Amy Winehouse ist tot

Amy Jade Winehouse verstarb heute im Alter von 27 Jahren. Das junge Ausnahmetalent hatte in der Vergangenheit immer wieder durch seinen enormen Alkohol- und Drogenkonsum für Schlagzeilen gesorgt. Anfang Juni beendete Winehouse erst eine Entziehungskur. „Ich sage es doch ganz offen: Ich trinke zu viel, ich rauche zu viel, ich esse manchmal zu wenig und hab Spaß im Leben – wo bitte ist da die Verdrängung“, so Winehouse schon im Jahre 2007.

In letzter Zeit verdichteten sich um Winehouse die schwarzen Wolken aus Sucht und privatem Unglück. Nach der Scheidung von ihrem Ehemann Fielder-Civil, wurde ihr Gefühlsleben noch weiter aufgewühlt, rutschte sie noch tiefer in ihre Drogenexzesse hinein.

Mit Amy Jade Winehouse verliert die Pop-Welt ein Ausnahmetalent, das an seinem eigenen Ruhm scheiterte. Die tiefe Melancholie ihrer rauchigen Stimme war bei nicht nur Markenzeichen, sondern auch tatsächlich gelebte Leidenschaft – mit der Akzentuierung auf Leid. Die schleichende Selbstaufgabe dieser überforderten jungen Frau letztlich ein stummer Hilfeschrei, der zwar gehört wurde, aber in den Weiten tiefer Depressionen verhallte. Ich bedauere den Heimgang dieser talentierten und an sich gescheiterten jungen Frau sehr.

Kalter Krieg 1983: So rettete ein Mann namens Petrow die Welt

Wie sich die Dinge doch gleichen: Als Ronald Reagan im Jahre 1983 die UdSSR nach dem versehentlichen Abschuss eines koreanischen Jumbos mit den Worten „Evil Empire“ bezeichnete, konnte niemand ahnen, dass rund 18 Jahre später ein gewisser George W. Bush ebenfalls eine sentimentale Schwäche für derlei metaphorische Wortkreationen hegen würde. Diesmal war es allerdings nicht die UdSSR, die den gottesfürchtigen Präsidenten zum weltpolitischen Dichter machte – Mütterchen Russland hatte sich seines obsoleten, pseudo-kommunistischen Erbes längst entledigt. Nach dem 11. September 2001 fühlte sich der damalige US-Regierungschef berufen, eine noch wuchtigere Vokabel für die mutmaßliche geographische Position der Drahtzieher der Nine-Eleven-Anschläge in den Ring zu werfen. Aus dem „Reich des Bösen“ war nun die „Achse des Bösen“ geworden, womit die Pauschalierung eines nicht unerheblichen Teils der Weltbevölkerung eigentlich nicht mehr zu überbieten war.

Richten wir unser Augenmerk allerdings wieder auf das instabile, leicht entzündliche politische Klima des Jahres 1983. Damals handelte man nach einer Maxime, die ihrer Natur nach zutiefst apokalyptisch war: Nach der Logik der atomaren Abschreckung. Diese Prämisse ging davon aus, dass es Frieden zwischen den USA und der Sowjetunion nur durch gegenseitige Aufrüstung und dem daraus resultierenden Gefühl der Angst vor einem Gegenschlag geben könne. Die zwei Supermächte beäugten sich also mit Argwohn und witterten bei jeder Bewegung des Gegenübers ein untrügliches Anzeichen des drohenden atomaren Vernichtungsschlages. Deutschland war durch die amerikanische Nachkriegspolitik längst zum Verbündeten und damit zum Spielball US-amerikanischer Interessen geworden. Auch im Herbst dieses Jahres musste man also die alljährliche Truppenübung des US-Millitärs wieder über sich ergehen lassen: Panzerlärm, Geschützfeuer und kaputte Straßen gehörten damals zum deutschen Alltag. Die US-Führung hatte sich in diesen Tagen jedoch ein ganz besonderes Szenario ausgedacht: Durch eine möglichst realistisches Trockenübung, getarnt unter dem Codenamen „Fähiger Schütze“ (Able Archer), sollte der Angriff sowjetischer Truppen auf die USA und deren Verbündete dargestellt werden, was einen noch höheren Soldaten- und Waffenbedarf als üblich bei dem NATO-Herbstmanöver notwendig machte und den russischen Geheimdienst folglich in Aufruhr geraten ließ.

Sogar die Agenten des eigens installierten US-Atom-Geheimnachrichtennetzes mit dem bezeichnenden Namen Cemetery Network waren in dieses Vorhaben eingeweiht und verwoben alle (Des-)Informationen des konspirativen Sandkastenspiels kommunikativ zu einem realistisch wirkenden Nachrichtenteppich. Das weltpolitische Geschehen spitzte sich auch andernorts weiter zu: Nach der Landung von US-Marines auf Grenada wurden dort zwar keine Massenvernichtungswaffen gefunden, aber erneut die Stärke der US-Truppen offen demonstriert. Auch hier sind gewisse historische Parallelen unverkennbar. Sie erinnern sich vielleicht noch an den Irak, Sadam Hussein und die vermeintlichen Gründe, einen Krieg anzufangen. Die Stationierung von Pershing-II-Raketen und rund 4000 Atomsprengköpfen auf deutschem Boden trugen nicht gerade zur weltpolitischen Entspannung bei. Kurz: Das alles mag für die Kreml-Führungselite im Jahre 1983 ein bedrohlich dunkles Gemälde mit chauvinistisch-atomarem US-Anstrich gezeichnet haben.

Ein gewisser Oberst Petrow verrichtete in diesen explosiven Herbsttagen wie üblich seinen Dienst. Petrov war mit seiner Mannschaft verantwortlich für die Überwachung jeglicher Atom-Aktivitäten des Gegners. Hätte ein atomarer Raketenabschuss stattgefunden – in dieser Leitzentrale hätte man es bemerkt. Dienst schieben, das hieß: Rauchen, einen Teller Suppe – und dann wieder stundenlanges Starren auf Monitore. An diesem Abend werden die Männer von einen gellenden Alarmsignal aufgeschreckt: „Atomarer Angriff“, heißt es da auf Russisch. Petrov starrt wie gebannt auf seinen Monitor und ist mit einem Male wieder hell wach. Alle blicken zu ihm – erwarten den Befehl für den Gegenschlag, denn die sowjetische Befehlskette ist straff gespannt – ein sogenannter „Vergeltungsschlag“ hat unmittelbar zu erfolgen – das fordern die Regularien. Petrow überlegt. Da ertönt das Signal noch einmal. Das System meldet mittlerweile mehre US-Raketen in der Luft und im Anflug auf russisches Gebiet. Petrov bleibt nicht viel Zeit. Telefone klingeln – die Gesichter seiner Untergebenen sind wie erstarrt. Was machte dieser Mann, dessen Namen die meisten Menschen noch nicht einmal kennen, in einer solchen ausweglosen Situation? Wie handelte er? Er handelte weise. Auch wenn alle politischen Zeichen auf eine nahende Konfrontation deuteten, unterbrach Oberst Petrov durch sein Nicht-Tun die rigide atomare Ablaufmaschinerie und entscheidet: „Kein Gegenschlag.“ Er zweifelte von Anfang an: Die geringe Anzahl der Atomraketen, die da in der Luft sein sollten, machte für ihn aus millitärischer Sicht keinen Sinn. Für einen validen Erstschlag der Amerikaner wären weitaus mehr der strahlenden Todesbringer notwendig gewesen.

Auch wenn sich Petrov durch seinen Alleingang bei den alten Herren im Kreml unbeliebt und sogar verhasst machte, war seine Entscheidung die richtige. Wie später heraus kam, verbarg sich hinter dem vermeintlichen Atomangriff eine kleine Ursache: Die fehlerhafte Software eines russischen Cosmos Satelliten hatte Sonnenstrahlen als Blitze von Atompilzen interpretiert und dies an die Computer im Überwachungszentrum entsprechend weitergemeldet. Petrov mutiert für mich mit seinem Ausbruch aus der Befehl-Gehorsam-Idiotie, trotz Wissen um die ihm drohenden Konsequenzen, zum ersten und einzigen Kriegshelden, den der Kalte Krieg je hervorbrachte. Danke, Oberst Petrov!

Ronald Reagan erkannte irgendwann, dass er mit seinen militärischen Muskelspielchen den Gegner in Angst versetzte und die Existenz unserer Welt damit in Gefahr brachte… Welch naheliegende Erkenntnis. Man fragt sich, wann solche Einsichten unsere Politiker ereilen… In einem Moment tiefster Besinnung vielleicht, indem man seine moralische Grundhaltung noch einmal überdenkt? In der Kirche beim Gebet? Nun: Bei Reagan war der Moment seines Sinneswandels ein weitaus banalerer. Gemeinsam mit seiner Frau Nancy sah er sich den Film „The day after“ an, der die Folgen einer Atombomben-Explosion aufzeigt und entschloss sich daraufhin, langsam, ganz langsam und nach vielen unterzeichneten Verträgen später, die atomare Abrüstungspolitik einzuleiten. Ich frage mich, wo wir heute wären, wenn Reagan sich diesen ‚gemütlichen‘ TV-Abend nicht gemacht hätte…

Wo der (Ge-)Hörgang zur Qual wird

Geht Euch das eigentlich auch so? Jeden Morgen, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin, höre ich Radio. Schließlich will man über die Neuigkeiten in der Welt informiert sein, um auch mitreden zu können. So weit, so gut. Nun werden aber diese informellen Programmeinheiten nicht selten von den sinn- und belanglosen Redeschwallen selbstverliebter Radiomoderatoren und Moderatorinnen unterbrochen. Ich weiß – das ist ein langer Satz – aber auch der musste einmal gesagt bzw. geschrieben werden. Da wird dann pseudo-spontan getönt von irgendwelchen ‚tollen‘ Veranstaltungen, deren Erwähnung die Veranstalter wohl viel Geld gekostet haben muss.

Ergänzt wird das oberflächliche Geplapper von unlustigen Bemerkungen und viel gespielter Lockerheit. Dass ich morgens zu früher Stunde noch kein politischen Feuilleton-Thema à la FAZ oder Deutschland Radio Kultur erwarten kann – schön und gut. Aber was mich an einigen Radio-Sendern wirklich stört ist deren Beliebigkeit – deren offen zur Schau gestelltes Nicht-Stellung-Beziehen. Klar: Wo Werbeplätze an jedes Unternehmen verschärbelt werden, da kann man sich echte journalistische Arbeit nicht mehr leisten. Die würde ja eventuell unbequem wirken und potentielle Werbekunden abschrecken.

Aber halt: Da gibt es natürlich auch die positiven Sender-Empfänger-Beispiele: Susi und der Morgenhans auf BigFm zum Beispiel. Die beiden Vollblut-Radiomacher verstehen es, eine klasse Show zu zelibrieren, die den Namen Morning-Show auch verdient. Hier werden übrigens – mit einem ganz unkomplizierten Gang in die Web-Community – auch kunterbunte Fragestellungen aus allen gesellschaftlichen Bereichen aufgegriffen und – mal mehr, mal weniger ernsthaft – beantwortet. Fazit: Es gibt sie noch, die passionierten RadiomacherInnen, die ganz unverkrampft eine breite Zielgruppe – von fünfzehn bis dreißig Jahren – ansprechen. Bei allen anderen Gehörgang-Belästigern befolge ich einen Rat von Peter Lustig: Einfach abschalten!

Tschüss Herr Kaiser!

Auf dem Weg zu einem der erfolgreichsten aller deutschen Versicherungskonzerne zieht die ERGO-Gruppe wirklich alle Marketing-Register. Dass sage ich ganz ohne Ironie. Lange hat die Versicherungsbranche gebraucht, um zu erkennen, wie wichtig die Transparenz gerade bei Finanzgeschäften für den Kunden ist. Versichern heißt verstehen. Dieser Claim spricht nicht nur eine junge, dynamische Zielgruppe an, sondern impliziert eine nicht hierarchische Kommunikationsstruktur von Mensch zu Mensch. Leider heißt ERGO nicht verstehen, sondern also, was mir als nicht ganz gelungen erscheint. Außer man würde ERGO als Konsequenz einer mißglückten Suche nach der passenden Versicherung definieren und dann quasi also bei der Unternehmensgruppe mit den vier Buchstaben landen.

Was fällt sonst noch auf bei dem Finanz-Branchen-Riesen? Die Brand-Awareness, also das Interesse für die Marke als solches, wurde schon von Beginn an mit Plakatwerbung geweckt. Diese Plakate waren, soweit ich mich erinnern kann, weit vor den Werbespots zu sehen. Ach ja: Die Werbespots. Auch hier haben wir eine parallele Kommunikationsstruktur von Mensch zu Mensch. Herr Kaiser hat ausgedient und ‚Menschen wie du und ich‘-Key-Visuals stehen im Vordergrund. Dass einige der Spots dabei ganz deutlich an den Cusack-Steifen High-Fidelity erinnern, lassen wir da mal außen vor.

Übrigens: Erst im Jahr 2010 wurde offiziell bekannt, dass der Düsseldorfer Branchenriese, zu dem Marken wie DKV ie und die Hamburg Mannheimer gehören, auf der Suche nach einer innovativen Werbeagentur ist, deren Aufgabe die Fokusierung auf die Dachmarke sein sollte. Budget dafür: 50 Millionen Euro. Man kann es sich leisten: Das ERGO-Grundkapital lag am Bilanzstichtag 31. Dezember 2009 bei 192.279.504,20 Euro.

Über Strukturen und Muster

Nach einem unglaublich anstrengenden Umzugstag ist jetzt endlich die Zeit gekommen, mich mal gemützlich zurückzulehnen und meinen Gedanken nachzuhängen. Das Verlassen von Altem bedeutet doch auch immer den Aufbruch zu Neuem. Doch wir Menschen scheuen uns vor genau dem, verharren in alten, regressiven Mustern, nur um den Funken Sicherheit zu erhaschen, den es eigentlich nie gegeben hat. Sicherheit –dieser Wunschtraum der Menschheit – ist ein Streben nach, lässt sich aber doch nie idealtypisch realisieren. „Die Menschen sind sehr offen für neue Dinge – solange sie nur genau den alten gleichen“, sagte Charles F. Kettering einmal. Das trifft es genau: Den Wunsch, eigentlich Verharren zu wollen in alten Strukturen und selbst in scheinbar Neuem, eigenltlich nur das Altbekannte zu suchen. Da stellt sich für mich die Frage, ob es das Neue in seiner Essenz überhaupt gibt oder ob uns nur die Variationen des Alten gegenübertreten. Ich glaube, Strukturen ändern sich im Leben wohl nie, sie bleiben gleich, liegen den in uns individuierten Handlungen und Motivationen immer inharänt zugrunde. Das, was sich ändert, sind die Handlungsmuster, die situativen Gegebenheiten, in denen sich die bereits in uns angelegten Strukturen realisieren. Sich Neues zu erschließen, ist immer auch ein Wagnis, dass uns auf unmissverständliche Art und Weise zeigt, wie wir als Menschen gestrickt sind und nach welchen Strukturen wir unser Handeln ausrichten.

Deutsche Rüstungsindustrie profitiert von Regierungs-Deal

Unglaublich, aber wahr: Kurz vor der Sommerpause im politischen Berlin, fädelt die christlich-liberale Regierung Angela Merkels einen Millionen Deal mit dem arabischen Königshaus ein. Demnach sollen im Namen der Bundesregierung 200 Leopard-II-Panzer an das diktatorische Regime geliefert weden. Dieses Land ist laut Artikel 1 und 5 seiner Grundordnung eine absolute Monarchie, dessen Justizsystem von verschiedenen Religionsgerichten nach den Maßstäben der Sharia geführt wird, die absolutistisch herrschende Königsfamilie geht unerbittlich gegen ihre politischen Gegner vor. Das Land gilt ferner als Keim- und Wirtszelle für die Terrororganisation Al Quaida, die dort mutmaßlich viele ihrer hochrangigen Anhänger abtauchen lässt.

Da wirkt es schon fast ironisch, dass eine Instanz wie der Bundessicherheitsrat die Lieferung dieser schweren Kampfmaschinen in diese nachweislich als unsicher geltene Region genehmigt hat. Mehr noch: Angela Merkel spricht tatsächlich öffentlich davon, den Demokratisierungs-Prozess im nahen Osten mit allen Mitteln voranzutreiben. Gepanzerte demokratische Mittel also… Auch die buchhalterische Transparenz, bei diesem größten aller mit Saudi Arabien jemals getätigten Rüstungs-Deals, lässt zu wünschen übrig: Den Rüstungsexportbericht 2011, in dem dieses Mega-Geschäft nämlich zu vermerken ist – den gibt’s erst nächstes Jahr. Aber der geschäftsführende CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (der sich ja mit ai schreibt und mit dem ich daher weder verwandt, noch verschwägert bin) behauptet da noch, Saudi-Arabien sei in der Region immer ein stabilisierender Faktor. Klar: Mit solchen repressiven Mitteln wie unserern Rüstungspanzern, werden ja jegliche Bestrebungen nach Emanzipation und persönlichen Freiheitsrechten der Bevölkerung schon im Keim erstickt.

Rechtlich gesehen darf der Bundessicherheitsrat solche Geschäfte einfädeln. Aber nicht alles, was man darf, sollte man auch tun. Zumindest, sofern man nach moralisch-ethischen Leitlinien handelt. Im weltweiten Waffenexport-Ranking befindet sich Deutschland auf Rang 3, täglich werden tausende Menschen durch Waffen made in Germany getötet… Doch wo der schnöde Mammon regiert, scheint man keinerlei Gewissensbisse zu kennen. Da würde ich mir wünschen, dieser Albtraum-Deal wäre nur ein schauriges Sommermärchen… Leider werde ich, wenn ich in die Zeitungen sehe, eines Besseren belehrt und finde mich in der Realität erbarmungsloser deutscher Riegierungspolitik im Jahr 2011 wieder.

Atomkraft: Die Kunst der medialen Wiederaufbereitung

Schon lange fokusieren für uns die Medien in Sachen Atomkraft das, was Politiker entscheiden sollen oder bereits entschieden haben. Dabei kommen selbst seriöse öffentlich-rechtliche Sendeanstalten nicht umhin, die Schmitts und die Müllers von Nebenan in ihren Berichten, teils durch den Einsatz dramatischer musikalischer Nuancen, teils mittels unterschwellig polemischem Unterton, von „ihren“ Bedenken über einen schnellen Atomausstieg zu überzeugen. So konnte ich vor Kurzem ein Glanzstück einer ‚investigativen‘ Reportage verfolgen, die untersuchte, welche Mehrkosten bei einem endgültigen Abschalten aller deutschen Meiler auf uns und die Industrie zukommen werden. Antwort: Unsere Geldbeutel werden jährlich mit 60 Euro zusätzlich strapaziert. Nun hört sich das wahrlich nicht nach viel an. Um den Panik-Charakter dieser Meldung dennoch aufrechterhalten zu können, bediente sich der Reporter deshalb einem geschickten Vergleich. Hier dessen ungefährer Wortlaut:“Während der Endverbraucher mit rund 60 Euro jährlich mehr rechnen muss, wachsen die Kosten für die Industrie rund auf 200 Milliarden Euro an.“ Ich frage mich, ob mittlerweile die „Milliarde“ zum festen Bestandteil einer „guten“ Nachrichtenmeldung gehören muss. Von Bankenpleite bis zu Griechenland: Die globalisierte Währungseinheit wird mittlerweile wohl in Milliarden bemessen und verliert dadurch an Fassbarkeit und obendrein an ihrem inharänten Wert.

Wen zur Hölle meint dieser Journalist mit der Industrie? Nun hätte man ganz einfach sagen können: „Die Kosten für einen industriellen Betrieb mittlerer Größe werden durchschnittlich um 10.000 Euro jährlich steigen.“ Zugegeben: Das klingt weit weniger sensationell. Eben: Da vergleicht dieser Mensch lieber Äpfel mit Birnen und führt mit der Industrie eine anonymisierende Begriffsschablone ein, der gegenüber die Mehrbelastung des kleinen Steuerzahlers fast schon der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Fast kann man den Eindruck gewinnen, man müsse bei solchen Mehrkosten der Industrie einen Fresskorb überreichen, da sie ansonsten am postindustriellen Hungertuch nagen müsse.

Sind es überhaupt die mittelständigen Unternehmen, die KMUs, die immerhin den Mamut-Anteil zum Bruttosozialprodukt beisteuern, die dieser Reporter meint? Ich kann mich der Vermutung nicht erwehren, dass davon eher nicht auszugehen ist…

Ist die Verzahnung von Medien und obskuren Lobbyisten der Großindustrie schon weiter vorangeschritten, als ich es vermutet hätte? Für mich steht jedenfalls fest: Diese 60 Euro gebe ich gerne aus für eine nicht-strahlende Zukunft. Bei jeglicher Kostendiskussion darf nicht vegessen werden: Atomkraft war und ist niemals eine saubere Form der Energiegewinnung.

Wäre sie das, dann bräuchten wir uns über die Wiederaufbereitung der hoch verstrahlten Brennstäbe, über deren Endlager und, nicht zu vergessen, über die bereits tausenden Todesopfer der Atomunfälle keine Gedanken zu machen… Leider ist das Leben kein Konjunktiv und die Ereignisse lehren uns Schlimmeres. Der Schritt weg von der Atomkraft war überfällig und das nicht zuletzt deshalb, weil sie uns und unseren Kindern gegenüber zutiefst unmoralisch ist.

Aussetzung bzw. Abschaffung der Wehrpflicht

Herzlichen Glückwunsch! Am 01. Juli war es so weit: Die Wehrpflicht hat eine Ende. Nun dürfen sich junge Menschen endlich dem widmen, was wirklich zählt und da gibt es Vieles, statt Bundeswehr. Hand auf’s Herz: Eigentlich ist alles sinnvoller, als diesem obsoleten Brauch nachkommen zu müssen. Endlich findet eine Ära ihr Ende, die den „Dienst an der Waffe“ als vaterlandstreu verharmloste und ihren ideologischen Grundsatz auf Befehl und Gehorsam gründete. Werte, wie Autonomie und selbstverantortliches, christliches Handeln, mussten dabei schon mal an der Kasernentüre abgegeben werden. Individuelle Persönlichkeiten wurden zur anonymen Truppe summiert, sinnloser Drill als wahrhaft männlich verklärt. Damit vertrat und vertritt die Bundeswehr eine Werteauffassung, die sich im Allgemeinen nicht mehr mit dem gegenwärtigen common sense deckt.

Auch wenn sie darin bestrebt war, sich stets einen neuen (und garnicht mehr so grün kämpferischen) Anstrich zu verleihen, hinkte sie dem Zeitgeist immer hinterher. Daran konnten auch verheißungsvolle „Karrierechancen“ inklusive groß angelegten Werbekampagnen nichts ändern. Vielleicht haben aber auch die jungen Menschen schon bemerkt, dass über diesem wackligen Karriere-Sprungbrett stets das Damokles-Schwert der unberechenbar gefährlichen Out-of-Area-Einsätze schwebt, die eher von machtpolitischen Schachzügen der Weltpolitik als von der Verteidigung eigener Landesgrenzen abhängig sind.

Schlagzeilen von gelegentlich im Kampf gefallenen deutschen Soldaten dürften dem Bund seine Jobvermittlungs-Versuche auch nicht gerade erleichtern. Soziologen bescheinigen der Bundeswehr ohnehin schon lange keine rosige Zukunft mehr und prophezeien ihr gerade noch dünne Zuläufe aus den sogenannten bildungsfernen Schichten. Ob die Bundeswehr nun endgültig zu einer Armee bezahlter Modernisierungsverlierer mit Hang zu deutschtümelnden Traditionen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit: Dienst für’s Vaterland tun wir Steuerzahler schon lange. Das geht auch ohne teure strategische Sandkastenspielchen und dem Lernen-Müssen, wie Mann tötet. Die Wehrpflicht ist ein Relikt längst vergangener Tage und gehört genau dort hin.

Dumm nur….

Mich erstaunt immer wieder das duale Weltbild, das viele Menschen für sich beanspruchen. Da gibt es nur weiss und schwarz, gut und böse. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen eine einfachere Sicht der Dinge. Immerhin leben wir in einem Land der Meinungsfreiheit. Problematisch empfinde ich allerdings drei Aspekte. Erstens: Wenn die von mir Angesprochenen versuchen, Andere lautstark von der Richtigkeit ihrer Gesinnung zu überzeugen. Zweitens: Wenn sich eben Solche gegenüber anderen Standpunkten als ignorant und bisweilen gar suppressiv erweisen. Drittens: Wenn ich nun diesen Menschen in der Sauna gegenüber sitze und eigentlich meine Ruhe haben will.

Und da bin ich auch schon auf das nächste, viel weitreichendere Problem gestoßen: Das duale Weltbild („dual“ kann hier übrigens durchaus auch als Synonym für stark simplifizierend gelten) gipfelt tragischer Weise letztendlich oft in einer groben Fehlinterpretation der tatsächlichen gesellschaftlichen Konditionen und Verhältnisse. Nehmen wir ein Beispiel aus der Praxis. Eine Gruppe von Männern (55-70 Jahre) sprach einmal angeregt über das Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit. Aufgrund des sich mir aus ihrem Gespräch erschließenden Inhalts, konnte ich, zumindest rudimentär, auf ihre jeweiligen biographischen Hintergründe schließen. So waren die Männer allesamt Rentner, hatten jedoch zuvor handwerkliche Berufe ausgeübt. Nun erzählte einer von ihnen sehr aufgebracht, dass es Hartz IV-Empfängern viel zu gut ginge. Alle anderen bejahten dies und steigerten sich daraufhin sehr emotional in dieses Thema hinein, dessen Tenor ich an dieser Stelle kurz illustrieren möchte: Allen arbeitslosen Menschen geht es besser als uns. Die kriegen zu viel. Warum sind wir überhaupt jemals arbeiten gegangen? Ach ja: Ironischer Weise berichteten einige der Männer später noch von anstehenden Fernreisen – womit sich tendenziell diese Frage eigentlich von selbst beantwortet haben müsste, hätten diese Leute, was ihr eigenes Luxusverständnis angeht, keinen „blinden Fleck“ ausgebildet, der ihnen jegliche Wahrnehmung dahingehend verschleiert.

Haben Sie sich, liebe Leser, nun vielleicht einmal die Mühe gemacht, solche Menschen von der Vielschichtigkeit der Dinge, ja über eine gwisse Grundidee von dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, zu ‚informieren‘? Richtig! Nein. Das bringt auch nichts, denn gegen Ignoranz und auch Dummheit ist ja bekanntlich noch kein Kraut gewachsen. Ja ich habe es gesagt – das böse Wort: Dummheit. Es gibt auf unserer Welt noch dumme Menschen und Sie werden sich wundern: Sie (diese A-B’ler) sind in der Mehrzahl und einige von ihnen überfluten uns sogar mit ihren Pseudo-Weisheiten, die manchmal in Vorurteile und andere Verblendungen münden. Hier ein paar Spielarten:Vegetarier leben ungesund, Ausländer sind nicht gut, Ich war es nicht, Früher war alles besser usw.

Heutzutage darf man das garnicht mehr sagen, glaube ich, dass es noch dumme Leute gibt. Seltsam… Die Jüngeren unter Ihnen können sich vielleicht daran nicht mehr erinnern, aber früher, da gab es noch Schulen, wo man kein Abitur machen konnte. Diese Institutionen wurden auch nicht stigmatisiert so wie heute, nein. Man nannte sie übrigens Haupt- oder Realschulen. Komisch, dass sich die Eltern unserer Eltern noch mit einer nicht-akademischen Laufbahn ihrer Sprößlinge abfinden konnten, während heutzutage jeder sein Kind für den intelektuellen Überflieger und späteren Frauenschwarm mit Porsche Carrera S vor der Haustür hält. Ja – damals hatte ‚Mann‘ noch Haare auf der Brust, ‚Frau‘ wurde man erst nach Fräulein und wenn schulische Leistungen des Sohnes oder der Tochter mal durchschnittlich waren: Who the f… cared?

So wuchsen unsere Eltern in einem bildungs-fatalistischen Klima der Extraklasse heran. Klar: Damals haben auch schon einige gewusst wie’s geht und studiert – ganz aus eigenem Antrieb. Die verstanden es zu revoltieren und ordentlich was in Sachen Emanzipation zu tun – ok. Aber gerade diejenigen, die sich ohne höhere Schulbildung gemächlich in den damals noch sicheren Schoß einer Ausbildungsstelle begaben – oder die eben einfach ‚zu doof‘ zum Studieren waren – die begegnen uns heute doch mit den Worten: Das war damals so. Da hat man nicht studiert. Anders formuliert: Durchschnittlichkeit und Dummheit hatten damals noch ihren festen gesellschaftlichen Stellenwert und wurden akzeptiert, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, ab dem dann die 68er selber Papas und Mamas wurden und plötzlich meinten, ihre eigenen Bildungslücken mit sinnlos langen akademischen Schulkarrieren ihrer Kinder stopfen zu müssen…

Nochmal zurück zu unserem Ausgangsthema: Wenn aus Dummheit eine Meinung erwächst. Jetzt sagen Sie wahrscheinlich: Das gab’s schon immer und das wird’s wohl auch immer geben. Gut – das habe ich akzeptiert. Dieses gesellschaftliche Phänomen existiert tatsächlich schon sehr, sehr lange und spiegelt sich auch medial in den kunterbunten Schlagzeilen der Yellow Press wider. Gefährlich wird’s aber da, wo subjektive Befindlichkeiten zu objektiven Tatsachen verdreht werden und in scheinbar gut recherchierte Nachrichtensendungen als Fakten einfließen. Ja, ja -da ist es wirklich schwer, sich und seinen Kindern noch die echte Mündigkeit und Autonomie im Sinne Adornos zu bewahren…

Das Gespräch dieser alten Männer zeigte mir einmal mehr auf erschreckende Art und Weise, was geschieht, wenn wir unser Wissen (oder das, was davon noch übrig bleibt) aus den kollektiven Breitbandmedien nähren, die ja bewusst mit der Angst der Menschen kalkulieren und spielen. Denn alles, was diese alten Herren aus meinem Beispiel über ein eigentlich wichtiges gesellschaftliches Problem wiedergeben konnten, hatten sie aus einem medialen Mischmasch der BILD-Kategorie aufgesogen, der ihnen zwar eine Meinung, aber kein Wissen verschaffte. Sie wussten davon natürlich nichts und wähnten sich im Lichte ihrer Schein-Erkenntnis – wie schade eigentlich.

Kleines Intermezzo am Rande: Müssen die Schlagzeilen einer Nachrichtensendung wirklich immer mit dramatischer Pseudo-Hektik-Wichtig-mach-Musik hinterlegt werden? Will ich wirklich in den Acht-Uhr-News (nannte man früher Tagesschau) erfahren, dass in China ein Panda-Baby auf die Welt kam? Kurz: Will ich so enden wie diese und Millionen anderer Menschen? Nein – aber wir alle werden immer wieder mit solchen Emo-Attacken der Sendeanstalten und Verlage bombardiert, bis wir genau das glauben. Wie süüüüß, nicht wahr?

Zugegeben: Kein Mensch kann alles wissen. Worum es mir geht, ist es, ein Plädoyer zu halten für die genaue Selektion der Quellen, aus denen man sein Wissen bezieht. Auch Klatsch-Magazine haben ihren Stellenwert, ich darf ihnen nur nicht das Attibut zu sprechen, objektiv-wahr zu sein. Wo nämlich journalistischer Gossip oder einfach nur schlecht recherchierte Berichte, zu stark an Bedeutung gewinnen, bleibt Wesentliches verschleiert und Scheinwissen wird zur Realität verklärt. Auf unser Beispiel mit den älteren Herren bezogen heisst das: Diese Menschen haben nicht verstanden, dass sie von dem, was sie da sprechen, eigentlich gar keine Ahnung haben, weil sie es versäumt haben, in ihrem Leben auf die richtigen Quellen zurückzugreifen. Und das ist nun leider wirklich dumm. Wie treffend hat das Jan Hegenberg mal in einem seiner Songs formuliert, dem ich mich an dieser Stelle nur brav anschließen kann:

„Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!“ Recht hat er…

Was bleibt?

Ich habe heute beim Aufräumen einer großen Mehrzweckhalle geholfen. Diese Halle hatte über Jahre hinweg ein alter Herr betrieben, der allerdings nun die Diagnose Pankreas CA, kurz Bauchspeicheldrüsen-Krebs, gestellt bekam. Daraus ergibt es sich, dass er diese Halle, die er sein ganzes Leben lang hegte und pflegte, nicht mehr länger als Hausmeister übernehmen kann. Sein Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag und er hat wohl nur noch einige Wochen zu leben.

Der Vermieter, eine große Wohnungsbaugesellschaft, hat auch kein Interesse daran, das Objekt zu erhalten. Daher wollten wir, eine Truppe von 5 Mann, diesem Mann helfen. Schnell und unentgeltlich. Unglaublich, was sich da in den letzten Jahrzehnten an allerlei Dingen angesammelt hatte. Irgendwie könnte ich niemals so etwas wie Haushaltsauflösungen verantworten. Man hat das seltsame Gefühl, ein ganzes Leben zu negieren… Das wirklich Schlimme daran ist, dass jede Kleinigkeit, jedes Bild, dem alten Mann etwas bedeutete und man (also ich) es dennoch einfach entsorgen und wegwerfen musste. Alle Sinnhaftigkeit, alle Arbeit, alle Mühe – ausgelöscht…

Dieser Mann, dessen ganzes Leben bestimmt war von seiner Arbeit, wird Zeuge davon, dass ein entscheidendes Element seiner Existenz, einfach „dekonstruiert“ wird. Kafka sagte treffend: „Das eigentlich Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit.“ Aber die direkte Konfrontation mit ihr, macht uns schwach und reisst uns aus jeglichem Omnipotenz-Wahn.

Was bleibt also? Es bleibt, so denke ich, der Eindruck von Jemandem, die Erinnerung an ihn, die gut oder schlecht sein kann. Natürlich verblasst diese und löst sich auf – nach und nach. Das ist es wohl, mit was wir zurecht kommen müssen: Dem Bewusstsein unserer Endlichkeit…

Wer weiß
Wir kommen, wer weiß, woher.
Wir gehen, wer weiß, wohin.
Wir sind wie die Welle im Meer
allein und doch darin.
Wir sind wie das Licht ein Teilchen
und ebenso ein Strahl.
Wir sind auf der Erde ein Weilchen
und vielleicht ein ums andere Mal.
Wer weiß, woher wir gekommen,
wer weiß, wohin wir gehen?
Es bleibt für uns  verschwommen,
bis wir selbst am Ende stehen.

Renate Eggert-Schwarten