Die RKI-Files. Ein Kommentar.

von Andreas Altmeyer

All jene, die sich damals bereitwillig den Corona-Maßnahmen unterordneten, sie als gottgegeben anbeteten, sie als neues Evangelium einer klinischen Staatsreligion empfingen. All jene, die Andersdenkende stigmatisierten, sie verurteilten ob ihrer individuellen Haltung, einer Haltung, die mehr Stärke zeigte als jene anderen werden je aufbringen können. All jene Nachläufer, die sich auf der richtigen Seite wähnten, sich gerne hinbogen und andere brachen, die Freundschaften beendeten und sich wie Lemminge in einem Gedankenkäfig aufführten. All jene, die dem Staat und seinen demokratieverachtenden Maßnahmen huldigten, die die Entrechtung von Menschen lobpriesen, die die neue Normalität als gegeben hinnahmen, die die nächsten Menschen alleine sterben und vor sich hinvegetieren ließen. All jene, die zwei Jahre des sozialen Lebens ihrer Kinder bereitwillig verschenkten und sich vom Massenwahn betäubt, dumpf ein unausgereiftes Produkt in die Venen jagen ließen. All jene Menschenfeinde, die vorgaben, unsere Freunde zu sein, die Helfer und Helfershelfer einer politischen Kaste, die von der Macht des absoluten Gehorsams berauscht und vom antidemokratischen Möglichkeitsraum begeistert waren. All jene, die die Impfkritiker mit der inflationären und inhaltsleeren Nazi-Keule erschlugen, die mutige Richter denunzierten und ihre Nachbarn auch. All jene, die als Politiker ihren Eid vergaßen und machtversessen und imperialistisch unsere Demokratie verrieten. All jene, die mit dem neuen Evangelium der Pandemie Geschäfte machten, von der Angst der Masse profitierten und als neue Messias gepriesen wurden. All jene, die an Stammtischen am lautesten schrien und stolz verkündeten, sie seien schon dreifach geimpft. All jene, die jetzt behaupten, es wäre doch alles gar nicht so schlimm gewesen, man hätte ja nicht wissen können dass, und man nicht gewollt, dass. All jene, die sich reinwaschen von ihrer Schuld, die damals unmündig waren und jetzt auch. All jene stupiden Befehlsempfänger, die Menschen gängelten und ihre subjektive Angst auf sie objektiv projizierten. All jene Machthaber, die sich im Recht wähnten.

Wir werden nicht vergessen. Wir werden nicht verzeihen. Denn wer die Enthebelung des Rechtsstaates verzeiht, der macht ihn zu einem Unrechtsstaat. Die juristische Verfolgung derjenigen, die am lautesten schrien, die Talkshows für ihre Mediengeilheit missbrauchten, die damals Kontaktverbote erließen, Ausgangssperren wider besseres Wissen verhängten und konformistische Medien, die alle Kritiker zu Verrückten erklärten und sich damit mitschuldig machten – wir werden nicht vergessen. Ihr seid schuldig. Schuldig an den wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Folgen eines Ausnahmezustandes.

Die RKI-Leaks, die teilweise noch geschwärzt sind, sind nur der letzte Schritt in der Kette der Beweissicherung. Dass jene, die all das mutmaßlich zu verantworten haben, noch im Amt sind, ist unverzeihlich. Die entmündigte Masse, die sich von der Regierung sogar diktieren lässt, gegen was und wen sie zu demonstrieren hat, ist das Zeichen einer entpolitisierten Mainstream-Gesellschaft, die weder weiß, was es heißt „rechts“ zu sein, noch „liberal“ oder „links“. Die Lemminge des Politik-Geschmeiß sind die multipel-verwendbaren Mitläufer in einem staatssozialistischen Gesellschafts-Experiment, gegen das wir uns wehren müssen.

Denn dieses hat Tür und Tor geöffnet für die Entrechtung von Menschen, wie man sie nicht mehr für möglich gehalten hätten. Die Geschichte wird dies festhalten. Die Entschwärzung der RKI-Files muss erfolgen und zwar schnell. Nur auf diese Weise können die Rädelsführer der Entrechtung öffentlich gemacht werden, eine wesentliche Grundbedingung zur Strafverfolgung. Noch versucht die Impflobby die vielfach entstanden Impfnebenwirkungen auf den Staat abzuwälzen. Doch bald schon wird der Statt die Schadenersatzforderungen vermutlich an die Ärzte abtreten, denen man damals sagte, sie seien frei von jeder Haftung. Wenn das geschehen ist, werden sich die Funktionäre der Berufsverbände aus der ersten Reihe der Impfbefürworter davonstehlen. Allen voran Frank Ulrich Montgomery, einer der größten der damaligen Propagandisten. So schrill und neurotisch wie seine Forderungen, waren damals die zahlreichen angeordneten Maßnahmen. Da wurden spielende Kinder getrennt, selbst auf einer Parkbank durfte man nicht mehr zu zweit sitzen. Auch ihren letzten Weg mussten Sterbende in Hospizen alleine gehen, ohne Barmherzigkeit und christliche Nächstenliebe der ihnen nahestehenden Menschen. Wir werden all das nicht vergessen.

All jene Schweiger, Mitmacher und Die-politische-Kaste-Freisprecher („Sie wussten es ja auch nicht besser“), alle ihr Realitätsverkenner, Angsthaber und Neurotiker. Ihr habt doch mitgemacht, habt euch bevormunden lassen. Habt die Werte verraten, für die ihr so gerne stehen wollt.

Wir haben nicht zu verzeihen. Es geht nicht um Sünde, sondern um Strafverfolgung. Darum, jene einer gerechten Strafe zuzuführen, die sie juristisch verdienen. Das ist in erster Instanz keine moralische Frage, sondern eine strafrechtliche, die sich aus dem Spannungsfeld Tatbestand und Rechtsfolge ergibt. Der internationale Vertrag zur Pandemieprävention soll im Mai dieses Jahres in Kraft treten. Dies wäre ein nächster Schritt zur Entmachtung des Nationalstaates zugunsten der WHO. Dagegen müssen wir uns mit allen demokratischen Mitteln wehren.

Wenn uns Corona eines gelehrt hat, dann doch dies: Die Massenhysterie und massenpsychologischen Propaganda-Faktoren sind ebenso wirksam wie in der Vergangenheit. Mündigkeit, Toleranz, Realitätssinn und Respekt sind von der breiten Masse nicht zu erwarten. Leider.

Corona, Selbstaufgabe und die Sehnsucht nach Glauben

Das Eigentliche, was mich schier verzweifeln lässt, sind die gesellschaftlichen Eruptionen und Verwerfungen, die Corona zutage bringt.

Es ist nicht die Frage nach der Wirksamkeit der Impfung oder ihrer Nützlichkeit. Es ist die Bereitschaft so vieler, sich unterzuordnen, eines vermeintlich hehren Zieles wegen, der Wille zur unbedingten Unterwerfung, zur absoluten Gefolgschaft. Mir geht es dabei, das will ich klarstellen, nicht um die Fantasien derer, die an die Implantation eines Gen-Chips via Impfspritze glauben oder um ähnliche Kandidaten, die den einen Ismus gegen einen anderen eingetauscht haben. Mir geht es um die Tatsache, dass so viele Menschen verzweifelt an dem einseitigen Deutungsmuster eines Narrativs festhalten, obgleich sich die Repräsentanten dieses absolutierten Deutungsmusters, aber auch das Deutungsmuster inhaltlich selbst als eine einzig große Fehleinschätzung entpuppten.

Ich erinnere mich noch an die Zeiten der beginnenden Pandemie, in denen zu wenig Mundschutze vorhanden waren und die Bevölkerung, in dem Glauben an ein rasches Ende, diese in Eigenregie eifrig nähte. Es war die Zeit, in der man sogar noch Karneval feiern durfte und die Politiker – allen voran Jens Spahn – von keiner großen Gefahr durch Corona ausgingen. Damals flogen auch noch regelmäßig Passagierflugzeuge aus dem Iran in Frankfurt ein, obgleich man von einer Seuche namens Corona wusste, die im Mullah-Staat heftig wütete. Viel wurde nicht getan, stattdessen verharmlost und beschönigt. Dann, im März 2020, der heftige Schwenk. Nun war Corona, so viel stand fest, eine gefährliche Seuche. Es galt das Credo „flatten the curve“. Die Verbreitung der Infektion sollte möglichst langsam vonstattengehen – die Infektions-Kurve also flach gehalten werden. So die Theorie. Es folgte ein weiterer Schwenk auf den R-Wert, dann schließlich jener auf die Inzidenz und ganz allmählich kam das, was man noch am Ehesten als ein Abdriften in die biologisch-medizinische Sphäre bezeichnen kann – still, aber behände. Mit diesem Abdriften in einen für die Allgemeinheit neuen Kosmos ging gleichzeitig auch die Einführung eines ziemlich fachlich klingenden Vokabulars einher, das sich zusehends schnell ins Alltagsleben schlich. Denn schon Wittgenstein wusste ja, dass man über alles, was man nicht sprechen kann, schweigen soll. Für den Corona-Kosmos hatten wir rasch die richtigen Wörter, einen funkelnden semantischen Horizont. Gott sei Dank.

R-Wert und Inzidenz waren uns durch die allgegenwärtige Medien-Präsenz so schnell vertraut wie der morgendliche Gang zum Bäcker und gehörten, weil sie ja wichtig sind, zu den Nachrichten wie der Wetterbericht. Was immer mehr in den Hintergrund rückte, war, dass die Corona-Pandemie in Deutschland mit einer Verkettung von Fehlentscheidungen begann. Wie gesagt: Mundschutze musste man sich damals noch selbst nähen, auch Desinfektionsmittel war, soweit ich erinnere, nicht ausreichend vorhanden. Doch statt den politischen Entscheidungsträgern eine gewisse Unfähigkeit zu attestieren und sie folgerichtig aus ihren entscheidenden Positionen zu entfernen, hörte ich immer wieder entschuldigende Worte – und zwar seitens vieler potentieller Wähler. Was mich damals schon wunderte, war dieser erste Hauch von Gläubigkeit, den einige Menschen anklingen ließen. Sie fragten erst gar nicht danach, wie denn ein so gut vernetztes und auch nachrichtendienstlich bestens aufgestelltes Land wie die Bundesrepublik keine Erkenntnisse über eine drohende Seuchengefahr hatte im Vorfeld ermitteln können. Dieses Absorbieren des Gegebenen war für mich ein erster Hinweis darauf, dass Menschen in Zeiten einer heraufziehenden Krise, in Zeiten des Ungewissen, an starken Führern mehr gelegen ist als an deren tatsächlicher Kompetenz, eine Krise adäquat bewältigen zu können.

Daran änderte sich auch im weiteren Verlauf der Pandemie nichts – als wir von Lockdown zu Lockdown hechteten, eine Taktik, die wissenschaftlich mehr als umstritten ist (vgl. hierzu die Studie von John Ioannidis, Standford). Nun: Ganz gleich, wie man zu den Maßnahmen stehen mag, hat mich von Anfang an doch sehr verwundert, mit welcher Gleichgültigkeit die einen ihre Freiheitsrechte aufgeben, andere sogar ein immer härteres Vorgehen des Staates verteidigen und schlimmstenfalls ein Mehr davon fordern. Mich interessierte insbesondere die Motivation hinter einer solchen Forderung.

Wollen wir diese Motivation ermitteln, so denke ich, dass wir den neuen Gesundheitsbegriff analysieren müssen, dem die staatlichen Interventionen zugrundliegen. Dieser wird in erster Linie bestimmt durch ein biologistisches Bild des Menschen, der nach diesem entweder krank mit dem Virus oder gesund ohne den Virus ist. Der Gesundheitsbegriff ist weder moralisch, noch sozial-psychologisch inspiriert und betrachtet den Menschen lediglich als potentiellen Träger eines Virus. Etwas böswillig könnte man ihn, den neu konnotierten Gesundheitsbegriff, als kapitalistisches Gewächs bezeichnen, das amoralisch auf den Gesamtorganismus Gesellschaft blickt, ohne dessen einzelne Organe wertzuschätzen. Um die Funktionalität des Gesamtsystems zu gewährleisten, werden einschneidende Maßnahmen ohne Wenn und Aber gerechtfertigt, da sie per Definition unerlässlich sind.

Es geht damit um einen rein verkürzten und quantifizierenden Gesundheitsbegriff, der lediglich in biologisch gesund und ungesund unterteilt. Diese Dualität „biologisch ungesund – gesund“ muss man verstehen, denn nur unter ihrem ideologischen Dach lassen sich viele erlassene Maßnahmen der Regierung vereinbaren sowie das akzeptierte Deutungsmuster nachvollziehen.

Nun haben jene Menschen, die den Maßnahmenkatalog der Bundesregierung – und damit auch die Bundesregierung – verteidigen, nicht nur diesen dualistischen Gesundheitsbegriff verinnerlicht, sondern auch die Sprache, in der sich das Phänomen-Corona vollzieht. Sie haben sich für diesen einfacheren Weg entschieden. Dies mag viele Gründe haben. Nun erreicht das genrell gültgige Deutungsmuster mit der Impfung allerdings eine neue Dimension.

Denn die Impfung galt und gilt noch immer als der Königsweg, der uns heraus aus der Pandemie führt. Nun steht aber seit einiger Zeit fest, dass auch die Impfung nicht so lange wirksam ist wie gedacht, dass sie an der Übertragung der Corona-Viren von Mensch zu Mensch so gut wie nichts ändert, sondern bestenfalls und immerhin den Verlauf der Krankheit mildert. Kurzum: Die von der Politik so gepriesene Bio-Technik weist erste Schwächen auf. Statt spätestens jetzt nochmal den Sachverhalt in Ruhe zu reflektieren und vielleicht auch einzuräumen, dass die Impfung nicht das hielt, was sie – sensu Politik – versprach, wurde ein neuer Sündenbock ausgemacht: die Impfgegner. Das verblüffte mich zusehends immer mehr.

Denn genau betrachtet ist die Impfquote in Deutschland gar nicht mal so niedrig, sondern liegt mit bis zu 75 Prozent deutlich im vorderen Mittelfeld. Wenngleich auch die Impfquote der hohen Inzidenzrate keinen Abbruch tat – genauso wenig wie die unbedingte Gläubigkeit vieler Menschen an den Impfstoff. Stattdessen wurde und wird die gesellschaftliche Spaltung immer weiter vorangetrieben, teils flankiert von aufpeitschenden Medien, und ich frage mich: Wie kann man eine solche unbedingte Gläubigkeit entwickeln?

Die Antwort liegt, denke ich, darin, dass der Glaube an die Gültigkeit eines wahr empfundenen Deutungsmusters sich als Kult verselbstständigt hat. Der Sachverhalt hat sich als „Glaube“ sozusagen entkernt von seinem eigentlichen Sinn und existiert qua Selbstzweck. Denn mittlerweile ist der „Glaube an die Sache“ wichtiger geworden als die tatsächlichen Fakten. Dieser Glaube vereint nicht nur sinnstiftende Elemente, der Glaube als solches vermag auch Hoffnung zu geben. Außerdem eint Glaube, indem er viele Menschen, die glauben, zusammenführt und gemeinsames Erleben schafft. Ebenso ist es bei jenen, die unreflektiert an das Narrativ der Spaltung glauben. Denn, um es mit Volker Pispers zu sagen: Wenn du weißt, wer das Böse ist, hat der Tag Struktur.

Doch wenn also der Glaube ans gültige „Deutungsmuster der Spaltung“ (geimpft – nicht geimpft) so ungewöhnlich stark ist, dann wird auch klar, warum die Gläubigen ihren Glauben so verteidigen. Ihnen geht es nicht um inhaltliche Richtigkeit, ihnen geht es auch nicht um Diskurs: Ihnen geht es um die Bewahrung ihres Glaubens selbst und die mit ihm verbundene sinnlich-unmittelbare Erfahrung. Denn würden die Säulen des Glaubens ins Wanken geraten, würde ihre Selbstaufgabe im wahrsten Sinne des Wortes offenkundig werden. Der Sturz ins psychologische Nichts wäre grenzenlos, da sie ihrem Selbstbetrug gewahr würden.

Wer das Selbst als solches aufgibt, muss sich in die Hände vermeintlicher Führer begeben und zahlt dafür den Preis des „reflektierenden Seins“. Er entfernt sich sozusagen immer mehr von seinem Selbst, spürt diese Distanzierung irgendwie, aber kann sie nicht genau benennen. Aufgrund einer starken Verdrängung lässt er also sein Selbstgefühl nicht zu, das ihm sagen würde, dass er falsch liegt oder ihn zumindest zur Reflektion anhält. Er entgeht quasi der Enttäuschung und kompensiert seine Ich-Schwäche stattdessen mit der Fixierung auf eine andere gesellschaftliche Gruppe, hier: die Ungeimpften.

Gleichzeitig entgeht er der Katharsis, Teil eines Systems zu sein, das seine Versprechen nicht einlöste und das strukturell nie im humanistischen Sinne auf ihn ausgerichtet war. Würde er sich dessen tatsächlich bewusst, so zöge diese Erkenntnis eine schwere Sinnkrise nach sich. Um eben dieser Sinnkrise auszuweichen, sucht sich der Gläubige (hier die Impfung) als Ersatz, huldigt ihr, egal, was kommen mag, als sinnstiftendem Teil der vermeintlichen Erlösung und Heilung.

In dem unbedingten Glauben an Heilung mag auch der phylogenetische Wunsch begründet liegen, dem Mysterium Tod zu entfliehen – dem letzten großen Mysterium, das der Mensch trotz der vollzogenen religiösen Entwurzelung nach der Aufklärung und der Technokratisierung des Lebens  nicht aufzulösen vermag. Und vielleicht kann eine Technokratie ja eben diese scheinbare Religiosität bieten, indem man sich ihr hingibt und als ihr Jünger wiedergeboren wird. Doch dies ist ein Irrglaube, kennt die Biotechnologisierung doch keine moralischen Kategorien, auch die Verheißung von Erlösung ist dieser fremd, der Einzelne nur „gut“, wenn er letztlich gesund und als Humankapital verwertbar, wenn er funktional nutzbar ist. Schnell sind wir dann bei einem Präferenz-Utilitarismus eines Peter Singer.

Doch auch die Gläubigen versuchen moralisch zu argumentieren: So zum Beispiel, dass es unmoralisch sei, sich nicht impfen zu lassen. Dies ist ein Scheinargument, denn eine Impfung ist weder moralisch, noch unmoralisch. Sie ist eine Entscheidung für das „Ich“ durch das „Ich“. Eine Entscheidung für die körperliche Unversehrtheit oder eben dagegen – und zwar ganz im Privaten. Fest steht: Wenn wir den Glauben an die im Menschen angelegte Menschenwürde ernst nehmen, das ist meine feste Überzeugung, so müssen wir ihm diese Entscheidung ganz persönlich überlassen.  

Doch die Allgegenwart des Phänomens Corona bietet, wenn wir so wollen, ihren Jüngern auch einen sekundären Krankheitsgewinn – und das schon als gesunder Gläubiger. Denn endlich kann man sich voll und ganz auf ein Thema konzentrieren, wird damit zwar permanent konfrontiert, hört aber dafür von so vielen anderen Themen nichts mehr – außer vielleicht vom nächsten großen Narrativ: der Klimakrise.

Was ist also zu tun? Nun: Wir sollten Fragen stellen. Fragen, die ergründen, wie es dazu kommen konnte, dass eines der best-organisierten und technokratisierten Länder wie Deutschland ein tragisches, aber dennoch überschaubares Mehr an Corona-Patienten auf den Intensivstationen kaum noch handeln kann. Fragen nach den Architekten eines solchen auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Krankenhaus-Systems. Einer dieser Architekten ist zweifellos Karl Lauterbach, er ist allerdings nur einer von vielen. Denn als Gesundheitsökonom trat er für Fallpauschalen und 2019 noch für massive Krankenhausschließungen ein.

Corona füllt, indem es für viele Menschen zu einem quasi-religiösen Kult wird, das religiöse Vakuum, das die Aufklärung und der postindustrielle Wandel mit sich brachten. Dieses geschieht jedoch nicht mit positiver Bestärkung, sondern mittels suppressiver Maßnahmen und Angst. Das ist auf Dauer, so viel ist sicher, alles andere als gesund.  

K wie Klimakrise

Gutes Klima ist prima. Auf diese einfache, aber prägnante Formel könnte man es herunterbrechen. Als ich gestern Abend über die Autobahn fuhr, hörte ich Radio. Währenddessen überholten mich einige SUVs, die sicherlich, was die Umwelt- und Klimafreundlichkeit betrifft, echte Unsympathen sind. Im Radio lachte derweil ein vom Staat gut bezahlter Moderator ins Mikrofon. Für die Nicht-Lateiner unter Ihnen: Dessen Berufsbezeichnung stammt vom lateinischen „moderātor“ ab, was soviel heißt wie „der Lenker und Führer“. Nomen ist omen. Er sprach davon, dass die Spritpreise, dabei lachte er tief von innen heraus, ja stiegen, aber der Sender, und das sollte die Pointe seiner witzig gemeinten Ansage sein, einem Hörer – respektive einer Hörerin – eine Urlaubsreise bezahle, wenn, aber nur wenn, er oder sie selbige gewänne. Nach seiner Aneinanderreihung der Konjunktive verdaute ich zunächst das Gehörte. Konnte es tatsächlich sein, dass dieser Staatsdiener, der sich, ob des ihm durch den sogenannten Service-Beitrag garantierten üppigen Gehalts, beileibe keine Sorgen ums materielle Dasein machen muss, so etwas Essentielles wie den Benzinpreis für eine flapsige Ansage missbraucht hatte? Ich fuhr daraufhin wohl doch ein bisschen schneller als sonst und verbrauchte mehr Benzin, als es mir lieb war.

Diese Flapsigkeit, dieser kommunikative Fauxpas ist, so dachte ich mir, doch ein Schlag in die Magengrube aller Menschen, die sich Tag für Tag mit dem Auto auf den Weg zur Arbeit – und im Idealfall wieder nach Hause – machen müssen. All jene Pendler, die auf den PKW angewiesen sind, deren Löhne aber nicht proportional zu den Spritpreisen steigen und die, früher oder später, in arge materielle Bedrängnis geraten. Über all jene Menschen macht sich dieser Pausenclown also lustig.

Doch dieser eine Moderator steht nicht alleine da mit seinen verbalen Unpässlichkeiten. Denn ich glaube fest daran, dass solche Äußerungen System haben, indem sie nämlich von beängstigenden Fakten ablenken, diese relativieren und ins Lächerliche ziehen sollen. Das Ausschweigen der Medien über eine solche Dissonanz – wie die des ins Nirvana kletternden Benzinpreises – ist ebenfalls eine bewährte Taktik. Dabei gäbe es eigentlich vieles, was man – mittels investigativem  Journalismus – thematisieren müsste. Das Faktum beispielsweise, dass der Benzinpreis sich zu über sechzig Prozent aus Steuern zusammensetzt und dass es niemand anderes als die Bundesregierung selbst ist, die dies zu verantworten hat. Der Benzinpreis wohlgemerkt, ist da nur ein Beispiel von vielen anderen.

Der gemeine Pöbel wird derweil von Narrativ zu Narrativ gejagt, und sieht sich Realitäten gegenüber, denen er nur noch passiv ausgeliefert ist, statt sie aktiv mitgestalten zu können. Klima, wissen Sie, das ist ein so schön abstrakter Begriff, dass sich über ihn quasi Verbote am laufenden Fließband generieren lassen – sofern diese Fließbänder dann ohne all die Kraftwerke, die ja in den kommenden Jahren abgeschaltet werden, überhaupt noch laufen.

Ja, ein ausgewogenes Klima ist prima, schrieb ich weiter oben. Doch die eigene Bevölkerung als einen in Geld gedrängten Punching-Ball zu verwenden, den man nach Belieben auspressen kann, das halte ich langfristig für sehr gewagt. Auch gewagt ist es, Entscheidungs-Spielräume – Stichworte: die Verbrenner sollen weg – einzuengen, während den Endverbrauchern keinerlei praktikable und finanziell darstellbare Alternativen – sind das E-Autos überhaupt? – aufgezeigt werden. Ich meine: Wo kommen denn die ganzen Rohstoffe für die Akkus her, bitteschön? Und der Strom fließt auch nicht mit Wind allein – jedenfalls noch nicht. Denn wenn der Wind nicht weht, dann auch das Windrad steht. Aber lassen wir derlei platte Reime, denn vieles bleibt da ungereimt. Wer grün handeln will, darf auch das menschliche Handeln nicht vergessen. Wenn wir jetzt, ganz schnell – denn just nach der Corona- ist ja Klimakrise angesagt – „grün“ handeln sollen, dann müssen wir das auch bezahlen können. Jeder einzelne Bürger. Sonst sehen diese nämlich „rot“ oder wählen früher oder später „braun“.   

Wo wir gerade bei Farben sind. Ich glaube, dass die Politik Morgenluft gewittert hat. Das Regieren im Top-Down-Prinzip, so wie in der Corona-Pandemie geschehen, bietet ihr wirklich ungeahnte Möglichkeiten – ganz egal, von welcher Ampelphase wir da sprechen. Aber noch sind die Kartell-Parteien ja dabei, die Beute untereinander aufzuteilen. Klima und Klanzler. Beides beginnt mit „K“, genauso wie das Wort Krise, wobei Frau Baerbock so gerne die erste Klimakanzlerin geworden wäre. Krise abgewendet, könnte man da sagen. Vorerst, denn der Gedanke daran, es könnte eine Klimakanzlerin Annalena Baerbock geben, weckt in mir unweigerlich seltsame Assoziationen an Kanzler Palpatine aus Star Wars. Vielleicht weil Annalena auch so gerne gehabt hätte, dass die Macht um jeden Preis mit ihr ist, und dabei auch deren dunkle Seite nicht fürchtet. Immerhin sondiert sie ja bereits mit der FDP.

Ganz gleich, wer regiert: Besser wird es für den Durchschnittsgeldbeutel nicht werden. Ergo: Selbst wenn der Mindestlöhner seine zwölf Euro pro Stunde bekommt, gibt er die paar Groschen mehr ohnehin an der nächsten Tanke wieder aus. Aber, was will er machen.  

Das Argument „gut fürs Klima“ wirkt eben so schön frisch und moralisch integer, dass jedes Gegenargument sowas von dagegen abstinkt. Nach dem Motto:  Du bist gegen steigende Rohstoffpreise? Du bist ja gegen das Klima und ein ganz Böser für die Erde, du Klima-Dissident. Ich sehe schon geheime Treffen von in Palästina-Schals gehüllten, aus Dosen Bier trinkenden, Diesel gefüllte Rasenmäher nutzenden, Diesel-PKW fahrenden Abtrünnigen vor mir, die sich samstags auf einem abgelegenen Feldweg treffen, ganz im Geheimen – um der alten Zeiten willen.

Was gerne vergessen wird, ist, dass es nicht nur ein Klima, sondern viele Klimas – und damit einen  furchtbareren Plural mehr – gibt. Das Gesellschaftsklima zum Beispiel, dem wir uns genauso wenig entziehen können, wie dem Wetter. Und eine Politik der Verbote führt  da unweigerlich in eine gesellschaftspolitische Warmzeit, in der sich die Gemüter aufheizen – auch wenn die Mehrzahl der Deutschen – noch – den Tiger an der Tankstelle im Tank lässt.

Der Radiomoderator lallte währenddessen etwas vom Wetter. Es soll sonnig werden, meinte er. Hat bestimmt etwas mit dem Klimawandel zu tun, dachte ich mir. Von links fädelte sich ein Porsche Cayenne-E-Hybrid  auf meiner Spur ein. Gutes Klima muss man sich schon leisten können.  

Gelungenes Statement: Die #allesdichtmachen-Kampagne

ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

53 Schauspielerinnen und Schauspieler, unter ihnen Heike Makatsch und Jan Josef Liefers, haben sich zum Ziel gesetzt, Kritik zu üben. In ironisch-bitteren Clips, die vor allem die Corona-Politik der Bundesregierung und die daraus resultierenden Folgen aufs Korn nehmen. Mit einer Kampagne, die polarisiert, aber nicht plump daherkommt: #allesdichtmachen.

Kaum waren die kurzen Videos veröffentlicht, folgten die mediale Häme und die systematische Demontage auf dem Fuße – teils von öffentlichen Medien, teils aber auch von Schauspiel-Kollegen, die sich prompt distanzierten. Sogar einige Teilnehmer der ironisch-sarkastischen Kampagne selbst, so auch Heike Makatsch, haben ihr Fähnlein wieder rasch Richtung Mainstream-Medien und damit Richtung Konformismus gedreht. Wes Brot ich es, des Lied ich sing. Schnell wurden die übrigen prominenten Gesichter von #allesdichtmachen in die rechte Ecke geschoben, schnell als unsolidarisch und völlig empathielos abgestempelt. Doch was zeigt das? Was zeigen diese systematischen Stigmatisierungen durch den Mainstream-Zeitgeist und seine Vasallen, z. B. die weitestgehend Panik statt Optimismus verbreitenden Medien? Das beweist letztlich doch nur, dass eine solche Kampagne, ein solches geschlossenes Statement längst überfällig, richtig und ein Stachel im Auge der Meinungsmacher ist. Denn Raum zur öffentlichen Debatte, Raum zum politischen Diskurs tut Not in diesem Land. Viel zu lange haben Künstler und sogenannte Intellektuelle geschwiegen zu einem Maßnahmen-Katalog, der weder verhältnismäßig, noch wirklich sinnhaft oder nachvollziehbar ist. Das sollte spätestens jetzt, im gefühlt zehnten Lockdown inklusive nächtlicher Ausgangssperre, auch jedem noch so unpolitisch denkenden Menschen klar geworden sein.

Doch das Virus des vorauseilenden Gehorsams und des Nicht-Reflektierens hat während der Corona-Krise auch gerade die sogenannte intellektuelle Kaste und jene, die sich dafür halten, befallen. Manche Liedermacher und selbst manche Philosophen werden da zu „Abnickern“, Befürworten und „Wegduckern“, die jede abweichende Meinungsäußerung als Schwurbelei und Verschwörungstheorie abtun. Wo sind die Rudi Dutschkes, wenn man sie mal braucht? Und was wurde eigentlich aus einer linken Bewegung, der ich ob ihres differenzierten Gespürs beigetreten bin, die Klasse der Herrschenden im Auge zu behalten und ihre Machtinstrumente zu analysieren? Doch links ist heute, wer „ja“-sagt, wer schweigt und eine Agenda mitträgt, die mit Kanonen auf Spatzen schießt und ungerecht ist. Schöne neue Welt.

Längst hat die politische Dimension von Corona die medizinische überholt, längst ist die Liebe der Herrschenden zum Autoritarismus spür- und erlebbar. Dass es beim Begründen derselben autoritären Maßnahmen nicht um Fakten geht, zeigen die Zahlen, so zum Beispiel auch die Studie von Prof. Ioannidis et. al. zur Unwirksamkeit von Lockdowns. Die Studie können Sie hier nachlesen. Auch rein juristisch betrachtet ist dies alles sehr bedenklich, gerade auch das neue Infektionsschutzgesetz, das wohl sicher und Gott sei Dank sowieso bald von Karlsruher Richtern kassiert werden dürfte.

Allein es bleibt die Frage offen, warum weiterhin an einem Kurs festgehalten wird, der die „MS Deutschland“ schon bald auf die Sandbank führt und die Mehrzahl ihrer Passagiere in immer größere „Seenot“ bringt. Aber wieder zurück zu #allesdichtmachen.

Diese gelungene Kampagne ist letztlich ein Brennglas, eine auflodernde Flamme, die zeigt, wie tief der Riss durch die Gesellschaft mittlerweile schon verläuft. Denn wo selbst die Kunst nicht mehr frei ist, sich von Autorität nicht distanzieren und sie nicht kritisieren darf, ohne dafür auf übelste Weise beschimpft zu werden, da ist der Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Meinungsfreiheit eigentlich gewährleisten soll, nur noch ein Schönwetter-Paragraph. Noch einmal: Viel zu lange wurde gerade von Seiten der Intellektuellen geschwiegen, wurde eine systematische Aufweichung des Grundgesetzes hingenommen, wurden Andersdenkende an den rechten Außenrand und so ins Abseits gestellt. Doch genau diese rhetorischen Keulen sind die Diskussionskiller, die jeglichen echten Meinungsaustausch schon im Keim ersticken.

Wer also die Kampagne nur deswegen abstraft, weil ihr einige AfD-Politiker Beifall klatschen, der hat das System der Demokratie nicht verstanden. Demokratie braucht keine Totschlag-, sondern konstruktive Argumente, die eine politische Debatte im öffentlichen Raum beleben. Und dieser erste Schritt ist mit der Kampagne getan. Nun liegt es an uns, was wir daraus machen, ob wir uns weiterhin medial passiv berieseln, ob wir die Angst regieren oder Optimismus walten lassen. Aber dafür ist es nötig, aus der Rolle der Passivität zu schlüpfen und sich nicht weiter zum Spielball der R-Werte und Inzidenzzahlen zu machen.

Letztlich müssen wir uns von dem Irrglauben verabschieden, dass wir da, aus der Krise, alle unbeschadet rauskommen, dass wir das zurückgewinnen, was wir als Normalität kannten. Diese Erkenntnis tut weh, sickert aber langsam in unsere Köpfe. Kein Impfstoff der Welt und keine noch so sinkenden Zahlen werden daran langfristig etwas ändern. Wollen wir uns wirklich so behandeln lassen? Ist die „Verlängerung des Lebens um jeden Preis“ wirklich lebenswert, macht dies unser Dasein aus? Oder ist das Leben mehr als die Summe seiner Teile? Ist Gesundheit mehr als das Verhindern einer Infektion? Über all das müssen wir nachdenken, Schlüsse ziehen, und daraus Handlungen ableiten.

Das gilt insbesondere auch für ein von den Medien bewusst verbreitetes Klima der Angst, das seit über einem Jahr ausschließlich Corona fokussiert und kein anderes Thema mehr kennt. Kein Wunder: Waren die Medien doch immer schon ein probates Mittel, um den Status Quo und die damit verbundene Meinungshoheit zu etablieren. Was dagegen hilft wusste übrigens schon Peter Lustig: Abschalten!

Noch ist uns das Recht zur freien Meinungsäußerung durch den Artikel 5 GG ipso iure gegeben. Aber wer weiß: Vielleicht wird auch noch dieser demnächst aufgeweicht und von einem weiteren sogenannten „Schutzgesetz“ ausgehebelt. Ganz auszuschließen ist das nicht.

Ich persönlich ziehe meinen Hut vor jedem einzelnen der Schauspieler und vor jedem, der dem öffentlichen Druck nicht nachgibt. Jan Josef Liefers hat in seinem Clip das Regierungsmantra sarkastisch pointiert: „Verzweifeln Sie ruhig, aber zweifeln Sie nicht.“ Im Gegenteil: Die Zeit des Zweifelns ist gekommen.

Ist das hier alles noch gesund?

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

Der Begriff „Gesundheit“ ist, wenn es auch auf den ersten Blick so scheinen mag, alles andere als leicht zu definieren. Gesund, das ist das Gegenteil von krank. So weit, so oberflächlich. Aber genau diese Oberflächlichkeit kennzeichnet das Niveau, auf dem gegenwärtig die gesellschaftliche Diskussion über das, was gesund ist und eben nicht, geführt wird. Denn dieses simplifizierende Narrativ geht von einem stets biologistischen Weltbild aus, reduziert den Menschen auf einen potentiellen Empfänger und Übeträger eines Virus, das wie aus dem Nichts über ihn hereinbricht.

In diesem Weltbild ist kein Platz für Besonderheiten, für menschliche Eigenarten, es unterteilt die Menge lediglich in A und B, in gesund und krank, quantifiziert, statt die menschlichen Qualitäten bei der Risikobewertung mit einzubeziehen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer.

Denn obgleich an allen Ecken, ob in der Pflege, beim Physiotherapeuten, beim Yoga oder beim börsennotierten Global Player, von einem ganzheitlichen Ansatz gesprochen wird, scheint eben darauf bei Corona keinerlei Wert gelegt zu werden. An einen ganzheitlichen, konzeptionell abgestimmten und gleichwohl maßvollen Ansatz ist hier jedenfalls nicht zu denken. Stattdessen scheint das Virus, allein das Virus, so sehr ins Fadenkreuz der Bundesregierung und dem ihr anhängenden Mediziner-Virologen-Appendix geraten zu sein, dass schlicht und einfach nicht über den Tellerrand geschaut und jedes maßvolle Handeln vergessen bzw. bewusst vermieden wird.

Vergessen wird leider auch, dass das Konzept Gesundheit mehr ist als eine Etikettierung, als das Labeln in gesund und krank. Und ja: Auch das Labeln selbst kann schon krank machen. Zum Beispiel wenn Schülerinnen und Schüler inmitten des Klassenraumes von nicht-medizinischem Personal getestet werden, und im Falle eines positiven Testes Spott und Häme ausgesetzt sind. Ist das ein gesundheitsförderndes Verhalten? Werden hier nicht gruppendynamische Prozesse in Gang gesetzt, die Mobbing und Ausgrenzung Tür und Tor öffnen? Eigentlich müsste sich da jeder Pädagoge an seinem Berufsethos gepackt fühlen, doch der große Protest bleibt größtenteils aus. Das ist bedenklich.

Auch wäre einmal zu überlegen, ob wir den von Politik und Medien propagierten Gesundheitsbegriff für wirklich gesund erachten sollten. Denn Gesundheit ist nicht zu vergleichen mit einer „Wenn dann“-Funktion in Excel, sie lässt sich nicht fassen, ist einfach da oder eben nicht, dann fühlen wir uns krank. Gunnar Kaiser, den ich sehr schätze, vergleicht sie mit einem Vogel, den man nicht fassen kann und da gebe ich ihm recht. Denn wer Gesundheit zu jedem Preis einfassen möchte, der läuft Gefahr, Ungesundes dafür zu tun. Dennoch erleben wir in Deutschland spätestens seit Corona diese Taktik, bei der staatlich verordnete Maßnahmen als „gut“ und akzeptabel deklariert werden, ohne die Risiken zu beachten, welche genau diese Maßnahmen mit sich bringen.

Gesundheit ist ein Konzept, das, so wissen wir es spätestens seit Aaron Antonovsky und seiner Idee von der Salutogenese, schon beim gesunden Menschen ansetzt und eben ganzheitlich zu sehen ist, das heißt auf allen Ebenen. Doch davon will unsere Regierung nichts hören. Leider. Sie will nichts davon hören, dass sich eine 93-jährige Frau im Krankenhaus wie im Gefängnis fühlt, nachdem sie Corona-positiv getestet wurde, aber top fit ist. Sie will nichts davon hören, dass man früher symptomfreie Patienten mal gesund nannte. Sie will nichts davon hören, dass es krank macht, seine Kinder und Enkel und Eltern nicht zu sehen. Nicht zu ihnen ins Krankenhaus zu können. Was glauben Sie, wieviele Selbstständige und Gastronomen in letzter Zeit daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen? Wie viele es vielleicht schon getan haben? Was denken Sie, was das alles hier, die Fixierung auf R- und Inzidenzwerte und Co, so alles mit uns und unserer Welt macht?

Es ist eine Reduzierung des Menschseins selbst. Ein erbärmliches Herunterbrechen auf einen Nenner, ein Kürzen bis es nicht mehr geht.

Ich frage Sie: Ist all das maßvoll? Ist dies wirklich gesundheitsfördernd? Oder ist es eher ein Klima der Kälte und der Suppression, das uns hier entgegenschlägt, das den Virus zum neuen Fetisch und goldenen Kalb zugleich erklärt und längst Maß und Ziel aus den Augen verloren hat? Man könnte sicherlich daran denken.

Das zugrundeliegende Gesundheits-Konzept, das hier erst mittels Polizei und sonstigen Behörden etabliert werden muss, hat jedenfalls mit Ganzheitlichkeit nichts zu tun. Es ist nicht warm, nicht empathisch und nicht menschlich. Es verliert den Menschen stattdessen aus dem Blick, weil seine Initiatoren auf ihn herabschauen, statt ihn anzuschauen. Es reduziert ihn auf einen potentiellen Virusträger, einen Gefährder, der eher unverantwortlich als verantwortungsvoll handelt. Gleichzeitig entmündigt es ihn, behandelt ihn wie ein Kind, das den Anordnungen, Regeln und Gesetzen, die im Eilverfahren und weitestgehend unreflektiert (siehe Ostersamstag-Dilemma der Kanzlerin) durchgewunken werden, Folge leisten muss.

Ginge es stattdessen um echte Gesundheit und wäre der Regierung wirklich daran gelegen, würde sich dies sicherlich anders widerspiegeln. Ich weiß nicht wie, aber anders. Es liefen vielleicht Ratgeber-Sendungen im Internet, es wäre ein Klima des „Das wird schon“, ein motivierendes Anfeuern zum Durchhalten. Stattdessen klingt das allerorts lesbare „Bleiben Sie gesund“, da fast schon wie eine Drohung. Es klingt jedenfalls nicht wirklich freundlich.

Würden die Regierenden Gesundheit als ein vielschichtiges, als ein multifaktorielles Konzept betrachten und verstehen, dann müssten auch die Fragen nach den Kollateralschäden, nach den Nebenwirkungen aller invasiven Taktiken gestellt werden. Es ginge nicht nur um Machtpoker, bei dem die Systemrepräsentanten auf der Bühne der Bundespressekonferenz immer noch so arrogant und selbstgefällig sind wie eh und je.

Merken Sie auch wie ich, dass es plötzlich auf der Welt kein anderes Thema mehr als die „Große Grippe“ zu geben scheint? Doch eigentlich gibt es da noch so viel mehr. Wussten Sie, dass die USA zwei Zerstörer ins Schwarze Meer verlegt haben, an die Grenzen Russlands? Auch der Bau der neuen Seidenstraße geht ungebremst voran. Berichtet wird davon im Moment eher nur „rudimentär“. Stattdessen mediales Zahlengewusel, das uns als Zuschauer stumm und betäubt im Theater des Wahnsinns zurückbleiben lässt. Jeden Tag.

Kann das gesund sein? Darf Politik das, was sie hier macht, maßlos, entrückt von der Realität? Ist all das ethisch und moralisch überhaupt vertretbar? Wohl kaum! Gerade dann nicht, wenn man sich an den Corona-Zahlen selbst orientiert. Stand 11. April 2021 starben in Deutschland 78.402 Menschen an oder mit Corona. Und ja, genau betrachtet muss man jene Fälle, die mit der kleinen aber wichtigen Präposition „mit“ gekennzeichnet sind, unbedingt abziehen. Denn eine klare, evidenzbasierte Zahlenbasis ist auch die Basis jeder Naturwissenschaft, die ja wiederum daraus die richtigen Schlüsse ableiten muss. Aber selbst wenn wir die Menschen, die „mit“ Corona verstarben in unsere Rechnung inkludieren, entsprechen das 0,09 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Übrigens starben im Jahr 2019 rund 231.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Zigaretten und Alkohol gibt es, soweit ich weiß, immer noch zu kaufen …

Aber schauen wir uns – um eine noch repräsentativere Basis zu erhalten – die weltweiten Corona-Zahlen an (ebenfalls Stand 11. April 20021): 2,92 Mio. Todesfälle, das entspricht einem prozentualen Anteil an der Weltbevölkerung von 0,04 Prozent.

Was zeigt uns das? Dass Corona eine Krankheit ist, vor der man sich schützen sollte. Das zeigt aber auch, dass weder der mediale Overkill, der uns seit über einem Jahr zudröhnt, noch ein Dauerlockdown gerechtfertigt sind. Gerechtfertigt sind auch nicht die massiven Grundrechtbeschneidungen, die man uns mit dem Etikett „Wir müssen zusammenhalten“ verkauft, während wir vom Staat entmündigt und gesellschaftspolitisch gespalten werden.

Alles ist im Leben eine Frage der Risikobewertung. Vieles kann passieren, potentiell. Jedes Opfer ist eines zu viel. Das gilt für Corona-Tote genauso wie für die Menschen , die im Straßenverkehr, in der U-Bahn oder bei einem Terroranschlag zu Tode kommen.

Doch es muss auch klar sein: Eine Gesellschaft, die mit invasiven Maßnahmen so gegängelt wird, obgleich diese Maßnahmen in keinem Verhältnis mehr zu dem durch sie potentiell vermiedenen Risiko stehen, wird strukturell toxisch. In ihr gährt es und es wird ungemütlich. Denn wenn um Existenzen zu schützen Existenzen gefährdet werden, Menschen gar Jobs verlieren oder aus Angst nicht mehr zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, dann bekommen die sogenannten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit einen faden Beigeschmack. Dann wird es gefährlich, denn es könnte zu irreparablen Verwerfungen kommen, im Zuge derer sich unsere Gesellschaft langfristig nachteilig verändert und selbst amputiert.

Quellen und Literatur:

aerzteblatt.de, https://www.aerzteblatt.de/archiv/209251/Aaron-Antonovsky-Vater-der-Salutogenese, abgerufen am 11.04.2021

Kaiser, Gunnar, Die Verborgenheit der Gesundheit, https://www.youtube.com/watch?v=koRaX25fOqw, abgerufen am 11.04.2021

Liste von Staaten und Territorien der Welt, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_und_Territorien_nach_Einwohnerzahl, abgerufen am 11.04.2021

Todesursachen in Deutschland, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html

Corona stellt die Klassenfrage

Während die einen zu Hause bleiben und Mikado spielen, schuften die Beschäftigten im prekären Sektor weiter – unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung, ohne Lobby und oft ohne finanzielle Sicherheit.

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

In der westeuropäischen Sphäre wirkt die Corona-Krise wie ein Brennglas, das die gesellschaftliche kapitalistische Realität verdichtet und deren Abgründe schonungslos offenbart. Das beginnt schon damit, dass die Verordnungen und Erlasse quasi im „Top-down-Prinzip“ jene diktieren, die am wenigsten von selbigen betroffen sind. Namentlich die vom pulsierenden Herz der Gesellschaft entrückte politische Kaste der „White Collars“, die bei ihrer Entscheidungsfindung weder moralisch-ethische, noch gesellschaftliche tragbare Faktoren berücksichtigen muss, obgleich sie als „Angestellte des Volkes“ voll und ganz dazu verpflichtet wäre.

Diese Verpflichtung beinhaltete auch, dass ein staatlich verordneter Lockdown nur als allerletztes Mittel der Wahl überhaupt erst hätte in Erwägung gezogen werden dürfen und zwar nach sorgfältiger Prüfung aller potentiell wählbaren Optionen. Diese Prüfung hätte sicherlich auch die Einbeziehung eines Expertenrates aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, wie beispielsweise der Soziologie, Psychologie, Ökonomie und so weiter bedurft. Auf diese Weise hätte der Zielsetzung „So viel Einschränkung wie nötig, so wenig wie möglich“ solide und auf evidenter Basis Folge geleistet werden können, um einseitige, unangemessene und voreilige Schlüsse zu vermeiden.

Stattdessen aber erließen und erlassen Politiker die „Schutzmaßnahme Lockdown“ mehr als großzügig, blind vertrauend auf einen sehr kleinen Rat der Weisen, der sein Urteil einzig und allein von Messwerten und Zahlen abhängig macht, die allesamt aus einem biologisch-medizinischen Umfeld stammen, ungeachtet scheinbar der Nachwehen, die eine solche Einseitigkeit mit sich bringt. Denn Nutzen und Wirkungsgrad der Maßnahme „Lockdown“ ist zumindest diskussionswürdig. Das legt beispielsweise die Stanford-Studie von Prof. Ioannidis nahe. Doch eine echte Diskussion findet im politischen Raum schon lange nicht mehr statt.

Die Gräben der kapitalistischen Lebenswelt, die schon vor Corona von Altersarmut, Niedriglohn und Privatisierung auf allen Ebenen geprägt war, vertiefen sich weiter. Eine Gesellschaft der Ungleichheit, in der sich die einen im Lockdown dicke Wohlstandsbäuche anfuttern, während der Alltag der anderen – zum Beispiel jener von Busfahrern, Kassiererinnen, Pizza-Boten und so fort – unverändert vonstattengeht. Wäre dem nicht so, könnten sich jene, die daheim bleiben, weil sie es dürfen, keine Wohlstandsbäuche anfuttern. So einfach ist das. Es geht hier, darauf lege ich Wert, nicht um Verurteilung der einen gegenüber den anderen, es geht um Wahrnehmung, und zwar des gesamten breiten Spektrums, in dem sich die Corona-Krise vollzieht.

Corona bietet damit nicht zuletzt auch Potential zur gesellschaftlichen Spaltung und verstärkt sie. Diese Spaltung betrifft einerseits die Arbeiterschaft, an deren einem Ende bestens abgesicherte Facharbeiter sitzen, während am anderen Ende Zeitarbeiter ihr Dasein fristen. Jener Riss verläuft aber auch in weiten Teilen des Dienstleistungs- und Servicesektors, wo sich unterbezahlte Mitarbeiter zum Mindestlohn verdingen müssen. Sie alle sind Teil dieser ehemaligen Arbeiterschaft, von der Marx sprach, sie alle müssten eigentlich mit einer Stimme unisono sprechen. Doch gerade die bestens versorgte und abgesicherte Teilmenge scheint sich für die Nöte ihrer Kollegen wenig oder gar nicht zu interessieren.  Wo dieses Klassenbewusstsein aufgeweicht wird durch Eigennutz und Vorteilsnahme, da hat die Durchsetzung nachhaltiger Interessen keine Chance mehr, da ist die Selbstbehauptung und Emanzipation dieser neuen prekären Arbeiterschaft verloren.

Was bedenklich ist: Meist fordern gerade die Menschen härtere (und immer härtere) Corona-Maßnahmen, die sich das überhaupt erst leisten können. Es sind solche Menschen, die sich mittels unbefristeten Arbeitsvertrags in relativer ökonomischer Sicherheit wähnen und mit dem Laptop auf den Knien – zwischen Bügelbrett und Wäsche waschen – E-Mails schreiben. Das Ganze wird dann Home-Office genannt, und von vielen Home Officers mit wehleidiger Miene konnotiert. Das Auto steht derweil brav in der Garage, verbraucht kein Benzin, die Klamotten müssen auch weniger gewaschen werden und man hat sogar noch mehr Zeit, sich um sich selbst zu drehen. Kurz: Man spart Geld. Solche Opfer bringt Mann, respektive: Frau, doch gerne, oder? Dabei ist es genau genommen nicht so sehr selbstlos, sondern in aller erster Linie bequem, ein heroischer „working couch potato“ zu sein.

Denn diese Form des Altruismus verlangt nicht viel ab: Bietet dieser Rückzug in die neue Privatheit doch noch mehr Möglichkeiten zum Egozentrismus und serviert dazu gratis noch ein gutes Gefühl, während all die vielen anderen diesen Wohlstand überhaupt erst sicherstellen. „Uns geht es doch gut“, hört man dann die Helden von der Couch herab rufen und das stimmt! Aber wo bitteschön, ist die viel gerühmte „christliche Agape“, oder das Mitgefühl den Anderen gegenüber? Gegenüber den unzähligen Arbeitern, Dienstleistern, Sicherheitsmitarbeitern, Taxifahrern  – die nicht in der öffentlichen Wahrnehmung präsent sind, deren Arbeitsalltag aber (fast) so weitergeht wie vorher. Schlimmstenfalls aber mit deutlich weniger Geld in der Tasche, und zwar ohne Schichtzulage, Boni, Kurzarbeitergeld und Job-Perspektiven?

Apropos Perspektiven: Sollten wir diese Krise, irgendwo, irgendwie, irgendwann mal überwunden haben, so trifft es genau diese prekäre Dienstleiter- und Arbeiterschaft am Härtesten, und nicht den fest angestellten Facharbeiter bei Daimler-Benz, für den es die Gewerkschaft bei der nächsten Tarifrunde bestimmt richten wird. Auch Kranken- und Altenpfleger, Gott schütze sie, wird die Krise nicht aus der Bahn werfen, denn sie werden händeringend gesucht. Einen glatten Bauchschuss werden aber all jene erleiden, die schon vor der Krise schlechte Chancen auf dem „Arbeitsmarkt“ hatten und denen die Digitalisierung jetzt noch mehr als zuvor das Wasser abgräbt: die alleinerziehende Bürokauffrau mit zwei Kindern und Zeitvertrag, die Mitfünfzigerin in der Putzkolonne, der Sicherheitsmitarbeiter. Kurz: All jene, die keine starke Lobby haben.

Ich höre jetzt schon die neoliberalen Auguren raunen: „Seid dankbar für jeden Job, auch wenn ihr fünf davon machen müsst, um eure Familie zu ernähren. Nach der Krise müsst ihr die Zähne zusammenbeißen. Da kann man nichts erwarten. Mindestlohn? Den müssen wir senken! Energiepreise? Die müssen steigen!“

So kommen die einen in der „post-coronaren Phase“ wieder frisch und munter aus den Home-Offices dieser Republik gewackelt, während die anderen nie weg waren von der Bildfläche – weil ohne sie die Existenz der anderen gefährdet gewesen wäre. Dieselben Auguren werden dann vom „Aufschwung“ sprechen und dass man sich jetzt wie noch nie ins Zeug legen müsse. Das alles werden sie mit dem Deckmantel der Menschlichkeit und des Gemeinwesens versehen, aber in Wahrheit geht es nur darum, die Gewinne weiter zu maximieren und satte Dividenden abzuschöpfen. 

Dass dieses Spiel auf Kosten von Menschenleben geht, wird auch in unseren Nachbarländern deutlich. Besonders die Länder, die vom Internationalen Währungsfond (IWF) in der Vergangenheit hart an die Kandare genommen, und zu schweren Einsparungen gezwungen worden waren, trifft die Krise mit voller Wucht. Beispiel Portugal: Seit das Land 2011 unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft ist, war es gezwungen, 800 Millionen Euro im Gesundheitssektor einzusparen. Das rächt sich jetzt. Beispiel Spanien: Hier rutschte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni 2020 in den Keller, schon 2012 hat der IWF die Iberer aufgerufen, einen Austaritäts-Kurs einzuläuten. Unter anderem solle man Löhne senken, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Dazu kommen Notkredite für die fünfundzwanzig ärmsten Länder dieser Erde, die zwar schnelle Hilfen, aber langfristige finanzielle Abhängigkeiten für eben diese Länder mit sich bringen dürften. Dann wären da noch die Interessen einer übermächtigen Pharma-Lobby, die mit dem Impfstoff-Geschäft die Freuden eines neu belebten Marktes genießen wird. Auch dieser Markt wird einzig und allein bestimmt von Börsenkursen, Dividenden und Gewinnmaximierung. Das sollte man nicht vergessen.

Kurz: Die Kugel auf dem Roulette-Tisch des internationalen Finanzkasinos rollt auch jetzt ungebremst weiter.

Doch nochmal zurück nach Deutschland. Während hier für Krankenpfleger und Schwestern wenigstens schon mal geklatscht wird, können sich die „Paria des Dienstleistungssektors“, zum Beispiel die Verkäufer, Frisöre und Putzfrauen, schon freuen, wenn sie Samstagnachmittags im Einkaufstrubel nicht angehustet werden. Sie führen ein Schattendasein im gesellschaftlichen Bewusstsein, sind im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Fokus“ geraten.

Das allumfängliche Credo des „Gesundheitsschutzes“ bietet den „Wohlständlern“ von heute einen so warmen Kokon, dass sie sich noch weniger um andere kümmern müssen und sich dabei  auch noch verdammt gut fühlen können. Genau mit diesem „Breit machen dürfen“ in der persönlichen Wohlfühlzone ist es zu erklären, dass sich in Deutschland (noch) so wenig kritische Geister äußern. Der Deutschen Sache, das ist der Blick über den eigenen Tellerrand halt meist nicht. Da reicht die Solidarität meist nur vom Fernseh-Sessel bis zur Haustür. Dabei bräuchte es keine inhaltsentleerten Werbekampagnen, sondern nur ein wenig Reflexionsfähigkeit, um zu verstehen, dass so viele Menschen von den gegenwärtigen Maßnahmen existentiell betroffen sind und noch betroffen sein werden.

Fest steht: Die Ideen, wie diesen Menschen dann zu helfen ist, werden nicht von denen kommen, die ihnen das Brot nahmen. So viel ist sicher. Es läge an uns, nur an uns, unsere „noch Regierenden“ durch Protest und freie Meinungsäußerung in echten Zugzwang und eine Abkehr vom „Weiter so“ zu bringen. Aber der Funke dieser Erkenntnis ist bei vielen noch nicht übergesprungen. Leider. Sie werden sich im Nachhinein beklagen: über steigende Krankenkassenbeiträge oder gestiegene Energiepreise, motzen, und sich die Bildzeitung kaufen.

Neulich war ich im Supermarkt. Da meinte eine Kundin zu einer anderen, dass ihr zu Hause die Decke auf den Kopf fiele vor Langeweile. Die Kassiererin schob derweil weniger gelangweilt den Wocheneinkauf der Frau über den Scanner und kommentierte das Gespräch mit einem trockenen „Das macht dann fünfundfünfzig Euro sechzig“. Ich sehe die Kassiererin fast täglich dort arbeiten.

Wie ein Tanz ums goldene Kalb

Sozialität ist die Grundbedingung des menschlichen Seins. Wo diese gewaltsam längefristig gekappt wird, werden Menschen krank. Auch ohne Corona.

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

Was macht eine Gesellschaft aus? Die Menschen, die in ihr leben und sich in ihr einbringen. Menschen, die Spaß haben, Veranstaltungen besuchen, einander im wahrsten Sinne des Wortes begegnen – idealerweise in aller Offenheit, Öffentlichkeit und mit Toleranz. Dazu gehören Kinder, die unbesorgt miteinander spielen genauso wie die Seniorenwander-Gruppe aus dem Nachbarsort, aber auch die Skat-Kumpels, die sich das ein oder andere Bier genehmigen. Es ist der Kitt des gesellschaftlichen Zusammenlebens, der das Gemeinwesen als solches überhaupt erst zementiert und möglich macht.

Eine Gesellschaft, die sich all diesen Dingen in ihrer Gänze beraubt, nimmt sich auf Dauer die Luft zum Atmen. Genau das erleben wir zurzeit. Es bleibt uns sprichwörtlich die Luft weg, und das nicht nur durch die allgegenwärtige Atemschutzmaske, sondern durch das, was wir in dieser furchtbaren, in dieser noch ungewohnten Realität, erleben können. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber, auf dessen Schriften ich als junger Mensch aufmerksam wurde, schreibt in seinem wohl bekanntesten Satz: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Und damit hat er Recht. Denn erst in der Begegnung entfaltet sich jenes emanzipatorische Potential, von dem wir Menschen zehren, das den Nährboden jeglicher menschlicher Errungenschaft und damit die Grundlage unseres Seins bildet. Da eben der Mensch ein soziales Wesen ist, ist die Basis dafür nämlich das Soziale in all seinen Facetten und Schattierungen. Anders formuliert: Erst in der Sozialität selbst konstituiert sich lebenswerte Wirklichkeit. 

Was wir momentan jedoch sehen, ist das Gegenteil davon, es ist die Abkehr von der Sozialität hin zur Isolation. Diese geht einher mit einem Zahlen-Wirrwarr und einer Zahlengläubigkeit, die weder zielführend, noch förderlich ist. Mehr noch: Die seit Monaten andauernde Bombardierung mit R-Werten und Inzidenzzahlen befeuert ein biologistisches Weltbild, in dem der Einzelne quasi ent-individualisiert wird und aufgeht in einer anonymen Masse. Diese Masse wird gleichwohl nur an einer Qualität gemessen: Corona positiv oder negativ. Es ist diese gewaltsame Zweiteilung, diese disruptive Untergliederung der Gesellschaft, die gruppendynamisch betrachtet äußerst bedenklich ist, da sie nicht nur spalterisch zerreißt, was zusammengehört, sondern auch ein Klima der Verunsicherung und Vorverurteilung schafft.  Dieses Klima wird bestimmt von Angst, durch Missgunst, ja: von dem Gefühl unter einer permanenten Beobachtung zu stehen.

Individual-psychologisch sorgt diese Entindividualiserung beim Einzelnen oftmals für ein Gefühl innerer Machtlosigkeit. Es ist diese erlebte Passivität durch die Kommunikation „von oben herab“, die im Sinne des Soziologen Alfred Schütz zu Prozessen des Erleidens führt, welche wiederum in Lebens- und Daseinskrisen münden können – mit all ihren dramatischen Folgen. Denn wo sich die Lebenswirklichkeit mit einer willkürlich kreierten Größe – nichts anderes sind Grenzwerte – unvermittelt und plötzlich zu ändern vermag, da wird das Individuum aus dem sicheren Fahrwasser der Alltäglichkeit geschleudert. Ist es erst einmal in die neuen Stromschnellen geraten, versucht es sich nicht selten mit aller Macht an die Werte und Zahlen zu klammern, die ihm zuvor den falschen Weg überhaupt erst gewiesen haben. Irrlichter beim Tanz um das goldene Kalb.  

Eine Gesellschaft, in der die Statistik mehr wiegt als das einzelne Ich, ist die Folge, in der jegliche Abweichung vom Kollektiv mit Sanktionen bestraft und nicht toleriert wird. Es bleibt die Frage, ist das eine Gesellschaft, in der wir zukünftig leben möchten? Denn auch wenn Corona irgendwann überwunden sein wird, wird wohl bald schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Und auch die sogenannten Kollateral-Schäden, zum Beispiel die Menschen, die starben, weil sie aus Angst nicht ins Krankenhaus gegangen sind oder jene, die psychisch schwer erkranken oder schon krank sind – die Ausweglosigkeit, in die man sie ob einer allumfänglichen Panikmache geführt hat, sie ist unentschuldbar.  

Was bleibt also zu tun? Wir müssen uns, komme, was wolle, die Frage stellen, ob wir weiter statistische Messgrößen zu Garanten von Menschenwohl machen. Dabei müssen wir auch abwägen, ob wir ein Leben für lebenswert erachten, in dem wir im wahrsten Sinnes des Wort auf „unvernünftiger“ Grundlage von jenen, die für uns arbeiten sollen, entmündigt werden wollen.   

Das ganze ähnelt einer Art Risikobewertung und wirft unweigerlich die Frage auf, was sich eine Gesellschaft leisten kann, was sie langfristig voran bringt und ihr gut tut, und was eben nicht. Dabei geht es keineswegs um Verhamlosung, auch nicht um ein naives „Weiter so“, es geht viel mehr um das Vertrauen auf den gesunden Menschverstand. Gesunden Menschenverstand mache ich dabei nicht allein daran fest, ob jemand seinen Mundschutz trägt oder nicht.

Vielmehr geht es mir um eine gesunde Wahrnehmung, die auch die zahlreichen Fallstricke und Unstimmigkeiten erkennt und entlarvt, mit denen uns die Bundesregierung und alle dazugehörigen Institutionen in die Fremdbestimmung manövrieren. Denn genau genommen werden wir schon lange als unmündige Bürger wahrgenommen, die nur noch reagieren statt agieren sollen.

Diese Entmündigung reicht bis ins Private hinein und mündet in Sachen Corona sogar in einem latenten Impfzwang. Diesen hat Markus Söder erst kürzlich mehr oder minder für alle Pflegekräfte formuliert. Sie sollen sich gefälligst impfen lassen, alles andere sei unverantwortlich. Wer solche Repressalien auch nur denkt, der hat das Konzept der Demokratie weder verstanden, noch ist er fähig, es zu leben. Denn wenn ein Mensch nach Abwägung aller ihm wichtigen Entscheidungskriterien zu dem Schluss kommt, nein zur Impfung zu sagen, so ist das eben sein Entschluss. Punkt. Doch auch hier wird die Gesellschaft gespalten, ungeachtet der Tatsache, dass eh nicht genügend Impfstoff für alle da wäre, die Impfstoff-Erzeugung in privater Hand liegt, damit unmittelbare Gewinninteressen geknüpft sind und so fort.

Das Konzept der Gesundheit umfasst eben mehr als nur eine Perspektive. Es beinhaltet soziale Komponenten genauso wie wirtschaftliche oder gar psychologische. Und wir täten guten daran, in Sachen Gesundheitsschutz nicht nur eine Krankheit wahrzunehmen, sondern auch die soziale Realität, in der sie sich vollzieht, sowie die Bedürfnisse der Akteure. Nur so ist eine Gesellschaft zukunftsfähig. Das Ganze ist schließlich mehr als die Summe seiner Teile.

Auf dem Weg in die Gegenaufklärung: Ein wenig differenzierter bitte!

Dass Sprache ein Machtinstrument sein kann, ist bekannt. Doch wo statt lebhaftem politischen Diskurs gegenseitige Etikettierungen vorherrschen, wird eine Debatten-Kultur unmöglich. Das ist bedenklich.

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

Mit Schrecken und Unverständnis verfolge ich seit Wochen, wie undifferenziert sogenannte linke Gruppen die Nazi-Schwurbler-Alu-Hut-Keule rausholen und mit selbiger kräftig austeilen. Die verbalen Tiefschläge richten sich an all jene Menschen, die in Sachen „Corona“ eine andere Meinung als sie vertreten. Ohne zu werten, ob diese Meinung nun besser, schlechter oder eben nur eine andere ist, sollte für jeden doch grundsätzlich immer das Recht zur freien Meinungsäußerung gelten – auch und gerade weil dieses schließlich im Grundgesetz verankert ist. Stattdessen sind es Gruppen am linken Rand und die Staatsmedien, die jegliche Kritik an Corona-Maßnahmen und den damit verbundenen massiven Einschränkungen mit dem Nazi-Argument versehen, im Keim ersticken und disqualifizieren wollen. Damit betreiben sie nicht nur spalterische Hetze, sie führen auch jegliche Ideale, für die sie zu stehen vorgeben  – angefangen bei Freiheit, Solidarität bis hin zum Topos der „offenen und bunten Gesellschaft“ – ad absurdum. Und ich, der sich immer als „links-liberal“ verstand, weil ich für diese Werte eintrat, frage mich: Wie kann das sein? Wann und warum wurden jene, die von der Kritik am System leben, zu dessen Kollaborateuren? Wo ist sie hin, die „Linke-Denke“, die Erziehung zur Mündigkeit, für die Adorno und Horkheimer einst mit ihrer Denkschule in Frankfurt eintraten und die untrennbar mit dem Begriff der Aufklärung verknüpft ist? Dieses emanzipatorische Potential in Verbindung mit einer radikalen Gesellschaftskritik war der Verdienst der 68er-Bewegung. Das Aufbegehren gegen den Staat und seine Exekutive war damals Programm. Abrüstung und Ablehnung des Vietnamkriegs zählten zu den Kernthesen, aber auch die scharfe Kritik an einer stoischen Kaste alt-rechter Regierender.  Alles weg, alles vergessen?  

Stattdessen erkenne ich im links-liberalen Milieu dieser Tage eine wachsende Anzahl von Menschen, die sich diebisch darüber freuen, wenn ein Wasserwerfer auf Demonstranten gerichtet oder eine friedliche Person gewaltsam abgeführt wird. Einige von diesen „Bildungsbürgern“ fordern sogar, der Rechtstaat solle gegen „diese Nazis“ noch härter vorgehen. Wie kann das sein? Darauf hat der gute alte Adorno eine Antwort, haben doch seine Studien zum autoritären Charakter gezeigt, dass in jedem ein „kleiner Faschist“ schlummert. Die Frage bleibt im Raum: Sind die, die klaglos hinnehmen und sich mit staatlicher Gewalt identifizieren, vielleicht viel mehr Faschist als jene Demonstranten, die sie beschimpfen? Die Frage ist rhetorischer Natur, zugegeben. Denn es geht nicht um Verallgemeinerungen und das Denken in Stereotypen. Es gibt nicht „den Demonstranten“, genauso wenig wie es „den links Intellektuellen“ gibt. Und es mag sich sogar der ein oder andere Neurechte, Reichsbürger oder Spinner in den Reihen der Demonstrierenden verlieren. Das ändert aber nichts daran, dass die Mehrheit eben keine Nazis sind. Der eine ist Durchschnittsbürger, der andere Althippie und wieder ein anderer vielleicht ein wenig esoterisch veranlagt – so vielfältig eben wie die Gesellschaft selbst.  

Es geht nicht um Spaltung, sondern um Solidarität und statt des Weghörens ums Hinhören  – gerade in Zeiten, in denen die soziale Schere durch Corona noch weiter auseinanderzuklaffen droht. Denn während die meist lohnabhängigen Beschäftigten in ihren warmen „Homeoffices“ mit Digital Workplace davon nur wenig mitkriegen: ein tiefer sozio-ökonomischer Riss geht durch das Land – und Corona ist nur dessen Katalysator.

All jene, die sich die „stay at home“-Mentalität leisten können, müssen weder hungern noch dürsten und haben die Gewissheit eines sicheren Gehalts am Monatsende. Es sind die Selbstständigen, aber auch die zahlreichen Fernfahrer, Busfahrer, Kassiererinnen, Müllwerker, Gärtner, Bauarbeiter, Krankenhausmitarbeiter, Straßenkehrer, Seeleute und so fort, die das möglich machen und unsere Infrastruktur sicherstellen – zumindest noch. Corona wird, wie schon in einem vorherigen Artikel von mir aufgezeigt, zur Klassenfrage. Und damit entsteht ein nicht zu unterschätzendes Disput-Potential, das sich schon jetzt teils auf den Straßen, teils in den sozialen Medien entlädt. Das ist menschlich und verständlich.

Obendrein darf die Frage nach den Profiteuren dieser Krise gestellt werden. Denn wer tatsächlich glaubt, das neue Spielfeld „Corona“ böte globalen Großkonzernen keinerlei Chancen, der ist mehr als naiv. Dafür genügt schon ein Blick auf die Amazon-Aktie, die von März 2020 (1.500 Euro) bis dato auf rund 2.600 Euro vorgeprescht ist. Aber auch Ebay, Google, Etsy und Pinterest, um nur ein paar Tech-Aktien zu nennen, haben massive Gewinne aufs Börsenparkett gelegt. Gleiches gilt für die Pharmariesen Merck, Pfizer und natürlich den Impfstoff-Hersteller Biontech.

Ist diese sachliche Aufzählung dann schon eine Verschwörungs-Theorie? Und bedeutet der oft so negativ-konnotierte Begriff „Verschwörung“ gleichwohl, dass es so etwas wie eine Verschwörung niemals gegeben hätte? Anhaltspunkte, dass das Gegenteil der Fall ist, bietet die Geschichte zu Hauf. Ob Staatsstreich oder Tyrannensturz: Verschwörungen waren oft das Zünglein an der Waage – und gesellschaftliche Realität. Cäsar und Kennedy könnten wohl ein Liedchen davon singen, würden sie noch leben, denn hinter „Brutus“ („Auch du, mein Sohn Brutus?“) und Lee Harvey Oswald (soll Kennedy hinterrücks von vorne erschossen haben) standen letztlich ein oder eben mehrere „dunkle Dritte“, in deren Interesse es war, den Lauf der Geschichte gewaltsam zu ihren Gunsten zu verändern. Was ich damit sagen möchte: Nicht alles, was das Etikett „Verschwörung“ trägt, disqualifiziert sich dadurch sofort. Andererseits gibt es natürlich auch an den Haaren herbeigezogene Theorien. Es geht um das Denken in Nuancen, bei dem ein offener gesellschaftlicher Diskurs wieder möglich ist und eben keine Vorverurteilung stattfinden darf.

Das gilt für Menschen, die Angst vor dem Virus haben im Übrigen genauso wie für jene, die denken, dass wir auf dem Wege zur Hygienediktatur sind. Was beiden Personengruppen gemein ist, sind ihre Ängste, die seit sieben Monaten massiv medial und politisch geschürt werden – begleitet von einem undurchdringlichen Dschungel an Fall-, Inzidenz- und Infektionszahlen, von Maßnahmen, Verordnungen und immer wieder neuen Regeln. Nicht selten erinnert die Manier, in der selbige von Frau Bundeskanzlerin dem Volke verkündet werden, ans Maßregeln des Zöglings durch die Mutter. Gleichwohl zeigt diese Kommunikation „von oben herab“ auch deutlich die Sichtweise einer entrückten Kaste von Regierenden aufs unmündige Volk, das sich in ihren Augen nur mit Zuckerbrot und Peitsche regieren lässt.

Das schafft alles, nur kein Vertrauen, das die Regierenden ob ihres Heute-Hü-und-morgen-Hott-Kurses schon eh längst verspielt haben dürften. Das Ergebnis sind verunsicherte Menschenmassen, denen der „Stay at home“-Mode gepredigt wird, während sich viele von ihnen dennoch in überfüllten Bussen und Bahnen auf den Weg zur Arbeit machen müssen. Derweil schaltet die Bundesregierung – fast schon höhnisch – hoch emotionale Werbespots, in denen die gealterten „echten Corona-Helden“ gezeigt werden, und in einer Mischung aus Wehmut und Naivität aus der fernen Zukunft auf das Jahr 2020 zurückblicken. Die Helden, das sind natürlich in den Augen der Regierung die, die damals zu Hause geblieben sind. Nicht die, die arbeiten mussten, ob sie wollten oder nicht. Verkehrte Welt.

Ungeklärt bleibt auch die Frage nach den langfristigen Perspektiven. Wie wird das gesellschaftliche Leben sich zukünftig verändern und werden wir jemals wieder eine unbefangene „soziale Nähe“ leben können? Welche Vorschriften werden längerfristig bestehen bleiben, welche zurückgenommen und welche Möglichkeiten der Mitbestimmung hat das Volk hierbei? Sind durch die neu-geschaffenen Ergänzungen des Infektionsschutzgesetzes Möglichkeiten einer willkürlichen Machtausübung gegeben, und vor allem: Ist der ergänzende Paragraph 28a überhaupt rechtens? Wie werden die durch die Krise entstandenen Verluste kompensiert? All das bedarf einer dringenden Klärung und umfassender Analyse.

Ein weiteres Themenfeld, dem wir unsere Aufmerksamkeit schenken müssen, ist das der Sprache. Um einen diskursiven Raum in der Gesellschaft zu ermöglichen, benötigte es das, was Hegel die „Anstrengung des Begriffs“ nennt. Denn nur wenn Begriffe als solche eindeutig geklärt und definiert sind, können Fehlentwicklungen vermieden werden, bei denen negativ-konnotierte Begrifflichkeiten in falschem Kontext angewendet bzw. positiv-konnotierte in ihr Gegenteil verkehrt werden. Sprache ist immer ein Mittel zur Sicherung von Herrschaftsverhältnissen, und indem sich Partikulär-Gruppen ihrer bemächtigen und sie im wahrsten Sinne des Wortes „umdeuten“ bzw. damit eine andere Partikulär-Gruppe stigmatisieren, kann sich gesellschaftlicher Diskurs nicht mehr vollziehen. Mit anderen Worten: Es findet das statt, was Chomsky „Propaganda“ und Ganser „Framing“ nennen. Wenn wir dies durchdringen, wird schnell klar werden, dass nicht jeder Demonstrierende ein „Corona-Leugner“, sondern die Mehrzahl „Kritiker der Regierungsmaßnahmen“ sind. Das ist ein großer Unterschied. Auch wenn Corona ein besonderes Maß an Umsicht und Sicherheit benötigt, darf dies nie demokratische Grundpfeiler angreifen, die die Fundamente unserer Wertvorstellungen bilden. Das wäre fatal für uns alle.

Alles Alu-Hut oder was? Wie Begriffe zum Wegbereiter des neuen Faschismus werden

Es liegt vieles im Argen. Statt mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, ziehen wir uns gegenseitig den Alu-Hut auf. Divide et impera, teile und herrsche, dieser Modus operandi scheint noch immer aufzugehen.

Ein Kommentar von Andreas M. Altmeyer

Es geht in diesen turbulenten Zeiten um nichts Geringeres als um die Deutungshoheit und um das Ringen darum, was gesagt, respektive: geschrieben, werden darf und was eben nicht. Das Wort Corona scheint bei diesem Ringen als Soll-Bruchstelle zu fungieren, die die in den Tiefen des gesellschaftlichen Mind-Settings befindliche Meinungs-Lava ungeklärt an die Oberfläche katapultiert. Wenn der China-Virus, und vor allem: die mediale Flankierung desselben, überhaupt einen positiven Effekt gehabt hat, dann war es wohl dieser. Dass sich Interessengruppen formieren, auf Plätzen ihre Meinung kundtun, dass sie die Demokratie auf der Straße leben und für das Grundgesetz eintreten, das ist doch wahrlich ein Fortschritt, in einem sonst so an Demokratie-Müdigkeit leidenden Land, in dem der Bürger seinem Willen bisweilen höchstens mittels Wahlzettel Ausdruck verleiht, mit einer Stimme, die er dann auch noch abgibt und die verloren ist, weil er sie ja im wahrsten Sinne in einer Urne begräbt. Diese „Quasi-Ohnmacht“ derer sich viele Mitbürger wohl überhaupt nicht bewusst waren, hat Corona aufgeweicht und zwar deswegen, weil das Virus und die damit verbundenen Auswirkungen für uns alle spür- und erlebbar waren und noch immer sind.

Ein Virus als Impuls der Enttäuschung – das klingt vielleicht ein wenig schräg, ist aber dennoch sehr ernst gemeint. Denn es ist doch gerade diese sprichwörtliche „Enttäuschung“ von einem System, dessen Strukturen sich über Jahrzehnte zu maroden Fallstricken Demokratie-verachtender politischer Eliten herangebildet haben, die das Versagen nun auf ganzer Linie zutage treten lässt. Es sind eben jene Fallstricke einer Fassaden-Demokratie, die dazu geführt haben, dass der Sozialstaat nach und nach ausgehölt wurde, die Altersarmut gestiegen ist, die Rüstungs-Etats anwuchsen und sich die Zahl der prekär Beschäftigten auf Rekord-Niveau eingependelt hat, während Monopolisten und exportierende Big Player Rekord-Gewinne eingefahren und noch dazu vom Casino-Kapitalismus unter der Regie von sogenannten Vermögensverwaltern enorm profitiert haben.

Nichstdesotrotz ist den obersten Repräsentanten jenes Systems natürlich daran gelegen, ihren Führungsanspruch auch nach Corona zu behaupten, was „systemisch“ betrachtet durchaus logisch ist, denn Systeme neigen ja bekanntlich dazu, sich selbst zu stabilisieren. Und welche Mechanismen genau jenen Erhalt des Status Quo anstreben, indem sie das Scheitern der System-Repräsentanten ins Gegenteil verkehren und sie zu Erlösern machen, das lässt sich zurzeit wunderbar beobachten.

Ob Spiegel, TAZ oder die Zeit – die Liste der Namen ließe sich noch beliebig erweitern – sie alle haben Interesse daran, das von der Bundesregierung gewobene Narrativ des äußerst gefährlichen Virus zu verbreiten, unkritisch und unaufgeklärt. Was mich daran stört, ist nicht einmal die Tatsache, dass sie das tun, denn das war von jeher die gesellschaftliche Funktion der Mainstream-Journalie, sondern der Punkt, dass viele unserer Bürger alles anstreben – außer Mündigkeit. Diese bedürfte es nämlich, um sich eine Meinung „von etwas“ überhaupt erst bilden zu können. Jedoch viele meiner Mitbürger bejubeln sich gegenseitig so sehr für ihre „stay at home“-Disziplin, dass sie ganz vergessen, den tiefgreifenden Verwerfungen auf den Grund zu gehen, welche die Krise gesellschaftlich mit sich brachte, namentlich die Verkehrung von dem, was richtig und falsch ist, was Fake oder wahr sein kann oder eben, dass nicht alles gleich eine Verschwörungstheorie ist, was nicht ganz der öffentlichen Meinung entspricht.

Die Etikette „Verschwörungstheorie“ und „Querfront“ sind ja mittlerweile  zu wahren Totschlag-Scheinargumenten von jenen Kritikern geworden, die immer dann den anders denkenden Kritikern angeheftet werden, wenn ersteren Kritikern die Argumente ausgehen – oder eben das tiefergehende Verständnis „von etwas“ fehlt. Man könnte auch sagen, das V-Wort wird angewendet, wenn die damit betitelte Personengruppe nicht verstanden wird, beziehungsweise nicht verstanden werden will, obgleich der Wissenshorizont derer, die diesen Begriff nutzen, teilweise nicht über das fraglose Rezipieren von Tagesschau-Inhalten hinausreicht.

Die Ironie: Im Prinzip lassen sich jene unkritischen Geister ja erst recht vom System instrumentalisieren, indem sie sich lediglich über die Mainstream-Medien informieren, wobei der Begriff „informieren“ für diesen Prozess der fraglosen Aufnahme propagandistischer Inhalte grundfalsch ist. Denn hätte man sich informiert, hätte man beispielsweise einen Blick in das Corona-Dashboard des Robert-Koch-Instituts geworfen, dann hätte man als mündiger Bürger wissen können, dass die Panikmache eben nur Panikmache ist. Aber jene leeren Begriffe, wie oben aufgeführt, führen nicht zu einem demokratischen Diskurs, stattdessen sind sie Multiplikatoren der gesellschaftlichen Spaltung, indem sie die Bevölkerung teilen, statt sie zu verbinden und ihr eine gemeinsame Stimme zu verleihen. Die bedürfte es so dringend, genauso wie echte Mündigkeit. Wo kommen wir hin, wenn wir die nachgewiesenen Verflechtungen der Privatwirtschaft – insbesondere eines Software-Magnaten  mit der WHO – ungefragt hinnehmen müssen, Schnellschuss-Impfprogramme als Heilsbringer preisen und den harten Einsatz von Polizisten gegen friedliche Demonstranten bejubeln? Auf keinen Fall in eine aufgeklärtere Welt, so viel ist mal sicher, in eine Welt der Repression, der überall regierenden Angst und des vorauseilenden Gehorsams schon eher, in eine faschistische Welt.  

Schlimmer noch als in der einseitigen Berichterstattung über die Demonstrationen zeigte sich die systemerhaltende Funktion der Medien in der durch sie vorangetriebenen Verleumdung von ausgewiesenen Experten, wie zum Beispiel Herrn Wodarg oder Herrn Bhakdi, die sich selbstlos ins gesellschaftspolitische Kreuzfeuer stellten, und deshalb die bösartigsten Anfeindungen ertragen mussten und müssen, statt dass sie in einen Expertenrat einbezogen worden wären, wo auch die Regierung an ihrem fundierten Wissen hätte teilhaben können. Oder ging es darum eigentlich nie? Ging es nie um ernst gemeintes erkenntnisgeleitetes Interesse an dem, was wahr und richtig ist in dieser Krise? Die Vermutung liegt leider sehr nahe. Wäre dem so, dann müsste die Bundesregierung nicht nur die durch die Folgen des Lockdowns resultierten Toten in Relation zu den „echten“ Corona-Toten setzen, was für sie ein verheerendes Resumé mit sich brächte. Sie müsste vielmehr  auch erklären, warum jene Experten von Anfang an nicht angehört und sogar als Fake-News-Verbreiter denunziert wurden.  Obendrein müsste sie sich gegenüber ihrem Volk erklären, sich äußern zu dem Sachverhalt, warum noch im Januar eine ernstzunehmende Gefahr von Corona geleugnet und Karneval in Menschenmassen gefeiert wurde, warum eine Regierung mit funktionierenden In- und Auslands-Diensten weit vor der Krise keine Erkenntnisse über die heraufziehende Gefahr hatte, wieso eine Bundesregierung eines der reichsten Industrieländer der Welt nicht über ausreichend Schutzmasken verfügte und ob Herr Drosten in irgendeiner Form finanziellen Gewinn aus seinem Handeln zieht. Aber auch ob etwaige Impfprogramme angedacht sind und so fort.   

Die Antworten auf derlei Fragen wären, so viel ist sicher, sehr erhellend und würden zweifelsohne den schamlosen Charakter einer Politiker-Kaste offenbaren, die nicht nur hilflos, sondern auch grob fahrlässig die Existenzgrundlage von zig Millionen Menschen aus einer Mischung von Un- und Halbwissen heraus aufs Spiel setzte. Das tat sie, indem sie sich voll und ganz auf die Expertise einiger weniger verließ, ungeachtet aller damit verbundenen Risiken, ohne einen sorgsamen Prozesses des Abwägens und des maßvollen Handelns. Das „Verlassen auf“ befreit sie dabei nicht von ihrer Schuld, denn sie war es letztlich, die durch propagandistische Tricks – durch z. B. die Verwendung  der Kriegsmetapher – jeder sachlichen Diskussion schon im Vorfeld die Grundlage entzog. Doch damit dürfen wir jene, die uns regieren, nicht davonkommen lassen. Was es stattdessen braucht, ist einen Untersuchungsausschuss, der etwaige Versäumnisse gnadenlos aufdeckt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht – rechtstaatlich, aber mit allen Konsequenzen und vor allem: ohne üppige Pensionen.

In einem zweiten Schritt muss schließlich auch die Systemfrage gestellt und über dessen grundlegende Neuordnung nachgedacht werden. Ich sehe hier in der Bewegung „Widerstand 2020“ erste Bestrebungen. Die Frage wird sein, wie nachhaltig diese Bewegung um Herrn Schiffmann sein wird und ob sie sich aufgrund innerparteilicher Querelen nicht selbst zerfleischt. Ein erster Impuls ist sie allemal – denn immerhin wurde sie schon in ihren Kindertagen zur Projektionsfläche von medialer Häme. Vielleicht ist ja genau die Entrüstung des Mainstreams der einzige Qualitätsgarant, den wir noch haben, sozusagen als Lackmustest für eine letzte noch vorhandene unabhängige politische Willensbildung.     

Fest seht: Wer jedem gleich einen Aluhut aufsetzt, ohne die Quellen seines Gegenübers zu recherchieren, der läuft eben Gefahr, mit einem Brett vorm Kopf zu Grunde zu gehen. Denn das Argument „Der ist ein Aluhut“ selbst ist der Feind des demokratischen Diskurses und letztlich auch nur ein weiteres  Machtinstrument im Arsenal der herrschenden Klasse. Was ist daran eigentlich so schwer zu verstehen?

Scheinbar vieles, denn viele von denen, die jeden Demonstranten als „Schwurbler“ abtun, haben sich selbst wahrscheinlich oftmals nicht mit Quellen befasst, stattdessen vertrauen sie auf die willfährigen Worte einer Gundula Gause oder eines Claus Kleber – das ist wahrscheinlich noch ein Relikt aus jenen Zeiten, in denen die Nachrichten der „Opener“ für einen gelungenen Fernseh-Abend mit Wim Thoelke waren. Aber das ist lange her.

Der Prozess der Meinungsbildung ist ein vielschichtiger und vor allem mühseliger. Wer glaubt, diesen alleine mit dem Lesen der Tageszeitung oder dem Anschauen der TV-Nachrichten „im Zweiten“ bewältigen zu können, der liegt damit genauso so falsch wie jener, der auf Youtube nach den abgefahrensten Erklärungsmodellen für die Existenz von Außerirdischen sucht. Es sind nämlich nicht die Extreme, sondern die Nuancen, die eine Demokratie vielfältig und die Extreme in ihr ertragbar machen. Genau darum geht es: Um das Zulassen von Nuancen in einer Gesellschaft, die sich durch mannigfache Kapital-Verflechtungen von den Werten Nähe, Natur und Menschlichkeit entfernt hat. Ja, es geht hier um die Deutungshoheit – um die Deutung dessen, was gerade geschieht und darum, daraus einen direkiven Paradigmen-Wechsel herbeizuführen, auf direkt-demokratischer Basis. Dabei geht es nicht mal so sehr um Fakten – sondern um eine Idee dessen, was unsere Gesellschaft wirklich braucht, was sie emotional weiterbringt – auf allen Ebenen.

Früher nannte man das Bauchgefühl, auf das man auch heute noch vertrauen sollte, da es uns nämlich, einer inneren moralischen Instanz gleich, Antworten auf so viele Fragen gibt. Fragen wie: Fühlt es sich gut und richtig an, wenn Polizisten schlagen? Fühlt es sich für sie gut an, schlagen zu müssen? Fühlt es sich richtig und wahrhaftig an, dass Menschen, die sich einsetzen, stigmatisiert werden? Haben wir eigentlich mal darüber nachgedacht, dass es nicht nur uns auf der Erde gibt, dass nicht alles von dem Wort mit „c“ bestimmt wird, sondern auch um tausende hungernde Kinder geht, die täglich jämmerlich sterben, während wir zu einer „alten Normalität“ zurückwollen, die auf Ausbeutung und gesellschaftlicher Ungleichheit beruht?

Zurück wollen zu einer Normalität, die den Tod von Menschen gnadenlos hinnimmt, wenn es zum Beispiel um Rüstungsexporte geht. Auch dafür gibt es Statistiken, aber keine tägliche Pressekonferenz. Eine menschlichere Gesellschaft, das ist es, was wir brauchen, einen Abschied vom wahnsinnigen Glaube ans ewige Wachstum. Genau dafür könnte aus dieser Krise eine echte Chance erwachsen.

Corona-Statement

Wo ist sie, die APO, die für ihre Rechte kämpft? Genießt sie vielleicht lieber die Vorzüge ihres Netflix-Abos, als auf die Straße zu gehen?

Es ist dieser Tage frappierend, wie absolut ein Virus in der gesellschaftlichen Wahrnehmung geworden ist. Das kann man schon an einem klitzekleinen Post sehen, den wir heute Morgen veröffentlicht haben und dessen Tenor in etwa so lautet: „Mundschutz gegen Ende einer sogenannten Pandemie zu verteilen, ist so, als würde man sich erst bei der Kindtaufe ein Kondom überziehen.“ So weit, so gut. Nun sollte man hoffentlich nicht erst seit Tucholsky wissen, dass Satire alles darf und dass, mehr oder minder, immer auch ein Fünkchen Wahrheit in den mit ihr kommunizierten Aussagen steckt. Aber die gesellschaftliche „Wahrheit“, und das macht mich rasend, wird momentan in ganz Deutschland terminiert von drei Multiplikatoren, die gebetsmühlenartig ihre Reden vom Vortag wiederholen: der Physikerin Frau Merkel, dem Tierarzt Herrn Wieler und dem Virologen Herrn Drosten. Und genau das Absolute der von diesen drei Herrschaften propagierten Meinungsmache, die für sich selbst die Deutungshoheit beanspruchen und jegliche divergente Meinung als „Verschwörungstheorie“ und „Alu-Hut-Geplappere“ deklarieren, stört mich ungemein. Denn nur dort, wo gesellschaftlicher Dissens ermöglicht wird, ist auch demokratischer Diskurs realisierbar, definiert sich dieser doch schließlich über den Dreischritt „These, Antithese, Synthese“. Eben selbiger ist Indikator für jeglichen Fortschritt, der immer auch gekennzeichnet ist durch das Hinterfragen bestehender Sturkturen und dem damit verbundenen Prozess der Verifikation bzw. der Falsifikation. Das Infragestellen selbst ist die Grundbedingung für jegliche strukturelle Weiterentwicklung. Davon konnten schon einige große Geister dieser Welt ein Liedchen singen, angefangen bei Galileo Galilei bis hin zu Albert Einstein, Sophie Scholl und Che Guevara. Sie alle kratzten am Bestehenden, gingen den Dingen in ihrer charakteristischen Art und Weise auf den Grund und entblößten den „Kern der Dinge“, indem sie deren Patina mit vollem Einsatz und einem ungebremsten Idealismus entfernten.

Doch dieses Infragestellen von Bestehendem ist momentan einer Rhetorik der Panikmache und einem Verharren in der Privatheit gewichen, die sich statt auf Fakten auf eben die Aussagen des oben genannten Dreigestirns bezieht. Umso tragischer ist die zurzeit vollzogene Gegenaufklärung insofern, als dass durch sie integre Forscher und Wissenschaftler systematisch diffamiert und verleumdet werden, unter ihnen beispielsweise Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi und Bodo Schiffmann – allesamt medizinische Experten auf ihrem Gebiet, allesamt erfahren und durchaus keine linken, respektive: rechten Spinner, doch allesamt ist ihnen eines gemein: Sie weichen von der Meinung des Mainstreams ab und machen sich damit „verdächtig“, oder eben lassen das von der Regierung vertretene Narrativ als unwahr oder zumindest diskutabel erscheinen.

Und statt sich mit den in den zahlreichen Videos und Artikeln genannten Fakten ernsthaft zu befassen, beschimpft man diese mutigen Menschen, die sich bereitwillig in die Öffentlichkeit wagen, immer unter der Gefahr, von der Meute gelünscht zu werden, ganz nach dem Motto „Hängt sie, die Ketzer.“ All das bereitet mir allergrößte Bedenken, weil eben die, die da schreien, eben nur aus Angst handeln, entsprechend dem Narrativ, ohne sich die Mühe zu machen, sich mit Fakten zu befassen. Das würde Zeit und Mühe kosten. Aber das und nur das macht doch erst echte Mündigkeit aus, nicht wahr? Wo seid ihr, mündige Menschen?

Und bei aller Vorsicht gegenüber Corona, dessen Gefährlichkeit ich ausdrücklich nicht leugne, verurteile ich die durchgeführten Maßnahmen innerhalb des Logdowns aufs Schärfste. Denn es gibt sie: Die Studien, die belegen, dass dieser Logdown unsinnig war und die Beweise dafür, dass der viel beachtete „R-Wert“ schon vor dem Logdown – vor dem Logdown ! – unter 1 lag. Diese Studien werden nämlich von jenen Experten weiter oben regelmäßig zitiert – nur gehört werden sie nicht und man mag sich schon die Frage stellen, warum dem so ist. Die Rate des Neuansteckungen tendiert (laut RKI-Statistik) in Deutschland gen 0, schauen Sie es sich an!

Die breite Masse unterwirft sich stattdessen dem Diktat des „Wir bleiben zu Hause“, ohne kritisch zu hinterfragen und Fakten auch wirklich mal gelten zu lassen. Stattdessen wird sich artig bei den Gemeinden für die erhaltenen Mundschutze bedankt, während man das Gegenüber beim Bäcker mit Argwohn beäugt. Wo leben wir hier eigentlich? Noch einmal für Sie zum Mitschreiben: Der R-Wert lag schon vor dem Logdown unter 1. Aber mit dieser faktischen Aussage begebe ich mich schon quasi auf meinen persönlichen Scheiterhaufen und laufe Gefahr, als Ketzer verschrien zu werden. Denn viele Menschen sind derzeit gefangen in einer wahnhaften Angst, die medial geschürt wird und resistent macht für Fakten, dafür offen für suppressive Machtformen und faschistische Strukturen. „Wir bleiben zu Hause“, höre ich da allzu oft von Menschen, die es sich das „leisten“ können bzw. wo das überhaupt möglich ist. Welche Doppelmoral, denn die Verkäuferin kann das nicht, der selbstständige Klempner kann das nicht, die Krankenschwester und der Busfahrer können das nicht. Corona ist also auch eine Klassenfrage.

Wo bitteschön ist denn hier die Solidarität und das von Stars und Sternchen beschworene Gemeinschaftsgefühl für diese Menschen, ihr Heuchler, die ihr euch abends eure Wohlstandsbäuche mit Chips aus dem Supermarkt füllt? Und damit meine ich nicht die Pseudo-Solidarität diesen wichtigen Berufsgruppen gegenüber, dieses beschämende „Ach, seid ihr toll.“, sondern sofortige finanzielle Unterstützung und eine Risikozulage. Aber okay unsere Gesellschaft war noch nie solidarisch.

Obendrein: Vom Politischen mancher Stammtischreden-Schwinger ist in jenen Zeiten hinterm Mundschutz sprichwörtlich nur heiße Luft übrig geblieben, das enttäuscht mich wirklich sehr. Erst kürzlich erzählte mir ein Freund ganz stoisch und ohne einen Anflug von Empörung, für ihn habe sich nichts geändert. Achso. Na dann, gärt weiter in eurem Hedonismus und eurer Trägheit.

Fakt ist: Das Ich-bezogene Verhalten vieler Menschen, das hier unter dem Deckmantel des „Wir schützen andere“ propagiert wird, ist eine Sache. Politisch für Freiheitsrechte zu kämpfen ist eine ganz andere. Wo ist sie hin, eure Mündigkeit? Gab es die überhaupt jemals? Wer jetzt alles klaglos hinnimmt, wer nicht aufbegehrt und versteht, dass es hier nicht nur um ein durchaus vorhandenes Virus, sondern um die Durchsetzung von Interessen geht, die mit dem vermeintlichen Gesundheitsschutz nichts, aber auch gar nichts zu tun haben, der hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Wacht endlich auf aus eurer sinnlosen Angst, die eure Kräfte lähmt. Glaubt ihr wirklich einem Claus Kleber, der von der Atlantikbrücke querfinanziert wird, glaubt Ihr wirklich den Repräsentanten des Kapitals, die sich Politiker schimpfen? Wollt ihr wirklich euren Kindern erzählen, dass drei „Experten“ für die Lahmlegung von ganz Deutschland verantwortlich waren und niemand etwas dagegen tat? Experten gab es auch früher schon mal. Medizinische Experten, die die Rassenlehre vertraten, Richter, die Todesurteile über Unschuldige verhängten – alles Experten – ihre Motive waren dennoch unmenschlich und falsch! Ich frage mich, wann die Mehrheit von uns das versteht und was noch passieren muss, damit sie aus dieser selbstverschuldeten Unmündigkeit erwacht.Kant würde sich im Grabe umdrehen. Wieso legt ihr nicht Wert auf solche Feinheiten wie jene, ob ein Mensch „von“ oder „mit“ Corona verstorben ist (das RKI unterscheidet hier nicht!), wieso glaubt ihr Bill Gates, den einige afrikanische Länder nach seinen vor Nebenwirkungen strotzenden Impfprogrammen in hohem Bogen rauswarfen und der nachweislich Herrn Drosten finanziert? Wisst ihr nicht? Dann lest es nach! Und wenn Ihr schon dabei seid, dann lest noch was über ID 2020 und über die Finanzierung der WHO. Macht das, bevor ihr euch über einen satirischen Post echauffiert oder später, nach Corona, wieder große Reden schwingt.

Aber sie ist ja schön bequem, die Unmündigkeit, nicht wahr? Wie oft werde ich beispielsweise gefragt nach Quellen: Quellen gibt es genug, aber selbst lesen und sich diese Quellen erschließen, das will kaum einer. Wie faul wir geworden sind. Wie wenig uns die Freiheit am Herzen liegt. Es ist zum Verzweifeln. Wacht endlich auf und flüchtet euch nicht in die „neue Privatheit“, sondern zeigt Flagge: für eine gerechtere, offene Gesellschaft, die sich nicht für dumm verkaufen lässt, für ein Land, in dem auch noch eure Kinder in Freiheit leben können, für eine Welt, in der nicht ehemalige Software-Gurus über gesund und ungesund bestimmen und beweist euren Kindern, dass Ihr den Mut dafür habt.

Generationen vor uns haben für unsere heutigen Rechte gestritten, sind dafür gestorben – all das soll jetzt ungültig sein? All jene „Standards“, sollen aufgeweicht werden? Abschaffung der Versammlungsfreiheit, sinnlose Schikane der Polizei gegen friedliche Demonstranten, Überwachung durch Drohnen, Corona-App. Denkt Ihr wirklich, es wird wieder so wie früher sein, so unbeschwert, so fröhlich? Ich würde es mir wünschen, aber ich befürchte, es wird eher das Gegenteil eintreten. Wacht auf und kämpft für eure Freiheit, gründet eine Partei wie Dr. Bodo Schiffmann, tretet in seine ein, lest, bildet euch im wahrsten Sinne eine Meinung. Aber seid nicht bequem, sondern unbequem. Und macht aus dieser Krise eure persönliche Chance zur Überwindung eines korrupten Systems, das von innen faul ist. Überwindet dabei sinnlose Schablonen wie „rechts“ oder „links“, entdeckt das, was euch eint und arbeitet euch nicht an Nuancen ab. Das internationale Finanzkapital, das euch später sagen will, dass ihr einen Impfausweis braucht, um von A nach B zu reisen, hat nämlich keine Nationalität.

Wenn Sie wissen wollen, wohin es mit der Meinungsfreiheit in Deutschland in Zeiten von Corona gekommen ist, posten Sie zum Beispiel doch auch mal was (Fundiertes) Kritisches. Dann werden Sie erleben können, wohin uns Corona gebracht hat, spätestens dann, wenn Sie als Friedensaktivist zum rechten Populist, Aluhutträger oder Querfrontler stigmatisiert werden. Ja ist denn heute schon Faschismus? Scheint so.

Macht kaputt, was euch kaputt macht. Das Motto der Scherben war nie aktueller als heute. Das seid ihr euch und allen späteren Generationen schuldig.