Das Diversity-Dogma und seine Folgen

An den Begriff der Diversität, englisch: Diversity, koppelt sich eine aus dem Zeitgeist erwachsene Haltung, ein sprachlich geronnener Habitus, ein werbliches Dogma, dem von seinen ideologischen Verfechtern die Attribute „aufgeklärt“, „humanistisch“, „liberal“ und „tolerant“ angeheftet werden. Längst ist die vom Mainstream so gelobte „Diversität“ zum erstrebenswerten Topos einer neuen, einer bunten Gesellschaft geworden, die mit einem breiten Arsenal an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten aufwartet. Doch zur Wahrheit der Diversität gehört auch ihre inhaltliche Leere, die weder wissenschaftlich untermauert, noch logisch begründet ist. Nun mag man sagen „Was hat der Autor dieses Textes nur gegen eine vielfältige Gesellschaft?“ Und die Antwort auf diese Frage kann nur lauten: Nichts, denn eine vielfältige Gesellschaft, die auf freiheitlichen Idealen fußt, ist ein erstrebenswertes Ziel. Doch eben mit diesem tautologischen Freiheitsprinzip, das den Einzelnen schützt und ihn als „Mehr als die Summe seiner Teile“ (Aristoteles) anerkennt, hat die „Diversität“ nichts gemein. Denn hier geht es, und das muss so klar beschrieben werden, um eine rein ideologische Forderung von gesteuerten Minderheiten, eine unbefüllte Begriffsschablone, dankbar von Minoritäten verwendet und mit den Sujets „Geschlechtsidentität“, „sexuelle Orientierung“, „Gendern“ angereichert, bis der Begriff „Diversität“ eine ideologisch aufgeladene und daher umso gefährlichere Metapher für Frühsexualisierung, Sprachverstümmelung und neurotische Auswüchse auf den Straßen dieses Landes wird. Dabei erfreut sich der Begriff gerade bei den großen Unternehmen großer Beliebtheit, was ob seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten nicht verwundert. Jedes Unternehmen will divers sein, war es eigentlich ja schon immer, man möchte schließlich aufspringen auf den hippen „Diversity-Train“, der mit seinen Regenbogenwagons aufs politische Abstellgleis zu rast. Ja, das mögen viele Diversity-Aktivsten vielleicht verkannt haben, aber die Reduzierung auf eine sexuelle Neigung und die Dekonstruktion der Persönlichkeit, sorgen nicht nur für ein dauerhaftes selbstbezogenes Grundrauschen, sondern sie halten jeden einzelnen Regenbogen-Jünger auch fern von der echten Sphäre des politischen Lebens. Sie machen ihn zum willigen Stimmvieh, zur hedonistischen „Persona Sexualis“, die in der Verwirklichung ihrer sexuellen Orientierung den Schlüssel zur Welt sieht. Doch dies ist ein Trugschluss, der von den linksmotivierten Initiatoren der Diversity-Initiative wohl bewusst befeuert wird. Identität ist kein Label und kein soziales Konstrukt und wird auch nicht allein über subjektive Rollenmuster definiert.

Vielmehr ist sie, die Identität, das nicht messbare Zusammenspiel der im Sozialisations- und Enkulturationsprozess erworbenen Deutungsmuster der Welt, ein kollektives Narrativ, das sich im Zusammenspiel mit Mutter und Vater entfaltet, aber im Kinde bereits angelegt ist.

Oder wie es Martin Lichtmesz in seinem kleinen Büchlein „Die Verteidigung des Eigenen“ formuliert: „Empirische Individuen sind ebenso wie die Völker, denen sie entstammen, immer ein dynamisches „Cluster“ aus mehreren Anteilen: Abstammung, Religion, Sprache, Kultur, Geographie und ein gemeinsames Narrativ.“  

Dass nun der Begriff der Diversität an einer „Beliebigkeit“ der Geschlechterrollen interessiert ist, ist einleuchtend. Wo Geschlecht als soziales Konstrukt formuliert wird, wird es ebenso beliebig, wie das gesetzte Faktum der Nationalität, der Heimatverbundenheit und der familiären Zugehörigkeit. Auch diese narrative Aufweichung ist dem linken Zeitgeist geschuldet, dessen Verfechtern es durch ideologische Infiltration gelungen ist, eine Art „Kulturrevolution“ in unseren Institutionen zu entfachen, die den Menschen entwurzeln und ihn zu einem heimatlosen, globalistischen Individuum, zum Sklaven seiner selbst machen möchte, der beliebig auf Attribute reduziert und dekonstruiert werden kann.

Die damit einhergehenden Prozesse der Dekonstruktion sind allerorts spürbar. Angefangen bei den unsäglichen Bewerbungsformularen, die sich, treu doof und Mainstream-like, das Label „divers“ als Auswahloption anheften über die Sprachverstümmlungen der Medien – die ja auch Dekonstruktionen des Sprachkörpers sind. Die Diversitätsdebatte passt ganz wunderbar in eine Eventkultur, die sich von Plakaten verführen und Slogans leiten lässt. So fällt es den Konsum-Zombies der Generation Z gar nicht mehr auf, dass sie zwar „divers“ sind, aber leider politisch entmündigt wurden, von einer globalistischen Klasse, die sie als willige Lohnsklaven steuern und benutzen kann.

Alles wird beliebig, ersetzbar, alles, auch der Mensch, der sich stolz die Regenbogenbrosche ans Revers heftet.  

Da fällt es fast gar nicht mehr auf, dass die Regenbogen-Evangelisten sich nur allzu bereitwillig den Kategorien Heimat, Tradition, kurz: des kulturell gemeinsamen Deutungshorizontes berauben lassen, da dieser in ihren Augen ohnehin ein obsoletes Zeugnis, ein überholtes Artefakt einer alternden weißen Mehrheitsgesellschaft ist.

Noch einmal: Dieser identitäre Kollektiv-Verzicht der Jugend ist die eigentliche Tragik an der Diversitäts-Ideologie, denn während die Diversität Emanzipation verspricht, lässt sie die Menschen allein, dekonstruiert und mit sich selbst zurück, bereit, in unzähligen mühsamen psychotherapeutischen Sitzungen wieder ein Mindestmaß an persönlicher Integrität zu erlangen und Vertrauen in sich zurückzugewinnen. Eine beliebige Gesellschaft bietet niemals Freiheit, sondern öffnet Identitätskrisen Tür und Tor, pervertiert sie doch die natürliche Tendenz des Menschen zur Selbstfindung zu einem Akt der sexuellen Neudefinition.

Die Folgen einer solchen von Staatswegen mitgetragenen Politik sind verheerend. Die Beliebigkeits-Ideologie gebiert Heimat- und Traditionslose, die wie die Fähnlein im Wind instrumentalisiert werden können, ohne dass sie dies überhaupt noch wahrnehmen.

Doch die Beliebigkeits-Formel der Diversity schafft, obwohl sie auf der einen Seite ihre Rezipienten apolitisiert, politische Herrschaftsstrukturen, die sie nicht nur de facto, sondern auch de jure realisiert. Beispielhaft können wir dies an der Reformierung der deutschen Staatbürgerschaft sehen, die, von den Regierenden ohnehin als ein obsoletes Prinzip eines biologistischen Weltbildes empfunden, verramscht und verhökert wird, oder an der allzu bereitwilligen Aufnahmebereitschaft von Sozial-Migranten, die so ganz rasch zum Teil des Volkes erklärt werden. Ein Beliebigkeitsbegriff ist für diesen Kurs der Anfang, indem er interpretative Möglichkeitsräume schafft, in denen Tatsachenbestände wie „Volk“, „christliches Abendland“ und „Heimat“ keine Rolle mehr spielen.

Wenn alles divers ist, ist alles gleich. Und genau darin liegt das Uferlose einer solchen politischen Stoßrichtung, die an nationale Selbstgeißelung und Ethnomasochismus dem eigenen Volk gegenüber nicht zu überbietet ist. Das Dogma der Diversität bietet die konzeptionelle Grundlage für eine entnationalisierte, demoralisierte und traditionslose Massengemeinschaft, deren verbleibende Bindungsstrukturen sich in Clan-Verbindungen der sogenannten Migranten erschöpfen und den masochistischen Pathos der selbstgeißelnden Willkommenskultur als Akt der Unterwürfigkeit entlarven. Alles ist beliebig, alles divers, nichts bleibt, wie es war. Eine Nation verkauft sich billig und begreift das als überlegenen moralischen Akt, ohne zu verstehen, was diese Selbstaufgabe bedeutet. Denn letztlich ist und bleibt sie ein Verrat am eigenen autochthonen Volk.

Wo mag ein solcher Selbsthass, diese innere Zerrissenheit der regierenden Kaste herkommen? Diese Frage zu beantworten, ist zweifellos des Pudels Kern. Vielleicht gründet eine Antwort in dem innigen Verlangen einer verträumten Wiedergutmachung für begangene Sünden, vielleicht auch in einer Art Helferkomplex einer gottlosen und wohlstandsverklärten Nachkriegsgeneration, der Volk und Vaterland schon immer suspekt waren. Sie erweisen dem neuen Diversity-Kult einen Götzendienst, indem sie ihn an die Stelle eines religiösen Vakuums rücken und ihn zur neuen Religion erklären, zum neuen Evangelium der wunderbaren Vielfalt. Sinnentleert. Betäubt vom eigenen Ego. Wahnhaft. Ideologisch.

Derlei Götzendiener haben viele Namen. Baerbock. Habeck. Lindner. Befangen von einem moralinen Geist einer pseudo-elitären Blase, weich gebettet in den warmen Gefilden der materiellen Verlockungen, institutionalisiert und geprägt von den transatlantischen Bildungs-Instanzen, sind sie zu den Götzendienern eines universalistischen Globalismus geworden, die die deutsche Nation, jede Nation eigentlich, als ein mäandrierendes, gefährliches Abstraktum begreifen. Nation. Wohlstand. Tradition. Diese unverrückbaren Fundamente der westlichen Kulturwelt mit ihren Schätzen der Geistesgeschichte gilt es mittels des Diversitäts-Dogmas aufzuweichen, zu vernichten, vielleicht auch, weil man den Regierenden einen Schuldkomplex eingeimpft hat, der besagt, dass Wohlstand für das Volk etwas sehr schlechtes ist. Sie sehen, verehrte Leser, dass die politische Agitation unserer Bundesregierung ein neurotisches Fundament hat, dessen Analyse eigentlich in die Hände von erfahrenen Psychologen gehörte. Auf der einen Seite dieses pathologischen Bildes steht der Glaube an die Notwendigkeit der Geißelung des Volkes, auf der anderen der größenwahnsinnige Glaube an die moralische Überlegenheit. An die Bruchstellen dieses Krankheitsbildes tritt nun die Diversität, um als ideologische Schnittstelle dem eigenen Tun einen humanistischen, toleranten Anstrich zu verleihen. Doch der Regenbogen vermag den dahinterliegenden Selbsthass nur bedingt zu kaschieren.

Haben die Farben des Regenbogens etwas bewirkt, außer verirrten Seelen und schrägen Vögeln eine Bühne bei Paraden zu bereiten? Wenn überhaupt, dann war das Ziel des Diversitäts-Dogmas stets die Ablenkung der Massen. Denn eine bunte Gesellschaft wird nicht automatisch eine tragfähige, gute und lebenswerte Gesellschaft. Das Gesicht unseres Landes jedenfalls gleicht momentan eher einer schmerzverzerrten Fratze. Es kann einem leidtun.

Deutschland, quo vadis?

Über die Notwendigkeit einer identitätsgeleiteten Politik.

von Andreas Altmeyer

Wir leben in unruhigen Zeiten, in denen sich – die meisten Menschen zumindest – über eine nie gekannte Form der Äußerlichkeit und der oberflächlichen Wahrnehmung definieren. Social Media wird für sie zum Wegbegleiter, der ihnen die scheinbare Gewissheit gibt, die „Anderen“  an ihrem Leben teilnehmen zu lassen, ein Leben, das wiederum in viralen Versatzstücken beweisen soll, dass es eben ganz „supi“ ist. Dass man sich den Events der Zeit hingibt und mit allen Sinnen zu genießen weiß, dass man sozusagen das „Dolce Vita“ lebt, mit ein bisschen Fitness, ein bisschen Jetset-Glamour und so fort. Während wir früher einmal unseren Namen in eine hölzerne Sitzbank ritzten, scheint diese digitale Form des Fingerabdrucks Menschen mit einem sinnstiftenden Moment zu erfüllen, ihnen die Gewissheit zu geben, von anderen „bewundert“ zu werden, gerade dann, wenn die mit Filter und Software geglätteten Artefakte als Fotos und Videos im digitalen Äther verewigt und mit Likes belohnt werden.

Einerseits erwächst aus diesem Streben nach Anerkennung ein nie gekannter „digitaler Hedonismus“, das permanente Drehen-um-sich-selbst. Vielleicht sind eben Soziale Medien dafür prädestiniert, die sinnenlehrte Lücke zwischen verlorengegangener religiöser Bindung und andererseits identitätsstiftenden Elementen – wie jenem des tradierten Wissens um kollektive Werte – zu füllen. Vielleicht lassen sie die „User“ aber auch in der sinnentleerten Scheinwelt der Bits and Bytes zurück mit einem Gefühl der unendlichen Leere, derer sie sich nur ganz selten – in den kurzen ruhigen „Offline-Momenten“ – gewahr werden.

In dieser Welt, in der uns Facebook und Instagram in einer unendlichen Aneinanderreihung von Posts  die „wunderbare Welt des Scheins“ präsentieren, verlieren wir uns im Spiegelkabinett der Algorithmen, befinden uns in einer entspannten Wohlfühlzone, die uns mit einem apolitischen Gestus umgarnt.  Wir meinen, dass wir sind, was wir darstellen zu sein. Doch das erweist sich spätestens dann als Trugschluss, wenn wir auf die Straßen dieses Landes schauen. Denn während wir uns im Lichte der digitalen Identität sonnen, führt sie in realitas ein dunkles Schattendasein, wird „von außen“ definiert über sexuelle Orientierung, wird verkürzt über die neue schöne Regenbogenwelt, die uns glauben macht, wir wären alle so wunderbar gleich, dass wir alles und jede/r sein können, wenn wir nur wollen. Ein Avatar für jede Lebenslage.

Diese Verkürzung der Identität auf einen digitalen und sexuellen Nenner ist das maßgebliche Kennzeichen eines sich verändernden Menschenbildes. Ein Menschenbild, das die eigene Individualität nur im Heilsversprechen der sexuellen Orientierung und im digitalen Hedonismus findet.  Beide Sphären jedoch sind frei von Sinnstiftung und Transzendenz. Die Grenzen von Schein und Sein verschwimmen, es wird im wahrsten Sinne des Wortes alles grenzen-, alles uferlos. Und dort, wo sich die Grenzen auflösen, wird die eigentliche differenzierte Betrachtung des Menschen als Individuum unmöglich. Alles wird ein wenig schmackhafter Einheitsbrei, der schwer verdaulich und schwer greifbar ist.

Es gehen die maßgeblichen Grundpfeiler eines Identitätsverständnisses verloren, das den Menschen eben nicht reduziert auf seine digitale oder sexuelle Gruppenzugehörigkeit. Identität ist letztlich auch immer verbunden mit Tradition, mit kulturellem Erbe und mit einer sich abgrenzenden Teilmenge von einer anderen. Nur so wird Individualität garantiert, indem die Identität als in einem ethno-homogenen Raum herangebildetes Ganzes entsteht.

Identität ist, das mag man in jenen Zeiten der „no nation, no border“-Ideologie gerne vergessen haben, immer auch geknüpft an die eigene Nationalität, weil die Nationalität wiederum, als ethno-kulturelles Überdach, über Jahrhunderte ein tradiertes Bewusstsein angereichert hat. Anders formuliert: Ein Chinese nimmt die Welt anders wahr als ein US-Amerikaner und das ist auch gut so.

Während man uns ab den 1980er Jahren des letzten Jahrhunderts erklären wollte, dass nur das Mantra des Multikulturalismus den Ausweg aus einer als hegemonial empfundenen „weißen Mehrheitsgesellschaft“ darstellt, müssen wir heute erkennen, dass erst der Multikulturalismus entscheidend zur Auflösung tradierter Identitätsmuster beigetragen hat – auf allen Seiten.

Während alle Welt nach digitaler Identität strebt, enttäuscht die Wirklichkeit mit einem Gefühl der nationalen Fremde. Eine Umgebung, die für jene fremd geworden ist, die hier aufwuchsen, die aber auch jenen immer fremd sein wird, die hierher kamen, um ihr Glück zu suchen. Das Phänomen des „Fremdelns“ entsteht so lange, bis der demografische „Kippunkt“ erreicht ist und die Anzahl der „Fremden“ die der „Autochthonen“ übersteigt. Schon heute hat  jeder fünfte in Deutschland lebende Mensch einen Migrationshintergrund. Der angeführte „Kippunkte“ wird also, wenn die Politik der offenen Grenzen so weiter geht, bald erreicht sein.

Die sich verändernden Mehrheitsverhältnisse werden unweigerlich auch mit einer Umgestaltung der politischen Landschaft einhergehen. Sprich: Hochbezahlte Migrationsbeauftrage alleine werden dann nicht mehr ausreichen. Es stellt sich schlussendlich die Frage, warum wir dies erdulden? Warum wir es zulassen, dass Menschen auf beiden Seiten der Skala entwurzelt werden, ob eines utopischen Friede-Freude-Eierkuchen-Weltbildes, das von der Realität Lügen gestraft wird.

Die unbegrenzte Einwanderung ist nicht alternativlos, genauso wenig wie die Akzeptanz derselben. Langsam jedoch werden ihre Folgen auch für jene spürbar, die es sich bis dato noch in ihrer Welt der sorgsam gepflegten Gärten, im eigenen Neu- oder Altbau bequem machen durften. Noch einmal: Wir stehen der grenzenlosen Einwanderung, die einige Wenige wollen, nicht machtlos gegenüber. Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass diese unserer nationalen und individuellen Identität schadet, indem die hier (unrechtmäßig) Aufgenommenen nicht nur ihr Gastrecht missbrauchen, sondern auch unsere Lebenswelt nachteilig verändern.

Müssen wir erdulden, in unserer Heimat heimatlos zu werden? Müssen wir mit ansehen, dass sich Menschen, die uns gegenüber ohnehin in Misskredit stehen, uns gegenüber oftmals respektlos und abfällig verhalten? Ist der Wandel, der sich gerade im öffentlichen Raum vollzieht nicht schon greifbar mit all seinen negativen Folgen? Das ideologische Grundkonzept entstammt zwar linken Kreisen, wird mittlerweile aber schon längst vom regierungspolitischen Establishment getragen. Eine echte politische Alternative kann daher nur jenseits der Systemparteien zu finden sein. Der Weg, der hierfür beschritten werden muss, wird entbehrungsreich und ist mit Steinen gepflastert. Denn das profillose politische Gefüge der Altparteien freut sich insgeheim auf seine neue Wählerschaft, die ihm seinen Status Quo garantiert. Doch diese Freude ist de facto ein Trugschloss. In dem Maße wie fremde Einflüsse an Bedeutung gewinnen, werden sich auch de facto neue politische Parteien konstituieren, die eine Eigendynamik mit eigenen Interessen vertreten.

Mehr noch wird sich diese Veränderung, die schleichend aber mit potenzierender Dynamik vonstattengeht, auf allen Ebenen spürbar sein. Politisch, sozio-kulturell, religiös und historisch.

Es ist eine Frage der Haltung, sich dieser ideologisch betriebenen Meinungsmache entgegenzustellen. Das erfordert echten Mut und keinen Gratismut, wie wir ihn in regierungsideologischen Kreisen à la Jan Böhmermann erleben. Doch diese Haltung, diese echte Haltung, ist jetzt mehr denn je notwendig. Unser Land läuft sonst Gefahr, zu einem ideen- und identitätslosen Sammelbecken für Glücksritter zu werden, die seine Gutgläubigkeit schamlos ausnutzen. Es ist an der Zeit, aktiv an die Dinge heranzutreten und sie politisch mitzugestalten, statt in der Rolle des Rückzugs und der Passivität zu verharren. Das erfordert die metapolitische Arbeit des Vorfeldes, denn nur diese vermag eine notwendige gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. Diese Arbeit allein einer Partei zu übertragen, wäre verkürzt, sie nur auf aktivistische Felder zu implementieren ebenso. Daher braucht es eine ganzheitliche Verzahnung und stabile Bande zwischen Politik, Bewegung, Marketing und sonstiger metapolitischer Arbeit.

Nie war eine nationale mit unseren Traditionen verwurzelte Identität wichtiger als heute. Und die finden wir nicht nur im Herzen unseres Landes, auf seinen Straßen, in seinen Parlamenten und in unseren Bewegungen.

Requiem auf unsere verlorenen Ideale

„Der Traum ist aus.“ (Rio Reiser)

Sagen Sie mir: In welchen Zeiten leben wir eigentlich? Oder um die Frage weniger rhetorisch klingen zu lassen: Ist Ihnen nicht längst schon bewusst, dass irgendwas, wie dieses irgendwas auch immer aussehen mag, fehlt? Wir leben in einer Welt des Scheins, in der das Produkt selbst wichtiger geworden ist als jene, die es konsumieren. Gleichzeitig sind wir, wenn überhaupt, nur wichtig als Konsumenten, als getreue Produktevangelisten, die in ein System hineinsozialisiert werden, das die absolute Freiheit suggeriert, ohne nur eine Ahnung davon zu haben, was echte Freiheit eigentlich ist und was sie bedeuten würde. Denn der Wert Freiheit wird verklärt zugunsten eines dem gerade gültigen Narrativ folgenden Beißreflexes, der weder reflektiert, noch mit echten Werten daherkommt. Das Narrativ selbst entlarvt sich bei genauerem Hinsehen als eine plumpe Erzählung – von Corona, vom Ukraine-Krieg, von der Klimakrise und so fort – die auf Emotionalität und Verkürzung, statt auf Objektivität und Erklärung setzt. Die Erzählung wird zum Produkt, zur komischen Oper, mit Anfang, Mittelteil und einem Ende. Erzählt wird diese Erzählung von gleichgeschalteten Medien, die ihre Aufgabe darin sehen, den gesellschaftlichen Status Quo zu erhalten und zu stabilisieren. Sie bestimmen das, was erzählt wird genauso wie die Art des Erzählens selbst. Es geht ums Erzählen, nicht um die Wahrheit.  

Die Tragik in unserer Zeit ist nun, dass wir selber völlig verlernt haben, dieses Schauspiel des Gesamten zu entlarven. Die Mehrheit erkennt nicht, dass das Leben in der materialistischen Warenwelt, in der alles eine Ware und eine Ressource darstellt, alles verfügbar, immer und zu jeder Zeit, ein Trugbild ist. Wir hechten ihm nach wie einer Fata Morgana, ohne dies selbst wahrzunehmen, außer vielleicht, wenn wir eine tiefe innere Leere spüren, die uns manchmal übermannt.

Wir wissen es längst nicht mehr und haben vergessen. Vergessen wie eine authentische Welt aussehen könnte – eine Welt, in der nicht der Konsum zum goldenen Kalb ernannt wird und wir alle dessen gläubige Jünger sind. Dieser Konsum ist so sehr in unser Innerstes vorgedrungen, dass wir ihn zur neuen Religion erwählen ließen und wir nehmen die Folgen billigend in Kauf.

Wissen wir denn überhaupt noch, wer wir sind oder sind wir längst Getriebene innerhalb eines Strudels der Oberflächlichkeit, in dem Besitz und Prestige mehr zählen als die Ratio, als das menschliche Sein und die Sinnlichkeit? Denn die Sinnlichkeit als unmittelbares Erleben und als Erfahrung unserer Umwelt, als die Wahrnehmung dessen, was uns umgibt, ist uns ebenfalls abhandengekommen, wurde ersetzt von einem Bildschirm, der uns Lebendigkeit vorgaukelt. Eine stupides Surrogat ist das – mit Influencern, den im Enddarm der kapitalistischen Produktionskette steckenden  Seelenverkäufern, die selbst die Opfer einer sich von sich selbst entfremdenden Scheinwelt sind. Übersättigt und realitätsfern, weit weg vom Leben selbst, spiegeln sie nur die Idee eines „Lebens von“, eines surrealen Entwurfs, überzeichnet wie in einem Gemälde von Salvador Dali. Doch möchten wir wirklich in einem Gemälde, in einem mit Filtern weich gezeichnetem Stilleben leben, in dem immer gelacht und – wenn – nur öffentlich geweint wird?

Wir verharren und verkrusten in einem „Immer weiter so“, in einem gesellschaftspolitischen Perpetuum mobile, mit politischen Repräsentanten, die keine Ahnung von dem haben, was ihr Tun oder Nicht-Tun bewirkt, weil sie weder moralisch noch gesellschaftlich verantwortungsvoll, stattdessen eindimensional und verantwortungslos handeln. Was repräsentieren sie, wen repräsentieren sie? Das Volk und dessen Interessen sind es nicht. Denn ferngesteuert von einem entrückten Global-Kapitalismus sind Warenströme und der Dauernachschub von A nach B und von West nach Ost wichtiger als jedes politisch vernünftige Ziel. Inklusive all der vielen transatlantischen Verflechtungen und Obligationen, die die zahnlose Riege der berufspolitischen Heerestreiber einging, um bittend und bettelnd an der Zitze des US-imperialistischen Systems zu saugen. Treu doof. Treu bis in den Tod der eigenen Soldaten. Opportun, flach und ohne hehre Ziele, außer dem der eigenen wirtschaftlichen Vollversorgung.  

Doch die Menge wählt sie trotzdem, weil auch die Polit-Darsteller Produkte der Medienindustrie sind, Produkte, die konsumiert werden: morgens beim Zeitungskauf oder abends im Internet. Aber eigentlich ist jedes Wort, das über sie, z. B.  eine Frau Baerbock, gesagt wird, verloren, weil dieses Personal austauschbar und unsagbar verräterisch ist. Unter seiner Ägide wird das Volk verraten und verkauft, und die Menge applaudiert und meint „he/she did a great job“, wenn Frontbesuche abgestattet werden und mit aufgesetzter Miene Traurigkeit vorgetäuscht wird, während andernorts Deutschland als bestens organisierter Rüstungsexporteur Frauen, Kinder und Männer ins Jenseits schießt und bombt. Eine pseudo-politische Kaste ist das, die Politik nicht macht, sondern in einem bereits vorgegebenen, in einem abgesteckten Claim der wirklich Mächtigen agiert und vorgibt, selbst mächtig zu sein.  

So zutiefst verlogen und amoralisch ist dieses System, dass es an einer Stelle von Moralität spricht, die es an anderer Stelle mit den Füßen tritt. Wichtig ist, dass wir alle mitmachen, dass wir alle betroffen sind, wenn diese Betroffenheit im Sinne der Regierenden ist. Einmal wieder die Ukrainische Flagge hochhalten, bitteschön, und am besten noch zig Tonnen Waffen liefern. Selbst eingefleischten Pazifisten wird das Putin’sche Feindbild so lange mit Hammer und Meißel in den Kopf gehämmert, bis diese bei einem Ringtausch an eine Heirat denken. Putin ist Böse, Selenskyj ist gut: Dieses zweigeteilte Weltbild ist es, was der schnöde Pöbel versteht und was man ihm vorsetzt als lauwarmes Kantinenessen.

Doch, wer kann ihm diesen Konformismus zum Vorwurf machen? Die Menschen der westlichen Hemisphäre  wurden ja reinsozialisiert in dieses System der „schönen neuen Welt“, wir wurden im Frontalunterricht nach wilhelminischem Vorbild auf Kurs gebracht. Zweigeteilt war die Welt für die meisten Rezipienten unseres Bildungssystems doch schon immer. Ein Bildungssystem, das die akademische Ausbildung als oberstes Ziel ansieht, gleichzeitig das Individuum so schnell wie möglich dem Markt zuführen möchte – als Human Ressource Mensch. Ausbildung statt Bildung, Gleichschaltung statt Individualität: Da schadet zu viel Freigeist nur, denn in einer Welt des globalisierten Konkurrenzdenkens sind andere Skills gefragt. 

Ganz egal was, das Kind soll studieren. Erst mal. Kein Wunder, dass die Bildungsindustrie allerlei phantasiereiche Studiengänge aus der Retorte hob. Vorbei die Zeiten, in denen man sich einer Profession oder einem altgedienten Fach oder einem Lehrberuf verschrieb. Alles und jeder soll heutzutage studieren, ob er will oder nicht, egal, ob er es weiß oder nicht, und wenn der Studiengang auch „Historisch orientierte Kulturwissenschaft“ oder gar Betriebswirtschaftslehre heißt. Es gilt, sich durch die akademische Bildungslandschaft zu mäandern, im vorberuflichen Wartesaal der verlorenen Träume, komme, was wolle. Wer braucht da schon Handwerk, wer braucht da schon Verkäufer, wer braucht da schon Pfleger? Das ist wohl der größte bewusst herbeigeführte Irrsinn unseres Bildungssystem: die einseitige Ausrichtung auf eine universale Akademisierung – von der Grundschule an. Dies führt nicht nur zu einer Verflachung der Lehre wie Adorno schon feststellte, sondern zwangsläufig auch zu Nachwuchssorgen – in allen anderen Berufsfeldern. Die Geister, die man rief. Und importieren müssen wir die echten Fachkräfte – so geht ja die Mär – von anderswo her.  

Sind wir erst einmal in dem bildungspolitischen Hamsterrad, hat uns die daraus resultierende Gesellschaftsordnung sehr schnell vereinnahmt. Eine Sozialisation zum Egomanen, zum Narzissten ist die Folge. Die „Zöglinge“ gehen so inhaltsleer und teilnahmslos aus dieser hervor wie die Generationen der letzten achtzig Jahre. Dieses Individuum kämpft für nichts als sich selbst, vertritt vielleicht nur einen schalen Beigeschmack der Werte, die früher, irgendwann einmal, gelebt worden waren. Die große Symbolik wird nur auf Social Media gelebt, die große Symbolik setzt an der Oberfläche an – und verharrt auch dort. Denn die „Jungen“ lassen sich wunderbar instrumentalisieren und vor den machtpolitischen Karren spannen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ganz nach dem Motto: Sind wir mal gegen Autorennen, weil das nicht gut fürs Klima ist, aber so ein bisschen Krieg gegen einen russischen Bösewicht, das muss sein.

Wer sagt, Teile der Jugend seien politischer als früher, dem kann ich nur entgegnen: Das, was da als politisch daherkommt, ist nichts anderes als ein realitätsfernes postpubertäres Aufbegehren, eine Haltung der Vorhaltung, ohne eigene positive Impulse. Größtenteils jedenfalls. Oder denken Sie, die juvenilen Krieger fürs Klima würden auch dann noch Abstriche bei sich selbst machen, wenn sie es wären, die die Steuern zahlen müssten, die sie fordern, wenn sie es wären, die eine Frau und fünf Kinder ernähren müssten, wenn sie es wären, die auf einen Arbeitsplatz in der Industrie angewiesen wären? Kurz gesagt ist es eine übersättigte Kaste an Wohlstandskindern, die sich das Fordern überhaupt erst leisten kann.

Doch was ist eigentlich deren Ziel? Wollen sie die Gesellschaft wirklich zum Guten verändern – Ansätze davon gibt es einige – oder geht es ihnen eher um das Schock-Momentum, darum, der breiten Masse den moralischen Zerrspiegel vorzuhalten, damit sich die alten weißen Männer mal richtig betroffen fühlen? Ich denke, es geht den Demonstrierenden jedenfalls nicht wirklich um das „Wohl der Menschheit“, sondern darum, sich selbst moralisch reinzuwaschen. Ihnen ist nicht oder nur teilweise bewusst, dass sie sich damit zu den Erfüllungsgehilfen globaler Konzerne machen, die nun endlich die Chance sehen, durch das Greenwashing ihrer Produkte, noch mehr Gewinne zu erwirtschaften.  Das Öko-Narrativ als Gelddruckmaschine, als Möglichkeit, die Masse zu Drangsalieren.  So einfach ist das.

Wir sind entrückt von uns selbst und merken es nicht mal, gefangen in einer Gegenaufklärung, die sich nur um sich selbst dreht – feingranular, irreführend, betäubend. Der Schutz der gesellschaftlichen Minderheiten ist in den Fokus gerückt, während dem Schutz des gesellschaftspolitischen Ganzen kein Platz mehr eingeräumt wird. Wir alle müssen so tolerant sein, ob wir wollen oder nicht. Ist das nicht zutiefst intolerant? Gendern wir uns irgendwann alle zu Tode?

Was, wenn ich nicht auf der Regenbogen-Welle mitsurfen wollte, wenn ich eine gewisse Form des Konservatismus durchaus guthieße, wenn ich nicht nur Putin als den einzig Schuldigen im Ukraine-Konflikt betrachtete, wenn ich fände, dass ein Staat Grenzen braucht, wenn ich der Meinung wäre, dass die Corona-Politik Deutschlands in weiten Teilen falsch und suppressiv gewesen wäre? Na, dann sollen Sie aber mal sehen, wie tolerant unsere Gesellschaft wirklich ist. 

Es kommen enorme gesellschaftliche Verwerfungen auf uns zu und zeigen sich bereits in ihren Anfängen. Dass jene, die sich da Regierende nennen, nicht mit adäquaten Antworten und – was wichtiger wäre – mit Problemlösungen reagieren, attestiert ihnen einmal mehr ihre Unfähigkeit. Indem jeglicher Prozess als monokausal (z. B. „die Inflation haben wir wegen des Ukrainekrieges“) und unausweichlich („alternativlos“ sensu Merkel)  „von außen“ kommend deklariert wird, spricht man sich als politisch Agierender von jeglicher Verantwortung frei und kann ungestört weiter in seiner Machtblase tönen. Und der Pöbel lässt es  zu.

Lässt es zu, als Bärbock’scher und Habeckscher Prellbock herzuhalten, für hohe Steuern, für unsinnige Sanktionen, die uns schaden, für Benzinpreise, für schwindende Sozialleistungen, die niedrigsten Renten in Europa, für ungebremste Zuwanderung, für Auslandseinsätze der eigenen Soldaten in Ländern, in denen sie nichts verloren haben.  Denn eigentlich ist uns das ja alles egal, wir sind träge, gesättigt, degeneriert und leer. So leer sind wir, dass wir nicht mehr erkennen, wer uns gut gesonnen ist und wer nicht, längst können wir die Welt nur noch in Schwarz und Weiß wahrnehmen – es gibt keine Nuancen dazwischen.

Alles, was inhaltlich ein Talk-Show-Format übersteigt, können wir nicht mehr erfassen, wir sind angewiesen auf gut bezahlte Tagesschau-Kommentatoren, die uns ihre Welt erklären, aufs Polarisieren, aufs Diskreditieren und auf das gedankenlose Wiederkäuen der Standpunkte der anderen, ohne eine Haltung zu etwas zu haben, die auf Erkenntnis fußt. Anne Will es, dann soll sie es haben und wenn Markus eine Lanze fürs Establishment bricht, so ist der TV-Abend mal wieder gerettet. Da darf auch ruhig einmal ein Schlipsträger über die Möglichkeit eines Atomkrieges sinnieren, ohne unmittelbar und aus gutem Grund aus der Sendung geschmissen zu werden. Let us entetain you – auch wenn aus der Unterhaltung schnell Ernst werden könnte.

Mit der Materialisierung der Welt ging ihre Entgeistigung einher – und damit wiederum die Verbannung der unmittelbar sinnlichen Erfahrung des Seins. Wir haben verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören, auf eine in uns gereifte und evolutionsgeschichtliche Instanz der Vernunft. Eine Entnaturalisierung hat Einzug gehalten, ein inneres Vakuum sich gebildet, das mit Ersatz gefüllt werden will – mit dem Kick, dem Happening, dem Event, dem Amüsement als Mittel der Zerstreuung. Wir verlieren uns und haben sogar Spaß daran, denn eigentlich wollen wir uns gar nicht finden. Religion – ein Vakuum. Bindung – lästig. Beziehung – nur bei schönem Wetter.

Alles und jeder will frei sein, doch in Wahrheit ist jeder halt- und bindungslos, gefangen in einem gottlosen Paradies, in das wir gar nicht wollten. Und vielleicht ist es ja diese Gottlosigkeit, die uns die Träume geklaut hat oder die Idee davon, wie ein besseres Leben hätte aussehen können. „Der Traum ist aus“, sang Rio Reiser damals, aber was, wenn wir ihn schon längst aufgegeben haben zu träumen?

Wir sind Getriebene, die es nicht mal mehr wissen, wohin die Reise geht, ist uns völlig egal. Anders lässt sich diese echte politische Teilnahmslosigkeit der breiten Masse, die selbstgerecht im eigenen Sud dahinköchelt, wirklich nicht mehr erklären. Politische Teilhabe meint dabei nicht einmal, das Philosophien im akademischen Elfenbeinturm, sondern ein echtes Interesse zu haben, was uns umgibt, was wir uns und unseren Kindern aufbürden und die Bereitschaft, dies selbst zu verändern. Nichts ist im Leben alternativlos, außer der Tod. Doch wollen wir schon zu unseren Lebzeiten die Walking Dead sein? Zeigt uns nicht ein Blick ins politische Tagesgeschehen, dass dies, was hier passiert nicht „gut“ sein kann? Doch außer einem stillen Groll in uns selbst und einer weiteren repräsentativen Demo wird nichts geschehen. Wir verharren, statt zu handeln, reden, statt zu tun.   

Was wäre also nun, wenn an die Stelle dieses Vakuums ein wirklich starker neuer „Führer“ treten würde? Wie auch immer diese Macht aussähe? Wären wir für dessen Worte nicht empfänglich? Würden wir ihn nicht genauso gewähren lassen wie  unsere sogenannten Politiker jetzt? Das scheint wohl unsere Natur zu sein, der Wunsch zur Unterordnung, die Degradierung zum Befehlsempfänger – das hat ja nicht erst Corona gezeigt. Wir wollen aufgehen in der Menge, ein Teil von ihr sein, individuell nur im Kleinen, uniform im Großen. Wir verharren. Was da auch kommt. Wer da auch kommt. Wir sind die Walking Dead. Laufen wie die Duracell-Hasen von da nach dort, ohne Heimathafen, immer auf der Suche nach Geborgenheit in einer verlorenen Welt der Masken, in einer Welt der Waren, in einer Welt, in der wir uns fremd und zugleich zu Hause fühlen. Alles ein Surrogat, Artefakte einer dekadent gewordenen Zeit, die sich selbst in ihren Superlativen überholt. The dream is over before it has started.