Weiter wird schwungvoll von pro-amerikanischen Kreisen an der Eskalations-Schraube gedreht. So tönte der transatlantisch bestens vernetzte Wolfgang Ischinger, ehemals Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, unlängst, dass die Idee Macrons, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden „ein bisschen kühn, aber nicht falsch“ sei. Es ist ja bekannt, dass seitens des SPIEGEL, der die Worte Ischingers in seinem Artikel stumpf wiedergibt, keinerlei Kritik mehr zu erwarten ist. Lange schon ist das Blatt, auch dank seiner großzügigen amerikanischen Spender, zum journalistischen Wiederkäuer des gängigen Mainstram-Narrativs geworden. Das war ja schon bei Corona zu beobachten. Aber dass nun immer weiter offen auf einen Krieg Russlands mit der Nato zugesteuert wird, ohne jegliche journalistische Kritik an Macrons Absicht und Ischingers Gehorsam anzubringen, ist ein katastrophales Desaster – und zeigt deutlich das Versagen der vierten Gewalt in Deutschland.
Nicht nur, dass mittlerweile locker-lässig über sogenannte „Taurus-Systeme“ „gefachsimpelt“ wird, als ginge es um den neuesten Mercedes und sich die rüstungsgeilen Talkshow-Hocker à la Strack-Rheinmetall und Antonia Hofreiter als waffenkundige Feldherren aufspielen, die ihre verbalen Platzpatronen ungeprüft verschießen dürfen. Nein – nun sollen auch einem Nicht-Nato- und Nicht-EU-Mitglied Bodentruppen eines Nato-Landes zuteilwerden (dürfen). Es wäre zum Lachen, würde einem nicht das Lachen angesichts einer solch massiven Kriegsgefahr im Halse steckenbleiben. Ein Krieg ist das, der uns so überhaupt nichts angeht – aber dessen zweitgrößter Netto-Zahler wir sind. Der rüstungstechnische Blankoscheck, den Baerbock und Konsorten der Ukraine ausgestellt haben, macht’s möglich. Dabei hätte man es besser wissen müssen – das mit den Blankoschecks ging in der Geschichte noch nie gut. Man erinnere sich an Wilhelm II, der einst fraglos an der Seite Österreich-Ungarns stand und damit sein Volk ins Verderben stürzte.
Bedenklich ist die gewissenlose „Lockerheit“, mit der abgehalfterte Politiker und greise Ex-Diplomaten ihren verbalen Unrat über die Allgemeinheit gießen dürfen. Macron selbst habe, das kann man in der SÜDDEUTSCHEN-ZEITUNG nachlesen, „aus einer Laune heraus geplaudert“, wie seine Militärexperten fassungslos feststellten. Aus einer Laune heraus. Geplaudert. Über den neuesten Mercedes. Schon klar. Oder war es vielleicht doch eher innenpolitisches Kalkül angesichts der nahenden Europawahlen 2024? Denn Marine Le Pens Rassemblement National hat massiv zugelegt und liegt laut Umfragen aktuell deutlich vor der Partei des Amtsinhabers. Honi soit qui mal y pense.
Macrons Malheur
von Andreas M. Altmeyer
