Gelungenes Statement: Die #allesdichtmachen-Kampagne

ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

53 Schauspielerinnen und Schauspieler, unter ihnen Heike Makatsch und Jan Josef Liefers, haben sich zum Ziel gesetzt, Kritik zu üben. In ironisch-bitteren Clips, die vor allem die Corona-Politik der Bundesregierung und die daraus resultierenden Folgen aufs Korn nehmen. Mit einer Kampagne, die polarisiert, aber nicht plump daherkommt: #allesdichtmachen.

Kaum waren die kurzen Videos veröffentlicht, folgten die mediale Häme und die systematische Demontage auf dem Fuße – teils von öffentlichen Medien, teils aber auch von Schauspiel-Kollegen, die sich prompt distanzierten. Sogar einige Teilnehmer der ironisch-sarkastischen Kampagne selbst, so auch Heike Makatsch, haben ihr Fähnlein wieder rasch Richtung Mainstream-Medien und damit Richtung Konformismus gedreht. Wes Brot ich es, des Lied ich sing. Schnell wurden die übrigen prominenten Gesichter von #allesdichtmachen in die rechte Ecke geschoben, schnell als unsolidarisch und völlig empathielos abgestempelt. Doch was zeigt das? Was zeigen diese systematischen Stigmatisierungen durch den Mainstream-Zeitgeist und seine Vasallen, z. B. die weitestgehend Panik statt Optimismus verbreitenden Medien? Das beweist letztlich doch nur, dass eine solche Kampagne, ein solches geschlossenes Statement längst überfällig, richtig und ein Stachel im Auge der Meinungsmacher ist. Denn Raum zur öffentlichen Debatte, Raum zum politischen Diskurs tut Not in diesem Land. Viel zu lange haben Künstler und sogenannte Intellektuelle geschwiegen zu einem Maßnahmen-Katalog, der weder verhältnismäßig, noch wirklich sinnhaft oder nachvollziehbar ist. Das sollte spätestens jetzt, im gefühlt zehnten Lockdown inklusive nächtlicher Ausgangssperre, auch jedem noch so unpolitisch denkenden Menschen klar geworden sein.

Doch das Virus des vorauseilenden Gehorsams und des Nicht-Reflektierens hat während der Corona-Krise auch gerade die sogenannte intellektuelle Kaste und jene, die sich dafür halten, befallen. Manche Liedermacher und selbst manche Philosophen werden da zu „Abnickern“, Befürworten und „Wegduckern“, die jede abweichende Meinungsäußerung als Schwurbelei und Verschwörungstheorie abtun. Wo sind die Rudi Dutschkes, wenn man sie mal braucht? Und was wurde eigentlich aus einer linken Bewegung, der ich ob ihres differenzierten Gespürs beigetreten bin, die Klasse der Herrschenden im Auge zu behalten und ihre Machtinstrumente zu analysieren? Doch links ist heute, wer „ja“-sagt, wer schweigt und eine Agenda mitträgt, die mit Kanonen auf Spatzen schießt und ungerecht ist. Schöne neue Welt.

Längst hat die politische Dimension von Corona die medizinische überholt, längst ist die Liebe der Herrschenden zum Autoritarismus spür- und erlebbar. Dass es beim Begründen derselben autoritären Maßnahmen nicht um Fakten geht, zeigen die Zahlen, so zum Beispiel auch die Studie von Prof. Ioannidis et. al. zur Unwirksamkeit von Lockdowns. Die Studie können Sie hier nachlesen. Auch rein juristisch betrachtet ist dies alles sehr bedenklich, gerade auch das neue Infektionsschutzgesetz, das wohl sicher und Gott sei Dank sowieso bald von Karlsruher Richtern kassiert werden dürfte.

Allein es bleibt die Frage offen, warum weiterhin an einem Kurs festgehalten wird, der die „MS Deutschland“ schon bald auf die Sandbank führt und die Mehrzahl ihrer Passagiere in immer größere „Seenot“ bringt. Aber wieder zurück zu #allesdichtmachen.

Diese gelungene Kampagne ist letztlich ein Brennglas, eine auflodernde Flamme, die zeigt, wie tief der Riss durch die Gesellschaft mittlerweile schon verläuft. Denn wo selbst die Kunst nicht mehr frei ist, sich von Autorität nicht distanzieren und sie nicht kritisieren darf, ohne dafür auf übelste Weise beschimpft zu werden, da ist der Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Meinungsfreiheit eigentlich gewährleisten soll, nur noch ein Schönwetter-Paragraph. Noch einmal: Viel zu lange wurde gerade von Seiten der Intellektuellen geschwiegen, wurde eine systematische Aufweichung des Grundgesetzes hingenommen, wurden Andersdenkende an den rechten Außenrand und so ins Abseits gestellt. Doch genau diese rhetorischen Keulen sind die Diskussionskiller, die jeglichen echten Meinungsaustausch schon im Keim ersticken.

Wer also die Kampagne nur deswegen abstraft, weil ihr einige AfD-Politiker Beifall klatschen, der hat das System der Demokratie nicht verstanden. Demokratie braucht keine Totschlag-, sondern konstruktive Argumente, die eine politische Debatte im öffentlichen Raum beleben. Und dieser erste Schritt ist mit der Kampagne getan. Nun liegt es an uns, was wir daraus machen, ob wir uns weiterhin medial passiv berieseln, ob wir die Angst regieren oder Optimismus walten lassen. Aber dafür ist es nötig, aus der Rolle der Passivität zu schlüpfen und sich nicht weiter zum Spielball der R-Werte und Inzidenzzahlen zu machen.

Letztlich müssen wir uns von dem Irrglauben verabschieden, dass wir da, aus der Krise, alle unbeschadet rauskommen, dass wir das zurückgewinnen, was wir als Normalität kannten. Diese Erkenntnis tut weh, sickert aber langsam in unsere Köpfe. Kein Impfstoff der Welt und keine noch so sinkenden Zahlen werden daran langfristig etwas ändern. Wollen wir uns wirklich so behandeln lassen? Ist die „Verlängerung des Lebens um jeden Preis“ wirklich lebenswert, macht dies unser Dasein aus? Oder ist das Leben mehr als die Summe seiner Teile? Ist Gesundheit mehr als das Verhindern einer Infektion? Über all das müssen wir nachdenken, Schlüsse ziehen, und daraus Handlungen ableiten.

Das gilt insbesondere auch für ein von den Medien bewusst verbreitetes Klima der Angst, das seit über einem Jahr ausschließlich Corona fokussiert und kein anderes Thema mehr kennt. Kein Wunder: Waren die Medien doch immer schon ein probates Mittel, um den Status Quo und die damit verbundene Meinungshoheit zu etablieren. Was dagegen hilft wusste übrigens schon Peter Lustig: Abschalten!

Noch ist uns das Recht zur freien Meinungsäußerung durch den Artikel 5 GG ipso iure gegeben. Aber wer weiß: Vielleicht wird auch noch dieser demnächst aufgeweicht und von einem weiteren sogenannten „Schutzgesetz“ ausgehebelt. Ganz auszuschließen ist das nicht.

Ich persönlich ziehe meinen Hut vor jedem einzelnen der Schauspieler und vor jedem, der dem öffentlichen Druck nicht nachgibt. Jan Josef Liefers hat in seinem Clip das Regierungsmantra sarkastisch pointiert: „Verzweifeln Sie ruhig, aber zweifeln Sie nicht.“ Im Gegenteil: Die Zeit des Zweifelns ist gekommen.

Ist das hier alles noch gesund?

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

Der Begriff „Gesundheit“ ist, wenn es auch auf den ersten Blick so scheinen mag, alles andere als leicht zu definieren. Gesund, das ist das Gegenteil von krank. So weit, so oberflächlich. Aber genau diese Oberflächlichkeit kennzeichnet das Niveau, auf dem gegenwärtig die gesellschaftliche Diskussion über das, was gesund ist und eben nicht, geführt wird. Denn dieses simplifizierende Narrativ geht von einem stets biologistischen Weltbild aus, reduziert den Menschen auf einen potentiellen Empfänger und Übeträger eines Virus, das wie aus dem Nichts über ihn hereinbricht.

In diesem Weltbild ist kein Platz für Besonderheiten, für menschliche Eigenarten, es unterteilt die Menge lediglich in A und B, in gesund und krank, quantifiziert, statt die menschlichen Qualitäten bei der Risikobewertung mit einzubeziehen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer.

Denn obgleich an allen Ecken, ob in der Pflege, beim Physiotherapeuten, beim Yoga oder beim börsennotierten Global Player, von einem ganzheitlichen Ansatz gesprochen wird, scheint eben darauf bei Corona keinerlei Wert gelegt zu werden. An einen ganzheitlichen, konzeptionell abgestimmten und gleichwohl maßvollen Ansatz ist hier jedenfalls nicht zu denken. Stattdessen scheint das Virus, allein das Virus, so sehr ins Fadenkreuz der Bundesregierung und dem ihr anhängenden Mediziner-Virologen-Appendix geraten zu sein, dass schlicht und einfach nicht über den Tellerrand geschaut und jedes maßvolle Handeln vergessen bzw. bewusst vermieden wird.

Vergessen wird leider auch, dass das Konzept Gesundheit mehr ist als eine Etikettierung, als das Labeln in gesund und krank. Und ja: Auch das Labeln selbst kann schon krank machen. Zum Beispiel wenn Schülerinnen und Schüler inmitten des Klassenraumes von nicht-medizinischem Personal getestet werden, und im Falle eines positiven Testes Spott und Häme ausgesetzt sind. Ist das ein gesundheitsförderndes Verhalten? Werden hier nicht gruppendynamische Prozesse in Gang gesetzt, die Mobbing und Ausgrenzung Tür und Tor öffnen? Eigentlich müsste sich da jeder Pädagoge an seinem Berufsethos gepackt fühlen, doch der große Protest bleibt größtenteils aus. Das ist bedenklich.

Auch wäre einmal zu überlegen, ob wir den von Politik und Medien propagierten Gesundheitsbegriff für wirklich gesund erachten sollten. Denn Gesundheit ist nicht zu vergleichen mit einer „Wenn dann“-Funktion in Excel, sie lässt sich nicht fassen, ist einfach da oder eben nicht, dann fühlen wir uns krank. Gunnar Kaiser, den ich sehr schätze, vergleicht sie mit einem Vogel, den man nicht fassen kann und da gebe ich ihm recht. Denn wer Gesundheit zu jedem Preis einfassen möchte, der läuft Gefahr, Ungesundes dafür zu tun. Dennoch erleben wir in Deutschland spätestens seit Corona diese Taktik, bei der staatlich verordnete Maßnahmen als „gut“ und akzeptabel deklariert werden, ohne die Risiken zu beachten, welche genau diese Maßnahmen mit sich bringen.

Gesundheit ist ein Konzept, das, so wissen wir es spätestens seit Aaron Antonovsky und seiner Idee von der Salutogenese, schon beim gesunden Menschen ansetzt und eben ganzheitlich zu sehen ist, das heißt auf allen Ebenen. Doch davon will unsere Regierung nichts hören. Leider. Sie will nichts davon hören, dass sich eine 93-jährige Frau im Krankenhaus wie im Gefängnis fühlt, nachdem sie Corona-positiv getestet wurde, aber top fit ist. Sie will nichts davon hören, dass man früher symptomfreie Patienten mal gesund nannte. Sie will nichts davon hören, dass es krank macht, seine Kinder und Enkel und Eltern nicht zu sehen. Nicht zu ihnen ins Krankenhaus zu können. Was glauben Sie, wieviele Selbstständige und Gastronomen in letzter Zeit daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen? Wie viele es vielleicht schon getan haben? Was denken Sie, was das alles hier, die Fixierung auf R- und Inzidenzwerte und Co, so alles mit uns und unserer Welt macht?

Es ist eine Reduzierung des Menschseins selbst. Ein erbärmliches Herunterbrechen auf einen Nenner, ein Kürzen bis es nicht mehr geht.

Ich frage Sie: Ist all das maßvoll? Ist dies wirklich gesundheitsfördernd? Oder ist es eher ein Klima der Kälte und der Suppression, das uns hier entgegenschlägt, das den Virus zum neuen Fetisch und goldenen Kalb zugleich erklärt und längst Maß und Ziel aus den Augen verloren hat? Man könnte sicherlich daran denken.

Das zugrundeliegende Gesundheits-Konzept, das hier erst mittels Polizei und sonstigen Behörden etabliert werden muss, hat jedenfalls mit Ganzheitlichkeit nichts zu tun. Es ist nicht warm, nicht empathisch und nicht menschlich. Es verliert den Menschen stattdessen aus dem Blick, weil seine Initiatoren auf ihn herabschauen, statt ihn anzuschauen. Es reduziert ihn auf einen potentiellen Virusträger, einen Gefährder, der eher unverantwortlich als verantwortungsvoll handelt. Gleichzeitig entmündigt es ihn, behandelt ihn wie ein Kind, das den Anordnungen, Regeln und Gesetzen, die im Eilverfahren und weitestgehend unreflektiert (siehe Ostersamstag-Dilemma der Kanzlerin) durchgewunken werden, Folge leisten muss.

Ginge es stattdessen um echte Gesundheit und wäre der Regierung wirklich daran gelegen, würde sich dies sicherlich anders widerspiegeln. Ich weiß nicht wie, aber anders. Es liefen vielleicht Ratgeber-Sendungen im Internet, es wäre ein Klima des „Das wird schon“, ein motivierendes Anfeuern zum Durchhalten. Stattdessen klingt das allerorts lesbare „Bleiben Sie gesund“, da fast schon wie eine Drohung. Es klingt jedenfalls nicht wirklich freundlich.

Würden die Regierenden Gesundheit als ein vielschichtiges, als ein multifaktorielles Konzept betrachten und verstehen, dann müssten auch die Fragen nach den Kollateralschäden, nach den Nebenwirkungen aller invasiven Taktiken gestellt werden. Es ginge nicht nur um Machtpoker, bei dem die Systemrepräsentanten auf der Bühne der Bundespressekonferenz immer noch so arrogant und selbstgefällig sind wie eh und je.

Merken Sie auch wie ich, dass es plötzlich auf der Welt kein anderes Thema mehr als die „Große Grippe“ zu geben scheint? Doch eigentlich gibt es da noch so viel mehr. Wussten Sie, dass die USA zwei Zerstörer ins Schwarze Meer verlegt haben, an die Grenzen Russlands? Auch der Bau der neuen Seidenstraße geht ungebremst voran. Berichtet wird davon im Moment eher nur „rudimentär“. Stattdessen mediales Zahlengewusel, das uns als Zuschauer stumm und betäubt im Theater des Wahnsinns zurückbleiben lässt. Jeden Tag.

Kann das gesund sein? Darf Politik das, was sie hier macht, maßlos, entrückt von der Realität? Ist all das ethisch und moralisch überhaupt vertretbar? Wohl kaum! Gerade dann nicht, wenn man sich an den Corona-Zahlen selbst orientiert. Stand 11. April 2021 starben in Deutschland 78.402 Menschen an oder mit Corona. Und ja, genau betrachtet muss man jene Fälle, die mit der kleinen aber wichtigen Präposition „mit“ gekennzeichnet sind, unbedingt abziehen. Denn eine klare, evidenzbasierte Zahlenbasis ist auch die Basis jeder Naturwissenschaft, die ja wiederum daraus die richtigen Schlüsse ableiten muss. Aber selbst wenn wir die Menschen, die „mit“ Corona verstarben in unsere Rechnung inkludieren, entsprechen das 0,09 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Übrigens starben im Jahr 2019 rund 231.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Zigaretten und Alkohol gibt es, soweit ich weiß, immer noch zu kaufen …

Aber schauen wir uns – um eine noch repräsentativere Basis zu erhalten – die weltweiten Corona-Zahlen an (ebenfalls Stand 11. April 20021): 2,92 Mio. Todesfälle, das entspricht einem prozentualen Anteil an der Weltbevölkerung von 0,04 Prozent.

Was zeigt uns das? Dass Corona eine Krankheit ist, vor der man sich schützen sollte. Das zeigt aber auch, dass weder der mediale Overkill, der uns seit über einem Jahr zudröhnt, noch ein Dauerlockdown gerechtfertigt sind. Gerechtfertigt sind auch nicht die massiven Grundrechtbeschneidungen, die man uns mit dem Etikett „Wir müssen zusammenhalten“ verkauft, während wir vom Staat entmündigt und gesellschaftspolitisch gespalten werden.

Alles ist im Leben eine Frage der Risikobewertung. Vieles kann passieren, potentiell. Jedes Opfer ist eines zu viel. Das gilt für Corona-Tote genauso wie für die Menschen , die im Straßenverkehr, in der U-Bahn oder bei einem Terroranschlag zu Tode kommen.

Doch es muss auch klar sein: Eine Gesellschaft, die mit invasiven Maßnahmen so gegängelt wird, obgleich diese Maßnahmen in keinem Verhältnis mehr zu dem durch sie potentiell vermiedenen Risiko stehen, wird strukturell toxisch. In ihr gährt es und es wird ungemütlich. Denn wenn um Existenzen zu schützen Existenzen gefährdet werden, Menschen gar Jobs verlieren oder aus Angst nicht mehr zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, dann bekommen die sogenannten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit einen faden Beigeschmack. Dann wird es gefährlich, denn es könnte zu irreparablen Verwerfungen kommen, im Zuge derer sich unsere Gesellschaft langfristig nachteilig verändert und selbst amputiert.

Quellen und Literatur:

aerzteblatt.de, https://www.aerzteblatt.de/archiv/209251/Aaron-Antonovsky-Vater-der-Salutogenese, abgerufen am 11.04.2021

Kaiser, Gunnar, Die Verborgenheit der Gesundheit, https://www.youtube.com/watch?v=koRaX25fOqw, abgerufen am 11.04.2021

Liste von Staaten und Territorien der Welt, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_und_Territorien_nach_Einwohnerzahl, abgerufen am 11.04.2021

Todesursachen in Deutschland, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html

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