Eine kleine Filmkritik zu „Mad Max Fury Road“

Wer beim neuen Streifen von George Miller viel Handlung erwartet, kann sich den Kauf der Kino-Karten sparen. Dafür ist „Mad Max – Fury Road“ das, was man einen dunklen, oder eher: sandigen, Endzeit-Action-Film nennt. Dazu machen ihn all jene scharfen Zutaten, mit denen wir im Zeitalter der all gegenwärtiger Digitalisierung kaum noch in einer Filmküche rechnen würden: echte Manpower, echte Stunts und düstere, handgemachte Masken. Was der Australier da vor unseren Augen entstehen lässt, wirkt durchgeknallt, skuril, comic-like und wie ein kurzweiliger Videoclip, dessen Charkteren allesamt eine Zwangseinweisung ausgestellt gehört, feiern sie ihr persönliches Memento Mori und die Apokalypse der Welt doch auf allerhöchstem Level.


Immortan Joe in Action

Wir werden hinein katapultiert in eine Wüstenlandschaft, die von verschiedenen Clans und Warlords beherrscht wird. Die wertvollste Ressource ist – wie könnte es auch anders sein – Wasser, einzig reichlich vorhanden in der vom Tyrannen Immortan Joe bewohnten Saline. Mad Max wird von Anhängern des Bösewichts, den Warboys, gefangen genommen. Denen dient er als lebendiges Blutreservoir, kann aber entkommen und schließt sich, gemeinsam mit dem leicht morbiden Warboy Nux, Imperator Furiosa an. Furiosa war früher Teil von Immortan Joes Fangemeinde, flieht aber jetzt vor ihm in einem 2000-PS-starken Truck-Monstrum. Ach ja – an Bord sind da auch noch Joes fünf junge Frauen, die ihm eigentlich als Zwangs-Gebärerinnen für seine kleinen Nachwuchs-Krieger dienen sollten. Na ja. Natürlich kriegt der böse Junge am Ende sein Fett weg und der wortkarge Mr. Mad Max verschwindet irgendwo im Nirgendwo.


Epische Aufnahmen gehören bei Fury Road dazu.

Die rund 110-Millionen-Dollar-Produktion sollten Action-Fans auf keinen Fall verpassen. Denn, dass in diesem Film ausnahmsweise mal viel Handgemachtes steckt, fühlt und sieht der Zuschauer in jeder Sekunde. Da fliegen Menschen an riesigen Dynamit-Speeren in hohem Bogen durch die Luft. Da pauken die Bösewichte auf archaischen Trommeln zur Schlacht und leisten sich mit den Protagonisten waghalsige Verfolgungsjagden in selbst gebauten Teufelskisten, die auch Vin Diesel in „Fast and Furious“ hätten neidig werden lassen. Es riecht nach Benzin, Wahnsinn, Chrom und Sand in diesem Film und das macht ihn besonders – eine nihilistische mit Gewalt gespickte Endzeit-Atmo.

Im Nachhinein betrachtet, ist es wohl gut, dass sich Fury Road in einem scheinbar nie enden wollenden Vorproduktions-Trauma befand, denn, so denke ich, die lange Phase der Reifung endete für uns gnenau zur richtigen Zeit. Es tut einfach mal wieder gut, handgemachte Effekte, jenseits des Digitalisierungs-Overkills zu sehen, bei denen die Schauspieler nicht vor einem Bluescreen stehen, sondern wahrhaftig mitten in der Wüste vor echten Autos mit blubbernden V8-Motoren, bei 40 Grad im Schatten.

Erste Pläne für „Fury Road“ lagen schon 2003 auf dem Tisch. Nachdem die Dreharbeiten in Namibia aufgrund politischer Konflikte damals nicht durchgführt werden konnten, wurde das gesamte Projekt zunächst gecancel und schlummerte tief in der Filmemacher-Schublade, bevor Miller dann 2011 in Australien den erneuten Startschuss für die Dreharbeiten gab, ohne Mel Gibson. Der sprang nämlich ab. Für ihn kam Tom Hardy. Aber dieses Genre-Meisterwerk lebt ohnehin nicht von seinen Darstellern. Die sind, mit Verlaub gesagt, austauschbar. Daher ist es auch völlig Wurscht, ob Charlize Theron den Truck fährt, oder ob Hella von Sinnen das getan hätte, ob Tom Hardy Mad Max ist, oder eben nicht. Es tut auch nichts zur Sache, dass das, was wir da sehen, mit den alten Mad Max-Filmen nichts zu tun hat, bis auf ein kleines, aber feines Detail vielleicht. Immortan Joe wird von Hugh Keays-Byrne gespielt, der schon in Mad Max II den Bösewicht „Toecutter“ verkörperte. Als Joe erkennt man ihn wegen seiner diabolischen Maske nicht wirklich, aber okay. Und wenn ich jetzt schon dabei bin, mich in Details zu verlieren: Die Filmmusik vom niederländischen DJ „Junkie XL“, den kennen Sie vielleicht noch aus dem Jahr 2002 vom Elvis- Remix „A little less conversation“, ist einfach mega.


Auf der Flucht.

Ehrlich gesagt, hatte ich Bedenken, dass der Film das Tempo und den Stil des super gemachten Trailers nicht würde halten können. Zu Unrecht: Das, was wir sehen und hören, ist atemberaubend, Action geladen und einfach der pure Wahnsinn! 9 von 10 Punkte.

Bildrechte: Warner Bros. Entertainment

Die Armut der Anderen

Ist es nicht so, dass das, was wir gerade auf unserer Welt sehen und dessen Teil wir werden, ein Echo ist? Ist es nicht so, dass wir die sind, die dieses Echo verantworten? Ist es nicht so, dass Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur der Welt die Krisenherde auf allen Kontinenten Tag für Tag aufs Neue anheizt? Ist es nicht so, dass das, was man als kleine Flamme anheizt, auch zu einem Flächenbrand führen kann? Ist es nicht so, dass die Massen von Menschen, die jetzt unter Einsatz ihres Lebens zu uns, ins gelobte Deutschland kommen, zu Recht ihren Teil des Wohlstands einfordern? Ist es nicht so, dass in einer Welt, in der der Wert eines börsen-notierten Unternehmens von heute auf morgen um ein Drittel einbricht und dadurch Existenzen bedroht sind, nichts mehr echten, wahren Bestand hat? Ist es nicht so, dass wir, die wir alle in tendenziellem Wohlstand geboren sind, keine Ahnung haben von existentieller Not? Ist es nicht so, dass es nicht schlimm wäre, mal laut zu sagen, dass uns das alles Angst macht? Ist es nicht so, dass wir uns langsam mal verabschieden müssen von unserer unserer Dekadenz – mit SUV in der Garage und jährlichem Urlaub am Mittelmeer? Ist es nicht so, dass wir die ganze Zeit dachten „Schau die im Fernsehen doch mal an. Denen geht es schlecht. Doch wir, wir, sind so weit weg. Gott sei Dank.“? Ist es nicht so, dass der westliche Wohlstand auf der Armut der Anderen fußt? Ist es nicht so, dass der Kapitalismus, nach dessen Doktrin wir handeln, nur einen Zweck, den Selbstzweck, hat? Ist es nicht so, dass der neue Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzende ehemaliger IG-Metallchef war und mit dem Bezug des Vorstandspostens all die Ideale aufgab, für die er einst eintrat?

Ich denke, wir werden uns verabschieden müssen von unserem hedonistischen Drehen um uns selbst. Die letzten vier Jahrzehnte haben uns Deutsche faul werden lassen. Wir konnten uns in unseren Ohrensesseln nach Feierabend genüsslich zurücklehnen und an die Stelle eines Homo Politicus trat in gewissem Maße eine Entpolitisierung. Spätestens nach dem pubertären Aufbäumen der 68er und deren geglückter Vergesellschaftung in die neo-liberale Ordnung gab es in Deutschland keine Begeisterung für die politische Sache. Die Entpolitisierung der Menschen war eine vom System gewünschte Conditio sine qua non, die die Bewahrung des Status Quo und gleichwohl die Manifestierung der kapitalistischen Doktrin erst zuließ. Kämen die großen Volksparteien auf jene Wahlergebnisse, wenn sich das Gros der Wählerinnen und Wähler mit den Inhalten jener Parteien, und dem, was sie wirklich erreichten, beschäftigen würden? Ich glaube kaum.

Was jetzt passiert, wird uns im Mark erschüttern. Und zwar nicht, weil uns Flüchtlinge aus fernen Ländern aufsuchen und wir damit nicht fertig werden, sondern weil wir das erste Mal nach dem zweiten Weltkrieg erkennen müssen, mitten drin und nicht weit weg zu sein. Sie kommen zu uns, durchqueren das Mittelmeer und erwarten Hilfe.

Doch sind wir Wohltäter, wenn wir unsere Pforten öffnen? Nein. Das Öffnen der Schranken ist selbstverständlich. Denn die Flüchtlingsströme gehen auch auf unser Konto, genauer: auf das, der Regierenden der letzten 30 Jahre. Denn aufgrund unserer USA-affinen Politik einerseits und aufgrund unserer Waffengeschäfte andererseits sind wir nicht nur verantwortlich, sondern gemeinsam mit den USA die direkten Urheber für Leid und Tod in Syrien, Somalia und in anderen Krisengebieten dieser Welt. Es hat schon so etwas von Goethes „Zauberlehrling“:

„Und sie laufen! Naß und nässer. (…)
welch entsetzliches Gewässer. (…)
Herr, die Not ist groß.
Die ich rief, die Geister
Werd ich nun nicht los.“

Europa spürt angesichts dieser Krise, die im soziologischen Sinne eine normale Migrationsbewegung darstellt, dass es alles andere ist als einig. Und sind wir mal ehrlich: Über diese Heterogenität der europäischen Staaten können auch längst keine offenen Grenzen und erst recht keine einheitliche Währung hinwegtäuschen. Aber ist es nicht normal, dass jedes Land unterschiedlich auf die Fragen dieser Zeit antwortet und reagiert? Dass sich das eine abschotten möchte, während das andere bereitwillig seine Grenzen öffnet? Ist der Grundgedanke des geeinten Europa nicht ein idealisiertes Topos, das schlimmsten Falls der Aufgabe der eigenen landestypischen Identität gipfelt?

Gleichschaltung statt Akzeptanz des Einzelnen und seiner Identität, so geht Kapitalismus m iKleinen und im Großen. Mercedes-Chef Zetsche sieht in den Migranten verwehrtbares Humankapital, mit dem man den Produktionsprozess verbessern und beschleunigen könne, zum Mindestlohn versteht sich. Der SPIEGEL verklärt Miss Merkel derweil zur Mutter Theresa. Welch schöne, neue Welt wir doch haben. Doch mit Flüchtlingen lässt sich eben Quote machen, noch jedenfalls. Und sollte das nicht mehr so sein, dann wird Angie ihre Meinung ändern und sie drehen, wie das Fähnchen im Wind sich dreht. Das war ja damals beim Atomausstieg schon so. Während wir heute noch die großen Gastgeber sind, können wir morgen schon wieder die bösen Deutschen sein. Das hat man eben von einem Wachstum, das auf dem sandigen Fundament der Armut der Anderen wurzelt und damit die Anderen entwurzelt.

Viel Stoff zum Träumen: „Dior and I“

Die alten, schweren Türen öffnen sich und geben den Blick frei in ein Treppenhaus, das schon viele Menschen hat kommen und gehen sehen. An den Wänden prangern Graffiti-Schriftzüge, lautstark protestierend gegen System und das Establishment, Flyer überall. Es mutet schon ein wenig seltsam an, dass sich in dieser Hinterhof-Atmo, ein Kinosaal verbergen soll. Und noch viel seltsamer ist es wohl, sich gerade hier, in einer linken Entclave, Frédéric Tchengs neuestes filmisches Meisterwerk „Dior and I“ anzuschauen und einen Blick auf und vielleicht auch hinter die oberflächliche Maske der Haute Couture, diesen schillernden Salon der Eitelkeiten, zu werfen.

Ich erwartete von „Dior and I“ eine Art cineastisches Denkmal für den großen Meister und Wegbereiter der Haute Couture, für Dior eben. Doch der tritt nur zu Beginn des Films in Rückblenden und alten Ausschnitten als personifiziertes Über-Ich in Erscheinung. Nein, in diesem Film geht es nicht nur um die Vergangenheit eines der wohl legendärsten Modehäuser der Welt. Es geht nicht nur um die Huldigung einer Legende, um die Glorifizierung eines Mythos. Vielmehr entfaltet sich seine Dynamik im sensiblen Porträt von Raf Simons, der seine erste Haute Couture-Kollektion für Dior kreieren muss – in nur acht Wochen und für den die Aufgabe Herausforderung und schwere Bürde zugleich ist. Raf Simons zählt zu den renommiertesten Modeschöpfern unserer Zeit, hat sein eigenes Label, war Kreativdirektor bei Jil Sander, trat im Jahr 2012 die Nachfolge von John Galliano im Hause Dior an und betrat damit den Weg ins Allerheiligste der Modebranche: in ein magisches Reich, in dem nur edelste Stoffe und feineste Materialien verwedet und in unzähligen Arbeitsstunden zu Ikonen der Catwalks verwandelt werden. In diesen heiligen Hallen sind die Worte Konfektion und Prêt-à-porter verpöhnt.


Raff Simons @work

Nun ist es der Schaffensort von Raf Simons. Seine Augen haben etwas Gütiges, aber man spürt sie in ihm, die Nervosität, die Fäden in der Hand und die Verantwortung für eine der größten, schönsten und schillerndsten Modeschauen der Saison auf seinen Schultern zu tragen. Tcheng blickt hinter die Kulissen des Modezirkus, ohne zu kommentieren, ohne einzuschrenken. Der US-amerikanische Regisseur hatte mit seinem Film „Valentino – The last Emporer“ im Jahr 2008 bereits einen ersten Berührungspunkt mit der Modewelt.

Und das Auge der Kamera führt uns auch dieses Mal mitten ins Epizentrum des Schaffensprozesses und zeigt, wie aus einer Idee Mode wird. Wir sehen die tausenden Hände, die schneidern, nähen und Pailleten auf Träume aus Samt platzieren . Die Hände sind der Saum der Kollektion, arbeiten Tag und Nacht, während Monsieur le Creative-Directeur sich Diors Strandhaus aus dem Heli ansieht. Ich sage das jedoch ohne Sarkasmus. Denn, auch wenn ein Haus wie Dior seinen Chefdesigner huldigt und ihn verwöhnt, geschieht das nur aufgrund einer Hoffnung: Dass sich alle Kosten in einer einzigen Schau amortisieren und das teure Investment zu einem Goldesel machen mögen.

Simons spielt virtuos auf der Klaviatur der Kreativität und wir dürfen ihm dabei zusehen. Er ist scheu, dominant, wegweisend, inspirierend und, ja, vielleicht auch dekadent. Aber er ist vor allem leidenschaftlich. So hat „Dior and I“ etwas durch und durch Cleanes, etwas Kantenloses wie Simons Hang zum Minimalismus. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die elektronischen Klangfarben des Soundtracks. Wenn Simons auf dem Dach eines Pariser Herrenhauses sitzt, flankiert von einem Butler und zu schüchtern, um sich der Presse zu stellen, so kauft man ihm das zweifelsohne ab.

Der Höhepunkt des Films ist die Schau, zu der natürlich wieder mal alles rechtzeitig fertig wird, gerade so. Diese Harmonie der Schnitte, Farben und Formen wird umrahmt von einem traumhaften Meer duftender Blumen. Es ist fast ein wenig wie im Märchen und blickt man man in Simons Augen, so sieht man ihn weinen, vor Freude, während sich unten im Saal die versammelt haben, die das kostspielige Vergnügen finanzieren sollen. Das Who ist Who der echten High Society ist da. Auch Anna Wintertour von der Vogue, bien sûr. Sie versteckt ihren kritischen Blick hinter einer schwarzen Sonnenbrille – wie immer zu einem solchen Anlass. Und die Kleider? Die sind fantastisch, schön und für Normalsterbliche einfach unbezahlbar. Aber wer wird an einem solchen Tag denn ans Geld denken, außer der Vorstandsvorsitzende von Dior, Monseieur Sidney Toledano, vielleicht? Fazit: ein Must-see für alle Vogue-Leser/Innen.

Angela menschelt, alle Heuchler sind schockiert

Ein Flüchtlingsmädchen, dem die Abschiebung gemeinsam mit seiner Familie unmittelbar bevorsteht, fängt vor laufender Kamera an, zu weinen. Welch PR-technisches Desaster für die Bundeskanzlerin, die sich wohl eher auf eine entspannte Small-Talk-Runde eingestellt haben dürfte, einen Tag vor ihrem Geburtstag. „Ich hatte Pläne, wollte in Deutschland studieren“, schluchzt die Jugndliche in die Kamera. Und ich muss schon sagen: Das alles hatte einen gewissen Gänsehautfaktor. Merkels Reaktion -„Ich kann Dich verstehen, aber…“ – war zugegebenermaßen linkisch und erinnerte mich persönlich eher an eine der standartisierten Antworten, die man von den Mitarbeitern der unzähigen Service-Hotlines kennt. Obendrein habe ich Frau Bundeskanzlerin herself noch niemals jemanden duzen hören. Aber irgendwann ist ja bekanntlich immer das erste Mal. So auch Merkels Streichel-Attacke im Nachgang, für die sie jetzt in sämtlichen Medien dieses Landes nur Häme erntet. Zu Unrecht wie ich finde. Was hätte sie tun sollen? War dies nicht von Anfang an eine Loose-Loose-Situation für Merkel? Auch wenn sie diese eine Abschiebung storniert und eine Ausnahme gemacht hätte? Ja, dann wäre der Content produziert worden, den die soziale Netzgemeinde so liebt, tausendfach geliked und geteilt. Ich sehe die Bildchen mit „Kanzlerin der Herzen“ schon vor mir. Aber …

Frau Merkel ist die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und hat klare Leitlinienkompetenzen. Ganz unabhängig davon wie wir zum Thema Flüchtlingspolitik stehen – und nein, auch ich gehe in dieser Sache mit der Bundesregierung nicht konform – können und dürfen wir es uns nicht leisten, Politik von emotionalen Entscheidungen abhängig zu machen, die zwar medienwiksam, aber ihrer Natur nach inkonsequent sind. Wohin das nämlich führen kann, haben uns diverse amerikanische Präsidenten schon gezeigt. Diese Erkenntnis ist hart und die Konsequenzen tun auf individueller Ebene weh, sind aber der einzige Weg, sich noch einen Funken Glaubwürdigkeit zu bewahren in Deutschland und im Rest der Welt.

Fest steht: Wir müssen nachdenken über die grundsätzlichen Regelungen der Flüchtlichspolitik und der Flüchtlingshilfe und an den entscheidenden Schrauben drehen, mit Bedacht und nicht übereilt. Und: Wir müssen was tun. Ein weinendes Mädchen steht da exemplarisch für das Leid von Millionen Menschen, dem wir uns in unseren Vorstadtsiedlungen mit idyllischen Eigenheimen werden stellen müssen. Wer also nun Angie eine unpassende Reaktion vorwirft, der werfe den ersten Stein und nehme danach zwei Flüchtlinge bei sich auf. Diese Reaktion wäre angemessen.

In Zeiten, in denen sich Flüchtlingsströme über das unruhige Mittelmeer auf den Weg ins gelobte Europa machen und in denen die terroristische Bedrohung allgegenwärtig ist, sollten wir uns besser an die eigene Nase greifen, als über eine linkische Bundeskanzlerin zu debattieren. Migrationsbewegungen von arm nach reich gab es nämlich immer schon und wir werden uns ihnen stellen müssen. Denn, sind wir mal ehrlich: Auf unserer Seite des Wohlstandsgefälles geht es zu wie im Alten Rom kurz vor dessen Untergang.

Reden wir über Menschen, die an den Grenzen der Türkei erschossen werden, während wir bei unserem All-inclusive- Urlaub an der Bar einen Cocktail schlürfen. Reden wir über ertrinkende Flüchtlingskinder, die in der salzigen Gischt des Mittelmeers Todesängste ausstehen und nie die Chance auf echtes Glück hatten, während wir zur gleichen Zeit darin baden. Das moralische Damokles-Schwert schwebt über uns allen.

Im Gleichschritt, Marsch!

Ach, was ist das schön! Wir alle leben in einer Zeit, in der wir es uns leisten können, abends ins Fitness-Studio zu gehen, morgens dann vor der Arbeit noch schnell eine Runde durch den Wald zu joggen, um dann, nach der Arbeit, die sauer verdienten Kröten im H&M, C&A oder im A&O wieder auszugeben. Im Zeitalter des sozialen Netzwerkelns sind wir alle ein bisschen mehr zu Individualisten geworden, oder? Wir lassen die anderen teilhaben an unserem Online-Leben, bescheren ihnen quasi voyeuristische Einblicke in unsere Lebenswelt, nur um dafür ein „Gefällt mir“ zu ernten. Der eine hat gerade zehn Liegestützen gemacht, der andere ist gerade 20 Kilometer Rad gefahren – alles live übetragen, via App. So weit, so gut. Aber wissen Sie: Ich denke, dass hinter all dem individualistischen Getue in Wahrheit nichts anderes steckt als das tiefe Bedürfnis des Menschen, den anderen ähnlich zu sein, es ihnen gleich zu tun, dazu zu gehören. Verzeihen Sie, wenn ich nun einen kleinen Ausflug in die Soziologie unternehme, aber dort kennt man dieses Phänomen unter dem Begriff der „Selbstähnlichkeit“.

Menschen haben wohl ein Streben nach Kohärenz in sich, den Wunsch, etwas zu hinterlassen in dieser Welt. Die Ironie an der Sache ist, dass sie, in dem sie das tun, anderen Menschen wieder gleich sind. Man nennt das die Dialektik vom Allgmeinen und Besonderen – ach, wie hochtrabend, nicht wahr? Ein Beispiel gefällig? Wenn ein Patient im Krankenhaus die Diagnose „Blinddarmentzündung“ gestellt wird, geht es dabei zwar immer um einen höchst individuellen Fall des Patienten X, gleichzeitig ähnelt Fall B immer in seiner Struktur Fall A, da Blinddarme nun mal von Natur aus gleich sind und erst durch die Selbstähnlichkeit der Strukturen ein individuelles Muster zur Intervention, sprich: zur Behandlung, angeboten werden kann. Das wiederum ist die Grundlage jeder Profession. Der allgemeine Fall, der durch ein individuelles Muster zu etwas Besonderem wird. Der Arzt muss ja schließlich wissen, wo sich das Organ befindet, welche Dinge es zu beachten gilt und so fort.

Auch auf menschliche Verhaltensmuster lässt sich das Phänomen der Selbstähnlichkeit anwenden. Beispiel Fitness: Wir bleiben fit, um einem gewissen Ideal zu entsprechen und erleben uns dabei vielleicht sogar als zufrieden und ausgeglichen. Dem „Besonders fühlen“ des Einzelnen liegt allerdings eine allgemeine Struktur zugrunde. Beziehen wir das mal auf das Sujet Fitness-Studio, so wird klar: Der Einzelne fühlt sich durch das regelmäßige Trainieren mehr oder minder gut, entspricht aber in seiner Verhaltensstruktur den Wertforderungen der Gesellschaft, die durch das Gesund- und Vital-Sein zur allgemeinen Prämisse erhoben hat.

Überspitzt könnte man sagen, je freier sich das Individuum innerhalb vorgebener Gesellschaftsstrukturen sieht, desto mehr entspricht es der gesellschaftlichen Tendenz zurUniformierung menschlicher Bedürfnisse. Wir shoppen und fühlen uns beim Kauf glücklich, entsprechen damit aber der gesellschaftlichen Prämisse des Konsums. Wir kaufen uns Kleider, die wir nicht brauchen, nur, um abends in der Disco hundert anderen Menschen ähnlich zu sehen, die einen ähnlichen Kapuzenpulli anziehen. Selbst Subkulturen wie Punks und Co. transportieren in ihrem Protest immer ein Stückchen von dem System mit, das sie so verabscheuen, denn ohne das System und im Protest gegen es, hätten auch sie ihre Daseinsberechtigung verloren. Echter Individualismus fällt auf, kostet Anstrengung und Kraft und nur wenige halten ihn aus.

Natürlich wird uns der Wunsch nach Selbstähnlichkeit in die Wiege gelegt. Wir werden sozialisiert, unsere Eltern erklären uns die Welt und dann, mit Zwanzig spätestens, merken wir, dass doch alles ganz anders läuft. Die große Revolution und so. Der Phase der Adolseszenz wieder entkommen, bauen wir uns dann ein Leben auf, das wir noch zehn Jahre zuvor nicht mal mit einem Schleifchen dran geschenkt haben wollten. Ja ja, vertrauen auf altbewährte Werte werden Sie sagen und so ganz Unrecht haben Sie damit wohl nicht. Wir nähern uns im Alter wieder der Systemschnittmenge an, werden mit der allgemein gültigen Struktur der Gesellschaft selbstähnlich. Ein bekannter Soziologie, der sich mit der Markenbildung in Unternehmen beschäftigt, beschrieb Selbstähnichkeit so: „Wenn Sie sich die Form eines Porsche ansehen, ist die immer ähnich. Egal, ob 911er oder Cayenne, Sie wissen, wenn ich hier einsteige, kann ich auf Porsche-Feeling vertrauen“.

Genug der Werbung. Aber genau das Vertrauen in Altbewährtes macht den Vorzug der Selbstähnlichkeit aus. Wir spüren intuitiv, dass wir anderen ähnlich sind, dass wir wollen, was sie wollen, begehren, was sie begehren. Das gibt uns Sicherheit. Auch in der Systemtheorie ist der Wille der Systeme zum Ausgleich, zur Homöostase, bekannt. So bewegen wir uns in einem latenten Gleichschritt in eine bereits vorgegebene Richtung, ohne uns dessen immer bewusst zu sein, möchten individuell wahrgenommen werden und sind doch immer zutiefst uniform. Solche Bahauptungen aufzustellen, das sieht mir mal wieder ähnlich, oder?

Im Gleichschritt, Marsch!

Ach, was ist das schön! Wir alle leben in einer Zeit, in der wir es uns leisten können, abends ins Fitness-Studio zu gehen, morgens dann vor der Arbeit noch schnell eine Runde durch den Wald zu joggen, um dann, nach der Arbeit, die sauer verdienten Kröten im H&M, C&A oder im A&O wieder auszugeben. Im Zeitalter des sozialen Netzwerkelns sind wir alle ein bisschen mehr zu Individualisten geworden, oder? Wir lassen die anderen teilhaben an unserem Online-Leben, bescheren ihnen quasi voyeuristische Einblicke in unsere Lebenswelt, nur um dafür ein „Gefällt mir“ zu ernten. Der eine hat gerade zehn Liegestützen gemacht, der andere ist gerade 20 Kilometer Rad gefahren – alles live übetragen, via App. So weit, so gut. Aber wissen Sie: Ich denke, dass hinter all dem individualistischen Getue in Wahrheit nichts anderes steckt als das tiefe Bedürfnis des Menschen, den anderen ähnlich zu sein, es ihnen gleich zu tun, dazu zu gehören. Verzeihen Sie, wenn ich nun einen kleinen Ausflug in die Soziologie unternehme, aber dort kennt man dieses Phänomen unter dem Begriff der „Selbstähnlichkeit“.

Menschen haben wohl ein Streben nach Kohärenz in sich, den Wunsch, etwas zu hinterlassen in dieser Welt. Die Ironie an der Sache ist, dass sie, in dem sie das tun, anderen Menschen wieder gleich sind. Man nennt das die Dialektik vom Allgmeinen und Besonderen – ach, wie hochtrabend, nicht wahr? Ein Beispiel gefällig? Wenn ein Patient im Krankenhaus die Diagnose „Blinddarmentzündung“ gestellt wird, geht es dabei zwar immer um einen höchst individuellen Fall des Patienten X, gleichzeitig ähnelt Fall B immer in seiner Struktur Fall A, da Blinddarme nun mal von Natur aus gleich sind und erst durch die Selbstähnlichkeit der Strukturen ein individuelles Muster zur Intervention, sprich: zur Behandlung, angeboten werden kann. Das wiederum ist die Grundlage jeder Profession. Der allgemeine Fall, der durch ein individuelles Muster zu etwas Besonderem wird. Der Arzt muss ja schließlich wissen, wo sich das Organ befindet, welche Dinge es zu beachten gilt und so fort.

Auch auf menschliche Verhaltensmuster lässt sich das Phänomen der Selbstähnlichkeit anwenden. Beispiel Fitness: Wir bleiben fit, um einem gewissen Ideal zu entsprechen und erleben uns dabei vielleicht sogar als zufrieden und ausgeglichen. Dem „Besonders fühlen“ des Einzelnen liegt allerdings eine allgemeine Struktur zugrunde. Beziehen wir das mal auf das Sujet Fitness-Studio, so wird klar: Der Einzelne fühlt sich durch das regelmäßige Trainieren mehr oder minder gut, entspricht aber in seiner Verhaltensstruktur den Wertforderungen der Gesellschaft, die durch das Gesund- und Vital-Sein zur allgemeinen Prämisse erhoben hat.

Überspitzt könnte man sagen, je freier sich das Individuum innerhalb vorgebener Gesellschaftsstrukturen sieht, desto mehr entspricht es der gesellschaftlichen Tendenz zurUniformierung menschlicher Bedürfnisse. Wir shoppen und fühlen uns beim Kauf glücklich, entsprechen damit aber der gesellschaftlichen Prämisse des Konsums. Wir kaufen uns Kleider, die wir nicht brauchen, nur, um abends in der Disco hundert anderen Menschen ähnlich zu sehen, die einen ähnlichen Kapuzenpulli anziehen. Selbst Subkulturen wie Punks und Co. transportieren in ihrem Protest immer ein Stückchen von dem System mit, das sie so verabscheuen, denn ohne das System und im Protest gegen es, hätten auch sie ihre Daseinsberechtigung verloren. Echter Individualismus fällt auf, kostet Anstrengung und Kraft und nur wenige halten ihn aus.

Natürlich wird uns der Wunsch nach Selbstähnlichkeit in die Wiege gelegt. Wir werden sozialisiert, unsere Eltern erklären uns die Welt und dann, mit Zwanzig spätestens, merken wir, dass doch alles ganz anders läuft. Die große Revolution und so. Der Phase der Adolseszenz wieder entkommen, bauen wir uns dann ein Leben auf, das wir noch zehn Jahre zuvor nicht mal mit einem Schleifchen dran geschenkt haben wollten. Ja ja, vertrauen auf altbewährte Werte werden Sie sagen und so ganz Unrecht haben Sie damit wohl nicht. Wir nähern uns im Alter wieder der Systemschnittmenge an, werden mit der allgemein gültigen Struktur der Gesellschaft selbstähnlich. Ein bekannter Soziologie, der sich mit der Markenbildung in Unternehmen beschäftigt, beschrieb Selbstähnichkeit so: „Wenn Sie sich die Form eines Porsche ansehen, ist die immer ähnich. Egal, ob 911er oder Cayenne, Sie wissen, wenn ich hier einsteige, kann ich auf Porsche-Feeling vertrauen“.

Genug der Werbung. Aber genau das Vertrauen in Altbewährtes macht den Vorzug der Selbstähnlichkeit aus. Wir spüren intuitiv, dass wir anderen ähnlich sind, dass wir wollen, was sie wollen, begehren, was sie begehren. Das gibt uns Sicherheit. Auch in der Systemtheorie ist der Wille der Systeme zum Ausgleich, zur Homöostase, bekannt. So bewegen wir uns in einem latenten Gleichschritt in eine bereits vorgegebene Richtung, ohne uns dessen immer bewusst zu sein, möchten individuell wahrgenommen werden und sind doch immer zutiefst uniform. Solche Bahauptungen aufzustellen, das sieht mir mal wieder ähnlich, oder?

Ex Machina – Eine kleine Filmkritik

Der schon am 21. Januar in den britischen Kinos angelaufene Streifen von Alex Garland „Ex Machina“ hat im April 2015 sein Deutschland-Debut gefeiert. Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Das 26-jährige Programmierer-Ass Caleb gewinnt als Mitarbeiter der riesig-großen – und sicherlich an Google angelehnten – Firma Bluebook einen Proggi-Wettbewerb und wird auserwählt, seinen exzentrischen Firmenboss Nathan zu besuchen. Dieser lebt abgeschieden inmitten einer rauhen und eindrucksvollen Landschaft, wo er sich – Money Money Money sei Dank – eine Art Forschungsstation in einer Luxus-Villa eingerichtet hat. Ziel des Ganzen: Nathan erschafft künstliche Intelligenz in Form von weiblich-humanoiden Robotern, die – nebenbei bemerkt – noch ganz attraktiv sind. Caleb macht Bekanntschaft mit Ava, der neuesten Schöpfüng Nathans, um die Authentizität ihrer Emotionen zu überprüfen. In Gesprächen, die von Nathan per Videokamera überwacht werden, soll Caleb Ava befragen. Ava fingiert Stromausfälle, während denen folglich keine Videoüberwachung möglich ist. Sie überzeugt Caleb, der sich nach und nach in sie verliebt, davon, dass Nathan böse und unehrlich ist. In einem Gespräch mit seinem Boss erfährt Caleb, dass Nathan plane, Ava nach der Testwoche abzuschalten. Caleb, dessen Hormone mittlerweile Salto schlagen, will Ava vor ihrem Roboter-Tod bewahren. Da sich Nathan regelmäßig dem Alkohol hingibt, ist es für ihn kein Problem, Nathans Keycard zu klauen und die Software zur Türöffnung umzuprogrammieren. Sesam öffne Dich. Ava ist frei, killt ihren Schöpfer Nathan, lässt den verdutzten und leicht naiven Caleb im abgeschiedenen Luxus-Domizil zurück und fliegt davon. That’s the way love goes.

„Ex Machina“ ist das Regie-Debut von Alex Garland. Wir kennen den Briten sonst eher als Drehbuchautor. So verdanken wir ihm Werke wie „The Beach“ oder „28 Days later“. Das Budget des Films war mit 11 Mio. Euro niedrig. Produziert wurde der Streifen von den Pinewood-Studios bei London. Ach ja – Pinewood, das muss ich noch unbedingt loswerden – hat 1962 „James Bond jagt Dr. No“ produziert.

Die Low-Budget-Sparflamme, auf der der Film köchelt, merkt man ihm nicht an. Einer seiner positiven Aspekte ist die Art, wie er fotografiert wurde. Ein ruhiger Schnitt und poetische Flashbacks entschleunigen das cineastische Erlebnis auf angenehme Art und Weise und erinnerten mich ein wenig an Streifen aus den 80ern. Die beindruckende Landschaft, Gletscher, Wasserfälle in schönen Totalen tun da ihr Übriges. Es ist die Abgeschiedenheit, die kontrapunktische Inszenierung von rauher Natur auf der einen, und die Gegenwart von technokratischer High-End-Wissenschaft auf der anderen Seite, die den Film nähren. Im klinisch-klaustrophobischen Setting von Nathans Villa entwickelt sich eine Art Kammerspiel, das sich entfaltet zwischen Nathan, Caleb und Ava. Geprägt von einer gewissen Ironie, sind es aber besonders die Dialoge zwischen Caleb und Nathan, die Ex Machina Würze verleihen.

Der Film lebt nicht von den eher langweiligen Gesprächen zwischen Ava und Caleb. Die Befragungen Calebs wirken zuweilen lächerlich. Das aus den faden Verhören dann auch noch (zumindestes seitens Caleb) eine Verliebtheit resultiert, mag man kaum glauben. Was hätte Caleb Ava nicht alles fragen, und welche Antworten aus der Perspektive ihres artifiziellen Seins hätte sie ihm geben können? Wir werden es nie erfahren, weil in diesen Gesprächen alles, aber auch alles, auf die banalsten zwischenmenschlichen Komponenten reduziert wird. Attraktive Frau verdreht naivem Mann den Kopf. Hatten wir nicht den Bad Girl-Effekt schon mal?

Der seichten Love-Story steht die dominant-exzentrische Personality Nathans gegenüber. Sein archaisches Erscheinungsbild mit Vollbart und Kurzhaarfrise, gepaart mit einem Lifestyle, den man (bzw. ich) zunächst nicht hinter einem Multi-Milliarden-Dollar-CEO vermuten würde, macht den Streifen aus. Über diesen Menschen will man eigentlich noch sehr viel mehr erfahren. Nathan der Weise hat mit 13 Jahren den Quellcode seiner Suchmaschine programmiert, es bleibt offen, ob die Namensgebung sich an Lessings Bühnenstück anlehnt. Erkennbar sind die Parallelen zur Hauptfigur allemal. Einen biblischen Bezug haben wir, zumindest phonologisch betrachtet, bei „Ava“ und explizit bei „Caleb“. Caleb stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „alles“, „treu und voller Hingabe“.

Oscar Isaac als Nathan macht zweifelsohne den besten Job und sticht seine Kollegen deutlich aus, die neben ihm nur blass wirken. Der aus Guatemala stammende Isaac wurde mit der Bibelverfilmung „Es begab sich aber zu der Zeit“ als Joseph bekannt. Für dessen Darstellung erhielt er 2007 den Grace Award.

Eine der größten Schwächen des Films ist sein eindimensionlaer Handlungsstrang. Ich meine: Vergegenwärtigen wir uns mal, um was es da geht. Da kommt jemand daher und hat einen ultra-coolen humanoiden Roboter geschaffen, und alles, was daraus resultiert, ist eine langweilige „fingierte“ Liebesgeschichte zwischen einem verklemmten Programmierer und einer ausgebufften Roboter-Ladie, die natürlich, wer hätte das gedacht, am Ende noch böse ist. Das finde ich echt schade, denn so gibt der Film all sein Potential zugunsten einer gähnend-langweiligen Robo-Romanze auf. Der Mainstream wirds mögen. Auch wenn Nathan noch gerade so mit Anspielungen auf Wittgenstein und Chomskys „Innateness Hypothesis“ (Chomsky ging davon aus, dass die Anlagen zum Erlernen von Sprache im menschlichen Geiste immer schon von Geburt an vorhanden sind und das Kind nur noch ihre Anwendung lernen müsse *ja, ich hör ja schon auf*) die philosophische Kurve kriegt, macht das die Oberflächlichkeit des Films auch nicht mehr wett.

Alicia Vikander macht in der Rolle der Ava das, was sie gut kann. Sie sieht hübsch aus, mehr aber auch nicht. Sie ist eben eine Darstellerin, keine echte Schauspielerin. Ach, wie unfreundlich, aber erfrischend ehrlich ich wieder mal bin. Vikander trat in Stockholm in verschiedenen Musicals auf, bekannt wurde sie in der schwedischen Serie „Andra Avenyn“. Auf der Berlinale im Jahr 2011 erhielt sie den „European Shooting Star Award“, der ihr endgültig den internationalen Durchbruch verschaffte. So spielte sie beispielsweise schon neben Jude Law und Keira Kneightly in „Anna Karenina“.

Domhnall Gleeson, was soll ich zu ihm sagen? Ja, man kauft ihn ihm ab, den Proggi-Nerd. Vikander und er kennen sich übrigens seit dem gemeinsamen „Anna Karenina“-Dreh.

Und nun machen wir, last but not least, noch weiter mit dem Verriss. Neben der Eindimensionalität des Films, seinem sachten Dahinplätschern, sind es auch die dramaturgischen Lücken, die die Gesamt-Performance des Streifens schwächen. Man stelle sich vor: Ein einzelner Mann baut in aller Abgeschiedenheit eines der tollsten Dinge, die die Menschheit seit der Handyflatrate gesehen hat. Ohne Helfer und erst recht ohne Mitwisser. Merken Sie was? Das alles ist schon ein wenig unlogisch, weit hergeholt und hat etwas vom Frankenstein-Faktor, wenn auch netter verpackt.

Obendrein ist Nathans Ermordung gegen Ende ein wenig unnötig und dürfte dem mit toter Robo-Haushälterin und Mega-CEO alleine zurückgelassenen Caleb ganz schön auf den Magen schlagen. Spätestens wenn die Polizei auftaucht.

Ach ja, das Ende. Ava haut ab, ohne Caleb, und was für sie viel schlimmer ist: ohne Akku-Station, die sie eigentlich dringend bräuchte. Na,vielleicht ist dem Storyboard ja jenseits von Minute hundert endgültig der Saft ausgegangen – so wie Ava wohl spätestens in Minute tausend. Der Zuschauer fühlt sich da jedenfalls ebenso allein gelassen wie Caleb in seinem Verließ. Wieso wundert sich der Heli-Pilot, der Ava völlig selbstverständlich in die Zivilisation fliegt, nicht mal? Immerhin sollte ja Caleb an Avas Platz stehen. Was macht Ava? Muss die Menscheit sich vor der schärfsten Cyber-Braut seit Brigitte Nieslsen (oder ist die etwa echt???) in Acht nehmen? Doch an die Stelle von Antworten tritt der Abspann… What a pitty.

Fazit: Kann man mal sehen, muss man aber nicht. Ich gebe dem Film ganz durchschnittliche 5 von möglichen 10 Punkten.

Danke an M. Reeb für den cineastischen Austausch.

I’m not aNEWSt

Es ist wieder einmal an der Zeit, über die Sensations-Sehnsucht der Medien zu richten. Wobei ich vielleicht genauer skizzieren sollte, um was es mir geht. Wissen Sie, es ist dieses ewige Warmkochen und heiß Servieren von eigentlichen Selbstverständlichkeiten, was mir gelinde gesagt ziemlich auf die Nerven geht. Ach heiß servieren, was sag ich, am liebsten noch köchelnd, brodelnd, im siedenden Newssaft. Ein Beispiel gefällig? Da der Winter sich zur Zeit anschickt, das zu tun, was Winter nun mal am liebsten tun, nämlich Winter sein und uns mal ordentlich eine mit Schnee und mit to much Matsch und Eis zu verbraten, wittern auch die Götterboten der deutschen Medienlandschaft wieder ihre Chance auf schnell generierte Nachrichten-Hysterie. Denn sobald Frau Holle ein wenig ihre Bettchen ausschüttelt, ist in den Sendeanstalten die Rede vom Verkehrschaos, der Eispartie und es werden regelrechte Lageberichte in die Sendewellen der Hörfunknetze posaunt. Ach, it’s a little bit like CNN, isn’t it? Und kaum tanzt die ganze Hörerschaft den synthetischen Schneewalzer, bevor überhaupt ein Schneeflöckchen zu sehen ist und die Alterskohorte zwischen 65 und 85 hat sich mit Hamsterkäufen und Grippeimpfungen eingedeckt, ist auch schon aus dem Schnee von heute der kalte Kaffee von gestern geworden. Denn das vermutete Chaos blieb aus und es war doch mal wieder alles halb so schlimm. Bis die nächste wichtige Neuigkeit ins kollektive Bewusstsein implementiert wird. Oder sollte ich sagen: Eine breite Masse ist eben froh über solch belangloses Zeugs, denn darüber lässt es sich beim Bäcker von Nebenan einfach besser plaudern. Hey, sind wir nicht alle schon ein wenig Bluna?

„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ Theodor W. Adorno, aus Minima Moralia, Suhrkamp, 1994.

Was ich mich in meinem Elfenbeinturm dann frage, ist, wo bleibt eigentlich die journalistische Distanz? Wo sind die Nachrichtensprecher der 70er und 80er, die mit energisch-geföhntem Seitenscheitel, schlecht sitzendem Anzug, aber vor allem auch ruhiger, gelassener Stimme sagten „Achtung. Es kann glatt werden“? Das war’s. Fertig aus. Keine Befragungen von Menschen auf den Straßen, wie sie zur Arbeit kamen, kein Life-Bericht aus dem Schneepflug. Und ja: Den Konjunktiv hatte man damals tatsächlich noch in Gebrauch.

So pflanzen sich die Wellen der gehypten Newsfeeds fort. Alles ist einmalig und doch austauschbar und beliebig. Aus einem Sommer wird ein MegaSommer, aus einer Flutwelle eine Jahrhundertflut. Das mediale Schneller-Höher-Weiter macht selbst vor wirklichen Katastrophen nicht halt. Letzte Woche noch wollten alle Charlie sein und was kommt morgen? So wichtig Solidarität auch ist, so wenig bleibt ihr an Nachhaltigkeit, wenn auf uns ein ständig köchelnder Brei an Neuigkeiten einströmt, von dem jeder Bissen den Anspruch erhebt, der köstlichste zu sein, wenn wir uns verführen lassen, von der Süße seines Geschmacks.

Es mutet schon seltsam an, wenn heute noch der Bildzeitung das Gesicht eines im Kugelhagel erschossenen Polizisten als Aufmacher dient und morgen schon die debil-grinsenden Fratzen der Dschungel-Kamp-Kandidaten. Aber manchmal, wenn das kollektive Bewusstsein an die Grenzen seiner von Natur aus gegebenen Sehnsucht nach Harmonie stößt, ersticken die Medien mit der Macht eines Dampfhammers wieder den Funken der fremderworbenen Mündigkeit. Dann sind wir nicht mehr empört oder machen uns Gedanken über die Entwicklungen in der Ost-Ukraine, sondern hängen an den Lippen des Bachelors, gucken Frauentausch oder Musikantenstadl. Ach, welch rosige Aussichten. Will noch jemand Kartoffelchips?

Kleiner Kommentar
Ist es nicht so, dass Medien unmittelbar die Wahrnehmung unserer Realität und der damit verbundenen, uns umgebenden Lebenswelt bestimmen, nie aber die Realität widerspiegeln? Wie sicher sind Nachrichtenquellen, die uns Aufnahmen von Schießereien präsentieren, deren Kontext für uns nicht nachvollziehbar und deren Echtheit nicht prüfbar sind? Sind Medien mittlerweile zu einem Großteil zu dem geworden, was noch in der Antike die Spiele der Gladiatoren waren, nach dem Motto: Panem et circenses? Es geht wohl nicht minder darum, uns eine wohl-portionierte Dosis an Schock, Kummer und Not zu verabreichen, über die wir dann in Talkshows symbolträchtig diskutieren, nur um sie dann wieder vergessen zu machen. Wobei sich auch „die Medien“ sicherlich nicht über einen Kamm scheren lassen, denn es gibt sie noch, die echten investigativen Journalisten. Vielleicht ist es auch einfach das Überangebot an dem, was an Informationen zur Verfügung steht, was die Medien dazu zwingt, einen dramaturgischen Bogen zu spannen, der jegliche Sujets bis zum Crescendo sukzessive aufbereitet. Vielleicht sind es auch die perfiden Vernetzungen der großen Medienunternehmen und deren Verflechtungen mit der Wirtschaft, die den inszenierten Einheitsbrei kochen. Sicher ist, dass wir und insbesondere unsere Kinder eine Medienkompetenz erlernen müssen, um vor all dem gewappnet zu sein, was uns da als „echt“ und „wichtig“ verkauft wird. In Verbindung mit dem Web 2.0 stellt das Eltern vor herausfordernde Aufgaben, müssen sie doch ihre Kinder für einen maßvollen und sensiblen Umgang mit dem unendlichen Universum „Internet“ sensibilisieren, gleichzeitig aber ohne entmündigende Verbote auskommen.

Wundervoll weichgespielt: Ein Plädoyer für die Love-Songs dieser Welt

Es erstaunt mich doch immer wieder, wie sehr uns manche Musiktitel – oder cooler, denn so alt bin ich ja noch nicht: Tracks – durch das Leben begleiten. Jedenfalls geht das mir so. Nehmen wir mal den Kuschel-Rock-Evergreen von Bryan Adams „Please forgive me“. Ach ja, hat sich genau das nicht jeder von uns schon gewünscht? Noch schmalziger geht’s natürlich immer. Ich hab da noch einen Klassiker. Nazareth mit „Love hurts“. Wie ernüchternd, dass Rocker echte Gefühle haben, auch wenn wir alle wissen, dass „Love“ manchmal ganz schön „hurten“ kann, ist’s immer wieder schön, wie „beautiful“ sie ist, weil sie – oder vielmehr – „she“ – eben den „look“ hat. Roxette. Ebenso ein Garant weichgespülter Liebes-Hymnen. Nein, ich meine das nicht ironisch, im Gegenteil. Immer wenn ich „It Must have been love“ höre, dann mache ich das Autoradio ein wenig lauter – so ein kleines bisschen – und ertappe mich beim Träumen. Es muss Liebe gewesen sein, Schweigen füllte den Raum…. Wie das die gute Marie singt, ist wirklich herzzereissend schön. Kitschalarm, richtig! Aber genau davon lebt die große, weite Welt des Pop. Weil’s dabei um viel Geld geht, werden Sie sagen. Aber, und das verkennen wir gerne: Weil wir’s hören wollen.

Ob Abba, Bon Jovi, Christina Aguilera, Britney Spears oder Michael Jackson: Richtig große Hits wurden meist dann geboren, wenn sie die watteweiche ideale Liebe à la Humphrey Bogart thematisierten. Selbst der Make-up Artist und giftige Grummel-Rocker Alice Cooper startete erst mit „Poison“ so richtig durch – harte Schale, weicher Kern.

Irgendwas mit Herzschmerz, garniert mit viel Melodie und viel L.O.V.E obendrauf – fertig ist der Radio-Dauerbrenner, der den Herzschlag außer Takt und die Kasse zum klingeln bringt. Und das ist eigentlich auch gut so. Denn indem uns die zart geknüpften und sachte durchkämmten Klangteppiche umhüllen, stellen sie uns einen auditiven Schonraum zur Verarbeitung dessen bereit, was in realitas die tägliche Routine gerne verhindern würde. Zahnpasta zumachen, Mineralwasser aus dem Keller holen und Wocheneinkauf: „What’s love got to do with it?“, fragt Tina Turner. Nix, aber auch garnix!

Ergo: Auch wenn wir selbst nicht unbedingt „atemlos durch die Nacht“ hechten, sondern schon die grünen Ampelphasen morgens in der Rushhour als Höchstmaß der großen Freiheit betrachten, stiftet uns beispielsweise das Fischer’sche Hit-Prinzip zumindest genügend Identifikationspotential, um es uns vorzustellen – frei zu sein, ganz für die Liebe. In der Musik dürfen wir voll und ganz aufgehen im samtig-gefühlsduseligen Liebes-Topos, dessen Wurzeln verankert sind in unserem von Hollywood-Filmen durchsiebten Bewusstein.

Und für alle, die dann enttäuscht wurden, denn sowas soll ja vorkommen, habe ich gehört, ist dann Andrea Berg (Zielgruppe: Hausfrau, um die vierzig, 1000 mal belogen, (unglücklich) verheiratet) da – zumindest rund 3 Minuten, 20 Sekunden lang. Auch wenn die Liebe beim Schlager oft plumper daherkommt als bei Depeche Mode’s „Enjoy the Silence“: Eigentlich geht’s um Dasselbe – um das Erleben der Leidenschaft in allen ihren Farben und Formen. Denn wir alle – gucken Sie nicht so, Sie auch! – haben uns doch schon gefragt „Do you really want to hurt me?“, oder wenn’s mal ganz dicke kam „What is love?“.

Wie beschließen wir jetzt diesen Artikel? Vielleicht mit dem Hit-Zitat, dass die Liebe ein seltsames Spiel ist? Das wäre zu einfach. Nein, Sie bekommen jetzt mal was ganz Persönliches von mir. In diesem Sinne: all you need is … Sie wissen schon.

Meine drei Lieblings-Love-Songs (ich stehe wenigstens dazu!)

1. Münchener Freiheit: „Herz aus Glas“

2. Rod Stewart: „Don’t want to talk about it“

3. The Verve: „Bitter Sweet Symphony“

Ein Kind der 80er

Als Kind der Achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts – mein Gott wie old-fashioned das klingt – frage ich mich oft, ob damals alles besser war. Dann fallen mir wieder die Tage ein, an denen meine Freunde und ich draußen spielten. Ja, so etwas machte man früher tatsächlich. Wir streiften durch die umliegenden Wiesen, die für uns ein magischer Erlebnis-Dschungel waren. Ob es regnete oder die Sonne schien, war uns einerlei. Meine Welt war damals eine kleine, und reichte nur einen Kilometer herum um unser Haus. Doch hier spielte sich das Leben ab, gab es fantastische Riesenschlangen, die in Straßenkanälen lauerten, Banden (das meinte damals noch was anderes als „Gang“) und jede Menge Freunde. Handys gab es noch nicht.

Nachdem die Schulaufgaben erledigt waren und gestärkt mit dem Mittagessen im Bauch, wartete ich für gewöhnlich darauf, dass einer meiner Kumpel bei uns zu Hause klingelte. Auch ganz ohne Handy und WhatsApp – einfach an der Haustür. Draußen sein, das hieß für uns frei zu sein, Kind sein zu dürfen. Damals sah man tatsächlich noch Kinder auf der Straße spielen – ein Bild, das man heute kaum noch kennt. Im Sommer kickten wir nebenan Fußball bis die Sonne unterging, bauten Staudämme und brausten mit unseren Skateboards die Straßen des Wohngebiets hinab. Wisst ihr: Wir verletzten uns auch manchmal, schlugen uns die Knie und Ellenbogen auf, und obwohl wir mit acht Jahren schon ganz schön harte Kerle waren, lief uns manchmal eine salzige Träne die Wange hinab, was natürlich keiner sehen durfte.

Die Garagen unserer Eltern waren unsere geheimen Stützpunkte, unsere eigene Area 51. In Regalen lagerten unsere Schätze. Ja, damals hatten wir sogar Plastik-Gewehre, und schossen uns damit im Spiel ab. Für pädagogisch unklug hielt das nämlich keiner. Neben mit Steinen gefüllten Marmeladen-Gläsern, Plastikringen und Fußbällen in allen erdenklichen Größen gab es damals noch Rollschuhe und orangene Kettcars, mit denen wir uns wilde Verfolgungsjagden in der Garagen-Einfahrt lieferten. Aber das Wichtigste, das wirklich Wichtigste, stand ganz weit hinten an die Wand gelehnt: Das eigene Fahrrad, unsere Rakete, unser Helfer, mit dem wir schnell wie der Wind von A nach B brausten. Wer von euch spielte auch mal nach, Michael Night zu sein, und hat in seine Uhr rein gesprochen, nur um KITT zu rufen, der dann natürlich nicht kam?

Auch wenn wir heute als Erwachsene wissen, dass Songs wie „99 Luftballons“ unmittelbar auf den Kalten Krieg anspielen: Wir Kinder (nicht: Kids!) fanden die Melodie schön (nein: nicht cool!) und mochten die , Luftballons, über die das junge Mädchen mit dem Stirnband sang. Und wenn das auch empirisch nicht ganz nachzuweisen ist: Ja, ich hatte das Gefühl, dass die Sommer damals heißer und die Winter kälter waren. Vielleicht lag es ja auch am Wetter, dass wir noch auf den Straßen Federball und Tennis spielten, und im Winter Schlitten fuhren.

Dann, Ende der 80er, gab es die ersten Rechner – groß, klobig und völlig leistungsschwach. Und wollte man ein Spiel spielen, musste man Zeit mitbringen, denn der Floppy lud und lud, blinkte uns machte komische Geräusche. Wer kennt das noch: „Insert Disk 2“? Und manchmal stürzte das Ding sogar ab. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem. Wir zockten damals mit Joystick, der hatte zwei fette rote Knüpfe und musste manchmal erst „justiert“ werden: Falcon, Giana Sister, Maniac Mansion. Ach, die gute alte Zeit eben.

Und erst das TV: Damals eröffnete sich mir mit RTL eine völlig neue Welt. Denn vorher hatten wir nur drei Programme: in Worten D.R.E.I. Und sogar Hans Meiser war jung zu der Zeit. Samstags sahen wir bei meiner Oma immer Schwarzwaldklinik, und ich konnte als Kind echt nicht verstehen, was an Sascha Hehn so toll sein soll. Sonntag Abend saß dann die komplette Familie vorm Fernseher und hat „Ein Tag wie kein anderer“ oder „Der große Preis“ mit Wim Thoelke geguckt. Wenn man damit auch heute keinen Blumentopf gewinnen würde: Hey, damals waren das echte TV-Highlights. Und dann die Serien: Knight Rider, Ein Colt für alle Fälle, Hart aber herzlich, Ein Engel auf Erden. Wie hab ich die geliebt und den Soundtrack dazu hab ich heute noch im Ohr.

Nun ist aber genug mit der romantischen Gefühlsduselei, oder? Ich meine, was war denn damals anders? Nun, ich glaube, die Welt war keine andere. Vielleicht waren es einfach andere Zeiten auf die wir heute mit einem Hauch Melancholie schauen. Es war schwer, mindestens so schwer wie heute, der Kalte Krieg schwebte als latente Gefahr immer in der Luft. Die USA und die Sowjets übten sich im Wettrüsten und die atomare Bedrohung machte mir als Kind damals schon Angst. Pershing-Raketen, der Name war mir bekannt, wenn ich auch nicht wusste, was das genau war, so war es wohl nichts Gutes. Genau so, wie die Militärkonvois, die über die Autobahnen rollten nichts Gutes sein konnten – laut, in Tarnfarben und irgendwie gespenstisch.

Doch rückwirkend würde ich sagen, dass das, was ich da erlebte, die schönste Kindheit war, die man sich vorstellen kann. Ein großes Abenteuer, die kindliche Entdeckung der Welt. Und gerade deshalb macht es heute noch Spaß in dieses Zauberreich einzutauchen, Kind sein zu dürfen, ganz nach dem Motto eines 80er-Jahre-Slogans: „Ich will so bleiben, wie ich bin.“