Das Diversity-Dogma und seine Folgen

An den Begriff der Diversität, englisch: Diversity, koppelt sich eine aus dem Zeitgeist erwachsene Haltung, ein sprachlich geronnener Habitus, ein werbliches Dogma, dem von seinen ideologischen Verfechtern die Attribute „aufgeklärt“, „humanistisch“, „liberal“ und „tolerant“ angeheftet werden. Längst ist die vom Mainstream so gelobte „Diversität“ zum erstrebenswerten Topos einer neuen, einer bunten Gesellschaft geworden, die mit einem breiten Arsenal an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten aufwartet. Doch zur Wahrheit der Diversität gehört auch ihre inhaltliche Leere, die weder wissenschaftlich untermauert, noch logisch begründet ist. Nun mag man sagen „Was hat der Autor dieses Textes nur gegen eine vielfältige Gesellschaft?“ Und die Antwort auf diese Frage kann nur lauten: Nichts, denn eine vielfältige Gesellschaft, die auf freiheitlichen Idealen fußt, ist ein erstrebenswertes Ziel. Doch eben mit diesem tautologischen Freiheitsprinzip, das den Einzelnen schützt und ihn als „Mehr als die Summe seiner Teile“ (Aristoteles) anerkennt, hat die „Diversität“ nichts gemein. Denn hier geht es, und das muss so klar beschrieben werden, um eine rein ideologische Forderung von gesteuerten Minderheiten, eine unbefüllte Begriffsschablone, dankbar von Minoritäten verwendet und mit den Sujets „Geschlechtsidentität“, „sexuelle Orientierung“, „Gendern“ angereichert, bis der Begriff „Diversität“ eine ideologisch aufgeladene und daher umso gefährlichere Metapher für Frühsexualisierung, Sprachverstümmelung und neurotische Auswüchse auf den Straßen dieses Landes wird. Dabei erfreut sich der Begriff gerade bei den großen Unternehmen großer Beliebtheit, was ob seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten nicht verwundert. Jedes Unternehmen will divers sein, war es eigentlich ja schon immer, man möchte schließlich aufspringen auf den hippen „Diversity-Train“, der mit seinen Regenbogenwagons aufs politische Abstellgleis zu rast. Ja, das mögen viele Diversity-Aktivsten vielleicht verkannt haben, aber die Reduzierung auf eine sexuelle Neigung und die Dekonstruktion der Persönlichkeit, sorgen nicht nur für ein dauerhaftes selbstbezogenes Grundrauschen, sondern sie halten jeden einzelnen Regenbogen-Jünger auch fern von der echten Sphäre des politischen Lebens. Sie machen ihn zum willigen Stimmvieh, zur hedonistischen „Persona Sexualis“, die in der Verwirklichung ihrer sexuellen Orientierung den Schlüssel zur Welt sieht. Doch dies ist ein Trugschluss, der von den linksmotivierten Initiatoren der Diversity-Initiative wohl bewusst befeuert wird. Identität ist kein Label und kein soziales Konstrukt und wird auch nicht allein über subjektive Rollenmuster definiert.

Vielmehr ist sie, die Identität, das nicht messbare Zusammenspiel der im Sozialisations- und Enkulturationsprozess erworbenen Deutungsmuster der Welt, ein kollektives Narrativ, das sich im Zusammenspiel mit Mutter und Vater entfaltet, aber im Kinde bereits angelegt ist.

Oder wie es Martin Lichtmesz in seinem kleinen Büchlein „Die Verteidigung des Eigenen“ formuliert: „Empirische Individuen sind ebenso wie die Völker, denen sie entstammen, immer ein dynamisches „Cluster“ aus mehreren Anteilen: Abstammung, Religion, Sprache, Kultur, Geographie und ein gemeinsames Narrativ.“  

Dass nun der Begriff der Diversität an einer „Beliebigkeit“ der Geschlechterrollen interessiert ist, ist einleuchtend. Wo Geschlecht als soziales Konstrukt formuliert wird, wird es ebenso beliebig, wie das gesetzte Faktum der Nationalität, der Heimatverbundenheit und der familiären Zugehörigkeit. Auch diese narrative Aufweichung ist dem linken Zeitgeist geschuldet, dessen Verfechtern es durch ideologische Infiltration gelungen ist, eine Art „Kulturrevolution“ in unseren Institutionen zu entfachen, die den Menschen entwurzeln und ihn zu einem heimatlosen, globalistischen Individuum, zum Sklaven seiner selbst machen möchte, der beliebig auf Attribute reduziert und dekonstruiert werden kann.

Die damit einhergehenden Prozesse der Dekonstruktion sind allerorts spürbar. Angefangen bei den unsäglichen Bewerbungsformularen, die sich, treu doof und Mainstream-like, das Label „divers“ als Auswahloption anheften über die Sprachverstümmlungen der Medien – die ja auch Dekonstruktionen des Sprachkörpers sind. Die Diversitätsdebatte passt ganz wunderbar in eine Eventkultur, die sich von Plakaten verführen und Slogans leiten lässt. So fällt es den Konsum-Zombies der Generation Z gar nicht mehr auf, dass sie zwar „divers“ sind, aber leider politisch entmündigt wurden, von einer globalistischen Klasse, die sie als willige Lohnsklaven steuern und benutzen kann.

Alles wird beliebig, ersetzbar, alles, auch der Mensch, der sich stolz die Regenbogenbrosche ans Revers heftet.  

Da fällt es fast gar nicht mehr auf, dass die Regenbogen-Evangelisten sich nur allzu bereitwillig den Kategorien Heimat, Tradition, kurz: des kulturell gemeinsamen Deutungshorizontes berauben lassen, da dieser in ihren Augen ohnehin ein obsoletes Zeugnis, ein überholtes Artefakt einer alternden weißen Mehrheitsgesellschaft ist.

Noch einmal: Dieser identitäre Kollektiv-Verzicht der Jugend ist die eigentliche Tragik an der Diversitäts-Ideologie, denn während die Diversität Emanzipation verspricht, lässt sie die Menschen allein, dekonstruiert und mit sich selbst zurück, bereit, in unzähligen mühsamen psychotherapeutischen Sitzungen wieder ein Mindestmaß an persönlicher Integrität zu erlangen und Vertrauen in sich zurückzugewinnen. Eine beliebige Gesellschaft bietet niemals Freiheit, sondern öffnet Identitätskrisen Tür und Tor, pervertiert sie doch die natürliche Tendenz des Menschen zur Selbstfindung zu einem Akt der sexuellen Neudefinition.

Die Folgen einer solchen von Staatswegen mitgetragenen Politik sind verheerend. Die Beliebigkeits-Ideologie gebiert Heimat- und Traditionslose, die wie die Fähnlein im Wind instrumentalisiert werden können, ohne dass sie dies überhaupt noch wahrnehmen.

Doch die Beliebigkeits-Formel der Diversity schafft, obwohl sie auf der einen Seite ihre Rezipienten apolitisiert, politische Herrschaftsstrukturen, die sie nicht nur de facto, sondern auch de jure realisiert. Beispielhaft können wir dies an der Reformierung der deutschen Staatbürgerschaft sehen, die, von den Regierenden ohnehin als ein obsoletes Prinzip eines biologistischen Weltbildes empfunden, verramscht und verhökert wird, oder an der allzu bereitwilligen Aufnahmebereitschaft von Sozial-Migranten, die so ganz rasch zum Teil des Volkes erklärt werden. Ein Beliebigkeitsbegriff ist für diesen Kurs der Anfang, indem er interpretative Möglichkeitsräume schafft, in denen Tatsachenbestände wie „Volk“, „christliches Abendland“ und „Heimat“ keine Rolle mehr spielen.

Wenn alles divers ist, ist alles gleich. Und genau darin liegt das Uferlose einer solchen politischen Stoßrichtung, die an nationale Selbstgeißelung und Ethnomasochismus dem eigenen Volk gegenüber nicht zu überbietet ist. Das Dogma der Diversität bietet die konzeptionelle Grundlage für eine entnationalisierte, demoralisierte und traditionslose Massengemeinschaft, deren verbleibende Bindungsstrukturen sich in Clan-Verbindungen der sogenannten Migranten erschöpfen und den masochistischen Pathos der selbstgeißelnden Willkommenskultur als Akt der Unterwürfigkeit entlarven. Alles ist beliebig, alles divers, nichts bleibt, wie es war. Eine Nation verkauft sich billig und begreift das als überlegenen moralischen Akt, ohne zu verstehen, was diese Selbstaufgabe bedeutet. Denn letztlich ist und bleibt sie ein Verrat am eigenen autochthonen Volk.

Wo mag ein solcher Selbsthass, diese innere Zerrissenheit der regierenden Kaste herkommen? Diese Frage zu beantworten, ist zweifellos des Pudels Kern. Vielleicht gründet eine Antwort in dem innigen Verlangen einer verträumten Wiedergutmachung für begangene Sünden, vielleicht auch in einer Art Helferkomplex einer gottlosen und wohlstandsverklärten Nachkriegsgeneration, der Volk und Vaterland schon immer suspekt waren. Sie erweisen dem neuen Diversity-Kult einen Götzendienst, indem sie ihn an die Stelle eines religiösen Vakuums rücken und ihn zur neuen Religion erklären, zum neuen Evangelium der wunderbaren Vielfalt. Sinnentleert. Betäubt vom eigenen Ego. Wahnhaft. Ideologisch.

Derlei Götzendiener haben viele Namen. Baerbock. Habeck. Lindner. Befangen von einem moralinen Geist einer pseudo-elitären Blase, weich gebettet in den warmen Gefilden der materiellen Verlockungen, institutionalisiert und geprägt von den transatlantischen Bildungs-Instanzen, sind sie zu den Götzendienern eines universalistischen Globalismus geworden, die die deutsche Nation, jede Nation eigentlich, als ein mäandrierendes, gefährliches Abstraktum begreifen. Nation. Wohlstand. Tradition. Diese unverrückbaren Fundamente der westlichen Kulturwelt mit ihren Schätzen der Geistesgeschichte gilt es mittels des Diversitäts-Dogmas aufzuweichen, zu vernichten, vielleicht auch, weil man den Regierenden einen Schuldkomplex eingeimpft hat, der besagt, dass Wohlstand für das Volk etwas sehr schlechtes ist. Sie sehen, verehrte Leser, dass die politische Agitation unserer Bundesregierung ein neurotisches Fundament hat, dessen Analyse eigentlich in die Hände von erfahrenen Psychologen gehörte. Auf der einen Seite dieses pathologischen Bildes steht der Glaube an die Notwendigkeit der Geißelung des Volkes, auf der anderen der größenwahnsinnige Glaube an die moralische Überlegenheit. An die Bruchstellen dieses Krankheitsbildes tritt nun die Diversität, um als ideologische Schnittstelle dem eigenen Tun einen humanistischen, toleranten Anstrich zu verleihen. Doch der Regenbogen vermag den dahinterliegenden Selbsthass nur bedingt zu kaschieren.

Haben die Farben des Regenbogens etwas bewirkt, außer verirrten Seelen und schrägen Vögeln eine Bühne bei Paraden zu bereiten? Wenn überhaupt, dann war das Ziel des Diversitäts-Dogmas stets die Ablenkung der Massen. Denn eine bunte Gesellschaft wird nicht automatisch eine tragfähige, gute und lebenswerte Gesellschaft. Das Gesicht unseres Landes jedenfalls gleicht momentan eher einer schmerzverzerrten Fratze. Es kann einem leidtun.