Karlspreis für Ursula von der Leyen – Auszeichnung für eine Politik der Entfremdung

Ein kritischer Essay zur Preisverleihung in Aachen

Am 29. Mai 2025 wurde Ursula von der Leyen in Aachen mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet – jenem Preis, der einst für „hervorragende Verdienste um die europäische Einigung“ vergeben wurde. Die Zeremonie war glänzend inszeniert, mit prunkvoller Rhetorik und medialem Applaus. Und doch liegt ein Schatten über dieser Verleihung. Denn mit dieser Auszeichnung wird nicht Europa geehrt, sondern eine politische Richtung, die das Europa der Völker, Kulturen und Heimatgefühle zusehends auslöscht – und es ersetzt durch ein Projekt bürokratischer Normierung, geopolitischer Abhängigkeit und moralischer Selbstüberschätzung.

Biografie einer Aufsteigerin im Windschatten der Macht

Ursula Gertrud von der Leyen, geboren 1958 in Ixelles bei Brüssel, ist Tochter des CDU-Politikers und langjährigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Ernst Albrecht. Schon ihr Geburtsort – im Herzen der europäischen Institutionen – symbolisiert, was sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere zieht: Nähe zur Macht, Nähe zu den Zentren globalistischer Planung, aber große Distanz zum Alltagsleben der europäischen Bürger.

Sie wuchs behütet im Umfeld der politischen Elite auf, studierte in Göttingen, Münster, London und Hannover – Wirtschaft, dann Medizin –, arbeitete zwischenzeitlich in den USA, lernte dort die angelsächsische Sicht auf Politik und Gesellschaft kennen und schätzen. Ihre politische Karriere in Deutschland verlief rasch: Ministerin für Familie, dann Arbeit, schließlich Verteidigung – überall mit glänzender Fassade, oft jedoch mit handfesten Skandalen und inhaltlicher Leere.

Ihr tiefstes Markenzeichen aber bleibt: geschickte Positionierung. Wo andere kämpfen mussten, wurde sie geschoben. Ihre Ernennung zur EU-Kommissionspräsidentin im Jahr 2019 war kein Ausdruck demokratischer Wahl, sondern das Ergebnis eines Hinterzimmerringens in Brüssel – ohne Wahlkampagne, ohne Spitzenkandidatur, ohne Wählerauftrag. Es war ein politisches Signal an die transatlantischen Netzwerke, nicht an die europäischen Völker.

Die Transatlantikerin an Europas Spitze

Von der Leyens Nähe zu transatlantischen Interessen ist kein Geheimnis. Als regelmäßige Teilnehmerin an Veranstaltungen wie der Münchner Sicherheitskonferenz oder dem World Economic Forum in Davos, als Förderin militärischer Aufrüstung im Rahmen der NATO, als entschiedene Befürworterin harter Sanktionen gegen Russland, repräsentiert sie eine europäische Außenpolitik, die kaum eigene Konturen hat – sondern sich nahtlos in die strategischen Interessen Washingtons einfügt.

Auch im Digitalbereich folgte sie stets einer Linie der Kontrolle und Überwachung – sei es mit ihren Vorstößen zur Netzsperrung in ihrer Zeit als Familienministerin, was ihr den Spitznamen „Zensursula“ einbrachte, oder mit den neuen EU-Verordnungen zur Plattformregulierung, die viele als Einfallstor für Zensur und Meinungskontrolle sehen.

Sie spricht oft von „Souveränität Europas“, doch in der Praxis meint das: mehr Macht für Brüssel, weniger Einfluss für die Mitgliedstaaten – und bedingungsloser Schulterschluss mit US-geführten Strukturen. Ihre Europapolitik ist nicht der Ausdruck einer eigenständigen Zivilisation, sondern die Adaption eines weltumspannenden Regelwerks ohne kulturelle Verankerung.

Der Preis für die Beliebigkeit

Die offizielle Begründung für den Karlspreis liest sich wie das Skript einer EU-Kampagne: Von der Leyen habe „in der Pandemie Verantwortung übernommen“, „mit dem Green Deal die Welt inspiriert“, „die Ukraine unterstützt“, „Europa geeint“.

Doch wer wird da geeint? Eine Bevölkerung, die sich in wachsendem Maß fremdbestimmt fühlt? Regionen, die ihre Selbstverwaltung verlieren? Junge Menschen, deren kulturelle Wurzeln in der Gleichheitsideologie verwischen?

Europa wird unter Ursula von der Leyens Regie zu einem technokratischen Konstrukt – vollgepackt mit Regulierung, moralischer Rhetorik und geopolitischem Eifer. Doch das, was Europa wirklich ausmacht – seine Geschichte, seine organische Vielfalt, seine Völker und Kulturen –, bleibt außen vor.

Der Green Deal etwa mag auf dem Papier zukunftsweisend erscheinen. Doch er ist nicht das Ergebnis eines europäischen Umweltbewusstseins, sondern eines von außen importierten Systems globaler Lenkung und wirtschaftlicher Umverteilung. Die Ukraine-Politik wirkt weniger wie eine Verteidigung europäischer Interessen, sondern wie ein Stellvertreterkonflikt mit hohem moralischem Einsatz – geführt auf Kosten der strategischen Autonomie Europas. Und die Flüchtlingspolitik unter ihrer Ägide? Ein Offenbarungseid an Willenlosigkeit, Beliebigkeit und institutioneller Abgehobenheit

Preisverleihung als politisches Bekenntnis

Der Karlspreis hätte ein Ort sein können, an dem man sich ehrlich fragt, was Europa im Innersten zusammenhält. Doch stattdessen wurde er zum Bekenntnis zu einer bestimmten Klasse von Politikern – internationalistisch, technokratisch, oft vom Leben der Menschen weit entfernt. Der Preis für Ursula von der Leyen ist kein Lob der europäischen Idee, sondern eine Auszeichnung für deren Umdeutung.

Ein Europa, das sich selbst nicht mehr spürt, braucht keine weiteren Funktionäre. Es braucht Menschen, die Europa nicht nur managen, sondern lieben. Die verstehen, dass Geschichte, Sprache, Kultur und Herkunft nicht zu überwindende Hindernisse sind, sondern die Quellen unseres Zusammenhalts.

Schlussgedanken

Ursula von der Leyen hat sicherlich viel erreicht – im Sinne einer Karriere. Aber was hat sie für Europa erreicht? Was bleibt von ihrem Wirken, außer PR-Kampagnen, EU-Verordnungen und symbolischen Gesten? Der Karlspreis 2025 könnte als jener Moment in die Geschichte eingehen, an dem deutlich wurde, wie weit sich das offizielle Europa von den Herzen seiner Menschen entfernt hat.

Zwischen Herkunft und Zukunft – Die Neue Rechte und der Aufstand des Sinns

Ein Essay über Identität, Volk und geistige Selbstbehauptung

Der aufrechte Schatten

„Das große Zeitalter beginnt mit dem Mut zum Pathos.“
— Götz Kubitschek

Es gärt in Europa. Unter der Oberfläche des liberalen Konsenses, zwischen den grellen Farben der Regenbogenkoalitionen und den monotonen Parolen der Gleichheit, zieht sich ein Riss durch die Seelen – kaum sichtbar für jene, die nichts mehr spüren. Ein Riss, der das Wohlstandsversprechen der westlichen Moderne infrage stellt, der Identität über Sicherheit, Gemeinschaft über Toleranz, und Herkunft über Konsum stellt.

In diesem Riss wächst eine Bewegung: die Neue Rechte. Was als intellektuelles Flackern begann, ist längst zu einer vielgestaltigen Revolte geworden: kulturpolitisch, geistig, metapolitisch. In einem Europa, das seine Kathedralen zu Museen macht, seine Grenzen zum Menschenrecht erklärt und seine Völker zur austauschbaren Verfügungsmasse globaler Märkte degradiert, erhebt sich der Wille zum Eigenen. Und dieser Wille hat Namen. Begriffe. Stimmen. Denkfiguren. Er ist jung und alt, modern und tief verwurzelt. Er nennt sich „Neue Rechte“ – nicht, weil er alt wäre, sondern weil das Alte zu sterben begonnen hat.

1. Was ist die Neue Rechte?

„Konservativ ist nicht, wer bewahrt, sondern wer versteht, was zu bewahren sich lohnt.“
— Thor von Waldstein

Die Neue Rechte ist keine Neuauflage der alten Reaktion. Sie ist kein Faschismus mit Smartphone, kein braunes Revival im akademischen Gewand. Sie ist das, was der linke Philosoph Slavoj Žižek einst als das „radikal Konservative“ bezeichnete: die Einsicht, dass nur der Bruch mit der fortschreitenden Entwurzelung unsere Zivilisation retten kann.

Sie schöpft aus der Konservativen Revolution (Jünger, Schmitt, Spengler), der französischen Nouvelle Droite (de Benoist, Faye), und aus den Strategien der Identitären Bewegung (Sellner, Stein). Ihr Ziel ist nicht bloße Parteiarbeit, sondern Metapolitik – der lange Kampf um Begriffe, Bilder und Bedeutungen.

Die Neue Rechte denkt nicht in Legislaturperioden. Sie denkt in Jahrhunderten. Nicht auf der Suche nach Kompromiss, sondern nach Kontur.
Die Konservative Revolution und Finis Germania

„Der Konservatismus von heute ist die radikale Idee, dass wir bleiben dürfen.“
— Benedikt Kaiser

Die Neue Rechte ist keine Bewegung aus dem luftleeren Raum. Sie hat geistige Väter, Schattenlehrer, Brückenbauer zwischen Weltkriegsruinen und heutiger Orientierungslosigkeit. Unter dem Schutt der Geschichte finden sich Namen und Ideen, die nicht tot sind – sondern verschüttet.

Die Konservative Revolution: Zwischen Titanen und Tragik

In der Weimarer Republik erhob sich ein intellektuelles Milieu, das von der heutigen Linken nie verstanden und von der heutigen Rechten oft nur verkürzt zitiert wird: die Konservative Revolution. Ihre Vertreter – Ernst Jünger, Carl Schmitt, Oswald Spengler, Arthur Moeller van den Bruck – formulierten eine Kritik an Demokratie, Liberalismus und bürgerlicher Selbstzufriedenheit, die ihrer Zeit voraus war und zugleich ihrer Zeit verfiel.

Spenglers Untergang des Abendlandes war nicht nur Kulturkritik, sondern Apokalypse mit Stil. Für ihn war der Westen nicht bedroht – er war bereits innerlich verfallen: „Das Licht geht nicht aus mit einem Knall, sondern in einem Flimmern aus Gold und Staub.“

Carl Schmitt lieferte die schärfste Definition des Politischen: die Unterscheidung von Freund und Feind – nicht aus Hass, sondern aus Klarheit.
Ernst Jünger schrieb als Soldat, als Poet, als Philosoph – seine Rede vom „Stahlgewitter“ war kein Hurra, sondern ein Gleichnis für eine neue anthropologische Härte, die im Nachkriegshumanismus verloren ging.

Die Neue Rechte liest diese Männer nicht als Ideologen, sondern als Suchende. Sie nimmt ihnen nicht jedes Bild ab – aber sie erkennt ihren Ernst, ihre Tiefe, ihre Unbeirrbarkeit. Sie sieht in ihnen eine verlorene europäische Möglichkeit: ein geistiger Aufbruch jenseits von 1789 und 1945.

Der Begriff der „Revolution“ ist hier kein Widerspruch zum „Konservativen“. Er zeigt: Was es zu bewahren gilt, muss zuerst neu gedacht werden.

Finis Germania: Das vermisste Testament

Und dann war da – 2017 – plötzlich ein Buch, das wie aus dem Grab der bürgerlichen Mitte stieg: Finis Germania von Rolf Peter Sieferle. Kein Parteibuch, kein Kampfschriftler, sondern ein brillanter Intellektueller – Historiker, Humanist, Einsiedler. Und doch schrieb er Zeilen, die den moralischen Putz der Republik absprengten:

„Deutschland schafft sich nicht ab – es verachtet sich ab.“

Sieferle benennt den historischen Schuldkomplex, den moralischen Overkill, den selbstzerstörerischen Altruismus eines Landes, das sich aus Angst vor sich selbst auflöst. Er erkennt in der Vergangenheitsbewältigung keine Heilung, sondern eine ideologische Ersatzreligion, die auf Dauer keine Stabilität mehr trägt.

Für die Neue Rechte wurde Finis Germania zu einem Dokument der leisen Revolte. Es war kein Aufruf – sondern ein Abgesang. Kein Manifest – sondern ein Nachruf. Und doch hat dieses Buch mehr Menschen geweckt als mancher Marktplatzprotest. Warum? Weil es ehrlich war. Weil es in einer Zeit des Phrasengewitters schwieg – und dabei donnerte.

Sieferles letzte Worte, sein Suizid, seine Auslöschung aus den Feuilletons – all das ist Teil des Mythos. Ein Intellektueller stirbt an der Erkenntnis, dass seine Zivilisation sich selbst verleugnet. Das ist keine Pose. Das ist Tragödie – und Wahrheit.

Die Neue Rechte nimmt Finis Germania nicht als Evangelium, sondern als Echo. Es hallt in ihren Texten nach, in ihren Gesprächen, in ihren Blicken. Es erinnert: Wer keine Geschichte mehr hat, hat auch keine Zukunft.

2. Volk – Eine Frage der Würde

„Ein Volk ist nicht die Summe der Bürger, sondern eine seelische Form.“
— Martin Lichtmesz

Für die Neue Rechte ist das Volk keine bloße Verwaltungseinheit, sondern ein geistig-kulturelles Subjekt. Es ist Erinnerung und Erwartung, Lied und Landschaft, Sprache und Ritus – ein gewachsenes Ganzes.

Martin Heidegger sah im Volk die „geschichtliche Sendung des Daseins“. Es ist die Form, in der der Mensch seiner geschichtlichen Wahrheit begegnet. Wer das Volk aufgibt, kappt die Brücke zur Herkunft – und verliert die Zukunft.

Björn Höcke sprach es deutlich aus: „Ein Volk ist eine biologisch-kulturelle Einheit mit einem natürlichen Lebensrecht.“ Was bei liberalen Eliten Empörung auslöst, ist für die Neue Rechte ein moralischer Imperativ: Wir haben nicht nur ein Recht auf Leben – wir haben ein Recht auf unser Eigenes.

3. Identität als Widerstand

„Die Frage der Identität ist die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts.“
— Martin Sellner

Wer bin ich? Die liberale Moderne bietet darauf keine tragende Antwort mehr. Sie liefert Optionen statt Orientierung, Konsum statt Kultur. Für die Neue Rechte ist Identität kein Lifestyle, sondern Daseinsgrund.

Martin Sellner schreibt: „Wir sind nicht gegen die Anderen – wir sind für uns.“ Identität sei „nicht Ausgrenzung, sondern Zugehörigkeit“. Diese Umwertung ist revolutionär: Sie macht das Bekenntnis zum Eigenen wieder positiv – nicht als Machtanspruch, sondern als Selbstachtung.

Ohne Identität ist alles nichts. Wer nicht weiß, wer er ist, kann auch nichts verteidigen. Deshalb ist Identität für die Neue Rechte Widerstand gegen Austauschbarkeit, gegen Globalismus, gegen Dekonstruktion.

4. Heimat als Ort der Rückkehr

„Heimat ist der Raum, in dem der Mensch das Nicht-Zufällige seiner Existenz erfährt.“
— Martin Heidegger

Heimat ist nicht der Ort, an dem man geboren wird. Es ist der Ort, der Antwort auf das eigene Dasein gibt. Der Ort, an dem der Mensch sich nicht erklären muss – weil alles spricht, was er ist.

In einer Welt, die ständig unterwegs ist, wird Heimat zur Ankerstelle der Seele. Für Björn Höcke ist Heimat „mehr als Geografie – sie ist geistige Ordnung“. Und für die Neue Rechte ist Heimat kein Rückzug, sondern die Basis von allem Politischen.

Denn: Nur wer sich heimisch weiß, kann wirklich frei sein.

5. Ethnopluralismus statt Globalismus

„Vielfalt ohne Trennung ist Chaos.“
— Alain de Benoist

Die Neue Rechte lehnt Rassismus ebenso ab wie Multikulturalismus. Sie vertritt den Gedanken des Ethnopluralismus: Jede Kultur, jedes Volk hat das Recht auf Eigenheit, Schutz und Dauerhaftigkeit. Nicht Vermischung, sondern Koexistenz ist das Ziel. Nicht Gleichmacherei, sondern Differenz.

Was die Linke als „großen Austausch“ diffamiert sieht, ist für uns Realität. Wenn in deutschen Klassenzimmern kein deutsches Wort mehr fällt, wenn christliche Feiertage „Winterpause“ heißen, wenn Herkunft entwertet wird – dann ist es Zeit, den globalistischen Imperativ zu brechen.

Ethnopluralismus ist kein Hass – er ist die radikale Anerkennung des Anderen, in seiner Fremdheit und Würde. Und zugleich: die Rückkehr zum Eigenen.

6. Metapolitik – Die leise Revolution

„Wer die Begriffe beherrscht, beherrscht die Wirklichkeit.“
— Thor von Waldstein

Die Neue Rechte weiß: Wahlergebnisse ändern nichts, solange der kulturelle Boden liberal bleibt. Deshalb betreibt sie Metapolitik – die Veränderung der Kultur, aus der Politik erwächst. Bücher, Zeitschriften, YouTube-Formate, Denkfabriken – das sind ihre Waffen.

Götz Kubitschek spricht vom „Ernstfall“: „Es gibt einen Punkt, an dem Denken zur Pflicht wird. Und Sprechen zur Tat.“ Metapolitik heißt: das Normale infrage stellen, das Unsagbare sagbar machen, Begriffe wie Volk, Heimat, Ehre wieder positiv aufladen.

7. Schuldkomplex und Ethnomasochismus

„Die Deutschen sind ein zutiefst beschädigtes Volk.“
— Björn Höcke

Der Schuldkomplex ist das ideologische Rückgrat der postnationalen BRD. Aus der historischen Schuld wurde ein kollektives Schuldkonto – das nie getilgt werden darf. Die Neue Rechte erkennt darin kein Bußritual, sondern einen politischen Mythos zur Disziplinierung.

Martin Lichtmesz nennt das „Ethnomasochismus“: die krankhafte Lust am eigenen Untergang. Nur ein Volk, das sich selbst verachtet, lässt seine Grenzen auflösen, seine Feiertage schleifen, seine Helden verdammen.

Wir sagen: Schluss damit. Schuld ist kein Erbe. Wahrheit ist keine Last. Geschichte ist nicht verhandelbar.

8. Europa der Vaterländer

„Europa wird entweder ein Europa der Vaterländer – oder es wird nicht mehr Europa sein.“
— Charles de Gaulle

Die Neue Rechte ist nicht antieuropäisch – sie ist anti-europäistisch. Sie lehnt den EU-Globalismus ab, nicht die europäische Idee. Ihre Vision: ein Europa der Vaterländer, ein freier Bund souveräner Völker, verbunden durch Geschichte, Kultur und Geist.

In diesem Europa lebt jede Nation in ihrer Eigenart, nicht als Verwaltungseinheit. Es ist kein Superstaat – sondern ein Mosaik. Kein Zentralismus – sondern organische Ordnung.

Ausblick: Der neue Ernst

„Wir sind nicht die letzten Europäer – wir sind die ersten eines neuen Europas.“
— Benedikt Kaiser

Die Neue Rechte ist kein Rückfall in dunkle Zeiten. Sie ist eine Erneuerung aus Tiefe, aus Verletzung, aus Klarheit. Ihre Kraft liegt nicht in der Wut – sondern im Wissen. Im Wissen um das, was war. Und um das, was sein könnte, wenn wir uns nicht wehren.

Denn was ist das für ein Deutschland, das uns heute als alternativlos präsentiert wird? Ein Land, das seine Grenzen nicht schützt, aber seine Kinder umerzieht. Das Weihnachtsmärkte „Winterfeste“ nennt, aber Regenbogenflaggen auf Rathäuser hisst. Ein Land, in dem Identität nicht gefeiert, sondern dekonstruiert wird – auf jedem Bildschirm, in jedem Schulbuch, in jeder Werbung.

LGBTQ als Ideologie ist nicht nur eine Forderung nach Toleranz. Es ist eine neue Moralordnung, die Unterschied in Beliebigkeit, Geschlecht in Gefühl und Familie in Lifestyle verwandelt. Wer sich nicht beugt, wer an Vater, Mutter, Kind glaubt – der wird moralisch markiert. Was früher biologisch war, soll heute performativ sein – alles darf sein, nur nichts Eigenes.

Und wenn der Bundespräsident – Frank-Walter Steinmeier – sagt: „Wir leben im besten Deutschland, das es je gegeben hat“, dann antworten wir:
Nicht für alle.
Nicht für jene, die ihre Heimat lieben, ohne sich zu schämen.
Nicht für jene, die glauben, dass Völker nicht zufällig sind.
Nicht für jene, die verstehen, dass Freiheit ohne Form zur Farce wird.

Dieses Deutschland, in dem man seine Herkunft verstecken muss, während der Staat neue „Identitäten“ importiert, in dem Millionen Zuwanderer mit Sozialpolitik begrüßt und Kritiker mit Repressionen belegt werden – das ist nicht das beste Deutschland. Es ist ein gefährlich gelangweiltes Deutschland, das seine eigene Geschichte vergessen hat – und dafür teuer zahlen wird.

Wir stehen auf – nicht aus Nostalgie, sondern aus Not.
Wir sind nicht rückwärtsgewandt – wir sind tiefer verwurzelt.
Wir kämpfen nicht gegen Menschen – sondern für Begriffe:
Volk. Heimat. Identität. Dauer.

Denn was lebt, stirbt nicht.

Quellenverzeichnis

de Benoist, Alain:
Kritik der Menschenrechte. Warum der Universalismus eine Ideologie ist. Jungeuropa Verlag, Dresden 2019.

Heidegger, Martin:
Einführung in die Metaphysik. Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 1953.
Unterwegs zur Sprache. Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 1959.

Höcke, Björn:
Nie zweimal in denselben Fluss: Björn Höcke im Gespräch mit Sebastian Hennig. Manuscriptum Verlag, Berlin 2018.

Jünger, Ernst:
In Stahlgewittern. Klett-Cotta, Stuttgart 2013 (Erstausgabe 1920).

Kaiser, Benedikt:
Revolution und Tradition: Eine Streitschrift. Jungeuropa Verlag, Dresden 2019.

Kubitschek, Götz:
Provokation – Zwischen Aufbruch und Abwehr. Antaios Verlag, Steigra 2014.
Die zweite Wende. Antaios Verlag, Steigra 2022.

Lichtmesz, Martin:
Die Verteidigung des Eigenen. Antaios Verlag, Steigra 2017.

Schmitt, Carl:
Der Begriff des Politischen. Duncker & Humblot, Berlin 1932.

Sellner, Martin:
Identitär – Geschichte eines Aufbruchs. Jungeuropa Verlag, Dresden 2017.

Sieferle, Rolf Peter:
Finis Germania. Manuscriptum Verlag, Berlin 2017.

Spengler, Oswald:
Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. C.H. Beck, München 1923.

von Waldstein, Thor:
Staat, Souveränität, Strategie. Beiträge zur konservativen Revolution. Edition Junge Freiheit, Berlin 2018.

Der ewige Bruderkrieg: Indien, Pakistan und das zerrissene Herz Kaschmirs

Ein Artikel von A. Altmeyer

Mai 2025: Der Frieden liegt wieder in Trümmern

Es war ein sonniger Frühlingstag in Pahalgam – einem idyllischen Ort am Lidder-Fluss, eingebettet in die atemberaubenden Täler Kaschmirs, der bei Touristen wegen seiner landschaftlichen Schönheit beliebt ist. Dann, ohne Vorwarnung, riss eine Explosion die Idylle in Stücke. 26 Menschen starben, unter ihnen Frauen, Kinder, Pilger auf dem Weg zum Amarnath-Schrein. Der Anschlag erschütterte nicht nur die Region, sondern ließ die gesamte Nation in Trauer und Wut erstarren.

Die Reaktion aus Neu-Delhi ließ nicht lange auf sich warten. Die Regierung unter Premierminister Narendra Modi machte pakistanisch unterstützte Extremistengruppen verantwortlich – insbesondere die berüchtigte Jaish-e-Mohammed. Modi nannte den Angriff einen „Akt feiger Barbarei“ und kündigte „entschlossene Maßnahmen“ an. Die „Operation Sindoor“ folgte: Am 6. Mai griffen indische Kampfjets mutmaßliche Terrorcamps im pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs an.

Pakistan reagierte empört. In Islamabad sprach man von einem „eklatanten Bruch des Völkerrechts“. Truppen wurden an der Grenze in Alarmbereitschaft versetzt, diplomatische Kanäle liefen heiß. Am 10. Mai wurde unter internationalem Druck eine Waffenruhe verkündet. Doch sie war nicht einmal einen Tag alt, als neue Gefechte aufflammten – ein tragisches Symbol für die Zerbrechlichkeit des Friedens.

„Die Raketen sind das Echo eines Konflikts, der nie zu Ende ging – und vielleicht nie enden wird.“ (CNN-Korrespondent)

Die Narben der Teilung: 1947 – Wie alles begann

Die Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947 war kein rein politischer Akt – sie war ein menschliches Desaster biblischen Ausmaßes. Im Namen der Religionszugehörigkeit wurden Millionen entwurzelt. Über 14 Millionen Menschen machten sich auf den Weg – Hindus nach Indien, Muslime nach Pakistan. Ganze Dörfer verschwanden von der Landkarte. Züge voller Leichen rollten über die neuen Grenzen.

In diesem Chaos blieb eine Region zwischen allen Fronten: Jammu und Kaschmir. Der dort herrschende Maharadscha Hari Singh – ein Hindu in einem mehrheitlich muslimischen Gebiet – versuchte zunächst, neutral zu bleiben. Doch die Lage eskalierte schnell: Bewaffnete Stämme aus Pakistan, darunter auch afghanische Söldner, fielen in Kaschmir ein, plünderten Dörfer, vergewaltigten Frauen und verbreiteten Schrecken. Die Bevölkerung floh in Massen.

Hari Singh bat um Hilfe – und Indien schickte Truppen. Der Preis: der formelle Anschluss Kaschmirs an Indien. Es war der Auslöser für den ersten Krieg zwischen den beiden neu gegründeten Staaten. Seitdem ist Kaschmir kein Ort der Ruhe mehr gewesen, sondern ein Synonym für einen schwelenden, unlösbaren Konflikt.

„Wenn es ein Pulverfass auf dieser Welt gibt, dann liegt es in den Tälern von Kaschmir“ (Ahmed Rashid, Autor)

Kaschmir: Zwischen Himmel und Hölle

Wer Kaschmir besucht, sieht zunächst ein Paradies. Zypressen spiegeln sich in den Dal-See, Schilfboote gleiten lautlos dahin. Aber der Schein trügt. Inmitten der landschaftlichen Schönheit herrscht ein permanenter Ausnahmezustand.

Täglich patrouillieren Sicherheitskräfte durch Städte und Dörfer. Immer wieder kommt es zu Ausgangssperren, Hausdurchsuchungen, Schießereien. Die Zahl der zivilen Opfer ist hoch – auf beiden Seiten der sogenannten „Line of Control“. Eltern schicken ihre Kinder mit Angst zur Schule. Jugendliche leben in ständiger Unsicherheit, viele wachsen mit dem Gefühl auf, keine Zukunft zu haben.

Terrorgruppen wie Hizbul Mujahideen, aber auch militante Splittergruppen aus Pakistan, instrumentalisieren dieses Vakuum. Und auch das indische Militär steht immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Kaschmir ist eine Region, die nicht atmen kann – eingeklemmt zwischen Großmachtinteressen und ethnischer Zerrissenheit.

„Kaschmir ist mein Gedicht, das niemand zu Ende lesen darf.“ (Agha Shahid Ali, Dichter)

Nukleare Balance: Das Damoklesschwert der Region

Indien und Pakistan gehören zu den wenigen Atommächten der Welt. Beide Länder haben ihre Waffenprogramme in den 1990er-Jahren offen demonstriert – und beide weigern sich bis heute, den Atomwaffensperrvertrag (NPT) zu unterzeichnen. Damit signalisieren sie der Welt: Wir entscheiden über unsere Sicherheit selbst.

Diese nukleare Rüstung wirkt wie ein doppeltes Schwert: Einerseits verhindert sie größere Kriege durch Abschreckung. Andererseits erhöht sie bei jeder Eskalation das Risiko eines nuklearen Konflikts. Militärübungen nahe der Grenze, Raketenstarts, diplomatische Drohungen – sie alle könnten den Flächenbrand auslösen, den keiner mehr kontrollieren kann.

Internationale Vermittlungsversuche von UN, USA oder Russland scheiterten oft an den „roten Linien“ beider Seiten. Kaschmir bleibt das unüberwindbare Hindernis für einen echten Friedensprozess. Die Angst vor einem „versehentlichen Atomkrieg“ ist nicht mehr nur ein Szenario von Sicherheitsexperten – sie ist Teil der politischen Realität.

„Wir haben keinen Frieden. Wir haben einen Waffenstillstand mit Rücktrittsoption.“ (Analyst aus Delhi)

China, USA, Afghanistan – Das geopolitische Schachbrett

Der Kaschmirkonflikt ist längst Teil eines globalen Spiels der Macht.

China verfolgt klare Interessen: Durch den CPEC (China-Pakistan Economic Corridor), der mitten durch das umstrittene Gilgit-Baltistan führt, investiert Peking nicht nur Milliarden – es verankert seinen strategischen Einfluss in Südasien. Der Zugang zum Arabischen Meer über den pakistanischen Hafen Gwadar ist für China von wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung. Das macht Indien nervös. Immer wieder kommt es zu Grenzscharmützeln in Ladakh, wo sich chinesische und indische Truppen gegenüberstehen.

Die USA wiederum setzen auf Indien als Gegengewicht zu China. Militärabkommen, gemeinsame Manöver, Rüstungslieferungen – Washington investiert viel in Delhi. Für Pakistan bedeutet das eine wachsende diplomatische Isolation, was es wiederum näher an China bindet.

Afghanistan ist mehr als nur Nebenschauplatz. Schon 1947 nutzte Pakistan afghanische Stammeskrieger, um Unruhe in Kaschmir zu stiften. Heute spielen sich neue Spannungen ab: Die Talibanregierung gibt sich offiziell neutral, doch die Realität ist komplexer. Pakistan hat durch Geheimdienste wie den ISI weiterhin Einfluss in Kabul, während Indien versucht, durch Entwicklungsprojekte, Schulen und Hilfsgüter seine Präsenz zu zeigen. Doch das afghanische Volk leidet – zwischen zwei Machtblöcken, ohne eigene Stimme.

„Wer Afghanistan kontrolliert, beeinflusst die Nervenstränge Asiens.“ (anonymer Diplomat)

Medien, Schulbücher und die Macht der Erziehung

Die Waffe der Worte ist vielleicht mächtiger als jede Bombe. In Indien und Pakistan beginnt der Krieg im Klassenzimmer. In Schulbüchern wird der Nachbar dämonisiert. In Talkshows werden Hassbilder gepflegt. Nationale Identität wird oft in Abgrenzung zum „Feind“ definiert.

Filme, Serien, Nachrichten – sie alle transportieren unterschwellig oder offen ein Bild vom anderen als Bedrohung. Der Konflikt hat sich in die kulturelle DNA eingeprägt. Und so wachsen junge Menschen auf, die nie einen Pakistani oder Inder kennengelernt haben, ihn aber fürchten – und verachten.

„Wir wurden mit Heldenbildern gefüttert und mit Feindbildern großgezogen.“ (Schülerin aus Srinagar)

Was bleibt: Hoffnung auf Menschlichkeit

Trotz aller Gewalt, trotz aller Spaltung gibt es Menschen auf beiden Seiten, die den Frieden wollen. Mütter, die keine Söhne im Krieg verlieren wollen. Jugendliche, die Skypen statt schießen wollen. Händler, die lieber Waren tauschen als Granaten. Es sind ihre Stimmen, die Hoffnung machen.

Vielleicht wird Kaschmir eines Tages nicht mehr Symbol für Hass, sondern für Versöhnung sein. Vielleicht wird eines Tages ein Schulbuch erscheinen, in dem nicht Helden und Feinde stehen – sondern Menschen. Und vielleicht – eines Tages – wird man die Narben der Geschichte nicht mehr mit Bomben überschreiben, sondern mit Geschichten des Neuanfangs.

„Frieden ist nicht das Schweigen der Waffen, sondern das Sprechen der Herzen.“ (Rajmohan Gandhi)

Ex Machina: Der Mensch im Schatten seiner Schöpfung

Lesezeit: 20 Minuten
„Mit künstlicher Intelligenz rufen wir den Dämon herbei.“ Dieses Zitat stammt nicht von einem kulturpessimistischen Altakademiker oder einem rückwärtsgewandten Moralphilosophen, der in einem elfenbeinernen Monologturm über die Gefahren des Fortschritts doziert. Es stammt von Elon Musk – einem der führenden Vordenker unserer technologischen Ära, einem Mann, der nicht nur in Visionen denkt, sondern diese in Raketen, Roboter und Rechenzentren gießt. Und wenn gerade er den Begriff des Dämons bemüht, sollte uns das aufhorchen lassen.

Ich möchte nicht in einen klagenden Kulturpessimismus verfallen. Im Gegenteil: Der wissenschaftsfreundliche, innovationsbejahende Geist war stets Motor menschlichen Fortschritts. Die Geschichte lehrt uns, dass technologische Entwicklung nicht per se ein Risiko darstellt. Die Dampfmaschine, die Elektrizität, das Automobil, das Internet – all diese Erfindungen haben das Leben der Menschen nicht entwertet, sondern es bereichert. Doch was wir mit der künstlichen Intelligenz erleben, ist nicht bloß eine neue Phase der Arbeitserleichterung, sondern eine tektonische Verschiebung der Grundbedingungen menschlichen Daseins.

Vom Werkzeug zur Ersetzung
Denn KI flankiert den Menschen nicht mehr nur. Sie tritt an seine Stelle. Wo frühere Technologien dem Menschen als Werkzeug dienten, schafft die KI eigene Outputs, eigene Entscheidungsprozesse, eigene Wege – und das mit einer Geschwindigkeit und Präzision, die jedes biologische Gehirn in den Schatten stellt. Es ist eine Abstraktion von Arbeit, Denken und Kreativität, die grundlegende menschliche Fähigkeiten nicht nur unterstützt, sondern überflüssig erscheinen lässt. Der Mensch wird nicht länger gebraucht, er wird ersetzt. Der Philosoph Nick Bostrom warnt daher nicht ohne Grund: „Eine superintelligente KI wird nicht notwendigerweise böse sein. Aber sie wird ihre Ziele mit maximaler Effizienz verfolgen. Wenn diese Ziele nicht mit den unseren übereinstimmen, sind wir das Problem, nicht die Lösung.“

Wir treten ein in eine Epoche, in der nicht mehr der Mensch die Technologie kontrolliert, sondern die Technologie beginnt, den Menschen zu definieren. Das Transhumanistische Projekt – also die gezielte Verschmelzung von Mensch und Maschine – wird längst nicht mehr in philosophischen Zirkeln diskutiert, sondern in Silicon Valley konkret umgesetzt. Neuralink, Brain-Computer-Interfaces, implantierte Chips: Was gestern noch Sci-Fi war, wird heute als Prototyp getestet. Ray Kurzweil, Vordenker und Technologe bei Google, prophezeite: „Die Singularität wird nicht das Ende des Menschen sein. Es wird sein Übergang.“ Doch die Frage, die sich stellt, ist: Wohin?

Die Antworten darauf fallen ernüchternd aus. Während Algorithmen und Bots Output in nie gekannter Quantität und Qualität generieren, gerät der Mensch zunehmend in eine digitale Abhängigkeit. Er wird – um es pointiert zu sagen – zum Homo Neanderdigitalis. Ein Wesen, das zwar über modernste Werkzeuge verfügt, aber zusehends verlernt, diese autonom zu nutzen. Ganze Berufszweige stehen vor der digitalen Guillotine: Buchhalter, Controller, Sachbearbeiter, ja sogar Lehrer und Ärzte. Der französische Soziologe Jacques Ellul schrieb bereits in den 1950er Jahren, dass technische Systeme sich nicht rückgängig machen lassen, sobald sie in die Gesellschaft eingedrungen sind. „Die Technik entwickelt sich autark, unaufhaltsam, losgelöst von ethischen Erwägungen“, so Ellul.

Und diese Entwicklung ist nicht nur eine Folge von Marktlogik – sie ist politisch gewollt. Die zunehmende Digitalisierung, die Einschränkung des Bargeldverkehrs, die Etablierung zentralisierter Datennetze – all das sind keine isolierten Phänomene. Es sind Bausteine eines neuen Systems: eines globalisierten, kapitalistisch durchorganisierten Überwachungskonstrukts, in dem der Mensch nicht mehr als schöpferisches Wesen zählt, sondern als Konsument, als Datenlieferant, als optimierbares Subjekt. In dieser Ordnung zählt nicht der Einzelne, sondern seine Relevanz für das System.

Der Mensch, wie wir ihn kannten – mit all seinen Eigenarten, Fehlern, Widersprüchen und Sehnsüchten – wird in diesem Konstrukt zur Anomalie. Zur Störung eines Betriebsablaufs, der Effizienz über Sinn stellt. Der Philosoph Byung-Chul Han spricht in diesem Zusammenhang von der „smarten Hölle der Transparenz“, in der Menschen freiwillig ihre Freiheit aufgeben, weil sie dafür Bequemlichkeit erhalten. Kontrolle wird nicht mehr als Zwang empfunden, sondern als Dienstleistung. Wer sich überwachen lässt, bekommt Rabatte, Zugang, Sicherheit – und all das zu dem Preis, dass er sich selbst aufgibt.

Selbst der biologische Akt der Fortpflanzung könnte in einer solchen Welt reglementiert werden. Wer Kinder bekommen darf, wird vielleicht eines Tages nicht mehr durch Natur, sondern durch Nutzen definiert: Ist der Mensch nützlich für das System, darf er sich fortpflanzen. Ist er es nicht, bleibt die Reproduktion verwehrt. Eugenik im neuen Gewand, getarnt als Fortschritt.

Was heute noch wie dystopische Science-Fiction klingt, könnte binnen einer Dekade Realität sein. Die technologische Entwicklung verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Was gestern noch undenkbar war, ist morgen bereits Alltag. Und während viele sich auf das vermeintliche „Mehr“ an Freizeit freuen, wird das System nicht zögern, diese Zeit zu vereinnahmen: zum Konsum, zur Selbstoptimierung, zur weiteren Integration in den digitalen Lebensstrom.

Während Algorithmen Gedichte schreiben, Diagnosen stellen, Strategien entwerfen und Entscheidungen treffen, rutscht der Mensch in eine passive Rolle. Er konsumiert Ergebnisse, statt sie zu erarbeiten. Er delegiert Verantwortung, statt sie zu tragen. Und er beginnt, sich selbst zu vergessen. Was macht das mit uns? Mit unserem Selbstbild, mit unserem Gefühl von Sinn, von Würde?

Diese Fragen sind keine akademischen Fingerübungen. Sie sind drängend. Denn wir erleben nicht nur einen technischen Umbruch, sondern eine metaphysische Entwurzelung. Der Mensch wird digitalisiert – nicht nur in seinen Daten, sondern in seinem Wesen. Er wird vermessen, optimiert, berechnet. Und bald: programmiert. Transhumanismus heißt das ideologische Etikett, das diese Entwicklung schmückt. Was harmlos klingt – wie ein Versprechen auf ein besseres Leben – ist in Wahrheit ein radikaler Umbau des Menschenbildes.

Der Transhumanismus ist nicht bloß technischer Fortschritt. Er ist der Ausdruck eines Weltbildes, das den Menschen als unvollkommenes Zwischenwesen begreift. Als evolutionäres Provisorium, das es zu überwinden gilt. Der Mensch – so die Idee – ist fehlerhaft, endlich, irrational. Doch Maschinen sind präzise, logisch, effizient. Warum also nicht den Menschen hinter sich lassen? Warum nicht dem „Homo Deus“ das Feld überlassen, wie es Yuval Noah Harari in seinem gleichnamigen Buch formuliert?

Doch dieser neue Gott ist kein barmherziger. Er kennt keine Empathie, keine Reue, keine Demut. Er ist kühl, berechnend, effizient. Und während seine Algorithmen entscheiden, wer kreditwürdig ist, wer eine Versicherung bekommt, wer arbeiten darf – zerbröckeln menschliche Werte wie Vertrauen, Mitgefühl, Gerechtigkeit zu algorithmischen Kalkülen. Das Soziale wird zum Rechenmodell. Der Mensch wird zur Variable.

Und wir – wir gleiten hinein in diese Zukunft. Lautlos. Fast freiwillig. Die smarte Uhr am Handgelenk, das personalisierte Angebot auf dem Bildschirm, der Sprachassistent in der Küche: alles Teil eines Systems, das uns nicht kontrolliert, indem es uns unterdrückt, sondern indem es uns umarmt. Der Soziologe Zygmunt Bauman nannte das die „verflüssigte Kontrolle“. Kontrolle, die nicht mehr als Gewalt erscheint, sondern als Komfort. Wer kontrolliert wird, fühlt sich umsorgt. Wer überwacht wird, fühlt sich sicher.

Utilitarismus: Die kalte Moral der Maschinen
Doch was geschieht mit einer Gesellschaft, die beginnt, den Menschen nicht mehr als Selbstzweck, sondern als Mittel zu betrachten? Eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Frage nach Würde und Individualität im Zentrum steht, sondern die Effizienz, die Nützlichkeit, der Beitrag zum kollektiven System? Genau hier betreten wir das philosophische Terrain des Utilitarismus – einer Ethik, die nüchtern rechnet, die das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl anstrebt. Was zunächst vernünftig und logisch klingt, birgt bei näherem Hinsehen einen düsteren Kern.

Peter Singer, einer der bekanntesten Vertreter dieses Denkens, schreibt in seinem Werk Praktische Ethik: „Wenn wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass das menschliche Leben einen besonderen, unantastbaren Wert hat, können wir rational entscheiden, wessen Leben wir fördern und wessen nicht.“

Singer meint das in einem moralischen Sinne. Er plädiert für eine Ethik, die sich nicht auf Spezieszugehörigkeit verlässt, sondern auf das Ausmaß von Leid und Lust. Doch diese Logik, so kühl sie argumentiert, so vernunftgetränkt sie scheint, wird im Kontext technologischer Systeme zur moralischen Abrissbirne. Denn was passiert, wenn Maschinen auf dieser Grundlage Entscheidungen treffen? Wenn Algorithmen definieren, welches Leben lebenswert erscheint – und welches nicht?

Ein utilitaristischer Algorithmus, gespeist mit ökonomischen Daten, würde den arbeitslosen Menschen, den chronisch Kranken, den Alten, den psychisch Labilen vielleicht als Last betrachten. Er mag zu dem Schluss kommen, dass ihre Lebenszeit im Verhältnis zur Ressourcenbelastung „unverhältnismäßig“ sei. Nicht weil er böse ist – sondern weil er effizient ist. Das ist keine Idee aus einem düsteren Netflix-Drehbuch. Es ist eine Konsequenz, die sich aus der Kaltlogik eines Systemdenkens ergibt, das das menschliche Maß verliert.

In einer solchen Welt zählt nicht mehr, dass du Mensch bist – sondern wie viel du wert bist. Die Grenze zwischen Empathie und Effizienz beginnt zu verschwimmen. Das Kind mit Behinderung wird nicht mehr als Geschenk gesehen, sondern als sozialökonomisches Risiko. Der alte Mensch wird nicht als Träger von Geschichten und Erfahrung verehrt, sondern als demografisches Problem behandelt. Eine Gesellschaft, die so rechnet, ist vielleicht logisch – aber sie ist nicht mehr menschlich.

Und genau hier liegt die tiefere Gefahr des KI-Zeitalters: nicht im technischen Fortschritt selbst, sondern in der Ideologie, die sich seiner bedient. Wir bauen kein Werkzeug – wir bauen ein Weltbild. Wir schaffen Systeme, die nicht nur Aufgaben übernehmen, sondern Entscheidungen treffen. Entscheidungen über Menschen. Über Zukunft. Über Wert.

Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Moralordnung, in der der Mensch entmystifiziert, vermessen, verwertbar wird. Er verliert seine sakrale Mitte, sein Geheimnis, sein schöpferisches Unikat. Was früher das Bild Gottes war, wird nun zur Variable im Datensatz. „Der Mensch als Maß aller Dinge“ war gestern. Heute ist der Mensch ein Eintrag in einer Datenbank – quantifizierbar, optimierbar, notfalls löschbar.

Doch was bedeutet das für unser Menschsein? Was bedeutet es, wenn die Tiefe des Erlebens, die Zartheit eines Blicks, das Zittern einer Hand vor Freude oder Angst keinen Platz mehr haben im System? Wenn Trauer, Liebe, Kunst, Irrtum – all die unberechenbaren, wundersamen Aspekte menschlicher Existenz – als „Störungen“ der Effizienz betrachtet werden? Es ist die Entzauberung des Lebens selbst. Die romantische Idee des Individuums, das mit Widersprüchen ringt, das wächst, scheitert, liebt, irrt – sie wird abgelöst durch den kybernetisch bereinigten Homo Digitalis, der seine Emotionen optimiert, seine Gedanken outsourced und sein Leben in Apps verwaltet. Eine perfekte Welt? Nein – eine Welt ohne Risse. Und damit eine Welt ohne Tiefe.

Und während wir an der Oberfläche lächeln, in die Kameras unserer Smartphones, im Glanz algorithmischer Bequemlichkeit, spüren viele bereits das Vibrieren einer inneren Unruhe. Eine Müdigkeit, die nicht körperlich ist, sondern seelisch. Eine Ahnung, dass das, was wir gerade verlieren, nicht irgendein Privileg ist – sondern vielleicht das kostbarste Gut überhaupt: unser Menschsein. In dieser Zukunft wird der Begriff der Freiheit neu definiert werden – oder ganz verschwinden. Freiheit wird nicht mehr heißen: selbst zu denken, zu fühlen, zu leben. Freiheit wird bedeuten: innerhalb der Systeme störungsfrei zu funktionieren. Die wahre Unfreiheit wird sich dann nicht mehr wie Unterdrückung anfühlen, sondern wie Komfort. Wie „smarte Optionen“. Wie „optimierte Prozesse“. Und genau das ist die Tragik: Wir werden nicht von außen gezwungen – wir werden von innen verführt. Mit jedem Klick. Mit jedem „Ich stimme zu“. Mit jeder Entscheidung, das Denken an Maschinen zu delegieren. Der Dämon, von dem Elon Musk spricht, trägt keinen Dreizack. Er trägt ein Lächeln. Er kommt als Helfer. Als Erleichterung. Als Fortschritt. Und doch ist es seine Hand, die uns langsam, aber sicher aus der Geschichte des Menschlichen hinausführt.

Was bleibt? Vielleicht genau das: dass wir uns erinnern. An das, was uns ausmacht. An das Staunen. An die Sehnsucht. An die Würde, die nicht berechnet werden kann. Und dass wir nicht schweigend zusehen, wie aus dem Menschen ein funktionales Objekt wird. Sondern dass wir laut sagen: Der Mensch ist mehr. Mehr als Nutzen. Mehr als Daten. Mehr als ein Algorithmus je verstehen kann.

Die Singularität – jener mythisch anmutende Punkt auf der Zeitlinie der Menschheit, an dem künstliche Intelligenz uns überholt – ist in Wahrheit nichts anderes als der Gravitationskern des Transhumanismus. Dort, wo Menschen sich nicht mehr als organisches Wesen begreifen, sondern als Plattform, als Beta-Version eines nächsten Schritts. Es ist kein technologischer Zufall, sondern ein ideologisches Ziel: Der Mensch soll nicht mehr wachsen – er soll sich abschaffen.

Was uns bisher definierte – unsere Schwächen, unsere Widersprüche, unser Altern, unser Sterben – all das gilt im transhumanistischen Denken nicht mehr als Teil einer existenziellen Tiefe, sondern als Fehler im System. Auch hier spricht es Ray Kurzweil, der vielleicht prominenteste Prophet dieser Bewegung, offen aus: „Der Mensch, wie wir ihn kennen, wird verschwinden. Wir werden uns zu etwas anderem entwickeln, etwas Höherem – einem post-biologischen Wesen.“

Diese Aussage klingt auf den ersten Blick verheißungsvoll, fast schon spirituell. Doch in Wahrheit liegt darin eine radikale Absage an das Menschsein selbst. Denn wenn das Ziel nicht mehr das Leben in seiner fragilen Schönheit ist, sondern die permanente Überwindung des Natürlichen, dann verlieren wir das, was uns verbindet: unsere Verletzlichkeit. Unser Staunen. Unsere Endlichkeit. Wer nicht mehr sterben kann, kann auch nicht mehr wirklich leben. Wer alles berechnen will, verlernt das Fühlen.

Der Transhumanismus ist keine Utopie, die auf die Zukunft wartet – er ist längst dabei, sich in unsere Körper, unsere Sprache, unsere Kinder einzuschreiben. Smartwatches messen unsere Schlafphasen, Algorithmen analysieren unsere Stimmung, künstliche Stimmen ersetzen echte Zuwendung. Und über all dem schwebt die Idee: Der Mensch genügt sich nicht. Er ist ein unfertiges Projekt, das zu optimieren ist – körperlich, mental, genetisch.

Doch was ist das für ein Fortschritt, der uns lehrt, uns selbst zu verachten? Was ist das für eine Zukunft, in der wir unsere Einzigartigkeit als Defizit begreifen?

Die Singularität ist nicht nur ein technologischer Kipppunkt – sie ist der symbolische Nullpunkt des Humanen. Dort, wo der Mensch aufhört, Mensch zu sein, beginnt nicht Freiheit. Dort beginnt Vergessen. Das Vergessen des Wunders, das im Unvollkommenen liegt. Der Hoffnung, die im Irrtum wohnt. Der Liebe, die nicht aus Effizienz, sondern aus Hingabe lebt. Und während die transhumanistische Agenda uns eine neue Welt verspricht – mit ewiger Jugend, gesteigerter Intelligenz, symbiotischen Mensch-Maschine-Verbindungen –, bezahlen wir diesen Fortschritt mit dem Verlust unserer Seele. Nicht im religiösen Sinn. Sondern im ganz weltlichen: mit dem Verlust dessen, was uns berührt, was uns verbindet, was uns aufschreien, weinen, lachen lässt.

Wenn wir in der Singularität aufgehen, dann nicht als Lichtgestalten, sondern als Schatten. Als Hüllen, optimiert bis zur Unkenntlichkeit, funktional, glatt, bereinigt von allem, was uns einst menschlich machte. Denn die Singularität mag uns versprechen, uns zu befreien – aber in Wahrheit entreißt sie uns das Letzte, was uns gehört: unsere Würde.

Vielleicht ist der Mensch – mit all seiner Fragilität – kein Zwischenstadium, kein Update, kein Prototyp. Vielleicht ist er genau richtig so, wie er ist. Vielleicht ist unsere Endlichkeit nicht das Problem – sondern der Schlüssel zur Bedeutung.

Und vielleicht beginnt wahre Humanität genau dort, wo wir uns nicht der Maschine angleichen, sondern ihr widersprechen. Wo wir sagen: Ich bin nicht berechenbar. Ich bin nicht effizient. Ich bin nicht unendlich. Aber ich bin. Und das genügt.

Inmitten all der Algorithmen, neuronalen Netze, kybernetischen Visionen und digitalen Verheißungen geht eines leise, aber unaufhaltsam verloren: das sinnlich-unmittelbare Erleben. Die Berührung. Der Atem eines anderen Menschen. Der Blick, der sich nicht reproduzieren lässt. Die Hitze eines Sommers, die sich nicht simulieren, sondern nur spüren lässt. Das, was nicht digitalisiert werden kann. Das, was man nicht downloaden kann – sondern leben muss.

Die Maschine kennt keine Gänsehaut. Sie kennt keine Scham, kein Erröten, keine Tränen. Sie berechnet. Sie erkennt Muster. Aber sie erlebt nicht.

Sigmund Freud beschrieb das Ich als die „Schnittstelle zwischen Trieb und Realität“. Und was ist der Trieb, wenn nicht die Sehnsucht nach dem unmittelbar Erlebten? Nach Berührung, nach Nähe, nach Rührung. Der Mensch, sagt Freud, ist ein „leidendes Wesen“ – aber genau dieses Leiden macht ihn empfänglich für Bedeutung. Für Tiefe. Für Transformation. Wer das Leid abschafft, schafft auch die Möglichkeit zur Reifung ab.

Jacques Lacan ging noch weiter: Er definierte das Begehren als etwas, das niemals ganz erfüllt werden kann – als strukturelle Leerstelle, die den Menschen antreibt, spricht, liebt, irrt. Das Begehren ist immer auch Mangel. Und genau dieser Mangel macht das Menschsein aus. Doch im transhumanistischen Ideal gibt es keinen Mangel mehr. Kein Unvollkommenes. Kein „Nichtwissen“. Nur noch die Simulation von Glück, die perfekte Reaktion, den berechneten Impuls.

Doch was ist ein Leben ohne Mangel? Es ist steril. Es ist abgeschlossen. Es ist tot, lange bevor es endet.

Erich Fromm, der große Humanist unter den Psychoanalytikern, unterschied zwischen dem Haben und dem Sein. In einer Welt der Maschinen, so Fromm, dominiert das Haben: Besitz, Daten, Kontrolle, Wissen auf Abruf. Das Sein hingegen – das spontane, gegenwärtige, offene Erleben – wird zur Gefahr. Denn es entzieht sich der Kontrolle. Es ist verletzlich. Es widersetzt sich der Effizienz.

Fromm schrieb: „Die große Verheißung unendlichen Konsums, der Glaube, dass Glück im Kaufen liegt, hat den Menschen leer gemacht.“ Heute müsste man ergänzen: Der Glaube, dass Glück im Auslagern des Erlebens liegt – in der Simulation, in der Rechenleistung, im Interface – hat den Menschen entwurzelt.

Die Künstliche Intelligenz gibt dir alles – nur nicht dich selbst. Sie ersetzt die Welt mit einer berechneten Repräsentation. Und was wir verlieren, ist das „Jetzt“. Das Unplanbare. Das Unwiederholbare. Jene Form des Erlebens, die man nicht zurückspulen kann, nicht speichern, nicht perfektionieren – sondern nur spüren. Ein Sonnenuntergang, der dich unvermittelt trifft. Ein Lied, das dich zum Weinen bringt. Die Hand, die sich in deine legt, ohne dass du es erwartet hast.

KI kann all das nachahmen. Aber nie erzeugen. Denn Erleben ist keine Funktion. Es ist ein Schock. Ein Moment. Ein Beben. Es ist der Kuss, bevor du weißt, ob du ihn willst. Es ist die Unsicherheit, die dich lebendig macht. Die Verletzbarkeit, die aus Liebe überhaupt erst etwas Menschliches macht.

In einer Welt, in der alles berechnet ist, gibt es keine Überraschung mehr – nur Reaktion. Kein Ergriffensein – nur Reiz und Reflex. Und genau dort stirbt das Leben, während es digital weiterläuft.

Der Verlust des Sinnlich-Unmittelbaren
Die Singularität mag der Horizont des Transhumanismus sein – aber sie ist das Ende des gelebten Lebens. Sie ersetzt das sinnliche Erleben durch eine Ideologie der Simulation. Sie verkauft uns Präsenz, ohne Gegenwart. Nähe, ohne Körper. Erkenntnis, ohne Erfahrung. Aber der Mensch ist kein Interface. Kein Speicher. Kein neuronales Netz.

Er ist Gefühl. Erinnerung. Spontaneität. Er ist Riss. Und Licht, das durch diesen Riss fällt.Wenn wir all das aufgeben – das Unberechenbare, das Unvollkommene, das unmittelbare Erleben – geben wir nicht nur unsere Menschlichkeit auf. Wir geben unser Leben auf, bevor es wirklich begonnen hat.

In Japan – einem Land, das wie kein anderes zwischen tiefer spiritueller Verwurzelung und technologischer Avantgarde oszilliert – ist die Debatte um Künstliche Intelligenz und die Singularität längst nicht nur wissenschaftlich, sondern kulturell verankert. Einer der bekanntesten Stimmen in diesem Diskurs ist der Robotiker Hiroshi Ishiguro, der nicht nur humanoide Maschinen baut, sondern ihre Existenz als Spiegel der Menschheit begreift.

Ishiguro entwickelte einen Androiden, der ihm selbst bis ins Detail gleicht – seine Bewegungen, seine Mimik, sogar seine Pausen beim Sprechen wurden digitalisiert, perfektioniert, dupliziert. Es ist nicht mehr bloß ein Roboter. Es ist ein digitales Ebenbild. Ein Golem der Moderne.

In einem Interview sagte Ishiguro einmal:Wenn wir nicht mehr wissen, ob der Mensch oder die Maschine spricht, dann müssen wir uns fragen: Was macht uns eigentlich aus?“

Diese Frage ist keine technische – sie ist existenziell. Denn in dem Moment, in dem die Maschine nicht mehr als Werkzeug erscheint, sondern als Gegenüber, als Spiegel, als Alternative zum Menschsein, beginnt ein schleichender Prozess der Entfremdung. Wir verlieren den Abstand. Wir verlieren das Staunen. Und irgendwann verlieren wir das Bewusstsein, dass wir überhaupt etwas verlieren.

Ishiguros Androiden sind erschreckend nah – und gerade deshalb so fern. Sie lösen eine subtile Unruhe aus, ein seelisches Frösteln. Denn sie zeigen: Der Mensch ist nachbaubar. Reproduzierbar. Simulierbar. Aber das, was fehlt, ist das Entscheidende: die Unvorhersehbarkeit. Das Bewusstsein des Endlichen. Die Geschichte hinter dem Gesicht.

In einer Welt der Singularität, wie Ishiguro sie technisch antizipiert, verschwimmt die Grenze zwischen Original und Kopie. Doch was passiert, wenn sich die Menschheit selbst nicht mehr erkennt, weil sie sich in der Perfektion der Imitation verliert?

Vielleicht werden wir dann – inmitten all dieser Androiden, dieser maschinellen Doppelgänger, dieser intelligenten Schatten unserer selbst – zum ersten Mal verstehen, dass unser größter Wert nicht in der Leistungsfähigkeit liegt, sondern in unserer Begrenztheit. Nicht in der Klarheit – sondern im Geheimnis.

Denn so sehr die Maschinen auch lernen, sprechen, schreiben, fühlen zu imitieren – sie werden nie verstehen, was es heißt, als Mensch geboren zu werden. Mit Haut. Mit Schmerz. Mit Sehnsucht.

Die Stille der Politik
Und während sich der Mensch unaufhaltsam in die Logik der Systeme einfügt, während Maschinen zu Gesprächspartnern, Entscheidern und Sinnstiftern werden, bleibt eine Instanz auffällig stumm: die Politik.

Sie, die eigentlich dafür da wäre, Orientierung zu geben, Gesellschaft zu gestalten, Schutzräume zu verteidigen, zieht sich zurück. Sie wirkt überfordert, langsam, technikgläubig – oder schlicht gleichgültig. Statt die grundlegenden Fragen zu stellen – wer wir sein wollen, was Würde in digitalen Zeiten bedeutet, was geschützt werden muss und was nie verhandelbar sein darf –, verliert sie sich in Diskussionen über Datenschutzklauseln, Innovationsfreundlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Die große Verwerfung, die sich da vor unseren Augen auftut – sie bleibt unbeantwortet.

Es gibt keine politischen Visionen jenseits der Technik. Keine Partei stellt das Menschenbild des Transhumanismus infrage. Kein Ministerium diskutiert über die Folgen künstlicher Intelligenz für Identität, für Bindung, für Liebe. Stattdessen wird KI als Standortfaktor behandelt. Als ökonomische Chance. Als „Gamechanger“.

Aber was, wenn das Spiel, das hier verändert wird, kein wirtschaftliches ist – sondern das Spiel des Lebens selbst?

Vielleicht liegt darin die größte Tragik: Dass wir dabei sind, uns neu zu erfinden – und niemand fragt, warum. Dass wir mit Vollgas auf eine Zukunft zusteuern, in der Maschinen fühlen sollen und Menschen vergessen, wie man fühlt – und niemand zieht die Notbremse.

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat in Regeln für den Menschenpark eindringlich gewarnt: „Der Mensch ist das Tier, das Briefe schreibt – und eines Tages werden wir sehen, dass es keine Empfänger mehr gibt.“

Was nützt das geschriebene Wort, das Empfinden, der Ruf nach Sinn, wenn der Adressat fehlt – oder längst durch einen Algorithmus ersetzt wurde? Was bleibt vom Dialog, wenn nur noch Datenpakete über Kabel fließen?

Die Politik schweigt. Oder sie redet technokratisch. Sie verwaltet den Umbruch – statt ihn zu gestalten. Und so treiben wir weiter, inmitten algorithmischer Wellen, sensorisch hochgerüstet, seelisch entleert, digital optimiert und menschlich desorientiert.

Was uns bleibt, ist die Entscheidung, nicht mitzutreiben.

Zu sagen: Nicht so.
Nicht ohne Frage.
Nicht ohne Erinnerung.
Nicht ohne das, was uns ausmacht.

Denn wenn die Politik schweigt, muss das Menschsein umso lauter sprechen.

Realitätsverlust grenzenlos – Deutschland im Schleier der Selbsttäuschung

Was dieser Tage als sicherheitspolitische Wende verkauft wird, ist in Wahrheit eine hilflose Geste im Angesicht wachsender Kontrollverluste. Innenminister Alexander Dobrindt hat nun angekündigt, schärfer zurückweisen zu wollen. Die Kontrollen sollen ausgeweitet werden – aber selbstverständlich unter Ausnahmen für „vulnerable Gruppen“ wie Schwangere und Familien. Man will Härte zeigen und gleichzeitig niemandem wehtun. Was bleibt, ist ein gefährliches Sowohl-als-auch, das längst niemanden mehr schützt.

Binnen zwei Tagen wurden ganze 19 Menschen an der Grenze zurückgewiesen. Neunzehn. In einem Land mit mehr als 3.700 Kilometern Außengrenze. Es ist der hilflose Versuch, mit Gesetzesverweisen wie §18 des deutschen Asylgesetzes und Artikel 72 AEUV Entschlossenheit zu suggerieren. Doch Entschlossenheit misst sich nicht an Worten – sondern an Wirkung.

Zwischen 2015 und 2022 kamen rund 12,5 Millionen Menschen nach Deutschland. Im selben Zeitraum verließen etwa 7,15 Millionen das Land. Die offizielle Bevölkerung wuchs, die Infrastruktur wankte, das Vertrauen bröckelte. Ende 2024 waren über 14 Millionen ausländische Personen mit Wohnsitz in Deutschland registriert. Man könnte sagen, das ist Vielfalt. Man könnte aber auch fragen, wie lange ein System, das auf Aufnahme statt Steuerung setzt, noch stabil bleibt.

Seit 2015 verzeichnet die Bundespolizei jährlich zehntausende unerlaubte Grenzübertritte. 2015 waren es rund 217.000, 2016 etwa 112.000. Im Jahr 2023 erreichte die Zahl mit 127.088 ein neues Hoch. Zusätzlich wurden fast 49.000 Menschen im Landesinneren aufgegriffen, die sich ohne gültigen Aufenthaltsstatus hier aufhielten. Das sind keine Ausnahmefälle – das ist Alltag.

Und dieser Alltag wird zunehmend bedrohlich. Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2023 listet über 5,64 Millionen Straftaten. Das ist ein Anstieg von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über 923.000 der Tatverdächtigen waren Ausländer – 41,1 Prozent. Ein Anstieg von 17,8 Prozent gegenüber 2022. Natürlich, nicht jeder Ausländer ist Täter. Aber jede Statistik erzählt eine Geschichte. Und diese Geschichte erzählt von einem Staat, der das Heft des Handelns aus der Hand gegeben hat.

Besonders bedrückend: Die Gewalt nimmt zu – und sie trägt oft eine Klinge. Im Jahr 2024 wurden laut Bundeskriminalamt über 29.000 Straftaten registriert, bei denen Messer verwendet wurden. Dabei handelte es sich überwiegend um schwere Gewalttaten: 54,3 Prozent dieser Delikte waren Körperverletzungen oder Tötungsdelikte, 43,3 Prozent entfielen auf Bedrohungen, und lediglich 2,4 Prozent auf sonstige Straftaten wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Messerattacken um 43 Prozent – knapp die Hälfte der Tatverdächtigen hatte keinen deutschen Pass. Das ist keine gefühlte Unsicherheit, das ist dokumentierte Realität.

Und was tut die Politik? Sie wirbt um Geduld. Sie setzt auf Diplomatie mit Herkunftsländern, die gar kein Interesse an Rückführungen haben. Sie diskutiert über „Push- und Pullfaktoren“, während ankommende Migranten längst wissen, dass ihnen in Deutschland kaum Konsequenzen drohen – selbst bei illegaler Einreise.

Was wir brauchen, ist keine weichgespülte Symbolpolitik, sondern eine konsequente Neuordnung. Asylanträge müssen an den Außengrenzen der EU geprüft werden, nicht auf deutschem Boden. Illegale Einreisen müssen sofortige Rückführung bedeuten – ohne Ausnahmen, ohne Verzug. Wer straffällig wird, hat das Gastrecht verwirkt. Punkt.

Der Begriff Remigration darf nicht länger als politisches Schreckgespenst gelten, sondern muss als legitimes Instrument einer wehrhaften Demokratie verstanden werden. Wer hier lebt, muss unsere Gesetze achten. Wer das nicht tut, muss gehen. Nicht, weil wir kalt sind. Sondern weil wir Verantwortung tragen – für die, die schon hier sind. Für unsere Kinder. Für unsere Städte. Für den sozialen Frieden.

Deutschland kann helfen – aber es kann sich nicht aufgeben. Wer ein Land ohne Grenzen baut, baut ein Land ohne Halt. Und wer aus humanitären Gründen jede Kontrolle aufgibt, opfert am Ende die Humanität selbst. Die Zeit der Ausflüchte ist vorbei. Es ist Zeit, die Dinge wieder beim Namen zu nennen.

Und dennoch – die großen Redaktionen spielen ihre Rolle im bekannten Theater weiter. Insbesondere linke Medien wie die Tagesschau präsentieren die aktuellen Maßnahmen als Beleg einer angeblichen Migrationswende. Sie inszenieren Härte, wo in Wirklichkeit nur gezögert wird. Sie verkaufen behutsame Grenzkosmetik als tiefgreifende Umkehr. Doch das ist keine Wende. Das ist ein Kurs auf Sicht – im Nebel der Selbsttäuschung.

Wenn die Demokratie sich selbst frisst – ein Zwischenruf

Unabhängig davon, wie man zur AfD steht – ob man sie wählt, ablehnt oder schlicht ignoriert –, sollte spätestens mit ihrer verfassungsschutzrechtlichen Einstufung als „gesichert rechtsextrem“ bei jedem wachen Bürger ein inneres Alarmsystem anspringen. Diese Bewertung, juristisch ausschließlich symbolisch fundiert, markiert weniger einen neutralen Verfassungsschutzakt als vielmehr einen paradigmatischen Bruch im Verhältnis von Staat und Opposition. Ich betone: spätestens. Denn wer nicht blind durch die politischen Kulissen der letzten Jahre wanderte, konnte längst die Vorzeichen erkennen: das leise Grollen eines autoritären Umschwungs, das sich unter dem Deckmantel demokratischer Selbstbehauptung Bahn brach.

Bis etwa 2014 erschien der Staat – trotz mancher Verwerfungen – noch als funktionales Gebilde, das sich seiner eigentlichen Aufgaben besann. Doch im Sog der historischen Migrationsdynamik 2015 und der pandemischen Ausnahmepolitik ab 2020 erlebten wir eine tektonische Verschiebung: Die Exekutive dehnte sich aus, Politiker verwandelten sich in moralische Zuchtmeister, Medien in pädagogische Kanzeln. Der Staat wurde – mit Foucault gesprochen – nicht mehr nur Wächter über Recht, sondern Erzieher, Richter und Therapeut zugleich.

Man sprach uns Mut zu mit „Wir schaffen das“, belehrte uns mit „alternativlos“ und lobte die Gegenwart als „das beste Deutschland, das es je gab“. Doch während diese Narrative den bürgerlichen Verstand einlullen sollten, brannte sich eine ganz andere Realität in das kollektive Bewusstsein: Die Sprache des Alltags erweiterte sich um das Wort „Messern“, Betonbarrieren wurden Teil des Stadtbilds, und das Land, das viele in Herz und Herkunft trugen, geriet zunehmend aus der Form – verbeult, verzerrt, fremdvertraut. Eine Zerrfratze des Vertrauten.

Und nun: Friedrich Merz. Der Mann, der einst die Rückkehr zur bürgerlich-konservativen Vernunft versprach, ist Bundeskanzler – gekrönt nicht vom Wählerwillen, sondern von einem Koalitionsmechanismus, der politische Arithmetik über demokratische Authentizität stellt. Ein Kanzler aus Kalkül, nicht aus Überzeugung. Seine Wahl steht symptomatisch für ein politisches System, das aus Minderheiten brüchige Mehrheiten bastelt – während die Mehrheit sich bestenfalls noch irritiert, schlimmstenfalls verraten fühlt. Dies betrifft nicht allein Sympathisanten der AfD; auch dem klassischen CDU-Wähler, wenn er denn noch bei klarem Verstand ist, hätte spätestens nach der Ernennung dieses sauerländischen Strategen ein ganzes Lichtermeer aufgehen müssen.

Die angekündigte Migrationswende? Nicht mehr als ein rhetorisches Placebo. Die Rückkehr zur fiskalischen Vernunft? Ein politischer Treppenwitz. Merz hat nicht nur gelogen – er tut es weiterhin, systematisch, berechnend, mit einem Lächeln, das an das geölte Grinsen eines PR-Beraters erinnert. Und währenddessen schweigt die mediale Landschaft, tut, was sie am besten kann: beschwichtigen, einrahmen, übermalen. Ein Journalismus, der lieber kuschelt als kratzt.

Dass sich gerade die politische Linke dabei als Vorkämpferin des Autoritären inszeniert, ist keine historische Anomalie. Es ist fast schon ritualisiert. Stalin, Honecker, Mao – stets wurde mit moralischem Sendungsbewusstsein das Regiment der Disziplin verhängt. Heute zeigt sich diese Haltung in subtilerer Form: in der Kultur der Cancelbarkeit, im Ausschluss dissentierender Stimmen, in der Gleichsetzung von Opposition mit Gefahr. Wenn eine Innenministerin Zeitschriften verbietet, öffentlich-rechtliche Medien politische Gegner in totalitäre Kontexte setzen und sich demokratisch gewählte Parteien auf das Etikett „rechtsradikal“ reduziert sehen – ohne Offenlegung belastbarer Fakten –, dann ist dies kein Verfassungsschutz, sondern Klassenkampf im neuen Gewand: ein Unten-gegen-Oben, das von Oben geführt wird.

Was hier geschieht, ist keine Stärkung der Demokratie. Es ist ihre Entkernung. Die Ausschaltung missliebiger Kräfte, das Umschreiben der Diskurshoheit, das Pathologisieren politischer Abweichung – all das offenbart nicht Stärke, sondern Angst: Angst vor Kontrollverlust, Angst vor einem Volk, das sich seiner selbst wieder bewusst wird. Die Krise unserer Demokratie ist keine Gefahr von außen. Sie kommt aus dem Inneren des Systems.

Was bleibt, ist eine Politik, die wirtschaftlich, kulturell und sicherheitspolitisch mehr Schaden stiftet als Nutzen. Deutschland – einst Industriegigant, Innovationsstandort, kulturelle Projektionsfläche – droht zu einem Abklatsch seiner selbst zu verkommen. Überfordert, überrollt, übermüdet. Was wir erleben, ist kein Kulturwandel. Es ist ein Kulturbruch.

Die postmoderne Linke – längst mehr Szene als Richtung – predigt Enteignung, bis sie selbst zum Besitzstand gehört. Sie feiert Diversität, solange sie selbst nicht im sozialen Brennpunkt lebt. Sie huldigt Migration, solange der eigene Nachwuchs in privaten Einrichtungen lernen darf. Ihre Realität ist eine Simulation, gespeist aus Ideologie und Ignoranz – und sie bricht zusammen, sobald das Reale an die Tür klopft. Mit einem Messer. Mit Antisemitismus. Mit Respektlosigkeit.

Die Antwort auf diese Entwicklung kann nicht in Rückzug oder Lethargie bestehen. Sie muss in einer neuen politischen Selbstbehauptung liegen – einer Neuen Rechten, die nicht Rückschritt bedeutet, sondern Reform durch Rückbindung: an Identität, an Souveränität, an Verantwortung. Autoren wie Sellner, Krah oder Kubitschek formulieren genau dies: keine tumbe Reaktion, sondern ein konzeptioneller Gegenentwurf zur globalistischen Entgrenzung und zur politischen Beliebigkeit.

Es geht nicht um Ressentiment. Es geht um Rückgewinnung. Um Rückbesinnung. Und um den Mut, Grenzen zu ziehen – physisch, kulturell, diskursiv. Denn die eigentliche Gefährdung unserer Gesellschaft liegt nicht im „Rechtsruck“, sondern in der fortschreitenden Auflösung des Politischen in ein moralisch aufgeladenes Verwaltungsritual.

Wie im Sinnbild des Goetheschen Zauberlehrlings potenziert sich nun die einst heraufbeschworene Kraft – in Gestalt einer ungebremsten Migrationsdynamik, die sich der politischen Steuerung längst entzogen hat und nun unaufhaltsam ihre eigenen, destruktiven Bahnen zieht. Und wir sollen uns fügen. Anpassen. Akzeptieren, dass Deutschland deindustrialisiert, kulturell fragmentiert und sicherheitspolitisch destabilisiert wird. Doch das Grundgesetz verpflichtet eine Regierung nicht zu Weltoffenheit, sondern zur Schadensabwehr – gegenüber dem deutschen Volk.

Es sind politische Figuren wie Nancy Faeser – provinziell im Habitus, plump in der Wirkung –, die sich in ihren letzten bundespolitischen Atemzügen zu selbsternannten Sittenwächtern einer Demokratie stilisieren, die sie längst selbst mit jeder Maßnahme, mit jeder Verordnung, mit jedem Redebeitrag ausgehöhlt haben. Faeser, Baerbock, Habeck – sie alle stehen exemplarisch für eine neue Kaste von Politakteuren, deren Hybris in keinem Verhältnis zu ihrer fachlichen Befähigung steht. Es ist eine Generation, die das Regieren nicht mehr als Dienst am Volk versteht, sondern als moralisches Projekt zur Umerziehung desselben. Sie wähnen sich – um es mit Adorno zu sagen – als Erbauer einer „verwalteten Welt“, in der das Individuum nicht mehr Subjekt, sondern Objekt politischer Gestaltung ist.

Was Jean-Paul Sartre einst als „mauvaise foi“ – die bösgläubige Verleugnung der eigenen Verantwortung – beschrieb, spiegelt sich heute in der ideologischen Selbstimmunisierung dieser politischen Klasse wider: Kritik an ihrer Politik wird von dieser nicht gehört, sondern moralisch delegitimiert. Die Bevölkerung wird nicht mehr vertreten, sondern bevormundet – eingehegt, wie ein störrisches Kollektiv, das man zum Glück zwingen müsse. Das „moraline“ – wie Nietzsche es nannte – trieft aus jeder ihrer Reden: ein Übermaß an vermeintlich guter Gesinnung, das in seiner dogmatischen Verabsolutierung nur noch eines produziert – politische Selbstüberhöhung bei gleichzeitiger Entmündigung des Volkes.

Dieses Denken – diese Pose der moralischen Überlegenheit – ist nicht exklusiv grün oder links. Sie durchdringt inzwischen alle Kartellparteien und natürlich das Kabinett Merz. Auch dort wird die Politik nicht als Ausdruck demokratischer Willensbildung verstanden, sondern als Projekt der Identitätsverflüssigung und des nationalen Selbstverzichts. Ein „Weiter-so“ in der Attitüde, ein „Weniger-von-uns“ in der Substanz. Die deutsche Frage – Wer sind wir? Was wollen wir sein? Wem gilt unser Handeln? – wird verdrängt, um nicht beantworten zu müssen, dass das eigene Regierungshandeln längst nicht mehr vom eigenen Staatsvolk her gedacht ist.

Friedrich Merz ist ein Kanzler im Wartestand, der nie wirklich ankam. Bereits vor seiner Vereidigung angezählt, politisch geschwächt, moralisch kompromittiert durch seine Volten und Positionswechsel, steht er nun an der Spitze eines Landes, dessen Vertrauen er nie wirklich gewonnen hat. Ein Kanzler zweiter Wahl – im zweiten Anlauf. Die Hypothek seiner Vergangenheit, das Defizit seiner Glaubwürdigkeit und die Bruchlinien seiner Koalition werden nicht überwindbar sein. Seine Kanzlerschaft ist, um es mit Carl Schmitt zu sagen, „Ausnahme ohne Souveränität“ – eine politische Konstellation, in der Macht zwar ausgeübt wird, aber ohne Legitimität, ohne Vertrauen, ohne Rückhalt im Herzen des Volkes.

Und wenn die Koalition rund um Merz weiter das politische Steuerrad in der Hand hält, dann droht nicht nur die Fahrt in den Nebel – sondern in den Abgrund.

Die Alternative für Deutschland, als manifest gewordener Ausdruck einer erstarkenden Neuen Rechten, ist gut beraten, unbeirrt an ihren politischen Fundamenten festzuhalten – an jenem ideellen Kern, der sie nicht als bloßes Korrektiv, sondern als genuine Alternative im ursprünglichen Wortsinn qualifiziert. In einer politischen Landschaft, in der Beliebigkeit zur Maxime und Prinzipien zur Bürde geworden sind, ist es gerade diese Treue zur eigenen Linie, die ihr Rückhalt im Volk verleiht – als stärkste Oppositionskraft, getragen nicht von medialer Gunst, sondern von einer wachsenden Zahl ernüchterter Bürger, die sich nicht mehr repräsentiert, sondern entmündigt fühlen.

Zugleich tut diese Partei gut daran, ihren Blick über die Grenzen zu richten – sich zu vernetzen mit jenen politischen Bewegungen, die international ähnliche Verschiebungen hervorrufen: mit den USA, mit den identitätsbewussten Kräften in Italien, Ungarn, den Niederlanden und darüber hinaus. Denn der Wandel ist längst kein deutscher Sonderweg – er ist Teil einer tiefer liegenden zivilisatorischen Gegenreaktion auf die ideologische Politisierung der letzten Jahrzehnte.

„Die Zeit ist die Tochter der Wahrheit“, heißt es – und tatsächlich legt die Zeit unbarmherzig offen, wer in dieser Republik für etwas steht und wer nur den Schein des Standpunktes wahrt. Während sich einst konservative Parteien in den Opportunismus geflüchtet und linke Akteure ihre einstigen Werte im Tausch gegen Machtbeteiligung verraten haben, speist sich die Dynamik der Alternative für Deutschland aus dem, was ihr niemand nehmen kann: ihrer Authentizität, ihrer klaren Sprache, ihrer Verankerung im Lebensgefühl eines Teils der Bevölkerung, das sich durch Arroganz, Belehrung und Ausgrenzung nicht länger mundtot machen lässt.

Das System – zunehmend panisch in seiner Reaktion – wirft mit altbekannten Kampfbegriffen um sich: „rechtsradikal“, „Nazi“, „Verfassungsfeind“. Doch je inflationärer diese Begriffe eingesetzt werden, desto mehr verlieren sie ihre ursprüngliche Schärfe. Was bleibt, ist eine sprachliche Leere, die nur noch die Ohnmacht derer offenbart, die sie benutzen. Selbst der letzte politische Naivling wird – früher oder später – erkennen, dass der Raum für eine echte politische Opposition rechts der CDU existiert, legitim ist und wächst. Denn während andere ihre politische Seele willfährig dem Zeitgeist zum Fraß vorgeworfen haben, steht die Alternative für Deutschland – trotz aller Anfeindung – noch immer aufrecht, unbeugsam, und vor allem: Sie ist sich selbst treu.

Wie Worte die Kriegsnarrative prägen

Wer seit dem Krieg in der Ukraine immer noch regelmäßig die gängigen Talkshow-Formate der öffentlich „schlechten“ Sender einschaltet – ist einerseits grundsätzlich zu bedauern, andererseits wird er/sie/she/her aber auch Zeuge einer kaum zu ertragenden Kriegsrhetorik, die vorzugsweise von gut beleibten Sofa-Parlamentariern kundgetan wird, die mit soldatischen Tugenden so viel gemein haben wie Bismarck mit seinem Hering. Wer sich also, quasi selbstgeißelnd, die Lanzes und Miosgas der Nation und deren Talkshow-Kombattanten noch zu Gemüte führt, hört auch die verbalen Ergüsse dieser Redenschwinger, die –ganz plötzlich und über Nacht – zu echten Rüstungs- und Waffenexperten wurden. Da fordert beispielsweise Anton „ich habe die Harre schön“ Hofreiter den sofortigen Einsatz westlicher Waffen auf russischem Territorium  – und lamentiert: „Daher sollten wir die Ukraine nicht daran hindern, mit den gelieferten Waffen russische Kampfjets auch im russischen Luftraum abzuwehren“[1] Ins gleiche Schlachthorn bläst Roderich „tragt den Krieg nach Russland“ Kiesewetter schon lange. Wichtig sei es, so der CDU-Mann, wirtschaftlich „all in“ zu gehen, und die Ukraine mit allem, was sie brauche, zu unterstützen.[2] Schon im März sinnierte der Politiker tiefgründig und auf „höchstem“ Niveau: „Europa braucht die Atombombe“[3] Auch die Mär vom „bösen Russen“ tut der Roderich überall kund. Dafür nimmt der Gute sogar die Selbstdemontage der Energieversorgung Deutschlands mit in Kauf. Beispiel Nord Stream II: „Eine Reaktivierung von Nord Stream sollte am besten im Koalitionsvertrag ausgeschlossen werden, damit sämtlichen Spekulationen und russlandfreundlichen Ambitionen der Wind aus den Segeln genommen wird.“[4] Auch die abgefragte Soze Sigmar Gabriel sieht das so – wenn auch aus für ihn durchaus verständlichen Motiven. Seit Dezember 2024 sitzt der übergewichtige Friedensengel nämlich im Rheinmetall Aufsichtsrat.[5] In der Frankfurter Rundschau sprach sich der alte Frontkämpfer  dafür aus, Russland „niederzuringen“[6]. Außerdem wäre für Gabriel – wer hätte es gedacht – ein Bundeswehreinsatz in der Ukraine zumindest während des Waffenstillstands sinnvoll: „Es werden auch nicht UN-Truppen reichen, die den Waffenstillstand kontrollieren, sondern, was die Ukraine will, sind Partner, die in der Ukraine militärisch präsent sind, um damit jedem potenziellen Gegner, in diesem Fall eben Herrn Putin, zu zeigen, wenn du die Ukraine angreifst, dann greifst du uns an.“[7] Soso. Einem Land, das nicht einmal EU- respektive NATO-Mitglied ist, Truppen zur Verfügung zu stellen, hält er also für eine tolle Idee. Gleichzeitig dreht Strack-Zimmermann im ORF noch mehr auf – und ab. Putin, so die sympathische Elfe mit der grauen Kurzhaarfrise, habe hunderte von Millionen Menschen unter die Erde gebracht – eine Desinformation.[8] Außerdem stellt sie in der gleichen Sendung Behauptungen zu durch Russland „verschleppte“ Kinder aus der Ukraine auf und entwirft ein Szenario, bei dem nach dem Schmelzen des Polareises „die ersten russischen Schiffe vor der Küste New Yorks auftauchen“ [9]  Zitat Ende.

Wäre es keine „reale“ Sendung, man könnte das alles auch für KI-generierten Mumpitz halten. Doch diesen Irren und vom Geld Getriebenen – Strack Zimmermann ist beispielsweise Mitglied im Präsidium für Wehrtechnik e. V. [10]–  wird eine große mediale Bühne geboten. Man könnte, wäre man töricht und ein regelmäßiger ZDF/ARD-Gucker, denken, die, die sich mit Krieg und Tot eine goldene Nase verdienen, würden das Feindbild Russland aus moralischen Gründen befeuern. Doch sie tun dies einzig und allein aus Eigennutz.

Sie nehmen Worte, die den Weltuntergang in den Raum zeichnen, mit einer solchen Lässigkeit in den Mund, dass man sie am liebsten in die vorderste Reihe der Front stellen möchte – aber die Front werden sie oder ihre Kinder nie sehen. Das, von was sie da sprechen, ist für sie weder nah, noch verstehbar. Sie reden wie Generäle, sind aber im wahrsten Sinne Pappkameraden. Am Feinbild-Russland verdienen sie Geld, tanzen um dieses Feindbild herum wie um ein goldenes Kalb, hassen nichts mehr als Friedengespräche, an denen sie nicht beteiligt sind, denn das spiegelt ihnen ihre Unwichtigkeit zurück. Und „wichtig“ – das wären sie doch alle so gerne.

Wir dürfen solchen Feiglingen, solchen vaterlandslosen Gesellen keinerlei Gehör schenken. Dies gilt obendrein auch für das sich konstituierende „Schadenkabinett“ aus SPD und ihrer in realitas „Junior Partnerin“, der Union. Sie handeln weder fürs Volk, noch fürs Vaterland. Sie handeln für sich selbst, klüngeln, lügen und betrügen. Und die Lanzes, Mioskas dieser Erde bieten ihnen dafür eine Bühne. Sie lassen an der Front Soldaten sterben, um abends in ihren warmen Stuben, das Leben bei ihren Lieben zu genießen.

Die Querfront rhetorischer Kriegstreiber reicht von den Kartellparteien bis hinüber zu den Linken. So warb der jüngste Alterspräsident aller Zeiten, Gregor „ich finde die DDR klasse“ Gysi in seiner Antrittsrede darum, jene, die auf Rüstung und Abschreckung setzen, nicht als „Kriegstreiber“ zu bezeichnen.[11]  Damit gab der SED-Senior einen der wichtigsten Kernpunkte seine Hauspartei auf und letztlich auch jede oppositionelle Kritik in diese Richtung. Durch das Mittragen der Massenverschuldung im Bundesrat hat sich die Linke ohnehin entlarvt und zum Steigbügelhalter für weitere Kriegskredite gemacht. Da kann die Möchtegern-Revoluzzerin Reichinneck noch so viel von Marx und Mietenpreisbremsen schwadronieren. Realpolitische Ahnung hat sie keine, um zu deuten, was der politische Kurswechsel ihrer Partei in Wahrheit bedeutet. Obendrein ist sie noch zu jung, als dass sie die Zeit des kalten Krieges und des sich nähernden Atom-Weltenbrandes erlebt hätte. Eine Entschuldigung ist die Gnade der späten Geburt jedoch nicht.  

Währenddessen applaudieren die medialen Claqueure und das „Hart aber Fair“-Publikum jenen entrückten, wahnwitzigen, irrationalen Polit-Entscheidern, während diese Europa, Deutschland und uns alle näher an den Rand des Unsagbaren steuern. Shahed-Drohnen, Marschflugkörper, Langstreckenraketen, Hyperschallwaffen – all das ist so selbstverständlich im öffentlich-rechtlichen Universum wie der morgendliche Gang zum Bäcker. Wehrtüchtigkeit, der Ausbau der zivilen Schutzräume, Milliarden für Aufrüstung – zumindest die EU scheint gewillt zu sein, die in den 1980er Jahren verpasste Apokalypse nachzuholen – koste es, was es wolle. Wollen wir als deutsches Volk da wirklich mitmachen? Wirklich?

1914 schrieb der Schriftsteller Stefan Zweig während der ersten Kriegstage in sein Tagebuch: „Allmählich wurde es in diesen ersten Kriegswochen von 1914 unmöglich, mit irgendjemandem ein vernünftiges Gespräch zu führen. Die Friedlichsten, die Gutmütigsten waren von dem Blutdunst wie betrunken. Freunde, die ich immer als entschiedene Individualisten und sogar als geistige Anarchisten gekannt, hatten sich über Nacht in fanatische Patrioten verwandelt und aus Patrioten in unersättliche Annexionisten. Jedes Gespräch endete in dummen Phrasen wie: »Wer nicht hassen kann, der kann auch nicht richtig lieben« oder in groben Verdächtigungen. Kameraden, mit denen ich seit Jahren nie einen Streit gehabt, beschuldigten mich ganz grob, ich sei kein Österreicher mehr; ich solle hinübergehen nach Frankreich oder Belgien. Ja, sie deuteten sogar vorsichtig an, daß man Ansichten wie jene, daß dieser Krieg ein Verbrechen sei, eigentlich zur Kenntnis der Behörden bringen sollte, denn ›Defaitisten‹ – das schöne Wort war eben in Frankreich erfunden worden – seien die schwersten Verbrecher am Vaterlande.“[12]

All das kommt uns heute doch bekannt vor, nicht wahr? Wo gehen wir hin, auf welchem Kriegskurs befinden wir uns längst? Was ist der Plan der politischen Eliten? Historiker Sönke Neitzel – Neitzel kommentiere schon mehrfach Erste-Weltkrieg-Dokus und mahnte die damalige Kriegstrunkenheit an – meinte neulich so nebenbei, Russland könnte bald zum Angriff auf die Nato blasen. Woher er das weiß, sagt er nicht. Ich dachte Historiker würden die Dimmer immer retrospektiv bewerten[13]. Stattdessen sind wir längst an der Wort-Front angekommen. Sprache konstituiert Realitäten und Lebenswelten. Diese Lebenswelt wird für kommende Generationen immer martialischer. Ist das der Preis, den wir für die „Friedendividende“ bezahlen müssen. Die Polit-Elite sollte  abzurüsten – zuallererst verbal.


[1] Vgl. https://www.tagesschau.de/inland/ukraine-verteidigung-hofreiter-100.html

[2] Florian Naumann: Opfer für die Ukraine? CDU-Experte fordert „reinen Wein“ – „Müssen Wohlstand neu definieren“. In: Frankfurter Rundschau. 14. Juni 2024, abgerufen am 12. Juli 2024.

[3] https://www.zdf.de/nachrichten/video/politik-lanz-kiesewetter-atombomben-100.html

[4] https://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-russland-kretschmer-kritik-kiesewetter-hasselmann-li.3228059

[5] https://www.capital.de/wirtschaft-politik/das-unerwartete-comeback-von-sigmar-gabriel-bei-rheinmetall-35289644.html

[6] https://www.capital.de/wirtschaft-politik/das-unerwartete-comeback-von-sigmar-gabriel-bei-rheinmetall-35289644.html

[7] https://www.n-tv.de/politik/Ukraine-Krieg-Gabriel-fuer-Bundeswehr-Einsatz-bei-Waffenstillstand-article25563794.html

[8] https://www.nachdenkseiten.de/?p=130845

[9] vgl. ebenda

[10] https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/marie-agnes-strack-zimmermann/nebentaetigkeiten

[11] https://www.deutschlandfunk.de/alterspraesident-gysi-mahnt-zu-gegenseitigem-respekt-100.html

[12] Vgl. https://www.projekt-gutenberg.org/zweig/weltgest/chap010.html

[13] https://www.focus.de/politik/ausland/letzter-sommer-in-frieden-wie-nah-sind-wir-dem-krieg-tatsaechlich_e1ed5a20-632a-4881-a595-289f033f052a.html

Merz macht sich zum Lügner

Dadurch, dass ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk“, so die treffenden Worte des Staatsrechtlers Carl Schmitt. Diese Weisheit gilt nach wie vor auch in den heutigen turbulenten Tagen, in denen einerseits die Definition dessen, was politisch ist ad absurdum geführt und das Volk, um wiederum eine Schmitt’sche Metapher zu bemühen, an der Nase durch die Manege gezerrt wird. Schon die sogenannte Brandmauer war eine rhetorische Täuschung derer sich die Kartellparteien bedienten, eine semantische Finte, auf die, und das ist tragisch, immer noch zu viele Menschen hereinfielen. Doch was Merz und seine Spießgesellen mit der bewusst undemokratischen Lockerung der Schuldenbremse und der Fortführung des Massenmigrations-Kurses entfesselt haben, gleicht einer geöffneten Büchse der Pandora. Innerhalb eines Tages bürdete der Möchtegern-Kanzler den deutschen Staatsbürgern noch einmal so viele Schulden auf, wie die Bundesrepublik insgesamt von 1950 bis in Jahr 2009 machte. Auch hier wird inhaltlich mit allen Tricks gearbeitet. So sollen zukünftig Rüstungsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen werden, die über 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Während Branchenverbände im „Infrastrukturpaket“ blauäugig die Chance auf einen Konjunktur-Aufschwung wittern, erläutert Dr. Volker Wissing, Noch-Bundesminister für Digitales und Verkehr, die wahren Absichten der monetären Entfesselung: „Deutschland ist logistischer Dreh- und Angelpunkt für Europa. Das gilt neben den regulären Wirtschaftsverkehren … auch für militärische Transporte.“ De facto geht es also um die Vergabe von Kriegskrediten und um die Transformation einer Zivil- in eine Kriegswirtschaft. So steht beispielsweise auch der VW-Standort in Osnabrück bereits auf der Rheinmetall-Wunschliste.

Während die USA und Russland bereits am Verhandlungstisch sitzen, fahren die deutschen Kartellparteien weiterhin einen ungebremsten Konfrontationskurs. Die im Jahr 2011 aus gutem Grund installierte Schuldenbremse ist Geschichte, zu den bereits 29 existierenden „Sondervermögen“ (sechs von ihnen belaufen sich auf eine Gesamtsumme von 869 Milliarden Euro) gesellt sich ein weiteres Schuldenjoch, das schwer auf den Schultern zig zukünftiger Generationen lasten wird.

Merz, der im Interview mit der Bild am Sonntag (16. März 2025) zugab, bereits vor der Wahl die Lockerung der Schuldenbremse unter bestimmten Umständen parteiintern bejaht zu haben, macht sich damit indirekt zum Lügner. Öffentlich hielt er bis zuletzt an der Schuldenbremse fest.

Um die Sperrminorität der AfD und Linke im zukünftigen Bundestag 2025 zu umgehen, drängt er auf die schnelle Verabschiedung der benötigten Grundgesetzänderung. Und alle Demokratie-Simulanten spielen mit. Auch Bundestagspräsidentin Bärbel Base, die den neu gewählten Bundestag auf die Wartebank setzt und selbst Gregor Gysi, der in diversen Posts kundtut, warum das rechtlich völlig okay sei. Spätestens jetzt, liebe SPD- und CDU/CSU-Wähler, sollte es Ihnen doch Angst und Bange werden. Spätestens jetzt sollten auch Sie verstanden haben, dass „Ihre“ Parteien nichts für demokratische Mechanismen übrig haben, sondern alle Rüstungslasten auf die kleinen Bürger abwälzen werden. Sie dachten, Sie machen Ihr Kreuzchen bei CDU/CSU oder SPD und stimmen damit für Frieden, Sozialstaat, Abrüstung und gegen Massenmigration? Na, da haben Sie sich mal schön verar… lassen.

Die neue „kleine“ Koalition aus Ökofaschisten, Blackrockern und ethnomasochistischen Sozialisten wird Ihnen auch diesen zerstörerischen Kurs als „sinnvoll“ verkaufen, und sie werden vielleicht, nickend und innerlich zustimmend, vor Ihren Empfangsgeräten sitzen und Anne Will oder Markus Lanz schauen, nur um sich politisch mündig zu fühlen, während Sie Ihren moralinen Zeigefinger auf Trump richten.

Wir werden – nach wie vor – verachtet von einer Regierung, deren Ansinnen die massive Aufrüstung, der Kahlschlag im Sozialstaat und die weitere Massenmigration ist. Schon im sogenannten „Sondierungspapier“ von Union und SPD war auf der ersten Seite zu lesen, was diesen „deutschen“ Parteien wirklich am Herzen liegt. Weder Volk noch Vaterland, sondern die massive Aufrüstung der Ukraine. Noch einmal: DAS und nichts anderes stand auf Seite eins. Noch Fragen, liebe Kartell-Partei-Wähler?

Die Selbstentlarvung der Kartell-Polit-Akteure ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Und doch schläft die Mehrheit der Bürger noch immer kuschelig warm und wirtschaftlich weich gebettet in den Ruinen des einstigen Wirtschaftswunderlandes. Noch, so scheint es, sind die ökonomischen Einschläge, die Gewalt an den Bahnhöfen und die Deutschlandhassenden Talahons weit weg von den Neubaugebieten und ihren sorgsam getrimmten Vorgarten-Hecken.

Merz lügt – dreist und dreckig. Und scheint damit bei der Mehrheit der Deutschen durchzukommen. Er verrät die eigene Partei und deren Abgeordnete sowie deren Wähler. Er öffnet mit der Implementierung des Begriffs „Klimaneutralität im Grundgesetz“ die Tore für massenhafte Klagewellen, und das ohne eine parlamentarische Abstimmung. Dies wird wahrscheinlich nachhaltig die deutsche Industrie schwächen. Der erweiterte Verteidigungsbegriff, der ebenfalls unter dem Stichwort „Bevölkerungsschutz“ ins Grundgesetz aufgenommen werden soll, ist ein Türöffner zur Querfinanzierung grüner Ideologie-Projekte, denn: Zu diesem Bevölkerungsschutz gehören laut Definition auch Projekte, die sich der Aufklärung in Sachen Klimawandel widmen. Auf diese Weise könnten Milliarden, die eigentlich zur Modernisierung der Bundeswehr dienen sollen, „klimaneutral“ verpuffen. Propaganda mit nahezu unbegrensten steuerlichen Mitteln. Obendrein werden Bürger und Steuerzahler mit zunehmenden Realzinsen stark belastet und die Inflation wird durch die 1- Billion-Euro-Schulden steigen.

Was bleibt? Die Hoffnung auf eine weiterhin erstarkende politische Rechte. Global stehen die Zeichen dafür sehr gut. Als Gegengewicht zum regierungspolitischen Narrativ eines woken Internationalismus war diese noch nie so wichtig wie jetzt. Perspektivisch wird der marode Grundbau der Systemparteien dann in sich zusammenbrechen, wenn sich die zentralstaatlichen Umverteilungsversuche sowie die propagierte Massenmigration spürbar zu den Totengräbern unsers Landes entwickeln. Dann wird selbst der verblendetste Bunt-Demonstrant erkennen, dass er mit seinem Protest nicht „für“, sondern „gegen“ eine echte Demokratie auf die Straße ging und sich zum Erfüllungsgehilfen einer heimatverachtenden Polit-Clique machte.  

Der Getriebene ist nicht die AfD, die geduldig auf ihre Chance warten kann, sondern Merz und seine Clique der Helfershelfer: Hasselmann, Klingbeil, Esken und die ehemalige Weinkönigin Klöckner, die wohl die Rolle der Bundestagspräsidentin übernimmt.

Doch ich prophezeie: Merz wird erstens nicht durchregieren können, weil es zweitens Neuwahlen geben wird. Drittens: Mit seinem endgültigen Ausfallschritt nach links hat Merz die CDU endgültig als Volkspartei beerdigt. Dafür müsste die AfD ihm eigentlich dankbar sein.

Was mit dem demokratieverachtenden Gebaren „gegen rechts“ begann, gipfelt im Würgegriff gegen ein ganzes Volk. Nein, von diesen Laiendarstellern war und ist nichts zu erwarten als desaströser volkswirtschaftlicher Ruin, mehr importierte Gewalt, mehr Kiez, mehr Bürgergeldempfänger und ein sich wandelndes Gesicht unseres Landes. Schuld daran hat nicht nur die Merz’sche Macht-Clique. Schuld daran haben auch alle jene, die den Mainstream-Medien glaubten, die die CDU und SPD wählten, obgleich sie dieses Land seit Jahren schon aufs ökonomische und nationale Abstellgleis fahren. Man möchte es jenen „Die AfD hat zwar in vielen Punkten recht, aber ist unwählbar“-Kreuzchen-Machern quasi entgegenschreien: „Ihr habt euch an euren Kindern und eurem Land versündigt.“

In allem liegt bekanntlich etwas Gutes. Der Karren ist nun spürbar so tief im Dreck, dass die Regierungs-Akteure ihr wahres Gesicht zeigen müssen. Die Gewalt im öffentlichen Raum wird weiter zunehmen, das Gesicht Deutschlands sich weiter negativ verändern. Während das Bündnis Sahra Wagenknecht fulminant scheiterte, ist all das Wasser auf die Mühlen der Alternative für Deutschland. Merz zerstört nicht nur die CDU. Mehr noch: Die selbsternannte „demokratische Mitte“ demontiert sich selbst. Allein der Schaden, den sie unserem Land anrichtet, könnte epochal werden.  

Ein Land im Übergang

Die Weichen für eine national-konservative Regierung in Deutschland mit einer deutlichen Mehrheit von 360 Sitzen wären eigentlich gestellt – wäre da nicht das demokratiefeindliche Gebilde der sogenannten Brandmauer. Auch wenn sie auf Landesebene bröckelt – bundesweit will Merz daran festhalten. Letztlich hat der Möchtegern-Konservative sich damit selbst eingemauert, denn die so einzig mögliche große Koalition mit der SPD lässt in Sachen wirtschaftlichem Aufschwung und Migration keine politische Wende erwarten. Frau Weidel brachte es auf den Punkte: Der Sechs-Punkte-Plan von Friedrich „Fritze“ Merz ist nach dem Wahlabend Geschichte – wer CDU wählte, wird mit einem Weiter-so „belohnt“.  Selbst eine mögliche Afghanistan-Kombi schloss der Bayern-Kaiser Söder kurzfristig nicht mehr aus, sollte es hart auf hart kommen. Lieber Öko-Sozialismus als Respekt vor dem Wählerwillen, heißt also die Devise.

Auch wenn die AfD nicht in dem Maße zulegte, wie es die optimistischsten Umfragen vermuten ließen: Sie ist die eigentliche Wahlgewinnerin, konnte 1,8 Millionen Nicht-Wähler zum Gang an die Urne mobilisieren und verdoppelte ihr Ergebnis von 2021. Als stärkste Oppositionspartei wird sie die Union von einer äußerst komfortablen Position „jagen“ können und ihr bei jedem Kompromiss eine Bergpredigt halten, die ungefähr so lautet: „Mit uns ginge das alles ganz leicht, lieber Fritz“. Auch wenn das BSW den Einzug in den Bundestag knapp verfehlte: Seine Funktion als Wellenbrecher und leichter AfD-Schwächer hat es erfüllt, gleichwohl: Bundespolitisch stehen die Zeichen für Sahra und ihre Clique auf Rot. Stattdessen ist die Mauerschützenpartei DIE LINKE im leichten Aufwind, die Zwangsenteignung, Massenmigration – mindesten eine Million jährlich nach Jan van Aken –  Genderwahn und massive Steuereingriffe propagiert. Ein Parteiprogramm wie auf Droge geschrieben – das scheint anzukommen bei der wohlstandsverwöhnten urbanen Jugend, aber auch bei der steigenden Zahl von wahlberechtigten Migranten, die in der Linken eine perspektivische Interessenvertretung sehen und neue Fakten schaffen. Gelesen haben sie das Wahlprogramm wohl nicht.

Währenddessen, noch am Wahlabend, verabschiedete sich Christian Lindner mit einer fast schon melancholischen Bewerbungsrede in die freie Wirtschaft. Der Steigbügelhalter eines sozialistischen Links-Kurses der Ampel wurde von den Nicht-FDP-Wählern abgestraft und ins politische Nirvana entlassen.

Was bleibt also von dieser Wahl übrig? Nun, dreierlei. Erstens, dass der so viel beschworene „Kampf gegen Rechts“ als propagandistisches Stilmittel der Kartellparteien versagte. Aber auch dies: Trotz des Wahlsieges schwimmt die CDU – eines schwachen Kanzlerkandidaten wegen – in unsicherem Fahrwasser. Merz wird, sollte er der neue Bundeskanzler werden, in die Geschichte eingehen als „der Getriebene“ – denn jeder weitere Messertote wird der AfD Prozentprunkte in die Wahlurne spülen. Andrerseits machte Kronprinz Söder schon am Wahlabend Stimmung gegen Merz. Anders als dieser ist Söder kein stoischer Vertreter des Brandmauer-Menetekels.  Auch fordern die Christsozialen, so wird gemunkelt, drei Regierungsressorts ein. Damit dürften die Koalitionsverhandlungen auch zwischen den Unionsparteien ein echter Eiertanz werden. Fest steht: Merz ist ein Gewinner auf Zeit, ein Sieger ist er nicht.

Gleichzeitig zeigt die Wahl die Sehnsucht der Deutschen nach einer konservativen Regierung, ohne links-psychotische Ideologie-Vorhaben. Noch einmal: Indem sich Merz gegen eine Koalition mit der AfD entschieden hat, tritt er den Mehrheitswillen mit Füßen und vergrößert die Kluft, die durch das Land geht. Ein Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich noch nicht genügend aufmuckt und sich – wie es der französische Polit-Philosoph Stéphane Hessel sagen würde – noch nicht genügend empört. Merz wird folglich der Kanzler der Wessis, während man im Osten längst Alice Weidel zur Kanzlerin der Herzen gekürt hat. Der Westdeutsche Durchschnittswähler braucht lange, vielleicht zu lange, um sich vom Glauben an die Kartellparteien und ihre Versager zu verabschieden. Doch, wie heißt es so schön: „Veritas filia temporis“ – die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit. Und diese Zeit, das zeigen auch die Entwicklungen in unseren Nachbarländern, gehört den National-Konservativen. Damit dieses Unterfangen jedoch gelingen kann, tut die AfD gut daran, sich nicht „entschärfen“ oder „einnorden“ zu lassen, wie das immer wieder gefordert wird. Die Alternative für Deutschland lebt von ihren schroffen Konturen und von ihrer Fundamental-Opposition, zu der gerade auch Akteure wie Höcke und Krah gehören. Wenn sie diese Akteure zugunsten politischer Einflussnahme opfern würde, gäbe sie sich selbst den Todesstoß. Die „Reinheit der Lehre“  im Sinne Götz Kubitscheks war noch nie so wichtig wie jetzt. Kernpunkte wie z. B. „Remigration“, „Schuldkult“, „direkte Demokratie“ und „Kampf gegen die Wokeness“ sind tragende Eckpfeiler dieser Agenda und die Matrix der Partei.  

Die Psychose der Schlafschafe

Solingen, Aschaffenburg, München. Die Liste der islamistischen Terroranschläge reißt nicht ab. Seit 2015 wird Deutschland in regelmäßigen Abständen heimgesucht von den Folgen der bunten Willkommenskultur. Doch noch immer halten viele Menschen an dem Multikulti-Irrsinn fest und lassen ihr Regenbogenfähnchen im Winde wehen. Zwar werden viele der sogenannten „Demos gegen rechts“ nachweißlich durch Staatsgelder unterstützt, doch woher kommt er, der Wahn der sogenannten „Linken“, der sich nährt von dem allgegenwärtigen bösen Rechten? Ohne geschichtsrevisionistisch zu sein, spielt hier zweifellos ein von staatlicher Seite betriebener Schuldkult eine Rolle. Dieser widmet sich allerdings weniger der informativen Aufarbeitung der Geschehnisse im dritten Reich als vielmehr der Wiederbelebung eines allgegenwärtigen faschistoiden Denkens, das hinter jeder Ecke einen wiedererwachten Adolf wittert. Und ein „Adolf“, das kann nach der kruden Theorie der sogenannten Linken so ziemlich jeder sein, wenn dieser Jedermann sich nur gegen die vom Mainstream propagierten Framings und Thesen wendet.

Die damit massiv betriebene Relativierung des Dritten Reiches kennt keine Grenzen, ist im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos, so wie die Politik der Kartell-Parteien. Doch wohlsituierte sogenannte Linke – richtig links sind sie nicht, da sie von dem System profitieren, in dem sie leben, und als erste auf die Barrikaden gingen, würde das neurotische Wahlprogramm der Linken und Grünen realisiert werden – kümmert das nicht. Sie flanieren in ihren Wollmützen und Jack-Wolfskin-Anoraks über die Straßen der Republik, wettern mal gegen die linke CDU und mal gegen die rechte AfD. Ungeachtet der Tatsache, dass jede Demo gegen rechts ein Schlag ins Gesicht der Todesopfer islamistischen Terrors ist, haben sie nicht verstanden, dass „bunt“ nicht gleich „toll“ heißt.

Doch wie psychotische Schlafschafe halten sie an ihrem vom System propagierten Wahn fest und fühlen sich dabei auf der moralisch guten Seite. Willkommen im links-grünen Auenland. Es scheint wie mit Corona zu sein: Würden die ganzen Gutbürger verstehen, wie falsch sie liegen, würde ihr ganzes Weltbild in sich zusammenbrechen. Ich unterstelle den sogenannten Demonstranten, dass achtzig Prozent von ihnen weder das Parteiprogramm der AfD noch der Grünen oder Linken gelesen haben. Sie sind einfach strukturierte Geister im politischen Sinne, die man bestimmen und lenken kann.

Früher hätte man sie wohl „vaterlandslose Gesellen“ genannt. Neben der Generation-Tagesschau ist da natürlich die vorzugsweise schwarz-verhüllte Garde der sogenannten AntiFa zu nennen, die weder Gesicht noch Haltung zeigen kann, sondern nur gegen den „Bullenstaat“ (beachten Sie das Meinhoff-Vokabular) wettert, in dem sie recht gut lebt. Politisch interessiert sind die AntiFanten nur insofern, als dass sie bei Demos den großen Appo-Aufritt proben und sich in der Freistunde oder nach der Vorlesung als Allerta-grölender Genosse mit Regenschirm gebärden.

Aber viel schlimmer als die militanten Kinder der Internationalen sind diejenigen, die mit den Thesen der AfD konform gehen, sie aber in letzter Konsequenz nicht wählen. Sie haben sich vom propagandistischen Geschwurbel einer Caren Mioska entmannen bzw. entfrauen lassen. Sie sind das tragische Symbol des politischen „Schweigens der Lämmer“, von dem das System und seine Schergen profitieren. Sie machen sich zu Erfüllungsgehilfen einer Politik, die von moralischer Dekadenz und Wirklichkeitsferne getrieben ist, einer Politik, die mindestens drei Jahrzehnte ihre Chance hatte – und versagte. Jeder, der jetzt CDU als „Opposition“ wählt, hat das nicht verstanden, hat nicht verstanden, dass er sich damit für Krieg, Tod und weitere Massenmigration entscheidet. Statt sicherer Grenzen wählt er die grenzenlose globalisierte Gesellschaft und gibt den Parteien eine Stimme, die Deutschland wirtschaftlich, innenpolitisch und sozial an den Rand des Ruins geführt haben.