Über Strukturen und Muster

Nach einem unglaublich anstrengenden Umzugstag ist jetzt endlich die Zeit gekommen, mich mal gemützlich zurückzulehnen und meinen Gedanken nachzuhängen. Das Verlassen von Altem bedeutet doch auch immer den Aufbruch zu Neuem. Doch wir Menschen scheuen uns vor genau dem, verharren in alten, regressiven Mustern, nur um den Funken Sicherheit zu erhaschen, den es eigentlich nie gegeben hat. Sicherheit –dieser Wunschtraum der Menschheit – ist ein Streben nach, lässt sich aber doch nie idealtypisch realisieren. „Die Menschen sind sehr offen für neue Dinge – solange sie nur genau den alten gleichen“, sagte Charles F. Kettering einmal. Das trifft es genau: Den Wunsch, eigentlich Verharren zu wollen in alten Strukturen und selbst in scheinbar Neuem, eigenltlich nur das Altbekannte zu suchen. Da stellt sich für mich die Frage, ob es das Neue in seiner Essenz überhaupt gibt oder ob uns nur die Variationen des Alten gegenübertreten. Ich glaube, Strukturen ändern sich im Leben wohl nie, sie bleiben gleich, liegen den in uns individuierten Handlungen und Motivationen immer inharänt zugrunde. Das, was sich ändert, sind die Handlungsmuster, die situativen Gegebenheiten, in denen sich die bereits in uns angelegten Strukturen realisieren. Sich Neues zu erschließen, ist immer auch ein Wagnis, dass uns auf unmissverständliche Art und Weise zeigt, wie wir als Menschen gestrickt sind und nach welchen Strukturen wir unser Handeln ausrichten.

Deutsche Rüstungsindustrie profitiert von Regierungs-Deal

Unglaublich, aber wahr: Kurz vor der Sommerpause im politischen Berlin, fädelt die christlich-liberale Regierung Angela Merkels einen Millionen Deal mit dem arabischen Königshaus ein. Demnach sollen im Namen der Bundesregierung 200 Leopard-II-Panzer an das diktatorische Regime geliefert weden. Dieses Land ist laut Artikel 1 und 5 seiner Grundordnung eine absolute Monarchie, dessen Justizsystem von verschiedenen Religionsgerichten nach den Maßstäben der Sharia geführt wird, die absolutistisch herrschende Königsfamilie geht unerbittlich gegen ihre politischen Gegner vor. Das Land gilt ferner als Keim- und Wirtszelle für die Terrororganisation Al Quaida, die dort mutmaßlich viele ihrer hochrangigen Anhänger abtauchen lässt.

Da wirkt es schon fast ironisch, dass eine Instanz wie der Bundessicherheitsrat die Lieferung dieser schweren Kampfmaschinen in diese nachweislich als unsicher geltene Region genehmigt hat. Mehr noch: Angela Merkel spricht tatsächlich öffentlich davon, den Demokratisierungs-Prozess im nahen Osten mit allen Mitteln voranzutreiben. Gepanzerte demokratische Mittel also… Auch die buchhalterische Transparenz, bei diesem größten aller mit Saudi Arabien jemals getätigten Rüstungs-Deals, lässt zu wünschen übrig: Den Rüstungsexportbericht 2011, in dem dieses Mega-Geschäft nämlich zu vermerken ist – den gibt’s erst nächstes Jahr. Aber der geschäftsführende CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (der sich ja mit ai schreibt und mit dem ich daher weder verwandt, noch verschwägert bin) behauptet da noch, Saudi-Arabien sei in der Region immer ein stabilisierender Faktor. Klar: Mit solchen repressiven Mitteln wie unserern Rüstungspanzern, werden ja jegliche Bestrebungen nach Emanzipation und persönlichen Freiheitsrechten der Bevölkerung schon im Keim erstickt.

Rechtlich gesehen darf der Bundessicherheitsrat solche Geschäfte einfädeln. Aber nicht alles, was man darf, sollte man auch tun. Zumindest, sofern man nach moralisch-ethischen Leitlinien handelt. Im weltweiten Waffenexport-Ranking befindet sich Deutschland auf Rang 3, täglich werden tausende Menschen durch Waffen made in Germany getötet… Doch wo der schnöde Mammon regiert, scheint man keinerlei Gewissensbisse zu kennen. Da würde ich mir wünschen, dieser Albtraum-Deal wäre nur ein schauriges Sommermärchen… Leider werde ich, wenn ich in die Zeitungen sehe, eines Besseren belehrt und finde mich in der Realität erbarmungsloser deutscher Riegierungspolitik im Jahr 2011 wieder.

Atomkraft: Die Kunst der medialen Wiederaufbereitung

Schon lange fokusieren für uns die Medien in Sachen Atomkraft das, was Politiker entscheiden sollen oder bereits entschieden haben. Dabei kommen selbst seriöse öffentlich-rechtliche Sendeanstalten nicht umhin, die Schmitts und die Müllers von Nebenan in ihren Berichten, teils durch den Einsatz dramatischer musikalischer Nuancen, teils mittels unterschwellig polemischem Unterton, von „ihren“ Bedenken über einen schnellen Atomausstieg zu überzeugen. So konnte ich vor Kurzem ein Glanzstück einer ‚investigativen‘ Reportage verfolgen, die untersuchte, welche Mehrkosten bei einem endgültigen Abschalten aller deutschen Meiler auf uns und die Industrie zukommen werden. Antwort: Unsere Geldbeutel werden jährlich mit 60 Euro zusätzlich strapaziert. Nun hört sich das wahrlich nicht nach viel an. Um den Panik-Charakter dieser Meldung dennoch aufrechterhalten zu können, bediente sich der Reporter deshalb einem geschickten Vergleich. Hier dessen ungefährer Wortlaut:“Während der Endverbraucher mit rund 60 Euro jährlich mehr rechnen muss, wachsen die Kosten für die Industrie rund auf 200 Milliarden Euro an.“ Ich frage mich, ob mittlerweile die „Milliarde“ zum festen Bestandteil einer „guten“ Nachrichtenmeldung gehören muss. Von Bankenpleite bis zu Griechenland: Die globalisierte Währungseinheit wird mittlerweile wohl in Milliarden bemessen und verliert dadurch an Fassbarkeit und obendrein an ihrem inharänten Wert.

Wen zur Hölle meint dieser Journalist mit der Industrie? Nun hätte man ganz einfach sagen können: „Die Kosten für einen industriellen Betrieb mittlerer Größe werden durchschnittlich um 10.000 Euro jährlich steigen.“ Zugegeben: Das klingt weit weniger sensationell. Eben: Da vergleicht dieser Mensch lieber Äpfel mit Birnen und führt mit der Industrie eine anonymisierende Begriffsschablone ein, der gegenüber die Mehrbelastung des kleinen Steuerzahlers fast schon der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Fast kann man den Eindruck gewinnen, man müsse bei solchen Mehrkosten der Industrie einen Fresskorb überreichen, da sie ansonsten am postindustriellen Hungertuch nagen müsse.

Sind es überhaupt die mittelständigen Unternehmen, die KMUs, die immerhin den Mamut-Anteil zum Bruttosozialprodukt beisteuern, die dieser Reporter meint? Ich kann mich der Vermutung nicht erwehren, dass davon eher nicht auszugehen ist…

Ist die Verzahnung von Medien und obskuren Lobbyisten der Großindustrie schon weiter vorangeschritten, als ich es vermutet hätte? Für mich steht jedenfalls fest: Diese 60 Euro gebe ich gerne aus für eine nicht-strahlende Zukunft. Bei jeglicher Kostendiskussion darf nicht vegessen werden: Atomkraft war und ist niemals eine saubere Form der Energiegewinnung.

Wäre sie das, dann bräuchten wir uns über die Wiederaufbereitung der hoch verstrahlten Brennstäbe, über deren Endlager und, nicht zu vergessen, über die bereits tausenden Todesopfer der Atomunfälle keine Gedanken zu machen… Leider ist das Leben kein Konjunktiv und die Ereignisse lehren uns Schlimmeres. Der Schritt weg von der Atomkraft war überfällig und das nicht zuletzt deshalb, weil sie uns und unseren Kindern gegenüber zutiefst unmoralisch ist.

Aussetzung bzw. Abschaffung der Wehrpflicht

Herzlichen Glückwunsch! Am 01. Juli war es so weit: Die Wehrpflicht hat eine Ende. Nun dürfen sich junge Menschen endlich dem widmen, was wirklich zählt und da gibt es Vieles, statt Bundeswehr. Hand auf’s Herz: Eigentlich ist alles sinnvoller, als diesem obsoleten Brauch nachkommen zu müssen. Endlich findet eine Ära ihr Ende, die den „Dienst an der Waffe“ als vaterlandstreu verharmloste und ihren ideologischen Grundsatz auf Befehl und Gehorsam gründete. Werte, wie Autonomie und selbstverantortliches, christliches Handeln, mussten dabei schon mal an der Kasernentüre abgegeben werden. Individuelle Persönlichkeiten wurden zur anonymen Truppe summiert, sinnloser Drill als wahrhaft männlich verklärt. Damit vertrat und vertritt die Bundeswehr eine Werteauffassung, die sich im Allgemeinen nicht mehr mit dem gegenwärtigen common sense deckt.

Auch wenn sie darin bestrebt war, sich stets einen neuen (und garnicht mehr so grün kämpferischen) Anstrich zu verleihen, hinkte sie dem Zeitgeist immer hinterher. Daran konnten auch verheißungsvolle „Karrierechancen“ inklusive groß angelegten Werbekampagnen nichts ändern. Vielleicht haben aber auch die jungen Menschen schon bemerkt, dass über diesem wackligen Karriere-Sprungbrett stets das Damokles-Schwert der unberechenbar gefährlichen Out-of-Area-Einsätze schwebt, die eher von machtpolitischen Schachzügen der Weltpolitik als von der Verteidigung eigener Landesgrenzen abhängig sind.

Schlagzeilen von gelegentlich im Kampf gefallenen deutschen Soldaten dürften dem Bund seine Jobvermittlungs-Versuche auch nicht gerade erleichtern. Soziologen bescheinigen der Bundeswehr ohnehin schon lange keine rosige Zukunft mehr und prophezeien ihr gerade noch dünne Zuläufe aus den sogenannten bildungsfernen Schichten. Ob die Bundeswehr nun endgültig zu einer Armee bezahlter Modernisierungsverlierer mit Hang zu deutschtümelnden Traditionen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit: Dienst für’s Vaterland tun wir Steuerzahler schon lange. Das geht auch ohne teure strategische Sandkastenspielchen und dem Lernen-Müssen, wie Mann tötet. Die Wehrpflicht ist ein Relikt längst vergangener Tage und gehört genau dort hin.

Frau Pseudo-Schwarzenegger….

Hätten Sie gedacht, dass die pure Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio ausreicht, um die Psyche positiv zu beeinflussen? Sicher ,werden Sie sagen, Weiss doch jeder, dass sich Sport positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Ja – Ihre Schlußfolgerung besticht durch ihre Klarheit… Aber das, was ich meine, hat nix, aber auch garnix, mit Sport zu tun.

Leider konnte ich das sogleich angesprochenene Phänomen bis dato nur bei weiblichedn Mitbürgerinnen beobachten. Ja: Einigen Frauen reicht die Existenz einer Mitgliedskarte für einen solchen Fett-Weg-Tempel schon aus, um ihren Egos wieder Flügel zu verleihen. Und sind wir (Männer) mal ehrlich: Das ist eigentlich die clevere Alternative, im Vergleich zu den dauer-monoten Schwitz-Übungen stupider Muskelprotze.

Diese Mädels haben’s nämlich verstanden, dass das, um was es da geht, die eigene Selbstaufwertung nämlich, schon viel früher beginnt als erst in den Fängen von besessenen Fitness-Couches und dauer-lächelnden Chouchinnen.

Das gute Gefühl stellt sich nicht erst bei anstrengenden Übungen an extra dafür konzipieren Quälmaschinen oder gar bei wummenden Bässen durchgeführten Pseudo-Spaß-Mach-Tänzen ein. Die neue Generation dieser Fitness-Card-Inhaberinnen hat die Fitness quasi in der Tasche (genauer: in der Geldbörse), immer dabei, vorweisbar und plakativ – aber ohne die lästigen sportlichen Verbindlichkeiten. Vorzeigen genügt, so wie bei einem Ausweis.

Der einzige Nachteil: Dazugehören kostet Geld. Aber der Preis, sich auch ohne Anstrengungen, nur à la Carte wohlzufühlen, ist im Vergleich zum psychischen Mehrgewinn niedrig. Schade nur, dass das so viele männliche Fitness-Junkies noch nicht verstanden haben. Aber man kennt das ja: Irren ist bekanntlich männlich.

So ein Sauwetter …

…wie heute hat schon irgendwie etwas leicht Morbides, finden Sie nicht? Also nehm‘ ich mir mal Zeit für mich und spaziere zum Frisör. Ja – auch als Mann hat man von diesem Besuch seine Vorteile, finde ich jedenfalls. Da ist immerhin der schöne, fade Beigeschmack der unverbindlichen Konversation. Ein unverbindliches Gespräch in einer unverbindlichen Umgebung, ergänzt durch das angenehme Gefühl, besser auszusehen als vorher. Hat man das vielleicht schonmal psychoanalytisch untersucht?

Eigentlich garnicht so schlecht das Frisörhandwerk, denke ich mir. Gut, die Bezahlung ist nicht die beste… Und wenn ich mir, vice versa, ein dummes Gespräch von jemandem, den ich nicht kenne, anhören müsste… Nö, das wollte ich dann doch nicht wirklich. Nach einer Tasse Kaffee und mit ein wenig kürzeren Haaren schlendere ich nach Hause…

Aggro Schwimmen?

Da es die Witterung zuließ, nutzte ich die Gelegenheit und ging Schwimmen. Also ich versuchte es zumindest. Als ich nämlich im Freibad angekommen war, erwies es sich garnicht mal also so einfach, in dieser Menschen-Suppe überhaupt eine Bahn zu „ziehen“. Ich versuchte es dennoch – motiviert wie ich nun mal bin. Ergebnis: Da kreuzten allerlei Menschen meinen „Weg“. Von der Mama, die in energischem Ton ihren drei 3,4 und 5-jährigen Kindern erklärte, wie das mit dem Schwimmen funzt und dabei vergaß, die wichtigste aller Regeln (Schwimm im Sportbecken niemals im Kreis) zu nennen über die klassischen Wir-sind-den-ganzen-Tag-im-Schwimmbad- Kiddies, die mit ihren Schnorcheln die aufregende Unterwasserwelt des Sportbeckens erkunden wollen bis hin zu gebräunten Thomas Anders-Verschnitten, die am Beckenrand (Füße ins Wasser) thronen und dich blöd angucken, wenn du als Schwimmer dort hin willst. Ja das Sportbecken – dieser Schmelztiegel der Kulturen – scheint in Sachen geordnete Schwimmverhältnisse wahrlich ein rechtsfreier Raum zu sein…