Gegen den akkustischen Klangsalat von Katy Perry und Co.

Es ist schon frustrierend: Wenn ich das Radio einschalte und mit dem von unseren Gebühren bezahlten sogenannten musikalischen Programm berieselt werde, kriechen die immer wieder gleichen Klänge der Top-Twenties in meinen Gehörgang, um sich in den neuronalen Netzen meines Gehirns ein lauschiges Plätzchen zu suchen. Nicht etwa, weil das medial verbreitete Convenience Food qualitativ so überragend wäre, sondern weil diese Massenkost profilloser ist als das Wahlprogramm von FDP und CDU zusammen und damit einprägsamer – leider.

So erweckt beispielsweise ein Bon Jovi schon über Jahrzehnte mit den immer gleichen, nichtssagenden Seusel-Sounds den Anschein, ein echter Rocker zu sein, während tausende sexuell frustrierter Hausfrauen dem kleinen Italo-Amerikaner das dann dankend abkaufen. Eine Katy Perry und Bands wie Blue und Co. reihen sich schamlos in die Riege musikalisch weichgespülter, synthetischer Filtrate der Musikindustrie ein und MTV, VIVA und andere musikwirtschaftlich gesponserte Sendeanstalten vermitteln uns, dass es sich bei diesen kleinen Sternchen wirklich um echte Stars handele – welcher Irrglaube.
Irgendwie scheint sich das musikalische Treiben auf den vorderen Rängen der Charts in zwei große Lager zu spalten: Die nichtssagende, immer gleich klingende Gute-Laune-Abteilung und die pseudo tiefgründige „Es ist alles so tragisch, aber wir können eh nix dran ändern“-Fraktion à la Unheilig, die ihre Gesellschaftskritik aufs Notwendigste beschränkt und damit reichlich konformistisch wirkt.

Nein: Musik muss ja nicht immer gleich Biermann-like sein, es geht auch ganz unpolitisch. Eher ist es die Wiederholung der immer gleichen Titel, während die von sich so überzeugten Sender mit Einspielern dann echte Programmvielfalt suggerieren. Mein Gott: Und das Schlimme daran ist, dass viele Hörer ihnen das auch noch glauben und im Worst Case in den Handel rennen, um sich die inhaltsleeren Klangschablonen noch zu kaufen.

Ich möchte nicht alles schlecht reden, was da musikalisch so verzapft wird. Aber warum zur Hölle, lassen diese Sender immer wieder das Gleiche laufen? Haben die kein Archiv, machen die sich nicht die Mühe, in den Keller zu gehen, um dort nach auditiven Schätzchen zu suchen oder will der Durchschnittshörer einfach nicht mehr, als seinen Gehörgang auf einem kaugummihaften Klangteppich auszuruhen? Irgendwie kommt mir da Marx in den Sinn: Musik ist wie Opium fürs Volk – oder wie war das nochmal …

Ach ja: Über das oft selbstbeweihräuchernde Gesülze selbstverliebter Radiomoderatoren und -innen habe ich mich in diesem Blog ja bereits ausgelassen – daher an dieser Stelle nicht mehr davon. Nur eines vielleicht: Nein, Ihr braucht euch nicht in offenen Briefen, die obendrein noch voller Rechtschreibefehler sind, öffentlich zu irgendwelchen Plattitüden eures Privatlebens zu äußern. Nein, mich interessiert es nicht, was Eure beste Freundin euch bedeutet oder was Euer Chihuahua gerade macht oder ob Ihr euch gerade ne Flasche Wasser übergegossen habt. Bitte, bitte: Legt doch einfach mal bessere und abwechslungsreichere Musik auf, das wäre doch schon was.

Und bis dahin? Machen wir unser Programm einfach selber und lauschen den Klängen unseres alten Mix-Tapes, da gibt`s statt monotonen Klang- höchstens mal Bandsalat… Guten Appetit.

Autor: Andreas Altmeyer

Autor, Werbetexter, Gegen-den-Strom-Schwimmer

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