Ex Machina – Eine kleine Filmkritik

Der schon am 21. Januar in den britischen Kinos angelaufene Streifen von Alex Garland „Ex Machina“ hat im April 2015 sein Deutschland-Debut gefeiert. Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Das 26-jährige Programmierer-Ass Caleb gewinnt als Mitarbeiter der riesig-großen – und sicherlich an Google angelehnten – Firma Bluebook einen Proggi-Wettbewerb und wird auserwählt, seinen exzentrischen Firmenboss Nathan zu besuchen. Dieser lebt abgeschieden inmitten einer rauhen und eindrucksvollen Landschaft, wo er sich – Money Money Money sei Dank – eine Art Forschungsstation in einer Luxus-Villa eingerichtet hat. Ziel des Ganzen: Nathan erschafft künstliche Intelligenz in Form von weiblich-humanoiden Robotern, die – nebenbei bemerkt – noch ganz attraktiv sind. Caleb macht Bekanntschaft mit Ava, der neuesten Schöpfüng Nathans, um die Authentizität ihrer Emotionen zu überprüfen. In Gesprächen, die von Nathan per Videokamera überwacht werden, soll Caleb Ava befragen. Ava fingiert Stromausfälle, während denen folglich keine Videoüberwachung möglich ist. Sie überzeugt Caleb, der sich nach und nach in sie verliebt, davon, dass Nathan böse und unehrlich ist. In einem Gespräch mit seinem Boss erfährt Caleb, dass Nathan plane, Ava nach der Testwoche abzuschalten. Caleb, dessen Hormone mittlerweile Salto schlagen, will Ava vor ihrem Roboter-Tod bewahren. Da sich Nathan regelmäßig dem Alkohol hingibt, ist es für ihn kein Problem, Nathans Keycard zu klauen und die Software zur Türöffnung umzuprogrammieren. Sesam öffne Dich. Ava ist frei, killt ihren Schöpfer Nathan, lässt den verdutzten und leicht naiven Caleb im abgeschiedenen Luxus-Domizil zurück und fliegt davon. That’s the way love goes.

„Ex Machina“ ist das Regie-Debut von Alex Garland. Wir kennen den Briten sonst eher als Drehbuchautor. So verdanken wir ihm Werke wie „The Beach“ oder „28 Days later“. Das Budget des Films war mit 11 Mio. Euro niedrig. Produziert wurde der Streifen von den Pinewood-Studios bei London. Ach ja – Pinewood, das muss ich noch unbedingt loswerden – hat 1962 „James Bond jagt Dr. No“ produziert.

Die Low-Budget-Sparflamme, auf der der Film köchelt, merkt man ihm nicht an. Einer seiner positiven Aspekte ist die Art, wie er fotografiert wurde. Ein ruhiger Schnitt und poetische Flashbacks entschleunigen das cineastische Erlebnis auf angenehme Art und Weise und erinnerten mich ein wenig an Streifen aus den 80ern. Die beindruckende Landschaft, Gletscher, Wasserfälle in schönen Totalen tun da ihr Übriges. Es ist die Abgeschiedenheit, die kontrapunktische Inszenierung von rauher Natur auf der einen, und die Gegenwart von technokratischer High-End-Wissenschaft auf der anderen Seite, die den Film nähren. Im klinisch-klaustrophobischen Setting von Nathans Villa entwickelt sich eine Art Kammerspiel, das sich entfaltet zwischen Nathan, Caleb und Ava. Geprägt von einer gewissen Ironie, sind es aber besonders die Dialoge zwischen Caleb und Nathan, die Ex Machina Würze verleihen.

Der Film lebt nicht von den eher langweiligen Gesprächen zwischen Ava und Caleb. Die Befragungen Calebs wirken zuweilen lächerlich. Das aus den faden Verhören dann auch noch (zumindestes seitens Caleb) eine Verliebtheit resultiert, mag man kaum glauben. Was hätte Caleb Ava nicht alles fragen, und welche Antworten aus der Perspektive ihres artifiziellen Seins hätte sie ihm geben können? Wir werden es nie erfahren, weil in diesen Gesprächen alles, aber auch alles, auf die banalsten zwischenmenschlichen Komponenten reduziert wird. Attraktive Frau verdreht naivem Mann den Kopf. Hatten wir nicht den Bad Girl-Effekt schon mal?

Der seichten Love-Story steht die dominant-exzentrische Personality Nathans gegenüber. Sein archaisches Erscheinungsbild mit Vollbart und Kurzhaarfrise, gepaart mit einem Lifestyle, den man (bzw. ich) zunächst nicht hinter einem Multi-Milliarden-Dollar-CEO vermuten würde, macht den Streifen aus. Über diesen Menschen will man eigentlich noch sehr viel mehr erfahren. Nathan der Weise hat mit 13 Jahren den Quellcode seiner Suchmaschine programmiert, es bleibt offen, ob die Namensgebung sich an Lessings Bühnenstück anlehnt. Erkennbar sind die Parallelen zur Hauptfigur allemal. Einen biblischen Bezug haben wir, zumindest phonologisch betrachtet, bei „Ava“ und explizit bei „Caleb“. Caleb stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „alles“, „treu und voller Hingabe“.

Oscar Isaac als Nathan macht zweifelsohne den besten Job und sticht seine Kollegen deutlich aus, die neben ihm nur blass wirken. Der aus Guatemala stammende Isaac wurde mit der Bibelverfilmung „Es begab sich aber zu der Zeit“ als Joseph bekannt. Für dessen Darstellung erhielt er 2007 den Grace Award.

Eine der größten Schwächen des Films ist sein eindimensionlaer Handlungsstrang. Ich meine: Vergegenwärtigen wir uns mal, um was es da geht. Da kommt jemand daher und hat einen ultra-coolen humanoiden Roboter geschaffen, und alles, was daraus resultiert, ist eine langweilige „fingierte“ Liebesgeschichte zwischen einem verklemmten Programmierer und einer ausgebufften Roboter-Ladie, die natürlich, wer hätte das gedacht, am Ende noch böse ist. Das finde ich echt schade, denn so gibt der Film all sein Potential zugunsten einer gähnend-langweiligen Robo-Romanze auf. Der Mainstream wirds mögen. Auch wenn Nathan noch gerade so mit Anspielungen auf Wittgenstein und Chomskys „Innateness Hypothesis“ (Chomsky ging davon aus, dass die Anlagen zum Erlernen von Sprache im menschlichen Geiste immer schon von Geburt an vorhanden sind und das Kind nur noch ihre Anwendung lernen müsse *ja, ich hör ja schon auf*) die philosophische Kurve kriegt, macht das die Oberflächlichkeit des Films auch nicht mehr wett.

Alicia Vikander macht in der Rolle der Ava das, was sie gut kann. Sie sieht hübsch aus, mehr aber auch nicht. Sie ist eben eine Darstellerin, keine echte Schauspielerin. Ach, wie unfreundlich, aber erfrischend ehrlich ich wieder mal bin. Vikander trat in Stockholm in verschiedenen Musicals auf, bekannt wurde sie in der schwedischen Serie „Andra Avenyn“. Auf der Berlinale im Jahr 2011 erhielt sie den „European Shooting Star Award“, der ihr endgültig den internationalen Durchbruch verschaffte. So spielte sie beispielsweise schon neben Jude Law und Keira Kneightly in „Anna Karenina“.

Domhnall Gleeson, was soll ich zu ihm sagen? Ja, man kauft ihn ihm ab, den Proggi-Nerd. Vikander und er kennen sich übrigens seit dem gemeinsamen „Anna Karenina“-Dreh.

Und nun machen wir, last but not least, noch weiter mit dem Verriss. Neben der Eindimensionalität des Films, seinem sachten Dahinplätschern, sind es auch die dramaturgischen Lücken, die die Gesamt-Performance des Streifens schwächen. Man stelle sich vor: Ein einzelner Mann baut in aller Abgeschiedenheit eines der tollsten Dinge, die die Menschheit seit der Handyflatrate gesehen hat. Ohne Helfer und erst recht ohne Mitwisser. Merken Sie was? Das alles ist schon ein wenig unlogisch, weit hergeholt und hat etwas vom Frankenstein-Faktor, wenn auch netter verpackt.

Obendrein ist Nathans Ermordung gegen Ende ein wenig unnötig und dürfte dem mit toter Robo-Haushälterin und Mega-CEO alleine zurückgelassenen Caleb ganz schön auf den Magen schlagen. Spätestens wenn die Polizei auftaucht.

Ach ja, das Ende. Ava haut ab, ohne Caleb, und was für sie viel schlimmer ist: ohne Akku-Station, die sie eigentlich dringend bräuchte. Na,vielleicht ist dem Storyboard ja jenseits von Minute hundert endgültig der Saft ausgegangen – so wie Ava wohl spätestens in Minute tausend. Der Zuschauer fühlt sich da jedenfalls ebenso allein gelassen wie Caleb in seinem Verließ. Wieso wundert sich der Heli-Pilot, der Ava völlig selbstverständlich in die Zivilisation fliegt, nicht mal? Immerhin sollte ja Caleb an Avas Platz stehen. Was macht Ava? Muss die Menscheit sich vor der schärfsten Cyber-Braut seit Brigitte Nieslsen (oder ist die etwa echt???) in Acht nehmen? Doch an die Stelle von Antworten tritt der Abspann… What a pitty.

Fazit: Kann man mal sehen, muss man aber nicht. Ich gebe dem Film ganz durchschnittliche 5 von möglichen 10 Punkten.

Danke an M. Reeb für den cineastischen Austausch.

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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