eigenen Empfinden zweifeln.
Doch die Wahrheit kehrt zurück. Sie lässt sich nicht ewig verdrängen. Statistiken können frisiert, Opfer verschwiegen, Kritiker diffamiert werden – doch die Erfahrung der Menschen lässt sich nicht wegmoderieren. Wenn Hayali den „Messerstecher Uwe“ beschwört, wenn sie Angst zur Einbildung erklärt, wenn sie Mordopfer mit falschen Vorwürfen brandmarkt, wenn sie Zuwanderung als Fachkräftewunder verklärt, dann spricht nicht die Wahrheit. Dann spricht ein System, das seine eigene Legende verteidigt. Doch dieses System ist brüchig. Und wenn es zerfällt, wird offenbar werden, wer wirklich nach Aufklärung gestrebt hat – und wer sein Leben lang nur Nebel produzierte.
