Der Preis der Unterwerfung: Milliarden, Moral und Machtverlust

von Andreas M. Altmeyer

Sie kamen, wie man nicht kommen sollte: als Abgesandte eines einst mächtigen Kontinents, der inzwischen mehr glaubt als rechnet. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, landete nicht in Washington, nicht in Brüssel, sondern in Turnberry, Schottland – in einem Golfressort, das Donald Trump gehört. Das Bild sprach Bände, lange bevor das erste Wort fiel. Es war nicht das Setting einer Verhandlung. Es war ein Auftritt in fremdem Haus. Und man spürte: Wer hier unterschreibt, der nimmt nicht teil. Der gehorcht.

„It’s a fair deal. Europe needs us more than we need them,“ sagte Trump – und grinste. Die Presse notierte brav die neuen Zollsätze: 15 Prozent auf europäische Exportgüter in die USA. Fünf Prozent mehr als zuvor. Ein bisschen mehr Druck auf deutsche Autos, Maschinen, Pharmaerzeugnisse. Nichts, was nach Krieg klang. Doch der Zuwachs war bloß der Vorwand. Der eigentliche Vertrag, unterzeichnet auf Rasenhöhe, enthielt Verpflichtungen, die Europa in den kommenden Jahrzehnten binden werden wie ein Schuldschein.

Erstens: 750 Milliarden Dollar für Energieimporte aus den USA – vorzugsweise Fracking-Gas. Verflüssigt, verschifft, teuer. Politisch gesichert, wirtschaftlich fragwürdig. Man hätte auch fragen können, ob man nicht wieder mit Russland verhandelt. Doch das ist ausgeschlossen. Russland existiert außenpolitisch nur noch als Negativform. Was zählt, ist Gesinnung – nicht Versorgungssicherheit.

Zweitens: 600 Milliarden Dollar an Investitionen europäischer Konzerne in die USA. Fabriken, Entwicklungszentren, Forschung. Kapital, das hier fehlt, fließt dorthin, wo man noch planen darf. Trump nennt das „America First“. Und Europa nickt.

Drittens: neue Zusagen im Bereich US-Rüstungsbeschaffung und Technologie. Man kauft, was man selbst nicht mehr entwickelt – weil einem der eigene industrielle Boden längst zu unbequem geworden ist. Der technologische Rückstand wird nicht aufgeholt, sondern formalisiert.

Und mitten in all dem sagt Trump, fast beiläufig, aber unmissverständlich: „Wind turbines are a crime against beauty and common sense. We won’t allow them anymore.“ In einem Satz demoliert er die heilige Kuh der deutschen Energiepolitik. Kein Windrad mehr in Amerika. Kein Verspargeln der Landschaft. Kein blindes Vertrauen in Wetter und Wohlwollen. Stattdessen: Öl, Gas, Kohle. Und Macht.

Währenddessen feiert man hierzulande weiter den Netzausbau. Rechnet Stromtrassen durch Wälder. Verbietet Verbrennungsmotoren. Erzählt sich Geschichten vom Wasserstoffland. Und macht sich abhängig – von einem Partner, der längst weiß, dass die Abhängigkeit asymmetrisch ist.

Die wirtschaftlichen Folgen sind konkret, nicht nur symbolisch. Die fünf Prozentpunkte höhere Zollbelastung kosten Deutschland über zwölf Milliarden Euro jährlich an Exporteinbußen. Doch das ist nur die Spitze. Die verpflichtenden Energieimporte wirken wie eine neue Steuer: höherer Einkaufspreis, höhere Infrastrukturkosten, Währungsrisiken. Und mit ihnen steigt die Wahrscheinlichkeit neuer Inflation. Denn Energie ist das Fundament – wird sie teurer, steigen Mieten, Lieferkettenpreise, Lebensmittel. Die Notenbanken wissen das. Aber sie werden wieder zu spät kommen.

Noch gravierender: die Kapitalverlagerung. Wenn 600 Milliarden Dollar europäisches Investitionsvolumen in die USA wandern, fehlen sie in Thüringen, Baden-Württemberg, dem Piemont. Es sind nicht nur Buchungen. Es sind verlorene Arbeitsplätze, nicht gegründete Start-ups, stillgelegte Werke. Man entkernt sich selbst, ohne Widerstand.

Und dabei sitzt das Messer längst auch auf der Innenseite. Das politisch verordnete Ende des Verbrennungsmotors ist der ökonomische Selbstmord in Raten. Kein Land der Welt hat seine Hauptindustrie so rigoros entkernt wie Deutschland. Kein Konzern kann mehr langfristig planen, wenn Minister mit Ideologie statt mit Ingenieursverstand regieren. „Wir stehen vor einer Zeitenwende im Verkehrssektor“, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Aber niemand sagt, wie das ökonomisch zu bewältigen ist.

Hinzu kommt das Lieferkettengesetz – ein Meisterwerk politischer Realitätsverweigerung. Es verpflichtet deutsche Mittelständler dazu, ihre gesamten internationalen Zulieferketten auf Menschenrechte, Umweltstandards und Sozialverhältnisse zu prüfen – mit juristischer Haftung. Ein Unternehmer in Bayern soll wissen, ob der Gummi aus Vietnam unter korrekten Bedingungen gewonnen wurde. Wer das nicht garantieren kann, haftet. Das ist nicht Moral – das ist Sabotage mit Paragraph.

Und als wäre das nicht genug, zersetzt die Migrationspolitik das Fundament der Produktivität. Über dreißig Milliarden Euro jährlich fließen in Sozialtransfers, Unterkünfte, Integrationsprogramme. Doch die Erwerbsquote unter Zugewanderten stagniert. Die Zahl der Leistungsempfänger steigt. Die Bildungsmisere verschärft sich. Der Sozialstaat wird zur Umverteilungsmaschine ohne Rückkopplung. „Wir investieren in Menschen“, sagt die Regierung. Aber sie verschweigt: Viele dieser Investitionen tragen keine Zinsen. Und noch weniger Rendite.

Die Wachstumszahlen Europas lesen sich inzwischen wie stille Notrufe: kaum zwei Prozent, bei gleichzeitig explodierenden Staatsausgaben, demografischem Druck und Fachkräftemangel. Doch statt auf Reindustrialisierung zu setzen, zieht man sich zurück – in Regulierungen, in Schulden, in Selbstberuhigung.

Frankreichs Premier François Bayrou nannte den Deal von Turnberry einen „dunklen Tag für Europa“. In Berlin war von einem „pragmatischen Kompromiss“ die Rede. Ein Vertreter des deutschen Industrieverbands erklärte im Deutschlandfunk: „Wir haben Schlimmeres erwartet.“ Das ist der Ton, in dem man Niederlagen begrüßt – als wären sie Naturgewalten.

Und Ursula von der Leyen? Sie gratulierte Trump. Nicht etwa verlegen, sondern beinahe mit Stolz. Als hätte sie einen Coup gelandet. Als wäre geopolitische Abhängigkeit eine Form von Erfolg.

Doch es gibt Alternativen. Lösungswege. Und sie beginnen mit einem mentalen Reset: Die Rückkehr zur Realpolitik, zum Primat der Interessen. Europa muss seine Energiepolitik entideologisieren und Versorgungssicherheit wieder vor ideologische Reinheit stellen. Das bedeutet: Re-Öffnung zu Russland prüfen, neue Pipelines denken, strategische Lager aufbauen.

Zweitens: Die Industrie entlasten, nicht entmündigen. Das heißt: Schluss mit Bürokratismus wie dem Lieferkettengesetz. Schluss mit technologiefeindlichen Dogmen. Schluss mit CO₂-Bepreisung als Religion. Forschung fördern, nicht verbieten. Planungshorizonte wieder eröffnen.

Drittens: Die Migration ordnen. Grenzen kontrollieren. Integrationsanstrengungen an Leistung koppeln. Wer dauerhaft bleiben will, muss beitragen. Wer nicht beiträgt, darf nicht dauerhaft bleiben. So funktioniert jeder tragfähige Sozialstaat.

Und schließlich: die Rückkehr zum Europa der Vaterländer. Kein dirigistischer Block, keine moralische Großmaschine, sondern ein Bündnis souveräner Staaten, die gemeinsam handeln, aber einzeln entscheiden. Das hieße: Verträge nur dann unterschreiben, wenn sie von beiderseitigem Interesse sind. Und bei einem „Deal“ wie dem von Turnberry nicht klatschen – sondern aufstehen und gehen.

Denn wer weiterhin unterschreibt, während er verliert, und gratuliert, während er zahlt, darf sich nicht wundern, wenn er bald nur noch Zuschauer ist – im Spiel um seine eigene Zukunft.

Gegen uns, für die Anderen

Wie die Linke Herkunft verteidigt – solange sie nicht deutsch ist

Sie sprechen nicht unsere Sprache, aber sie wissen, wer sie sind. Wenig wirkt im politischen Raum unserer Tage so verstörend schön wie die stille Kraft ethnischer Selbstgewissheit in einer Gesellschaft, die ihr eigenes Spiegelbild nur noch unter Vorbehalt betrachtet. Während sich das saturierte Deutschland in Selbstkritik ergießt, seine Traditionen dem Zeitgeist opfert und im letzten Zweifel am eigenen Daseinsrecht zerschellt, formieren sich inmitten seiner Städte Lebenswelten, die vor allem eines kennen: Herkunft. Stolz. Geschlossenheit. Die Migranten betreiben Identitätspolitik – nicht auf Podien, nicht in Leitsätzen, sondern durch Dasein. Durch Sprache. Durch Wahlverhalten. Durch die Unmissverständlichkeit eines „Wir“.

Die politische Linke hat diesen Tribalismus erkannt. Und sie hat ihn nicht bekämpft – sie hat ihn adoptiert. In einer Welt, in der die autochthone Mitte zusehends verwaist, erscheinen migrantische Kollektive als rettende Klientel. Sie bringen Wählerstimmen, kulturelle Vitalität, moralische Immunität – und vor allem: klare Zugehörigkeit. Die Linke, einst Anwältin des Allgemeinen, ist zur Kuratorin des Besonderen geworden. Und das mit bewundernswerter Konsequenz.

Diese paradoxe Verwandlung – dass die Linke, die sich traditionell gegen ethnisches Denken wendet, es nun selbst betreibt, solange es sich nicht auf das Eigene bezieht – ist die Kernaussage dieses Textes. Denn während die Rechte sich dem Eigenen verschreibt und dafür gesellschaftlich exkommuniziert wird, inszeniert sich die Linke als Schutzmacht der Anderen – und betreibt dabei genau jene identitäre Politik, die sie der Rechten als Ungeheuerlichkeit vorwirft. Es ist keine bloße Umkehrung – kein vice versa im eigentlichen Sinn. Denn während die Rechte das Eigene verteidigt, bestärkt die Linke das Andere – aber sie tut es nicht als spiegelbildliches Gegenüber, sondern in asymmetrischer Abwertung des Eigenen zugunsten des Fremden. Die politische Linke betreibt keine gerechte Differenzpolitik – sie betreibt eine parteiliche Bevorzugung. Was sie der Rechten als Ethnozentrismus vorwirft, lebt sie selbst – nur aufseiten des Nicht-Deutschen.

„Identität ist nicht das, was uns von anderen trennt, sondern das, was uns mit uns selbst verbindet“, schreibt Alain de Benoist. Und genau das ist es, was unter der Oberfläche unserer Zeit geschieht: eine stille, oft unbewusste Rückkehr zur Herkunft – nicht rational erzwungen, sondern instinktiv getragen. Auch und gerade bei der Linken, unserem politischen Gegner.

In einer Gesellschaft, die das Deutsche marginalisiert und zugleich das Nicht-Deutsche idealisiert, beginnt sich ein tiefer Riss zu zeigen. Der universalistische Bürger ist müde geworden – das kulturelle Selbst drängt zurück ins Bewusstsein. Was lange als Gefahr galt – Herkunft, Prägung, kollektive Erinnerung – wird wieder zum Zentrum. Nicht im Geist der Abgrenzung, sondern im Sinn der Selbstgewissheit.

Im Jahr 2024 lag der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Ortsteil Neukölln bei über 58 %. Noch 2008 lag dieser Anteil unter 30 %. Parallel dazu ist der Anteil an ausländischen Staatsbürgern im gesamten Bezirk auf knapp 29 % gestiegen. Die soziale Zusammensetzung hat sich in kurzer Zeit tiefgreifend verändert – nicht als Folge organischer Integration, sondern als Ausdruck einer wachsenden kulturellen Abspaltung.

Diese Entwicklung wäre nicht problematisch, würde sie nicht von realen sozialen und sicherheitspolitischen Spannungen begleitet. Neukölln gilt seit Jahren als Schwerpunkt arabischstämmiger Clankriminalität. Familien wie die Remmos oder Abou-Chakers verfügen nach Erkenntnissen der Berliner Polizei über ein weitverzweigtes Netzwerk illegaler Aktivitäten – von Drogen- und Waffenhandel bis hin zu Geldwäsche, Raub, Schutzgelderpressung und Gewalt gegen Sicherheitsbehörden. 2023 wurden berlinweit 1.063 Straftaten mit Clanbezug erfasst – der Großteil davon konzentriert sich auf Neukölln.

Symbolhaft steht hierfür die sogenannte Remmo-Villa in Alt-Buckow: 2018 vom Staat beschlagnahmt, als Signal an die Öffentlichkeit, später jedoch größtenteils an die Eigentümer zurückgegeben. Der Rechtsstaat hat sich sichtbar zurückgezogen – nicht aus Feigheit, sondern aus struktureller Überforderung.

Zugleich verschiebt sich die öffentliche Sprache. Wenn in Berliner Freibädern Straftaten vermehrt auftreten, richtet sich die Prävention oft nicht an die Täter, sondern an die potenziellen Opfer – mit Appellen zur Rücksichtnahme und Deeskalation.

All das ist keine bloße Überforderung urbaner Politik. Es ist Ausdruck einer politisch-ideologischen Entscheidung: das Fremde als schützenswert, das Eigene als überwindungswürdig zu definieren. Neukölln ist nicht die Ausnahme – es ist das Muster.

Alain Finkielkraut formuliert es glasklar: „Der Westen predigt Individualismus, aber das migrantische Bewusstsein ist kollektivistisch.“ Es lebt in der Familie, im Viertel, im Gotteshaus. Es ist keine Theorie – es ist Lebenspraxis.

Diese Lebenspraxis ähnelt frappierend dem, was konservative Theoretiker wie Frank Krämer als „mentale Fundamente“ bezeichnen. Krämer schreibt: „Der Krieger zeichnet sich durch Ehre und Disziplin aus … er ist in der Lage, seine Impulse zu kontrollieren.“ Und weiter: „Man kann es am besten mit einem Wort beschreiben: Wahrhaftigkeit. […] Es geht um das Umsetzen von Überzeugungen, und darum, überzeugt zu sein, dass es das Richtige ist – auch und vor allem selbst dann, wenn eine vermeintliche Mehrheit anderer Meinung ist.“

In migrantischen Milieus finden sich genau diese Tugenden: Loyalität, Stolz, Widerständigkeit. Der postmoderne Westen mag sie aus seinem Wertekanon gestrichen haben – aber sie existieren. Und die Linke? Sie hofiert sie, als seien sie demokratische Errungenschaften.

Das migrantische Selbstbewusstsein steht oft jenseits des Zeitgeistes – und die Linke, blind vor Angst vor dem Eigenen, macht sich zur Patin dieser Selbstgewissheit.

Zugleich erweist sich diese Entwicklung auch aus psychodynamischer Perspektive als aufschlussreich, wie etwa die Reaktion auf die Silvesterereignisse von Köln 2015 oder die Freibad-Debatte im Sommer 2025 zeigt: In beiden Fällen wurden die Täter aus migrantischen Milieus entweder nicht benannt oder deren Verhalten relativiert – stattdessen verlagerte sich der Fokus vieler Medien und politischer Akteure reflexhaft auf mögliche rechte Reaktionen oder eine angebliche gesellschaftliche Debatte. Besonders deutlich wurde dies in der Plakataktion deutscher Städte, in der potenzielle Opfer zur Rücksichtnahme und Deeskalation aufgerufen wurden – eine Täter-Opfer-Umkehr, die den moralischen Selbstentlastungsmechanismus der Linken exemplarisch sichtbar macht. Statt die Täter aus migrantischen Milieus offen zu benennen, verschob sich der Fokus vieler Medien und politischer Akteure reflexhaft auf die Angst vor rechter Instrumentalisierung. Die eigentliche Gewalt wurde psychologisch umgedeutet, um das linke Selbstbild als moralisch überlegene Schutzmacht des vermeintlich Schwächeren zu bewahren. Die Linke braucht für ihr Selbstverständnis, für ihre Politik und für ihre moralische Selbstvergewisserung ein strukturelles Opfer – eine Projektionsfläche des Leids, auf das sie sich als Retterin, als moralische Instanz, als personifiziertes Über-Ich setzen kann. Diese Rolle nehmen heute, je nach politischer Lage, wechselweise die Migranten, die LGBTQ-Bewegung oder die Opfer des sogenannten strukturellen Rassismus ein. Es handelt sich um eine Form von ideologischer Overprotection, wie man sie aus der entwicklungspsychologischen Literatur kennt – eine Überfürsorge, die nicht emanzipiert, sondern bindet, die nicht frei macht, sondern abhängig.

Das linke Selbstbild braucht dieses Opfer. Es ist der geheime Gral ihrer politischen Liturgie. Ohne Opfer keine Rechtfertigung. Ohne systemisches Unrecht keine Erlösung. Es ist ein Opferritus, der sich durch alle Ebenen zieht: sozial, sexuell, ethnisch. Die Linke muss Ungerechtigkeit finden, um sich als Gerechtigkeitsinstanz aufbauen zu können. Und das erklärt auch, warum sie so beharrlich jede Form von Gleichheit, von Integration, von Selbstverantwortung zurückweist: Sie gefährdet das Fundament ihrer moralischen Architektur.

Eng verbunden damit ist auch der zivilisationsbedingte Bruch im westlichen Verhältnis zur Aggression. Unsere Gesellschaft hat gelernt, Aggression zu pathologisieren – sie als Triebrest, als moralische Schwäche, als regressives Verhalten zu betrachten. Doch in der Realität des Multikulturalismus, in der Konfrontation mit ethnisch geschlossenen Gruppen, die über ein starkes Kraft- und Ehreempfinden verfügen, sind wir dieser Körperlichkeit, diesem Vitalismus oft hilflos ausgesetzt. Wir benötigen – so paradox es klingt – ein neues positives Verhältnis zur Aggression. Gemeint ist damit eine Rückbesinnung auf jene Form der Entschlossenheit, Standhaftigkeit und körperlichen Präsenz, die nicht destruktiv, sondern gestaltend wirkt – eine Aggression, die nicht zerstört, sondern schützt, die nicht wütet, sondern aufrichtet. Damit ist nicht rohe Gewalt gemeint, sondern eine Rückbindung an das Sinnlich-Unmittelbare – ein Begriff, den u. a. Arnold Gehlen in seinen anthropologischen Studien als Grundlage menschlicher Orientierung bezeichnet hat und den auch Martin Heidegger als „Weltzuwendung“ im Modus des Daseins beschreibt. Diese sinnliche Unmittelbarkeit meint nicht Triebhaftigkeit, sondern ein leiblich fundiertes In-der-Welt-Sein, das dem Menschen Standfestigkeit und Resonanzfähigkeit verleiht.: Standfestigkeit, Mut, körperliche Präsenz.

Wie der Philosoph Peter Sloterdijk schreibt: „Zivilisation ohne Mut degeneriert zur bürokratischen Weichheit.“ Und Ernst Jünger wusste: „Der Mut ist das letzte, was uns niemand nehmen kann.“ Ein gesunder Bezug zur Aggression ist kein Widerspruch zur Kultur – er ist ihre Voraussetzung. Jean Raspails Roman Das Heerlager der Heiligen führt diese Thematik literarisch vor Augen: Die einheimische Bevölkerung Europas scheitert an ihrer moralisch entwaffneten, aggressionslosen Haltung gegenüber einer entschlossenen und körperlich fordernden Invasion. Die Katastrophe vollzieht sich nicht durch Übermacht, sondern durch die völlige Unfähigkeit, den eigenen Raum zu behaupten. Er verleiht Form, Haltung, Stil. Und er erlaubt dem Einzelnen, sich zu behaupten, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Begegnung – mit der Wirklichkeit des Anderen.

Die Rechten erkennen dies mit dem theoretischen Konzept des Ethnopluralismus an, doch die Mehrheit der Bürger zögert noch immer, die Basis zur kollektiven Abgrenzung zum Anderen anzuerkennen und das entscheidende Wort zu sprechen: Volk. Völkisch. Heimat. Pathos. In Zeiten, in denen jede kollektive Form verdächtig ist, mutet dies wie ein Sakrileg an. Doch gerade hier liegt der Schlüssel zur eigenen geistigen Rückeroberung.

Es ist Zeit, offen zu sagen: Die Neue Rechte muss das völkische Element wieder in ihre identitätspolitischen Vorstellungen einführen. In jedem amerikanischen Kriegsfilm weht selbstverständlich die Flagge. Patriotismus ist dort kein Makel, sondern ein Ausdruck kollektiver Selbstgewissheit. Das Völkische ist dort nichts Anrüchiges, sondern gelebte Zivilreligion. Auch wir Deutschen müssen den Mut zurückgewinnen, zu einem solchen selbstverständlichen, positiven Bekenntnis zum Eigenen zurückzukehren. Nicht als Rückfall, sondern als Rückbindung. Nicht als Blutphantasie, sondern als kulturelle Mythisierung. Ernst Jünger schrieb: „Der Mythos ist der Anfang jeder Identität.“ Und was ist das Volk anderes als ein lebendiger Mythos, aus dem Bindung und Haltung, Opferbereitschaft und Zukunftswillen entspringen?

Völkisches Denken – so wie es die Neue Rechte und ich es verstehen – ist kein Echo des Nationalsozialismus, sondern seine Antithese: nicht totalitär, sondern tragend; nicht ideologisch, sondern seelisch. Es hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit kultureller Selbstvergewisserung. Mit völkisch ist hier die Rückbesinnung auf das kollektive geistige und kulturelle Erbe gemeint – auf jene stillschweigenden, uns als Volk innewohnenden Muster, auf das Urvertrauen in unsere Gruppe. Es geht nicht um Folklore, Lagerfeuer oder Zeltlagerromantik, sondern um die leise Kraft, die uns über Generationen trägt. Es meint das Eigenartige des Eigenen, das Pathos des Bleibens, die Ergriffenheit vom Schicksal der Gemeinschaft. nicht totalitär, sondern tragend; nicht ideologisch, sondern seelisch. Aus ihr formt sich ein Idealbild: Heimat, Dienst, Unterscheidbarkeit. Frank Krämer spricht von „innerer Ordnung“. Ohne sie, sagt er, „bleibt jede Rebellion bedeutungslos“.

Der Bruch zur alten Rechten liegt genau hier. Wo einst Biologie regierte, herrscht nun Kultur. Wo einst Rasse war, ist nun Herkunft. Wo einst Ausschluss war, ist heute Gestalt. Das Volk ist nicht mehr Blut, sondern Gestimmtheit – eine Schicksalsgemeinschaft, die sich nicht aus messbaren Merkmalen speist, sondern aus Erinnerung, Sprache, Opfer, Stil.

Für die Rechte ist es daher notwendig, jenseits aller gesetztechnischen Definitionen und juristischen Staatsbürgerschaftskonstrukte, einen ethnischen Volksbegriff grundsätzlich wieder zur Sprache zu bringen. Nicht, um andere Völker zu schmähen, sondern um das Eigene zu wahren. Es geht um den Schutz einer kulturellen Form, um das Bewusstsein einer gewachsenen Einheit – um jenes stille Gefühl von Zugehörigkeit, das kein Pass der Welt ersetzen kann.

Völkisches Denken ist somit die Grundbedingung, um dem Ethnomasochismus entgegenzutreten, den wir über Jahrzehnte durch transatlantische Sozialisierung und die Einflüsse der Frankfurter Schule aufgesogen haben. Völkisch – das ist nicht altmodisch, nicht vorgestrig, nicht gefährlich. Es ist das Gegenteil: die Rückbesinnung auf Jahrhunderte und Jahrtausende alte Bilder, auf Mythen, die in uns angelegt und mit uns gewachsen sind. Völkisches Denken ist nicht der Ruf nach Unterjochung des Anderen – es ist dessen Anerkennung. Denn wer das Eigene achtet, lernt auch, das Andere zu respektieren. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Selbstgewissheit. Es ist nicht verknüpft mit Expansionsfantasien, sondern mit Rückbindung an das Eigene – als geistige Voraussetzung für eine offene, tragfähige Gesellschaft.

Denn nur wer sich seiner Herkunft bewusst ist, kann Verantwortung für das Kommende übernehmen. Nur wer sich mit seinem Volk identifiziert, wird bereit sein, über das bloße Ich hinauszuwachsen und Gemeinsinn zu entwickeln. Die Linke erkennt dies im Anderen an – doch sie verweigert es dem Eigenen. Und genau das ist ihre Blindstelle.

Die Rechte hingegen muss den Mut finden, das Völkische nicht als Altlast zu begreifen, sondern als schöpferisches Prinzip, das Orientierung gibt in Zeiten der Auflösung. Nicht Uniformität ist das Ziel, sondern Gestalt. Nicht Ausgrenzung, sondern Formbewusstsein. Nicht Rückwärtsgewandtheit, sondern Verwurzelung.

Die Linke verteidigt Herkunft – aber nur, wenn sie fremd ist. Die Rechte muss lernen, Herkunft zu verteidigen, wenn sie die eigene ist. Nicht mit Überheblichkeit, sondern mit Ernst. Nicht mit Aggression, sondern mit Würde. Nicht mit Zorn, sondern mit Pathos.

Der demografische Kipppunkt – ethnische Neuwähler und die Wiederentdeckung des Völkischen

Ein tiefgreifender Wandel zeichnet sich am Horizont ab – nicht plötzlich, nicht mit Paukenschlag, sondern still, statistisch, unwiderruflich. Die demografische Struktur Deutschlands kippt – von einer autochthonen Mehrheit hin zu einer mosaikhaften Gesellschaft, in der Herkunft, Loyalität und kulturelle Verankerung nicht mehr selbstverständlich sind. Was lange als Randphänomen galt, wird zum Zentrum der politischen Realität.

Berechnungen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass der Anteil junger Deutscher – also jener unter 20 Jahren ohne Migrationshintergrund – bis 2050 auf unter 13 % der Gesamtbevölkerung sinken wird (Destatis 2022). Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung Deutschlands bis zum Jahrhundertende auf unter 60 Millionen schrumpfen (UN-Projektion, Visual Capitalist 2023). Die Geburtenrate liegt seit Jahrzehnten unter dem Bestandserhaltungsniveau, und es sind zunehmend die Kinder nicht-deutscher Herkunft, die den Nachwuchs des Landes stellen. Was einst als kultureller Pluralismus gefeiert wurde, wird so zur demografischen Schieflage.

Damit entsteht ein neuer politischer Faktor: der ethnische Neuwähler. Seine Interessen sind nicht identisch mit jenen der Mehrheitsgesellschaft von gestern. Er wählt nicht universalistisch, sondern gruppenbezogen. Er sucht Repräsentanz, Einfluss, Schutz – und er findet sie zunehmend bei linken Parteien, die bereitwillig die Rolle der ethnischen Fürsprecher übernehmen. Diese Entwicklung verschiebt nicht nur Wahlergebnisse, sondern auch den normativen Rahmen der Gesellschaft. Denn je größer der Anteil migrantisch geprägter Milieus, desto stärker der Anreiz für Parteien, ihre Programme an ethnisch kodierte Bedürfnisse anzupassen – Sprachförderung, Antidiskriminierungsrichtlinien, kulturelle Ausnahmezonen, migrationsfreundliche Integrationspolitik.

Dem entgegnet man oft mit einem wirtschaftlichen Argument: Migration werde gebraucht, um das Rentensystem zu stabilisieren. Doch auch diese Hoffnung trägt nur bedingt. Zwar wurden 2024 über 172.000 Arbeitsvisa ausgestellt (Auswärtiges Amt 2025), und die Zahl der Blue-Card-Inhaber verdoppelte sich seit 2018 auf über 110.000 (Mediendienst Integration 2024), doch diese Fachkräfte stellen eine Minderheit dar. Die Realität zeigt ein anderes Bild: Rund 15 % aller Ausländer in Deutschland sind arbeitslos (BA/IAB 2023), doppelt so viele wie bei Deutschen. Etwa 50 % der Bürgergeldempfänger sind ausländische Staatsbürger (WELT 2024), bei Geflüchtetengruppen wie Syrern oder Ukrainern liegt der Anteil sogar bei über 60 % (BA-Statistik 2024).

Die Mehrheit der Migranten arbeitet im Helfersektor. Nur ein Bruchteil erreicht hochqualifizierte Positionen – von den langfristigen Belastungen durch Sprachbarrieren, kulturelle Entfremdung und gescheiterte Integration ganz zu schweigen. Migration kann das Rentensystem kurzfristig entlasten – langfristig ersetzt sie aber nicht die eigene demografische Reproduktion. Was fehlt, ist nicht Masse, sondern Bindung. Nicht Quantität, sondern Kontinuität.

Für die autochthone Bevölkerung aber bedeutet all dies: Verlust an Deutungshoheit, politischer Stimme und symbolischer Repräsentanz. Der Liberalismus mag den Einzelnen anrufen – die Realität aber formiert sich kollektiv. Und inmitten dieser tektonischen Verschiebung taucht ein Gedanke auf, der lange verdammt war, aber nun wieder zu leuchten beginnt: das Völkische – nicht als biologistische Regression, sondern als rettender Impuls kultureller Selbstvergewisserung.

Denn was tun Völker, die spüren, dass sie zahlenmäßig erodieren? Was bleibt einer Kultur, deren Kinder keine eigenen Feste, keine eigenen Helden, keine eigene Geschichte mehr kennen? Sie erinnert sich. Sie greift zurück – nicht aus Reaktion, sondern aus Not. Sie erzählt sich neu, mythisch, geformt aus Bildern, Liedern, Worten. Der völkische Gedanke wird so zum Gegenbild der entleerten Demokratie: nicht quantitativ, sondern qualitätsbewusst; nicht exklusiv, sondern gestaltend; nicht nostalgisch, sondern existenziell.

Völkisches Denken in diesem Sinn ist keine Ideologie – es ist ein Akt kulturellen Selbsterhalts im Angesicht einer geschichtlichen Erschütterung. Und je näher der demografische Kipppunkt rückt, desto dringlicher wird dieser Impuls. Nicht, um zu schließen, sondern um sich zu behaupten. Nicht gegen den Anderen – sondern für das Eigene.

Literaturverzeichnis:

  • Benoist, Alain de. Kulturrevolution von rechts. Junge Freiheit Verlag, 2020.
  • Berlin.de. Lagebild Clankriminalität 2022 – Senatsverwaltung für Inneres.
  • https://www.berlin.de/sen/inneres/presse/weitere-informationen/lagebild-clankriminalitaet-berlin-2022.pdf
  • Bild.de. „1.063 Clan-Straftaten in Berlin – mehr als je zuvor.“ Veröffentlicht am 27.06.2023.
  • https://www.bild.de/cmsid/669910d9bdff8841869637f1.html
  • Bundesagentur für Arbeit (BA). Arbeitsmarktbericht Migration – Jahresstatistik 2023.
  • https://statistik.arbeitsagentur.de
  • Destatis (Statistisches Bundesamt). Bevölkerungsvorausberechnung: Deutschland 2022–2060. Wiesbaden, 2022.
  • https://www.destatis.de
  • Eliade, Mircea. Das Heilige und das Profane. Rowohlt Verlag, 1957.
  • Finkielkraut, Alain. Der besiegte Westen. Hanser Verlag, 2004.
  • Freud, Sigmund. Das Unbehagen in der Kultur. Fischer Verlag, 1930.
  • Gehlen, Arnold. Der Mensch: Seine Natur und seine Stellung in der Welt. Athenäum Verlag, 1940.
  • Guilluy, Christophe. No Society: Die postpolitische Gesellschaft. Flammarion, 2018.
  • Heidegger, Martin. Sein und Zeit. Niemeyer Verlag, 1927.
  • Jünger, Ernst. Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt. Klostermann Verlag, 1932.
  • Jünger, Ernst. Der Waldgang. Klett-Cotta, 1951.
  • Jung, Carl Gustav. Die Archetypen und das kollektive Unbewusste. Walter Verlag, 1954.
  • Krämer, Frank. Mentale Fundamente: Rechte Kriegerphilosophie wider die Sklavenmoral. Sturmzeichen Verlag, 2024.
  • Kubitschek, Götz. Provokation. Antaios Verlag, 2018.
  • Lichtmesz, Martin. Die Verteidigung des Eigenen. Antaios Verlag, 2017.
  • Mediendienst Integration. Daten zur Fachkräfteeinwanderung nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Berlin, 2024.
  • https://mediendienst-integration.de
  • Migazin.de. „Fast 40 Prozent aller Berliner haben einen Migrationshintergrund.“ Veröffentlicht am 14.02.2023.
  • https://www.migazin.de/2023/02/14/neuer-bevoelkerungsrekord-knapp40-prozent-berliner
  • Raspail, Jean. Das Heerlager der Heiligen. L’Étincelle, 1973. Dt. Ausgabe: Junge Freiheit Verlag, 2011.
  • Schmitt, Carl. Verfassungslehre. Duncker & Humblot, 1928.
  • Sloterdijk, Peter. Zorn und Zeit: Politische Psychologie. Suhrkamp, 2006.
  • Stadt Köln u. a. Verhaltenshinweise zur Konfliktvermeidung in Freibädern. Plakatkampagne, Sommer 2025.
  • UN Population Division. World Population Prospects 2022 – Germany Zero Migration Scenario.
  • https://population.un.org
  • Verschiedene Autoren. Gegendemonstrationen nach Messerattacken 2025. Pressedokumentation (u. a. Köln, Berlin, Düsseldorf), Juni–Juli 2025.
  • Visual Capitalist. Germany’s Demographic Crisis: A Scary Milestone. Veröffentlicht 2023.
  • https://www.visualcapitalist.com
  • Welt.de. „Nur zwei der 77 beschlagnahmten Remmo-Immobilien bleiben dem Staat.“ Veröffentlicht am 01.07.2024.
  • https://www.welt.de/250655049
  • Welt.de. „Fast die Hälfte der Bürgergeld-Empfänger sind Ausländer.“ Veröffentlicht am 03.04.2024.
  • https://www.welt.de/252778012
  • Wikipedia (de). Berlin-Neukölln – Demografie und Migrationshintergrund.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Neukölln

Zwischen Anspruch und Anpassung

Ein kritischer Kommentar zum Sieben-Punkte-Plan der AfD

Es begann leise – mit einer gewissen sprachlichen Vorsicht, mit dem Zögern vor Begriffen, die man noch vor wenigen Jahren mit Selbstbewusstsein verwendete. Remigration etwa: ein Wort, das lange als Signatur einer rechten Souveränitätspolitik galt – heute aber aus dem neuen Sieben-Punkte-Plan der AfD verschwunden ist. Ebenso fehlt jede klare Bezugnahme auf die deutsche Leitkultur, jenes geistige Fundament, das gerade für viele konservativ-patriotische Wähler ein unverzichtbares Bekenntnis darstellte.

Natürlich: Parteistrategien ändern sich. Wahlkämpfe erfordern kluge Schwerpunktsetzungen. Und die AfD steht an der Schwelle zu einem möglichen politischen Durchbruch in Ostdeutschland. In Sachsen, Brandenburg und Thüringen ist sie stärkste Kraft – der Gedanke an Regierungsverantwortung ist real. Doch genau hier beginnt das Dilemma: Wie viel inhaltliches Profil darf eine Partei aufgeben, um als regierungsfähig zu gelten – ohne sich innerlich zu entkernen?

Denn Begriffe wie Remigration und Leitkultur sind keine rein symbolischen Vokabeln. Sie sind Ausdruck eines weltanschaulichen Anspruchs. Sie stehen für eine Politik, die nicht nur Probleme verwalten, sondern Ursachen benennen will. Für viele in der Bewegung – ob in der Jungen Alternative, im Vorfeld oder unter den Wählern – war gerade diese klare Sprache ein Grund, sich mit der AfD zu identifizieren. Wenn nun genau diese Signale wegfallen, entsteht Verunsicherung: Ist das noch dieselbe Partei?

Diese Entwicklung hatte sich bereits angedeutet – etwa im bekannten Gespräch zwischen Maximilian Krah, Ellen Kositza und Götz Kubitschek. Dort wurde deutlich: Zwischen Teilen der Parteiführung und dem metapolitischen Vorfeld wächst eine Distanz. Der Wunsch nach strategischer Mäßigung steht der Forderung nach inhaltlicher Klarheit gegenüber. Die einen denken in Koalitionen, die anderen in Begriffen.

Und doch: Es wäre eine große Chance gewesen, den Begriff Remigration aus seiner Verzerrung zu befreien und offensiv positiv zu füllen – als humane Rückführungsperspektive, als ordnungspolitisches Konzept, als legitimen Ausdruck des Rechts auf kulturelle Selbstbehauptung. Man hätte aufzeigen können, dass Remigration nicht Ausgrenzung, sondern Ordnung bedeutet. Dass Leitkultur keine Herabwürdigung des Anderen ist, sondern ein Angebot der Integration ins Eigene.

Dass man diese Chance nicht genutzt hat, ist schade. Es sendet ein Signal – nicht an die Medien, sondern an die eigene Basis. Besonders an jene jungen Menschen, die sich in der Partei und in ihrem geistigen Umfeld engagieren, weil sie nicht nur Veränderung wollen, sondern Richtung. Wer ihnen das Gefühl gibt, dass Prinzipien taktisch verhandelbar sind, riskiert langfristig ihre Entfremdung.

Gleichzeitig ist klar: Die AfD steht vor historischen Aufgaben. Der Druck ist groß, der politische Gegner übermächtig. Umso mehr braucht es jetzt – neben Strategie – auch geistige Standfestigkeit. Denn der Erfolg der AfD beruhte nie allein auf Zahlen oder Taktik, sondern auf dem Mut, Dinge zu benennen, die sonst niemand auszusprechen wagte.

Dies muss kein Bruch sein. Es kann ein Weckruf sein. Die Partei bleibt der wichtigste politische Ausdruck einer patriotischen Wende in Deutschland. Aber sie darf nicht vergessen, wem sie diesen Aufstieg verdankt: einer Bewegung, die tief verankert ist im Vorfeld, in der Kultur, in der Jugend – in jenen Menschen, für die Politik mehr ist als der nächste Wahltermin.

Wer sich treu bleibt, wird anschlussfähig – nicht umgekehrt.

„Wir haben uns selbst verlernt“ – Vom Ethnomasochismus in der spätmodernen Identitätskrise

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Ethnomasochismus

Es ist das leiseste aller Gespenster, doch es hat die lauteste Wirkung. Es schreit nicht, es bekennt sich. Es brüllt nicht, es bittet um Verzeihung. Und es verschwindet nicht bei Tageslicht – es wirkt gerade dann, wenn die Welt sich am hellsten dünkt.

Dieses Gespenst ist der Ethnomasochismus. Die Lust an der eigenen Auflösung, der moralische Hochmut der Selbstverwerfung. Er durchzieht die westlichen Gesellschaften wie ein unsichtbarer Faden, der sich durch Schulbücher, Talkshows, Kirchenpredigten und NGO-Broschüren zieht.

Der Ethnomasochismus ist der Moment, in dem ein Volk aufhört, sich zu lieben.

Die Diagnose Martin Lichtmesz’: Ethnomasochismus als kulturelle Autoimmunerkrankung

„Ethnomasochismus ist der Zustand, in dem Selbsthass zur Tugend verklärt wird. Der neue Stolz besteht darin, keinen zu haben.“ – Martin Lichtmesz

In seinem Werk „Die Verteidigung des Eigenen“ formuliert Lichtmesz einen Befund, der zunächst nur den kritischen Geist trifft – dann aber ins Mark fährt. Er spricht nicht von „Rassismus“ oder „Nationalismus“, nicht in den Vokabeln des Mainstreams, sondern in der präzisen Sprache eines Kulturdiagnostikers.

Der Ethnomasochismus ist für ihn eine geistige Krankheit – eine Autoimmunerkrankung der Identität, bei der die kulturellen Abwehrkräfte sich nicht gegen äußere Bedrohungen richten, sondern gegen das eigene Erbe, die eigene Herkunft, das eigene Volk.

Der Deutsche, so Lichtmesz, hat „nicht nur ein Schuldgedächtnis, sondern ein Schuldgeflecht entwickelt, in dem jede Äußerung kulturellen Selbstbewusstseins bereits als Aggression gilt“.

Von der Selbstkritik zur Selbstverachtung

Was als ehrliche Selbstprüfung begann – als Auseinandersetzung mit den Abgründen des Nationalsozialismus – wurde spätestens seit den 1968ern zum totalen Projekt der Selbstdestruktion. Aus der kritischen Erinnerungskultur erwuchs ein regelrechter Kult der Reue. Und dieser Kult lässt keine Gnade zu.

Ein Stolperstein an der Grundschule? Gut. Eine Umbenennung der Bismarckstraße? Notwendig. Eine Dauerausstellung zur deutschen Kolonialschuld? Überfällig. Aber wehe dem, der sich an einem anderen Ort der Welt nach Ähnlichem erkundigt.

Hier liegt die Pathologie des Ethnomasochismus: Die eigene Schuld wird nicht als historisches Faktum behandelt, sondern als metaphysische Erbsünde, die fortdauernd gesühnt werden muss – durch moralischen Verzicht, durch kulturellen Rückzug, durch die Preisgabe jedes Anspruchs auf Eigenständigkeit.

Ethnopluralismus als Gegenmodell: Vielfalt durch Trennung, nicht durch Auflösung

Was also ist der Gegenentwurf? Wer den Ethnomasochismus kritisiert, wird schnell des „Rassismus“ verdächtigt. Doch das, was die Neue Rechte unter Ethnopluralismus versteht, ist gerade das Gegenteil hegemonialer Überlegenheitsphantasien.

Ethnopluralismus bedeutet: Jede Kultur, jede Ethnie hat das Recht auf ihren eigenen Raum, ihre eigene Tradition, ihre eigene Gestalt. Keine ist besser – aber jede ist einzigartig. Wo der Ethnomasochismus auf Selbstauflösung setzt, plädiert der Ethnopluralismus für Selbstbehauptung.

Die Welt ist nicht ein Schmelztiegel, sondern ein Mosaik.

„Wer das Eigene aufgibt, kann das Fremde nicht mehr erkennen – er sieht nur noch sich selbst in der Maske des Anderen.“ – Lichtmesz

Im Ethnopluralismus wird nicht ausgeschlossen, sondern differenziert. Die Differenz aber – so wusste schon Herder – ist die Grundlage jeder echten Begegnung. Wer sich selbst kennt, kann dem Anderen auf Augenhöhe begegnen. Wer sich selbst hasst, braucht den Anderen nur als Projektionsfläche seiner Erlösungssehnsucht.

Medien und Meinungskorridor: Der neue Inquisitor spricht Hochdeutsch

Ein Blick in die Medienlandschaft genügt: Wer das Eigene verteidigt, wird verdächtigt. Wer Migration problematisiert, wird stigmatisiert. Wer von Heimat spricht, wird psychiatrisiert.

Die neue Inquisition kommt nicht mit Scheiterhaufen – sie kommt mit Talkshowpanels, mit Cancel Culture, mit akademischem „Diskursmonitoring“. Die Wächter des Ethnomasochismus sitzen nicht in der Kirche, sondern in den Redaktionen, Feuilletons und Stiftungsräten.

Lichtmesz nennt sie die „Sakristei der Reue“. In dieser Sakristei wird das Vaterland zur Schuldlandschaft, die Muttersprache zur Zumutung, das Trachtenhemd zur Provokation.

Der Opferkult der Anderen – und die Schuld der Mehrheit

Ein zentrales Moment des Ethnomasochismus ist die sakrale Aufladung der Anderen. Wer nach Deutschland kommt, ist ein „Geflüchteter“, ein „Schutzsuchender“, ein „neuer Nachbar“. Seine Herkunft ist Quelle der Authentizität – die eigene Herkunft aber ist verdächtig.

In dieser Logik wird Migration zum Heilsprozess. Der Migrant erlöst den Deutschen von sich selbst. Je fremder der Ankömmling, desto größer die moralische Möglichkeit zur Buße.

Was dabei geschieht, ist eine Umkehrung von Realität und Moral: Die Mehrheit wird zur Tätergruppe stilisiert – qua Existenz, nicht qua Handlung. Der Ethnomasochismus ist keine Frage der Politik, sondern ein inneres Bekenntnis: Ich verzichte auf mein kulturelles Ich, um Teil einer globalisierten Menschheit zu werden.

Aber: Eine Menschheit ohne Völker ist wie ein Ozean ohne Ufer. Er verliert jede Richtung.

Die Rolle der Kirchen, NGOs und Bildungseinrichtungen

Die neue Theologie der Schuld hat ihre liturgischen Zentren längst gefunden. Es sind die kirchlichen Stiftungen, die pädagogischen Institute, die akademischen Thinktanks. Unter dem Banner der „Toleranz“, der „Weltoffenheit“, des „interkulturellen Dialogs“ wird systematisch am Abriss des Eigenen gearbeitet.

Man lehrt, dass Heimat ein soziales Konstrukt sei. Dass Nation ein willkürliches Narrativ sei. Dass Identität fluid sei. Und wer sich diesem Narrativ nicht fügt, gilt als rückständig – oder als gefährlich.

Die Schule ist heute nicht mehr Bildungsanstalt, sondern Moralerziehungsstätte, in der Kinder nicht zur Sprache Goethes, sondern zur Syntax der UN-Migrationsagenda erzogen werden.

Ästhetik des Verschwindens: Architektur, Kunst, Sprache

Der Ethnomasochismus hat auch eine Ästhetik. Sie ist nicht die des Stolzes, sondern des Verschwindens.

Unsere Innenstädte werden nicht mehr gebaut, sondern verwaltet. Glas, Beton, Funktionalität – keine Ornamentik, kein Wille zur Schönheit. Der Kirchenbau der 60er ist ein Beispiel: kein Aufstieg zum Göttlichen, sondern ein Abstieg ins Soziale. Auch in der Sprache schlägt sich das nieder: Das neutrale „Mensch“ ersetzt das lebendige „Volk“.

Die Poesie der Muttersprache wird eingeebnet zugunsten genderneutraler Verwaltungssprache. Wo früher Heimatschutz war, ist heute „Klimasensibilität“. Wo früher Muttersprache war, ist heute „Mehrsprachigkeitsförderung“.

Ethnomasochismus in der Außen- und Innenpolitik: Vom geopolitischen Vasallentum zur Selbstverleugnung im Alltag

Die deutsche Außenpolitik ist – in ihrem gegenwärtigen Zustand – ein Schaukasten ethnomasochistischer Selbstverachtung. Während andere Staaten ihre Außenminister in die Welt schicken, um Ressourcen, Verträge, Kooperationen und militärstrategische Räume zu sichern, sendet Deutschland eine Außenministerin mit grünem Weltrettungsfuror und ideologischem Sendungsbewusstsein.

„Unsere Werte sind unsere Interessen.“ – Annalena Baerbock

Das klingt edel, ist aber in Wahrheit der Totalausfall realpolitischer Vernunft.

Hinzu kommt eine seit Jahrzehnten kultivierte Hörigkeit gegenüber den USA. Obwohl Deutschland wirtschaftlich auf Augenhöhe mit vielen westlichen Partnern steht, agiert es außenpolitisch wie ein demütiger Schüler. Wenn NATO-Generäle fünf Prozent des BIP für Rüstung fordern, nimmt Berlin den Befehl entgegen wie ein abhängiger Satellit.

Entwicklungshilfe wird zum Ersatz-Sakrament. Milliarden fließen in Länder mit korrupten Regimen, während deutsche Rentner Flaschen sammeln. Auch das ist haushaltspolitisch messbarer Ethnomasochismus.

Parallel verrottet die innere Sicherheit. Illegale Einwanderer erhalten Bleiberecht, während der Staat seine Ordnungsfunktion aufgibt. Der deutsche Bürger schweigt. Vielleicht, weil er sich längst selbst nicht mehr als Bürger fühlt – sondern als Schuldkonto der Geschichte.

Philosophische Tiefenschichten: Der lange Schatten der Aufklärung

Woher kommt diese Tendenz zur Selbstverneinung?

Schon Kant sah im Menschen nicht das konkrete Geschöpf mit Herkunft, sondern das abstrakte Vernunftwesen. Der Liberalismus erhob das Individuum zur Monade, die Postmoderne erklärte alles zur Konstruktion: Heimat, Identität, Volk – alles sei „erfunden“.

Der Ethnomasochismus ist also nicht bloß Schuldreaktion – er ist die Folge einer jahrhundertelangen geistesgeschichtlichen Entwurzelung.

Stimmen des Widerstands: Björn Höcke und Maximilian Krah gegen den Schuldkult

Björn Höcke spricht vom „Schuldkult“ als einem politischen Dogma, das zur Identitätsverneinung führe:

„Solange wir im Schuldkult gefangen bleiben, wird uns unsere Zukunft genommen.“
Nie zweimal in denselben Fluss, 2018

Maximilian Krah ergänzt metapolitisch:

„Ein Volk ohne kollektive Identität wird sich selbst abschaffen – und das freiwillig.“
Politik von rechts, 2023

Beide fordern keine Rückkehr zum Nationalismus alter Prägung, sondern eine Normalisierung des Eigenen – als Voraussetzung für internationale Souveränität, kulturelle Würde und soziale Stabilität.

Demografischer Wandel und politische Sprachrohre: Ethnomasochismus als parlamentarisches Programm

Der Ethnomasochismus war lange ein innerer Reflex – eine kulturelle Geste, ein mediales Raunen, ein moralischer Habitus. Doch mit dem demografischen Wandel bekommt er eine neue, konkrete Dimension. Er wird sichtbar, zählbar, wählbar. Denn wer den eigenen Raum öffnet, wer nicht Grenzen zieht, sondern Identität relativiert, der gibt Macht ab. Und diese Macht wird nicht in ein moralisches Vakuum fallen, sondern von jenen beansprucht werden, die ihre Interessen sehr wohl kennen.

Wir erleben derzeit eine Politisierung migrantischer Identitäten, die nicht auf Integration abzielt, sondern auf Repräsentation und Einflussnahme. Parteien wie Die Linke entwickeln sich – neben grünen Fraktionen – zunehmend zu Stellvertretern ethnisch-kollektiver Interessen, oft mit anti-deutscher Schlagseite. Die Rhetorik wechselt von Teilhabe zu Anklage. Von Partizipation zu Machtanspruch. Vom Dazugehören zum Umschreiben der Ordnung.

So wird der ethnomasochistische Reflex der Mehrheitsgesellschaft – „Wir wollen niemanden ausschließen, wir tragen historische Schuld“ – zur Einladung, selbst verdrängt zu werden. Wer die Tür öffnet und sich zugleich selbst relativiert, darf sich nicht wundern, wenn andere durch diese Tür treten und Ansprüche stellen.

„Ethnomasochismus endet nicht in einer offenen Gesellschaft, sondern in einer fremd bestimmten.“

Diese Fremdbestimmung ist heute längst Realität: In Debatten um Feiertage, um Gedenkkultur, um Schulpläne, um Stadtteilentwicklung, ja selbst in außenpolitischen Stellungnahmen erleben wir die zunehmende Verlagerung des politischen Diskurses hin zu migrantischen Empfindlichkeiten. Gleichzeitig gilt der Begriff „deutsch“ zunehmend als verdächtig – es sei denn, er wird mit Adjektiven wie „vielfältig“, „postmigrantisch“ oder „offen“ neutralisiert.

Kurzum: Die Deutschen zahlen nicht nur, sie schweigen auch – und sie weichen zurück. Ihre Vertreter beugen sich vor denen, die sie als „Bereicherung“ willkommen hießen, aber nun politische Korrekturen einfordern – nicht auf Augenhöhe, sondern oft mit moralischer Erpressung.

Diese Entwicklung ist die letzte Stufe des ethnomasochistischen Projekts: Die Minderheit wird zum Maßstab. Die Mehrheit gehorcht.

Universitäten als ideologische Laboratorien: Der Konstruktivismus und die Dekonstruktion des Eigenen

Wenn man verstehen will, warum Begriffe wie Heimat, Volk, Nation oder Identität heute in der öffentlichen Debatte entweder als verdächtig gelten – oder gleich ganz gelöscht werden sollen –, dann genügt es nicht, auf Medien oder Politik zu blicken. Der eigentliche Ursprung dieser geistigen Enteignung liegt tiefer – in den Universitäten, in der Philosophie, in der Theorie.

Dort, in den Seminarräumen der Nachkriegszeit, begann ein ideologischer Umerziehungsprozess, der bis heute nachwirkt: die philosophische Entnaturalisierung des Eigenen. Alles, was historisch gewachsen war, wurde zur sozialen Konstruktion erklärt. Volk? Ein Machtkonstrukt. Heimat? Ein psychologischer Mythos. Kultur? Ein Herrschaftsdiskurs. Identität? Ein Produkt hegemonialer Zuschreibungen.

Diese Gedanken haben Namen: Berger & Luckmann, Foucault, Derrida, Judith Butler. In den deutschen Universitäten seit den 1970er Jahren wird eine Denktradition hegemonial, die das organisch Gewachsene grundsätzlich misstrauisch betrachtet – und stattdessen Konstruktivismus, Dekonstruktion und Intersektionalität ins Zentrum rückt.

Das Ergebnis: Der Mensch ist nicht mehr eingebettet, sondern beliebig. Die kulturelle Herkunft wird zur „Zuschreibung“, die Sprache zur „Machtstruktur“, das Geschlecht zur „Performance“. Wer heute an einem geisteswissenschaftlichen Institut sagt, dass es so etwas wie ein deutsches Volk gibt – das über Jahrhunderte in Raum, Sprache und Geschichte gewachsen ist –, wird entweder als naiv belächelt oder als gefährlich markiert.

„An den Universitäten wird nicht mehr gelehrt, was ist – sondern was nicht mehr sein darf.“

Diese geistige Umkodierung ist die Wurzel des Ethnomasochismus: Nicht nur das Gefühl, sondern bereits der Gedanke an das Eigene wird problematisch. Was bleibt, ist ein akademisch gestützter Selbsthass, der sich als Fortschritt tarnt.

Dass diese Gedankenwelt nicht an den Universitäten bleibt, sondern durch alle gesellschaftlichen Instanzen wandert, ist kein Zufall. Die 68er, die sich als kulturelle Revolutionäre verstanden, formulierten es offen: „Der Marsch durch die Institutionen.“ Und sie haben ihn – im Unterschied zur konservativen Rechten – konsequent durchgeführt.

Heute sitzen ihre geistigen Erben in Redaktionen, in Kultusministerien, in NGO-Vorständen, in Schulbuchverlagen, in Parteistiftungen, in Ethikräten – und bestimmen darüber, was gesagt werden darf. Die Linke – nicht nur als Partei, sondern als kulturelle Hegemonie – geht durch alle Instanzen.

Die Idee eines organisch gewachsenen Volkes ist damit nicht nur in Frage gestellt, sondern systematisch ersetzt worden – durch eine anthropologische Leere, die alles erlaubt, aber nichts mehr trägt. Der Mensch ist frei – aber er ist entwurzelt. Er ist offen – aber er ist schutzlos.

Der Funke aus dem Osten? Nationale Wiederkehr in Europa – aber (noch) nicht im Herzen

Zwar mehren sich europaweit die Zeichen einer konservativen, nationalen Gegenbewegung – in Ungarn unter Viktor Orbán, in Italien mit Giorgia Meloni, zuletzt auch in den Niederlanden mit Geert Wilders. Selbst im Europäischen Parlament formieren sich Fraktionen, die das Wort Nation nicht nur verteidigen, sondern wieder in die Mitte der politischen Sprache rücken. Der Zeitgeist beginnt zu bröckeln.

Doch diese Erschütterung der liberal-globalistischen Ordnung hat den einzelnen Menschen noch nicht erreicht. Der deutsche Bürger, der französische Intellektuelle, der niederländische Lehrer – sie denken vielfach noch in den alten Begriffen: Fortschritt gleich Auflösung, Offenheit gleich Selbstaufgabe, Diversität gleich Pflicht. Es ist, als würde der politische Wille zur Wende auf eine kulturell entwaffnete Seele treffen.

Dabei ist längst klar: Die nationale Frage ist keine nostalgische, sondern eine existentielle Frage geworden. Wer sind wir? Was schützt uns? Was eint uns? In Zeiten von Massenzuwanderung, kultureller Fragmentierung und transnationaler Entmachtung ist sie die Frage nach dem Überleben in Würde – nicht nur ökonomisch, sondern geistig, sprachlich, identitär.

Carl Schmitt schrieb 1932, dass derjenige souverän sei, „der über den Ausnahmezustand entscheidet“ – heute kann man ergänzen: souverän ist nur, wer über die kulturellen Voraussetzungen seiner Gemeinschaft bestimmen kann¹. Charles de Gaulle erinnerte einst daran, dass Frankreich nur dann existieren könne, wenn es „in sich selbst Einheit findet“. Und Papst Benedikt XVI. warnte in seiner „Regensburger Rede“ vor einem Europa, das den Glauben an seine eigene geistige Substanz verloren habe³.

Die Zeichen der Zeit sprechen eine klare Sprache. Der europäische Nationalstaat steht nicht vor einem Strukturwandel – er steht vor einer Entscheidung: Wiedererwachen oder Verschwinden. Die politische Landschaft beginnt sich zu regen. Doch ohne ein neues Bewusstsein, ohne eine kulturelle Rückbesinnung auf das Eigene, wird diese Bewegung nur ein Flackern bleiben.

Der Boden ist vorbereitet. Aber das Herz schlägt noch nicht.

Auswege: Die Rückkehr zur Würde des Eigenen

Was bleibt zu tun? Die Rückkehr zur Sprache. Wer „Volk“ nicht mehr sagen kann, kann auch keines mehr denken. Die Rehabilitierung des Traditionellen. Nicht alles Alte ist falsch, nicht alles Neue gut.

Und vor allem: Die Rückgewinnung des kulturellen Selbstwerts – durch Bildung, durch Kunst, durch Ästhetik, durch einen neuen Stolz, der nicht über andere herrschen, sondern das Eigene erhalten will.

Eine Nation, die sich selbst verliert, hat keine Feinde mehr nötig

Deutschland hat keine äußeren Feinde mehr. Es hat sich zum inneren Feind seiner selbst gemacht. Es glaubt, moralisch besser zu sein, wenn es kulturell verschwindet.

Doch eine Gesellschaft, die sich nicht mehr liebt, ist nicht weltoffen – sie ist verloren.

„Nur der, der sich selbst achtet, kann andere achten. Nur der, der sich selbst verteidigt, kann anderen Schutz gewähren.“
– Martin Lichtmesz

Die Verteidigung des Eigenen ist kein Verbrechen. Sie ist Voraussetzung für jedes friedliche Miteinander. Sie ist nicht aggressiv, nicht überheblich, nicht ausgrenzend – sie ist ein Akt der Würde. Ein Volk, das sich selbst wieder erkennt, kann auch dem Anderen auf Augenhöhe begegnen.

Es ist Zeit, dem Ethnomasochismus eine Kultur des Selbstbewusstseins entgegenzusetzen. Ohne Haß. Aber mit Herz. Ohne Hochmut. Aber mit Haltung.

Wissenschaftliches Literaturverzeichnis

Monografien & Essays

  • Höcke, Björn: Nie zweimal in denselben Fluss. Plädoyer für einen aufgeklärten Patriotismus. Manuscriptum Verlag, 2018.
  • Krah, Maximilian: Politik von rechts. Streitschrift für eine konservative Erneuerung. Manuscriptum Verlag, 2023.
  • Lichtmesz, Martin: Die Verteidigung des Eigenen. Schnellroda: Antaios Verlag, 2017.
  • Kubitschek, Götz: Provokation. Schnellroda: Antaios Verlag, 2015.
  • Sellner, Martin: Identitär! Geschichte eines Aufbruchs. Verlag Jungeuropa, 2017.
  • Heidegger, Martin: Unterwegs zur Sprache. Pfullingen: Neske, 1959.
  • Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Berlin: Duncker & Humblot, 1932.
  • Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes. München: C. H. Beck, 1918/1922.
  • Gehlen, Arnold: Moral und Hypermoral: Eine pluralistische Ethik. Frankfurt: Klostermann, 1969.
  • Mohler, Armin: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Graz: Leopold Stocker Verlag, 1972.
  • Berger, Peter L. / Luckmann, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Frankfurt: Fischer, 1969.
  • Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt: Suhrkamp, 1976.
  • Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter (Gender Trouble). Frankfurt: Suhrkamp, 1991.
  • Derrida, Jacques: Grammatologie. Frankfurt: Suhrkamp, 1974.
  • Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen, Duncker & Humblot, 1932, S. 13.
  • Charles de Gaulle: Discours et messages, Bd. 1–5, Paris 1970, zit. nach Ernst Nolte: Der europäische Bürgerkrieg, Propyläen, 1987.
  • Benedikt XVI.: Glaube, Vernunft und Universität – Erinnerungen und Reflexionen, Regensburg, 12. September 2006.

Zeitschriften & Interviews

  • Kositza, Ellen: Beiträge in Sezession, Schnellroda.
  • Lichtmesz, Martin: „Ethnomasochismus oder der Kult der Reue“, in: Sezession, Nr. 80, 2017.
  • Krah, Maximilian: Interview in Sezession, Nr. 112, 2023.
  • Höcke, Björn: Rede im Thüringer Landtag, Plenarprotokoll vom 18. Januar 2023.

Filmkritik Training Day – L.A., Hitze, Verrat: Eine filmische Reise ins Herz der Finsternis

„Ein einziger Tag kann dein ganzes Leben verändern.“ Diese Prämisse trägt nicht nur die Handlung von Training Day, sondern brennt sich wie ein Mantra in den Zuschauer. Antoine Fuquas Film ist kein Cop-Thriller im klassischen Sinne, sondern ein moralisches Kammerspiel, das sich über den Asphalt von South Central Los Angeles legt – drückend, bedrohlich, elektrisiert. Es geht um Entscheidungen, ums Überleben, um die Verlockung der Macht – und den langsamen Verlust der eigenen Integrität.

Training Day war für mich nie einfach ein Film. Er war ein Erlebnis. Ein Prüfstein. Eine schmerzhafte Lektion darüber, wie dünn die Trennlinie zwischen Recht und Unrecht verlaufen kann – vor allem, wenn die Sonne grell scheint und die Straßen heiß sind.

Der Tag beginnt: Wer die Straße betritt, betritt eine Welt ohne Rückkehr

Jake Hoyt (Ethan Hawke) ist jung, motiviert, idealistisch. Er träumt von einem Aufstieg innerhalb des LAPD. Sein Ticket scheint die Aufnahme in die Eliteeinheit der Drogenfahndung unter der Führung von Alonzo Harris (Denzel Washington) zu sein. Doch dieser erste Tag – sein „Trainingstag“ – wird nicht zu einem Bewerbungsgespräch, sondern zu einer Höllenfahrt.

Alonzo Harris aus Training Day ist mit allen Wassern gewaschen.

Schon früh wird klar: Alonzo ist kein gewöhnlicher Polizist. Er ist charismatisch, klug – und zutiefst korrupt. Die erste Schlüsselszene: Jake trifft auf Alonzo in einem Diner. Alonzo liest Zeitung. Ohne aufzublicken, sagt er: „Du störst mich beim Lesen. Unterhalt mich.“ Dieser Befehlston ist nicht bloß Machtdemonstration – er ist der Auftakt zu einem Spiel auf Leben und Tod.

Jake fragt später: „Wo ist dein Büro?“ – und Alonzo antwortet trocken: „Du sitzt schon drin.“ Gemeint ist sein schwarzer Chevrolet Monte Carlo – ein fahrbares Verhörzimmer, eine rollende Sphäre der Manipulation. Das Auto wird zur Bühne für Demütigung, Drohung und schleichende Indoktrination.

Zwei Männer, zwei Welten: Der Idealist und das Biest

Ethan Hawke wurde für seine Rolle zurecht für den Oscar als Bester Nebendarsteller nominiert. Er spielt Jake mit einer feinfühligen Mischung aus Naivität und wachsendem Zweifel. Man sieht in jeder Szene: Dieser junge Cop will das Richtige tun – aber er weiß bald nicht mehr, was „richtig“ eigentlich bedeutet.

Denzel Washington hingegen explodiert in der Rolle des Alonzo Harris. Seine Figur ist keine Karikatur eines bösen Cops. Sie ist viel gefährlicher: ein Mensch, der einmal angetreten ist, das Richtige zu tun – und dabei innerlich zerbrochen ist. Washington wurde für diese Rolle mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet – verdientermaßen. Es war seine erste Auszeichnung in einer Hauptrolle, nach seinem Nebendarsteller-Oscar für Glory (1989).

Sein Satz: „Ich bin das Gesetz!“, hallt wie ein Fluch durch den Film. Oder: „Glaub ja nicht, du kannst hier alleine herkommen. Das Viertel frisst dich lebendig.“ Solche Zeilen brennen sich ein. Und dann natürlich der wohl berühmteste Ausbruch: „King Kong hat gegen mich keine Chance!“ – eine Mischung aus Größenwahn und Todesangst. Unvergesslich bleibt auch die Szene, in der Alonzo gemeinsam mit Jake in den Himmel heult – wie zwei Wölfe, Seite an Seite. „Ein Wolf erkennt einen anderen“, sagt Alonzo. Der Heulmoment ist keine Parodie – er ist Teil einer tiefen, animalischen Initiation. Jake soll in den Rudelgeist eintauchen, die Sprache des Überlebens lernen. Doch was Alonzo übersieht: Jake ist kein Wolf. Er bleibt Mensch.

Der Monte Carlo – Alonzos rollendes Imperium

Der schwarze Chevrolet Monte Carlo SS, Baujahr 1979, ist nicht einfach nur ein Auto. Er ist Alonzos fahrendes Büro, sein Panzer, sein Thron, sein flüchtiger Schutzraum vor einer Welt, die er zu kontrollieren glaubt – und die ihn am Ende doch verschlingt. Als Jake Hoyt in das Fahrzeug steigt, beginnt nicht nur ein physischer Roadtrip durch die gefährlichsten Viertel von Los Angeles – es ist eine Reise in Alonzos moralisches Innerstes.

Kein Schreibtisch, kein Revier. Der Monte Carlo ist sein Verhörzimmer, seine Kommandozentrale, seine Waffe. Die tief getönten Scheiben, das laute Röhren des V8-Motors, die dunkle Lederausstattung – all das strahlt Dominanz und Unnahbarkeit aus. Wer mit Alonzo fährt, unterwirft sich seinem Gesetz.

Doch im Laufe des Films verändert sich das Verhältnis zum Auto. Aus dem trutzigen Bollwerk wird eine fahrende Zelle der Paranoia. Der Wagen, einst Ausdruck von Coolness und Macht, wird von Minute zu Minute enger, bedrohlicher – so wie sich Alonzos Handlungsspielraum verengt. Die Polizei hat ihn längst im Visier. Die Gangs spüren seine Schwäche. Und Jake beginnt zu begreifen, was für ein Spiel hier gespielt wird.

Am Ende steht das Fahrzeug symbolisch für den Zusammenbruch einer Fassade: Als Alonzo auf offener Straße flieht, wird der Monte Carlo von Maschinengewehrsalven durchsiebt – durchlöchert wie sein moralisches System. Der Wagen, einst so sicher, wird zum Sarg. Ein mobiles Königreich, das im Kugelhagel untergeht.

Der Monte Carlo ist keine Requisite. Er ist ein Charakter. Und sein Schicksal ist untrennbar mit Alonzos Fall verbunden.

Drehorte: Wo L.A. selbst zur Figur wird

Was Training Day so unvergleichlich authentisch macht, sind nicht nur Figuren und Dialoge – sondern die Entscheidung, ausschließlich an Originalschauplätzen in Los Angeles zu drehen. Antoine Fuqua und sein Team begaben sich tief hinein in Viertel wie South Central, Watts, Crenshaw und Rampart – Orte, die sonst selten so realitätsnah im Mainstream-Kino gezeigt werden. Die Kamera taucht ein in Straßenkreuzungen, verfallene Häuserzeilen, triste Innenhöfe, aus denen keine Helden hervorgehen – sondern Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen.

Die Produktion arbeitete eng mit Anwohnern, lokalen Autoritäten und teils sogar mit echten Gang-Mitgliedern zusammen, um Respekt und Sicherheit während der Dreharbeiten zu gewährleisten. Es ist diese Nähe zur urbanen Realität, die dem Film seine viszerale Wucht verleiht. L.A. ist hier keine Postkartenkulisse, sondern ein atmender Organismus – ein Charakter für sich.

Doch es geht noch weiter: Der Zuschauer selbst wird Teil dieses Organismus. Er gleitet gemeinsam mit Jake durch die Stadt, spürt die Hitze, den Staub, die Anspannung. Die Kamera erlaubt keinen Abstand. Sie zwingt zur Nähe. Die Schauspieler bewegen sich nicht vor einem Hintergrund – sie sind Teil eines lebendigen, gefährlichen, fast schon morbiden Molochs. Die Stadt verschlingt, verwandelt, entlarvt. Und auch der Zuschauer wird von ihr gefordert, verschlungen, geprüft.

Training Day gelingt es so, nicht nur ein moralisches Drama zu erzählen – sondern ein filmisches Dokument über eine Stadt im Ausnahmezustand. Eine Stadt, die lebt. Und die ihre Zähne zeigt.

Der Informant, die Schneckengeschichte – und ein eiskalter Mord

Eine Szene, die exemplarisch für Alonzos zynische, manipulative Kälte steht, ist der Umgang mit dem Informanten Roger, einem ehemaligen Kollegen und scheinbaren Freund. Roger empfängt Alonzo und Jake mit offenen Armen. Er erzählt eine skurrile Geschichte: Eine Schnecke kriecht über eine Terrasse und wird vom Hausbesitzer mehrfach wieder hinausgeworfen. Doch jedes Mal kehrt sie zurück. Irgendwann sieht der Mann die Schnecke wieder und sagt nur noch: „Du schon wieder?“ – Eine absurde, beinahe zenartige Anekdote, die von Ausdauer, Wiederholung und vielleicht auch Resignation erzählt.

Doch dieser vermeintlich weise, schrullige Mann – ein Inbegriff dessen, was in einem System überlebt hat – wird von Alonzo brutal geopfert. Roger wird erschossen. Nicht im Affekt, nicht aus Notwehr – sondern planvoll, eiskalt. Jake ist dabei. Und damit in ein Komplott verwickelt, das weit über das hinausgeht, was er zu Beginn für möglich hielt.

Alonzo tötet einen alten Freund, um Bargeld zu rauben, das er braucht, um sich aus seiner eigenen Schuldenfalle in Las Vegas freizukaufen. Er lässt Jake mit der Tat zurück – als Mitwisser, als potenziellen Komplizen, als gefügig Gemachten. Es ist ein Test. Und eine Grenzüberschreitung.

Atmosphäre und Kamera: Das unsichtbare Dritte in jedem Dialog

Was Training Day so unvergleichlich macht, ist nicht nur das Schauspiel – sondern die Atmosphäre. Kameramann Mauro Fiore (später Oscar-Gewinner für Avatar) taucht das sonnendurchflutete L.A. in eine gleißende Hitze, die fast physisch spürbar wird. Es ist ein urbanes Fieber – ein Blick in die Eingeweide der Metropole.

Die Kamera folgt Alonzo und Jake durch Straßen, in Wohnungen, an Straßenecken – mit einer ruhelosen Energie. Es ist, als würde man selbst mit im Auto sitzen, den Schweiß riechen, die Angst schmecken. Antoine Fuqua, selbst aufgewachsen in den harten Vierteln von Pittsburgh, bringt ein Gefühl von Authentizität mit, das seinesgleichen sucht. Er sagte einmal: „Die Straße ist ein Charakter in meinem Film.“

Sex, Macht und Verantwortungslosigkeit: Eva Mendes als Symbolfigur

Eine Szene, die oft übersehen wird und doch viel über Alonzos Wesen verrät, ist sein Auftritt bei Eva Mendes alias Sara, seiner Geliebten. Im Film selbst nennt sie sich ironisch seine „Billigmaus“. Sie lebt in einer kleinen Wohnung mit Alonzos kleinem Sohn. Doch Alonzo, der sich selbst als Vater sieht, hat keinen Blick für das Kind. Während Jake mit dem Jungen fernsieht und für einen Moment so etwas wie menschliche Wärme zulässt, zieht Alonzo sich mit Sara ins Schlafzimmer zurück – um Sex zu haben.

Diese Szene ist schockierend in ihrer Gleichgültigkeit. Der Zuschauer erkennt: Für Alonzo zählt nur seine Macht, seine Lust, seine Kontrolle. Alles andere – Verantwortung, Liebe, Vaterschaft – ist ihm gleichgültig. Auch hier ist Jake der stille, moralisch überlegene Gegenpol. Er sorgt sich um den Jungen, er sieht das Kind. Alonzo hingegen sieht nur sich.

Soundtrack: Die Musik der Straße – ein epischer Puls

Ebenso essenziell für die Wirkung des Films ist der Soundtrack. Die Musik ist nicht nur atmosphärisches Beiwerk – sie ist emotionale Verstärkung, Identitätsstiftung, Kommentar. Wenn Jake das erste Mal in den Monte Carlo steigt und Still D.R.E. von Dr. Dre feat. Snoop Dogg läuft, entfaltet sich ein Moment filmischer Magie.

Jake fährt an jenen Männern vorbei, die ihn später gefangen nehmen und töten sollen – scheinbar beiläufig eingeführt. Und doch: Diese Straße hat Gedächtnis. Jake überlebt letztlich nur, weil er zuvor der Nichte eines Gang-Bosses geholfen hat.

Besonders bemerkenswert: Cliff Curtis als „Smiley“ und Raymond Cruz – besser bekannt als Tuco Salamanca in Breaking Bad. Ihre Auftritte verleihen der Szene schauspielerisches Gewicht und kulturelle Tiefe.

System in Symbiose: Polizisten, Staatsanwälte, Schweigen

Ein stiller, aber umso erschütternderer Moment ist das Geschäftsessen mit Detectives und Staatsanwälten. Jake sitzt dabei – stumm, befremdet. Alonzo aber gehört dazu. Die Männer wissen über Alonzos Verwicklungen in Las Vegas Bescheid. Doch niemand spricht es offen an. Man deckt sich. Die Justiz schützt sich selbst. Der Rechtsstaat erscheint als Bühne für Insider, Mitwisser, Schweigende.

Finaler Showdown: Der Untergang eines Mannes, der glaubte, unantastbar zu sein

Am Ende fällt Alonzo. Und zwar nicht durch einen heldenhaften Showdown, nicht im Kugelhagel auf dem Dach, nicht im Duell mit Jake – sondern auf offener Straße. Allein. Von jenen erschossen, die er zuvor selbst zu manipulieren und zu beherrschen glaubte: die Russen. Es sind die Männer, deren Zorn er sich in Las Vegas durch ein missglücktes Spiel und einen Mord auf sich gezogen hatte.

Sie kommen nicht mit Pathos, sondern mit Präzision. Kein Wort zu viel. Kein Zögern. Nur Kugeln. Der letzte Blick auf Alonzo ist der eines Mannes, der merkt, dass die Straße niemandem verzeiht. Dass selbst der „King Kong der Cops“ sterblich ist. Und in seinem Fall – ersetzbar.

Unvergessen bleibt der Moment, in dem einer der russischen Auftragskiller über Alonzos Leiche hinweg hämisch lacht. Es ist kein lautes, überdrehtes Gelächter – es ist kalt, höhnisch, ein grausames Echo auf Alonzos Hybris. Dieses Lachen schneidet tiefer als jede Kugel. Es ist das Lachen eines Systems, das sich seiner Mittel sicher ist. Und das mit Alonzo abrechnet wie mit einem überfälligen Schuldenkonto.

Jake hingegen überlebt. Aber verändert. Still. Er kehrt heim – wortlos. Und weiß: Das Gesetz ist nicht gerecht. Es ist eine Illusion. Und Gerechtigkeit ist in dieser Welt ein stiller, unbequemer Kompromiss.

Fazit: Ein Meisterwerk, das bleibt

Training Day ist ein Film über Macht, Moral und das tägliche Überleben im Sumpf eines Systems. Kein Film, den man konsumiert. Ein Film, der einen prüft. Der einen zurückwirft. Der bleibt.

Epilog: Ein Film, der mich nie losließ

Als ich Training Day das erste Mal sah, war ich jung. Beeindruckbar. Aber dieser Film hat mich nie wieder losgelassen. Ich habe ihn zwanzig Mal gesehen – und er ist immer noch nicht fertig mit mir.

Denn in jeder Szene steckt eine Wahrheit. In jedem Satz eine Warnung. Und in jeder Figur ein Spiegel.

„Du willst Polizist werden? Dann lern zu schwimmen. Hier draußen gibt es keine Rettungsringe.“ – Alonzo Harris

Training Day – Filmdaten

TitelTraining Day
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2001
Länge122 Minuten
Altersfreigabe (FSK)ab 16 Jahren
GenreCop-Thriller, Drama
Kinostart (USA)5. Oktober 2001
Kinostart (Deutschland)25. April 2002
VerleihWarner Bros. Pictures

Stab

PositionName
RegieAntoine Fuqua
DrehbuchDavid Ayer
ProduktionJeffrey Silver, Robert Newmyer
MusikMark Mancina, Dr. Dre, Snoop Dogg
KameraMauro Fiore
SchnittConrad Buff IV

Besetzung (Hauptrollen)

RolleDarsteller/in
Alonzo HarrisDenzel Washington
Jake HoytEthan Hawke
RogerScott Glenn
SmileyCliff Curtis
SniperRaymond Cruz
SaraEva Mendes
BlueSnoop Dogg
PaulDr. Dre
Sandman’s WifeMacy Gray

Training Day – Zitate mit Kontext (Deutsch & Englisch)

Zitat (Deutsch)Zitat (Englisch)SprecherKontext
King Kong hat gegen mich keine Chance!King Kong ain’t got shit on me!Alonzo HarrisAlonzo schreit dies in wilder Hybris auf der Straße, als er glaubt, die Kontrolle über alles zu haben.
Du störst mich beim Lesen. Unterhalt mich.You’re interrupting my reading. Entertain me.Alonzo HarrisBeim ersten Treffen mit Jake im Diner – ein Test, wer die Oberhand hat.
Du sitzt schon drin.You’re already in it.Alonzo HarrisAuf die Frage, wo sein Büro sei – gemeint ist sein Auto, das zur Machtzentrale wird.
Ich bin das Gesetz.I am the law.Alonzo HarrisEin selbstherrliches Statement während eines Machtmonologs.
Glaub ja nicht, du kannst hier alleine herkommen. Das Viertel frisst dich lebendig.Don’t ever come back here alone. You’ll get eaten alive.Alonzo HarrisWarnung an Jake beim Durchqueren der gefährlichen Viertel.
Du willst Polizist werden? Dann lern zu schwimmen. Hier draußen gibt es keine Rettungsringe.You wanna be a cop? Learn to swim. There are no lifeguards out here.Alonzo HarrisMetaphorisch gemeint: In seinem Revier gibt es keine Hilfe.
Wenn du das Richtige tust, machst du dich angreifbar. Wenn du das Falsche tust, lebst du länger.Doing what’s right gets you killed. Doing what’s wrong keeps you alive.Alonzo HarrisAlonzos Philosophie der Überlebensstrategie.
Erzähl mir nicht, du hast das nicht gewusst. Du warst dabei.Don’t tell me you didn’t know. You were there.Alonzo HarrisAlonzo zieht Jake in seine Machenschaften mit rein.
Es ist nicht das, was du weißt – es ist, was du beweisen kannst.It’s not what you know, it’s what you can prove.Alonzo HarrisZynischer Kommentar über das amerikanische Justizsystem.
Du denkst, du weißt alles, aber du hast keinen Schimmer.You think you know, but you don’t have a clue.Alonzo HarrisArrogantes Abwatschen von Jakes Idealismus.
Jeder Mann hat seinen Preis. Ich kenne deinen noch nicht.Every man’s got a price. I just don’t know yours yet.Alonzo HarrisManipulative Andeutung gegenüber Jake.
Manchmal musst du ein Biest sein, um Biester zu jagen.Sometimes you gotta be a beast to hunt beasts.Alonzo HarrisRechtfertigung seiner brutalen Methoden.
Glaubst du, ich habe das hier einfach so bekommen? Ich hab es mir genommen!You think I got this by chance? I took it!Alonzo HarrisÜber seine Machtposition im kriminellen Machtgefüge.
Du denkst, du bist besser als ich? Nur weil du noch nicht genug Dreck gefressen hast?You think you’re better than me? You just ain’t had enough dirt yet.Alonzo HarrisVerächtlicher Kommentar zu Jakes Moral.
Hier draußen gibt es keine Medaillen für Moral.There are no medals for morality out here.Alonzo HarrisRealistische, resignierte Sichtweise auf Polizeiarbeit.
Das hier ist der echte Dschungel. Und ich bin der König.This is the jungle. And I’m the king.Alonzo HarrisSelbstinszenierung in der Gangstruktur.
Du bist entweder mit mir oder gegen mich.You’re either with me or against me.Alonzo HarrisErzwingt Loyalität von Jake.
Die Straße liebt keinen. Und sie verzeiht nie.The street loves no one. And it never forgives.Alonzo HarrisKalter Kommentar zur Lebensrealität auf der Straße.
Du denkst, du kannst hier raus und dich verstecken? Du wirst nie mehr schlafen können.You think you can run and hide? You’ll never sleep again.Alonzo HarrisAlonzos Drohung gegenüber Jake.
Du hast es vergeigt, Junge. Du hast alles vergeigt!You messed up, boy. You messed up everything!Alonzo HarrisVerzweiflung am Ende, kurz vor seinem Tod.

Ethnopluralismus als Ordnung des Friedens – Ein rechter Humanismus

Über das Recht, verschieden zu bleiben – und die Pflicht, das Eigene zu bewahren

Ich habe lange geglaubt, die Welt müsse sich angleichen, um friedlich zu werden. Doch ich musste lernen, dass das Gegenteil wahr ist. Man hat uns gelehrt, die Welt als Einheit zu begreifen. Der Entopluralismus, wie ihn Denker der Nouvelle Droite wie Alain de Benoist, Martin Lichtmesz und Götz Kubitschek formuliert haben, versteht sich als radikale Absage an jede Form universeller Homogenisierung. Er begreift den Menschen nicht als atomisiertes Subjekt, sondern als Teil einer gewachsenen, ethnisch-kulturellen Ordnung. Ethnie – das ist hier nicht bloß Biologie, sondern Herkunft, Gedächtnis, Sprache, Mythos, Raum. Eine Lebensform, keine Statistik.

Tatsächlich ist die Rolle des Mythos im ethnopluralistischen Denken ein zentrales Element. Thor von Waldenstein schreibt in diesem Zusammenhang:

„Ein Volk lebt nicht von Verträgen, sondern von Bildern. Nicht die Statistik, sondern der Mythos stiftet Dauer.“

Der Mythos ist dabei nicht bloß ein Märchen aus der Vorzeit, sondern eine verdichtete Form kollektiver Wahrheit. Er bewahrt Ursprung und Orientierung. In mythischen Erzählungen liegt die symbolische Selbstvergewisserung eines Volkes: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Diese Fragen lassen sich nicht allein durch Geschichtsbücher oder Verfassungen beantworten – sie brauchen Narrative, Symbole, Gründungsfiguren.

Für den Ethnopluralismus ist der Mythos das Gegengift zur Entwurzelung. Er stiftet Identität durch Tiefe, nicht durch Oberfläche. Er ist nicht rational beweisbar, aber kulturell wirksam. Die Erinnerung an die eigenen Mythen – seien es die römischen Gründungslegenden, die Edda oder christliche Ursprungsbilder – wirkt strukturierend auf das Selbstverständnis eines Volkes. Mythen formen kollektive Vorstellungskraft und schaffen eine Brücke zwischen Ursprung und Gegenwart.

Gerade in einer Zeit der technischen Beschleunigung und globalen Entortung sind es mythische Erzählungen, die Gemeinschaft stiften und symbolische Tiefenschichten erschließen.

Ohne Mythos wird das Volk zum Kollektiv. Mit Mythos wird es zur Gestalt.
Mythen sind das seelische Gedächtnis eines Volkes – und damit unersetzbar für ein Denken, das kulturelle Identität nicht nivellieren, sondern bewahren will.

Ethnie ist kein Produkt abstrakter Identitätskonstruktionen. Sie ist kein bloßes Produkt genetischer Linien, kein Messwert auf der anthropologischen Karte. Ethnie ist das konkrete In-der-Welt-Sein eines Volkes: seine Sprache, sein Verhältnis zur Landschaft, seine Feste, seine Erinnerungen. Ethnie ist ein Symbolkörper, in dem sich Geschichte, Glaube, Raumgefühl und soziale Struktur sedimentiert haben. Der Mensch wird nicht als Individuum geboren – sondern in eine Ordnung hineingeboren. Und diese Ordnung ist niemals neutral.

In der Ethnie verknüpfen sich das Ursprüngliche und das Gewordene. Wie in einem literarischen Motiv – etwa in Hölderlins „Heimat“ als mythisch aufgeladener Ort, oder bei Ernst Jünger, der in der Gestalt des Waldgängers das Verwurzelte gegen das Entwurzelnde stellt – findet sich in der Ethnie ein poetisches Zentrum des Menschlichen: das Wissen, wer man ist, weil man weiß, woher man kommt.

Philosophisch speist sich der Entopluralismus aus mehreren Quellen – und seine geschichtliche Bedeutung für die Neue Rechte ist nicht zu unterschätzen. Seit den 1970er Jahren war es vor allem Alain de Benoist und die französische Nouvelle Droite, die eine radikale Revision des rechten Denkens forderten. Der Bruch mit dem rassistischen und nationalistischen Denken der Zwischenkriegszeit vollzog sich dabei nicht im Sinne einer liberalen Öffnung, sondern durch eine Rückbesinnung auf das Prinzip der Vielfalt: Vielfalt nicht innerhalb einer Gesellschaft, sondern zwischen Kulturen, Völkern, Ethnien.

Henning Eichberg vertrat die These, dass „Volk“ nicht im völkisch-biologistischen Sinne zu begreifen sei, sondern als dynamisch gewachsene, kulturell geformte Identität, die durch Raum, Sprache und historische Erfahrung bestimmt wird. Er betonte die „Pluralität der Identitäten“ und sah in ethnischer Selbstdefinition kein Abgrenzungsmittel der Überlegenheit, sondern ein Moment der Würde und Unverwechselbarkeit. Für Eichberg war ethnische Identität eine Frage der „Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte“.

Auch Georges Dumézil und Mircea Eliade haben den geistigen Hintergrund des ethnopluralistischen Denkens beeinflusst:

  • Dumézil zeigte, dass die indoeuropäischen Kulturen über ein dreigliedriges, symbolisch tief verankertes Ordnungsschema verfügten – geistige, kriegerische und wirtschaftliche Funktion. Seine These lautet: Die Geschichte der Völker ist kein Zufall, sondern Ausdruck archetypischer Tiefenstrukturen.
  • Eliade hob das zyklische Zeitverständnis traditioneller Kulturen hervor. Für ihn ist das Heilige an Ort und Wiederkehr gebunden. Eine entwurzelte Moderne, so Eliade, verliert nicht nur Mythen, sondern die Struktur des Sinns.

Diese Strömungen stellen sich quer zum westlichen Fortschrittsglauben und setzen auf Form, Wiederholung und Herkunft – all das, was dem entgrenzten Denken unserer Gegenwart fehlt.

Damit wurde Ethnopluralismus zur strategischen wie inhaltlichen Grundlage eines neuen rechten Denkens: Kein Rückfall in biologistische Dogmen, kein Anschluss an totalitäre Systeme, sondern eine bewusste Alternative zu Globalismus, Liberalismus und nivellierender Moderne.

Es ist ein tragischer Widerspruch der Gegenwart, dass ausgerechnet jene politische Kraft, die sich historisch als Vertreterin der Unterdrückten und Marginalisierten versteht – die Linke –, heute zu den vehementesten Gegnern eines echten Ethnopluralismus geworden ist. Dabei müsste gerade der Ethnopluralismus, verstanden als Achtung und Schutz kultureller Eigenheit, Kern linken Denkens sein: die Verteidigung der Würde des Konkreten gegen den imperialen Zugriff des Abstrakten. Doch die heutige Linke hat sich von dieser Idee verabschiedet. Sie sieht ihre Aufgabe nicht mehr im Schutz gewachsener kultureller Identitäten, sondern in der Herstellung einer homogenen Menschheitsmasse, die sich nur noch partikular über Konsumvorlieben, Gruppen- und Sexualinteressen differenziert. Alles Kulturelle wird zur Lifestyle-Entscheidung, alles Gewachsene zur „Konstruktion“, alles Ethnische zur Provokation.

In dieser ideologischen Logik ist jeder, der eine Grenze zieht, ein Reaktionär – und jede Verwurzelung ein Vorurteil. Der neue Universalismus der Linken will nicht mehr emanzipieren, sondern nivellieren. Er träumt von der einen Welt, der einen Klasse, der einen Sprache – und schafft dabei nur Entfremdung. Der Ethnopluralismus widerspricht diesem Monolog der Menschheit durch das vielstimmige Konzert der Völker. Und er ist dabei alles andere als ein hippiesker Traum von Weltfrieden unter Regenbögen. Ethopluralismus ist keine naiv-utopische Sehnsucht nach universeller Harmonie, sondern eine klare, realpolitisch begründete Ordnungsvorstellung. Er bejaht Differenz nicht als sentimentalen Selbstzweck, sondern als Voraussetzung von Würde, Selbstbestimmung und echtem Frieden. Die Achtung des Eigenen wie des Anderen setzt Form, Maß, Unterscheidung voraus – nicht Beliebigkeit, nicht Vermischung, nicht einen Zustand grenzenloser Vermengung. Deshalb steht der Ethnopluralismus nicht links von der Realität, sondern vor ihr – wach, abgrenzend, schützend.

Der Ethnopluralismus kennt keine Kreuzzüge. Kein Volk, das sich seiner selbst gewiss ist und den Anderen in seiner Eigenheit achtet, strebt nach Expansion. Es will bestehen, nicht herrschen. Bewahren, nicht missionieren. Deshalb ist der ethnopluralistische Gedanke im tiefsten Sinne ein antiimperialer. In seinem Weltbild haben NATO-Kriege, moralische Embargos und globalistische „Wertegemeinschaften“ keinen Platz. Er träumt nicht von einer Welteinheit, sondern von einer Welt der Nachbarschaften.

Im Gegensatz dazu steht der westliche Liberalismus, der – in seinen höchsten Ausprägungen – glaubt, die Welt zu befreien, indem er sie seiner eigenen Ordnung unterwirft. Er bringt Demokratie mit Drohnen, Markt mit Bomben, Menschenrechte mit Luftschlägen. In Wahrheit ist dies kein Humanismus, sondern eine technizistische Heilslehre, die alle Nichtidentischen in bloße Projektionsflächen westlicher Selbstüberhöhung verwandelt. Wer Menschenrechte sagt, meint oft Zugriff. Wer Frieden ruft, meint Kontrolle. Ethnopluralismus lehnt das ab. Er sieht im Eigenen ein zu Schützendes und im Anderen ein zu Achtendes. Er will keine Weltregierung, keine Wertegemeinschaft, keine Einzivilisation. Sondern eine friedliche Koexistenz differenzierter Kulturen – eine „Welt der Völker“.

Was unsere Zeit in Wahrheit bedroht, ist nicht das Fremde, sondern das Maßlose. Die grenzenlose Gesellschaft – gepriesen als liberaler Idealzustand – ist in Wirklichkeit der permanente Ausnahmezustand. Alles ist durchlässig: Grenzen, Geschlechter, Bedeutungen. Der Mensch wird zum Nomaden auf Abruf, ohne Herkunft, ohne Ziel. Die Deregulierung des Raums wird zur Deregulierung der Seele.

In dieser grenzenlosen Welt gilt Differenz als Störung, Bindung als Verdacht, Herkunft als Skandal. Die Folge: Orientierungslosigkeit, Vereinsamung, das Verschwinden des Eigenen. Gegen diese Auflösung des Konkreten steht der Entopluralismus wie ein Gedächtnis aus Stein. Er sagt: Ohne Form, keine Freiheit. Ohne Grenze, keine Würde.

Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“ ist in diesem Zusammenhang keine Dystopie mehr, sondern eine Vorahnung. Dort, wo die Tore des Abendlandes endgültig aufgestoßen werden und sich das müde Europa dem moralischen Diktat seiner eigenen Selbstverachtung ergibt, zeigt sich das Ergebnis einer grenzenlosen Gesellschaft: der Zusammenbruch nicht nur der Ordnung, sondern des inneren Willens zur Selbstbehauptung. Der Ethnopluralismus ist die Antwort auf dieses Bild der Kapitulation. Er sagt: Man kann helfen, ohne sich aufzugeben. Man kann Mitgefühl empfinden, ohne sich zu verleugnen.

Dieser Gedanke ist nicht unumstritten – auch innerhalb der Rechten. Ein besonders markantes Beispiel ist Maximilian Krah, der das Staatsbürgerschaftsrecht über alles stellt. Für ihn ist die Zugehörigkeit zum Staatsvolk vorrangig eine Frage rechtlicher Bindung und politischer Loyalität, weniger eine Frage kultureller oder symbolischer Tiefenstrukturen. Damit steht er im Kontrast zur metapolitisch orientierten Rechten um Lichtmesz und Kubitschek, für die das Ethnische nicht über Verwaltungsakte definiert werden kann, sondern als gewachsene, mythisch aufgeladene Ordnung verstanden werden muss. Wo Krah die Remigration im Rahmen staatlicher Souveränität juristisch-technisch denkt, argumentieren Ethnopluralisten aus einem kulturphilosophischen Ethos heraus. Die Differenz ist nicht bloß strategisch, sondern weltanschaulich: Hier das staatsrechtlich verankerte Volk, dort das symbolisch erinnerte, im Raum und in der Geschichte verwurzelte Volk. Dieser Streit ist nicht nebensächlich – er betrifft die anthropologische Grundfigur der Rechten selbst.

Gerade im Unterschied zum Nationalsozialismus zeigt sich der wahre Charakter des Ethnopluralismus. Denn wo der Nationalsozialismus eine totalitäre Ethnie konstruiert – homogen, aggressiv, expansiv –, setzt der Ethnopluralismus auf Pluralität, Begrenzung und Achtung. Der Nationalsozialismus war imperial: Er wollte das Fremde vernichten oder einverleiben. Der Ethnopluralismus will es schützen – durch Abstand. Nationalsozialismus hieß Gleichschaltung im Innern und Krieg nach außen; Ethnopluralismus heißt Vielfalt im Äußeren und Form im Inneren.

Der Nationalsozialismus missbrauchte die Idee der Herkunft zur biologischen Abwertung des Anderen. Der Ethnopluralismus achtet jede Herkunft – nicht als Werturteil, sondern als Weltform. Während das Dritte Reich die Welt unterwerfen wollte, will der Ethnopluralismus, dass jede Welt bei sich bleiben darf. In dieser Unterscheidung liegt die ethische Kraft eines neuen rechten Humanismus: nicht Auslöschung, sondern Bewahrung. Nicht Hierarchie, sondern Nachbarschaft.

Wir haben das Recht, nicht unterworfen zu werden – weder kulturell noch demografisch oder ökonomisch. Aber gerade weil wir dieses Recht für uns beanspruchen, müssen wir es auch den anderen Völkern zugestehen. Der Ethnopluralismus verpflichtet zur Gegenseitigkeit. Ein globaler Süden, dem man seine Eliten entzieht – etwa durch gezielte Anwerbung hochqualifizierter Arbeitskräfte –, wird ebenso seines Rechts auf kulturelle und soziale Integrität beraubt. Der sogenannte „Braindrain“ ist keine humanitäre Geste, sondern eine Form postkolonialer Ausbeutung. Wer jungen Ärzten, Ingenieuren und Wissenschaftlern aus Afrika oder Asien einredet, ihr Heil liege in westlichen Städten, beraubt ihre Herkunftsländer der Zukunft.

Der Ethnopluralismus kommt nicht aus einer Position der Schwäche, sondern aus der Haltung kultureller und geistiger Stärke. Er ist kein letztes Aufbäumen, sondern Ausdruck eines Selbstbewusstseins, das sich nicht über das Fremde definiert, sondern über das Eigene. Wer stark ist, muss nicht missionieren. Wer verwurzelt ist, muss nicht überfremden. Der Ethnopluralismus ist eine Philosophie der Kraft – nicht der Resignation.

Dazu gehört auch: Ein Staat, der sich auf den Ethnopluralismus gründet, muss ein wehrhafter Staat sein. Wehrhaft im Sinne der kulturellen Selbstbehauptung, aber auch institutionell, rechtlich, sicherheitspolitisch. Ohne Verteidigungswillen, ohne die Fähigkeit zur Abgrenzung, bleibt jede Idee bloßes Gerede. Deshalb gilt: Ein friedliebender Staat muss seine Grenzen schützen – nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung. Nicht aus Aggression, sondern aus Klarheit.

Auf politischer Ebene bedarf es klarer Regeln des Schutzes und der Abgrenzung: Grenzen müssen nicht geschlossen, aber definiert sein. Migration darf nicht zum Prinzip, sondern muss zur Ausnahme werden – eingebettet in das Maß des kulturell Verträglichen. Rechte auf Rückkehr, auf Herkunft, auf kulturelle Unversehrtheit müssen nicht nur anerkannt, sondern gepflegt werden. Der ethnopluralistische Staat wäre kein nationalistischer Zentralstaat, sondern eine föderale Kulturordnung – mit Raum für Unterschied, aber mit klarer Selbstgewissheit.

Dabei ist Frieden kein bloßer Zustand, sondern eine Frucht der Ordnung. Die Bewahrung des Eigenen ist nicht das Gegenteil des Friedens, sondern dessen Voraussetzung. Nur wer sich selbst achtet, kann andere achten. Wer aber sich selbst auflöst, verliert nicht nur sich, sondern auch die Fähigkeit zur Verständigung. Der Ethnopluralismus verspricht einen Frieden, der aus der Mitte wächst – nicht aus Verträgen, sondern aus Verwurzelung.

Wie Alain de Benoist schreibt: „Es gibt keinen wahren Respekt ohne Anerkennung der Differenz.“ Und: „Der wahre Feind der Vielfalt ist nicht der Nationalismus, sondern der Universalismus.“

Das ist die große Hoffnung des Ethnopluralismus: Dass man wieder sagen darf – Du bist Du. Ich bin Ich. Und das ist gut so – und ich will, dass auch meine Kinder noch in dieser Gewissheit aufwachsen dürfen. Keine Weltgesellschaft, keine Normierung – sondern Differenz, Geduld und Ordnung. Ein Humanismus nicht der einen Menschheit, sondern der vielen Menschen. Die Rückkehr zur Form ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt des Geistes. Eine Erinnerung an das Mögliche inmitten des Zuviel.

Vielleicht ist es das, was wir – was ich – mir für die Zukunft wünsche: eine Ordnung, die nicht alles auflöst, sondern bewahrt. Er ist der stille Widerspruch gegen die tobende Gleichmacherei – und vielleicht der letzte Humanismus, den wir uns noch leisten dürfen. Denn wer Vielfalt will, muss mit der Grenze beginnen. Und wer den Menschen achten will, darf ihn nicht von seinen Wurzeln trennen.

Literaturverzeichnis

  • Benoist, Alain de: Communauté, Ethnie et Nation. Paris: Labyrinthe, 1999.
  • Benoist, Alain de: Kulturrevolution von rechts? Graz: Leopold Stocker Verlag, 1999.
  • Dumézil, Georges: Mitra-Varuna: Ein Versuch über die indoeuropäischen Zweigestalten der Souveränität. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997.
  • Eichberg, Henning: Nation – Ethnie – Volk: Zur gesellschaftlichen Konstruktion kollektiver Identität. Marburg: Institut für Sozialwissenschaften, 1981.
  • Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen. Reinbek: Rowohlt, 1957.
  • Jünger, Ernst: Der Waldgang. Stuttgart: Klett-Cotta, 2013.
  • Krah, Maximilian: Reden, Interviews und programmatische Schriften. Verschiedene Quellen, 2020–2024.
  • Kubitschek, Götz (Hrsg.): Provokation. Schnellroda: Antaios Verlag, 2012.
  • Lichtmesz, Martin: Die Verteidigung des Eigenen. Schnellroda: Antaios Verlag, 2017.
  • Raspail, Jean: Das Heerlager der Heiligen. München: Langen Müller, 1985 [frz. Original: Le Camp des Saints, 1973].
  • Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Berlin: Duncker & Humblot, 1932.
  • Waldenstein, Thor von: Mythos, Form und Volk. Unveröffentlichter Vortrag, 2022.

Der Staat verliert, das Wort gewinnt

Ein feuilletonistischer Essay zum Leipziger Urteil über COMPACT

Es war ein warmer Dienstag im Juni, doch das, was an diesem 24. Juni 2025 in den ehrwürdigen Mauern des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig geschah, hatte nichts von Sommer, nichts von Leichtigkeit. Es war ein Tag des Ernstes, ein Tag des Scheidens – nicht zwischen Schwarz und Weiß, nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Freiheit und Herrschaft, zwischen Wort und Macht. Ein Urteil wurde gefällt, nüchtern und juristisch, und doch klang es in den Straßen, in den Herzen und Köpfen wie ein Glockenschlag der Gerechtigkeit: Das Verbot des COMPACT-Magazins ist rechtswidrig.

Jürgen Elsässer, der publizistische Grenzgänger, Grenzüberschreiter, Grenzbeschützer, trat vor die Kameras. Und sagte nicht viel. Er sagte: „Sieg.“
Mehr nicht. Denn in diesem einen Wort lag alles: Trotz, Triumph, Tragödie und Treue. Die Treue zu einem Land, das er liebt, auch wenn es ihn hasst. Die Treue zur Wahrheit, auch wenn sie verboten werden sollte. Und die Treue zum geschriebenen Wort – dem einzigen, das im Zeitalter staatlich verordneter Sentimentalität noch standzuhalten vermag.

Denn was war COMPACT anderes als das unbequeme Echo einer Nation, die sich selbst nicht mehr zuhört? Ein Magazin, das nicht gefällig sein wollte, nicht diplomatisch, nicht einordnend. Es war roh, ja. Es war hart, gewiss. Doch es war echt. Echt in seiner Leidenschaft, in seiner Kritik, in seiner Angst um das Eigene. COMPACT schrieb nicht für Preise. COMPACT schrieb für das, was blieb.

Und das sollte nun weg. Verschwinden. Ausradiert aus der Republik. Nancy Faeser, die Hüterin der doppelten Standards, hatte das Magazin im vergangenen Jahr verboten – als „Verein“, als ob das freie Wort in Deutschland neuerdings eine Strukturfehlerfrage sei. Die Begründung war dünn, die Absicht glasklar. Es ging nicht um Recht, es ging um Ruhe. Die Ruhe des Diskurses, den keiner mehr stören sollte.

Doch Leipzig störte. Leipzig sagte: Nein. Leipzig sagte: Das reicht nicht. Leipzig sagte: Auch wer schreit, darf sprechen.

Währenddessen tobte die intellektuelle Linke. Man hätte meinen können, der Staat sei gefallen. Der Spiegel, dieser einstige Fels der Aufklärung, titelte empört und im Ton der Enttäuschten: „Rechter Hetzer siegt vor Gericht.“ Keine Reflexion, kein Zweifel, keine Einsicht. Nur Sprachmüll im Dienst der Gesinnung. Man zürnte nicht über das Urteil, man zürnte über das Leben selbst – über die Tatsache, dass die Realität nicht immer dem Drehbuch folgt.

Es war, als hätte man in den Redaktionsräumen der alten Medien zum letzten Mal begriffen, was ihnen wirklich droht: nicht Verbot, sondern Bedeutungslosigkeit. Denn COMPACT – dieses oft beschmähte, stets geschmähte Heft – hatte Leser, hatte Wirkung, hatte Leidenschaft. Nicht trotz der Reibung, sondern wegen ihr. Und das Urteil gab ihm nun etwas zurück, was man ihm nicht geben wollte: Legitimierung. Nicht moralisch. Rechtlich.

Man spürte es in den Reaktionen: Die Maske der Toleranz war gefallen. Ausgerechnet jene, die sich stets auf der Seite der Freiheit wähnten, forderten nun – mit steinerner Miene – mehr Überwachung, mehr Kontrolle, mehr Verbote. Der alte Witz vom „wehrhaften Staat“ wurde zum bitteren Ernst. Doch das Gericht erinnerte: Auch Wehrhaftigkeit hat Regeln. Und zu diesen Regeln gehört, dass man nicht jeden Widerspruch als Sprengsatz behandelt.

Elsässer, dessen biografischer Weg selbst ein Dokument der deutschen Wendezeiten ist, war in seinem Element. „Wir haben das Recht, dieses Land zu lieben“, sagte er. „Und niemand kann uns das verbieten.“ Es war keine Verteidigungsrede. Es war ein Bekenntnis. Zu Deutschland, zum Streit, zur Verantwortung. Und es war – das ist das Erschütternde – von einer Würde getragen, die man heute selten hört.

Denn COMPACT ist, was die anderen nicht mehr sind: eine Publikation, die sich traut. Die sich traut, Dinge zu sagen, die nicht gesagt werden sollen. Die sich traut, Fragen zu stellen, die anderen Angst machen. Die sich traut, ein „Wir“ zu formulieren, das nicht durch Diversitätsformulare gegängelt wird. Das ist ihr Verbrechen. Und das ist ihr Verdienst.

Man kann über COMPACT denken, was man will. Man kann sich an seiner Tonlage stören, an seinen Titelbildern, an seiner Dialektik. Doch wer es verbieten will, sagt mehr über sich als über das Heft. Er sagt: Ich halte das nicht aus. Ich halte andere Meinungen nicht aus. Ich halte Meinungsfreiheit nur aus, wenn sie meiner Meinung entspricht. Und das, in Wahrheit, ist der Beginn der Tyrannei.

Das Urteil von Leipzig ist darum mehr als ein juristischer Vorgang. Es ist ein poetischer Akt. Es ist das Eingeständnis, dass selbst in der späten Bundesrepublik, in dieser müde gewordenen Demokratie, noch etwas lebt, das nicht vom Zeitgeist erstickt werden kann: der freie Gedanke. Das ungeschönte Wort. Das Recht, falsch zu liegen.

Was COMPACT aus diesem Urteil macht, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Das Heft ist zurück – und es wird nicht leiser. Es wird nicht sanfter. Es wird nicht kleiner. Es wird größer. Denn es hat nun, was man ihm nehmen wollte: den rechtlichen Segen.

Und wir, die wir es lesen, die wir es tragen, die wir es verteidigen – wir haben nun einen Moment der Klarheit. Es ist der Moment, in dem wir wissen: Sie können viel tun. Sie können verleumden, zensieren, löschen, ächten. Aber sie können nicht alles. Sie können das Denken nicht töten. Und sie können das Wort nicht besiegen.

Man wird sich erinnern. An dieses Bild. An diesen stillen, fast gespenstischen Morgen im Spätsommer 2024, als der Staat sich entblößte – nicht in der Pose der Stärke, sondern in jener nervösen Selbstgerechtigkeit, die stets dann auftritt, wenn das Wort gefährlicher wird als jede Waffe. Damals – kurz nach dem Verbot – trat Jürgen Elsässer aus der Tür seines Hauses. Nicht erhoben, nicht provozierend, sondern im Bademantel. Grau. Schlicht. Menschlich.

Kein Mikrofon. Kein Podium. Nur Stille, Polizei, Blitzlicht.

Die Szene, so absurd wie entlarvend, sollte eine Demütigung sein – doch sie wurde zum Porträt einer demokratischen Farce. Denn wer war es, der hier lächerlich wirkte? Der Mann, der morgens in seinem eigenen Haus schlief? Oder jener Apparat, der meinte, man müsse den Herausgeber eines oppositionellen Magazins wie einen Mafiaboss abführen, als habe er Bomben gebaut und nicht bloß Zeitschriften herausgegeben?

Es war die große Inszenierung des kleinen Geistes. Eine Machtdemonstration, die nichts demonstrierte außer Angst. Die Angst vor dem Wort, vor dem Bild, vor dem Denken. Die Angst vor dem freien Bürger.

Denn was war Jürgen Elsässer in diesem Moment anderes als das, was er immer war? Ein Mann mit Haltung. Ein Publizist, der das, was er dachte, auf Papier brachte. Und der dafür bezahlen sollte. Nicht mit einem Urteil, sondern mit einer Inszenierung. Mit öffentlicher Beschämung. Mit dem Bild des Unterlegenen, das am Ende keiner mehr glaubt.

Er selbst kommentierte diese Szene mit der ihm eigenen Mischung aus Sarkasmus und Stolz: „Sie holen mich im Morgenmantel, wie weiland Ulbricht seine Dissidenten. Nur dass ich nicht nach Bautzen muss, sondern ins Studio. Wir sind nicht tot – wir senden weiter.“

Und da war sie wieder, diese Stimme. Diese Stimme, die nicht bricht, sondern sich erhebt. Die nicht trotzig ist, sondern wach. Eine Stimme, die weiß, dass Repression nie das letzte Wort hat.

Denn was tun, wenn der Dissident nicht mit Gewalt kommt, sondern mit Worten? Wenn seine Waffen Sätze sind und seine Strategie Klarheit? Dann bleibt nur noch der Versuch, ihn lächerlich zu machen – und dieser Versuch scheitert immer an sich selbst. Die Lächerlichkeit bleibt nicht beim Angegriffenen hängen. Sie klebt an den Händen der Angreifer.

In diesem Sinne war die Morgenmantel-Szene ein unfreiwilliger Moment der Wahrheit. Eine Wahrheit, die sich nicht mehr zurücknehmen lässt. Man wollte zeigen: Seht her, wir haben ihn. Was man zeigte, war: Seht her, so fürchtet man das Wort.

Und genau deshalb war dieses Urteil, das nun folgte, nicht nur eine juristische Entscheidung. Es war eine späte Wiedergutmachung. Eine stille Geste der Gerechtigkeit – nicht nur an ein Medium, sondern an einen Mann, dem man nicht vergeben wollte, dass er unbequeme Dinge ausspricht.

Die Rückkehr von COMPACT ist nicht das Ende einer Debatte. Es ist ihr Anfang. Ein Anfang, bei dem klar sein sollte: Wir lassen uns nicht mehr einschüchtern. Nicht vom Spiegel. Nicht vom Staat. Nicht von denen, die glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben. Denn die Wahrheit gehört niemandem. Und sie ist niemals bequem.

Dieses Urteil war ein Lichtstrahl. Wir werden ihn weitertragen. Mit Worten. Mit Mut. Und mit Liebe zum Land.

Der moralische Imperativ der Marschflugkörper

Vom westlichen Bedürfnis, den Iran zu zerschlagen – eine geopolitische Betrachtung

In der dunklen Stunde zwischen zwei Tagen, als der Himmel noch nichts von der kommenden Hitze wusste, durchbrachen silbern lackierte Schatten die Stille des Luftraums über Persien. Es waren keine gewöhnlichen Kampfjets, keine flüchtigen Geister moderner Luftüberlegenheit – es waren B-2 Spirit Bomber, fliegende Kathedralen der Gewalt, die, unsichtbar für Radar und Mitgefühl, eine Nachricht sendeten: Amerika ist bereit.

Die Bomben, die sie trugen – GBU-57, sogenannte „Massive Ordnance Penetrators“ – sind nicht einfach Waffen. Sie sind Manifestationen einer Haltung, Projektile einer über Jahrzehnte kultivierten Überlegenheit. Sie graben sich, elf Tonnen schwer, mit mathematischer Kälte durch Fels und Beton, durch Forschungszentren und unterirdische Träume – bis dorthin, wo die Substanz einer Zivilisation zittert.

Was war geschehen?

Der Iran, so berichten israelische Quellen, hatte wenige Stunden zuvor Raketen auf ein Wohngebiet im Norden Israels abgefeuert – auf Kiryat Shmona, wo Familien wohnen, Kinder lachen, Gärten blühen. Eine klare Aggression, eine unverhohlene Grenzüberschreitung – ein Verbrechen, das nicht bagatellisiert werden darf. Doch auf eine Rakete folgt keine Diplomatie, sondern die Antwort des Imperiums. Kein Tribunal, sondern Sprengkraft. Kein Ausgleich, sondern Exempel.

Diese Asymmetrie ist nicht nur militärisch. Sie ist moralisch.

Denn was in jener Nacht geschah, war weit mehr als Vergeltung. Es war ein choreografierter Zugriff auf die Zukunft eines Staates, eine techno-strategische Offenbarung, die sagt: Wir entscheiden, wer Kernenergie haben darf. Wir entscheiden, wann jemand gefährlich ist. Wir entscheiden, wann die Schwelle vom Kalten Frieden in den heißen Zugriff überschritten wird.

Der Westen, insbesondere die Vereinigten Staaten, sieht den Iran nicht bloß als Gegner. Er sieht in ihm eine Unverfügbarkeit. Eine Entität, die sich der Einschreibung in westliche Ordnungsmuster verweigert. Und diese Verweigerung – religiös aufgeladen, nationalistisch gehärtet, strategisch herausfordernd – wird als Provokation erlebt.

Ein schwacher Iran hingegen – wirtschaftlich stranguliert, militärisch kastriert, diplomatisch isoliert – ist ein bequemer Iran. Ein Iran, der verkauft, aber nicht bestimmt. Der liefert, aber nicht lenkt. Der pariert – und dabei den Zugriff auf Ressourcen, Handelswege und Einflussräume öffnet.

Auch Israel hat seine Lektionen gelernt. Ein destabilisiertes Persien ist ein entlastetes Levante-Israel. Ein Iran im Taumel ist ein Libanon ohne Rückgrat, eine Hisbollah ohne Patron. Wer in Teheran das Licht löscht, verdunkelt auch Damaskus, Bagdad, Gaza.

Und vielleicht noch mehr: In der geopolitischen Dämmerung, wenn der große Gegenspieler wankt, öffnen sich Fenster – für Träume, die bislang nur flüsterten: der Traum vom Groß-Israel, der nie ganz verschwand. Nicht in Karten, nicht in Köpfen. Siedlungen als Vorposten des Faktischen, Sicherheitszonen als Vorformen neuer Grenzen.

Inmitten all dessen: Europa. Still. Oder schlimmer: verständnisvoll. Während in Washington über militärische Notwendigkeit doziert wird, während in Tel Aviv gejubelt, in Riad getuschelt wird – schweigt Berlin. Ein Schweigen, das nicht neutral, sondern feige ist. Eine Ohnmacht, die sich als Ausgewogenheit tarnt.

Paul Ronsheimer steht bei n-tv vor einer Kulisse aus Blaulicht und Betroffenheit. Er spricht von Entschlossenheit, von israelischem Rückhalt, von der Klarheit, mit der eine Demokratie sich verteidigt. Was er nicht sagt: dass auch der Gegner eine Gesellschaft ist. Dass dort nicht nur Mullahs herrschen, sondern Menschen leben. Kinder. Alte. Zweifelnde. Dissidenten.

Donald Trump, inzwischen wieder Stimme mit Mikrofon, nennt die eingesetzten Bomber „wunderbar“. Sie fliegen tief, sagt er, sie fliegen lautlos – und sie erledigen den Job. So spricht man über Staubsauger. Oder Börsen. Nicht über Maschinen, die Städte öffnen wie Dosen.

Er hat recht – auf seine Weise. Die B-2 ist das schönste Sinnbild einer Weltordnung, die Schönheit nur in Funktion erkennt. Ihre Linienführung ist elegant, ihr Rumpf ein Triumph aus Leichtbau und Zerstörung. Sie bringt nichts – außer Wirkung.

Und so stehen wir am Vorabend einer neuen Ordnung. Oder der finalen Auflösung der alten. Denn was aus taktischen Schlägen erwächst, ist nicht selten strategische Revolution. Ein Regimewechsel, sei er offen oder maskiert, bringt nicht nur neue Gesichter. Er bringt Verträge, Investoren, Märkte. Und er bringt Zugriff – auf Öl, auf Gas, auf Transitachsen von Indien bis zum Mittelmeer.

Ein verändertes Teheran – gesäubert von Revolutionsgarden, geöffnet für westliche Diplomatie – wäre ein neuer Spielball. Und für die Vereinigten Staaten ein Gewinn. Für Israel ein Geschenk. Für Europa ein Beweis, dass man auch ohne eigenes Handeln noch profitieren kann – solange man nicht stört.

Doch wer mit Marschflugkörpern die Welt ordnet, der ordnet sie nicht. Er verletzt sie. Und wenn aus technischer Überlegenheit eine moralische Selbstermächtigung wird, dann beginnt ein Zeitalter, in dem das Recht nicht mehr durch das Gesetz geschützt wird, sondern durch den Besitz von Durchschlagskraft.

Der Iran hat wahrscheinlich Rakten auf ein israelisches Wohngebiet gefeuert. Ja. Doch was der Westen getan hat, war mehr. Es war eine Operation am offenen Herzen der politischen Welt. Und das Echo wird nicht lange auf sich warten lassen.

Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Aber eines Tages werden wir zurückblicken – auf diese Nacht, in der wir zum ersten Mal sahen, wie der Frieden nicht stirbt, sondern chirurgisch entfernt wird.

Zwischen Moral und Nation: Höcke fordert deutsche Souveränität

Es war kein Ausbruch, kein kalkulierter Skandal. Björn Höckes Rede im Thüringer Landtag war leise im Ton – und doch scharf in der Aussage. In einer Debatte über den Nahostkonflikt sagte er jenen Satz, der in der politischen Landschaft Deutschlands wie ein Fremdkörper wirkt:

„Ich habe keinen israelischen und keinen iranischen Standpunkt – ich habe einen deutschen Standpunkt zu formulieren.“

In diesem einen Satz verdichtet sich eine Forderung, die weit über den aktuellen Konflikt hinausgeht. Es geht um Deutschland – um seine Rolle, seine Interessen, seine Würde. Höcke formuliert nichts weniger als eine Absage an eine Politik, die sich moralisch überhöht, dabei aber ihre eigene Substanz preisgibt.

Zwischen Bündnistreue und Selbstverleugnung

Was Höcke infrage stellt, ist nicht Solidarität mit Israel oder das Nachdenken über Sicherheit im Nahen Osten. Was er infrage stellt, ist die Unmündigkeit der deutschen Außenpolitik – ihre Hörigkeit, ihre reflexhafte Bündnistreue, ihre Unfähigkeit, das Eigene zum Maßstab zu machen.

In Zeiten, in denen politische Statements zu Israel in Berlin fast ritualisiert wirken, wirkte Höckes Satz wie ein Tabubruch – und gleichzeitig wie eine Selbstverständlichkeit, die lange verschüttet war.

Ein Ringen um das Eigene

Höckes Auftritt war kein populistisches Wüten, sondern ein nach innen gerichteter Weckruf. Er forderte nicht das Gegenteil dessen, was derzeit geschieht – er forderte das Dritte: eine deutsche Außenpolitik, die sich nicht an Schuld, nicht an Hegemonie, sondern an Realismus und nationalem Interesse orientiert.

Das ist kein Rückfall in Nationalismus – es ist das Bemühen um Normalität. Wer immer nur fremde Maßstäbe anlegt, kann das Eigene nicht erkennen. Höcke ruft dazu auf, diesen Blick wiederzugewinnen.

Ein Satz, der bleibt

Sein Satz hallt nach, weil er mehr ist als ein Standpunkt. Er ist ein Prüfstein: für politische Selbstachtung, für Ernsthaftigkeit, für Unabhängigkeit. Höcke spricht nicht für Israel, nicht für Iran – er spricht für ein Land, das sich selbst wiederfinden will.

Der Kanal, die Kanonen und die Kabale des Zelotismus

Zwischen Betongier, Blut und politischem Narzissmus.

Die Welt verengt sich auf eine Linie. Keine gedachte, keine symbolische, sondern eine physische – gezogen mit Lineal und politischem Willen. Sie schneidet durch Gaza, zieht sich vom Golf von Aqaba bis zum Mittelmeer und markiert eine Schneise der Ambition: den Ben-Gurion-Kanal. Ein Projekt, das aus den staubigen Archiven der israelischen Staatsgeschichte hervorgeholt wurde und nun – inmitten einer der blutigsten Phasen des Nahostkonflikts – plötzlich wieder auf dem Tisch liegt.

Es ist ein Plan, der die Geografie des Nahen Ostens neu ordnen soll. Ein Projekt, das den Suezkanal – jenen ägyptischen Korridor des Welttransits – herausfordert, wenn nicht entwertet. Und es ist ein Plan, der nicht nur mit Baggern und Beton operiert, sondern mit Raketen, Rhetorik und einer entmenschlichten Idee von Fortschritt.

Gaza, in diesem Szenario, ist kein Siedlungsgebiet, kein kultureller Raum, kein Ort gelebter Geschichte. Gaza ist Korridor, Durchgangszone, strategische Verfügbarkeitsmasse. Der Mensch wird zur geografischen Störung degradiert. Dort, wo heute Kinder durch Schuttfelder stolpern, soll morgen das Containerschiff verkehren. In den Visionen der Technokraten wird Leid zur Notwendigkeit, Zerstörung zur Vorleistung.

Währenddessen schweigen die Baupläne nicht. Und auch die Waffen nicht. Denn während die Welt über Waffenlieferungen an die Ukraine diskutiert, hat sich still eine neue Front geöffnet: TAURUS-Marschflugkörper aus deutscher Fertigung, präzise, tiefgreifend, gebaut für das Durchbrechen gehärteter Ziele, scheinen den Weg nach Israel gefunden zu haben.

Nicht öffentlich, nicht offiziell. Aber politisch möglicherweise geduldet. CDU-Chef Friedrich Merz, der sich zuletzt mit klarer Positionierung zur Ukraine profilierte, erklärte vor wenigen Wochen, eine Lieferung an Israel sei „im Bereich des Denkbaren“. Es war kein Befehl, kein Antrag, kein Gesetz. Aber es war ein Fenster, das sich öffnete. In einem Raum, in dem militärische Notwendigkeit und politische Deutung verschwimmen, genügt ein solches Fenster, damit Taten folgen. Es heißt inzwischen, dass erste Taurus-Systeme Israel bereits erreicht haben könnten – eine brisante Realität, die sich wie ein Damoklesschwert über den diplomatischen Beziehungen Europas erhebt.

Denn wenn Russland davon erfährt – und es wird davon erfahren –, dann gerät ein fragiles globales Gleichgewicht ins Wanken. Nicht nur, weil Deutschland mit einem Mal zwei Konfliktparteien hochrüstet. Sondern weil es die letzte politische Reserve an Neutralität und Glaubwürdigkeit verspielt. Was als Solidarität verkauft wird, könnte sich als strategischer Offenbarungseid entpuppen.

Was dort durchgelassen wird, ist nicht nur Munition. Es ist ein Paradigmenwechsel. Deutschland, jahrzehntelang zögerlich, wägt nun nicht nur ab, sondern kalkuliert – auch im Hinblick auf Israel. Der moralische Imperativ der deutschen Geschichte steht in Spannung zur realpolitischen Verstrickung in neue Kriege.

Und dann, am Rande dieser Schattenlandschaft, taucht er auf: Donald Trump, der Präsident, inzwischen gezeichnet von den Jahren, gesundheitlich angeschlagen, in Berichten als Katheter-tragend beschrieben, doch politisch noch immer ein Phantom von beachtlicher Wirkmacht.

Man stelle sich ihn vor, in Mar-a-Lago, mit trübem Blick, aber messerscharfem Gedächtnis. Umgeben von Erinnerungen an Deals, an Abkommen, an geopolitische Seifenblasen. An seiner Seite: Jared Kushner, Schwiegersohn, Nahost-Architekt, Immobilienstratege. Der Mann, der Frieden in Quadratmeter übersetzt und den Gazastreifen als Wirtschaftsraum mit Potenzial entwarf. Jetzt, wo Bomben den Boden begradigen, wird aus der Vision ein „Projektgebiet“.

Und über Trump selbst? Vieles bleibt im Dunkeln – doch unter Analysten wird zunehmend laut, was bislang nur hinter vorgehaltener Hand gemurmelt wurde: Der Mossad könnte belastende Akten über Trump besitzen. Ein Druckmittel? Vielleicht. Ein Grund, weshalb sich der einstige Präsident so konsequent israelischen Interessen unterordnet? Möglich. Denn der „Persilschein“, den Trump Netanjahu immer wieder ausstellt – selbst entgegen den Einschätzungen amerikanischer Nachrichtendienste – lässt sich anders kaum mehr erklären.

Der Westen schaut zu. Vielleicht mit Irritation, vielleicht mit klammheimlicher Zustimmung. In Brüssel redet man von „Stabilität“. In Berlin von „Solidarität“. Doch zwischen den Zeilen liegt ein unausgesprochener Handel. Die Gleichung lautet:

  • Israel schafft Fakten – und träumt offen von einem Groß-Israel,
  • die USA sichern die Rückendeckung und erhalten im Gegenzug den Zugang zu iranischem Öl,
  • Deutschland liefert Präzision,
  • und der Iran – so wird gemunkelt – öffnet diskret seine Ölhähne.

Israel ist in diesem Szenario nicht der Verteidiger, sondern der Angreifer – mit langfristigem Plan, mit geostrategischem Kalkül, mit visionärer Rücksichtslosigkeit. Die Strategie lautet: militärische Überlegenheit, territoriale Ausdehnung, wirtschaftliche Kontrolle. Und all das unter dem Mantel eines Westens, der lieber strategisch wegsieht als moralisch einzugreifen.

Ein Kanal für den Westen. Ein Krieg für den Osten. Ein Deal für alle, die ihn aushalten.

Was bleibt? Vielleicht eines Tages ein Schiff, das durch Gaza fährt. Beladen mit Containern, flankiert von Sicherheitsdrohnen. Vielleicht Jared Kushner, der zur Eröffnung das Band durchschneidet. Vielleicht ein Donald Trump, der trotz Katheter eine Rede hält, die sich um Wirtschaft dreht, um Fortschritt, um Größe. Niemand wird dann fragen, woher der Beton kommt. Oder die Stille. Oder die Tränen.

Denn dieser Kanal ist nicht nur ein Bauwerk. Er ist ein Schnitt durch Weltbilder, durch Gerechtigkeitsgefühle, durch das, was einmal als „humanitär“ galt.

Quellenverzeichnis:

  1. The New Arab (2024): „Israel’s Ben-Gurion Canal: An old idea revived?“
  2. Israel Hayom (2023): „Israel’s canal plan aims to challenge Egypt’s Suez“
  3. Fair Observer (2023): „Could Israel build a canal through Gaza?“
  4. YouTube: „Israel Is Building A $55 BILLION Canal Through Gaza!?“
  5. Tagesschau.de (Juni 2024): „Merz zur Taurus-Frage: Lieferung an Israel nicht ausgeschlossen“
  6. Frankfurter Rundschau (2024): „Merz und die Taurus – gefährliche Rhetorik“
  7. Middle East Eye (2023): „Kushner and the business of peace“