Robert Habeck – der letzte Auftritt

Robert Habeck kann nicht leise gehen. Er ist kein Politiker der leisen Schritte, er war immer ein Politiker des Gestus. Und genau das merkt man auch in seinem Abgang. „Kein Gespenst durch die Flure des Bundestags“ wolle er sein, sagt er – und gießt damit seinen Rückzug in eine Metapher. Ein Dichter bis zuletzt, einer, der seine Politik stets in Worte kleidete, weil er nie recht wusste, wie man sie in Taten verwandelt.

Die Mainstream-Presse verabschiedet ihn mit milder Ehrfurcht. Die ZEIT titelt ein schlichtes „Schade“ – ein Seufzer, weichgespült, fast zärtlich. Franz Josef Wagner hingegen findet in seiner Bild-Kolumne ein groteskes Bild: Habeck als Joghurtbecher, einst prall gefüllt, nun leer, ausgespült. Absurdität und Wahrheit zugleich – Plastik statt Pathos, Verpackung statt Vermächtnis.

Habeck lebte von einer eigentümlichen Spannung: diesem fast reumütigen Blick, der vor allem in Talkshows Herzen erweichte, weil er tastend, verletzlich, ja schuldbewusst wirkte – und zugleich von einer moralischen Impertinenz, mit der er seine Überzeugungen vortrug. Er konnte lächeln, als wolle er Abbitte leisten, und im selben Moment so tun, als sei jede andere Position moralisch minderwertig. Dieses Wechselspiel zwischen poetischer Demut und hochmütiger Gewissheit war sein Markenzeichen – und zugleich sein größtes Problem.

Die Bilanz bleibt mager. Offene Grenzen, ein Heizungsgesetz, das als Hammer empfunden wurde, industriefeindliche Regulierung – mehr Verwerfungen als Werke. Legendär aber bleibt das Interview, in dem er nicht wusste, was eine Insolvenz ist. Ein Wirtschaftsminister, der an einem Grundbegriff stolperte, wie ein Schüler, der in der falschen Klasse sitzt. In diesem Moment kollidierte die Pose endgültig mit der Realität.

Es sind Bilder, die sich einbrennen: Habeck, der einst mit der Fähre aus dem Urlaub kam und nicht an Land gehen konnte – ein Symbol seiner Ratlosigkeit. Oder Baerbocks Bonmot: „Ich komme aus dem Völkerrecht, Robert kann was mit Hühnern und Schweinen.“ Ein beiläufiger Satz, der ihn für viele auf ewig als Provinzpoeten brandmarkte.

Und nun, im Abgang, poltert er noch einmal. Söder sei ein „wurstfressender Fetischist“, Klöckner eine Spalterin „mutwillig oder aus Dämlichkeit“. Kein staatsmännisches Schlusswort, sondern ein letzter, giftiger Monolog. Mehr Heine’sche Polemik als politische Analyse.

Seine Kanzlerkandidatur geriet am Ende zur Farce. Habeck, der lange als der eigentliche Hoffnungsträger der Grünen gehandelt wurde, musste zusehen, wie Annalena Baerbock an seiner Stelle ins Rennen ging – ein Entscheid, der mehr aus innerparteilichem Kalkül als aus Überzeugung geboren war. Was folgte, war ein Wahlkampf voller Pannen und Versäumnisse, in dem Habeck selbst die Rolle des Statisten spielte. Statt den Anspruch auf die Kanzlerschaft zu verkörpern, wirkte er wie einer, der das Rampenlicht scheut und sich doch nach ihm sehnt. Gerade in diesem Moment offenbarte sich die ganze Widersprüchlichkeit seines politischen Daseins: der Mann des Gestus, der Dichter der Moral, blieb auf der Strecke, als es um die nüchterne Mechanik der Macht ging.

Doch sein Weg endet nicht. Schon ruft er Berkeley, Stockholm, Kopenhagen. Akademische Bühnen, besser bezahlt, internationaler Glanz. Er inszeniert seinen Rückzug wie eine Fortsetzungsgeschichte – der Dichter in der Politik, der nun wieder zur Sprache zurückkehrt. Selbst der Abgang ist für ihn eine Rolle, die er spielt.

Die Grünen verneigen sich. Der Nachwuchs bleibt zurück, orientierungslos, huldigend, beinahe demütig. Und das Land erinnert sich an einen Mann, der sich mit Deutschland nie identifizieren konnte, der die Nationalhymne im Bundestag nicht mitsang, dem Patriotismus fremd blieb.

So endet Robert Habecks politische Laufbahn, nicht sein berufliches Leben. Was bleibt, ist die Figur eines Polit-Poeten, der nicht leise gehen konnte, weil Gestus immer sein einziges Kapital war – und der genau damit ein Land prägte, überforderte und spaltete.

Ikone Merkel – eine Reportage als Prozession

Merkels Erbe – 10 Jahre wir schaffen das“ nennt sich die ARD-Reportage. Doch während sie die Kanzlerin verklärt, zahlt Deutschland bis heute täglich den Preis: in überlasteten Schulen, überforderten Behörden, auf den Straßen, wo Gewalt und Unsicherheit längst zum Alltag gehören.

Schon die erste Kameraeinstellung ist ein Statement: ein Mann mit erwartungsvollem Gesichtsausdruck hält ein Foto von Angela Merkel in die Höhe, als wäre es eine Ikone. Hier wird der Migrationspolitik der Kanzlerin ein quasireligiöser Charakter verliehen. Die ARD-Sendung „Merkels Erbe – 10 Jahre wir schaffen das“ rückt vom ersten Moment an Merkels Credo ins gleißende Licht. Erwartungsvolle Migranten, die ins Dritt-, Viert- oder gar Fünftland Deutschland gekommen sind, tragen das Bild „Mama Merkels“ wie ein heiliges Symbol. Eine Million Menschen kamen – eine Völkerwanderung, die in der Reportage verklärt wird, als sei sie eine moralische Offenbarung.

Immerhin dürfen überforderte Grenzbeamte zu Wort kommen. Doch ihr Auftritt bleibt oberflächlich, eher Staffage als Aufklärung. Ja, der Kontrollverlust wird angedeutet – überfüllte Autobahnen, Schleuser, die durchschlüpfen, Beamte am Limit –, aber er wird nicht wirklich benannt, nicht seziert. Es ist ein dramaturgisches Alibi, das die Inszenierung der Hilflosigkeit zwar zulässt, aber nicht weiterführt. Stattdessen kehrt die Kamera rasch zurück in die vertraute Erzählung der Wohltat.

Schon früh stellt Zamperoni die große Frage: „Hat Angela Merkel Deutschland überfordert?“ Die Antwort liegt auf der Hand. Nein, sie hat nicht nur überfordert, sie hat die Nation in ihren Grundfesten erschüttert. Doch Zamperoni präsentiert Merkel von Beginn an als Retterin. Sie, die durch die Eurokrise geführt habe. Sie, die die Wehrpflicht ausgesetzt habe. Sie, deren „Wir schaffen das“ man ihr angeblich um die Ohren gehauen habe. Während Merkel lakonisch klagt, sitzt Zamperoni huldvoll da – nicht als Journalist, sondern als Schüler. Und wenn Merkel erklärt, „wir“ seien vor einer großen Aufgabe gestanden, bleibt offen, wen sie mit „wir“ meinte. Denn gefragt hat sie niemanden. Sie öffnete die Grenzen im Alleingang, verstieß gegen geltendes Recht, stellte Dublin-Regeln und Artikel 16a praktisch außer Kraft. Davon kein Wort.

Ihre Antwort auf die Überforderungsfrage: „Das glaube ich nicht.“ So emotionslos, so entrückt, dass sie nur von einer kommen kann, die die deutsche Realität im öffentlichen Raum längst nicht mehr kennt. Sie hätte geltendes Recht durchsetzen können. Stattdessen ließ sie ein Heer der Namenlosen ein, oft ohne Pass, aber fast immer mit Smartphone. Orban wurde zum Feindbild stilisiert, der Bösewicht, während Merkel sich selbst als Mutter Teresa inszenierte.

In Passau zeigt die Kamera die Grenzpolizei. Zamperoni kommentiert: „Der Freistaat Bayern leistet sich sogar eine eigene Grenzpolizei.“ Der Unterton: befremdlich, fast verdächtig. Doch eigentlich müsste genau das der Normalfall sein – ein Staat, der seine Grenzen schützt. Die Beamten berichten von Schleusern, die damals, 2015, über die Autobahnen rollten. Aber die Reportage lenkt sofort zurück: nicht der Rechtsbruch, nicht die Polizei steht im Zentrum, sondern erneut die Figur des Flüchtlings.

Zamperonis ideologischer Kommentar: „Eigentlich war ja die Idee eines vereinten Europas, dass die Grenzen offen sind.“ Ein Satz, der wie ein Glaubensbekenntnis klingt. Dass offene Grenzen den Rechtsstaat zersetzen und die Gesellschaft spalten, bleibt unausgesprochen.

Dann Schwäbisch Gmünd: einst Willkommenshochburg, heute der Kipppunkt erreicht. Der Bürgermeister gesteht es ein. An der Mozartschule haben 80 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. sogenannte Flexi-Klassen für Sprachlernende senken das Niveau. Doch die ARD zeigt wenig später den einen Vorzeigesyrer, der längst in der Krankenpflege arbeitet und inzwischen sogar selbst unterrichtet. Eine Ausnahme wird zur Regel verklärt, während die Statistik nüchtern belegt: 2020 bezogen noch 65 Prozent der Geflüchteten Hartz IV, 2023 sind nur knapp die Hälfte überhaupt erwerbstätig – vielfach in prekären Jobs. Duisburg-Marxloh, andere Problemviertel: sie bleiben unsichtbar.

Die Realität wird zwar szenisch angedeutet – ein Augenzeuge hier, ein Polizeibericht da –, doch das Ganze ist weit mehr. Es ist keine „gefühlte Unsicherheit“, wie Politiker gern sagen, sondern eine reale: Messerattacken auf Polizisten und Mitbürger, Viertel, die längst gekippt sind, strukturelles Behördenversagen, alleingelassene Beamte an Grenzen und Bahnhöfen. Ein Land, das preisgegeben wurde – nicht aus Notwendigkeit, sondern aus einem moralischen Überschwang, der Maß und Mitte verloren hat.

Besonders deutlich wird die Schieflage in Köln. Zamperoni reist zur Kulisse der Silvesternacht 2015/16, wo hunderte Frauen Opfer sexueller Übergriffe wurden. Doch die Opfer selbst kommen nicht zu Wort. Keine Stimmen, keine Gesichter, keine Tränen. Alles wird nüchtern, fast wissenschaftlich-emotionslos erzählt, so als handle es sich um eine abstrakte Fallstudie. Hier verschwinden die Betroffenen hinter Zahlen und Begriffen, wo eigentlich Empathie geboten wäre.

Gleichzeitig zieht sich durch die gesamte Reportage ein anderes Muster: Emotionalität ist durchaus gewollt, aber nur einseitig – beim Migranten. Dessen Erlebnisse, Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte dürfen ausführlich geschildert werden. Die Opfer deutscher Realität dagegen bleiben gesichtslos. Diese Schieflage ist kein Zufall, sondern Teil der Dramaturgie.

Betonpoller auf Marktplätzen sind heute selbstverständlicher als Blumenkübel. Vor 2015 kannte man sie nicht. Sie sind Mahnmale im öffentlichen Raum. Doch in der Reportage werden islamistische Anschläge nüchtern genannt, während am Ende zum „großen Finale“ der Reportage – wie eine Pflichtübung – die plakative „rechte“ Gewalttat präsentiert wird. Ohne Kontext, ohne Tiefe, aber mit dramaturgischer Wucht: Denn das Gleichgewicht muss gewahrt bleiben, Merkel darf nicht im Schatten stehen.

Und die AfD? Sie wird inszeniert wie der eigentliche Störenfried. Nicht als politische Kraft mit Argumenten, sondern als Problem, als dunkles Feindbild, das der moralischen Lichtgestalt Merkel gegenübergestellt wird.

Von der ökonomischen Überforderung kaum ein Wort. Über 150 Milliarden Euro hat die Migrationspolitik seit 2015 verschlungen, allein 2022 rund 27 Milliarden – mehr als der gesamte Verteidigungshaushalt. Kommunen ächzen, Schulen sind überlastet, Sozialkassen angespannt. Doch all das bleibt im Schatten.

Ein Leitmotiv von Merkels Politik war stets die vermeintliche „Alternativlosigkeit“. In Wahrheit jedoch handelte es sich nicht um nüchterne Notwendigkeit, sondern um Merkelschen Absolutismus: eine Herrschaftsform, die jede Diskussion abwürgte, Widerspruch moralisch disqualifizierte und ihre Entscheidungen als einzig mögliche Wahrheit präsentierte.

Am Ende wirkt Zamperoni wie ein fragender Schüler, der Zusammenhänge nicht versteht, nicht wie ein investigativer Journalist. Merkel dagegen bleibt unberührt, unbefleckt, entrückt in ihrem Embryo. Eine Kanzlerin, die nichts bereut, nichts erkennt – die Totengräberin der Nation, verklärt im Lichterkranz, während ihr „Wir“ ein Phantom bleibt, das niemand gefragt hat.

So ist „Merkels Erbe – 10 Jahre wir schaffen das“ kein Dokument, sondern eine Messe. Keine Analyse, sondern eine Huldigung. Eine Heiligenlegende, die Chaos, Rechtsbruch, Kosten und Gewalt übertüncht – und Angela Merkel zur Ikone erhebt. In Wahrheit ist es Propaganda: der Versuch, den braven Spießbürger jenseits der Sechzig einzulullen, ihn mit sakralen Bildern zu besänftigen und von der Realität fernzuhalten.

Der Schuss von Völklingen – Ein deutscher Totentanz

Es gibt Städte, die tragen den Niedergang in ihrer Architektur. Völklingen gehört zu jenen Orten, deren Häuser und Plätze wie Kulissen wirken, abblätternde Haut einer vergangenen Epoche. Die Hütte – einst der pochende Herzschlag der Stadt – steht still, als rostiges Mahnmal industrieller Hybris, UNESCO-Welterbe, aber im Grunde nur Grabstein. Man geht durch die Innenstadt und sieht: geschlossene Läden, verwahrloste Fassaden, eine Straße, die nach Stillstand riecht. Nur das Rascheln der Reklamezettel, die der Wind durch die Gassen bläst, gibt dem Ganzen noch ein Stück Bewegung. Wer diesen Ort kennt, weiß: Er ist Symbol. Symbol für den deutschen Abstieg, für die Provinz, die längst zur Kulisse des globalen Experiments gemacht wurde. Und genau hier, am Donnerstagabend, an einer Tankstelle auf der Karolinger-Brücke, geschah das, was die Republik erschüttern müsste: ein Polizist, im Dienst, erschossen – von einem 18-Jährigen mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit aus dem Regionalverband Saarbrücken.

Die ersten Schlagzeilen sprachen nüchtern von einem „Mann“. Ein Mann habe die Tankstelle überfallen. Ein Mann sei gestellt worden. Ein Mann habe die Waffe eines Polizisten entrissen. Ein Mann habe geschossen. Die neutrale Kategorie „Mann“, die keine Hautfarbe kennt, keine Herkunft, kein Gesicht. Ein Gespenst also, das ohne Konturen in die Berichterstattung hineinweht. Die Medien haben gelernt, wie man verschweigt, indem man benennt. Sie verschleiern im Schein von Transparenz. Sie geben Fakten preis, die eigentlich nur Masken sind. Und so bleibt das Wesentliche unausgesprochen.

Die Wirklichkeit aber schreit. Ein Polizist, ein 34-jähriger Oberkommissar aus Saarlouis, ein Repräsentant des Staates, liegt an Boden, tot. Ein Familienvater vielleicht, ein Sohn, ein Freund, jemand, der seine Schicht antritt, um Ordnung zu bewahren, und nicht mehr heimkehrt. In Homburg stirbt er, und das Land verharrt in betretenem Schweigen. Natürlich: die pflichtschuldigen Kerzen, die digitalen Trauerflammen in den sozialen Medien, die Schwarzweißfotos mit durchsichtigen Parolen. „In Gedanken bei der Polizei.“ „Danke für euren Dienst.“ Doch dahinter: nichts. Kein Aufschrei, keine wirkliche Wende, keine Erkenntnis. Nur die ritualisierte Betroffenheit, die so sicher abläuft wie der Wetterbericht.

Man stelle sich das gleiche Szenario umgekehrt vor: Hätte ein Deutscher einen Mann mit Migrationshintergrund erschossen, die Titelseiten wären in grellem Neon erleuchtet, die Talkshows vollgestopft mit Empörung, die Kanzlerreden schon in der Vorbereitung. Man hätte von strukturellem Hass gesprochen, vom Gift der Rechten, von der Bedrohung der Demokratie. Doch nun? Ein Polizist ist tot, und die Täterherkunft bleibt lange im Nebel. Das Muster ist zu durchsichtig, als dass man noch von Zufall sprechen könnte.

Das Schweigen der Medien
Die Sprachregelung ist längst institutionalisiert. Wer „Mann“ schreibt, kaschiert nicht die Unkenntnis, sondern den Willen zum Verschweigen. Die Pressestellen haben gelernt, wie man das Schweigen als Tugend ausgibt: Man wolle keine Ressentiments schüren, keine falschen Stimmungen erzeugen. Doch genau das tun sie. Sie verschweigen, um das Bild zu wahren, und zerstören dabei das letzte Vertrauen.

Es ist ein Mechanismus der Immunisierung: Wer nachfragt, wer das Verschweigen kritisiert, gilt als „rechts“. Und rechts heißt in Deutschland: vogelfrei. Wer die Herkunft benennt, riskiert Ausgrenzung, Berufsverbot, soziale Ächtung. Es ist also nicht nur der Täter, der die Waffe in der Hand hatte, sondern auch jene Kultur des Verschweigens, die ihm die Bühne bereitet. Denn es ist diese Gesellschaft, die seit 2015 eine Migration in gigantischem Maßstab nicht nur duldet, sondern feiert, ja fast religiös verklärt.

Die Flüchtlingskrise wurde nicht gelöst, sondern eingefroren. Der Ausnahmezustand wurde zur neuen Normalität. Millionen sind gekommen, und Millionen bleiben. Auch wenn es in diesem Fall ein Deutsch-Türke war: Das Land verändert sich, und die Medien tun so, als sei alles gleich geblieben. Das Feuilleton dichtet über Käsewerbungen, Gendersternchen und die Vorzüge einer offenen Gesellschaft, während draußen Städte verfallen, Beamte sterben und Straßenzüge unkenntlich werden.

Völklingen ist nicht Berlin, nicht Duisburg-Marxloh, nicht das überbelastete Neukölln. Es ist die Provinz, die Kleinstadt, der Ort, den man einst Heimat nannte. Und genau hier, wo man dachte, der Alltag sei sicherer, wird die neue Realität sichtbar. Der Täter, der die Dienstwaffe entreißt, ist nicht nur ein Verbrecher, er ist auch Metapher: für das Entreissen eines ganzen Landes. Deutschland, das einst selbst Herr seiner Waffen war, gibt sie jetzt aus der Hand.

Das postindustrielle Desaster
Wer Völklingen kennt, erinnert sich an die florierende Zeit. An Geschäfte, die sich wie Perlen auf einer Kette durch die Straßen zogen, an eine Stadt, die nicht nur von Arbeit, sondern auch von Kultur lebte. Heute steht nur noch das Erbe – und auch das wie ein hohler Schädel. Die Hüttenarbeiter sind verschwunden, und mit ihnen jene Schicht, die Halt, Ordnung und Stolz repräsentierte. Zurück blieben Arbeitslosigkeit, Brüche, verlorene Biografien.

In diese Brüche strömen die neuen Massen. Wer nichts hat, der wird zum Experimentierfeld derer, die im Überfluss leben. Das Bürgertum, das in seinen Villenvierteln sicher wohnt, feiert die „bunte Gesellschaft“, die „Vielfalt“ und das „Neue“, während die alten Industriestädte die Zeche zahlen. Die Tankstelle wird so zum symbolischen Tatort: der Ort des Transits, des Durchgangs, wo Waren fließen, Menschen anhalten, Geld in Benzin verwandeln. Hier kollidiert die Realität mit der Illusion.

Die linke Identitätspolitik
Es ist bezeichnend, dass die Linke – jene, die sich noch immer als moralische Avantgarde versteht – längst ihre Substanz verloren hat. Die Kritik an der ökonomischen Ungleichheit, an den Strukturen des Kapitals, ist ersetzt durch eine infantile Begeisterung für Diversität. Statt das Proletariat zu verteidigen, verteidigt man nun Identität. Der neue Klassenkampf heißt „Antirassismus“. Und dieser Antirassismus bedeutet in Wahrheit: die Abwertung des Eigenen, die Preisgabe der Heimat, die Zerstörung des Sozialen.

Man sieht es an den Reaktionen. Während ein Polizist stirbt, feiern sich die sogenannten Linken für eine Werbekampagne von Milram. Sie feiern sich für ihren Gratis-Mut – aber nur so lange, wie sie nicht selber betroffen sind. Der Käse wird zur Projektionsfläche für die letzten politischen Gefühle, während Blut auf den Straßen fließt. Es ist eine perverse Verschiebung: das Nebensächliche wird zum Zentrum, das Wesentliche verschwindet im Schatten. Die Linke dreht sich um sich selbst. Eine saturierte Wohlstandsgeneration – insbesondere jene zwischen 25 und 35 Jahren – feiert sich für ihren Gratis-Mut, dabei sind sie träge auch gedanklich.

Die Rituale der Betroffenheit
Nun tauschen all jene ihre Profilbilder aus, die sonst am lautesten gegen „rechts“ schreien. Sie hüllen sich in Blau und Schwarz, sie setzen Hashtags, sie zeigen Betroffenheit. Doch was sie nicht zeigen, ist Konsequenz. Denn Konsequenz hieße: den Kurs zu ändern, den Irrtum einzugestehen, die Tore zu schließen. Stattdessen halten sie an den Ritualen fest. Ein paar Kerzen, ein paar Tränen, dann weiter wie bisher.

Diese Rituale sind nichts anderes als die liturgischen Handlungen einer säkularen Religion. Sie ersetzen den Glauben an Gott durch den Glauben an die bunte Gesellschaft. Jeder Tote, jeder Einzelfall wird weggelächelt mit der Formel: „Darf nicht instrumentalisiert werden.“ Doch was ist es anderes als Instrumentalisierung, wenn man gleichzeitig jede Abweichung nach rechts sofort als Gefahr für die Demokratie brandmarkt?

Und die Wähler von CDU und SPD? Sie werden bald wieder Seite an Seite marschieren, organisiert von denselben Apparaten, die seit Jahrzehnten jede echte Alternative niederhalten. Sie werden „Demokratie“ rufen, wenn sie „Macht“ meinen. Sie werden gegen rechts demonstrieren, als sei dort die Gefahr, während ihre eigenen Entscheidungen das Land erodieren ließen. Es ist eine Heuchelei von gigantischem Ausmaß: die Heuchelei jener, die die Türen öffneten, die Realitäten verdrängten, und die nun so tun, als seien sie die Hüter des Rechtsstaates.

Es gibt eine neue Realität, die nicht mehr zu leugnen ist. Sie ist da in Duisburg, sie ist da in Frankfurt, sie ist da in Völklingen. Man sieht sie in den Straßenzügen, in den Schulklassen, auf den Polizeistatistiken. Man sieht sie in den Toten. Doch die Elite weigert sich, diese Realität anzuerkennen. Sie lebt in abgeschotteten Milieus, die noch nicht betroffen sind. Sie konsumiert Vielfalt wie ein Modeprodukt, während die unteren Schichten das Chaos ertragen müssen.

Die neue Realität ist nicht bunt, sie ist grau. Sie ist nicht vielfältig, sie ist gespalten. Sie bringt nicht Kultur, sondern Konflikt. Und sie ist nicht aufzuhalten, solange man sie nicht benennt. Völklingen ist nicht Ausnahme, es ist Vorbote.

Zwischen den Milieus
Bemerkenswert ist daran vor allem eines: Selbst im migrantischen Milieu entstehen qualitative Unterschiede. Zwischen jenen, die arbeiten, sich eingliedern, Teil des Ganzen werden – und jenen, die das Land nur als Beute betrachten. Wer genau hinsieht, erkennt: Es bricht nicht nur die alte Ordnung, sondern auch die Illusion von einer homogenen „Vielfalt“. Selbst inmitten der Buntheit entstehen Linien, Brüche, Abgrenzungen. Und manchmal sprechen sie klarer aus, was die Einheimischen nicht mehr zu sagen wagen.

Der Schuss, der an diesem Donnerstag fiel, ist mehr als eine Kugel aus einer Dienstwaffe. Er ist das Geräusch einer Nation, die aufwacht – oder einschläft. Er ist der Knall, der zeigt: Ordnung ist nicht mehr selbstverständlich, Sicherheit nicht garantiert. Er ist die Metapher für einen Staat, der seine Beamten nicht mehr schützen kann, weil er seine Bürger nicht schützen will.

Der Polizist ist nicht nur Opfer, er ist Symbol. Er steht für all jene, die an der Front stehen, während die Ideologen in den Redaktionsstuben das Vokabular sortieren. Er steht für jene, die Ordnung aufrechterhalten sollen, während dieselbe Ordnung unterwandert wird. Er steht für ein Deutschland, das sich selbst die Waffen entreißen lässt.

Die letzte Stunde
Völklingen ist ein Denkmal. Ein Denkmal für die industrielle Blüte, ein Denkmal für den Niedergang, ein Denkmal für den Irrweg einer Gesellschaft, die sich selbst verneint. Man könnte sagen: Hier zeigt sich die letzte Stunde. Denn wenn selbst die Provinz nicht mehr sicher ist, wenn selbst die Tankstelle an der Brücke zum Tatort wird, dann ist das, was folgt, keine Frage mehr von ob, sondern nur noch von wann.

Die Medien werden weiter schweigen, sie werden weiter „Mann“ schreiben, sie werden weiter leugnen. Die Politik wird weiter beschwichtigen, weiter beschönigen, weiter zerstören. Und das Volk? Es wird weiterleben, weiterarbeiten, weiterschweigen – bis der nächste Schuss fällt.

Der Preis der Unterwerfung: Milliarden, Moral und Machtverlust

von Andreas M. Altmeyer

Sie kamen, wie man nicht kommen sollte: als Abgesandte eines einst mächtigen Kontinents, der inzwischen mehr glaubt als rechnet. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, landete nicht in Washington, nicht in Brüssel, sondern in Turnberry, Schottland – in einem Golfressort, das Donald Trump gehört. Das Bild sprach Bände, lange bevor das erste Wort fiel. Es war nicht das Setting einer Verhandlung. Es war ein Auftritt in fremdem Haus. Und man spürte: Wer hier unterschreibt, der nimmt nicht teil. Der gehorcht.

„It’s a fair deal. Europe needs us more than we need them,“ sagte Trump – und grinste. Die Presse notierte brav die neuen Zollsätze: 15 Prozent auf europäische Exportgüter in die USA. Fünf Prozent mehr als zuvor. Ein bisschen mehr Druck auf deutsche Autos, Maschinen, Pharmaerzeugnisse. Nichts, was nach Krieg klang. Doch der Zuwachs war bloß der Vorwand. Der eigentliche Vertrag, unterzeichnet auf Rasenhöhe, enthielt Verpflichtungen, die Europa in den kommenden Jahrzehnten binden werden wie ein Schuldschein.

Erstens: 750 Milliarden Dollar für Energieimporte aus den USA – vorzugsweise Fracking-Gas. Verflüssigt, verschifft, teuer. Politisch gesichert, wirtschaftlich fragwürdig. Man hätte auch fragen können, ob man nicht wieder mit Russland verhandelt. Doch das ist ausgeschlossen. Russland existiert außenpolitisch nur noch als Negativform. Was zählt, ist Gesinnung – nicht Versorgungssicherheit.

Zweitens: 600 Milliarden Dollar an Investitionen europäischer Konzerne in die USA. Fabriken, Entwicklungszentren, Forschung. Kapital, das hier fehlt, fließt dorthin, wo man noch planen darf. Trump nennt das „America First“. Und Europa nickt.

Drittens: neue Zusagen im Bereich US-Rüstungsbeschaffung und Technologie. Man kauft, was man selbst nicht mehr entwickelt – weil einem der eigene industrielle Boden längst zu unbequem geworden ist. Der technologische Rückstand wird nicht aufgeholt, sondern formalisiert.

Und mitten in all dem sagt Trump, fast beiläufig, aber unmissverständlich: „Wind turbines are a crime against beauty and common sense. We won’t allow them anymore.“ In einem Satz demoliert er die heilige Kuh der deutschen Energiepolitik. Kein Windrad mehr in Amerika. Kein Verspargeln der Landschaft. Kein blindes Vertrauen in Wetter und Wohlwollen. Stattdessen: Öl, Gas, Kohle. Und Macht.

Währenddessen feiert man hierzulande weiter den Netzausbau. Rechnet Stromtrassen durch Wälder. Verbietet Verbrennungsmotoren. Erzählt sich Geschichten vom Wasserstoffland. Und macht sich abhängig – von einem Partner, der längst weiß, dass die Abhängigkeit asymmetrisch ist.

Die wirtschaftlichen Folgen sind konkret, nicht nur symbolisch. Die fünf Prozentpunkte höhere Zollbelastung kosten Deutschland über zwölf Milliarden Euro jährlich an Exporteinbußen. Doch das ist nur die Spitze. Die verpflichtenden Energieimporte wirken wie eine neue Steuer: höherer Einkaufspreis, höhere Infrastrukturkosten, Währungsrisiken. Und mit ihnen steigt die Wahrscheinlichkeit neuer Inflation. Denn Energie ist das Fundament – wird sie teurer, steigen Mieten, Lieferkettenpreise, Lebensmittel. Die Notenbanken wissen das. Aber sie werden wieder zu spät kommen.

Noch gravierender: die Kapitalverlagerung. Wenn 600 Milliarden Dollar europäisches Investitionsvolumen in die USA wandern, fehlen sie in Thüringen, Baden-Württemberg, dem Piemont. Es sind nicht nur Buchungen. Es sind verlorene Arbeitsplätze, nicht gegründete Start-ups, stillgelegte Werke. Man entkernt sich selbst, ohne Widerstand.

Und dabei sitzt das Messer längst auch auf der Innenseite. Das politisch verordnete Ende des Verbrennungsmotors ist der ökonomische Selbstmord in Raten. Kein Land der Welt hat seine Hauptindustrie so rigoros entkernt wie Deutschland. Kein Konzern kann mehr langfristig planen, wenn Minister mit Ideologie statt mit Ingenieursverstand regieren. „Wir stehen vor einer Zeitenwende im Verkehrssektor“, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Aber niemand sagt, wie das ökonomisch zu bewältigen ist.

Hinzu kommt das Lieferkettengesetz – ein Meisterwerk politischer Realitätsverweigerung. Es verpflichtet deutsche Mittelständler dazu, ihre gesamten internationalen Zulieferketten auf Menschenrechte, Umweltstandards und Sozialverhältnisse zu prüfen – mit juristischer Haftung. Ein Unternehmer in Bayern soll wissen, ob der Gummi aus Vietnam unter korrekten Bedingungen gewonnen wurde. Wer das nicht garantieren kann, haftet. Das ist nicht Moral – das ist Sabotage mit Paragraph.

Und als wäre das nicht genug, zersetzt die Migrationspolitik das Fundament der Produktivität. Über dreißig Milliarden Euro jährlich fließen in Sozialtransfers, Unterkünfte, Integrationsprogramme. Doch die Erwerbsquote unter Zugewanderten stagniert. Die Zahl der Leistungsempfänger steigt. Die Bildungsmisere verschärft sich. Der Sozialstaat wird zur Umverteilungsmaschine ohne Rückkopplung. „Wir investieren in Menschen“, sagt die Regierung. Aber sie verschweigt: Viele dieser Investitionen tragen keine Zinsen. Und noch weniger Rendite.

Die Wachstumszahlen Europas lesen sich inzwischen wie stille Notrufe: kaum zwei Prozent, bei gleichzeitig explodierenden Staatsausgaben, demografischem Druck und Fachkräftemangel. Doch statt auf Reindustrialisierung zu setzen, zieht man sich zurück – in Regulierungen, in Schulden, in Selbstberuhigung.

Frankreichs Premier François Bayrou nannte den Deal von Turnberry einen „dunklen Tag für Europa“. In Berlin war von einem „pragmatischen Kompromiss“ die Rede. Ein Vertreter des deutschen Industrieverbands erklärte im Deutschlandfunk: „Wir haben Schlimmeres erwartet.“ Das ist der Ton, in dem man Niederlagen begrüßt – als wären sie Naturgewalten.

Und Ursula von der Leyen? Sie gratulierte Trump. Nicht etwa verlegen, sondern beinahe mit Stolz. Als hätte sie einen Coup gelandet. Als wäre geopolitische Abhängigkeit eine Form von Erfolg.

Doch es gibt Alternativen. Lösungswege. Und sie beginnen mit einem mentalen Reset: Die Rückkehr zur Realpolitik, zum Primat der Interessen. Europa muss seine Energiepolitik entideologisieren und Versorgungssicherheit wieder vor ideologische Reinheit stellen. Das bedeutet: Re-Öffnung zu Russland prüfen, neue Pipelines denken, strategische Lager aufbauen.

Zweitens: Die Industrie entlasten, nicht entmündigen. Das heißt: Schluss mit Bürokratismus wie dem Lieferkettengesetz. Schluss mit technologiefeindlichen Dogmen. Schluss mit CO₂-Bepreisung als Religion. Forschung fördern, nicht verbieten. Planungshorizonte wieder eröffnen.

Drittens: Die Migration ordnen. Grenzen kontrollieren. Integrationsanstrengungen an Leistung koppeln. Wer dauerhaft bleiben will, muss beitragen. Wer nicht beiträgt, darf nicht dauerhaft bleiben. So funktioniert jeder tragfähige Sozialstaat.

Und schließlich: die Rückkehr zum Europa der Vaterländer. Kein dirigistischer Block, keine moralische Großmaschine, sondern ein Bündnis souveräner Staaten, die gemeinsam handeln, aber einzeln entscheiden. Das hieße: Verträge nur dann unterschreiben, wenn sie von beiderseitigem Interesse sind. Und bei einem „Deal“ wie dem von Turnberry nicht klatschen – sondern aufstehen und gehen.

Denn wer weiterhin unterschreibt, während er verliert, und gratuliert, während er zahlt, darf sich nicht wundern, wenn er bald nur noch Zuschauer ist – im Spiel um seine eigene Zukunft.

Gegen uns, für die Anderen

Wie die Linke Herkunft verteidigt – solange sie nicht deutsch ist

Sie sprechen nicht unsere Sprache, aber sie wissen, wer sie sind. Wenig wirkt im politischen Raum unserer Tage so verstörend schön wie die stille Kraft ethnischer Selbstgewissheit in einer Gesellschaft, die ihr eigenes Spiegelbild nur noch unter Vorbehalt betrachtet. Während sich das saturierte Deutschland in Selbstkritik ergießt, seine Traditionen dem Zeitgeist opfert und im letzten Zweifel am eigenen Daseinsrecht zerschellt, formieren sich inmitten seiner Städte Lebenswelten, die vor allem eines kennen: Herkunft. Stolz. Geschlossenheit. Die Migranten betreiben Identitätspolitik – nicht auf Podien, nicht in Leitsätzen, sondern durch Dasein. Durch Sprache. Durch Wahlverhalten. Durch die Unmissverständlichkeit eines „Wir“.

Die politische Linke hat diesen Tribalismus erkannt. Und sie hat ihn nicht bekämpft – sie hat ihn adoptiert. In einer Welt, in der die autochthone Mitte zusehends verwaist, erscheinen migrantische Kollektive als rettende Klientel. Sie bringen Wählerstimmen, kulturelle Vitalität, moralische Immunität – und vor allem: klare Zugehörigkeit. Die Linke, einst Anwältin des Allgemeinen, ist zur Kuratorin des Besonderen geworden. Und das mit bewundernswerter Konsequenz.

Diese paradoxe Verwandlung – dass die Linke, die sich traditionell gegen ethnisches Denken wendet, es nun selbst betreibt, solange es sich nicht auf das Eigene bezieht – ist die Kernaussage dieses Textes. Denn während die Rechte sich dem Eigenen verschreibt und dafür gesellschaftlich exkommuniziert wird, inszeniert sich die Linke als Schutzmacht der Anderen – und betreibt dabei genau jene identitäre Politik, die sie der Rechten als Ungeheuerlichkeit vorwirft. Es ist keine bloße Umkehrung – kein vice versa im eigentlichen Sinn. Denn während die Rechte das Eigene verteidigt, bestärkt die Linke das Andere – aber sie tut es nicht als spiegelbildliches Gegenüber, sondern in asymmetrischer Abwertung des Eigenen zugunsten des Fremden. Die politische Linke betreibt keine gerechte Differenzpolitik – sie betreibt eine parteiliche Bevorzugung. Was sie der Rechten als Ethnozentrismus vorwirft, lebt sie selbst – nur aufseiten des Nicht-Deutschen.

„Identität ist nicht das, was uns von anderen trennt, sondern das, was uns mit uns selbst verbindet“, schreibt Alain de Benoist. Und genau das ist es, was unter der Oberfläche unserer Zeit geschieht: eine stille, oft unbewusste Rückkehr zur Herkunft – nicht rational erzwungen, sondern instinktiv getragen. Auch und gerade bei der Linken, unserem politischen Gegner.

In einer Gesellschaft, die das Deutsche marginalisiert und zugleich das Nicht-Deutsche idealisiert, beginnt sich ein tiefer Riss zu zeigen. Der universalistische Bürger ist müde geworden – das kulturelle Selbst drängt zurück ins Bewusstsein. Was lange als Gefahr galt – Herkunft, Prägung, kollektive Erinnerung – wird wieder zum Zentrum. Nicht im Geist der Abgrenzung, sondern im Sinn der Selbstgewissheit.

Im Jahr 2024 lag der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Ortsteil Neukölln bei über 58 %. Noch 2008 lag dieser Anteil unter 30 %. Parallel dazu ist der Anteil an ausländischen Staatsbürgern im gesamten Bezirk auf knapp 29 % gestiegen. Die soziale Zusammensetzung hat sich in kurzer Zeit tiefgreifend verändert – nicht als Folge organischer Integration, sondern als Ausdruck einer wachsenden kulturellen Abspaltung.

Diese Entwicklung wäre nicht problematisch, würde sie nicht von realen sozialen und sicherheitspolitischen Spannungen begleitet. Neukölln gilt seit Jahren als Schwerpunkt arabischstämmiger Clankriminalität. Familien wie die Remmos oder Abou-Chakers verfügen nach Erkenntnissen der Berliner Polizei über ein weitverzweigtes Netzwerk illegaler Aktivitäten – von Drogen- und Waffenhandel bis hin zu Geldwäsche, Raub, Schutzgelderpressung und Gewalt gegen Sicherheitsbehörden. 2023 wurden berlinweit 1.063 Straftaten mit Clanbezug erfasst – der Großteil davon konzentriert sich auf Neukölln.

Symbolhaft steht hierfür die sogenannte Remmo-Villa in Alt-Buckow: 2018 vom Staat beschlagnahmt, als Signal an die Öffentlichkeit, später jedoch größtenteils an die Eigentümer zurückgegeben. Der Rechtsstaat hat sich sichtbar zurückgezogen – nicht aus Feigheit, sondern aus struktureller Überforderung.

Zugleich verschiebt sich die öffentliche Sprache. Wenn in Berliner Freibädern Straftaten vermehrt auftreten, richtet sich die Prävention oft nicht an die Täter, sondern an die potenziellen Opfer – mit Appellen zur Rücksichtnahme und Deeskalation.

All das ist keine bloße Überforderung urbaner Politik. Es ist Ausdruck einer politisch-ideologischen Entscheidung: das Fremde als schützenswert, das Eigene als überwindungswürdig zu definieren. Neukölln ist nicht die Ausnahme – es ist das Muster.

Alain Finkielkraut formuliert es glasklar: „Der Westen predigt Individualismus, aber das migrantische Bewusstsein ist kollektivistisch.“ Es lebt in der Familie, im Viertel, im Gotteshaus. Es ist keine Theorie – es ist Lebenspraxis.

Diese Lebenspraxis ähnelt frappierend dem, was konservative Theoretiker wie Frank Krämer als „mentale Fundamente“ bezeichnen. Krämer schreibt: „Der Krieger zeichnet sich durch Ehre und Disziplin aus … er ist in der Lage, seine Impulse zu kontrollieren.“ Und weiter: „Man kann es am besten mit einem Wort beschreiben: Wahrhaftigkeit. […] Es geht um das Umsetzen von Überzeugungen, und darum, überzeugt zu sein, dass es das Richtige ist – auch und vor allem selbst dann, wenn eine vermeintliche Mehrheit anderer Meinung ist.“

In migrantischen Milieus finden sich genau diese Tugenden: Loyalität, Stolz, Widerständigkeit. Der postmoderne Westen mag sie aus seinem Wertekanon gestrichen haben – aber sie existieren. Und die Linke? Sie hofiert sie, als seien sie demokratische Errungenschaften.

Das migrantische Selbstbewusstsein steht oft jenseits des Zeitgeistes – und die Linke, blind vor Angst vor dem Eigenen, macht sich zur Patin dieser Selbstgewissheit.

Zugleich erweist sich diese Entwicklung auch aus psychodynamischer Perspektive als aufschlussreich, wie etwa die Reaktion auf die Silvesterereignisse von Köln 2015 oder die Freibad-Debatte im Sommer 2025 zeigt: In beiden Fällen wurden die Täter aus migrantischen Milieus entweder nicht benannt oder deren Verhalten relativiert – stattdessen verlagerte sich der Fokus vieler Medien und politischer Akteure reflexhaft auf mögliche rechte Reaktionen oder eine angebliche gesellschaftliche Debatte. Besonders deutlich wurde dies in der Plakataktion deutscher Städte, in der potenzielle Opfer zur Rücksichtnahme und Deeskalation aufgerufen wurden – eine Täter-Opfer-Umkehr, die den moralischen Selbstentlastungsmechanismus der Linken exemplarisch sichtbar macht. Statt die Täter aus migrantischen Milieus offen zu benennen, verschob sich der Fokus vieler Medien und politischer Akteure reflexhaft auf die Angst vor rechter Instrumentalisierung. Die eigentliche Gewalt wurde psychologisch umgedeutet, um das linke Selbstbild als moralisch überlegene Schutzmacht des vermeintlich Schwächeren zu bewahren. Die Linke braucht für ihr Selbstverständnis, für ihre Politik und für ihre moralische Selbstvergewisserung ein strukturelles Opfer – eine Projektionsfläche des Leids, auf das sie sich als Retterin, als moralische Instanz, als personifiziertes Über-Ich setzen kann. Diese Rolle nehmen heute, je nach politischer Lage, wechselweise die Migranten, die LGBTQ-Bewegung oder die Opfer des sogenannten strukturellen Rassismus ein. Es handelt sich um eine Form von ideologischer Overprotection, wie man sie aus der entwicklungspsychologischen Literatur kennt – eine Überfürsorge, die nicht emanzipiert, sondern bindet, die nicht frei macht, sondern abhängig.

Das linke Selbstbild braucht dieses Opfer. Es ist der geheime Gral ihrer politischen Liturgie. Ohne Opfer keine Rechtfertigung. Ohne systemisches Unrecht keine Erlösung. Es ist ein Opferritus, der sich durch alle Ebenen zieht: sozial, sexuell, ethnisch. Die Linke muss Ungerechtigkeit finden, um sich als Gerechtigkeitsinstanz aufbauen zu können. Und das erklärt auch, warum sie so beharrlich jede Form von Gleichheit, von Integration, von Selbstverantwortung zurückweist: Sie gefährdet das Fundament ihrer moralischen Architektur.

Eng verbunden damit ist auch der zivilisationsbedingte Bruch im westlichen Verhältnis zur Aggression. Unsere Gesellschaft hat gelernt, Aggression zu pathologisieren – sie als Triebrest, als moralische Schwäche, als regressives Verhalten zu betrachten. Doch in der Realität des Multikulturalismus, in der Konfrontation mit ethnisch geschlossenen Gruppen, die über ein starkes Kraft- und Ehreempfinden verfügen, sind wir dieser Körperlichkeit, diesem Vitalismus oft hilflos ausgesetzt. Wir benötigen – so paradox es klingt – ein neues positives Verhältnis zur Aggression. Gemeint ist damit eine Rückbesinnung auf jene Form der Entschlossenheit, Standhaftigkeit und körperlichen Präsenz, die nicht destruktiv, sondern gestaltend wirkt – eine Aggression, die nicht zerstört, sondern schützt, die nicht wütet, sondern aufrichtet. Damit ist nicht rohe Gewalt gemeint, sondern eine Rückbindung an das Sinnlich-Unmittelbare – ein Begriff, den u. a. Arnold Gehlen in seinen anthropologischen Studien als Grundlage menschlicher Orientierung bezeichnet hat und den auch Martin Heidegger als „Weltzuwendung“ im Modus des Daseins beschreibt. Diese sinnliche Unmittelbarkeit meint nicht Triebhaftigkeit, sondern ein leiblich fundiertes In-der-Welt-Sein, das dem Menschen Standfestigkeit und Resonanzfähigkeit verleiht.: Standfestigkeit, Mut, körperliche Präsenz.

Wie der Philosoph Peter Sloterdijk schreibt: „Zivilisation ohne Mut degeneriert zur bürokratischen Weichheit.“ Und Ernst Jünger wusste: „Der Mut ist das letzte, was uns niemand nehmen kann.“ Ein gesunder Bezug zur Aggression ist kein Widerspruch zur Kultur – er ist ihre Voraussetzung. Jean Raspails Roman Das Heerlager der Heiligen führt diese Thematik literarisch vor Augen: Die einheimische Bevölkerung Europas scheitert an ihrer moralisch entwaffneten, aggressionslosen Haltung gegenüber einer entschlossenen und körperlich fordernden Invasion. Die Katastrophe vollzieht sich nicht durch Übermacht, sondern durch die völlige Unfähigkeit, den eigenen Raum zu behaupten. Er verleiht Form, Haltung, Stil. Und er erlaubt dem Einzelnen, sich zu behaupten, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Begegnung – mit der Wirklichkeit des Anderen.

Die Rechten erkennen dies mit dem theoretischen Konzept des Ethnopluralismus an, doch die Mehrheit der Bürger zögert noch immer, die Basis zur kollektiven Abgrenzung zum Anderen anzuerkennen und das entscheidende Wort zu sprechen: Volk. Völkisch. Heimat. Pathos. In Zeiten, in denen jede kollektive Form verdächtig ist, mutet dies wie ein Sakrileg an. Doch gerade hier liegt der Schlüssel zur eigenen geistigen Rückeroberung.

Es ist Zeit, offen zu sagen: Die Neue Rechte muss das völkische Element wieder in ihre identitätspolitischen Vorstellungen einführen. In jedem amerikanischen Kriegsfilm weht selbstverständlich die Flagge. Patriotismus ist dort kein Makel, sondern ein Ausdruck kollektiver Selbstgewissheit. Das Völkische ist dort nichts Anrüchiges, sondern gelebte Zivilreligion. Auch wir Deutschen müssen den Mut zurückgewinnen, zu einem solchen selbstverständlichen, positiven Bekenntnis zum Eigenen zurückzukehren. Nicht als Rückfall, sondern als Rückbindung. Nicht als Blutphantasie, sondern als kulturelle Mythisierung. Ernst Jünger schrieb: „Der Mythos ist der Anfang jeder Identität.“ Und was ist das Volk anderes als ein lebendiger Mythos, aus dem Bindung und Haltung, Opferbereitschaft und Zukunftswillen entspringen?

Völkisches Denken – so wie es die Neue Rechte und ich es verstehen – ist kein Echo des Nationalsozialismus, sondern seine Antithese: nicht totalitär, sondern tragend; nicht ideologisch, sondern seelisch. Es hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit kultureller Selbstvergewisserung. Mit völkisch ist hier die Rückbesinnung auf das kollektive geistige und kulturelle Erbe gemeint – auf jene stillschweigenden, uns als Volk innewohnenden Muster, auf das Urvertrauen in unsere Gruppe. Es geht nicht um Folklore, Lagerfeuer oder Zeltlagerromantik, sondern um die leise Kraft, die uns über Generationen trägt. Es meint das Eigenartige des Eigenen, das Pathos des Bleibens, die Ergriffenheit vom Schicksal der Gemeinschaft. nicht totalitär, sondern tragend; nicht ideologisch, sondern seelisch. Aus ihr formt sich ein Idealbild: Heimat, Dienst, Unterscheidbarkeit. Frank Krämer spricht von „innerer Ordnung“. Ohne sie, sagt er, „bleibt jede Rebellion bedeutungslos“.

Der Bruch zur alten Rechten liegt genau hier. Wo einst Biologie regierte, herrscht nun Kultur. Wo einst Rasse war, ist nun Herkunft. Wo einst Ausschluss war, ist heute Gestalt. Das Volk ist nicht mehr Blut, sondern Gestimmtheit – eine Schicksalsgemeinschaft, die sich nicht aus messbaren Merkmalen speist, sondern aus Erinnerung, Sprache, Opfer, Stil.

Für die Rechte ist es daher notwendig, jenseits aller gesetztechnischen Definitionen und juristischen Staatsbürgerschaftskonstrukte, einen ethnischen Volksbegriff grundsätzlich wieder zur Sprache zu bringen. Nicht, um andere Völker zu schmähen, sondern um das Eigene zu wahren. Es geht um den Schutz einer kulturellen Form, um das Bewusstsein einer gewachsenen Einheit – um jenes stille Gefühl von Zugehörigkeit, das kein Pass der Welt ersetzen kann.

Völkisches Denken ist somit die Grundbedingung, um dem Ethnomasochismus entgegenzutreten, den wir über Jahrzehnte durch transatlantische Sozialisierung und die Einflüsse der Frankfurter Schule aufgesogen haben. Völkisch – das ist nicht altmodisch, nicht vorgestrig, nicht gefährlich. Es ist das Gegenteil: die Rückbesinnung auf Jahrhunderte und Jahrtausende alte Bilder, auf Mythen, die in uns angelegt und mit uns gewachsen sind. Völkisches Denken ist nicht der Ruf nach Unterjochung des Anderen – es ist dessen Anerkennung. Denn wer das Eigene achtet, lernt auch, das Andere zu respektieren. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Selbstgewissheit. Es ist nicht verknüpft mit Expansionsfantasien, sondern mit Rückbindung an das Eigene – als geistige Voraussetzung für eine offene, tragfähige Gesellschaft.

Denn nur wer sich seiner Herkunft bewusst ist, kann Verantwortung für das Kommende übernehmen. Nur wer sich mit seinem Volk identifiziert, wird bereit sein, über das bloße Ich hinauszuwachsen und Gemeinsinn zu entwickeln. Die Linke erkennt dies im Anderen an – doch sie verweigert es dem Eigenen. Und genau das ist ihre Blindstelle.

Die Rechte hingegen muss den Mut finden, das Völkische nicht als Altlast zu begreifen, sondern als schöpferisches Prinzip, das Orientierung gibt in Zeiten der Auflösung. Nicht Uniformität ist das Ziel, sondern Gestalt. Nicht Ausgrenzung, sondern Formbewusstsein. Nicht Rückwärtsgewandtheit, sondern Verwurzelung.

Die Linke verteidigt Herkunft – aber nur, wenn sie fremd ist. Die Rechte muss lernen, Herkunft zu verteidigen, wenn sie die eigene ist. Nicht mit Überheblichkeit, sondern mit Ernst. Nicht mit Aggression, sondern mit Würde. Nicht mit Zorn, sondern mit Pathos.

Der demografische Kipppunkt – ethnische Neuwähler und die Wiederentdeckung des Völkischen

Ein tiefgreifender Wandel zeichnet sich am Horizont ab – nicht plötzlich, nicht mit Paukenschlag, sondern still, statistisch, unwiderruflich. Die demografische Struktur Deutschlands kippt – von einer autochthonen Mehrheit hin zu einer mosaikhaften Gesellschaft, in der Herkunft, Loyalität und kulturelle Verankerung nicht mehr selbstverständlich sind. Was lange als Randphänomen galt, wird zum Zentrum der politischen Realität.

Berechnungen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass der Anteil junger Deutscher – also jener unter 20 Jahren ohne Migrationshintergrund – bis 2050 auf unter 13 % der Gesamtbevölkerung sinken wird (Destatis 2022). Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung Deutschlands bis zum Jahrhundertende auf unter 60 Millionen schrumpfen (UN-Projektion, Visual Capitalist 2023). Die Geburtenrate liegt seit Jahrzehnten unter dem Bestandserhaltungsniveau, und es sind zunehmend die Kinder nicht-deutscher Herkunft, die den Nachwuchs des Landes stellen. Was einst als kultureller Pluralismus gefeiert wurde, wird so zur demografischen Schieflage.

Damit entsteht ein neuer politischer Faktor: der ethnische Neuwähler. Seine Interessen sind nicht identisch mit jenen der Mehrheitsgesellschaft von gestern. Er wählt nicht universalistisch, sondern gruppenbezogen. Er sucht Repräsentanz, Einfluss, Schutz – und er findet sie zunehmend bei linken Parteien, die bereitwillig die Rolle der ethnischen Fürsprecher übernehmen. Diese Entwicklung verschiebt nicht nur Wahlergebnisse, sondern auch den normativen Rahmen der Gesellschaft. Denn je größer der Anteil migrantisch geprägter Milieus, desto stärker der Anreiz für Parteien, ihre Programme an ethnisch kodierte Bedürfnisse anzupassen – Sprachförderung, Antidiskriminierungsrichtlinien, kulturelle Ausnahmezonen, migrationsfreundliche Integrationspolitik.

Dem entgegnet man oft mit einem wirtschaftlichen Argument: Migration werde gebraucht, um das Rentensystem zu stabilisieren. Doch auch diese Hoffnung trägt nur bedingt. Zwar wurden 2024 über 172.000 Arbeitsvisa ausgestellt (Auswärtiges Amt 2025), und die Zahl der Blue-Card-Inhaber verdoppelte sich seit 2018 auf über 110.000 (Mediendienst Integration 2024), doch diese Fachkräfte stellen eine Minderheit dar. Die Realität zeigt ein anderes Bild: Rund 15 % aller Ausländer in Deutschland sind arbeitslos (BA/IAB 2023), doppelt so viele wie bei Deutschen. Etwa 50 % der Bürgergeldempfänger sind ausländische Staatsbürger (WELT 2024), bei Geflüchtetengruppen wie Syrern oder Ukrainern liegt der Anteil sogar bei über 60 % (BA-Statistik 2024).

Die Mehrheit der Migranten arbeitet im Helfersektor. Nur ein Bruchteil erreicht hochqualifizierte Positionen – von den langfristigen Belastungen durch Sprachbarrieren, kulturelle Entfremdung und gescheiterte Integration ganz zu schweigen. Migration kann das Rentensystem kurzfristig entlasten – langfristig ersetzt sie aber nicht die eigene demografische Reproduktion. Was fehlt, ist nicht Masse, sondern Bindung. Nicht Quantität, sondern Kontinuität.

Für die autochthone Bevölkerung aber bedeutet all dies: Verlust an Deutungshoheit, politischer Stimme und symbolischer Repräsentanz. Der Liberalismus mag den Einzelnen anrufen – die Realität aber formiert sich kollektiv. Und inmitten dieser tektonischen Verschiebung taucht ein Gedanke auf, der lange verdammt war, aber nun wieder zu leuchten beginnt: das Völkische – nicht als biologistische Regression, sondern als rettender Impuls kultureller Selbstvergewisserung.

Denn was tun Völker, die spüren, dass sie zahlenmäßig erodieren? Was bleibt einer Kultur, deren Kinder keine eigenen Feste, keine eigenen Helden, keine eigene Geschichte mehr kennen? Sie erinnert sich. Sie greift zurück – nicht aus Reaktion, sondern aus Not. Sie erzählt sich neu, mythisch, geformt aus Bildern, Liedern, Worten. Der völkische Gedanke wird so zum Gegenbild der entleerten Demokratie: nicht quantitativ, sondern qualitätsbewusst; nicht exklusiv, sondern gestaltend; nicht nostalgisch, sondern existenziell.

Völkisches Denken in diesem Sinn ist keine Ideologie – es ist ein Akt kulturellen Selbsterhalts im Angesicht einer geschichtlichen Erschütterung. Und je näher der demografische Kipppunkt rückt, desto dringlicher wird dieser Impuls. Nicht, um zu schließen, sondern um sich zu behaupten. Nicht gegen den Anderen – sondern für das Eigene.

Literaturverzeichnis:

  • Benoist, Alain de. Kulturrevolution von rechts. Junge Freiheit Verlag, 2020.
  • Berlin.de. Lagebild Clankriminalität 2022 – Senatsverwaltung für Inneres.
  • https://www.berlin.de/sen/inneres/presse/weitere-informationen/lagebild-clankriminalitaet-berlin-2022.pdf
  • Bild.de. „1.063 Clan-Straftaten in Berlin – mehr als je zuvor.“ Veröffentlicht am 27.06.2023.
  • https://www.bild.de/cmsid/669910d9bdff8841869637f1.html
  • Bundesagentur für Arbeit (BA). Arbeitsmarktbericht Migration – Jahresstatistik 2023.
  • https://statistik.arbeitsagentur.de
  • Destatis (Statistisches Bundesamt). Bevölkerungsvorausberechnung: Deutschland 2022–2060. Wiesbaden, 2022.
  • https://www.destatis.de
  • Eliade, Mircea. Das Heilige und das Profane. Rowohlt Verlag, 1957.
  • Finkielkraut, Alain. Der besiegte Westen. Hanser Verlag, 2004.
  • Freud, Sigmund. Das Unbehagen in der Kultur. Fischer Verlag, 1930.
  • Gehlen, Arnold. Der Mensch: Seine Natur und seine Stellung in der Welt. Athenäum Verlag, 1940.
  • Guilluy, Christophe. No Society: Die postpolitische Gesellschaft. Flammarion, 2018.
  • Heidegger, Martin. Sein und Zeit. Niemeyer Verlag, 1927.
  • Jünger, Ernst. Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt. Klostermann Verlag, 1932.
  • Jünger, Ernst. Der Waldgang. Klett-Cotta, 1951.
  • Jung, Carl Gustav. Die Archetypen und das kollektive Unbewusste. Walter Verlag, 1954.
  • Krämer, Frank. Mentale Fundamente: Rechte Kriegerphilosophie wider die Sklavenmoral. Sturmzeichen Verlag, 2024.
  • Kubitschek, Götz. Provokation. Antaios Verlag, 2018.
  • Lichtmesz, Martin. Die Verteidigung des Eigenen. Antaios Verlag, 2017.
  • Mediendienst Integration. Daten zur Fachkräfteeinwanderung nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Berlin, 2024.
  • https://mediendienst-integration.de
  • Migazin.de. „Fast 40 Prozent aller Berliner haben einen Migrationshintergrund.“ Veröffentlicht am 14.02.2023.
  • https://www.migazin.de/2023/02/14/neuer-bevoelkerungsrekord-knapp40-prozent-berliner
  • Raspail, Jean. Das Heerlager der Heiligen. L’Étincelle, 1973. Dt. Ausgabe: Junge Freiheit Verlag, 2011.
  • Schmitt, Carl. Verfassungslehre. Duncker & Humblot, 1928.
  • Sloterdijk, Peter. Zorn und Zeit: Politische Psychologie. Suhrkamp, 2006.
  • Stadt Köln u. a. Verhaltenshinweise zur Konfliktvermeidung in Freibädern. Plakatkampagne, Sommer 2025.
  • UN Population Division. World Population Prospects 2022 – Germany Zero Migration Scenario.
  • https://population.un.org
  • Verschiedene Autoren. Gegendemonstrationen nach Messerattacken 2025. Pressedokumentation (u. a. Köln, Berlin, Düsseldorf), Juni–Juli 2025.
  • Visual Capitalist. Germany’s Demographic Crisis: A Scary Milestone. Veröffentlicht 2023.
  • https://www.visualcapitalist.com
  • Welt.de. „Nur zwei der 77 beschlagnahmten Remmo-Immobilien bleiben dem Staat.“ Veröffentlicht am 01.07.2024.
  • https://www.welt.de/250655049
  • Welt.de. „Fast die Hälfte der Bürgergeld-Empfänger sind Ausländer.“ Veröffentlicht am 03.04.2024.
  • https://www.welt.de/252778012
  • Wikipedia (de). Berlin-Neukölln – Demografie und Migrationshintergrund.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Neukölln

Zwischen Anspruch und Anpassung

Ein kritischer Kommentar zum Sieben-Punkte-Plan der AfD

Es begann leise – mit einer gewissen sprachlichen Vorsicht, mit dem Zögern vor Begriffen, die man noch vor wenigen Jahren mit Selbstbewusstsein verwendete. Remigration etwa: ein Wort, das lange als Signatur einer rechten Souveränitätspolitik galt – heute aber aus dem neuen Sieben-Punkte-Plan der AfD verschwunden ist. Ebenso fehlt jede klare Bezugnahme auf die deutsche Leitkultur, jenes geistige Fundament, das gerade für viele konservativ-patriotische Wähler ein unverzichtbares Bekenntnis darstellte.

Natürlich: Parteistrategien ändern sich. Wahlkämpfe erfordern kluge Schwerpunktsetzungen. Und die AfD steht an der Schwelle zu einem möglichen politischen Durchbruch in Ostdeutschland. In Sachsen, Brandenburg und Thüringen ist sie stärkste Kraft – der Gedanke an Regierungsverantwortung ist real. Doch genau hier beginnt das Dilemma: Wie viel inhaltliches Profil darf eine Partei aufgeben, um als regierungsfähig zu gelten – ohne sich innerlich zu entkernen?

Denn Begriffe wie Remigration und Leitkultur sind keine rein symbolischen Vokabeln. Sie sind Ausdruck eines weltanschaulichen Anspruchs. Sie stehen für eine Politik, die nicht nur Probleme verwalten, sondern Ursachen benennen will. Für viele in der Bewegung – ob in der Jungen Alternative, im Vorfeld oder unter den Wählern – war gerade diese klare Sprache ein Grund, sich mit der AfD zu identifizieren. Wenn nun genau diese Signale wegfallen, entsteht Verunsicherung: Ist das noch dieselbe Partei?

Diese Entwicklung hatte sich bereits angedeutet – etwa im bekannten Gespräch zwischen Maximilian Krah, Ellen Kositza und Götz Kubitschek. Dort wurde deutlich: Zwischen Teilen der Parteiführung und dem metapolitischen Vorfeld wächst eine Distanz. Der Wunsch nach strategischer Mäßigung steht der Forderung nach inhaltlicher Klarheit gegenüber. Die einen denken in Koalitionen, die anderen in Begriffen.

Und doch: Es wäre eine große Chance gewesen, den Begriff Remigration aus seiner Verzerrung zu befreien und offensiv positiv zu füllen – als humane Rückführungsperspektive, als ordnungspolitisches Konzept, als legitimen Ausdruck des Rechts auf kulturelle Selbstbehauptung. Man hätte aufzeigen können, dass Remigration nicht Ausgrenzung, sondern Ordnung bedeutet. Dass Leitkultur keine Herabwürdigung des Anderen ist, sondern ein Angebot der Integration ins Eigene.

Dass man diese Chance nicht genutzt hat, ist schade. Es sendet ein Signal – nicht an die Medien, sondern an die eigene Basis. Besonders an jene jungen Menschen, die sich in der Partei und in ihrem geistigen Umfeld engagieren, weil sie nicht nur Veränderung wollen, sondern Richtung. Wer ihnen das Gefühl gibt, dass Prinzipien taktisch verhandelbar sind, riskiert langfristig ihre Entfremdung.

Gleichzeitig ist klar: Die AfD steht vor historischen Aufgaben. Der Druck ist groß, der politische Gegner übermächtig. Umso mehr braucht es jetzt – neben Strategie – auch geistige Standfestigkeit. Denn der Erfolg der AfD beruhte nie allein auf Zahlen oder Taktik, sondern auf dem Mut, Dinge zu benennen, die sonst niemand auszusprechen wagte.

Dies muss kein Bruch sein. Es kann ein Weckruf sein. Die Partei bleibt der wichtigste politische Ausdruck einer patriotischen Wende in Deutschland. Aber sie darf nicht vergessen, wem sie diesen Aufstieg verdankt: einer Bewegung, die tief verankert ist im Vorfeld, in der Kultur, in der Jugend – in jenen Menschen, für die Politik mehr ist als der nächste Wahltermin.

Wer sich treu bleibt, wird anschlussfähig – nicht umgekehrt.

„Wir haben uns selbst verlernt“ – Vom Ethnomasochismus in der spätmodernen Identitätskrise

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Ethnomasochismus

Es ist das leiseste aller Gespenster, doch es hat die lauteste Wirkung. Es schreit nicht, es bekennt sich. Es brüllt nicht, es bittet um Verzeihung. Und es verschwindet nicht bei Tageslicht – es wirkt gerade dann, wenn die Welt sich am hellsten dünkt.

Dieses Gespenst ist der Ethnomasochismus. Die Lust an der eigenen Auflösung, der moralische Hochmut der Selbstverwerfung. Er durchzieht die westlichen Gesellschaften wie ein unsichtbarer Faden, der sich durch Schulbücher, Talkshows, Kirchenpredigten und NGO-Broschüren zieht.

Der Ethnomasochismus ist der Moment, in dem ein Volk aufhört, sich zu lieben.

Die Diagnose Martin Lichtmesz’: Ethnomasochismus als kulturelle Autoimmunerkrankung

„Ethnomasochismus ist der Zustand, in dem Selbsthass zur Tugend verklärt wird. Der neue Stolz besteht darin, keinen zu haben.“ – Martin Lichtmesz

In seinem Werk „Die Verteidigung des Eigenen“ formuliert Lichtmesz einen Befund, der zunächst nur den kritischen Geist trifft – dann aber ins Mark fährt. Er spricht nicht von „Rassismus“ oder „Nationalismus“, nicht in den Vokabeln des Mainstreams, sondern in der präzisen Sprache eines Kulturdiagnostikers.

Der Ethnomasochismus ist für ihn eine geistige Krankheit – eine Autoimmunerkrankung der Identität, bei der die kulturellen Abwehrkräfte sich nicht gegen äußere Bedrohungen richten, sondern gegen das eigene Erbe, die eigene Herkunft, das eigene Volk.

Der Deutsche, so Lichtmesz, hat „nicht nur ein Schuldgedächtnis, sondern ein Schuldgeflecht entwickelt, in dem jede Äußerung kulturellen Selbstbewusstseins bereits als Aggression gilt“.

Von der Selbstkritik zur Selbstverachtung

Was als ehrliche Selbstprüfung begann – als Auseinandersetzung mit den Abgründen des Nationalsozialismus – wurde spätestens seit den 1968ern zum totalen Projekt der Selbstdestruktion. Aus der kritischen Erinnerungskultur erwuchs ein regelrechter Kult der Reue. Und dieser Kult lässt keine Gnade zu.

Ein Stolperstein an der Grundschule? Gut. Eine Umbenennung der Bismarckstraße? Notwendig. Eine Dauerausstellung zur deutschen Kolonialschuld? Überfällig. Aber wehe dem, der sich an einem anderen Ort der Welt nach Ähnlichem erkundigt.

Hier liegt die Pathologie des Ethnomasochismus: Die eigene Schuld wird nicht als historisches Faktum behandelt, sondern als metaphysische Erbsünde, die fortdauernd gesühnt werden muss – durch moralischen Verzicht, durch kulturellen Rückzug, durch die Preisgabe jedes Anspruchs auf Eigenständigkeit.

Ethnopluralismus als Gegenmodell: Vielfalt durch Trennung, nicht durch Auflösung

Was also ist der Gegenentwurf? Wer den Ethnomasochismus kritisiert, wird schnell des „Rassismus“ verdächtigt. Doch das, was die Neue Rechte unter Ethnopluralismus versteht, ist gerade das Gegenteil hegemonialer Überlegenheitsphantasien.

Ethnopluralismus bedeutet: Jede Kultur, jede Ethnie hat das Recht auf ihren eigenen Raum, ihre eigene Tradition, ihre eigene Gestalt. Keine ist besser – aber jede ist einzigartig. Wo der Ethnomasochismus auf Selbstauflösung setzt, plädiert der Ethnopluralismus für Selbstbehauptung.

Die Welt ist nicht ein Schmelztiegel, sondern ein Mosaik.

„Wer das Eigene aufgibt, kann das Fremde nicht mehr erkennen – er sieht nur noch sich selbst in der Maske des Anderen.“ – Lichtmesz

Im Ethnopluralismus wird nicht ausgeschlossen, sondern differenziert. Die Differenz aber – so wusste schon Herder – ist die Grundlage jeder echten Begegnung. Wer sich selbst kennt, kann dem Anderen auf Augenhöhe begegnen. Wer sich selbst hasst, braucht den Anderen nur als Projektionsfläche seiner Erlösungssehnsucht.

Medien und Meinungskorridor: Der neue Inquisitor spricht Hochdeutsch

Ein Blick in die Medienlandschaft genügt: Wer das Eigene verteidigt, wird verdächtigt. Wer Migration problematisiert, wird stigmatisiert. Wer von Heimat spricht, wird psychiatrisiert.

Die neue Inquisition kommt nicht mit Scheiterhaufen – sie kommt mit Talkshowpanels, mit Cancel Culture, mit akademischem „Diskursmonitoring“. Die Wächter des Ethnomasochismus sitzen nicht in der Kirche, sondern in den Redaktionen, Feuilletons und Stiftungsräten.

Lichtmesz nennt sie die „Sakristei der Reue“. In dieser Sakristei wird das Vaterland zur Schuldlandschaft, die Muttersprache zur Zumutung, das Trachtenhemd zur Provokation.

Der Opferkult der Anderen – und die Schuld der Mehrheit

Ein zentrales Moment des Ethnomasochismus ist die sakrale Aufladung der Anderen. Wer nach Deutschland kommt, ist ein „Geflüchteter“, ein „Schutzsuchender“, ein „neuer Nachbar“. Seine Herkunft ist Quelle der Authentizität – die eigene Herkunft aber ist verdächtig.

In dieser Logik wird Migration zum Heilsprozess. Der Migrant erlöst den Deutschen von sich selbst. Je fremder der Ankömmling, desto größer die moralische Möglichkeit zur Buße.

Was dabei geschieht, ist eine Umkehrung von Realität und Moral: Die Mehrheit wird zur Tätergruppe stilisiert – qua Existenz, nicht qua Handlung. Der Ethnomasochismus ist keine Frage der Politik, sondern ein inneres Bekenntnis: Ich verzichte auf mein kulturelles Ich, um Teil einer globalisierten Menschheit zu werden.

Aber: Eine Menschheit ohne Völker ist wie ein Ozean ohne Ufer. Er verliert jede Richtung.

Die Rolle der Kirchen, NGOs und Bildungseinrichtungen

Die neue Theologie der Schuld hat ihre liturgischen Zentren längst gefunden. Es sind die kirchlichen Stiftungen, die pädagogischen Institute, die akademischen Thinktanks. Unter dem Banner der „Toleranz“, der „Weltoffenheit“, des „interkulturellen Dialogs“ wird systematisch am Abriss des Eigenen gearbeitet.

Man lehrt, dass Heimat ein soziales Konstrukt sei. Dass Nation ein willkürliches Narrativ sei. Dass Identität fluid sei. Und wer sich diesem Narrativ nicht fügt, gilt als rückständig – oder als gefährlich.

Die Schule ist heute nicht mehr Bildungsanstalt, sondern Moralerziehungsstätte, in der Kinder nicht zur Sprache Goethes, sondern zur Syntax der UN-Migrationsagenda erzogen werden.

Ästhetik des Verschwindens: Architektur, Kunst, Sprache

Der Ethnomasochismus hat auch eine Ästhetik. Sie ist nicht die des Stolzes, sondern des Verschwindens.

Unsere Innenstädte werden nicht mehr gebaut, sondern verwaltet. Glas, Beton, Funktionalität – keine Ornamentik, kein Wille zur Schönheit. Der Kirchenbau der 60er ist ein Beispiel: kein Aufstieg zum Göttlichen, sondern ein Abstieg ins Soziale. Auch in der Sprache schlägt sich das nieder: Das neutrale „Mensch“ ersetzt das lebendige „Volk“.

Die Poesie der Muttersprache wird eingeebnet zugunsten genderneutraler Verwaltungssprache. Wo früher Heimatschutz war, ist heute „Klimasensibilität“. Wo früher Muttersprache war, ist heute „Mehrsprachigkeitsförderung“.

Ethnomasochismus in der Außen- und Innenpolitik: Vom geopolitischen Vasallentum zur Selbstverleugnung im Alltag

Die deutsche Außenpolitik ist – in ihrem gegenwärtigen Zustand – ein Schaukasten ethnomasochistischer Selbstverachtung. Während andere Staaten ihre Außenminister in die Welt schicken, um Ressourcen, Verträge, Kooperationen und militärstrategische Räume zu sichern, sendet Deutschland eine Außenministerin mit grünem Weltrettungsfuror und ideologischem Sendungsbewusstsein.

„Unsere Werte sind unsere Interessen.“ – Annalena Baerbock

Das klingt edel, ist aber in Wahrheit der Totalausfall realpolitischer Vernunft.

Hinzu kommt eine seit Jahrzehnten kultivierte Hörigkeit gegenüber den USA. Obwohl Deutschland wirtschaftlich auf Augenhöhe mit vielen westlichen Partnern steht, agiert es außenpolitisch wie ein demütiger Schüler. Wenn NATO-Generäle fünf Prozent des BIP für Rüstung fordern, nimmt Berlin den Befehl entgegen wie ein abhängiger Satellit.

Entwicklungshilfe wird zum Ersatz-Sakrament. Milliarden fließen in Länder mit korrupten Regimen, während deutsche Rentner Flaschen sammeln. Auch das ist haushaltspolitisch messbarer Ethnomasochismus.

Parallel verrottet die innere Sicherheit. Illegale Einwanderer erhalten Bleiberecht, während der Staat seine Ordnungsfunktion aufgibt. Der deutsche Bürger schweigt. Vielleicht, weil er sich längst selbst nicht mehr als Bürger fühlt – sondern als Schuldkonto der Geschichte.

Philosophische Tiefenschichten: Der lange Schatten der Aufklärung

Woher kommt diese Tendenz zur Selbstverneinung?

Schon Kant sah im Menschen nicht das konkrete Geschöpf mit Herkunft, sondern das abstrakte Vernunftwesen. Der Liberalismus erhob das Individuum zur Monade, die Postmoderne erklärte alles zur Konstruktion: Heimat, Identität, Volk – alles sei „erfunden“.

Der Ethnomasochismus ist also nicht bloß Schuldreaktion – er ist die Folge einer jahrhundertelangen geistesgeschichtlichen Entwurzelung.

Stimmen des Widerstands: Björn Höcke und Maximilian Krah gegen den Schuldkult

Björn Höcke spricht vom „Schuldkult“ als einem politischen Dogma, das zur Identitätsverneinung führe:

„Solange wir im Schuldkult gefangen bleiben, wird uns unsere Zukunft genommen.“
Nie zweimal in denselben Fluss, 2018

Maximilian Krah ergänzt metapolitisch:

„Ein Volk ohne kollektive Identität wird sich selbst abschaffen – und das freiwillig.“
Politik von rechts, 2023

Beide fordern keine Rückkehr zum Nationalismus alter Prägung, sondern eine Normalisierung des Eigenen – als Voraussetzung für internationale Souveränität, kulturelle Würde und soziale Stabilität.

Demografischer Wandel und politische Sprachrohre: Ethnomasochismus als parlamentarisches Programm

Der Ethnomasochismus war lange ein innerer Reflex – eine kulturelle Geste, ein mediales Raunen, ein moralischer Habitus. Doch mit dem demografischen Wandel bekommt er eine neue, konkrete Dimension. Er wird sichtbar, zählbar, wählbar. Denn wer den eigenen Raum öffnet, wer nicht Grenzen zieht, sondern Identität relativiert, der gibt Macht ab. Und diese Macht wird nicht in ein moralisches Vakuum fallen, sondern von jenen beansprucht werden, die ihre Interessen sehr wohl kennen.

Wir erleben derzeit eine Politisierung migrantischer Identitäten, die nicht auf Integration abzielt, sondern auf Repräsentation und Einflussnahme. Parteien wie Die Linke entwickeln sich – neben grünen Fraktionen – zunehmend zu Stellvertretern ethnisch-kollektiver Interessen, oft mit anti-deutscher Schlagseite. Die Rhetorik wechselt von Teilhabe zu Anklage. Von Partizipation zu Machtanspruch. Vom Dazugehören zum Umschreiben der Ordnung.

So wird der ethnomasochistische Reflex der Mehrheitsgesellschaft – „Wir wollen niemanden ausschließen, wir tragen historische Schuld“ – zur Einladung, selbst verdrängt zu werden. Wer die Tür öffnet und sich zugleich selbst relativiert, darf sich nicht wundern, wenn andere durch diese Tür treten und Ansprüche stellen.

„Ethnomasochismus endet nicht in einer offenen Gesellschaft, sondern in einer fremd bestimmten.“

Diese Fremdbestimmung ist heute längst Realität: In Debatten um Feiertage, um Gedenkkultur, um Schulpläne, um Stadtteilentwicklung, ja selbst in außenpolitischen Stellungnahmen erleben wir die zunehmende Verlagerung des politischen Diskurses hin zu migrantischen Empfindlichkeiten. Gleichzeitig gilt der Begriff „deutsch“ zunehmend als verdächtig – es sei denn, er wird mit Adjektiven wie „vielfältig“, „postmigrantisch“ oder „offen“ neutralisiert.

Kurzum: Die Deutschen zahlen nicht nur, sie schweigen auch – und sie weichen zurück. Ihre Vertreter beugen sich vor denen, die sie als „Bereicherung“ willkommen hießen, aber nun politische Korrekturen einfordern – nicht auf Augenhöhe, sondern oft mit moralischer Erpressung.

Diese Entwicklung ist die letzte Stufe des ethnomasochistischen Projekts: Die Minderheit wird zum Maßstab. Die Mehrheit gehorcht.

Universitäten als ideologische Laboratorien: Der Konstruktivismus und die Dekonstruktion des Eigenen

Wenn man verstehen will, warum Begriffe wie Heimat, Volk, Nation oder Identität heute in der öffentlichen Debatte entweder als verdächtig gelten – oder gleich ganz gelöscht werden sollen –, dann genügt es nicht, auf Medien oder Politik zu blicken. Der eigentliche Ursprung dieser geistigen Enteignung liegt tiefer – in den Universitäten, in der Philosophie, in der Theorie.

Dort, in den Seminarräumen der Nachkriegszeit, begann ein ideologischer Umerziehungsprozess, der bis heute nachwirkt: die philosophische Entnaturalisierung des Eigenen. Alles, was historisch gewachsen war, wurde zur sozialen Konstruktion erklärt. Volk? Ein Machtkonstrukt. Heimat? Ein psychologischer Mythos. Kultur? Ein Herrschaftsdiskurs. Identität? Ein Produkt hegemonialer Zuschreibungen.

Diese Gedanken haben Namen: Berger & Luckmann, Foucault, Derrida, Judith Butler. In den deutschen Universitäten seit den 1970er Jahren wird eine Denktradition hegemonial, die das organisch Gewachsene grundsätzlich misstrauisch betrachtet – und stattdessen Konstruktivismus, Dekonstruktion und Intersektionalität ins Zentrum rückt.

Das Ergebnis: Der Mensch ist nicht mehr eingebettet, sondern beliebig. Die kulturelle Herkunft wird zur „Zuschreibung“, die Sprache zur „Machtstruktur“, das Geschlecht zur „Performance“. Wer heute an einem geisteswissenschaftlichen Institut sagt, dass es so etwas wie ein deutsches Volk gibt – das über Jahrhunderte in Raum, Sprache und Geschichte gewachsen ist –, wird entweder als naiv belächelt oder als gefährlich markiert.

„An den Universitäten wird nicht mehr gelehrt, was ist – sondern was nicht mehr sein darf.“

Diese geistige Umkodierung ist die Wurzel des Ethnomasochismus: Nicht nur das Gefühl, sondern bereits der Gedanke an das Eigene wird problematisch. Was bleibt, ist ein akademisch gestützter Selbsthass, der sich als Fortschritt tarnt.

Dass diese Gedankenwelt nicht an den Universitäten bleibt, sondern durch alle gesellschaftlichen Instanzen wandert, ist kein Zufall. Die 68er, die sich als kulturelle Revolutionäre verstanden, formulierten es offen: „Der Marsch durch die Institutionen.“ Und sie haben ihn – im Unterschied zur konservativen Rechten – konsequent durchgeführt.

Heute sitzen ihre geistigen Erben in Redaktionen, in Kultusministerien, in NGO-Vorständen, in Schulbuchverlagen, in Parteistiftungen, in Ethikräten – und bestimmen darüber, was gesagt werden darf. Die Linke – nicht nur als Partei, sondern als kulturelle Hegemonie – geht durch alle Instanzen.

Die Idee eines organisch gewachsenen Volkes ist damit nicht nur in Frage gestellt, sondern systematisch ersetzt worden – durch eine anthropologische Leere, die alles erlaubt, aber nichts mehr trägt. Der Mensch ist frei – aber er ist entwurzelt. Er ist offen – aber er ist schutzlos.

Der Funke aus dem Osten? Nationale Wiederkehr in Europa – aber (noch) nicht im Herzen

Zwar mehren sich europaweit die Zeichen einer konservativen, nationalen Gegenbewegung – in Ungarn unter Viktor Orbán, in Italien mit Giorgia Meloni, zuletzt auch in den Niederlanden mit Geert Wilders. Selbst im Europäischen Parlament formieren sich Fraktionen, die das Wort Nation nicht nur verteidigen, sondern wieder in die Mitte der politischen Sprache rücken. Der Zeitgeist beginnt zu bröckeln.

Doch diese Erschütterung der liberal-globalistischen Ordnung hat den einzelnen Menschen noch nicht erreicht. Der deutsche Bürger, der französische Intellektuelle, der niederländische Lehrer – sie denken vielfach noch in den alten Begriffen: Fortschritt gleich Auflösung, Offenheit gleich Selbstaufgabe, Diversität gleich Pflicht. Es ist, als würde der politische Wille zur Wende auf eine kulturell entwaffnete Seele treffen.

Dabei ist längst klar: Die nationale Frage ist keine nostalgische, sondern eine existentielle Frage geworden. Wer sind wir? Was schützt uns? Was eint uns? In Zeiten von Massenzuwanderung, kultureller Fragmentierung und transnationaler Entmachtung ist sie die Frage nach dem Überleben in Würde – nicht nur ökonomisch, sondern geistig, sprachlich, identitär.

Carl Schmitt schrieb 1932, dass derjenige souverän sei, „der über den Ausnahmezustand entscheidet“ – heute kann man ergänzen: souverän ist nur, wer über die kulturellen Voraussetzungen seiner Gemeinschaft bestimmen kann¹. Charles de Gaulle erinnerte einst daran, dass Frankreich nur dann existieren könne, wenn es „in sich selbst Einheit findet“. Und Papst Benedikt XVI. warnte in seiner „Regensburger Rede“ vor einem Europa, das den Glauben an seine eigene geistige Substanz verloren habe³.

Die Zeichen der Zeit sprechen eine klare Sprache. Der europäische Nationalstaat steht nicht vor einem Strukturwandel – er steht vor einer Entscheidung: Wiedererwachen oder Verschwinden. Die politische Landschaft beginnt sich zu regen. Doch ohne ein neues Bewusstsein, ohne eine kulturelle Rückbesinnung auf das Eigene, wird diese Bewegung nur ein Flackern bleiben.

Der Boden ist vorbereitet. Aber das Herz schlägt noch nicht.

Auswege: Die Rückkehr zur Würde des Eigenen

Was bleibt zu tun? Die Rückkehr zur Sprache. Wer „Volk“ nicht mehr sagen kann, kann auch keines mehr denken. Die Rehabilitierung des Traditionellen. Nicht alles Alte ist falsch, nicht alles Neue gut.

Und vor allem: Die Rückgewinnung des kulturellen Selbstwerts – durch Bildung, durch Kunst, durch Ästhetik, durch einen neuen Stolz, der nicht über andere herrschen, sondern das Eigene erhalten will.

Eine Nation, die sich selbst verliert, hat keine Feinde mehr nötig

Deutschland hat keine äußeren Feinde mehr. Es hat sich zum inneren Feind seiner selbst gemacht. Es glaubt, moralisch besser zu sein, wenn es kulturell verschwindet.

Doch eine Gesellschaft, die sich nicht mehr liebt, ist nicht weltoffen – sie ist verloren.

„Nur der, der sich selbst achtet, kann andere achten. Nur der, der sich selbst verteidigt, kann anderen Schutz gewähren.“
– Martin Lichtmesz

Die Verteidigung des Eigenen ist kein Verbrechen. Sie ist Voraussetzung für jedes friedliche Miteinander. Sie ist nicht aggressiv, nicht überheblich, nicht ausgrenzend – sie ist ein Akt der Würde. Ein Volk, das sich selbst wieder erkennt, kann auch dem Anderen auf Augenhöhe begegnen.

Es ist Zeit, dem Ethnomasochismus eine Kultur des Selbstbewusstseins entgegenzusetzen. Ohne Haß. Aber mit Herz. Ohne Hochmut. Aber mit Haltung.

Wissenschaftliches Literaturverzeichnis

Monografien & Essays

  • Höcke, Björn: Nie zweimal in denselben Fluss. Plädoyer für einen aufgeklärten Patriotismus. Manuscriptum Verlag, 2018.
  • Krah, Maximilian: Politik von rechts. Streitschrift für eine konservative Erneuerung. Manuscriptum Verlag, 2023.
  • Lichtmesz, Martin: Die Verteidigung des Eigenen. Schnellroda: Antaios Verlag, 2017.
  • Kubitschek, Götz: Provokation. Schnellroda: Antaios Verlag, 2015.
  • Sellner, Martin: Identitär! Geschichte eines Aufbruchs. Verlag Jungeuropa, 2017.
  • Heidegger, Martin: Unterwegs zur Sprache. Pfullingen: Neske, 1959.
  • Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Berlin: Duncker & Humblot, 1932.
  • Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes. München: C. H. Beck, 1918/1922.
  • Gehlen, Arnold: Moral und Hypermoral: Eine pluralistische Ethik. Frankfurt: Klostermann, 1969.
  • Mohler, Armin: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Graz: Leopold Stocker Verlag, 1972.
  • Berger, Peter L. / Luckmann, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Frankfurt: Fischer, 1969.
  • Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt: Suhrkamp, 1976.
  • Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter (Gender Trouble). Frankfurt: Suhrkamp, 1991.
  • Derrida, Jacques: Grammatologie. Frankfurt: Suhrkamp, 1974.
  • Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen, Duncker & Humblot, 1932, S. 13.
  • Charles de Gaulle: Discours et messages, Bd. 1–5, Paris 1970, zit. nach Ernst Nolte: Der europäische Bürgerkrieg, Propyläen, 1987.
  • Benedikt XVI.: Glaube, Vernunft und Universität – Erinnerungen und Reflexionen, Regensburg, 12. September 2006.

Zeitschriften & Interviews

  • Kositza, Ellen: Beiträge in Sezession, Schnellroda.
  • Lichtmesz, Martin: „Ethnomasochismus oder der Kult der Reue“, in: Sezession, Nr. 80, 2017.
  • Krah, Maximilian: Interview in Sezession, Nr. 112, 2023.
  • Höcke, Björn: Rede im Thüringer Landtag, Plenarprotokoll vom 18. Januar 2023.

Filmkritik Training Day – L.A., Hitze, Verrat: Eine filmische Reise ins Herz der Finsternis

„Ein einziger Tag kann dein ganzes Leben verändern.“ Diese Prämisse trägt nicht nur die Handlung von Training Day, sondern brennt sich wie ein Mantra in den Zuschauer. Antoine Fuquas Film ist kein Cop-Thriller im klassischen Sinne, sondern ein moralisches Kammerspiel, das sich über den Asphalt von South Central Los Angeles legt – drückend, bedrohlich, elektrisiert. Es geht um Entscheidungen, ums Überleben, um die Verlockung der Macht – und den langsamen Verlust der eigenen Integrität.

Training Day war für mich nie einfach ein Film. Er war ein Erlebnis. Ein Prüfstein. Eine schmerzhafte Lektion darüber, wie dünn die Trennlinie zwischen Recht und Unrecht verlaufen kann – vor allem, wenn die Sonne grell scheint und die Straßen heiß sind.

Der Tag beginnt: Wer die Straße betritt, betritt eine Welt ohne Rückkehr

Jake Hoyt (Ethan Hawke) ist jung, motiviert, idealistisch. Er träumt von einem Aufstieg innerhalb des LAPD. Sein Ticket scheint die Aufnahme in die Eliteeinheit der Drogenfahndung unter der Führung von Alonzo Harris (Denzel Washington) zu sein. Doch dieser erste Tag – sein „Trainingstag“ – wird nicht zu einem Bewerbungsgespräch, sondern zu einer Höllenfahrt.

Alonzo Harris aus Training Day ist mit allen Wassern gewaschen.

Schon früh wird klar: Alonzo ist kein gewöhnlicher Polizist. Er ist charismatisch, klug – und zutiefst korrupt. Die erste Schlüsselszene: Jake trifft auf Alonzo in einem Diner. Alonzo liest Zeitung. Ohne aufzublicken, sagt er: „Du störst mich beim Lesen. Unterhalt mich.“ Dieser Befehlston ist nicht bloß Machtdemonstration – er ist der Auftakt zu einem Spiel auf Leben und Tod.

Jake fragt später: „Wo ist dein Büro?“ – und Alonzo antwortet trocken: „Du sitzt schon drin.“ Gemeint ist sein schwarzer Chevrolet Monte Carlo – ein fahrbares Verhörzimmer, eine rollende Sphäre der Manipulation. Das Auto wird zur Bühne für Demütigung, Drohung und schleichende Indoktrination.

Zwei Männer, zwei Welten: Der Idealist und das Biest

Ethan Hawke wurde für seine Rolle zurecht für den Oscar als Bester Nebendarsteller nominiert. Er spielt Jake mit einer feinfühligen Mischung aus Naivität und wachsendem Zweifel. Man sieht in jeder Szene: Dieser junge Cop will das Richtige tun – aber er weiß bald nicht mehr, was „richtig“ eigentlich bedeutet.

Denzel Washington hingegen explodiert in der Rolle des Alonzo Harris. Seine Figur ist keine Karikatur eines bösen Cops. Sie ist viel gefährlicher: ein Mensch, der einmal angetreten ist, das Richtige zu tun – und dabei innerlich zerbrochen ist. Washington wurde für diese Rolle mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet – verdientermaßen. Es war seine erste Auszeichnung in einer Hauptrolle, nach seinem Nebendarsteller-Oscar für Glory (1989).

Sein Satz: „Ich bin das Gesetz!“, hallt wie ein Fluch durch den Film. Oder: „Glaub ja nicht, du kannst hier alleine herkommen. Das Viertel frisst dich lebendig.“ Solche Zeilen brennen sich ein. Und dann natürlich der wohl berühmteste Ausbruch: „King Kong hat gegen mich keine Chance!“ – eine Mischung aus Größenwahn und Todesangst. Unvergesslich bleibt auch die Szene, in der Alonzo gemeinsam mit Jake in den Himmel heult – wie zwei Wölfe, Seite an Seite. „Ein Wolf erkennt einen anderen“, sagt Alonzo. Der Heulmoment ist keine Parodie – er ist Teil einer tiefen, animalischen Initiation. Jake soll in den Rudelgeist eintauchen, die Sprache des Überlebens lernen. Doch was Alonzo übersieht: Jake ist kein Wolf. Er bleibt Mensch.

Der Monte Carlo – Alonzos rollendes Imperium

Der schwarze Chevrolet Monte Carlo SS, Baujahr 1979, ist nicht einfach nur ein Auto. Er ist Alonzos fahrendes Büro, sein Panzer, sein Thron, sein flüchtiger Schutzraum vor einer Welt, die er zu kontrollieren glaubt – und die ihn am Ende doch verschlingt. Als Jake Hoyt in das Fahrzeug steigt, beginnt nicht nur ein physischer Roadtrip durch die gefährlichsten Viertel von Los Angeles – es ist eine Reise in Alonzos moralisches Innerstes.

Kein Schreibtisch, kein Revier. Der Monte Carlo ist sein Verhörzimmer, seine Kommandozentrale, seine Waffe. Die tief getönten Scheiben, das laute Röhren des V8-Motors, die dunkle Lederausstattung – all das strahlt Dominanz und Unnahbarkeit aus. Wer mit Alonzo fährt, unterwirft sich seinem Gesetz.

Doch im Laufe des Films verändert sich das Verhältnis zum Auto. Aus dem trutzigen Bollwerk wird eine fahrende Zelle der Paranoia. Der Wagen, einst Ausdruck von Coolness und Macht, wird von Minute zu Minute enger, bedrohlicher – so wie sich Alonzos Handlungsspielraum verengt. Die Polizei hat ihn längst im Visier. Die Gangs spüren seine Schwäche. Und Jake beginnt zu begreifen, was für ein Spiel hier gespielt wird.

Am Ende steht das Fahrzeug symbolisch für den Zusammenbruch einer Fassade: Als Alonzo auf offener Straße flieht, wird der Monte Carlo von Maschinengewehrsalven durchsiebt – durchlöchert wie sein moralisches System. Der Wagen, einst so sicher, wird zum Sarg. Ein mobiles Königreich, das im Kugelhagel untergeht.

Der Monte Carlo ist keine Requisite. Er ist ein Charakter. Und sein Schicksal ist untrennbar mit Alonzos Fall verbunden.

Drehorte: Wo L.A. selbst zur Figur wird

Was Training Day so unvergleichlich authentisch macht, sind nicht nur Figuren und Dialoge – sondern die Entscheidung, ausschließlich an Originalschauplätzen in Los Angeles zu drehen. Antoine Fuqua und sein Team begaben sich tief hinein in Viertel wie South Central, Watts, Crenshaw und Rampart – Orte, die sonst selten so realitätsnah im Mainstream-Kino gezeigt werden. Die Kamera taucht ein in Straßenkreuzungen, verfallene Häuserzeilen, triste Innenhöfe, aus denen keine Helden hervorgehen – sondern Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen.

Die Produktion arbeitete eng mit Anwohnern, lokalen Autoritäten und teils sogar mit echten Gang-Mitgliedern zusammen, um Respekt und Sicherheit während der Dreharbeiten zu gewährleisten. Es ist diese Nähe zur urbanen Realität, die dem Film seine viszerale Wucht verleiht. L.A. ist hier keine Postkartenkulisse, sondern ein atmender Organismus – ein Charakter für sich.

Doch es geht noch weiter: Der Zuschauer selbst wird Teil dieses Organismus. Er gleitet gemeinsam mit Jake durch die Stadt, spürt die Hitze, den Staub, die Anspannung. Die Kamera erlaubt keinen Abstand. Sie zwingt zur Nähe. Die Schauspieler bewegen sich nicht vor einem Hintergrund – sie sind Teil eines lebendigen, gefährlichen, fast schon morbiden Molochs. Die Stadt verschlingt, verwandelt, entlarvt. Und auch der Zuschauer wird von ihr gefordert, verschlungen, geprüft.

Training Day gelingt es so, nicht nur ein moralisches Drama zu erzählen – sondern ein filmisches Dokument über eine Stadt im Ausnahmezustand. Eine Stadt, die lebt. Und die ihre Zähne zeigt.

Der Informant, die Schneckengeschichte – und ein eiskalter Mord

Eine Szene, die exemplarisch für Alonzos zynische, manipulative Kälte steht, ist der Umgang mit dem Informanten Roger, einem ehemaligen Kollegen und scheinbaren Freund. Roger empfängt Alonzo und Jake mit offenen Armen. Er erzählt eine skurrile Geschichte: Eine Schnecke kriecht über eine Terrasse und wird vom Hausbesitzer mehrfach wieder hinausgeworfen. Doch jedes Mal kehrt sie zurück. Irgendwann sieht der Mann die Schnecke wieder und sagt nur noch: „Du schon wieder?“ – Eine absurde, beinahe zenartige Anekdote, die von Ausdauer, Wiederholung und vielleicht auch Resignation erzählt.

Doch dieser vermeintlich weise, schrullige Mann – ein Inbegriff dessen, was in einem System überlebt hat – wird von Alonzo brutal geopfert. Roger wird erschossen. Nicht im Affekt, nicht aus Notwehr – sondern planvoll, eiskalt. Jake ist dabei. Und damit in ein Komplott verwickelt, das weit über das hinausgeht, was er zu Beginn für möglich hielt.

Alonzo tötet einen alten Freund, um Bargeld zu rauben, das er braucht, um sich aus seiner eigenen Schuldenfalle in Las Vegas freizukaufen. Er lässt Jake mit der Tat zurück – als Mitwisser, als potenziellen Komplizen, als gefügig Gemachten. Es ist ein Test. Und eine Grenzüberschreitung.

Atmosphäre und Kamera: Das unsichtbare Dritte in jedem Dialog

Was Training Day so unvergleichlich macht, ist nicht nur das Schauspiel – sondern die Atmosphäre. Kameramann Mauro Fiore (später Oscar-Gewinner für Avatar) taucht das sonnendurchflutete L.A. in eine gleißende Hitze, die fast physisch spürbar wird. Es ist ein urbanes Fieber – ein Blick in die Eingeweide der Metropole.

Die Kamera folgt Alonzo und Jake durch Straßen, in Wohnungen, an Straßenecken – mit einer ruhelosen Energie. Es ist, als würde man selbst mit im Auto sitzen, den Schweiß riechen, die Angst schmecken. Antoine Fuqua, selbst aufgewachsen in den harten Vierteln von Pittsburgh, bringt ein Gefühl von Authentizität mit, das seinesgleichen sucht. Er sagte einmal: „Die Straße ist ein Charakter in meinem Film.“

Sex, Macht und Verantwortungslosigkeit: Eva Mendes als Symbolfigur

Eine Szene, die oft übersehen wird und doch viel über Alonzos Wesen verrät, ist sein Auftritt bei Eva Mendes alias Sara, seiner Geliebten. Im Film selbst nennt sie sich ironisch seine „Billigmaus“. Sie lebt in einer kleinen Wohnung mit Alonzos kleinem Sohn. Doch Alonzo, der sich selbst als Vater sieht, hat keinen Blick für das Kind. Während Jake mit dem Jungen fernsieht und für einen Moment so etwas wie menschliche Wärme zulässt, zieht Alonzo sich mit Sara ins Schlafzimmer zurück – um Sex zu haben.

Diese Szene ist schockierend in ihrer Gleichgültigkeit. Der Zuschauer erkennt: Für Alonzo zählt nur seine Macht, seine Lust, seine Kontrolle. Alles andere – Verantwortung, Liebe, Vaterschaft – ist ihm gleichgültig. Auch hier ist Jake der stille, moralisch überlegene Gegenpol. Er sorgt sich um den Jungen, er sieht das Kind. Alonzo hingegen sieht nur sich.

Soundtrack: Die Musik der Straße – ein epischer Puls

Ebenso essenziell für die Wirkung des Films ist der Soundtrack. Die Musik ist nicht nur atmosphärisches Beiwerk – sie ist emotionale Verstärkung, Identitätsstiftung, Kommentar. Wenn Jake das erste Mal in den Monte Carlo steigt und Still D.R.E. von Dr. Dre feat. Snoop Dogg läuft, entfaltet sich ein Moment filmischer Magie.

Jake fährt an jenen Männern vorbei, die ihn später gefangen nehmen und töten sollen – scheinbar beiläufig eingeführt. Und doch: Diese Straße hat Gedächtnis. Jake überlebt letztlich nur, weil er zuvor der Nichte eines Gang-Bosses geholfen hat.

Besonders bemerkenswert: Cliff Curtis als „Smiley“ und Raymond Cruz – besser bekannt als Tuco Salamanca in Breaking Bad. Ihre Auftritte verleihen der Szene schauspielerisches Gewicht und kulturelle Tiefe.

System in Symbiose: Polizisten, Staatsanwälte, Schweigen

Ein stiller, aber umso erschütternderer Moment ist das Geschäftsessen mit Detectives und Staatsanwälten. Jake sitzt dabei – stumm, befremdet. Alonzo aber gehört dazu. Die Männer wissen über Alonzos Verwicklungen in Las Vegas Bescheid. Doch niemand spricht es offen an. Man deckt sich. Die Justiz schützt sich selbst. Der Rechtsstaat erscheint als Bühne für Insider, Mitwisser, Schweigende.

Finaler Showdown: Der Untergang eines Mannes, der glaubte, unantastbar zu sein

Am Ende fällt Alonzo. Und zwar nicht durch einen heldenhaften Showdown, nicht im Kugelhagel auf dem Dach, nicht im Duell mit Jake – sondern auf offener Straße. Allein. Von jenen erschossen, die er zuvor selbst zu manipulieren und zu beherrschen glaubte: die Russen. Es sind die Männer, deren Zorn er sich in Las Vegas durch ein missglücktes Spiel und einen Mord auf sich gezogen hatte.

Sie kommen nicht mit Pathos, sondern mit Präzision. Kein Wort zu viel. Kein Zögern. Nur Kugeln. Der letzte Blick auf Alonzo ist der eines Mannes, der merkt, dass die Straße niemandem verzeiht. Dass selbst der „King Kong der Cops“ sterblich ist. Und in seinem Fall – ersetzbar.

Unvergessen bleibt der Moment, in dem einer der russischen Auftragskiller über Alonzos Leiche hinweg hämisch lacht. Es ist kein lautes, überdrehtes Gelächter – es ist kalt, höhnisch, ein grausames Echo auf Alonzos Hybris. Dieses Lachen schneidet tiefer als jede Kugel. Es ist das Lachen eines Systems, das sich seiner Mittel sicher ist. Und das mit Alonzo abrechnet wie mit einem überfälligen Schuldenkonto.

Jake hingegen überlebt. Aber verändert. Still. Er kehrt heim – wortlos. Und weiß: Das Gesetz ist nicht gerecht. Es ist eine Illusion. Und Gerechtigkeit ist in dieser Welt ein stiller, unbequemer Kompromiss.

Fazit: Ein Meisterwerk, das bleibt

Training Day ist ein Film über Macht, Moral und das tägliche Überleben im Sumpf eines Systems. Kein Film, den man konsumiert. Ein Film, der einen prüft. Der einen zurückwirft. Der bleibt.

Epilog: Ein Film, der mich nie losließ

Als ich Training Day das erste Mal sah, war ich jung. Beeindruckbar. Aber dieser Film hat mich nie wieder losgelassen. Ich habe ihn zwanzig Mal gesehen – und er ist immer noch nicht fertig mit mir.

Denn in jeder Szene steckt eine Wahrheit. In jedem Satz eine Warnung. Und in jeder Figur ein Spiegel.

„Du willst Polizist werden? Dann lern zu schwimmen. Hier draußen gibt es keine Rettungsringe.“ – Alonzo Harris

Training Day – Filmdaten

TitelTraining Day
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2001
Länge122 Minuten
Altersfreigabe (FSK)ab 16 Jahren
GenreCop-Thriller, Drama
Kinostart (USA)5. Oktober 2001
Kinostart (Deutschland)25. April 2002
VerleihWarner Bros. Pictures

Stab

PositionName
RegieAntoine Fuqua
DrehbuchDavid Ayer
ProduktionJeffrey Silver, Robert Newmyer
MusikMark Mancina, Dr. Dre, Snoop Dogg
KameraMauro Fiore
SchnittConrad Buff IV

Besetzung (Hauptrollen)

RolleDarsteller/in
Alonzo HarrisDenzel Washington
Jake HoytEthan Hawke
RogerScott Glenn
SmileyCliff Curtis
SniperRaymond Cruz
SaraEva Mendes
BlueSnoop Dogg
PaulDr. Dre
Sandman’s WifeMacy Gray

Training Day – Zitate mit Kontext (Deutsch & Englisch)

Zitat (Deutsch)Zitat (Englisch)SprecherKontext
King Kong hat gegen mich keine Chance!King Kong ain’t got shit on me!Alonzo HarrisAlonzo schreit dies in wilder Hybris auf der Straße, als er glaubt, die Kontrolle über alles zu haben.
Du störst mich beim Lesen. Unterhalt mich.You’re interrupting my reading. Entertain me.Alonzo HarrisBeim ersten Treffen mit Jake im Diner – ein Test, wer die Oberhand hat.
Du sitzt schon drin.You’re already in it.Alonzo HarrisAuf die Frage, wo sein Büro sei – gemeint ist sein Auto, das zur Machtzentrale wird.
Ich bin das Gesetz.I am the law.Alonzo HarrisEin selbstherrliches Statement während eines Machtmonologs.
Glaub ja nicht, du kannst hier alleine herkommen. Das Viertel frisst dich lebendig.Don’t ever come back here alone. You’ll get eaten alive.Alonzo HarrisWarnung an Jake beim Durchqueren der gefährlichen Viertel.
Du willst Polizist werden? Dann lern zu schwimmen. Hier draußen gibt es keine Rettungsringe.You wanna be a cop? Learn to swim. There are no lifeguards out here.Alonzo HarrisMetaphorisch gemeint: In seinem Revier gibt es keine Hilfe.
Wenn du das Richtige tust, machst du dich angreifbar. Wenn du das Falsche tust, lebst du länger.Doing what’s right gets you killed. Doing what’s wrong keeps you alive.Alonzo HarrisAlonzos Philosophie der Überlebensstrategie.
Erzähl mir nicht, du hast das nicht gewusst. Du warst dabei.Don’t tell me you didn’t know. You were there.Alonzo HarrisAlonzo zieht Jake in seine Machenschaften mit rein.
Es ist nicht das, was du weißt – es ist, was du beweisen kannst.It’s not what you know, it’s what you can prove.Alonzo HarrisZynischer Kommentar über das amerikanische Justizsystem.
Du denkst, du weißt alles, aber du hast keinen Schimmer.You think you know, but you don’t have a clue.Alonzo HarrisArrogantes Abwatschen von Jakes Idealismus.
Jeder Mann hat seinen Preis. Ich kenne deinen noch nicht.Every man’s got a price. I just don’t know yours yet.Alonzo HarrisManipulative Andeutung gegenüber Jake.
Manchmal musst du ein Biest sein, um Biester zu jagen.Sometimes you gotta be a beast to hunt beasts.Alonzo HarrisRechtfertigung seiner brutalen Methoden.
Glaubst du, ich habe das hier einfach so bekommen? Ich hab es mir genommen!You think I got this by chance? I took it!Alonzo HarrisÜber seine Machtposition im kriminellen Machtgefüge.
Du denkst, du bist besser als ich? Nur weil du noch nicht genug Dreck gefressen hast?You think you’re better than me? You just ain’t had enough dirt yet.Alonzo HarrisVerächtlicher Kommentar zu Jakes Moral.
Hier draußen gibt es keine Medaillen für Moral.There are no medals for morality out here.Alonzo HarrisRealistische, resignierte Sichtweise auf Polizeiarbeit.
Das hier ist der echte Dschungel. Und ich bin der König.This is the jungle. And I’m the king.Alonzo HarrisSelbstinszenierung in der Gangstruktur.
Du bist entweder mit mir oder gegen mich.You’re either with me or against me.Alonzo HarrisErzwingt Loyalität von Jake.
Die Straße liebt keinen. Und sie verzeiht nie.The street loves no one. And it never forgives.Alonzo HarrisKalter Kommentar zur Lebensrealität auf der Straße.
Du denkst, du kannst hier raus und dich verstecken? Du wirst nie mehr schlafen können.You think you can run and hide? You’ll never sleep again.Alonzo HarrisAlonzos Drohung gegenüber Jake.
Du hast es vergeigt, Junge. Du hast alles vergeigt!You messed up, boy. You messed up everything!Alonzo HarrisVerzweiflung am Ende, kurz vor seinem Tod.

Filmkritik: Michael Manns Miami Vice (2006) zwischen Tropennacht, Traumbild und Abschied

Es gibt Filme, die man wegen ihrer Handlung liebt. Filme, die man zitiert, weil sie witzig oder klug sind. Und dann gibt es Filme wie Michael Manns Miami Vice (2006): Filme, die sich nicht erzählen lassen, weil sie nicht in Worten, sondern in Temperaturen, Geräuschen und Blicken existieren. Filme, die weniger ein Werk als ein Zustand sind.

Miami Vice ist eine Einladung, für zwei Stunden in ein fremdes, verschwommenes, brennendes Jetzt einzutauchen. Es ist ein Film, der uns weniger die Geschichte von zwei Undercover-Ermittlern erzählt als vielmehr das Gefühl gibt, zwischen Hitze, Adrenalin und Kontrollverlust zu existieren.

Michael Mann, der präzise Architekt urbaner Einsamkeit (Heat, Collateral), inszeniert hier nicht einfach ein Remake der berühmten 80er-Serie, deren visuelles Erbe er selbst einst geprägt hat. Vielmehr unternimmt er den radikaleren Versuch, die Oberfläche des digitalen Films auszuloten – nicht als technisches Werkzeug, sondern als Ausdrucksform eines neuen Realismus. Miami Vice ist kein Thriller im klassischen Sinn, sondern ein Film über die Porosität der Identität. Über die Auflösung von Grenzen: zwischen Gut und Böse, zwischen Rolle und Realität, zwischen Subjekt und Oberfläche.

Als ich den Film sah, war ich mitten in meiner Jugend. Wir waren zwar zu jung für das Original, das spät nachts auf Arte oder RTL II lief, aber wir kannten es trotzdem – über große Brüder, Väter, Memes, Soundtracks. Die Serie lief ursprünglich im ZDF, wo sie in den 80er-Jahren für viele Zuschauer ein Fenster in eine andere Welt war – sonnengebleicht, musikalisch, modern. wurde aber in den USA konzipiert, um dem neu gegründeten MTV etwas entgegenzusetzen – visuell, musikalisch, rhythmisch. Sie war eine Art Antwort des Fernsehens auf den Clip. Retro-Gold war das für uns allemal, aber Manns Film war Gegenwart. Und für mich war es so, dass er sich wie eine Nacht anfühlte, in der man zu tief drin steckt, um noch zurückzukehren. Er hat etwas Taumelndes, Unscharfes, aber zugleich Elektrisches. Etwas, das nicht erklärt, sondern gespürt werden wollte.

Crockett und Isabella

Oberflächlich betrachtet ist Miami Vice ein Actionfilm. Es gibt Schießereien, schnelle Autos, verdeckte Ermittlungen, Explosionen. Die Handlung? Geschenkt. Sie dient lediglich als Gefäß: Crockett und Tubbs schleusen sich tief in ein Drogenkartell ein, treffen auf den gefährlich höflichen Jesús Montoya und dessen Finanzchefin Isabella, mit der Crockett eine gefährliche Affäre beginnt. Alles Weitere ist Staffage. Was bleibt, ist Atmosphäre. Der Film ist eine Textur, eine Erinnerung, kein Bericht. Er ist wie ein Tag in den Tropen – flirrend, fließend, drückend, und doch voll Schönheit. Er atmet Miami, saugt dessen Hitze, dessen Licht, dessen Rhythmus auf und verwandelt alles in pures Kino.

Und dann ist da der Killer des Kartells – der eiskalte Disco-Besitzer Yero, gespielt von John Ortiz. Wortkarg, effizient, gnadenlos. Eine Figur wie aus einem Sergio-Leone-Film gefallen, aber in digitaler Geschwindigkeit. Sein Gesicht bleibt leer, seine Bewegungen präzise. Er wirkt wie die algorithmische Entsprechung von Gewalt: emotionslos, berechenbar, tödlich. Er spricht selten, handelt schnell und verschwindet im Dunkel – ein Phantom, das sich nie erklärt. In ihm verdichtet sich die klinische Kälte des Systems, das Mann zeigt: Nicht das Böse ist gefährlich – sondern seine Organisation.

2006 war ein seltsames Jahr für das Kino. Children of Men erschien, ein Film über die Auslöschung der Zukunft. Babel von Iñárritu zersplitterte die Welt in Kommunikationskrisen. The Departed brachte uns den klassischen Verratsplot zurück, aber in einer Welt, in der keiner mehr weiß, wer zu wem gehört. Und mitten in all dem: Miami Vice. Kein politisches Statement, kein Weltuntergangsfilm – sondern ein ästhetisches Ereignis. Als wollte dieser Film sagen: Die Welt geht nicht mit einem Knall unter, sondern in einem Soundtrack aus Synths, Schweiß und Schweigen.

Musik als Atmosphäre, nicht als Kulisse

Der Soundtrack von Miami Vice ist mehr als ein klangliches Gerüst – er ist eine narrative Kraft, ein emotionaler Kompass, eine zweite Kamera. Die Auswahl reicht von elektronischen Ambient-Texturen bis zu dramatisch aufgeladenem Rock. Besonders das Stück „One of These Mornings“, geschrieben und produziert von Moby, mit der Stimme von Patti LaBelle, begleitet die ikonische Bootsfahrt nach Havanna wie ein stilles Gebet. Wind im Haar, das Boot schneidet durchs Meer, keine Worte – nur Musik und Haut und Licht. Das ist keine Szene. Das ist ein Zustand.

Aber auch Mogwai prägt mit „Auto Rock“ und „We’re No Here“ das tonale Grundrauschen des Films – unheilvoll, treibend, lautlos gefährlich. Moby kehrt mit „Anthem“ in Momenten wieder, in denen die Handlung sich beinahe verliert – der Ton hält, was das Bild verflüchtigt. Audioslave steuert mit „Shape of Things to Come“ und „Wide Awake“ den düsteren Rock-Entwurf bei, der perfekt zum brodelnden Inneren der Figuren passt – besonders zu Crocketts fiebriger Orientierungslosigkeit.

Der Remix von Phil Collins’ „In the Air Tonight“, hier interpretiert von Nonpoint, mag für manche Puristen ein Sakrileg sein – doch in Manns Händen wird der Song zu einer neuen Erzählung: rohe Energie trifft auf melancholische Vorahnung. Und Goldfrapps „Strict Machine“ sowie Freaky Chakras „Blacklight Fantasy“ liefern die kühle Clubästhetik der Miami-Nächte, in denen Körper wie Datenströme zirkulieren.

India Arie bringt mit „Ready for Love“ eine flüchtige Zärtlichkeit ins Spiel, während Nina Simone in der Felix-Da-Housecat-Version von „Sinnerman“ eine fiebrige Transzendenz entfesselt – ekstatisch und entrückt. Jay-Z und Linkin Park verbinden mit „Numb/Encore“ Welten, die in Miami Vice ohnehin nur durch Risse getrennt sind. Und Blue Foundation mit „Sweep“ sorgt für jenen weichen, schwebenden Klang, der das Digitale fast sinnlich erscheinen lässt.

Der Soundtrack ist damit keine Untermalung, sondern ein bewusst eingesetztes Erzählmittel. Eine Mischung aus Beklemmung und Weite, aus Distanz und Intimität. Aus all dem, was diesen Film zu dem macht, was er ist: ein Zustand, ein Rausch, ein Klangraum im Tropenlicht.

Mit dem Speedboot nach Kuba.

Gedreht mit der Viper-Filmkamera – ein Novum 2006 – wird Licht zur Sprache. Die Nacht ist real. Poren, Schweiß, die Unebenheiten von Haut und Beton – alles bekommt Gewicht. Mann malt mit Pixeln, nicht mit Licht. Das Digitale ist hier kein Stilmittel, sondern ein Wahrnehmungsorgan. Kein Film hat je zuvor die tropische Hitze Floridas so spürbar gemacht. Das Bild ist kein Träger – es ist Temperatur.

Colin Farrells Crockett ist ein Schatten seiner selbst. Die Ray-Ban eine Maske. Der Blick leer. Er ist kein cooler Cop, sondern ein Mann, der in seiner Rolle zu weit gegangen ist und nicht mehr zurückfindet. Seine Liebe zu Isabella ist keine Flucht – sie ist ein kurzes Blinzeln im grellen Licht. Ihre Beziehung ist keine romantische Projektion, sondern körperlich, spürbar, erotisch. Zwei Körper, die einander erkennen, weil sie sich in der Bewegung verstehen. Gong Li spielt keine Klischee-Figur. Sie ist keine Muse, sondern ein Spiegel. Sie verwaltet Milliarden, liebt kontrolliert, und hat jederzeit die Zügel in der Hand. Ihre Rolle ist nicht die der Verführten – sondern der Getarnten. Die Szene, in der sie und Crockett schweigend auf Havanna zufahren, während sich das Wasser in goldene Schlieren auflöst, ist mehr als Liebe. Es ist Erlösung auf Zeit.

Dass Farrell hier so überzeugend einen zerrissenen, innerlich ausgebrannten Ermittler spielt, ist kein Zufall. Privat kämpfte er zu dieser Zeit mit Alkoholproblemen und einer persönlichen Krise. Die Müdigkeit in seinem Blick, das unrasierte Gesicht, die spröde Körperlichkeit – das ist nicht gespielt, das ist gelebt. Farrell selbst sagte später in Interviews, dass Miami Vice ihn an seine Grenzen gebracht habe – emotional wie körperlich.

Und auch John Ortiz, der Darsteller des Disco-Besitzers Yero, bringt mehr mit als nur einen kühlen Blick. Der puertoricanische Schauspieler hatte sich schon in Independent-Filmen einen Namen gemacht und ist bekannt für seine kluge, kontrollierte Darstellung von Machtausübung. Yero ist bei ihm keine überzeichnete Karikatur, sondern eine kalkulierende Kraft – leise, wachsam, gefährlich. Eine Figur wie ein Schattenriss. Und fast beiläufig, aber mit umso größerer Wirkung, streift der Film auch eine andere Schattenwelt: die der „arischen Bruderschaft“. Eine ultrabrutale Gefängnisbande, deren ideologische Grausamkeit und kriminelle Netzwerke im Hintergrund des Drogengeschäfts mitschwingen. Mann zeigt sie nicht plakativ – aber er deutet an, wie tief die Risse im sozialen Gefüge gehen. Die weiße Vorherrschaft tarnt sich hier nicht in Parolen, sondern in ökonomischer Gewalt und strukturellem Zugriff. In einer der eindrücklichsten Szenen taucht der Chef der Bruderschaft auf – ein schmieriger, muskulöser Machtmensch mit SS-Tattoo, gespielt mit erschreckender physischer Präsenz von Tom Towles, der mit Kaugummi im Mund eine eiskalte Lässigkeit in die Rolle bringt. Kein brüllender Neonazi, sondern ein Mann, der an seine eigene Gewalt glaubt – und sie wie ein stilles Gebet ausführt. Besonders prägend: der Moment, in dem er einem Informanten direkt ins Gesicht sagt: „Hey Igor, mein Freund… sag mir, seit wann arbeitest du fürs FBI?“ Sekunden später ist der Mann tot. Kein Gericht, kein Zweifel, kein Erbarmen. Nur eine Frage – und ein Urteil, das in Blei mittel Maschinen-Gewehr-Salve geschrieben wird.

Tom Towles

Gong Li schließlich – die große Dame des chinesischen Kinos, bekannt aus den Filmen von Zhang Yimou – bringt mit ihrer Präsenz einen ganz anderen Takt in diesen Film. Sie spricht mit Akzent, ja. Aber das verstärkt nur ihren Status als Fremde in dieser Welt. Ihre Eleganz ist weltentrückt. Sie ist nicht Teil der Oberfläche – sie durchdringt sie. Ihre Szenen mit Farrell sind nicht nur erotisch – sie sind wie aus einer anderen Filmzeit gefallen. Kein Hollywood-Kitsch, sondern visuelle Poesie. Auch in der deutschen Fassung verliert diese Figur nichts von ihrer fremden, kühlen Schönheit. Meylan Chao, die Synchronsprecherin Isabellas, trifft mit ruhiger, fast beherrschender Stimme genau den Ton, den Gong Li vorgibt: kontrolliert, minimalistisch, aber mit einem Hauch Glut unter der Oberfläche. Ihre Stimme klingt nie süßlich oder unterwürfig – sie klingt wie ein letzter Schatten im Sonnenlicht. Eine akustische Entsprechung jener wortlosen Präsenz, die Isabellas Rolle im Film so besonders macht.

Sprache der Gewalt – Gewalt der Sprache

Luis Tosars Montoya ist kein Bösewicht. Er ist ein Konzept. Seine Höflichkeit ist unheimlicher als jede Brutalität. Er tötet mit Gesten. Mit Pausen. Mit Sätzen. „Sollten wir zusammenarbeiten, würde mich das freuen. Sollten wir es nicht tun – nun, dann ist das eben so.“ Und am Ende: „Grüßen Sie Ihre Familien von mir.“ Fünf Worte, die mehr Sprengkraft haben als ein Maschinengewehr. In seiner ruhigen Dominanz erinnert er mehr an einen Bankier als an einen Drogenlord – und vielleicht ist das die eigentliche Fratze der Macht.

Luis Tosar als Montoya

2006 – das letzte Jahr vor dem digitalen Tsunami. Keine Smartphones, keine Cloud. Die Welt in Miami Vice ist noch analog, körperlich, verschwitzter. Kommunikation funktioniert über Blickkontakt, nicht über Nachrichtentöne. Diese Welt wirkt heute wie eine verlorene Epoche – oder eine Zukunft, die wir nie hatten. Die Clubs sind laut, aber nicht durchgeplant. Die Gespräche sind flüchtig, nicht dokumentiert. Das Leben hat noch Spielräume. Der Film zeigt diese Welt nicht nostalgisch – sondern seismografisch.

Die Dreharbeiten waren geprägt von äußeren Widrigkeiten. Hurrikan Katrina zwang das Produktionsteam zur Unterbrechung, Teile des Films mussten an anderen Orten fortgesetzt werden. Was bei anderen Filmen zum Bruch geführt hätte, wurde bei Miami Vice zur Ästhetik: Unschärfe, Ortswechsel, Fragmentierung – all das spiegelt sich in der filmischen Sprache wider. Die Figuren stolpern voran, als wüssten sie selbst nicht, wie der nächste Schnitt aussieht. Der Film wirkt, als habe er selbst seine Balance verloren – und dadurch eine neue Tiefe gewonnen.

Das Ende verweigert sich jeder Form von Katharsis. Kein abschließender Handschlag, keine Gerechtigkeit, kein Pathos. Tubbs besucht seine schwer verletzte Freundin. Crockett bleibt allein. Die Sonne geht nicht auf. Es bleibt still. Dieses Ende ist radikal. Es sagt: Das war es nicht. Das war keine Erlösung. Keine Heldenreise. Nur eine Episode – vielleicht sogar ein Fehler. Dass es ausgerechnet mit Schweigen endet, ist nur folgerichtig in einem Film, der seine stärksten Momente nicht spricht, sondern atmet.

Heute, fast zwei Jahrzehnte später, wirkt Miami Vice nicht alt. Es wirkt auch nicht modern. Es wirkt zeitlos – weil es sich nicht anbiedert, nichts erklärt, nichts beweisen will. Weil es kompromisslos ist. Die Kameraarbeit hat das moderne Actionkino beeinflusst. Der Soundtrack ist legendär. Die Hauptfigur ein Archetyp: zerrissen, verloren, schön. Und weil dieser Film nie erklärt, wie man ihn zu lesen hat, bleibt er offen – wie ein offener Abendhimmel über tropischem Wasser.

Miami Vice ist kein Film, den man konsumiert. Er ist ein Film, den man durchlebt. Wer ihn sieht, wird ihn nicht erklären wollen – sondern erinnern. An eine Nacht. An ein Gefühl. An einen Blick. Es ist kein Remake. Kein Thriller. Kein Popcorn-Kino. Es ist eine melancholische Elegie auf die Moderne, erzählt in Pixeln und Beats. Ein Film wie eine verschwitzte Stirn im Morgengrauen. Wie das Rauschen des Meeres in einer heißen Nacht.

Michael Manns Miami Vice ist nicht cool – er ist kühl. Und in dieser Kühle liegt eine unendliche Schönheit.

Und vielleicht war dieser Film mehr als nur ein Abgesang. Vielleicht war er eine leise Verbeugung vor einer Ära, die gerade verging, ohne dass wir es in jenem Moment ganz begriffen hätten. 2006 – das war nicht nur ein Jahr des digitalen Aufbruchs, sondern auch das Ende einer bestimmten Art von Kinoerlebnis. Einer Intimität, die sich nicht in Echtzeit teilte. Einer Männlichkeit, die nicht lärmte, sondern schwieg. Einer Tiefe, die sich nicht erklärte, sondern unter der Oberfläche bebte.

Für viele Jüngere, die die 80er-Jahre nur aus Erzählungen, verschwommenen Fernsehbildern oder Soundtracks kannten, wurde Miami Vice zur Projektionsfläche: Es war Retro und Gegenwart zugleich. Für andere – jene, die in den 80ern aufwuchsen, deren Nächte von Neon und Synthesizerklängen durchzogen waren – war der Film ein Wiedersehen mit einer Zeit, die längst vergangen schien. Vielleicht lag darin seine eigentliche Magie: im Nachbild einer Ära, deren Ästhetik schon Mythos war, deren Figuren aus Rauch und Schatten bestanden, deren Gesten langsamer und bedeutungsvoller waren. Fast zeitgleich erschien auch Bad Boys II (2003), inszeniert von Michael Bay – ein anderer Blick auf Miami, lauter, exzessiver, greller. Kein Film von Michael Mann, aber ein Film aus derselben Dämmerungszone zwischen altem Kino und neuer Bildsprache. Während Bad Boys II die Stadt in greller Bewegung zeigte, hielt Miami Vice inne – und lauschte auf das, was unter der Oberfläche vibrierte: Es war Retro und Gegenwart zugleich. Es erinnerte an etwas, das man selbst nie erlebt hatte – aber zu kennen meinte. Vielleicht lag darin seine eigentliche Magie: im Nachbild einer Ära, deren Ästhetik schon Mythos war, deren Figuren aus Rauch und Schatten bestanden, deren Gesten langsamer und bedeutungsvoller waren.

Miami Vice war nie nur Stil. Es war ein Gefühl – melancholisch, kühl, unübersetzbar. Eine Ahnung davon, wie es gewesen sein könnte. Ein Blick zurück, nicht aus Nostalgie, sondern aus Sehnsucht. Und vielleicht auch aus Angst vor dem, was kommen würde.

In dieser Form war es das letzte seiner Art. Ein Film wie eine ferne Erinnerung – an etwas, das nie ganz greifbar war. Und gerade deshalb unvergesslich.


Kurzinhalt

Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, Undercover-Ermittler der Drogenfahndung in Miami, tauchen tief in die Strukturen eines internationalen Drogenkartells ein, als ein FBI-Informant enttarnt und getötet wird. Im Zuge ihrer Operation begegnet Crockett der kühlen Kartell-Finanzchefin Isabella – und beginnt eine verhängnisvolle Affäre. Während sich Tubbs’ Team auf einen gefährlichen Schlagabtausch vorbereitet, verschwimmen für Crockett zunehmend die Grenzen zwischen Beruf und persönlichem Abgrund. Gewalt, Loyalität, Verrat – Miami Vice erzählt diese Themen nicht, es lässt sie spüren.

Der Film ist weniger klassische Handlung als dichte Stimmung, weniger Dialog als Zustand. Es ist eine Geschichte über Kontrolle – und über deren Verlust, über Nähe, die sich nicht mitteilen kann, und über eine Welt, in der die digitale Oberfläche das letzte bleibt, woran sich die Menschen halten.

Übersicht: Miami Vice (2006)

TitelMiami Vice
RegieMichael Mann
DrehbuchMichael Mann
ProduktionMichael Mann, Pieter Jan Brugge
KameraDion Beebe
SchnittWilliam Goldenberg, Paul Rubell
MusikJohn Murphy, Klaus Badelt; Soundtrack mit u. a. Moby, Audioslave, Mogwai, Nina Simone, Jay-Z, Linkin Park
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Länge134 Minuten (Kinofassung), 140 Minuten (Director’s Cut)
Altersfreigabe (FSK)16
Erscheinungsjahr2006
Kinostart (USA)28. Juli 2006
Kinostart (Deutschland)24. August 2006
Budgetca. 135 Millionen US-Dollar
Einspielergebnisca. 164 Millionen US-Dollar weltweit

Besetzung (Auswahl)

RolleDarsteller
Det. Sonny CrockettColin Farrell
Det. Ricardo TubbsJamie Foxx
IsabellaGong Li
Jesús MontoyaLuis Tosar
Yero (Disco-Besitzer)John Ortiz
Aryan Brotherhood BossTom Towles
Trudy JoplinNaomie Harris
Gina CalabreseElizabeth Rodriguez
Lt. CastilloBarry Shabaka Henley

Ethnopluralismus als Ordnung des Friedens – Ein rechter Humanismus

Über das Recht, verschieden zu bleiben – und die Pflicht, das Eigene zu bewahren

Ich habe lange geglaubt, die Welt müsse sich angleichen, um friedlich zu werden. Doch ich musste lernen, dass das Gegenteil wahr ist. Man hat uns gelehrt, die Welt als Einheit zu begreifen. Der Entopluralismus, wie ihn Denker der Nouvelle Droite wie Alain de Benoist, Martin Lichtmesz und Götz Kubitschek formuliert haben, versteht sich als radikale Absage an jede Form universeller Homogenisierung. Er begreift den Menschen nicht als atomisiertes Subjekt, sondern als Teil einer gewachsenen, ethnisch-kulturellen Ordnung. Ethnie – das ist hier nicht bloß Biologie, sondern Herkunft, Gedächtnis, Sprache, Mythos, Raum. Eine Lebensform, keine Statistik.

Tatsächlich ist die Rolle des Mythos im ethnopluralistischen Denken ein zentrales Element. Thor von Waldenstein schreibt in diesem Zusammenhang:

„Ein Volk lebt nicht von Verträgen, sondern von Bildern. Nicht die Statistik, sondern der Mythos stiftet Dauer.“

Der Mythos ist dabei nicht bloß ein Märchen aus der Vorzeit, sondern eine verdichtete Form kollektiver Wahrheit. Er bewahrt Ursprung und Orientierung. In mythischen Erzählungen liegt die symbolische Selbstvergewisserung eines Volkes: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Diese Fragen lassen sich nicht allein durch Geschichtsbücher oder Verfassungen beantworten – sie brauchen Narrative, Symbole, Gründungsfiguren.

Für den Ethnopluralismus ist der Mythos das Gegengift zur Entwurzelung. Er stiftet Identität durch Tiefe, nicht durch Oberfläche. Er ist nicht rational beweisbar, aber kulturell wirksam. Die Erinnerung an die eigenen Mythen – seien es die römischen Gründungslegenden, die Edda oder christliche Ursprungsbilder – wirkt strukturierend auf das Selbstverständnis eines Volkes. Mythen formen kollektive Vorstellungskraft und schaffen eine Brücke zwischen Ursprung und Gegenwart.

Gerade in einer Zeit der technischen Beschleunigung und globalen Entortung sind es mythische Erzählungen, die Gemeinschaft stiften und symbolische Tiefenschichten erschließen.

Ohne Mythos wird das Volk zum Kollektiv. Mit Mythos wird es zur Gestalt.
Mythen sind das seelische Gedächtnis eines Volkes – und damit unersetzbar für ein Denken, das kulturelle Identität nicht nivellieren, sondern bewahren will.

Ethnie ist kein Produkt abstrakter Identitätskonstruktionen. Sie ist kein bloßes Produkt genetischer Linien, kein Messwert auf der anthropologischen Karte. Ethnie ist das konkrete In-der-Welt-Sein eines Volkes: seine Sprache, sein Verhältnis zur Landschaft, seine Feste, seine Erinnerungen. Ethnie ist ein Symbolkörper, in dem sich Geschichte, Glaube, Raumgefühl und soziale Struktur sedimentiert haben. Der Mensch wird nicht als Individuum geboren – sondern in eine Ordnung hineingeboren. Und diese Ordnung ist niemals neutral.

In der Ethnie verknüpfen sich das Ursprüngliche und das Gewordene. Wie in einem literarischen Motiv – etwa in Hölderlins „Heimat“ als mythisch aufgeladener Ort, oder bei Ernst Jünger, der in der Gestalt des Waldgängers das Verwurzelte gegen das Entwurzelnde stellt – findet sich in der Ethnie ein poetisches Zentrum des Menschlichen: das Wissen, wer man ist, weil man weiß, woher man kommt.

Philosophisch speist sich der Entopluralismus aus mehreren Quellen – und seine geschichtliche Bedeutung für die Neue Rechte ist nicht zu unterschätzen. Seit den 1970er Jahren war es vor allem Alain de Benoist und die französische Nouvelle Droite, die eine radikale Revision des rechten Denkens forderten. Der Bruch mit dem rassistischen und nationalistischen Denken der Zwischenkriegszeit vollzog sich dabei nicht im Sinne einer liberalen Öffnung, sondern durch eine Rückbesinnung auf das Prinzip der Vielfalt: Vielfalt nicht innerhalb einer Gesellschaft, sondern zwischen Kulturen, Völkern, Ethnien.

Henning Eichberg vertrat die These, dass „Volk“ nicht im völkisch-biologistischen Sinne zu begreifen sei, sondern als dynamisch gewachsene, kulturell geformte Identität, die durch Raum, Sprache und historische Erfahrung bestimmt wird. Er betonte die „Pluralität der Identitäten“ und sah in ethnischer Selbstdefinition kein Abgrenzungsmittel der Überlegenheit, sondern ein Moment der Würde und Unverwechselbarkeit. Für Eichberg war ethnische Identität eine Frage der „Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte“.

Auch Georges Dumézil und Mircea Eliade haben den geistigen Hintergrund des ethnopluralistischen Denkens beeinflusst:

  • Dumézil zeigte, dass die indoeuropäischen Kulturen über ein dreigliedriges, symbolisch tief verankertes Ordnungsschema verfügten – geistige, kriegerische und wirtschaftliche Funktion. Seine These lautet: Die Geschichte der Völker ist kein Zufall, sondern Ausdruck archetypischer Tiefenstrukturen.
  • Eliade hob das zyklische Zeitverständnis traditioneller Kulturen hervor. Für ihn ist das Heilige an Ort und Wiederkehr gebunden. Eine entwurzelte Moderne, so Eliade, verliert nicht nur Mythen, sondern die Struktur des Sinns.

Diese Strömungen stellen sich quer zum westlichen Fortschrittsglauben und setzen auf Form, Wiederholung und Herkunft – all das, was dem entgrenzten Denken unserer Gegenwart fehlt.

Damit wurde Ethnopluralismus zur strategischen wie inhaltlichen Grundlage eines neuen rechten Denkens: Kein Rückfall in biologistische Dogmen, kein Anschluss an totalitäre Systeme, sondern eine bewusste Alternative zu Globalismus, Liberalismus und nivellierender Moderne.

Es ist ein tragischer Widerspruch der Gegenwart, dass ausgerechnet jene politische Kraft, die sich historisch als Vertreterin der Unterdrückten und Marginalisierten versteht – die Linke –, heute zu den vehementesten Gegnern eines echten Ethnopluralismus geworden ist. Dabei müsste gerade der Ethnopluralismus, verstanden als Achtung und Schutz kultureller Eigenheit, Kern linken Denkens sein: die Verteidigung der Würde des Konkreten gegen den imperialen Zugriff des Abstrakten. Doch die heutige Linke hat sich von dieser Idee verabschiedet. Sie sieht ihre Aufgabe nicht mehr im Schutz gewachsener kultureller Identitäten, sondern in der Herstellung einer homogenen Menschheitsmasse, die sich nur noch partikular über Konsumvorlieben, Gruppen- und Sexualinteressen differenziert. Alles Kulturelle wird zur Lifestyle-Entscheidung, alles Gewachsene zur „Konstruktion“, alles Ethnische zur Provokation.

In dieser ideologischen Logik ist jeder, der eine Grenze zieht, ein Reaktionär – und jede Verwurzelung ein Vorurteil. Der neue Universalismus der Linken will nicht mehr emanzipieren, sondern nivellieren. Er träumt von der einen Welt, der einen Klasse, der einen Sprache – und schafft dabei nur Entfremdung. Der Ethnopluralismus widerspricht diesem Monolog der Menschheit durch das vielstimmige Konzert der Völker. Und er ist dabei alles andere als ein hippiesker Traum von Weltfrieden unter Regenbögen. Ethopluralismus ist keine naiv-utopische Sehnsucht nach universeller Harmonie, sondern eine klare, realpolitisch begründete Ordnungsvorstellung. Er bejaht Differenz nicht als sentimentalen Selbstzweck, sondern als Voraussetzung von Würde, Selbstbestimmung und echtem Frieden. Die Achtung des Eigenen wie des Anderen setzt Form, Maß, Unterscheidung voraus – nicht Beliebigkeit, nicht Vermischung, nicht einen Zustand grenzenloser Vermengung. Deshalb steht der Ethnopluralismus nicht links von der Realität, sondern vor ihr – wach, abgrenzend, schützend.

Der Ethnopluralismus kennt keine Kreuzzüge. Kein Volk, das sich seiner selbst gewiss ist und den Anderen in seiner Eigenheit achtet, strebt nach Expansion. Es will bestehen, nicht herrschen. Bewahren, nicht missionieren. Deshalb ist der ethnopluralistische Gedanke im tiefsten Sinne ein antiimperialer. In seinem Weltbild haben NATO-Kriege, moralische Embargos und globalistische „Wertegemeinschaften“ keinen Platz. Er träumt nicht von einer Welteinheit, sondern von einer Welt der Nachbarschaften.

Im Gegensatz dazu steht der westliche Liberalismus, der – in seinen höchsten Ausprägungen – glaubt, die Welt zu befreien, indem er sie seiner eigenen Ordnung unterwirft. Er bringt Demokratie mit Drohnen, Markt mit Bomben, Menschenrechte mit Luftschlägen. In Wahrheit ist dies kein Humanismus, sondern eine technizistische Heilslehre, die alle Nichtidentischen in bloße Projektionsflächen westlicher Selbstüberhöhung verwandelt. Wer Menschenrechte sagt, meint oft Zugriff. Wer Frieden ruft, meint Kontrolle. Ethnopluralismus lehnt das ab. Er sieht im Eigenen ein zu Schützendes und im Anderen ein zu Achtendes. Er will keine Weltregierung, keine Wertegemeinschaft, keine Einzivilisation. Sondern eine friedliche Koexistenz differenzierter Kulturen – eine „Welt der Völker“.

Was unsere Zeit in Wahrheit bedroht, ist nicht das Fremde, sondern das Maßlose. Die grenzenlose Gesellschaft – gepriesen als liberaler Idealzustand – ist in Wirklichkeit der permanente Ausnahmezustand. Alles ist durchlässig: Grenzen, Geschlechter, Bedeutungen. Der Mensch wird zum Nomaden auf Abruf, ohne Herkunft, ohne Ziel. Die Deregulierung des Raums wird zur Deregulierung der Seele.

In dieser grenzenlosen Welt gilt Differenz als Störung, Bindung als Verdacht, Herkunft als Skandal. Die Folge: Orientierungslosigkeit, Vereinsamung, das Verschwinden des Eigenen. Gegen diese Auflösung des Konkreten steht der Entopluralismus wie ein Gedächtnis aus Stein. Er sagt: Ohne Form, keine Freiheit. Ohne Grenze, keine Würde.

Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“ ist in diesem Zusammenhang keine Dystopie mehr, sondern eine Vorahnung. Dort, wo die Tore des Abendlandes endgültig aufgestoßen werden und sich das müde Europa dem moralischen Diktat seiner eigenen Selbstverachtung ergibt, zeigt sich das Ergebnis einer grenzenlosen Gesellschaft: der Zusammenbruch nicht nur der Ordnung, sondern des inneren Willens zur Selbstbehauptung. Der Ethnopluralismus ist die Antwort auf dieses Bild der Kapitulation. Er sagt: Man kann helfen, ohne sich aufzugeben. Man kann Mitgefühl empfinden, ohne sich zu verleugnen.

Dieser Gedanke ist nicht unumstritten – auch innerhalb der Rechten. Ein besonders markantes Beispiel ist Maximilian Krah, der das Staatsbürgerschaftsrecht über alles stellt. Für ihn ist die Zugehörigkeit zum Staatsvolk vorrangig eine Frage rechtlicher Bindung und politischer Loyalität, weniger eine Frage kultureller oder symbolischer Tiefenstrukturen. Damit steht er im Kontrast zur metapolitisch orientierten Rechten um Lichtmesz und Kubitschek, für die das Ethnische nicht über Verwaltungsakte definiert werden kann, sondern als gewachsene, mythisch aufgeladene Ordnung verstanden werden muss. Wo Krah die Remigration im Rahmen staatlicher Souveränität juristisch-technisch denkt, argumentieren Ethnopluralisten aus einem kulturphilosophischen Ethos heraus. Die Differenz ist nicht bloß strategisch, sondern weltanschaulich: Hier das staatsrechtlich verankerte Volk, dort das symbolisch erinnerte, im Raum und in der Geschichte verwurzelte Volk. Dieser Streit ist nicht nebensächlich – er betrifft die anthropologische Grundfigur der Rechten selbst.

Gerade im Unterschied zum Nationalsozialismus zeigt sich der wahre Charakter des Ethnopluralismus. Denn wo der Nationalsozialismus eine totalitäre Ethnie konstruiert – homogen, aggressiv, expansiv –, setzt der Ethnopluralismus auf Pluralität, Begrenzung und Achtung. Der Nationalsozialismus war imperial: Er wollte das Fremde vernichten oder einverleiben. Der Ethnopluralismus will es schützen – durch Abstand. Nationalsozialismus hieß Gleichschaltung im Innern und Krieg nach außen; Ethnopluralismus heißt Vielfalt im Äußeren und Form im Inneren.

Der Nationalsozialismus missbrauchte die Idee der Herkunft zur biologischen Abwertung des Anderen. Der Ethnopluralismus achtet jede Herkunft – nicht als Werturteil, sondern als Weltform. Während das Dritte Reich die Welt unterwerfen wollte, will der Ethnopluralismus, dass jede Welt bei sich bleiben darf. In dieser Unterscheidung liegt die ethische Kraft eines neuen rechten Humanismus: nicht Auslöschung, sondern Bewahrung. Nicht Hierarchie, sondern Nachbarschaft.

Wir haben das Recht, nicht unterworfen zu werden – weder kulturell noch demografisch oder ökonomisch. Aber gerade weil wir dieses Recht für uns beanspruchen, müssen wir es auch den anderen Völkern zugestehen. Der Ethnopluralismus verpflichtet zur Gegenseitigkeit. Ein globaler Süden, dem man seine Eliten entzieht – etwa durch gezielte Anwerbung hochqualifizierter Arbeitskräfte –, wird ebenso seines Rechts auf kulturelle und soziale Integrität beraubt. Der sogenannte „Braindrain“ ist keine humanitäre Geste, sondern eine Form postkolonialer Ausbeutung. Wer jungen Ärzten, Ingenieuren und Wissenschaftlern aus Afrika oder Asien einredet, ihr Heil liege in westlichen Städten, beraubt ihre Herkunftsländer der Zukunft.

Der Ethnopluralismus kommt nicht aus einer Position der Schwäche, sondern aus der Haltung kultureller und geistiger Stärke. Er ist kein letztes Aufbäumen, sondern Ausdruck eines Selbstbewusstseins, das sich nicht über das Fremde definiert, sondern über das Eigene. Wer stark ist, muss nicht missionieren. Wer verwurzelt ist, muss nicht überfremden. Der Ethnopluralismus ist eine Philosophie der Kraft – nicht der Resignation.

Dazu gehört auch: Ein Staat, der sich auf den Ethnopluralismus gründet, muss ein wehrhafter Staat sein. Wehrhaft im Sinne der kulturellen Selbstbehauptung, aber auch institutionell, rechtlich, sicherheitspolitisch. Ohne Verteidigungswillen, ohne die Fähigkeit zur Abgrenzung, bleibt jede Idee bloßes Gerede. Deshalb gilt: Ein friedliebender Staat muss seine Grenzen schützen – nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung. Nicht aus Aggression, sondern aus Klarheit.

Auf politischer Ebene bedarf es klarer Regeln des Schutzes und der Abgrenzung: Grenzen müssen nicht geschlossen, aber definiert sein. Migration darf nicht zum Prinzip, sondern muss zur Ausnahme werden – eingebettet in das Maß des kulturell Verträglichen. Rechte auf Rückkehr, auf Herkunft, auf kulturelle Unversehrtheit müssen nicht nur anerkannt, sondern gepflegt werden. Der ethnopluralistische Staat wäre kein nationalistischer Zentralstaat, sondern eine föderale Kulturordnung – mit Raum für Unterschied, aber mit klarer Selbstgewissheit.

Dabei ist Frieden kein bloßer Zustand, sondern eine Frucht der Ordnung. Die Bewahrung des Eigenen ist nicht das Gegenteil des Friedens, sondern dessen Voraussetzung. Nur wer sich selbst achtet, kann andere achten. Wer aber sich selbst auflöst, verliert nicht nur sich, sondern auch die Fähigkeit zur Verständigung. Der Ethnopluralismus verspricht einen Frieden, der aus der Mitte wächst – nicht aus Verträgen, sondern aus Verwurzelung.

Wie Alain de Benoist schreibt: „Es gibt keinen wahren Respekt ohne Anerkennung der Differenz.“ Und: „Der wahre Feind der Vielfalt ist nicht der Nationalismus, sondern der Universalismus.“

Das ist die große Hoffnung des Ethnopluralismus: Dass man wieder sagen darf – Du bist Du. Ich bin Ich. Und das ist gut so – und ich will, dass auch meine Kinder noch in dieser Gewissheit aufwachsen dürfen. Keine Weltgesellschaft, keine Normierung – sondern Differenz, Geduld und Ordnung. Ein Humanismus nicht der einen Menschheit, sondern der vielen Menschen. Die Rückkehr zur Form ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt des Geistes. Eine Erinnerung an das Mögliche inmitten des Zuviel.

Vielleicht ist es das, was wir – was ich – mir für die Zukunft wünsche: eine Ordnung, die nicht alles auflöst, sondern bewahrt. Er ist der stille Widerspruch gegen die tobende Gleichmacherei – und vielleicht der letzte Humanismus, den wir uns noch leisten dürfen. Denn wer Vielfalt will, muss mit der Grenze beginnen. Und wer den Menschen achten will, darf ihn nicht von seinen Wurzeln trennen.

Literaturverzeichnis

  • Benoist, Alain de: Communauté, Ethnie et Nation. Paris: Labyrinthe, 1999.
  • Benoist, Alain de: Kulturrevolution von rechts? Graz: Leopold Stocker Verlag, 1999.
  • Dumézil, Georges: Mitra-Varuna: Ein Versuch über die indoeuropäischen Zweigestalten der Souveränität. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997.
  • Eichberg, Henning: Nation – Ethnie – Volk: Zur gesellschaftlichen Konstruktion kollektiver Identität. Marburg: Institut für Sozialwissenschaften, 1981.
  • Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen. Reinbek: Rowohlt, 1957.
  • Jünger, Ernst: Der Waldgang. Stuttgart: Klett-Cotta, 2013.
  • Krah, Maximilian: Reden, Interviews und programmatische Schriften. Verschiedene Quellen, 2020–2024.
  • Kubitschek, Götz (Hrsg.): Provokation. Schnellroda: Antaios Verlag, 2012.
  • Lichtmesz, Martin: Die Verteidigung des Eigenen. Schnellroda: Antaios Verlag, 2017.
  • Raspail, Jean: Das Heerlager der Heiligen. München: Langen Müller, 1985 [frz. Original: Le Camp des Saints, 1973].
  • Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Berlin: Duncker & Humblot, 1932.
  • Waldenstein, Thor von: Mythos, Form und Volk. Unveröffentlichter Vortrag, 2022.