AfD-Ergebnis: die geheuchelte Fassungslosigkeit

Wenn ich mir dieser Tage die Diskussionen und die emotionale Betroffenheit betrachte, denen sich unsere verlogenen Systemmedien und die geneigten BLÖD-Zeitungsleser über den 12,6 prozentigen Einzug der AfD in den Bundestag hingeben, kann ich nur den Kopf schütteln. Nein: Als links-denkender Mensch bin ich keineswegs dafür, dass eine rückwärtsgewandte, rechtspopulistische Partei in die Hallen des Bundestages einzieht. Dennoch war ein solches Ergebnis zu erwarten und zwar aus folgenden Gründen.

Die massive Wählerabwanderung der Menschen, die sich enttäuscht von der neo-liberalen, menschenfeindlichen Politik der sogenannten Volksparteien zeigen, liegt erstens begründet in der Profillosigkeit der Parteien, gleichzeitig aber auch an deren mangelndem Verständnis, die Nöte und Befindlichkeiten des „Volkes“ ihrem Wesen nach zu erkennen bzw. überhaupt erkennen zu wollen.

Dieser quasi-absolutistischen „Entrückung“ der Parteien hin zu einem dem Establishment – und damit dem Großkapital – dienenden Erfüllungsgehilfen ist es zu verdanken, dass die Abgehängten und sogenannten „Modernisierungsverlierer“ nach neuen, (Schein) identitätsstiftenden Größen Ausschau halten, die in Form der AfD dankbaren Zulauf erfahren.

Somit kann ich nur sagen: Aus der Perspektive derer, die die AfD wählen bzw. gewählt haben, ist dies ein nachvollziehbares Motiv, dessen Wurzeln zu finden sind in der gefährlichen Mischung aus Enttäuschung, Machtlosigkeit und nicht zuletzt in der zunehmenden Komplexität der Welt.

Nun kann man darüber spekulieren, dass die AfD ihrem Wesen nach alle die mit ihr verbundenen Erwartungshaltungen nicht erfüllen mag, aber dennoch verkennen wir dabei eines: Parteien wie die SPD und CDU profitieren unmittelbar von ihrem parasitären Wesen, denn: Alleine die Existenz der AfD lässt das eigene Handeln doch immer in einem helleren Licht erscheinen.

Wenn also der ehemalige Möchtegern-Kanzler Martin Schulz – der obendrein als Präsident des Europaparlaments eines der mächtigsten Kartells Europas unterstützte, namentlich: die EU – kamerareif gegen den AfD-Bundessprecher sowie die Kanzlerin wettert, ist das nur eines: heuchlerisches Schmierentheater!

Denn: Auch er trug über Jahrzehnte dazu bei, Großkonzerne zu stärken, befeuerte die hegemoniale Politik der USA, die auf militärische Expansion setzt und dabei Menschenrechte verachtet und er befürwortete das TTIP-Abkommen, das ausschließlich von Lobbyisten statt vom Willen des Volkes getragen wurde. Gleiches gilt übrigens für CETA, das er mit Pauken und Trompeten in gerade mal 23 Tagen durchpeitschte. Wird solch ein Mann, der sich zum Spielball neo-liberaler Interessen gemacht hat, als Sozialdemokrat ernst genommen? Wohl kaum – abgewählt und disqualifiziert!

Statt ein Mindestmaß an Selbstreflexion an den Tag zu legen, fühlte sich Schulz noch am Wahlabend jedoch auf den Schlips getreten, spielte die Oppositionsrolle seines Lebens (und das mehr schlecht als recht) – obwohl ihn und Mutter Merkel viel mehr eint als trennt: hauptsächlich die Duckmäuserei vor dem US-amerikanischen Imperium, die beide sogenannten Politiker bis zur Selbstaufgabe tagtäglich vollführen.

Ich sage es in aller Deutlichkeit: Dass die AfD es aus dem Stand auf 12,6 Prozent Punkte schafft, ist dramatisch, ja! Aber es ist ein Signal. Und Signale sollte man nun mal richtig deuten. Bei aller Facebook-Häme, bei allem „Diss“ und bei aller emotionalen Aufgeladenheit, müssten sich die, die sich Regierung schimpfen, vielmehr fragen, wie es zu alledem überhaupt erst kommen konnte. Nein: Es werden nicht die wohlsituierten Architekten oder die Beamten sein, die das AfD-Ergebnis nachvollziehen können. Sie werden mit großen Augen dastehen und sich selbige verdutzt reiben. Es sind die vielen kleinen Leute, die, die vom Mindestlohn leben müssen, aber nicht können. Die, die sich mit dem Wohlstands-Establishment noch nicht arrangieren konnten, eben weil sie ihre soziale Nische noch nicht gefunden haben. All jene werden Beifall klatschen. Dass es sich dabei zum Großteil nicht um Nazi-Propaganda, sondern um eine dem Neo-Liberalismus geschuldete, fehlgeleitete Systemkritik handelt, sollten aber auch unsere sogenannten Eliten erkannt haben.

Was dagegen hilft? Weniger Fassungslosigkeit, dafür mehr Solidarität für die sozialen Nöte der Menschen. Denn nur eine Politik, die diese ernstgemeint bekämpft, vermag dem rechtspopulistischen Spuk ein Ende zu setzen. Doch bis auf DIE LINKE scheinen sich alle großen Parteien vor eben diese Verantwortung zu drücken und sich in opportunistischen Jamaika-Pragmatismus zu flüchten, statt Selbstkritik zu üben. Die AfD ist ein Symptom, der Neo-Liberalismus die Krankheit. Das, und nur das, ist das Empörende an der gegenwärtigen politischen Gemengelage in Deutschland.

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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