Heiß, heiß Baby!

Unglaublich, aber wahr: Der Sommer hat doch noch die Kurve gekriegt und sucht uns nun heim, in all seiner diesmal wirklich, wirklich heißen Wucht. Ich persönlich erlebe an einem solch heißen Tag, an dem die Temperaturen auf die 35 Grad Marke stürmen wie Carl Lewis zu seinen besten Zeiten, ein gewisses Gefühl der Trägheit in mir hoch steigen. Geht Ihnen das auch so? Am Morgen noch denkste dir “Watt’n schöner Tag.“, am Vormittag dann “Jap, ich sollte schwimmen gehen.“ und dann, gegen Nachmittag dann, „Nö, das lass ich mal bleiben. Ist echt viel zu heiß.“ Eigentlich typisch deutsch, oder? Na ja. Dass heute dann auch noch Siebenschläfertag ist, das lässt zumindest auf eine Fortsetzung dieses Sommer, Sonne, Strand, Cornetto-Feelings hoffen. Immerhin soll sich an diesem ominösen Tag ja das Wetter für die nächsten sieben Wochen ablesen lassen. Wahrscheinlich aber, hat diesen Tag die Gewerkschaft der deutschen Meteorologen irgendwann ‚erfunden‘, um ihrem Klientel sieben Wochen Sommerpause zu verschaffen. Klar: Immerhin gibt es Wetter rund 365 Tage im Jahr. Hat wohl trotzdem nicht geklappt mit der Sommerpause für die Armee der Kachelmänner.

Obwohl: Wie ich gerade gelesen habe, trifft das Ganze in Süddeutschland zu 60-70 Prozent zu. War aber auch zu erwarten. In dem Land der Christlich Sozialen Union wird eben Beständigkeit noch groß geschrieben… Da kann man sich auf Bauern-Regeln noch verlassen. Zum Mitschreiben: Das meinte ich ironisch.

Was also anfangen bei solch einer Hitze? Da möchte ich nun wieder wissenschaftlich korrekt werden. Es lebe eine Erfindung der Mexikaner oder waren’s doch die Spanier? Die Siesta. Ergebnisse einer Studie der Universität Manchester haben gezeigt, dass eine Mittagspause von 14-17 Uhr durchaus natürlich und sinnvoll ist. Also: Bitteschön. Füße hoch und einfach entspannen.

Hier meine Empfehlung für den eigenen Swimming Pool:

Man nehme…
– 4 cl Wodka
– 4 cl Curacao Blue
– 10 cl Ananassaft
– 2 cl Cream of Coconut
– 2 cl Sahne

und natürlich Eiswürfel. Cheers!

Dumm nur….

Mich erstaunt immer wieder das duale Weltbild, das viele Menschen für sich beanspruchen. Da gibt es nur weiss und schwarz, gut und böse. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen eine einfachere Sicht der Dinge. Immerhin leben wir in einem Land der Meinungsfreiheit. Problematisch empfinde ich allerdings drei Aspekte. Erstens: Wenn die von mir Angesprochenen versuchen, Andere lautstark von der Richtigkeit ihrer Gesinnung zu überzeugen. Zweitens: Wenn sich eben Solche gegenüber anderen Standpunkten als ignorant und bisweilen gar suppressiv erweisen. Drittens: Wenn ich nun diesen Menschen in der Sauna gegenüber sitze und eigentlich meine Ruhe haben will.

Und da bin ich auch schon auf das nächste, viel weitreichendere Problem gestoßen: Das duale Weltbild („dual“ kann hier übrigens durchaus auch als Synonym für stark simplifizierend gelten) gipfelt tragischer Weise letztendlich oft in einer groben Fehlinterpretation der tatsächlichen gesellschaftlichen Konditionen und Verhältnisse. Nehmen wir ein Beispiel aus der Praxis. Eine Gruppe von Männern (55-70 Jahre) sprach einmal angeregt über das Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit. Aufgrund des sich mir aus ihrem Gespräch erschließenden Inhalts, konnte ich, zumindest rudimentär, auf ihre jeweiligen biographischen Hintergründe schließen. So waren die Männer allesamt Rentner, hatten jedoch zuvor handwerkliche Berufe ausgeübt. Nun erzählte einer von ihnen sehr aufgebracht, dass es Hartz IV-Empfängern viel zu gut ginge. Alle anderen bejahten dies und steigerten sich daraufhin sehr emotional in dieses Thema hinein, dessen Tenor ich an dieser Stelle kurz illustrieren möchte: Allen arbeitslosen Menschen geht es besser als uns. Die kriegen zu viel. Warum sind wir überhaupt jemals arbeiten gegangen? Ach ja: Ironischer Weise berichteten einige der Männer später noch von anstehenden Fernreisen – womit sich tendenziell diese Frage eigentlich von selbst beantwortet haben müsste, hätten diese Leute, was ihr eigenes Luxusverständnis angeht, keinen „blinden Fleck“ ausgebildet, der ihnen jegliche Wahrnehmung dahingehend verschleiert.

Haben Sie sich, liebe Leser, nun vielleicht einmal die Mühe gemacht, solche Menschen von der Vielschichtigkeit der Dinge, ja über eine gwisse Grundidee von dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, zu ‚informieren‘? Richtig! Nein. Das bringt auch nichts, denn gegen Ignoranz und auch Dummheit ist ja bekanntlich noch kein Kraut gewachsen. Ja ich habe es gesagt – das böse Wort: Dummheit. Es gibt auf unserer Welt noch dumme Menschen und Sie werden sich wundern: Sie (diese A-B’ler) sind in der Mehrzahl und einige von ihnen überfluten uns sogar mit ihren Pseudo-Weisheiten, die manchmal in Vorurteile und andere Verblendungen münden. Hier ein paar Spielarten:Vegetarier leben ungesund, Ausländer sind nicht gut, Ich war es nicht, Früher war alles besser usw.

Heutzutage darf man das garnicht mehr sagen, glaube ich, dass es noch dumme Leute gibt. Seltsam… Die Jüngeren unter Ihnen können sich vielleicht daran nicht mehr erinnern, aber früher, da gab es noch Schulen, wo man kein Abitur machen konnte. Diese Institutionen wurden auch nicht stigmatisiert so wie heute, nein. Man nannte sie übrigens Haupt- oder Realschulen. Komisch, dass sich die Eltern unserer Eltern noch mit einer nicht-akademischen Laufbahn ihrer Sprößlinge abfinden konnten, während heutzutage jeder sein Kind für den intelektuellen Überflieger und späteren Frauenschwarm mit Porsche Carrera S vor der Haustür hält. Ja – damals hatte ‚Mann‘ noch Haare auf der Brust, ‚Frau‘ wurde man erst nach Fräulein und wenn schulische Leistungen des Sohnes oder der Tochter mal durchschnittlich waren: Who the f… cared?

So wuchsen unsere Eltern in einem bildungs-fatalistischen Klima der Extraklasse heran. Klar: Damals haben auch schon einige gewusst wie’s geht und studiert – ganz aus eigenem Antrieb. Die verstanden es zu revoltieren und ordentlich was in Sachen Emanzipation zu tun – ok. Aber gerade diejenigen, die sich ohne höhere Schulbildung gemächlich in den damals noch sicheren Schoß einer Ausbildungsstelle begaben – oder die eben einfach ‚zu doof‘ zum Studieren waren – die begegnen uns heute doch mit den Worten: Das war damals so. Da hat man nicht studiert. Anders formuliert: Durchschnittlichkeit und Dummheit hatten damals noch ihren festen gesellschaftlichen Stellenwert und wurden akzeptiert, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, ab dem dann die 68er selber Papas und Mamas wurden und plötzlich meinten, ihre eigenen Bildungslücken mit sinnlos langen akademischen Schulkarrieren ihrer Kinder stopfen zu müssen…

Nochmal zurück zu unserem Ausgangsthema: Wenn aus Dummheit eine Meinung erwächst. Jetzt sagen Sie wahrscheinlich: Das gab’s schon immer und das wird’s wohl auch immer geben. Gut – das habe ich akzeptiert. Dieses gesellschaftliche Phänomen existiert tatsächlich schon sehr, sehr lange und spiegelt sich auch medial in den kunterbunten Schlagzeilen der Yellow Press wider. Gefährlich wird’s aber da, wo subjektive Befindlichkeiten zu objektiven Tatsachen verdreht werden und in scheinbar gut recherchierte Nachrichtensendungen als Fakten einfließen. Ja, ja -da ist es wirklich schwer, sich und seinen Kindern noch die echte Mündigkeit und Autonomie im Sinne Adornos zu bewahren…

Das Gespräch dieser alten Männer zeigte mir einmal mehr auf erschreckende Art und Weise, was geschieht, wenn wir unser Wissen (oder das, was davon noch übrig bleibt) aus den kollektiven Breitbandmedien nähren, die ja bewusst mit der Angst der Menschen kalkulieren und spielen. Denn alles, was diese alten Herren aus meinem Beispiel über ein eigentlich wichtiges gesellschaftliches Problem wiedergeben konnten, hatten sie aus einem medialen Mischmasch der BILD-Kategorie aufgesogen, der ihnen zwar eine Meinung, aber kein Wissen verschaffte. Sie wussten davon natürlich nichts und wähnten sich im Lichte ihrer Schein-Erkenntnis – wie schade eigentlich.

Kleines Intermezzo am Rande: Müssen die Schlagzeilen einer Nachrichtensendung wirklich immer mit dramatischer Pseudo-Hektik-Wichtig-mach-Musik hinterlegt werden? Will ich wirklich in den Acht-Uhr-News (nannte man früher Tagesschau) erfahren, dass in China ein Panda-Baby auf die Welt kam? Kurz: Will ich so enden wie diese und Millionen anderer Menschen? Nein – aber wir alle werden immer wieder mit solchen Emo-Attacken der Sendeanstalten und Verlage bombardiert, bis wir genau das glauben. Wie süüüüß, nicht wahr?

Zugegeben: Kein Mensch kann alles wissen. Worum es mir geht, ist es, ein Plädoyer zu halten für die genaue Selektion der Quellen, aus denen man sein Wissen bezieht. Auch Klatsch-Magazine haben ihren Stellenwert, ich darf ihnen nur nicht das Attibut zu sprechen, objektiv-wahr zu sein. Wo nämlich journalistischer Gossip oder einfach nur schlecht recherchierte Berichte, zu stark an Bedeutung gewinnen, bleibt Wesentliches verschleiert und Scheinwissen wird zur Realität verklärt. Auf unser Beispiel mit den älteren Herren bezogen heisst das: Diese Menschen haben nicht verstanden, dass sie von dem, was sie da sprechen, eigentlich gar keine Ahnung haben, weil sie es versäumt haben, in ihrem Leben auf die richtigen Quellen zurückzugreifen. Und das ist nun leider wirklich dumm. Wie treffend hat das Jan Hegenberg mal in einem seiner Songs formuliert, dem ich mich an dieser Stelle nur brav anschließen kann:

„Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!“ Recht hat er…

Was bleibt?

Ich habe heute beim Aufräumen einer großen Mehrzweckhalle geholfen. Diese Halle hatte über Jahre hinweg ein alter Herr betrieben, der allerdings nun die Diagnose Pankreas CA, kurz Bauchspeicheldrüsen-Krebs, gestellt bekam. Daraus ergibt es sich, dass er diese Halle, die er sein ganzes Leben lang hegte und pflegte, nicht mehr länger als Hausmeister übernehmen kann. Sein Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag und er hat wohl nur noch einige Wochen zu leben.

Der Vermieter, eine große Wohnungsbaugesellschaft, hat auch kein Interesse daran, das Objekt zu erhalten. Daher wollten wir, eine Truppe von 5 Mann, diesem Mann helfen. Schnell und unentgeltlich. Unglaublich, was sich da in den letzten Jahrzehnten an allerlei Dingen angesammelt hatte. Irgendwie könnte ich niemals so etwas wie Haushaltsauflösungen verantworten. Man hat das seltsame Gefühl, ein ganzes Leben zu negieren… Das wirklich Schlimme daran ist, dass jede Kleinigkeit, jedes Bild, dem alten Mann etwas bedeutete und man (also ich) es dennoch einfach entsorgen und wegwerfen musste. Alle Sinnhaftigkeit, alle Arbeit, alle Mühe – ausgelöscht…

Dieser Mann, dessen ganzes Leben bestimmt war von seiner Arbeit, wird Zeuge davon, dass ein entscheidendes Element seiner Existenz, einfach „dekonstruiert“ wird. Kafka sagte treffend: „Das eigentlich Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit.“ Aber die direkte Konfrontation mit ihr, macht uns schwach und reisst uns aus jeglichem Omnipotenz-Wahn.

Was bleibt also? Es bleibt, so denke ich, der Eindruck von Jemandem, die Erinnerung an ihn, die gut oder schlecht sein kann. Natürlich verblasst diese und löst sich auf – nach und nach. Das ist es wohl, mit was wir zurecht kommen müssen: Dem Bewusstsein unserer Endlichkeit…

Wer weiß
Wir kommen, wer weiß, woher.
Wir gehen, wer weiß, wohin.
Wir sind wie die Welle im Meer
allein und doch darin.
Wir sind wie das Licht ein Teilchen
und ebenso ein Strahl.
Wir sind auf der Erde ein Weilchen
und vielleicht ein ums andere Mal.
Wer weiß, woher wir gekommen,
wer weiß, wohin wir gehen?
Es bleibt für uns  verschwommen,
bis wir selbst am Ende stehen.

Renate Eggert-Schwarten

McDonalds – Made in USA

This is the excerpt for your very first post.

Ich komme gerade aus dem American Way of life-Restaurant Nr.1: McDonalds. Und wieder einmal entlässt diese Lokalität mich mit der in mir drängenden Frage: Warum zur Hölle tue ich mir das immer wieder an? Ronald Mc Donalds wahres Gesicht?Zwar zähle ich mit meinen Fast-Food-Essgewohnheiten noch längst nicht zu den echten Power-Usern (wobei: eigentlich müsste das wohl eher Power-Eater heißen), allerdings: Ab und an kann ich mich einem Ausflug in die Welt der schnellen Happen nicht erwehren. Was macht nun den Zauber dieses, eigentlich, Anti-Genusstempels aus? Lassen Sie uns dieser Frage also mittels eines Feldforschungs-Experiments nachgehen.

Sie kennen das sicherlich auch: Man kommt dort rein und wird konfrontiert mit einer Geräuschkulisse, die ihresgleichen sucht. Und damit meine ich nicht alleine die Stimmen der Eltern, Kinder, Jugendlichen, Servicekräfte usw. Nein! Machen Sie doch einfach einmal folgendes Experiment: Stellen Sie sich bitte mit geschlossenen Augen einmal vor die Kundentheke. Was hören Sie? Ja, richtig! Es ist Maschinenlärm, der uns, eindrucksvoll und schaurig, mittels Piepsen, Knarren und allem, was dazu gehört, akkustisch zu verstehen gibt, dass wir uns im Nahrungsmittel-Moloch eines amerikanischen Großkonzerns befinden. Alleine diese Kulisse also sollte uns nun doch vor jeglicher Interaktion mit den sich hinter der Theke befindenden, uniformierten Food-Milizen bewahren. Doch weit gefehlt. Auch wenn wir uns laut unseren Sinneswahrnehmungen wohl eher im Gerätepark von BASF befinden, sind wir bereit, uns auf das große Fressen einzulassen. Dass das Ganze dann in einer drängenden, lauten Menschenmenge vor sich geht, ohne Service, macht auch nix mehr. Vielleicht ist das ein Teil des großen McDonalds Erfolgs: Durch die vor dem Essen erlittenen Strapazen, wird eigentlich schlechtes Essen als Belohnung empfunden…

Gut: Endlich an der Reihe. Nun muss es schnell gehen und ich bestelle: „Einmal BigMac Menü, groß, Cola, Ketchup.“ Fertig. Ich schlürfe mit meinem roten Plastik-Tablett also Richtung… Wohin eigentlich? Es ist 12 Uhr – Mittagspause und ich – sowie scheinbar 250 andere Personen – kamen auf die gloreiche Idee, ihren Hunger hier zu stillen, was mich neben dem Geruch von Schweiß und der Sicht auf viele ungewaschene Häupter, mit meinem kindisch anmutenden sch… Pastiktablett (inklusive Grinse-Ronald McDonald-Papierauflage) in die letzte Ecke dieses verwunschenen Ortes zwingt.

Bequem geht wohl anders. Achso – ich vergaß, zu erwähnen, dass mein „Menü“ über 5 Euro kostete. Auch günstig geht wohl anders. Lassen Sie mich also nun zu dem Klimax dieses Elebnisses kommen: Ich biss in das weiche, weiche, weiche Brötchen hinein und der Geschmack von sauren Gurken, Mayonäse, Frikadellen und Salat formierte sich in meinem Mund zu einem undefinierbarem, aber gleichwohl Lust auf Mehr machenden, Geschmacks-Konglomerat. Wenn also die Brüder Richard und Maurie McDonald im Mai des Jahres 1940, diese Pilgrim-Fathers der Systemgastronomie, die Päpste der Geschmacks-Knospen-Verwirrung, mit ihrem ersten Restaurant etwas geschafft haben, dann ist es, durch geschickte Kombination der Zutaten, die Menschen auf ein Produkt einzuschwören, dessen Qualität einzig und allein in seinem fordernden, situativen Geschmacks-Erlebnis liegt. Und dafür muss es sogar nicht besonders gut sein, sondern einfach nur aromatisch betäubend.

Nachdem ich mein Mahl also verspeist hatte (Übrigens werde ich davon nicht wirklich satt.), stand ich auf mit meinem Tablett und stellte es zu den 15 anderen in den (fast) schon vollen Tablett-Wagen.

Wenn man McDonalds (sowie all den anderen großen Fast-Food-Ketten) überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es das perfekte Marketing, dass sich um das Untehmen erstreckt. Über breit angelegte Aggro-Werbung werden schon die Jüngsten in die Irrungen und Wirrungen amerikanischer Pseudo-Esskultur eingeweit: Ronald McDonald und Junior-Tüte sind da geschickte Schachzüge, um den Lifetime-Value, also den Geldwert, den ein Kunde während seines gesamten Lebens einem Unternehmen zuträgt, schon frühzeitig abzuschöpfen. Kaum erstaunlich, dass da die Umsatzzahlen von McDonalds in Deutschland seit 2002 bis 2010 ausnahmslos gestiegen sind (aktuell bei 2,3 Mrd. Euro jährlich!). Um sich die Bedeutung dieser Wirtschaftsmacht klar zu machen: Wussten Sie, dass es einen sogenannten Big-Mac Index gibt, der die Big-Mac-Preise in verschiedenen Währungen der Erde vergleicht? Bereits im Jahr 2004 verfügte das Unternehmen weltweit über 31.500 Standorte, wobei zusätzlich in den USA weitere Partner-Brands zur Unternehmensgruppe gehören. Perfekte Gewinnorientierung eben. Um sich dem Low-Quality-Vorwurf zu entziehen, bewiesen das Unternehmen und dessen Strategen Ende der 90ger erneut eine gute Marketing-Spürnase: Um ganz bio und umweltbewusst da her zu kommen, wurde das McDonalds M einfach grün unterlegt.

Gut – soweit der Ausflug in die Mc-Donalds Geschichte. Nun stand ich also da – kaum, gesättigt, Burger-Rausch verflogen. Wie ein Junkie fühlte ich mich – reumütig. McDonalds-Zeugs ist also berauschend aber nicht gut. Übrigens – diese These wird von einem gewissen Herrn Sonneborne eindrucksvoll belegt:

„Eigentlich sind wir ja ein Immobilien-Unternehmen. Der einzige Grund, warum wir Hamburger verkaufen, ist die Tatsache, dass diese am meisten Gewinn abwerfen, von dem unsere Restaurantbesitzer uns Miete zahlen können (Schlosser, 96 f.).

Harry J. Sonneborne, McDonalds-Gründer

NANANANANA… Ich liebe es……

Was bedeutet eigentlich Fronleichnam?

Das hab‘ ich mich gefragt. Ok, es ist ein kirchliches Hochfest, so weit so gut. Entstanden ist Fronleichnam durch die Vision der Ordensfrau Juliana von Lüttich um 1209. Diese sah darin den Mond mit einem dunklen Fleck, was später als das Fehlen einer Eucharistie-Feier gedeutet wurde. Daraufhin führte Bischof Robert von Lüttich um 1246 das Fronleichnam-Fest in seine Diazöse ein. Eine wichtige Voraussetzung für das Fest war dabei das Laterankonzil. Dieses hat die Wandlung der eucharistischen Gestalten durch die so genannte Transsubstantiationslehre (schwieriges Wort) präzisiert und dann zum Dogma erhoben. Bedeutet: Erst durch diese Lehre wurde es offiziell „möglich“ (daran zu glauben), dass in der Messe Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden können und Gott darin gegenwärtig wird. Damit verehrt und gedenkt dieses Fest auf feierliche Art und Weise dem sogenannten Altarsakrament, was ja die Wandlung versinnbildlicht.

Auch Thomas von Aquin (1225-1274) war an der Enstehung dieses Festes mit beteiligt, indem er Texte für das Offizium und die Messen zusammenstellte. Von ihm stammt die berühmte Sequenz „Lauda, Sion, Salvatorem“ (Lobe, Zion, den Erlöser).

Übrigens war Martin Luther einer der energischsten Gegner dieses Festes und bezeichnete es 1527 als das „schädlichste aller Feste“.

Im Französischen trägt der Tag übrigens den schönen Namen Fête Dieu, also das Fest Gottes. Fronleichnam findet immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten statt und steht damit im Osterfestkreis. Noch ein Wort zur Etymologie: Der Begriff stammt aus dem Mittelhochdeutschen. „Fron“ bedeutet „Herr“ und „Lichnam“ bezeichnet den lebendigen Leib. Gefeiert wird bei dem Fest die bleibende Gegenwart von Jesus Christus. Besonders ist bei diesem kirchlichen Fest die Prozession. Schon 1264 soll übrigens in Köln eine solche stattgefunden haben. Die Prozession führt die Gläubigen an vier Stationen vorbei, die allesamt den Anfang eines Evangeliums verkünden. In Bayern und Köln finden berühmte Prozessionen auf dem Wasser statt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Prozessionen wegen des wechselhaften Wetters heute nicht ins ‚Wasser fallen‘.

Altes Eisen?

Irgendwie ist mir heute Morgen mal wieder bewusst geworden, wie wenig uns die Generation der Älteren eigentlich wert ist. Ich saß, mit gefühlten vierzig weiteren überwiegend älteren Personen, im Wartezimmer eines Arztes. Leider war dieses Wartezimmer ziemlich voll. Zwar konnte ich mir gerade noch den letzten Sitzplatz sichern, allerdings trat schon bald wieder eine ältere Dame ein, die mir recht gebrechlich schien. Ich stand auf und bot ihr meinen Platz an. Das ist prinzipiell selbstverständlich für mich. Was mich jedoch schockierte, war, dass auch einige andere Personen meiner Alltersgruppe zur gleichen Zeit in diesem Wartezimmer saßen. Diese wirkten ganz und gar mit sich selbst beschäftigt und machten überhaupt keine Anstalten, der alten Dame entgegen zu kommen und ihren Platz anzubieten.

Einer von ihnen stach mir besonders ins Auge. Irgendwie erinnerte mich der gute Mann an unseren Fußball-Bundestrainer: Weißes Hemd und unglaublich busy. Übrigens blieb ich daraufhin stehen, da immer weitere ältere Damen und Herren in das Wartezimmer drängten. Die Herren meiner Altersklasse (es waren in diesem Fall tatsächlich ausnahmslos Herren) ließ das jedoch immer noch völlig kalt.

Was mir dieser kleine Vorfall einmal mehr verdeutlichte, ist die noch immer in unserer deutschen Gesellschaft gering ausgeprägte Akzeptanz gegenüber den Älteren. Ich meine: Wir gehen Oma und Opa besuchen – an Weihnachten und anderen Feiertagen – schön und gut. Aber sind wir wirklich bereit, uns auf die Bedürfnisse älterer Menschen, ja deren Existenz überhaupt, auch im Alltag einzulassen? Ich denke nicht. Aber woran liegt das eigentlich? Ist das Nicht Wahrhaben wollen des Alters vielleicht unserem Wunsch geschuldet, nicht all zu früh mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert zu werden? Vielleicht. Oder haben wir hier in Deutschland einfach den respektvollen Umgang mit älteren Menschen garnicht erst gelernt? Das von mir beobachtete Phänomen sieht man immerhin in vielen Situationen des öffentlichen Lebens. Nehem Sie Bus, Bahn, Warteschlange im Supermakt. Natürlich gibt es da auch die rüstigen Alten, die sich ihrem Alter nur bewusst sind, wenn es darum geht, daraus Vorteile zu ziehen (Junger Mann, lassen Sie mich mal vor da. usw.). Die meine ich nicht. Denn die bedürfen – jedenfalls noch – nicht unserer Fürsorge. Mir geht es um das Erkennen und Wahrhaben von alten Menschen, die von unserer Akzeptanz im Alltag in gewissem Maße abhängig sind. Und das muss ich mich schon fragen: „Liebes Deutschland, was hast du da nicht verstanden?“

Nehmen Sie als Gegenbeispiel die familiären Bande italienischer Einwanderer-Familien, die auch nach Jahren der eigentlichen Einbürgerung unglaublich stark zu sein scheinen. Hier geht nichts ohne la Mama oder la familiaüberhaupt.

Der von uns tradierte Familienbegriff ist dagegen weitaus offener und durchlässiger. Familie hat bei vielen von uns nicht den Stellenwert, der ihr eigentlich gebührt – leider.

Andererseits denke ich, wir konzentrieren uns einfach zu sehr auf uns selbst. Gestern habe ich bereits auf Ricard verwiesen, der die Akzeptanz gesellschaftlicher Interdependenz als essentielle Grundlage einer echten Selbstlosigkeit propagiert. Ja, ich denke, genau das ist es: Um den Älteren endlich überhaupt empathisch gegenüber zu treten, müssen Viele überhaupt erst einmal kappieren, dass wir von einander abhängig sind. Nur wenn wir uns als kollektiv Handelnde wahrnehmen, haben wir die Chance, von unseren Egotripps runter zu kommen.

Natürlich könnte man nun auch argumentieren:Ja, mit den zunehmenden Rollenerwartungen an uns werden wir immer mehr Stress ausgesetzt. Die „böse“ Gesellschaft ist schuld. Das will und kann ich an dieser Stelle jedoch nicht gelten lassen. Andere Gesellschaften sind genau so „komplex“ strukturiert wie die unsere. Andere Gesellschaften – nehmen Sie ganz Südeuropa – sind unserer sehr ähnlich. Kurz gesagt: Auch die in ihnen lebenden Menschen, müssen arbeiten und haben sich dennoch eine gewisse Empathie im Umgang mit dem Alter und den Alten bewahren können. Wir nehmen uns, so bin ich überzeugt, einfach viel zu wichtig.

Wenn wir von diesem Egotripp endlich mal runterkommen, wird uns vielleicht bewusst, dass wir die Zeit für Oma und Opa, Mutter und Vater, eigentlich (gehabt) hätten und dass es auch im Alltag mit ein Bißchen mehr Rücksicht weitaus menschlicher herginge. Wir sollten uns das nur mal eingestehen.

Matthieu Ricard – Gedanken zur Selbstlosigkeit

Kennen Sie eigentlich Matthieu Ricard? Wenn nicht, dann will ich Ihnen diesen Menschen vorstellen. Ricard, das ist ein französischer Philosoph – Molekularbiologe und buddhistischer Mönch. Ganz nebenbei fotografiert er übrigens auch noch. Da er als offizieller Übersetzer des Dalai Lama tätig ist und in Nepal lebt, bieten sich ihm auch entsprechende Motive. Dieser interessante Mensch hat sich Gedanken darüber gemacht, was Altruismus, also Selbstlosigkeit, eigntlich ausmacht. Seine Thesen* finde ich sehr inspirierend und möchte sie daher an dieser Stelle zusammenfassend darstellen. Demnach ist unsere „wechselseitige Abhängigkeit “ die eigentliche Grundlage unseres Altruismus. Kurz: Der wahre Altruist hat erkannt, dass er in einer Gesellschaft eingebettet und auch abhängig von Anderen ist.

Dem gegenüber steht der Egozentrismus, der nach Ricard die Basis dafür darstellt, „sich und den Anderen ein erbärmliches Leben zu bescheren.“ Der Egoist ist verletztlich und sucht Schutz in der Blase seines eigenen Egos, wo Erfolge und Misserfolge für ihn eine unglaublich hohe Bedeutung bekommen.

Altruismus hingegen steht im Einklang mit der Interdepenz, mit dem Wunsch der Menschen nach Glückseeligkeit (gr. Eudaimonia), mit dem Bewusstsein von den Anderen. Dabei zählt die altruistische Liebe zu den positivsten aller Gefühlsregungen. Zwar ist der echte Altruismus schwer festzumachen, allerdings gibt es ja tatsächlich Situationen, in denen sich Menschen selbstlos verhalten. Ricard spricht sich nebenbei gegen die Existenz eines universellen Altruismus aus. Dieser geht davon aus, dass Menschen nur selbstlos sind, um sich selbst besser zu fühlen.

Es gibt, so stellt Ricard klar, verschiedene Unterarten des Altruismus. So ist die Mutterliebe als solche beispielsweise in einem bilologischen Altruismus begründet – also in einem biologisch angelegten Schutzinstinkt der Mutter gegenüber dem eigenen Kind und in der bedingungslosen Liebe der eigenen Nachkommen. Von diesem ‚Grundaltruismus‘ kann jedoch ein übergreifender Altruismus entspringen. Damit widerspricht Ricard der Theorie des egoistischen Gens von Richard Dawkins, der von einem kompetetiven und stets selektiven Verhältnis allen Lebens ausging.

Alleine durch Training und Meditation kann man seinen Altruismus weiterentwickeln und schulen, der die eigenen Grenzen sprengt. Genau das beweisen neueste Forschungen auf dem Gebiet der Neuroplastizität, die zeigen, dass sich unser Gehirn durch intensives Gefühls-Training verändert. Ich muss gestehen: Ich kannte diese Studien bereits von Geigern, Sportlern usw. Dass allerdings durch Gefühltraining möglich wird, sogar innere Haltungen nachhaltig zu verändern und beispielsweise empathisches Verhalten ausbilden kann, das hat mich erstaunt.

Untersucht wurden im Rahmen der Studien Menschen, die schon seit rund 30 Jahren meditiert haben. Bei ihnen hat man (unglaublich aber wahr) eine deutliche Veränderung der Gehirnaktivität bei der Meditiation über altruistische Liebe festgestellt, die in ihrer Intensität teilweise bis zu 1000mal stärker war, als bei nicht meditierenden Menschen. Mitgefühl ist damit keine spontane Gefühlsregung mehr, sondern ist etwas, was zur eigenen Lebensweise wird und sich auch organisch manifestiert.

Fazit: Grundmotiv des Altruismus ist, dass alle Lebewesen frei sein wollen von Leid. Er ist damit unabhängig von moralischen Kategorien, d. h. von erwarteter Bestrafung oder gar Belohnung. Ricard fundiert diese Aussagen damit, dass es immer wieder Menschen gibt, die anderen helfen – ohne Aussicht auf Belohnung oder Anerkennung, völlig selbstlos. Hier kann man dann quasi von dem authentischen Altruismus, sprechen, der sich erlernen und schulen lässt und den es zu erstreben gilt.

Mein persönliches Fazit: In den heutigen Zeiten ist es keineswegs einfach, in sich den Keim des wahren altruistischen Handelns überhaupt noch zu bewahren bzw. überhaupt auszubilden. Was Ricard und Enthoven diskutieren ähnelt daher eher einer Begriffsdiskussion, die die Motivation von wirklichem, zweckungebundenen Handeln, nicht zu entschlüsseln vermag. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass sich Altuismus eben nur im Handeln selber manifestiert, ohne dass wir jedoch über die Bewegründe der handelnden Person Auskunft erhalten. In der Sozialpsychologie hat man genau das erkannt und statt des Altruismus-Begriffs, den Begriff des prosozialen Verhaltens eingeführt. Auch die retrospektive Eigenbetrachtung durch die handelnden Person selbst vermag uns da nicht wirklich weiterzuhelfen. Was also meint Ricard, wenn er von einem echten, einem wahren Altruismus spricht? Wenn wir uns die verschiedenen Unterarten des Altruismus vor Augen führen, meint er sicherlich eine Art verinnertlichten Altruismus einer höheren Stufe, der auch gänzlich ohne ethische Qualifilkation gilt. Ob es uns jedoch vergönnt ist, in die von Ricard skizzierten höheren Sphären des Bewußtseins vorzustoßen und somit zum wahren Altruisten zu werden, bleibt abzuwarten.

*zusammengefasst aus der Arte-Sendung: „Philosophie – Altruismus“
Raphaël Enthoven diskutiert mit Matthieu Ricard zum Thema „Altruismus“: http://videos.arte.tv/de/videos/philosophie_altruismus-3821786.html