Text-Adventures: Die Lust auf neues Altes

Vor Kurzem habe ich in dem Nischen-Sender „ZDFkultur“ (den gibt’s wirklich) einen interessanten Bericht über ein Phänomen gesehen, das mich besonders faszinierte. Da ich ein Kind der 80ger Jahre bin, war dieses für mich eigentlich nicht wirklich neu. Allerdings empfand ich es umso erstaunlicher, dass es gerade jetzt wieder, zumindest für eine kleine, aber feine Zielgruppe, interessant zu werden scheint. Der Bericht behandelte das Phänomen des Text-Adventures. Alles schon mal da gewesen? Sie haben recht! Doch immerhin: In unserem Zeitalter der High-End-Ego-Shooter scheint es mir so, als sei diese Rückbesinnung hin zu den Wurzeln von dem, was wir heute Computerspiel nennen, wichtiger denn je. Für diejenigen, die damit nichts anfangen können, hier eine kleine Definition aus eigener Hand.

Bei einem Text-Adventures handelt es sich um ein Computerspiel ohne Grafikkomponenten, das es dem Spieler ermöglicht, durch eine rein textuelle Auseinandersetzung mit einem allwissenden Computer-Über-Ich, einen vordefinierten Handlungsplot zu verfolgen.

Somit kann das Text-Adventure als Vorläufer gängiger Adventure-Klassiker (z. B. Indiana Jones oder Maniac Mansion) gesehen werden, die es (leider) nach und nach vom Spielemarkt verdrängten. Chronologisch betrachtet fällt das Text-Adventure damit in eine Zeit, in der Handys so groß waren wie heutzutage unsere Laptops – und jawohl: Damals gab sogar noch die ein oder andere Telefonzelle.

Die Grafik Offensive heutiger Games ist sicherlich reizvoll und hat wahrscheinlich Sucht-Potential. Nein, keine Angst – ich möchte an dieser Stelle nicht auf die Sache mit der Flucht aus der Realität beginnen… Aber war nicht immer schon das, was man nicht kennt, und das, was man nicht sieht, reizvoll? Das Spiel mit dem Unbekannten: So funktionieren Text-Adventures. Ich meine: Diese Praktiken haben uns schon Filmemacher wie Hitchcock oder Murnau gelehrt. Das Unbekannte berührt und erfasst uns, macht uns Angst oder jagt uns wohlige Schauer über den Rücken. Die Imagination macht die Musik und wir lassen Figuren entstehen und gestalten sie nach unseren Vorstellungen. Wenn es uns nun alte Text-Spieleklassiker sind, die uns zeigen, dass Weniger mehr sein kann – gut! Mainstream wird’s zwar nicht werden, aber eingefleischten Spielfans kann’s Spaß machen. Ganz ehrlich: Ich finde dieses Retro-Gaming großartig!

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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