Was bleibt?

Ich habe heute beim Aufräumen einer großen Mehrzweckhalle geholfen. Diese Halle hatte über Jahre hinweg ein alter Herr betrieben, der allerdings nun die Diagnose Pankreas CA, kurz Bauchspeicheldrüsen-Krebs, gestellt bekam. Daraus ergibt es sich, dass er diese Halle, die er sein ganzes Leben lang hegte und pflegte, nicht mehr länger als Hausmeister übernehmen kann. Sein Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag und er hat wohl nur noch einige Wochen zu leben.

Der Vermieter, eine große Wohnungsbaugesellschaft, hat auch kein Interesse daran, das Objekt zu erhalten. Daher wollten wir, eine Truppe von 5 Mann, diesem Mann helfen. Schnell und unentgeltlich. Unglaublich, was sich da in den letzten Jahrzehnten an allerlei Dingen angesammelt hatte. Irgendwie könnte ich niemals so etwas wie Haushaltsauflösungen verantworten. Man hat das seltsame Gefühl, ein ganzes Leben zu negieren… Das wirklich Schlimme daran ist, dass jede Kleinigkeit, jedes Bild, dem alten Mann etwas bedeutete und man (also ich) es dennoch einfach entsorgen und wegwerfen musste. Alle Sinnhaftigkeit, alle Arbeit, alle Mühe – ausgelöscht…

Dieser Mann, dessen ganzes Leben bestimmt war von seiner Arbeit, wird Zeuge davon, dass ein entscheidendes Element seiner Existenz, einfach „dekonstruiert“ wird. Kafka sagte treffend: „Das eigentlich Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit.“ Aber die direkte Konfrontation mit ihr, macht uns schwach und reisst uns aus jeglichem Omnipotenz-Wahn.

Was bleibt also? Es bleibt, so denke ich, der Eindruck von Jemandem, die Erinnerung an ihn, die gut oder schlecht sein kann. Natürlich verblasst diese und löst sich auf – nach und nach. Das ist es wohl, mit was wir zurecht kommen müssen: Dem Bewusstsein unserer Endlichkeit…

Wer weiß
Wir kommen, wer weiß, woher.
Wir gehen, wer weiß, wohin.
Wir sind wie die Welle im Meer
allein und doch darin.
Wir sind wie das Licht ein Teilchen
und ebenso ein Strahl.
Wir sind auf der Erde ein Weilchen
und vielleicht ein ums andere Mal.
Wer weiß, woher wir gekommen,
wer weiß, wohin wir gehen?
Es bleibt für uns  verschwommen,
bis wir selbst am Ende stehen.

Renate Eggert-Schwarten

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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