Wenn Sigmund Freud gewusst hätte…

Zeiten ändern und Menschen gleichen sich. Zumindest ihrer Natur nach. Ich habe früher gerne die Werke Siggi Freuds gelesen. Es – Ich – Über-Ich. Mein Gott, Psychoanalyse ist ja sowas von einfach zu verstehen – dachte ich. Dann ist da noch das Trauma als unbewusste Dunkelkammer der Erinnerungen, deren unverdaute Gedanken-Reste durch die Freie Assoziation des Patienten ab und an in einen Strudel selbstreflektierender Überbelichtung geschleudert werden. Für die Hysterie immerhin ein probates Mittel – damals, Anfang des vorherigen Jahrhunderts jedenfalls. Finden Sie es nicht auch ein wenig seltsam, dass vor noch hundert Jahren die holden Fräuleins aus der sogenannten besseren Gesellschaft reihenweise in Ohnmacht fielen, wenn sie ein unvorhergesehenes Ereignis in emotionale Dissonanzen geraten ließ? Wo sind die denn heute? Aber immerhin: Heutzutage haben wir ja Burn-out und Borderline, deren schwammige Syndrom-Definitionen viel Raum für Interpretation bieten und den meist privaten Trägern der Psychatrien die Patienten in die Betten spülen.

Meine gewagte These: Alles begann erst mit der Psychoanalyse, mit deren Hilfe man – oder vielmehr Frau – überhaupt erst ein Bewusstsein des zu bewältigenden Krankheitsbildes der Hysterie und des damit verbundenden, in den tiefen Abgründen der rabenschwarzen Vergangenheit wurzelnden Traumas entwickeln konnte. Ganz nach dem Motto: Du fühlst dich schlecht und kommst nicht klar? Schuld sind nur die Traumata!

Nun gut. Spielen wir das mal kurz durch. Frau geht also zu bärtigem Mann, der sagt nix, sie legt sich auf die Couch, redet, der sagt immer noch nix. Dann verliebt sie sich in ihn und dann, ja dann sagt dieser ihr, dass das alles keinen Sinn habe, nennt das Übertragung und …. Zack: Frau ist geheilt. Ich frage Sie: Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

So schuf die Psychoanalyse damals so etwas wie das ultimative Basis-Setting für das, was man heutzutage Mädelsabend oder Männerabend nennt. Oder konkreter: das unbeschwerte Gequatsche in einer netten Atmosphäre ohne nervige (Ehe)Männer und (Ehe)Frauen.

Und wenns mal ganz schlimm wird, warten viele Freudianer mit Freuden darauf, zugequatscht zu werden von Problemen, zu denen sie nix sagen werden, weil sie sie nicht interessieren. Nur, dass diese Therapeuten die netten Plauderstunden zu zweit über die Krankenkasse abrechnen können, während die feuchtfröhlichen Mädels- und Männerabende meist mit einem weitaus schmerzhafteren dicken Kopf quittiert werden. Also: Jetzt müssen Sie sich entscheiden. Ach ja: Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Dann ma Prost!

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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